1 - Erster Satz / allegro ma non troppo

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Es gibt 23 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Bettina.

  • Hallo!


    Hier könnt Ihr den oben genannten Abschnitt diskutieren.
    Spoilermarkierungen sind nicht nötig.


    Viel Spaß bei der Lektüre :winken:

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    Einmal editiert, zuletzt von Bettina ()

  • Ich bin auf der Pirsch. :lupe: Bisher dachte ich ja immer, Faustino Manso sei ein realer Musiker und das Buch eine Art Doku über ihn, das Leben realer Kinder und so weiter. Ein intensiver Blick in den Bucheinband belehrte mich nun eines Besseren. Alles Fiktion, was diesen Menschen angeht?


    Nun versuche ich, Schritt zu halten beim Versuch, Herrn Agualusa nicht ständig auf den Leim zu gehen, weil mich der erste Eindrucl so hinters Licht geführt hat :zwinker: Eine Orientierung geben die Kapitelüberschriften. Kursiv sind offensichtlich die Kapitel, die sich auf Agualusas Reise beziehen, im Fettdruck gesetzt die fiktiven Kapitel um Laurentina. Dabei foppt mich das Buch immer noch. Agualusa scheint die Geschichte um Laurentina zu erfinden, schimpft aber am Ende des ersten Abschnitts "Wer zum Teufel war der wirkliche Vater von Laurentina?" Er erfindet eine Gestalt und weiss dann solche Details doch nicht? Oder entwickelt sie im Lauf der Geschichte?

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  • Eine Orientierung geben die Kapitelüberschriften. Kursiv sind offensichtlich die Kapitel, die sich auf Agualusas Reise beziehen, im Fettdruck gesetzt die fiktiven Kapitel um Laurentina.


    Dieses wechselseitige Erzählen gefällt mir gut, ich blättere nur jedesmal kreuz und quer, um die chronologische Reihenfolge der „realen“ Abschnitte richtig hinzubekommen. Abgesehen davon bin ich auch nicht sicher, wieviel Fiktion nicht auch in diesen Abschnitten steckt. Ich glaube zwar gerne, daß diese Reise mit dieser Begleitung stattgefunden hat, aber darüber hinaus? Schwierig, schwierig, aber solche Spielereien um Fiktion und Identität hat Agualusa auch in Das Lachen des Geckos schon praktiziert, wenn auch aus anderer Perspektive. Ich bin gespannt, ob diese Konstruktion über das gesamte Buch hinweg trägt.


    Zumindest verspricht die Familiengeschichte von Faustino Manso einige Überraschungen. Wieviel von dem ursprünglichen Plot, den Agualusa und Boswall da stichpunktartig entworfen hatten, wohl am Ende übrig bleibt? Oder ob Faustino sich verselbständigt hat? Das würde dann auch eine „Erklärung“ dafür liefern, warum Agualusa den wirklichen Vater von Laurentina nicht benennen kann, denn in diesem Plotentwurf war ja die Rede davon, Faustino sei impotent gewesen. Dann stellte sich natürlich die Frage, warum Faustino alle diese Familien quasi als die seinen „anerkannt“ hat. Vielleicht wollte er einfach überall eine Heimat und das war für ihn gleichbedeutend mit einer Familie, auch wenn die Kinder nicht von ihm waren? Dann hätte er im Grunde nicht viel anders gehandelt als Laurentinas Adoptiveltern, die sich ja um ihre Herkunft auch nicht geschert, sondern einfach das Kind als ihr eigenes geliebt haben.


    Besonders gut gefallen hat mir die Beschreibung von Luanda, die sich nicht an den äußerlich sichtbaren Dingen in den Straßen und Gebäuden festmacht, sondern am Klang, an der Vielzahl der Sprachen, die dort durch die Luft schwirren. Diese Charakterisierungen fand ich sehr gelungen und habe das Sprachengewirr förmlich im Ohr gehabt.


    Ob Mandume während dieser Reise, die ihm mit Laurentina bevorsteht, doch noch afrikanische Wurzeln entdeckt, auch wenn er sie nicht will? Laurentina scheint sich damit insgesamt sehr viel leichter zu tun, aber der Empfang durch die Familie bei der Beisetzung war ja auch zu nett, daher hat sie auch andere Anknüpfungspunkte. Na, wir werden sehen ...

