Margaret Millar - Umgarnt

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  • Margaret Millar - Umgarnt
    (OT: Experiment in Springtime, 1947; dt. 1995 von Monika Elwenspoek)


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    Klappentext:
    Charles traut seiner Frau Martha nicht mehr, seit sie ihm einmal ein Aspirin verabreicht hat, das eine allergische Überempfindlichkeit auslöste. In seinen Fieberfantasien vermutet er, dass sie ihm den Tod wünscht. Martha, die viel Wert auf Ordnung legt und sich vormacht, mit Charles glücklich verheiratet zu sein, weiß nicht, wie sie auf seine Verdächtigungen reagieren soll. Als dann plötzlich ihr ehemaliger Verlobter wieder auftaucht, bringt sie das noch mehr durcheinander. Steve, traumatisierter Kriegsveteran, aber deshalb nicht weniger charmant, holt Martha aus dem Kokon der perfekten Ehefrau heraus und drängt sie zu unbequemen Entscheidungen.


    Ich muss gestehen, dass mir Margaret Millar (1915 - 1994) überhaupt kein Begriff war, obwohl sie ca. 25 Bücher geschrieben hat, von denen die meisten dem Krimi-/Thriller-Genre zugeordnet werden und die sich gleichzeitig durch psychologische Einfühlsamkeit auszeichnen. Auszeichnen sollen, müsste ich wohl sagen, denn das Buch war alles andere als psychologisch, wie ein Kommentar auf der Rückseite vermuten lässt: Margaret Millar erzählt auf hohem literarischem Niveau spannungsvolle Psychothriller mit klaustrophobischem Klima. Beklemmend ist die entlarvende Darstellung einer Welt, die mit ihrer Heuchelei und ihrem Komplexen die Wahrheit verdrängt sowie zweifelhaften Idealen nacheifert. Das hört sich wirklich viel versprechend an, doch abgesehen von dem klaustrophobischen Klima, das ich noch einigermaßen nachempfinden konnte, stellte sich nichts ein.


    Die Geschichte ist so langweilig, wie sie klingt. Ein Mann verdächtigt seine Frau des Mordversuchs an ihm und zieht sich von ihr zurück. Unterdessen zieht der ehemalige Verlobte der Frau als Untermieter in ihrem Pförtnerhaus ein und macht ihr Avancen. Die Frau weiß nicht, wie sie reagieren soll, fühlt sich aber zu ihm hingezogen und hat gleichzeitig ein schlechtes Gewissen ihrem Mann gegenüber. Schließlich entscheidet sie sich, die ohnehin wackelige Ehe zu beenden, bringt es aber bei einer persönlichen Aussprache nicht übers Herz, ihren Mann vor vollendete Tatsachen zu stellen. Als er sie kurz danach selbst wieder zurückerobern will, endet das Buch abrupt in einer wirren Szene, die höchstwahrscheinlich so gedeutet werden soll, dass er seine Frau an den Ex-Verlobten verloren hat.


    Stilistisch war die Erzählung zwar nüchtern und klar, aber gleichzeitig emotionslos und unpersönlich. Von Spannung war nichts zu spüren, dagegen machte sich schon auf den ersten Seiten eine gewisse Langeweile breit, die sich bis zum Ende nicht mehr verlor. Die Geschichte ist zwar nicht gerade handlungsarm, doch im Grunde genommen passiert einfach zu wenig, um LeserIn bei der Stange zu halten. Immerhin fällt die psychologische Komponente nicht ganz unter den Tisch, doch nach dem Klappentext hatte ich mehr erwartet als eine junge Frau, die zwischen Liebe und Loyalität hin- und hergerissen ist.


    2ratten