Sten Nadolny - Die Entdeckung der Langsamkeit

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 43 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kati.

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    Inhalt:
    Der Roman erzählt das Leben des englischen Seefahrers und Nordpolforschers John Franklin (1786–1847), der schon als Jugendlicher an Seeschlachten teilnahm (Kopenhagen 1801, Trafalgar 1805). Sein Lebensziel war die Entdeckung der Nord-West-Passage nördlich des Nordamerikanischen Festlandes, der Verbindung von Atlantik und Pazifk. Nach zwei Arktisexpeditionen war Franklin kurzzeitig Gouverneur in Australien, bevor er auf der dritten Forschungsreise einen Schlaganfall erlitt und mit seiner Mannschaft im ewigen Eis starb.
    Die Entdeckung der Langsamkeit ist zugleich Abenteuer- wie Entwicklungsroman. Nadolny greift die biografischen Fakten aus dem Leben Franklins auf, ergänzt das Porträt des Kapitäns jedoch um einen wesentlichen Punkt: Franklin ist ein langsamer Mensch, im Denken, Sprechen und Handeln, eigentlich zu langsam für die moderne Zeit der industriellen Revolution. Die vermeintliche Schwäche des Außenseiters wird jedoch als Ausdauer, Gründlichkeit und Gelassenheit zur Stärke.


    Teilnehmer:
    Kati
    yanni
    tina
    [hr]
    Viel Spaß!

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • Hallo ihr Lieben,


    ich bin noch gar nicht weit, habe erst "Das Dorf" gelesen.
    Vorab muss ich sagen, dass ich schon sehr gespannt war, wie gerade die Zeit vor seiner Karriere dargestellt wird.
    Nach diesem Kapitel war ich etwas irritiert, wieviel Überlieferung bzw. Erfindung enthalten ist.
    Ich habe deshalb direkt mal das Nachwort gelesen (habt ihr eine solche Ausgabe auch?) und bin nun schlauer.
    Seine Darstellung des jungen John Franklin finde ich sehr mutig. Ich bin neugierig, wie es sich ins spätere Bild einfügt.


    Nadolny´s Schreibstil und Ausdruck in den Worten gefällt mir sehr, sehr gut. Es ist so schön einprägsam.
    Noch nie hat wohl jemand so über Hühner geschrieben. :breitgrins:


    LG Kati

  • Hallo liebe Mitlesende!


    "Das Dorf" ist inzwischen gelesen und es gefällt mir recht gut. Franklin mit 10 Jahren zu begegnen, war nun doch eine Überraschung für mich. Aber gut, um seine "Art" zu verstehen, ist es sicher hilfreich schon mit der Kindheit zu beginnen. Über die Szene mit der Schnur musst ich grinsen. :breitgrins: Auch wie er erklärt, warum er seinem Vater sagt: "Tut weh!" Schon in seiner Ausdrucksweise ist er recht sparsam.


    Ja, die Hühner sind erstens ein sehr unruhiges Völkchen und zweitens hat er doch nicht unrecht damit, was er so über Hühner zu sagen weiß. :zwinker:


    Ich habe festgestellt, dass ich schon langsam lese.
    Dieses Nachwort, Kati, das du erwähnst, ist es sehr lang? Ich habe nur eine bibliographische Notiz am Ende des Romans.


    Lieben Gruß
    yanni


  • Dieses Nachwort, Kati, das du erwähnst, ist es sehr lang? Ich habe nur eine bibliographische Notiz am Ende des Romans.


    Huhu :winken:


    vor dieser bibliographischen Notiz gibt es in meiner Bertelsmann-Ausgabe ein Nachwort über 16 Seiten.
    Nadolny erzählt aus seinem Leben, wie ihn Franklin prägte und wie es zu diesem Roman kam.