  • Ein Roman wie ein Musikstück und so mußte ich erst einmal nachsehen, was ich denn unter allegra ma non troppo zu verstehen habe. Und mit schnell, aber nicht zu sehr definiert sich der erste Teil wirklich. Ich werde als Leser in den Plot stichpunktartig hineingeworfen und erst einmal mit Namen und Eckpunkten "bombardiert", die vielleicht für das gesamte Gefüge noch wichtig werden oder aber vielleicht auch nicht aufgeklärt werden.


    So bin ich gespannt, wie sich der vermeintliche Punkt der Unfruchtbarkeit Faustinos vielleicht aufklärt angesichts seiner vielen angeblichen Kinder aus seinem unsteten Leben. Da werfen sich mir auch die Fragen auf, wo sind die lieben Kinder her und wie passt dann das ganze zu der doch sehr jungen biologischen Mutter von Laurentina?!
    Agualusa hat hier bereits gekonnt eine Sache in den Raum gestellt, die sich mir für weitere Spekulationen offenhält und mich im Geschehen mit Spannung weitertreiben werden.


    Mandume ist mir mit seiner pessimistisch ablehnend negativen Einstellung irgendwie sympathisch. Damit kann er Laurentina sicherlich auf dem Boden der Tatsachen zurückholen, wenn sie sich zu sehr den verklärenden Eindrücken hingibt.

  • Hallo,


    ich bin auf Seite 50 also ungefähr bei der Hälfte des ersten Satzes und ich muss sagen, ich bin noch immer leicht verwirrt was die Personen angeht. Immer wieder gibt es einen Ich-Erzähler aber jedes mal ein anderer, da kann man schon mal durcheinander kommen.
    Insgesamt gefällt mir die Sprache recht gut, sie ist angenehm zu lesen die Geschichte spannend. Leider weiß ich kaum etwas von Angola und seiner Geschichte. Schon in dieser Hinsicht werde ich einiges Lernen denke ich.



    Ich bin auf der Pirsch. :lupe: Bisher dachte ich ja immer, Faustino Manso sei ein realer Musiker und das Buch eine Art Doku über ihn, das Leben realer Kinder und so weiter. Ein intensiver Blick in den Bucheinband belehrte mich nun eines Besseren. Alles Fiktion, was diesen Menschen angeht?


    Ich habe wie so oft den Bucheinband nicht gelesen weil ich manchmal fürhte er könnte zu viel verraten. Nun frage ich mich gerade - tut er das? Ich habe die Geschichte im Bewußtsein angefangen, hier einer Biografie nachzureisen, fiktional oder real war dabei erstmal nicht von Bedeutung. Nun weiß ich, dass es 2 Handlungsläufe sind, das macht einiges verständlicher, aber meine Frage bleibt, wäre ich da irgendwann selbst drauf gekommen?


    Viele Grüße
    schokotimmi

    Weltreise: 43/223 - 19,3%


  • Immer wieder gibt es einen Ich-Erzähler aber jedes mal ein anderer, da kann man schon mal durcheinander kommen.


    Ja, manchmal brauche ich auch ein, zwei Sätze, um mir darüber klar zu werden, wer da gerade spricht. Aber irgendwie ist das auch reizvoll, weil ich mich dann im ersten Moment über die Perspektive wundere, wenn ich mit einem anderen „Sprecher“ gerechnet habe.


    Die zweite Hälfte dieses ersten Abschnitts bringt die ersten Stationen der Reise. Dabei erlebt man mehr als eine Szene und manche Personen doppelt, weil sie erst in Agualusas Reise auftauchen und in leicht abgewandelter Form Eingang in Laurentinas Reise finden. So zwei-, dreimal finde ich das Stilmittel ja ganz witzig. Man könnte daraus ein bißchen ableiten, wie reale Ereignisse im Zuge eines schriftstellerischen Schaffensprozesses zu Fiktion werden. Allerdings bin ich immer noch nicht überzeugt, daß all das, was Agualusa hier als seine Reise präsentiert, auch real ist. Eher kann ich mir einen „doppelten“ Erfindungsprozeß vorstellen. Wie es auch immer sein mag: Ich hoffe, daß diese Dopplung kein Dauerzustand wird.


