[Lesotho] Thomas Mofolo – Chaka Zulu

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    Inhalt: König Senzangakhona hat ein Problem: Keine seiner Frauen hat ihm bislang den ersehnten Thronfolger geboren. Daher fällt sein Blick auf Nandi, die er aber erst heiratet, als sie schon schwanger ist. Tatsächlich bekommt er nun den lang erwarteten Sohn, Chaka, über dem allerdings der Makel der vorehelichen Empfängnis schwebt. Als er doch noch Halbbrüder bekommt, zwingen Senzangakhonas andere Frauen diesen, Nandi und Chaka zu verstoßen. Chaka wächst daher im Dorf seiner Mutter auf, ist aber auch dort vor Demütigungen und Repressalien nicht sicher. So lernt er früh und gründlich, daß er kämpfen muß und nur Stärke und Macht zählen. Unterstützt werden Nandi und Chaka von einer Zauberin, die aus Omen bei Chakas Geburt Großes für den Jungen vorhersieht. Chaka beweist seinen Mut und seine Kraft gegen einen Löwen, der das Vieh des Dorfes reißt. Weil alle anderen Männer feige davonlaufen, tötet er den Löwen im Alleingang. Später rettet er ein Mädchen vor einer menschenfressenden Hyäne, aber wiederum wird ihm die Anerkennung weitestgehend versagt, stattdessen versucht man ihn umzubringen, Anführer dabei sind ausgerechnet seine Halbbrüder.


    Chaka flieht ins Veld, wo er schließlich mit dem Zauberer Isanusi zusammentrifft. Dieser behandelt ihn mit diversen Häuptlingsmedizinen, damit Chaka den ihm bestimmten Platz einnehmen kann. Isanusi überläßt Chaka auch die Wahl, ob er eine besonders wirkungsvolle „Blutmedizin“ haben möchte, warnt den jungen Mann jedoch, daß diese sehr böse sei und von ihm verlange, viel Blut zu vergießen und gnadenlos zu töten, sonst würde sie sich gegen Chaka selbst kehren. Chaka will sie. So vorbereitet macht er sich auf zu König Dingiswayo, weil ihm dort zu seiner Häuptlingswürde verholfen werden soll. Tatsächlich bekommt er von Dingiswayo auch die Unterstützung, sich kriegerisch seiner Rechte zu versichern. Kurz darauf stirbt Dingiswayo und Chaka „erbt“ auch noch dessen Häuptlingswürde. Da sein Bedürfnis nach Macht und Ruhm damit noch nicht gestillt ist, bietet ihm Isanusi eine weitere Medizin an, die aber das Blut eines geliebten Menschen enthalten muß, der dafür sein Leben läßt. Chaka opfert dafür seine Verlobte, Dingiswayos Schwester Noliwa. Unter dem Einfluß Isanusis und zweier seiner Gehilfen, die Chaka unterstützend zur Seite stehen, und mit den Umgestaltungen der Stammesstruktur in eine Militärgesellschaft sind die Grundlagen für Chakas Eroberungsfeldzüge gelegt, das große Morden kann beginnen. Dieses richtet sich schon bald nicht mehr nur gegen tatsächliche oder vermeintliche äußere Feinde, sondern auch gegen das eigene Volk, und Chakas Position wird wegen seiner Grausamkeit und seines Blutdurstes immer schwerer zu halten.



    Meine Meinung: Auch wenn Mofolos Chaka als Klassiker der afrikanischen Literatur und als erster historischer Roman eines Afrikaners gilt, so war es doch nicht seine Absicht, eine historisch korrekte Biographie des Zuluhäuptlings zu verfassen. Zwar hat Mofolo die Region bereist und sich mit den Sitten und Gebräuchen der Zulu beschäftigt, sich für seinen Roman aber dichterische Freiheiten in der Darstellung der Persönlichkeit wie der historischen Ereignisse erlaubt. Die groben Rahmendaten sind zwar richtig, aber manches wird doch zusammengezogen oder umgestellt, um es der Erzählung dienstbar zu machen. Der Roman will und kann daher keine geschichtswissenschaftliche Abhandlung oder kritische Biographie ersetzen, vermittelt aber trotzdem ein ganz gutes erstes Bild.


    Als zutiefst moralischem und christlichem Menschen ging es Mofolo vor allem darum zu zeigen, wie sich Macht und Ehrgeiz auswirken können – nämlich bei Chaka wie bei anderen Darstellern der Weltgeschichte verheerend nicht für die Feinde, sondern auch für das eigene Volk. Auf Grund seiner eigenen Geisteshaltung ist auch klar, daß Mofolo Chaka nicht verherrlicht und zum Helden erklärt, tatsächlich bleibt er – bei aller Legendenhaftigkeit des Stils gerade während der Erzählung über Chakas Kindheit und Jugend – eher distanziert, bei den Greueln der Massenabschlachtungen spürt man Mofolos Widerwillen. Auch wenn Chaka seine Kräfte vorrangig den Mitteln des Zauberers verdankt, so macht Mofolo doch deutlich, daß diese Mittel Chaka nicht aufgezwungen werden. Er wählt sie selbst und mit ihnen das Böse, das aus ihnen folgt. Aber er hätte die Freiheit einer anderen Wahl gehabt und damit seine Menschlichkeit retten können. In diesem Zwiespalt bekommt die Darstellung geradezu biblische Züge, die durchaus gewollt sind.


    Mofolo, der von Missionaren erzogen und ausgebildet worden war, schrieb das Manuskript vor 1910, veröffentlicht wurde der Roman erstmals 1926 auf Sesotho, die ersten Übersetzungen stammten von Missionaren, ältere Ausgaben sind zum Teil gegenüber diesem Original gekürzt und nicht zu empfehlen. Es gibt eine neuere englische Übersetzung von Daniel P. Kunene, die in der renommierten African Writers Series bei Heinemann erschien, oder die oben verlinkte ins Deutsche von Peter Sulzer, die zudem mit einem umfangreichen Nachwort über Mofolos Leben, die Editions- und Wirkungsgeschichte des Chaka sowie seine Deutung und die Unterschiede zwischen Dichtung und historischer Überlieferung ausgestattet ist. Lesern, die weder mit der Geschichte des südlichen Afrikas noch mit afrikanischer Literatur besonders vertraut sind, würde ich die Lektüre dieses informativen Nachwortes zu Beginn des Buches empfehlen.


    4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:


    Schönen Gruß
    Aldawen