    Er kannte nur die äußeren Daten seiner Karriere und phantasierte den Rest dazu.
    Das Kapitel "Im Dorf" existierte erst anders, jedoch war ihm das viel zu unbeschwert, zu putzig ... und änderte es.
    "Hin und wieder befiel mich aber ein böses Wachsein: Was tat ich da eigentlich? Weder Historiker noch Kafka, kostümierte ich meinen geliebten John Franklin als interessanten Halbbehinderten [...] Ich habe Franklin gefunden und geliebt, dann das Schreiben entdeckt und Franklins Eigenschaften in etwas lockerer Verbindung zu ihm erfunden und bereue das nicht oder jedenfalls nicht mehr. [...] :daumen:


    LG Kati *die auch schon gemütlicher liest* :winken:


  • vor dieser bibliographischen Notiz gibt es in meiner Bertelsmann-Ausgabe ein Nachwort über 16 Seiten.
    Nadolny erzählt aus seinem Leben, wie ihn Franklin prägte und wie es zu diesem Roman kam.


    16 Seiten?! Ich fühle mich gerade von meiner Ausgabe ziemlich betrogen.
    Ich lese diese hier:


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    Danke für den Auszug aus deinem Nachwort. Dann habe ich wenigstens etwas Hintergrundinfo.

  • Hallo,


    ich habe gestern Nacht das erste Kapitel gelesen und gerade eben Der zehnjährige und die Küste beendet.
    Es ist mein erstes Buch von Nadolny und auch mir gefällt der Schreibstil sehr gut. Er beschreibt genau, aber nicht zu langatmig und er schildert den inneren Kampf des kleinen John sehr eindrucksvoll.
    Die innere Zerrissenheit, zu wissen dass er anderes ist als alle anderen, dass er weiß woran es liegt, aber es einfach nicht ändern kann weil nun einmal einfach so ist wie er ist.
    Beeindruckend fand ich dass ein Mensch, ja ein Kind mit einem solchen Handicap den Mut aufbringt zu gehen um etwas zu ändern. Gerade für Menschen die hilflos sind ist ein geregeltes Leben eine vertraute Umgebung ein Muss um sich überhaupt mit dem Leben arrangieren zu können und eben in solch einer verzweifelten Situation auch noch die Starke zu besitzen sein Bündel zu packen und zu gehen, dass hat mich beeindruckt, wobei ich nicht weiß wieviel davon jetzt wirklich biographisch ist und wieviel Fiktion.


    Ich habe eine Bertelsmanausgabe in Form eines Buches mit Softcover. Die liebe ich ja. Sie sind nicht so empfindlich wie Taschenbücher, aber auch nicht so unhandlich wie ein Hardcoverbuch.
    Auch ich habe das 16-Seitige Nachwort des Autors, was mir aber erst aufgefallen ist, nachdem ich es bei Euch gelesen habe. Ich war allerdings so neugierig auf die Geschichte, dass ich erst einmal anfangen wollte das Buch ansich zu lesen und habe somit das Nachwort ersteinmal ignoriert.


    Vielleicht werde ich es doch noch nachholen.


    Liebe Grüße Tina

  • Johns Jugend habe ich nun hinter mir.
    Sehr interessant zu lesen, wie John sich seiner "Behinderung" gewusst ist. Wie er sich selbst analysiert, nach Abhilfe sucht. Ob es nun um fehlende Nahrungsbestandteile oder "blindes" Handeln geht.
    Ein Junge, der nicht aufgibt, stets sein Ziel im Auge hat und dieses verfolgt, wenn auch manchmal über Umweg. Ein Junge, der kein Selbstmitleid zeigt, der versteht seine Gefühle, die er durchaus hat, für sich zu nutzen.
    Es war schon fast unheimlich. Diese Geduld, die nie in Wut umschlug, egal was mit ihm angestellt wurde.
    Doch dann kam es zu einem Ereignis, das John so aufwühlte, das selbst er damit nicht zurecht kam.