    Davon abgesehen verfolge ich besonders interessiert die Auseinandersetzungen zwischen Bartolomeu und Mandume. Abgesehen von Eifersucht auf allen Seiten könnte sich dort auch noch ein grundsätzlicher Konflikt über Identität anbahnen, die Diskussion über die Nationalhymnen deutete das bereits an. Gerade wegen der „Vielfarbigkeit“ Angolas, die Agualusa hier beschwört, stellt sich natürlich die Frage danach, welche Rolle Hautfarbe bei dieser Selbstdefinition überhaupt (noch) spielen kann.

  • Hallo,


    ich habe den ersten Satz noch nicht ganz beendet, aber ich finde die Parallelen der beiden Reisen interessant. Irgendwo ist auch ein Satz über eine Bar aufgetaucht, der deutlich werden läßt dass die Geschichte um Laurentina erfunden ist.


    Ich finde die Konstellation bis jetzt interessant, die Ort aus den beiden Blickwinkel zu sehen, aber irgendwie weiß ich nicht, ob mich das bis zum Ende des Buches begeistert - im Moment erwarte ich irgendwo noch einen "Showdown" der sowohl auf die reale als auch auf die fiktive Reisegruppe Einfluss hat.


    Bis jetzt mag ich das Buch aber recht gern.


    Viele Grüße
    schokotimmi

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  • Ich tue mich ehrlich gesagt etwas schwer, in diese Lektüre richtig einzusteigen. Diese wechselnden Perspektiven und Personenkonstellationen wirken auf mich sehr befremdlich. Ich habe das Gefühl, ich bzw. die Protagonisten jagen ein Phantom überall und nirgends und es geht nicht wirklich vorwärts. Die Geschichte wiederholt sich teilweise und es komt nur immer ein winziges Puzzleteilchen dazu.


    Ich finde nicht, dass es zwei Hadlungsverläufe sind, sondern für mich sind es bisher gefühlte Hunderte.
    Daher pausiere ich erstmal für ein paar Stunden und versuche dann wiedereinzusteigen.


    Was mich interessieren würde, es ist öfters von "Indien" bzw. Indern/innen die Rede. Welche Verbindung zu Portugal bzw. Angola besteht da?


  • Was mich interessieren würde, es ist öfters von "Indien" bzw. Indern/innen die Rede. Welche Verbindung zu Portugal bzw. Angola besteht da?


    Portugal war rund 450 Jahre lang Kolonialmacht in Goa, an der Westküste Indiens. Bevölkerungsbewegungen innerhalb eines Kolonialreiches sind nicht ungewöhnlich, vor allem Kaufleute sind da immer sehr beweglich gewesen. Auch in Ostafrika gibt es starke indische Minderheiten, während weiter nördlich in Westafrika Levantiner diese Rolle eingenommen haben.


  • Ich bin auf der Pirsch. :lupe: Bisher dachte ich ja immer, Faustino Manso sei ein realer Musiker und das Buch eine Art Doku über ihn, das Leben realer Kinder und so weiter. Ein intensiver Blick in den Bucheinband belehrte mich nun eines Besseren. Alles Fiktion, was diesen Menschen angeht?


    Ich habe wie so oft den Bucheinband nicht gelesen weil ich manchmal fürchte er könnte zu viel verraten. Nun frage ich mich gerade - tut er das? Ich habe die Geschichte im Bewußtsein angefangen, hier einer Biografie nachzureisen, fiktional oder real war dabei erstmal nicht von Bedeutung. Nun weiß ich, dass es 2 Handlungsläufe sind, das macht einiges verständlicher, aber meine Frage bleibt, wäre ich da irgendwann selbst drauf gekommen?
    [/quote]


    Vielleicht wäre ich selber draufgekommen. Aber ich bin ganz dankbar für den Hinweis gewesen. Irgendwie hat es geholfen, schneller die Struktur zu erkennen und jetzt kann ich mich besser zwischen den zwei Strängen hin und her hangeln. Wobei ich ja diesem Kommentar Recht geben muss:



    ... ich bin noch immer leicht verwirrt was die Personen angeht. Immer wieder gibt es einen Ich-Erzähler aber jedes mal ein anderer, da kann man schon mal durcheinander kommen. ...


