William Shakespeare - Die Komödie der Irrungen

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 26 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Bluebell.

  • Und los gehts mit der 4. Runde:

    Die Komödie der Irrungen/The Comedy of Errors

    Eine Komödie in fünf Akten


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    Inhalt:
    Dieses Stück handelt von einem Verwechslungsspiel zweier Zwillingspaare. Das eine Paar, Antipholus von Ephesus und Antipholus von Syrakus, wurde in der Kindheit getrennt und hat nun jeweils einen Diener namens Dromio, die ihrerseits ebenfalls Zwillinge sind. Als Antipholus von Syrakus auf der Suche nach seinem Zwillingsbruder in Ephesus eintrifft, entsteht ein Wirrwarr der Begegnungen zwischen Diener und Herr des einen oder des anderen Paares, was chaotische Auswirkungen hat.
    Die Komödie der Irrungen basiert auf den Menaechmi des Plautus. Sie ist vielleicht das früheste Stück Shakespeares, zeigt aber vor allem in sprachlicher Hinsicht (Wortspiele, Lyrismen) bereits Ansätze zur späteren Meisterschaft. (Quelle: Amazon)


    Teilnehmer:
    Nicole89
    Saltanah
    Doris
    Mrs.Dalloway
    stefanie_j_h?
    Bluebell?



    Ich wünsche uns allen viel Spaß mit dieser Komödie!

  • Ich habe bisher nur den 1. Akt gelesen, der mir gut gefallen hat, weil er richtig lebt. Man merkt auch schon, dass man es mit einer Komödie zu tun hat. Das war, wenn ich mich richtig erinnere, bei Wie es euch gefällt ganz anders. Das Zwillingsthema an sich finde ich schon interessant, aber gleich mit zwei Zwillingspaaren wird die Verwechslungsgeschichte sicher noch turbulenter.


    Wir erfahren, dass sich die Bürger von Ephesus und Syrakus nicht gegenseitig in ihren Städten besuchen dürfen. Leider ist mir entgangen, warum. Wegen der Städte bin ich überhaupt etwas verwirrt. Syrakus liegt auf Sizilien, so viel ist klar. Als Schauplatz ist bei mir Ephesus angegeben, das in der westlichen Türkei liegt, und im Stück selbst ist die Rede von Epidamnos, bei dessen Eingabe in Wikipedia ich nach Durrës in Albanien weitergeleitet werde. Das ist von Sizilien alles ziemlich weit entfernt, um eine so tödliche Feindschaft aufzubauen. Sehr verwirrend.


    Der lustigste Geselle bisher ist Dromio von Ephesus, der mit seinem vermeintlichen Herrn recht locker spricht, aber Antipholus von Syrakus fällt zumindest vom Tonfall nicht auf, dass er es nicht mit seinem eigenen Diener zu tun hat. Anscheinend tragen die beiden Herr-Diener-Paare auch jeweils das gleiche, denn das müsste doch zuerst ins Auge springen, wenn sich die Kleidung plötzlich ändert. Ich nehme das als dichterische Freiheit hin.

  • Ich habe ebenfalls den ersten Akt gelesen. Vorausschicken möchte ich, dass mir die "Komödie der Irrungen" bisher völlig unbekannt war, und ich somit keine Ahnung hatte, was mir bevorsteht. Aus dem Personenverzeichnis geht allerdings schon hervor, dass wir es mit Verwechslungen zu tun bekommen. Gleich zwei Zwillingspärchen, die aus unterschiedlichen Städten kommen - das kann nur zu Identitätsproblemen führen.


    Mit dieser Erwartung schockierte mich dann der Beginn ziemlich: Gleich die erste Replik ist alles andere als komisch. Ein Mann wird sterben; zum Tode verurteilt nimmt er sein Schicksal allerdings überraschend gelassen hin.
    Die Hintergrundgeschichte, die wir dann erfahren, strapazierte die Grenzen der Glaubwürdigkeit dann zwar etwas, aber ich denke, das schluckt man als Zuschauer einer guten Aufführung, genauso wie die Tatsache, dass der Syrakuser Antipholus nun überhaupt nicht auf den Gedanken kommt, den anderen Dromiozwilling vor sich zu haben, und das, obwohl er sich doch auf der Suche nach seinem Zwillingsbruder befindet. Eigentlich schon ein wenig dumm von ihm, aber wie gesagt, dürfte man bei einer gelungenen Inszenierung daran erst hinterher denken aber nicht während der Aufführung.