    Wie er mit eiserner Disziplin die Schule und später auch das Leben auf Schiffen für sich regelte. Feste Regeln ermöglichen ihm das. Diese Regeln brauchen auch andere Menschen mit unterschiedlichen Erkrankungen. Allerdings ist es da eher so, dass sie ihnen aufgedrängt werden, während John sie selbst für sich entdeckt.
    Aber auch John braucht einen Anker. Das ist für ihn, bis er zur Schule kommt, Matthew. Da er dort keine Bezugsperson findet, wendet er sich Sagal zu. Sogar Dr. Orme hat sich nach ihm erkundigt. :zwinker:


    Mit Burnaby hoffte ich auf neue Zeiten. Leider nur ein kurzer Hoffnungsstrahl. Und doch scheint er etwas ausgelöst zu haben, zumindest bei Orme. Man kann es Orme nicht verdenken, dass er John nur für eine Auswendiglerner hielt. Denn in großen Teil tat er das ja auch, aber nicht weil er es sich selbst nicht erarbeiten konnte, sondern weil er die Fragen zuerst kennen musste. Er braucht halt Zeit und so lernt er Antworten auf Frage, die man ihm stellen könnte, auswendig. Erarbeitet hat er sie aber selbst. Verzögerte Anworten hatten eben den Anschein, als hätte er sich anderswo die Informationen geholt.


    Dass die Menschen ihn ungeduldig abfertigten, kann ich teilweise sogar nachvollziehen. Ich kenne einen Jugen, der John sehr gleicht. Auch er ist sehr intelligent, aber extrem langsam. Er starrt oft minutenlang auf einen Fleck bis er ein Wort herausbringt. Man muss ihm die Zeit geben, wenn man erfahren möchte, was er zu sagen hat. Unter Zeitdruck nervenaufreibend. Aber genau so muss er sich fühlen, wenn er merkt, dass er unter Druck gesetzt wird.


    Die Reise nach Lissabon brachte mich sehr zum Schmunzeln. :breitgrins: Immer den gerade Weg - auch bei Gwendoly. Wie er sich da am Grab dieses Dichters hinstellt und ihr seine Frage präsentiert. Gerade so, als ob er sie danach frage, ob sie ihm mehr über diesen Mann erzählen könnte. Eines seiner Gedichte vielleicht? totlach Da kam er noch glimpflich davon. :zwinker:
    Warum sein Vater wohl seine Meinung bezüglich Johns maritimer Leidenschaft änderte?


    Dr. Orme hat John einiges zu verdanken. Der Mann setzt sich für ihn ein. Und versucht ihn auch anderweitig zu unterstützen. Als John von Kopenhagen zurück kommt, hilft er ihm zu erkennen, wo das Probem ist.


    Worüber ich nachdenken musste, war Johns Bemerkung zum Ballspiel. Er sagt, dass er den Ball nicht fängt, wenn er ihn mit den Augen verfolgt und daher seinen Blick auf nichts richtet, ins Leere eben. Ich habe auch schon festgestellt, dass man dann teilweise reaktionsschneller ist. Ist euch das auch schon mal aufgefallen?

  • yanni
    Das ist ja wirklich sehr ärgerlich mit der Ausgabe. :trost:


    Ich habe gerade eben erst "Der Zehnjährige und die Küste" beendet. Schade das man in solche Kinder nicht hineinschauen kann. Diesen John könnte man wohl mit kleinen Dingen sehr, sehr glücklich machen. Dem ist es glaube ich völlig egal, ob die anderen ihn ärgern. Er möchte nur auch dieses Gefühl von Glück empfinden. Es war so schön beschrieben, die Szene mit der Flucht, das Meer und das Einsammeln :grmpf:
    Und er hat einen Traum, der ihm sehr viel bedeutet. Ja, aus diesem Jungen könnte wirklich der große John Franklin werden! :smile:


    Sehr emotional und wunderschön bisher. Mir gefällts. Ich werde das in kleinen Häppchen verschlingen. :smile:
    Ohne die Leserunde hätte das Buch noch ewig im Regal gestanden!


    Zitat von yanni

    Worüber ich nachdenken musste, war Johns Bemerkung zum Ballspiel. Er sagt, dass er den Ball nicht fängt, wenn er ihn mit den Augen verfolgt und daher seinen Blick auf nichts richtet, ins Leere eben. Ich habe auch schon festgestellt, dass man dann teilweise reaktionsschneller ist. Ist euch das auch schon mal aufgefallen?