    Das geht mir bisweilen ähnlich.


    Mandume ist mir mit seiner pessimistisch ablehnend negativen Einstellung irgendwie sympathisch. Damit kann er Laurentina sicherlich auf dem Boden der Tatsachen zurückholen, wenn sie sich zu sehr den verklärenden Eindrücken hingibt.


    Klar, damit fängt er gleich an, als die den "Duft Afrikas" beim Aussteigen aus dem Flieger huldigt (Seite 26):
    "Es riecht nach Pisse, verdammt!" Ich schwieg. Denn er hatte Recht. :breitgrins:
    Da musste ich fast laut loslachen.
    Brainstoriming-Idee: Sind die beiden Figuren als Antipoden entworfen worden?


    Was ich sehr bemerkenswert fand, war die Szene auf der Beerdigung (Die Beerdigung, Seite 27). Laurentina kreuzt auf, sagt, sie sei eine Tochter des Verstorbenen und wird herzlich in die Familie aufgenommen. Sie schien fast mit einem Rausschmiss oder wenigstens einer Schimpftirade zu rechnen, aber nichts dergleichen geschieht. Die Familie um Dona Anacleta wusste, dass es alle möglichen Kinder überall verteilt gab und wusste sogar von Laurentina! Damit hätte ich nicht gerechnet.


    Auf Seite 32 kommt ein Kommentar zum Thema Familie, der einen Teil dieser Familienstrukturen bestens beschreibt - schätze ich jedenfalls: Er (gemeint ist: Faustino Manso) war ein afrikanischer Mann. [...] Wir hier in Afrika wissen noch, wie man Kinder macht, nicht so wie ihr in Europa. Aha, Bettsport alleine reicht nicht, es müssen immer noch Kinder bei rauskommen. In meinen Augen üble Machosprüche. Denn zu den Frauen, mit denen Kinder existieren, gehören sicher noch eine ganze Menge, mit denen keine Kinder existieren. Oder vermute ich da falsch?


    Seite 39: Habt Ihr eine Ahnung, auf welche Riten da angespielt wird? Beschneidung scheint es nicht zu sein, da Karen über "symbolische Riten" spricht. Der Film ist auf ihrer Website erwähnt, aber mehr auch nicht.


    Was mir gerade beim Zusammenstellen des Kommentars aufgefallen ist:
    Auf Seite 60 fragt Agualusa seinen Fahrer Azarado, wieviele Kinder und Frauen er hat. Azarado meint, er könne seine Kinder auseinander halten, weil er sie nach Getränken benannt habe. Als ich nun gerade blättere, stoße ich auf Seite 18 auf eine der Todesanzeigen, die nach Faustino Mansos Tod erschienen sind und in der vierten Anzeige unterschreibt ein Kind namens Smirnoff. :zwinker: Ist das Manier in Angola?

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  • Brainstoriming-Idee: Sind die beiden Figuren als Antipoden entworfen worden?


    Die Überlegung hat etwas. Da ich schon ein bißchen weiter bin, würde ich sagen, es gibt in Laurentinas Geschichte eigentlich eine Menge Leute, die eher als „Prototypen“ für eine bestimmte Geisteshaltung denn als „echte“ Menschen durchgehen.



    Die Familie um Dona Anacleta wusste, dass es alle möglichen Kinder überall verteilt gab und wusste sogar von Laurentina! Damit hätte ich nicht gerechnet.


    Familie ist eben Familie :breitgrins:



    Aha, Bettsport alleine reicht nicht, es müssen immer noch Kinder bei rauskommen. In meinen Augen üble Machosprüche. Denn zu den Frauen, mit denen Kinder existieren, gehören sicher noch eine ganze Menge, mit denen keine Kinder existieren. Oder vermute ich da falsch?


    Letzteres: Gut möglich und durchaus wahrscheinlich. Ersteres: Eher ein Zeichen dafür, wie ernst religiöse Vorschriften im Hinblick auf den Einsatz von Mitteln zur Geburtenkontrolle genommen werden. Wie war das noch gleich? „Seid fruchtbar und mehret Euch.“ Etwa die Hälfte aller Angolaner sollen wohl der römisch-katholischen Kirche angehören, weitere bedeutende Prozentsätze evangelikalen Glaubensgemeinschaften, die zum Teil sicher ähnlich restriktive Ansichten vertreten.