    So amüsiere ich mich über die Missverständnisse, die Wortspielereien vor allem Dromios (dass in Ephesus mit "Mark" gehandelt wird, ist eine sprachliche Notwendigkeit, die zum Glück nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Deutsch und Schwedisch funktioniert), und denke mir nur, wie passend es ist, dass Antiphonus ausgerechnet Tausend Mark, also soviel, wie Egeon als Lösegeld braucht, bei sich trägt.


    Heute mache ich mich dann an den nächsten Akt.

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • Hallo,


    kurzer Zwischenruf von mir: Ich komm grad leider zu gar nix, aber ich versuch, heute mal den ersten Akt zu lesen. :rollen:


    Doris :
    Geographie ist nicht gerade Shakespeares Stärke. :breitgrins: Da gibt es in vielen Stücken Ungereimtheiten und einfach Fehler.

    "This was another of our fears: that Life wouldn't turn out to be like Literature" (Julian Barnes - The Sense of an Ending)

  • So, der erste Akt ist gelesen. :breitgrins:


    Ich sehe das genau wie Doris: Man merkt hier sehr viel schneller, dass es sich um eine Komödie handelt als bei Wie es euch gefällt. Obwohl die Hintergrundgeschichte vielleicht ein paar tragische Züge trägt, ist das ganze einfach so auf die Spitze getrieben, dass es schon wieder ziemlich witzig ist. Und natürlich ist es auch nochmal witziger, weil es 2 Zwillingspärchen sind. :breitgrins: :breitgrins:

    "This was another of our fears: that Life wouldn't turn out to be like Literature" (Julian Barnes - The Sense of an Ending)

  • Obwohl die Hintergrundgeschichte vielleicht ein paar tragische Züge trägt ...


    Wenn man nur die erste Szene des ersten Aktes liest, hört es sich gar nicht nach Komödie an. Da ist von Sklaverei die Rede, tödlicher Feindschaft zwischen zwei Städten und dem Privileg der Reichen, die sich im Bedarfsfall von der Verurteilung freikaufen können. Vielleicht bleibt er hier



    Ein Mann wird sterben; zum Tode verurteilt nimmt er sein Schicksal allerdings überraschend gelassen hin.


    so ruhig, weil er weiß, dass er das nötige Geld auftreiben wird?


    Mir ist aufgefallen, dass sich in diesem Stück immer wieder Reime finden, auch über längere Passagen hinweg. Das war in den anderen Stücke fast nie der Fall. Außerdem liest es sich leichter als Hamlet, Julius Cäsar oder Wie es euch gefällt. Die Übersetzung letzterer Stücke meiner Ausgabe ist von Schlegel, während Die Komödie der Irrungen von Wolf Graf Baudissin übersetzt wurde. Stellt ihr ähnliche Unterschiede fest?


    Mich würde interessieren, ob den Brüdern bekannt ist, dass sie Zwillinge sind. Ich tendiere dazu, dass sie es nicht wissen, sonst müsste ihnen doch ein Licht aufgehen. Immerhin ist ja laut Ägeon im I. Akt einer der Brüder auf der Suche nach dem anderen, was bedeutet, dass er gleichzeitig den Diener sucht, da erwarte ich eher, dass er in jedem Mann, der ihm begegnet und ähnelt, seinen vermissten Bruder vermuten sollte. Entsprechendes gilt für den Anblick des Dieners. Seinen Bruder hat Antipholus zwar noch nicht entdeckt, aber Dromios seltsames Verhalten sollte ihm zu denken geben.

  • so ruhig, weil er weiß, dass er das nötige Geld auftreiben wird?


    Den Eindruck hatte ich eigentlich nicht. Mir schien, dass er mit seinem Leben, das seit dem Verlust seiner Frau sowieso nur noch ein halbes war, ehrlich abgeschlossen hat und sich vielleicht sogar darüber freut, dass seine Qual nun ein Ende hat.



    Mir ist aufgefallen, dass sich in diesem Stück immer wieder Reime finden, auch über längere Passagen hinweg. Das war in den anderen Stücke fast nie der Fall. Außerdem liest es sich leichter als Hamlet, Julius Cäsar oder Wie es euch gefällt. Die Übersetzung letzterer Stücke meiner Ausgabe ist von Schlegel, während Die Komödie der Irrungen von Wolf Graf Baudissin übersetzt wurde. Stellt ihr ähnliche Unterschiede fest?