    Ja das erklärt sich wirklich leicht. Wenn man den Blick auf einen Ruhepunkt richtet, fallen Bewegungen viel schneller auf und man kann reagieren. Geht man mit der Bewegung das Balls, muss das Gehirn ja sehr viel mehr arbeiten... Entfernung abschätzen... etc. und ist entsprechend langsamer. Schlaues Kerlchen mit wirksamer Methode :smile:


    Über was man alles nachdenkt, wenn man "nur" ein Buch über Franklin lesen will :breitgrins:


    LG Kati :winken:

  • Hallo,


    ich habe soeben die Reise nach Lissabon beendet. Es ist gut, dass es Menschen gibt, die sich für ihn einsetzen und erkennen, dass er intelligent ist. Wie oft wird Langsamkeit mit Dummheit gleichgestellt, aber nie mit Sorgfalt und qulitativ hochwertiger Arbeit.
    Ich muss bei diesem Buch oft an meine Tochter denken. Sie ist in der ersten Klasse und die Lehrerin bemängelt, dass sie sehr langsam ist. Ich habe ihr immer gesagt, bevor sie etwas schnell und falsch macht, soll sie sich lieber Zeit nehmen und es dafür ordentlich und richtig machen und schon am Anfang dieses Buches sagt mir etwas, dass dies, egal was die Lehrerin sagt, der richtige Weg für mein Kind ist. Sie kann den Unterrichtsstoff, sie macht ihre Aufgaben ohne Probleme, aber einfach langsamer und sehr ordentlich. Ich bin wieder bestärkt, sie nicht zu drängen, sondern ihr die Zeit zu lassen die sie braucht. Vielleicht sollte ich der Lehrerin mal diese Buch in die Hand drücken. :zwinker:


    Ich finde es faszinierend wie John sich selbst einen Plan erstellt nicht zu versagen, in dem er im vorhinein versucht auf alle Möglichkeiten gefasst und vorbereitet zu sein. Wie er das gehörte vom Tag in der Nacht umsetzt und sich einprägt. Seine imaginäre Figur Sagal, die bleibt und ihm zuhört. John läßt auch in dem, was er tut, keine Unsicherheit erkennen. Wieviele Menschen wissen denn sogenau, was sie wirklich wollen. Er hat einen Plan für sein Leben und es scheint zu gelingen, diesen in die Tat umzusetzten. Ich wäre nie auf den Gedanken gekommen gerade das Meer als den Ort anzusehen, der mit Langsamkeit kompartibel ist, aber die Überlegung, dass es sich um kleinen, in Größe und Ausmaß genau definerten Mikrokosmos handelt bin ich noch nie gekommen.
    Ich bin schon etwas bange, was ihm wohl in diesem Krieg widerfahren wird. Die Szene mit Gwendolyn fand ich auch witzig. Er ist in seiner Langsamkeit sehr direkt und ehrlich.
    Ich frage mich, ob sein Vater tatsächlich der Seefahrt zustimmen könnte, in der Hoffnung, dass er samt Schiff untergeht. Ich werde nie verstehen können, wie Eltern ihrem Kind etwas schlechtes wünschen können.


    Ich werde morgen weiterlesen.


    Bis dahin, liebe Grüße Tina


  • Ich frage mich, ob sein Vater tatsächlich der Seefahrt zustimmen könnte, in der Hoffnung, dass er samt Schiff untergeht. Ich werde nie verstehen können, wie Eltern ihrem Kind etwas schlechtes wünschen können.


    Dem Vater hätte eigentlich damit rechnen müssen, dass eines seiner Kinder nach der Mutter kommt. Wenn es ein Mädchen gewesen wäre, hätte er bestimmt anders reagiert.


    Von der Mutter wurde, genau wie von John, behauptet, dass sie nicht böse werden würde. Ob das wirklich in Zusammenhang mit ihrer Langsamkeit steht?

  • Zum Kap der Guten Hoffnung


    Was für eine Überraschung - John ist auf einem Schiff zusammen mit Sherard. Der Kaptiän ist kein Geringerer als Matthew. Ich glaubte ja bereits, dass er tot sei.