    Seite 39: Habt Ihr eine Ahnung, auf welche Riten da angespielt wird? Beschneidung scheint es nicht zu sein, da Karen über "symbolische Riten" spricht. Der Film ist auf ihrer Website erwähnt, aber mehr auch nicht.


    Keine Details. Es geht aber wohl um Sexualpraktiken, die man den Mädchen vermittelt, um Männer (tatsächlich oder vermeintlich) besonders wirkungsvoll zu befriedigen. Dabei spielen Aspekte des safer sex aber natürlich keine Rolle, sie wären wohl im Gegenteil eher hinderlich.



    Was mir gerade beim Zusammenstellen des Kommentars aufgefallen ist:
    Auf Seite 60 fragt Agualusa seinen Fahrer Azarado, wieviele Kinder und Frauen er hat. Azarado meint, er könne seine Kinder auseinander halten, weil er sie nach Getränken benannt habe. Als ich nun gerade blättere, stoße ich auf Seite 18 auf eine der Todesanzeigen, die nach Faustino Mansos Tod erschienen sind und in der vierten Anzeige unterschreibt ein Kind namens Smirnoff. :zwinker: Ist das Manier in Angola?


    Ich denke eher, das ist eine Marotte von Azarado, die dann Eingang in Laurentinas Geschichte gefunden hat, weil Agualusa es witzig fand :zwinker:

  • Ich komme wie erwartet zwischen allen Kinofilmen nur wenig zum Lesen und am Computer sitze ich auch wenig. Bevor ich gleich wieder ins Kino hechte, will ich die Gelegenheit nutzen und ein paar Eindrucke zum ersten Teil schildern.


    Ale erstes muss ich erwähnen, dass ich ja die englische Übersetzung lese. In der haben die 4 Teile (deren Tempobezeichnungen denen einer Sonate entsprechen) sonderbarerweise keine Titel. Ich werde bei Gelegenheit in der Bib in der portugiesische Ausgabe kontrollieren, wie die Teile dort heißen.


    Von dem englischen Klappentext hatte ich nur den ersten, fettgedruckten Teil gelesen, der von Laurentina und ihrem Papa handelt. Die Info über Agualusas Reise fehlte mir, ich habe aber schnell zusammengereimt, wie die Teile zusammenhängen. Dabei habe ich allerdings angenommen, dass auch Agualusas Reiseschilderung weitgehend erfunden ist. Bettinas Link zu Karen Boswells Homepage belehrte mich da eines besseren (wobei natürlich nicht ausgeschlossen ist, dass die Personen zwar existieren, die Ereignisse aber fiktiv sind).


    So ganz kann mich die Aufteilung in die beiden Erzählstränge nicht überzeugen. Einerseits kann es ja ganz interessant sein, wie ein reales (?) Erlebnis in eine Romanszene umgewandelt wird, aber irgendwie nerven mich diese Doppelungen leicht. Zwei Autounfälle wegen Schlafen am Steuer z. B. brauche ich nicht unbedingt. Vor allem finde ich in diesem Zusammenhang, dass nicht deutlich genug wird, welche Teile nun erfunden und welche real sind. Die beiden Hälften verschwimmen ineinander, solange ich mir nicht bei Beginn jeden Abschnittes extra deutlich mache, ob es gerade ein Dokumentar- oder belletristischer Abschnitt ist.


    Mandumes Anti-Afrikahaltung finde ich zwar überzogen, aber als Erweiterung des Blickes doch notwendig für diesen Roman. Besonders gut haben mir die beiden Kapitel über Luanda gefallen. Erst der wunderbare Abschnitt über das Menschen- und Sprachengewimmel, bei dem es mich gleich in die Stadt zog, und dann das abschreckende Kontrastbild:

    Zitat

    The city is a sum of horrors: poverty plus racism plus stupidity plus ignorance plus conservatism plus machismo plus intolerance plus arogance plus noise.


    Ich nehme an, dass beide Teile stimmen.