    Ich lese es ja auf Englisch, so wie ich auch schon etwa 10 andere Stücke auf Englisch gelesen habe. Mir ist nicht aufgefallen, dass mehr gereimt wäre; auch in anderen Stücken kommt das, so weit ich mich erinnere, immer wieder vor. Allerdings ist dies ein ganz unwissenschaftlicher Eindruck, und es ist auch schon ein, zwei Jahre her, dass ich den letzten Shakespeare gelesen habe, daher möchte ich nicht ausschließen, dass hier tatsächlich mehr in Reimen gesprochen wird. Fachmrs. Dalloway kann da sicher fundiertere Auskunft geben.

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • Zur Reimfrage:
    Ja, es wird mehr gereimt. Die Komödie der Irrungen ist noch ein recht frühes Stück und zu der Zeit wurde noch mehr Wert auf die Versform und Reime gelegt. Das hat sich dann später ein bisschen geändert, als dann auch Marlowe kam und sehr viel in Blankvers (Versform aber ohne Reime) geschrieben hat und auch Shakespeare sich dann schon etwas mehr einen Namen in London gemacht hatte. Bei der Komödie der Irrungen wird auch noch ziemlich viel Wert auf die aristotelischen drei Einheiten des Theaters gelegt: Einheit von Zeit (gespielte Zeit ca. ein Tag), Einheit von Raum (kein Schausplatzwechsel) und Einheit von Handlung (keine 5 Nebenhandlungen oder so). Das ist sehr ungewöhnlich für Shakespeare. Bei Wie es euch gefällt wurde der Schauplatz vom Hof in den Wald von Arden verlegt, bei Julius Caesar gibt es riesige Zeitsprünge und ach die Handlung von Hamlet nimmt weit mehr als einen Tag in Anspruch.


    Shakespeare hat am Anfang also noch recht zögerlich und konservativ geschrieben und wurde dann immer freier, bis er in einem der allerletzten Stücke, der Sturm, schließlich wieder zu den drei klassischen Einheiten zurückkommt, was immernoch einige Wissenschaftler rätseln lässt.

    "This was another of our fears: that Life wouldn't turn out to be like Literature" (Julian Barnes - The Sense of an Ending)

  • Huiii, also doch ein September-Shakespeare! Gut - nachdem mein Julius Caesar mittlerweile auch endlich in Frieden ruht, werde ich gleich eure Verfolgung bei der Komödie der Irrungen aufnehmen ... das Fragezeichen hinter meinem Namen kann also gelöscht werden! :smile:


    1. Akt


    Da ich meine Schlegel/Tieck-Gesamtausgabe nicht hierhabe, habe ich auf Projekt Gutenberg die Übersetzung von Christoph Martin Wieland zu lesen begonnen - puh! Sehr altmodisch, die erfordert doch ein gewisses Einlesen! Aber dass mehr gereimt wird, wäre mir nicht aufgefallen.


    Das Stück beginnt wirklich nicht lustig, und auch nicht sehr menschenfreundlich - Eltern, die ihren Kindern zwei Babysklaven kaufen!? :entsetzt:
    Die Seenot-Geschichte ist sehr dramatisch - ich glaube, ich habe noch nie eine so wörtliche Beschreibung eines Schiffbruches gelesen :breitgrins: - aber natürlich auch sehr an den Haaren herbeigezogen. Ich habe sie halt ebenso unter dichterischer Freiheit einsortiert wie Doris das Kleidungsproblem.


    Saltanah : Dass Antipholus nicht auf die Idee kommt, den anderen Dromio vor sich zu haben, finde ich in dieser Situation wiederum nicht so unglaubwürdig ... zumindest mir selber würde ich es durchaus zutrauen, auch so auf der Leitung zu stehen. :elch:

    [color=darkblue]"Date a girl who reads. Date a girl who spends her money on books instead of clothes. She has problems with closet space because she has too many books. Date a girl who has a list of b

    Einmal editiert, zuletzt von Bluebell ()

  • Werd erst nächste Woche mit der Komödie anfangen... will erst noch ein anderes fertig lesen :winken:

    :lesen: Sabine Weigand - Die Tore des Himmels

  • Ich habe gerade den 2. Akt in der Wieland-Übersetzung gelesen - aber sagt in 4. Szene eine Fußnote doch glatt:

    Hier sind im Original einige Wortspiele, die man lieber weggelassen hat, da sie an sich selbst frostig genug sind; und wenn sie auch noch das Verdienst des Doppelsinns, den sie nur in der Original-Sprache haben, verliehren, unerträglich werden. Man hat es mit dem grösten übrigen Theil dieser Scene eben so gemacht, wo Dromio alle seine ungeheure Menge Wiz in Wortspielen ausläßt, die seinen Herrn, und vermuthlich auch die Zeitgenossen unsers Poeten eben so sehr belustigten, als sie unserm verwöhnten Geschmak albern und ekelhaft vorkommen.

    Na hallo! :grmpf:
    Da es auch schon in der 1. Szene dieses Aktes einen Hinweis gab, dass sich der Sinn einer bestimmten Stelle im Original aus den Reimen ergibt, habe ich im Internet gerade nach einer englischen Textversion gesucht. Und schon vom ersten Hineinschnuppern kann ich sagen, dass sich das Original hier ja viiiel besser liest! Einmal ganz abgesehen vom Rhythmus und den Reimen (viel, viel schöner!) ist mir auch gleich eine Stelle ins Auge gesprungen, wo "asses" ganz feig mit "Esel" übersetzt wurde.


    Also ich werde auf jeden Fall noch einmal von vorne beginnen und die ersten beiden Akte auf Englisch lesen. Sowas aber auch!

    [color=darkblue]"Date a girl who reads. Date a girl who spends her money on books instead of clothes. She has problems with closet space because she has too many books. Date a girl who has a list of b

  • Bluebell :


    Das ist ja mal ein Ding! Da würde ich mich auch drüber aufregen. :grmpf: Dass die Übersetzung unglaublich schwierig ist, ist ja klar, aber dass die Wortspiele "unserem verwöhnten Geschmack albern und ekelhaft" anmuten... Bin gespannt, was diese Übersetzer aus Romeo und Julia gemacht haben. Da kommen teilweise nämlich echt üble Wortspiele und sexuelle Anspielungen drin vor... Und wegen solchen Übersetzern denkt jetzt jeder, dass Romeo und Julia einfach nur eine Schnulze ist.


    Aber zur Verteidigung: Die Übersetzung "Esel" für "ass" ist schon korrekt. Heute nicht mehr so geläufig, aber damals ganz sicher. Bottom wird im Sommernachtstraum nämlich auch in einen "ass" verwandelt. :breitgrins:

    "This was another of our fears: that Life wouldn't turn out to be like Literature" (Julian Barnes - The Sense of an Ending)


  • Aber zur Verteidigung: Die Übersetzung "Esel" für "ass" ist schon korrekt. Heute nicht mehr so geläufig, aber damals ganz sicher. Bottom wird im Sommernachtstraum nämlich auch in einen "ass" verwandelt. :breitgrins:


    Oha. :elch:


    Also ich habe die ersten beiden Akte nun noch einmal auf Englisch gelesen und bin begeistert ... falls noch jemand mit der Wieland-Übersetzung liebäugelt, lasst bloß die Finger davon! Besonders im direkten Vergleich mit dem Original liest sie sich katastrophal. Wie Mrs. Dalloway schon gesagt hat, ist die Übersetzung bestimmt wahnsinnig schwierig, aber trotzdem! Nicht nur, dass Wieland auf das Versmaß verzichtet hat, das doch so wunderbar rhythmisch daherkommt und sich so schön reimt - noch dazu fehlt seiner Version der ganze Esprit, den das Original versprüht. Das macht einfach so viel mehr Spaß!! Vorher fand ich den Wieland ja auch noch ganz nett, aber jetzt im direkten Vergleich wirkt der Humor bei ihm so "angestrengt" und nicht ansatzweise so federleicht wie bei Shakespeare himself.
    Übrigens ist auch die Szeneneinteilung anders, also stimmen meine obigen Angaben teilweise nicht. Werde mich ab jetzt auf das Original beziehen.