    Die Beschreibung der Mannschaft gefiel mir sehr gut. Mockridge war mir gleich sympathisch. Der hat ihn auch gleich in Sachen Frauen an der Hand genommen. Hat nur nicht so recht geklappt. Johns Aussage, "Ja, aber bei mir funktioniert alles nicht richtig", passte gut zu seiner bisherigen Beschreibung. Ein anderer hätte tausend Gründe gefunden warum es nicht funktioniert, aber John nicht. Mary Rose Reaktion darauf war einfühlsam und hat ihm sicher gut getan. Dann muss die Sache mit den Frauen eben noch eine Weile warten.


    Es handelt sich also um ein Forschungsschiff mit Papieren, hoffentlich nutzen die im Ernstfall auch.
    Matthew ist sehr sorgfältig. Oder sollte ich lieber schreiben fortschrittlich? Jedenfalls lässt er nichts unversucht um die Mannschaft gesund zu halten.


    John hält an Bewährtem fest und lernt wieder auswendig. Egal ob es um Segel setzen oder um Unglücksfälle geht, er will vorbereitet sein. Und es hat den Anschein, dass es ihm hilft. Nicht nur genau jeden Handgriff abspulen zu können, sondern auch in der Geschwindigkeit die Daten herunterzuspulen. Er macht zwischen den einzelnen Stationen keine Denkpause. Ob es allerdings einen Einfluss auf seine ungeübte Reaktionsfähigkeit hat, ist nicht abzuschätzen. Noch nicht?


    Die Behandlungsmethoden damals waren schon gewöhungsbedürftig. Kein Wunder, dass die meisten schnell gesundeten. Schießpulver gemischt mit Essig! :entsetzt:


    Planken aus Vogelbeerholz ist also schlecht und Planken aus Wacholder gut. Ob dies Tatsachen entspricht oder nur Aberglaube ist? Ich dachte, Hauptsache Hartholz, aber ich bin auch sehr naiv was die christliche Seefahrt betrifft. :redface:

  • Hallo,


    ich habe das Kapitel Terra Australis beendet. Mir gefällt Mathews immer besser. Seine Sorge wie man am besten mit den asutralischen Ureinwohner umgeht, finde ich sehr bedacht und menschlich, wenn man bedenkt wie normalerweise Menschen aus "zivilisierten" Ländern mit den Einwohnern ärmerer fremder Kontinente umgingen. Er ist einfach ein guter Mensch. Schön finde ich auch wie John, trotz seiner extremen Langsamkeit die Anerkennung und Achtung seiner Kollegen bekommt und man sieht dass Langsamkeit sich auszahlt, weil vieles einfach viel sorgfältiger und differenzierter wahrgenommen wird; trotzdem weiß er wann es wichtig ist sich zu eilen.
    Ich hoffe wir begegnen Captain Mathews noch einmal in dem Buch.


    John hält an Bewährtem fest und lernt wieder auswendig. Egal ob es um Segel setzen oder um Unglücksfälle geht, er will vorbereitet sein. Und es hat den Anschein, dass es ihm hilft. Nicht nur genau jeden Handgriff abspulen zu können, sondern auch in der Geschwindigkeit die Daten herunterzuspulen. Er macht zwischen den einzelnen Stationen keine Denkpause. Ob es allerdings einen Einfluss auf seine ungeübte Reaktionsfähigkeit hat, ist nicht abzuschätzen. Noch nicht?


    Ich denke, dass es ihm weiterhilft, zumal er ja nicht dumm ist. John boxt sich durch, weil er weiß, dass es seine einzige Chance ist, ein zufriedenes erfülltes Leben zu führen.
    Viele Grüße Tina

  • Hallo Mädels :winken:


    ich habe den ersten Teil jetzt durch.
    Manchmal weiß ich nicht, ob ich traurig sein oder mich amüsieren soll.
    Das ist bei einigen Szenen ein richtiger Zwiespalt :gruebel:


    Dr. Orme
    Diese Schulzeit war echt außergewöhnlich.
    Und wie Dr. orme schon sagte: John kennt kein Selbstmitleid!
    Für diesen Roman-John geht es immer irgendwie weiter... gemeinsam mit seinen kleinen Macken.
    Diese Schlafsaalbeschreibung:"Man tat, als ob man schliefe, bis man schlief. Die Lampe brannte immer. Stopford wanderte auf und ab und sah nach, wo die Schüler ihre Hände hätten. John Franklins Reisen unter der Decke fielen nicht auf, er entzog sie dem Auge durch Gemächlichkeit." totlach


    Reise nach Lissabon
    John erfoscht die Seekrankheit. Solche Überlegungen hat sicher noch niemand angestellt :breitgrins: Einfach göttlich.
    Diese Sache mit Gwendolyn war ja auch recht amüsant. Ok, sie mag nicht... gut so, ich fahr auf´s Meer.
    Nur der vater hat mich etwas geschockt. Ist ja ziemlich eindeutig, dass er seinen Sohn loswerden will. :rollen:


    Kopenhagen
    Der "Ausflug" zur Kriegsmarine ... hier kam ich etwas schleppend voran. Vielleicht weil John der Ernst des Lebens einholt und er selbst es auch so sieht?
    Sein Mord an dem Dänen muss ihn sehr getroffen haben. Gut das er gemeinsam mit Dr. Orme nun dem krieg den Rücken zukehrt.
    Ich freue mich wirklich schon auf SEINE Schiffsreisen. Wo ist Matthew nur abgeblieben?


    LG Kati


  • ich habe soeben die Reise nach Lissabon beendet. Es ist gut, dass es Menschen gibt, die sich für ihn einsetzen und erkennen, dass er intelligent ist. Wie oft wird Langsamkeit mit Dummheit gleichgestellt, aber nie mit Sorgfalt und qulitativ hochwertiger Arbeit.


    Jawohl :bang:


    Zitat von tina

    Ich bin wieder bestärkt, sie nicht zu drängen, sondern ihr die Zeit zu lassen die sie braucht. :zwinker:


    Wie schön :smile: Du machst das genau richtig!
    Leider ist die heutige Zeit viel zu hektisch, das betrifft wohl auch den Umgang der Lehrer mit den Schülern. :rollen:


    Zitat von tina

    Ich finde es faszinierend wie John sich selbst einen Plan erstellt nicht zu versagen, in dem er im vorhinein versucht auf alle Möglichkeiten gefasst und vorbereitet zu sein.


    Das fand ich auch faszinierend. Man muss nur seine Schwächen kennen, zu ihnen stehen und versuchen, das Beste rauszuholen :klatschen:


    LG Kati :winken:

  • Hallo ihr beiden,


    ich habe mal nach der Insel Saxemberg gesucht und folgendes gefunden:


    Saxemberg


    Besonders interessant ist ist Punkt 2, die Erneute Sichtung durch Flinders, unserem Matthew, im Jahr 1801.

  • Bis Ende des zweiten Teils.


    Zu Beginn des achten Kapitels war ich etwas bestürzt, so plötzlich aus der Reise herausgerissen worden zu sein. Glücklicherweise erfährt man in Rückblicken, wenn auch sehr knappen, über das Schicksal des Schiffes und der Besatzung.
    John hat sich unter der ehemaligen Besatzung bereits einen Namen gemacht. Dass er aber dadurch nun wieder auf einem Kriegsschiff arbeiten muss, ist für ihn bestimmt nicht angenehm.


    John und seine Außeinandersetzung mit der Kunstauffassung Westalls regte ihn bestimmt zu vielen neuen Gedanken an, die ihn nachts wach hielten.
    Erneut liegt ein Lebensabschnitt Franklins hinter einem. Sein Dienst unter Dance stürzt ihn immer wieder in Konflikte mit sich selbst. Er denkt, die anderen hielten ihn für feige, weil er so langsam reagierte und so versuchte er nach Möglichkeit seinen Mut unter Beweis zu stellen. Dass ihm dabei kaum etwas geschehen ist, grenzt schon fast an ein Wunder.
    Besonders im Gedächtnis blieben mir seine Worte Westall gegenüber:
    "Ich wäre gern immer sofort mutig, aber was ich tue, muss ja auch richtig sein. Ich muss alles auf mühsame Art sein, mutig auch."


