Antonio Muñoz Molina - Siesta mit Blanca

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    Inhalt:
    Der Protagonist ist mit Blanca verheiratet und immer noch so verliebt, dass er jede freie Minute mit ihr verbringen will. Nun ist er allerdings überzeugt, dass er es mit einem Double seiner Frau zu tun hat, denn ohne es an konkreten Dingen festmachen zu können, ist "sie" nicht Blanca. Nachdem Muñoz Molina für ausreichend Irritation gesorgt hat, beginnt er Erinnerungen des Protagonisten zu schildern, so dass langsam ein umfassenderes Bild der beiden und ihrer Beziehung zueinander entsteht.


    Meine Meinung:
    Direkt im ersten Kapitel des gerade mal gut 100 Seiten umfassenden Romans schafft der Autor eine fast surreale Ausgangssituation. Mario López ist fest davon überzeugt, dass die Frau, mit der er sein Leben teilt, nicht seine Ehefrau Blanca ist. Obwohl sie sich genauso kleidet, genauso bewegt und genauso spricht, hat er den Eindruck, dass manche Details einfach nicht stimmen. Da er sich allerdings nicht ganz sicher ist, bedauert er seine frühere Unaufmerksamkeit und bleibt auf der Hut.


    Was folgt, sind Erinnerungen - an die gemeinsame Zeit, an das ungewöhnliche Zusammentreffen und die vorsichtige Annäherung und an Marios Leben vor dem Kennenlernen von Blanca. Von ihr erfährt man als Leser nur wenig, man wird in vielen Punkten ebenso im Unklaren gelassen wie Mario selbst. Was allerdings deutlich wird, sind die Unterschiede zwischen beiden: er stammt aus einer bodenständigen Familie vom Land, hat einen unspektakulären Lebenslauf und einen sicheren Beamtenposten; sie stammt aus einer reichen Familie, hat bereits Erfahrungen im Künstlermilieu gesammelt, inklusive wilder Partys und Drogen, und befindet sich nach einer chaotischen Beziehung im Sumpf aus Alkohol, Drogen und Depressionen. Durch ihn stabilisiert sich ihr Leben, auch wenn sie das "geistige Beamtentum", das ihn umgibt, verachtet und es sie aus dem kleinstädtischen Jaén in die Metropole Madrid zieht. Doch beide scheinen glücklich zu sein, zumindest Mario ist auch nach Jahren der Ehe Blanca treu ergeben und versucht jede mögliche Minute in ihrer Nähe zu verbringen.


    Das angesichts der grundverschiedenen Personen die Idylle nicht von Dauer sein kann, dürfte jedem schnell klar werden. Und so steuert die Geschichte auf ein unausweichliches Ende zu, das bereits im ersten Kapitel durchklingt. Der Autor bleibt dem Leser jedoch eine Auflösung schuldig, und auch nach reichlichem Nachdenken erschließt sich mir der tiefere Sinn des Erzähltem nicht. Das und die Tatsache, dass die anfängliche Sogwirkung zur Mitte des Buches stark nachlässt, ergeben für mich
    2ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:


    Viele Grüße
    Breña

    "Natürlich kann man sein ohne zu lesen, ohne Bücher, aber ich nicht, ich nicht."  J. L. Borges