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • Ich habe mit dem Buch natürlich auch brav am Freitag angefangen, Leserundenstarts am Wochenende sind für mich allerdings immer denkbar ungünstig, da ich an den meisten Wochenenden so gut wie gar nicht zum Lesen komme. So auch diesmal. Obwohl ich das Buch wirklich toll finde, habe ich gerade mal 30 Seiten gelesen.


    Bisher ist noch nicht viel passiert und die wenigen Kapitel sind auch recht verwirrend, weil viele Namen und Personen vorkommen und auch aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Und doch finde ich den Ansatz sehr interessant, eine "reale" Reise und eine fiktive Reise sozusagen parallel ablaufen zu lassen. Wie real Agualusas Reise wirklich ist, werden wir wohl nicht erfahren, mir persönlich ist das aber nicht wichtig und ich finde es sogar ganz spannend, ein bisschen rätseln zu können, was wirklich passiert ist und welche Details der Autor hinzufügt, um einen guten Roman schreiben zu können.


    Bisher finde ich es auch noch ganz nett, dass im "realen" Erzählstrang Dinge über die fiktive Geschichte besprochen werden, die dann im nächsten Kapitel etwas abgewandelt wirklich auch auftauchen. Wenn solche Wiederholungen aber ständig kommen, kann das schnell ermüdend und uninteressant werden, da stimme ich euch zu. Ich kann aber noch nicht beurteilen, ob mich das im weiteren Verlauf stören wird.


    Sehr interessant fand ich, dass Agualusa sagt, dass am Ende seiner Geschichte herauskommen soll, dass Faustino unfruchtbar war. Er verrät somit ja schon das Ende von Laurentinas Geschichte und lässt uns Leser somit schon viel mehr wissen, als die Figur in seiner Geschichte.



    Klar, damit fängt er gleich an, als die den "Duft Afrikas" beim Aussteigen aus dem Flieger huldigt (Seite 26):
    "Es riecht nach Pisse, verdammt!" Ich schwieg. Denn er hatte Recht. :breitgrins:
    Da musste ich fast laut loslachen.


    Diese Stelle fand ich auch sehr witzig :lachen:

    ~~better to be hated for who you are, than loved for who you&WCF_AMPERSAND're not~~<br /><br />www.literaturschaf.de


  • Ale erstes muss ich erwähnen, dass ich ja die englische Übersetzung lese. In der haben die 4 Teile (deren Tempobezeichnungen denen einer Sonate entsprechen) sonderbarerweise keine Titel. Ich werde bei Gelegenheit in der Bib in der portugiesische Ausgabe kontrollieren, wie die Teile dort heißen.


    Jetzt habe ich endlich Zeit gehabt, mir das portugiesische Original anzugucken. Und siehe da - die Teile haben keine Tempobezeichnung! Sie heißen "Primeiro (etc.) andamento", wobei Andamento laut Wikipedia "Tempo" bedeutet.
    Wo die deutsche Übersetzung die Tempoangaben hergenommen hat, ist mir ein Rätsel.


    Bettina:
    Ist dir im Betreff mit "allegra ma non troppo" ein Tippfehler unterlaufen, oder steht das wirklich so im Buch? Eigentlich heißt das nämlich in der Musik "allegro".

    Wir sind irre, also lesen wir!


  • Wo die deutsche Übersetzung die Tempoangaben hergenommen hat, ist mir ein Rätsel.


    Ich finde sie auch unpassend, da Faustino doch keine klassische Musik spielt. Beim Jazz werden meines Wissens nach diese italienischen Tempobezeichnungen nicht benutzt.

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • Jetzt habe ich endlich Zeit gehabt, mir das portugiesische Original anzugucken. Und siehe da - die Teile haben keine Tempobezeichnung! Sie heißen "Primeiro (etc.) andamento", wobei Andamento laut Wikipedia "Tempo" bedeutet.
    Wo die deutsche Übersetzung die Tempoangaben hergenommen hat, ist mir ein Rätsel.


    Bettina:
    Ist dir im Betreff mit "allegra ma non troppo" ein Tippfehler unterlaufen, oder steht das wirklich so im Buch? Eigentlich heißt das nämlich in der Musik "allegro".


    Also ich denke es war ein kleiner Tippfehler - zumindest bei mir steht allegro. Hätte von mir sein können, denn ich kenne mich mit diesen Bezeichnungen leider nicht aus.
    Ich verstehe zwar den Wiki-Text nicht wirklich, aber es scheint ja doch etwas mit den Musik-Tempi zu tun zu haben, da "andamento" ja soweit ich das verstehe der Oberbegriff ist.