    Als er erneut bei Mary Rose ist, funktioniert dann auch endlich der Rest. Es braucht halt alles seine Zeit. :zwinker:
    Seine Rückkehr löste doch einiges Erstaunen aus, sogar bei Dr. Orme. Waren sie wirklich der Meinung, er würde nicht wiederkommen, oder erwarteten sie ihn nicht so früh zurück?


    Aber der Heimaturlaub dauert nicht lange und John ist erneut zurück auf einem Schiff und auf dem Weg zu nächsten Gefecht. Über die Beschreibung James Cooke war ich im ersten Moment recht erstaunt, bis ich das zusätzliche "e" richtig gewahr wurde und ich merkte, dass es zeitlich nicht stimmten konnte. :breitgrins:
    Die Zeit auf der Bellerophon war jedenfalls nicht eintönig. Zum Glück musste ich nicht mehr über Seegefechte und dergleichen lesen. Zehn Jahre wurden in einem Satz zusammengefasst und das war gut so.


    Seine Suche nach Mary Rose, während eines Landurlaubs, war genau so methodisch, wie alles was er in Angriff nahm. Leider erfolglos.


    Mit der ersten Szene zu Beginn des zehnten Kapitels konnte ich erst gar nichts anfangen.
    Fieberträume - während Franklin mit einem recht eigenartigen Kopfschuss auf der Bedford liegt. Von so einer Verletzung habe ich noch nie gehört. Das ist eine echte Kuriosität.


    John Franklin und der Friede. Zwar war er nun befreit von allen Kämpfen, doch der Friede brachte ihm keine wirkliche Ruhe. Und mit einem halben Sold konnte man auch sicher keine großen Sprünge machen. Arbeit zu finden, bei all den entlassenen Soldaten und Seeleuten, fast unmöglich. So machte er sich wieder auf zurück zu seiner Familie zu reisen, an der die Zeit nicht spurlos vergangen ist. Das wurde sehr nüchtern berichtet. Aber wie sah es in John Franklin wirklich aus? Was war es für ein Gefühl, sich ausrangiert zu fühlen, keine Arbeit zu bekommen, zu einer so veränderten Familie zurück zu kehren? Ging das alles so leicht an ihm vorbei, wie es dieser eine Satz, den er dem Beamten der Seebhörde gegenüber sprach, andeuten will: "Ich kann warten."?

  • Hallo,


    ich habe heute das Kapitel "Reise ins Eis" beendet.
    John hat nun bewießen, was er kann, sich und den anderen. Ein fast ausweglose Situation, welche durch logisches Denken mit fast keinen Verlusten bewältigt wurde.
    Besonders gefallen hat mir als er zu Back sagt:


    "Sir, ich werde mit Sir angeredet." Das war eine klare Aussage, die zeigt, wieviel gesundes Selbstbewußtsein dieses langsame Kinde, welches immer nur das Seil halten durfte. bekommen hatte.


    Allerdings muss ich gestehen, dass mich die Schifffahrt nicht so sehr interessiert und ich es deswegen an manchen Stellen als sehr langwierig empfinde, aber der Schreibstil von Nadolny kompensiert für mich solche etwas langatmigen Strecken.


    Liebe Grüße Tina


  • Besonders gefallen hat mir als er zu Back sagt:


    "Sir, ich werde mit Sir angeredet." Das war eine klare Aussage, die zeigt, wieviel gesundes Selbstbewußtsein dieses langsame Kinde, welches immer nur das Seil halten durfte. bekommen hatte.


    Ich stecke gerade in Kapitel 13, Flußfahrt zur arktischen Küste.
    An diesen Auspruch kann ich mich gut erinnern, da ich das Gefühl hatte, ich würde die leise Stimme Franklins hören, wie er diese Worte in ganz ruhigem Ton zu Back sagt.


    In diesem Kapitel hat er einen Mann mit Namen Hood dabei, der die Aufgabe hat alles von Belang zu zeichnen. Dabei stellt sich Franklin die Frage, was eigentlich von Belang ist. Eine berechtigte Frage. Es kommt sicher immer auf Standpunkt des Betrachters an. Wobei sich einiges überschneiden wird.