    Ein Zitat aus dem 1. Akt, das es mir angetan hat:


    I to the world am like a drop of water
    That in the ocean seeks another drop,
    Who, falling there to find his fellow forth,
    Unseen, inquisitive, confounds himself

    :herz:


    Im 2. Akt finde ich es lustig, wie Luciana Adriana beschwört, ihrem Mann gegenüber unterwürfig zu sein ... während sie selber unverheiratet ist! :breitgrins:


    Adrianas Mann kommt zu spät zum Mittagessen, und sie dichtet ihm sofort eine Affäre an - puh! Und wie sie sich dann in ihre Eifersucht hineinsteigert ... holla! Ganz schön emotional, die Dame, und ein ziemliches Temperamentbündel. :zwinker:
    Und einfach großartig, wie Antipholis nicht weiß, wie ihm geschieht - und wie Dromius glaubt, sie sind in irgendeinem bösen Feenreich gelandet, zum Schießen!


    Die unübersetzten Wortspiele drehen sich übrigens um Haarausfall bei Männern ... na gut, die Stelle ist vielleicht kein literarisches Kleinod, aber dass Wieland sie einfach weggelassen hat - und dann noch mit so einer Begründung! - passt mir trotzdem nicht.

    [color=darkblue]"Date a girl who reads. Date a girl who spends her money on books instead of clothes. She has problems with closet space because she has too many books. Date a girl who has a list of b

  • Ich komme momentan leider nicht dazu, hier mitzulesen. Ich wünsche euch aber noch viel Spaß und will bei der nächsten Shakespeare-Runde unbedingt wieder mitmachen.

    ~~better to be hated for who you are, than loved for who you&WCF_AMPERSAND're not~~<br /><br />www.literaturschaf.de

  • Auch fertig mit dem 2. Akt.


    Ich muss zugeben, dass ich die Komödie der Irrungen gar nicht mehr als so witzig im Kopf hatte, aber mir gefällt sie gerade ziemlich gut. :breitgrins: Ich hab das Stück schon mal im Theater gesehen, was aber auch recht lange her ist, und so nach und nach erinnere ich mich sogar wieder an ein paar Eindrücke daraus.


    Ja, die beiden Frauen gefallen mir sehr gut. Adriana, die einfach eine total drama queen ist und die ich mir sehr gut als herumkreischende, hysterische Frau auf der Bühne vorstellen kann und im Gegensatz dazu die unterwürfige Luciana, die einen guten Gegenpart zu Adriana darstellt.

    &quot;This was another of our fears: that Life wouldn&#039;t turn out to be like Literature&quot; (Julian Barnes - The Sense of an Ending)

  • Kurios, wie nahe die Zwillingspaare im III. Akt der Lösung schon kommen, ohne sich dessen bewusst zu sein, als die Dromio-Brüder auf den beiden Seiten der Haustüre von Adrianas Haus stehen. Überhaupt kommen die Verwechslungen nun so richtig in Gang.


    Nicht verstanden habe ich in der 2. Szene den Vergleich des Küchenmädchens Lucie mit einer Landkarte, als Antipholus und Dromio sich unterhalten. Sollten hier landestypische Eigenschaften mit menschlichen gleichgesetzt werden?


  • Kurios, wie nahe die Zwillingspaare im III. Akt der Lösung schon kommen, ohne sich dessen bewusst zu sein, als die Dromio-Brüder auf den beiden Seiten der Haustüre von Adrianas Haus stehen. Überhaupt kommen die Verwechslungen nun so richtig in Gang.


    Ja, einfach herrlich! Auch als Antipholus den vorbeilaufenden Dromio anspricht und der antwortet:


    Do you know me, sir? am I Dromio? am I your man? am I myself?


    Das konnte ich mir richtig bildlich vorstellen, wie der arme Kerl schon völlig verwirrt und verzagt umherhetzt und auf überhaupt nichts mehr vertraut ... da hätte ich schon fast Mitleid bekommen, wenn's nicht so lustig wär! :clown:


    Nicht verstanden habe ich in der 2. Szene den Vergleich des Küchenmädchens Lucie mit einer Landkarte, als Antipholus und Dromio sich unterhalten. Sollten hier landestypische Eigenschaften mit menschlichen gleichgesetzt werden?


    Jein - in der Szene kommen viele Wortspiele vor. Zum Beispiel:


    ANTIPHOLUS OF SYRACUSE
    In what part of her body stands Ireland?


    DROMIO OF SYRACUSE
    Marry, in her buttocks: I found it out by the bogs.