    Ich finde sie auch unpassend, da Faustino doch keine klassische Musik spielt. Beim Jazz werden meines Wissens nach diese italienischen Tempobezeichnungen nicht benutzt.


    Mein Musikwissen ist zwar eher winzig, aber auch ich finde die Bezeichnungen unpassend. Sie stehen in keinem für mich erkennbaren Zusammenhang zum Text - aber irgendwas scheint sich der Autor ja dabei gedacht zu haben und der Übersetzer hat dann noch weiter gedacht?!


    Viele Grüße
    schokotimmi

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  • Ich habe einen Tippfehler gemacht :redface:
    Wird korrigiert....


    Ich bin fürchterlich im Hintertreffen. Nachdem nun drei oder vier Tage nix mit Lesen überhaupt war (davor hat es hingegen super geklappt), vermisste ich heute Abend mein Lesezeichen. Ich hab' mich heute Morgen noch gewundert, woher mein Sohn so einen Papierstreifen im Bett hat, wie ich ihn benutze. Bis ich heute Abend herausfand, dass das DER Papierstreifen war. :grmpf: Ich habe bis gerade eben gebraucht, um überhaupt herauszufinden, wo ich das letzte Mal gesteckt habe.
    Ab morgen hole ich auf! Aber dann.... :stillgestanden:

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    Einmal editiert, zuletzt von Bettina ()

  • Ich hatte ja auch schon festgestellt, daß ich diese aus der klassischen Musik entlehnten Tempobezeichnungen, die mit Faustinos Jazz nun so gar nichts zu tun haben, nicht besonders glücklich finde. Wenn sie zudem in dieser Form im Original nicht mal auftauchen, wird das ganze noch unverständlicher. Profilierungsbemühungen des Übersetzers?

  • Ich habe heute Abend nochmals recht viel ein zweites Mal gelesen, weil ich doch vor Verlust meines Lesezeichens mehr Passagen hinter mir hatte als vermutet. Nun kam mir zwar alles bekannt vor, geholfen hat es mir aber nicht so viel: Ich habe nach wie vor einige Probleme, alles unter einen Hut zu bekommen.


    Ich brauche ungewöhnlich lange, um jeweils herauszubekommen, wer wann wo spricht. Da die Abschnitte ja von verschiedenen Leuten erzählt werden, finde ich es gar nicht einfach. Gut, dass die Passagen aus Realität und Fiktion durch verschiedene Überschriften kenntlich gemacht werden.



    Bisher ist noch nicht viel passiert und die wenigen Kapitel sind auch recht verwirrend, weil viele Namen und Personen vorkommen und auch aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Und doch finde ich den Ansatz sehr interessant, eine "reale" Reise und eine fiktive Reise sozusagen parallel ablaufen zu lassen. Wie real Agualusas Reise wirklich ist, werden wir wohl nicht erfahren, mir persönlich ist das aber nicht wichtig und ich finde es sogar ganz spannend, ein bisschen rätseln zu können, was wirklich passiert ist und welche Details der Autor hinzufügt, um einen guten Roman schreiben zu können.


    Ich weiß noch nicht, was ich von den Doppelungen halten soll. Ich habe auch das Gefühl, dass die reale Reise zu Gunsten der Erzählung nicht authentisch erzählt wird, sondern selbst Erfindungen enthält. Da ich mich nicht gerne verwirren lasse, hoffe ich natürlich, dass es irgendwo auch Entwirrungen gibt. Derzeit habe ich eher das Gefühl, eine fiktive Reisegruppe erzählt über eine fiktive Musikertochter...

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  • Ich komme momentan mit dem Buch nicht so richtig weiter. Ich lese immer mal wieder ein paar Kapitel, muss aber immer sehr lange überlegen, wer denn nun wer ist und wer gerade erzählt. Bei dem Buch wäre es besser, wenn man mal länger am Stück lesen könnte, aber ich habe nicht so viel Lesezeit momentan und für unterwegs ist mir das Buch zu groß und schwer. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich wenigstens den ersten Abschnitt bald beenden kann.

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