Vierter Teil - 18:00 Uhr (Seite 311 - Ende)

Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 7 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von dubh.

  • Fazit: Der Bäcker ist nicht nur Kollaborateur, er ist auch ein A...ch. Hat ihm bestimmt 'ne Menge gebracht, die Frau auch noch fertig zu machen. Zumindest kann man aus dem Ausklang, auch wenn dieser mit Quellen überschrieben ist, schließen, daß der Bäcker nicht lange Freude an seinem Überleben hatte, sondern womöglich in seinem eigenen Ofen gelandet ist. Darin läge dann ja durchaus eine gewisse Ironie.


    Ich lasse es mal noch ein, zwei Tage sacken, aber ich fürchte, Begeisterung über das Gelesene wird sich nicht einstellen.

  • Fertig, endlich. Es ist schwer, noch etwas dazu zu schreiben.


    Warum der Lehrer entschieden hat, die Geschichte für sich so abzuschließen, geht mir nicht in den Kopf. Mit etwas mehr Ausdauer hätte er seine Frau vielleicht wiedergefunden und wer weiß, wie er dann der Bedrohung durch den Krieg begegnet wäre.


    Nach wie vor frage ich mich, was diese Theaterstücke sollten. Es ist unvorstellbar, dass zwei Menschen in dieser Situation sich so verhalten. Das ist selbst für ein Buch ziemlich dick aufgetragen.


    Die Botschaft dieser Geschichte ist an mir vorbeigegangen.

  • Fertig! :klatschen:


    Dieser Bäcker ist doch echt das Letzte! :grmpf: Die Gefühllosigkeit, die der Lehrer seinem Bruder bescheinigt hatte, scheint auf die gesamte Familie zu zutreffen.


    Durch die Briefe hat der Lehrer am Ende in meinen Augen wieder etwas gewonnen. Aber er ist für vieles zu mutlos, ohne seine Frau besonders. Wenn man vom Inhalt ihrer jeweilig letzten Brief aneinander ausgeht, waren sie sich sehr nahe.



    Mir hat dieses Buch gar nicht gefallen. Ich hatte gehofft, das würde sich in Laufe der Geschichte noch ändern, war aber nicht. Ich habe bis zum Schluss nicht verstanden, was Donovan damit bezweckte. Vielleicht wusste er es selber nicht.
    Resümee:
    Ein Buch, das die Welt nicht braucht!


    Ohne die Leserunde hätte ich nicht durchgehalten.
    Danke, für eure Ausdauer.

  • :daumen: Ich habe es auch geschafft.


    Meine Begeisterung hält sich auch in Grenzen aber der Stoff beschäftigt mich ungemein.
    Und was Donovan damit sagen wollte, steht für mich zusammengefasst im letzten Satz in seinem Nachwort.


    Zitat

    Und so, lieber Leser, bleibt nur noch die Frage: Sind Sie der Bäcker oder der Lehrer?


    Ich finde den Lehrer überhaupt nicht mutlos sondern realistisch und ich finde, er zeigt die wahre Stärke. Allerdings kann ich Donovans Frage nicht beantworten aber mein Selbsterhaltungstrieb rückt mich dem Bäcker näher. :rollen:

    Mein Schatz nicht aktuell!

    Einmal editiert, zuletzt von jääkaappirunous ()

  • Geschafft. :breitgrins:


    Hallo zusammen,


    so, das Buch habe ich heute morgen fertig gelesen, aber zum Schreiben bin ich die letzten Tage nicht mehr gekommen... Ehrlich gesagt fällt es mir auch nicht leicht, etwas Sinnvolles zum Buch zu schreiben. :rollen:
    Nach wie vor bleibe ich dabei: die Thematik des Buches ist sehr interessant und vermutlich würde ich wieder ein Buch mit solch einem Ansatz versuchen zu lesen, aber die Umsetzung Donovans ist leider mangelhaft.
    Die Figuren bleiben bis zum Schluß zu konstruiert, die Handlung irgendwie orientierungslos.
    Der Bäcker ist der Kollaborateur, das war schon im vorigen Abschnitt klar - und dazu durch und durch schlecht. Der Lehrer, mit dem ich anfangs noch mehr Schwierigkeiten hatte (was unbestreitbar auch an meiner Vermutung seiner Rolle zusammenhing), ist mir fast schon sympathisch... Für welche Rolle ich mich entscheiden würde? Ach, das erinnert mich an so manche Geschichtsstunde in der Schule - klar, man ist immer versucht, sich für die richtige, die gute Seite zu entscheiden. Aber ich weiß nun mal nicht, wie ich in solchen schwerwiegenden Lebenssituationen wirklich entscheiden würde. Oder am Beispiel des Dritten Reiches: ich weiß heute, dass ich antifaschistisch bin und zum Beispiel Antisemitismus verachte, aber ich weiß nicht, wie ich - in der damaligen Zeit sozialisiert und ohne die heutigen historischen Kenntnisse - entschieden hätte. Ich kann (leider) nicht mit Sicherheit sagen, dass ich mich in einem solchen menschenverachtenden System richtig entschieden hätte... Deshalb ist diese Frage für mich rhetorisch, denn Menschen werden unter solch einem Druck und/ oder unter Lebensgefahr vielleicht ganz anders entscheiden als sie es selbst zuvor vermutet hätten.


    Ob der Bäcker seine 'Strafe' erhält? Ich denke ja.


    Noch etwas zum Nachwort des Autors: eigentlich sollte ich mich darüber freuen, denn genau auf diese Zeilen hatte ich zwischendurch gehofft und mir zwischenzeitlich viel davon versprochen. Doch leider wurde ich auch davon enttäuscht: mir ist die Intention Gerard Donovans noch genauso rätselhaft wie vor dem Nachwort. :rollen:


    Fazit: Interessante Thematik, Umsetzung mißglückt, leider.


    Liebe Grüße
    dubh

    Liebe Grüße

    Tabea

  • Auch ich konnte gestern mit einem erleichterten Aufatmen das Buch zuklappen - geschafft!


    Gegen Ende wird der Versuch deutlich, doch noch einen roten Faden einzubringen, aber wahrscheinlich hätte Donovan das bereits geschriebene deutlich überarbeiten müssen, um noch die Kurve zu kriegen. Und das hat er offensichtich - und leider - nicht getan. Die Frage, die er im Nachwort auch ganz konkret stellt, entwickelt sich meines Erachtens nicht über das Erzählte, sondern wird am Ende aufgepfropft. Und ist genau so eine philosophische Spielerei, wie vieles in dem Buch, denn:



    Deshalb ist diese Frage für mich rhetorisch, denn Menschen werden unter solch einem Druck und/ oder unter Lebensgefahr vielleicht ganz anders entscheiden als sie es selbst zuvor vermutet hätten.


    Tja, Donovan hat leider viel verschenkt und der Verlag hat weder ihm noch sich einen Gefallen getan, glaube ich. Andererseits hat das Buch es 2003 auf die Longlist des Booker Prize geschafft ...


    Viele Grüße
    Breña

    "Natürlich kann man sein ohne zu lesen, ohne Bücher, aber ich nicht, ich nicht."  J. L. Borges


  • Andererseits hat das Buch es 2003 auf die Longlist des Booker Prize geschafft ...


    Was mich mal wieder zu der Frage bringt, ob die Jury wirklich zu Beginn immer den ganzen Text gelesen hat. :wegrenn: Denn anfangs war ich von Ein bitterkalter Nachmittag auch ziemlich angetan - sprachlich und vor allem in der Hoffnung, was mich ob des Themas noch alles so erwartet... :rollen:


    Liebe Grüße
    dubh

    Liebe Grüße

    Tabea