    Buttocks ist der Hintern, bog kann sowohl Sumpf, Moor als auch Klo heißen ... wie ist das bei dir übersetzt? Solche Witze funktionieren ja oft nur in der Originalsprache.
    Ich fand die ganze Szene, eigentlich den ganzen Akt herrlich. Das muss auf der Bühne zum Brüllen sein! Ich verstehe gar nicht, warum "Wie es euch gefällt" so viel bekannter ist als dieses Stück.

    [color=darkblue]&quot;Date a girl who reads. Date a girl who spends her money on books instead of clothes. She has problems with closet space because she has too many books. Date a girl who has a list of b


  • Buttocks ist der Hintern, bog kann sowohl Sumpf, Moor als auch Klo heißen ... wie ist das bei dir übersetzt? Solche Witze funktionieren ja oft nur in der Originalsprache.


    Von Irland ist bei mir gar keine Rede. Lediglich diese Zeilen passen in der deutschen Übersetzung:


    Antipholus: Auf welchem Teile ihres Körpers liegt Schottland?
    Dromio: Das fand ich aus an seiner Unfruchtbarkeit: recht auf der Fläche der Hand.


    :rollen: Im Vergleich zu deinen Auszügen ziemlich brav.



    Ich fand die ganze Szene, eigentlich den ganzen Akt herrlich. Das muss auf der Bühne zum Brüllen sein! Ich verstehe gar nicht, warum "Wie es euch gefällt" so viel bekannter ist als dieses Stück.


    Bezogen auf die Bühne ist es schwerer darzustellen, denn spätestens am Ende des Stückes braucht man zwei Zwillingspaare, um das Aufeinandertreffen der Geschwister darzustellen. Wobei: Man könnte auch zwei Schauspieler entsprechend gleich verkleiden. Mir gefällt dieses Stück auch viel besser als Wie es euch gefällt. Es ist dichter und lebhafter.


    Von den einzelnen Charakteren gefällt mir Adriana mit am besten. Sie erscheint richtig urwüchsig und authentisch, hat so viel Selbstbewusstsein und hält ihre Männer an der kurzen Leine. Trotzdem trägt sie das Herz am rechten Fleck und weiß, was sie an ihrem Antipholus hat, wie sich im V. Akt erweist.


  • [Antipholus: Auf welchem Teile ihres Körpers liegt Schottland?
    Dromio: Das fand ich aus an seiner Unfruchtbarkeit: recht auf der Fläche der Hand.


    Das kommt bei mir nach Irland ...
    Den 4. Akt konnte ich gestern Abend leider nur auf Deutsch lesen, aber jetzt bin ich mir umso sicherer, dass ich mir den auch nochmal auf Englisch vornehmen muss.


    Allerdings habe ich ihn in der Schlegel/Tieck-Übersetzung gelesen (die verwendest du ja auch, oder?), und die gefällt mir zumindest besser als die von Wieland ... aber im Original fuhrwerken sie anscheinend beide herum. :rollen:

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  • Ich habe eine Übersetzung von Wolf Graf Baudissin, der vermutlich alles ersatzlos gestrichen oder zumindest entschärft hat, das auch nur annähernd schlüpfrig war, denn das Stück klingt richtig brav. Abgesehen von ein paar Frechheiten, die sich Dromio v. E. gegenüber seinem Herrn erlaubt, ist alles harmlos.


    Der IV. Akt hat es geschafft, mich ebenfalls völlig zu verwirren. Es wäre sinnvoll, ihn nochmals zu lesen, allerdings wieder auf Deutsch, denn auf Englisch wäre ich sicher total aufgeschmissen. Ich habe auch so schon Probleme, mich am nächsten Tag wieder in das Stück einzufinden und mich zu erinnern, welcher Dromio zu welchem Antipholus etwas gesagt hat.


    Adriana hat mir hier gut gefallen, als sie trotz ihrer Schimpftiraden auf ihren Gatten dem Arzt alles Geld anbietet, damit sie Antipholus wieder zu Verstand bringt. Auch wenn sie sonst schnell eifersüchtig und misstrauisch wird, beweist sie, dass sie gut einschätzen kann, wann eine Situation wirklich aus dem Ruder zu geraten droht. Fraglich ist nur, was Antipholus blüht, wenn er wieder in ihre Hände gerät und sie ihre Oberherrschaft und Sicherheit zurückgewinnt. Ein wenig kommt mir Adriana vor wie eine Spinne, die auf ihr Opfer lauert.