  • Flußfahrt zur arktischen Küste


    In diesem Kapitel konnte ich mir so manches Grinsen nicht verkneifen.
    Ob es nun in Fort Chipewyan war, wo er die dortigen Angestellten mit seinem Dauerlächeln und seiner beharrlichen Fragerei, ohne jemals beleidigt zu sein, so weit brachte, dass ihm zugebilligt wurde, was er brauchte, oder aber sein Treffen mit Akaitcho, wo er versuchte noch langsamer und bedächtiger zu sein als jener. :breitgrins:
    Die Vorbereitungen liefen alle über dort ansässige Dolmetscher oder brieflich, keiner der Verantwortlichen war vor Ort um sich ein Bild der Gegebenheit zu machen. Da ist es kein Wunder, wenn nichts so läuft wie geplant.
    Die Erfahrungen, die Franklin aus der Erforschung der Terra australis hatte, waren hier wahrscheinlich nicht anwendbar.


    Hunger und Sterben


    Das Treffen mit dem Inuitstamm ging relativ glimpflich ab. Viele der Dinge, die diese sich angeeignet hatten, blieben zurück, aber es kam auch zu keinem Gespräch über eine mögliche Versorgung der Expedition.
    Gab es denn keinen, der sich dort etwas besser auskannte um ihnen mögliche Ort zu nennen, wo die Chance auf Kontakt mit Inuits am wahrscheinlichsten war?
    Und dann begann ja auch bald das ganze Elend! Birkenrindenboote? Das hört sich ja leicht zu transportieren an, was bei Wegen über weite Landstrecken sicher von Vorteil ist, aber im Meer mit den treibenden Eisschollen hätte ich da nicht allzu viel Vertrauen darin. Das entscheidende Problem war die Versorgung mit Nahrung. Allein der Gedanke Tag für Tag nur diese Algen zu essen, die nicht sehr verträglich waren, lässt einem schaudern. Hood war besonders arm dran.


    Die Voyageurs wurden auch immer vertrauensunwürdiger, aber Franklin vertraute weiter auf sein System. Das war bestimmt das Beste, was er tun könnte. Sonst hätte vielleicht viel früher einer zur Waffe gegriffen. Ein Navigator hätte ihnen ja genügt um zurückzukommen.
    Welche Strapazen der Mensch doch auszuhalten fähig ist. Mir sträubten sich die Haare, als die Indianer sich weigerten den Überlebenden in der Hütte zu helfen, weil noch Leichen darin waren. Sie hätten sie glatt sterben lassen. In so einer Situation noch einmal alle Kraft aufzubieten um Tote zu begraben, nur um selbst Hilfe zu bekommen.
    Immerhin wurde Hood eine große Enttäuschung erspart. Denn es war doch die Aussicht auf ein Leben mit Grünstrumpf, die ihn so beharrlich an eine Rückkehr glauben ließen.

  • Hallo Mädels :winken:
    tut mir leid, dass ich etwas langsam bin. Die Woche war echt stressig.
    Zwischenzeitlich habe ich weitere Kapitel inkl. "Eine lange Heimreise" beendet.


    Matthew ist endlich aufgetaucht und John kann gemeinsam mit Sherard unter ihm dienen.
    Sehr gut, den Kerl habe ich richtig vermisst. So merkt man endlich mal, dass es auch Menschen gibt, die von John beeindruckt sind.
    John wird immer selbstbewusster, diese Schiffsreisen tun ihm gut.
    Er hat sich mächtig entwickelt. Auch wenn das bedeutet, dass er immer noch sehr viel auswendig lernt und dann abruft :breitgrins:


    Der Umgang mit den Ureinwohnern hat mir gut gefallen. Matthew denkt wirklich an alles und stellt einen souveränen Kapitän dar.



    Haaa klasse :klatschen:
    Immer wieder schön, wenn man durch ein Buch ein paar Recherchen betreiben kann :smile:


    LG Kati