Haruki Murakami - 1Q84

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 75 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kirsten.

  • Hallo Ihr Lieben,


    ich habe mittlerweile jetzt auch Teil 3 von 1Q84 gelesen und hier kommt meine Meinung zu dem letzten Teil:


    Dieser Teil schließt direkt an den Vorgänger an und erzählt die Geschichte von Tengo und Aomame weiter. Konnte mich der Vorgängerteil noch fesseln und faszinieren, war ich von diesem Teil ziemlich schnell gelangweilt und oft versucht das Buch abzubrechen. Das Ende ist, finde ich, ziemlich vorhersehbar und die Entwicklungen bis dahin konnten mich irgendwie gar nicht mehr richtig fesseln.


    Ganz schlimm sind mir gerade in diesem Teil die absolut sinnfreien Dialoge auf die Nerven gegangen, die oft daraus bestehen, dass die eine Person etwas sagt, die andere genau das wiederholt und dann wieder irgendetwas anderes Sinnfreies gesagt wird. Diese ewigen Gespräche zwischen zwei Protagonisten, die die Handlung überhaupt gar nicht voran gebracht, bei mir oft auch einfach nur Fragezeichen erzeugt und mir das Gefühl gegeben haben, das ich einen Schulaufsatz lese, in der Dialoge geübt werden müssen, fand ich einfach furchtbar.


    Auch sehr anstrengend waren die oft philosphischen Abschweifungen der Gedanken der einzelnen Figuren. Im Vorgängerband war das noch irgendwie spannend zu lesen und für mich noch faszinierend. Hier fand ich es nur noch anstrengend und habe oft die Passagen zum Teil übersprungen, um endlich voran zu kommen. Hauptproblem ist dabei, dass die gesamte Handlung sich einfach nur noch darum dreht, ob und wann sich Tengo und Aomame endlich begegnen. Während im ersten Teil die Lebensgeschichte der beiden erzählt wurde und auch viele andere Personen Erwähnung fanden, dreht sich dieser Teil fast ausschließlich nur noch um die beiden. Die Zeit zieht sich dahin und nach dem ich zum x-ten Mal gelesen hatte, dass Aomame sich einen Tee oder Kakao aufkocht, ihre Übungen macht und sich dann auf den Balkon setzt, war es irgendwie mehr als genug.


    Auch wenn es sich eigentlich ja um ein Märchen handelt, sind mir auch noch viele Dinge einfach zu offen geblieben. Was es genau mit diesen Little People auf sich hat, ist mir bis jetzt immer noch nicht so ganz klar und auch viele andere Geheimnisse bleiben einfach offen. Natürlich könnte man die Romantik in den Vordergrund stellen und das Ganze einfach als Liebesgeschichte betrachten, dafür sind für mich dann aber viele Dinge nicht so wirklich nachvollziehbar und einiges mutet eher seltsam, denn romantisch an.


    Alles in allem bin ich von diesem Teil sehr enttäuscht und möchte gar keine Ratte dafür vergeben. Ich bin einfach nur froh, dass ich das Buch beendet habe. Für mich ein absoluter :flop:


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

    &WCF_AMPERSAND"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönheit zu erkennen, wird nie alt werden.&WCF_AMPERSAND" (Franz Kafka)

  • Ohje, das klingt ja gar nicht gut :sauer: Diese Reihe gehört zu jenen Titeln von Murakami, an die ich mich einfach nicht heranwage... Wahrscheinlich auch, weil ich es seltsam finde, wie die deutschsprachige Ausgabe erschienen ist. Ohje, ohje...

    //Grösser ist doof//


  • Ohje, das klingt ja gar nicht gut :sauer: Diese Reihe gehört zu jenen Titeln von Murakami, an die ich mich einfach nicht heranwage... Wahrscheinlich auch, weil ich es seltsam finde, wie die deutschsprachige Ausgabe erschienen ist. Ohje, ohje...


    Also der erste Teil war ja noch ganz ok, aber der 3. Teil war für mich echt ein Alptraum. Das waren so triviale und teilweise echt schlechte Dialoge, dass es mich jetzt noch schaudert. :rollen: Kann ich wirklich leider nicht empfehlen.


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

    &WCF_AMPERSAND"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönheit zu erkennen, wird nie alt werden.&WCF_AMPERSAND" (Franz Kafka)

  • Hallo ihr Liebe,


    Alle drei Teile liegen seit etwa einem Jahr auf meinem Sub und locken mich immer mehr. Da ich aber im Moment nicht gerne Bücher mit vielen Seiten lese (kleine Leseflaute) :redface: habe ich überlegt zuerst nur das erste Buch zu lesen. Was meint ihr dazu? Macht das Sinn, oder ist es besser Band 1 und mindestens Band 2 in einem Rutsch zu lesen?


    Eure Meinungen haben mich schon sehr neugierig gemacht. Bisher habe ich noch kein Buch des Autors gelesen.


    Liebe Grüße
    Aurian


  • Alle drei Teile liegen seit etwa einem Jahr auf meinem Sub und locken mich immer mehr. Da ich aber im Moment nicht gerne Bücher mit vielen Seiten lese (kleine Leseflaute) :redface: habe ich überlegt zuerst nur das erste Buch zu lesen. Was meint ihr dazu? Macht das Sinn, oder ist es besser Band 1 und mindestens Band 2 in einem Rutsch zu lesen?


    Also nach meiner Enttäuschung zu Teil 3, kann ich fast empfehlen NUR den ersten Teil zu lesen und lieber die Geschiche so offen zu lassen. Ansonsten ist es denke ich so, dass du eh so neugierig sein wirst, dass du gleich beide in einem Rutsch wirst lesen wollen. :zwinker:


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

    &WCF_AMPERSAND"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönheit zu erkennen, wird nie alt werden.&WCF_AMPERSAND" (Franz Kafka)

  • Also nach meiner Enttäuschung zu Teil 3, kann ich fast empfehlen NUR den ersten Teil zu lesen und lieber die Geschiche so offen zu lassen. Ansonsten ist es denke ich so, dass du eh so neugierig sein wirst, dass du gleich beide in einem Rutsch wirst lesen wollen. :zwinker:


    Danke für deine Antwort! :bussi:


    Ich habe schon gesehen, dass dir das 3. Buch nicht gefallen hat, habe mir deine Rezi aber nicht durchgelesen, weil ich die ersten beiden Bücher noch nicht kenne und mich überraschen lassen möchte.


    Gestern Abend habe ich mit Teil 1 begonnen und bin gespannt, wie mir das Buch gefällt.


    Liebe Grüße
    Aurian

    Einmal editiert, zuletzt von Aurian ()

  • Hallo,


    im Moment bin ich etwa auf S. 120. Bisher gefällt mir das Buch und es lässt sich gut lesen. Teilweise finde ich die Personen etwas emotionslos und dann wieder bekommt man intime Einblicke, durch immer wieder beschriebene erotische Episoden oder Schilderungen.


    Ist es in den anderen Büchern Murakamis auch so, dass die Erotik eine gewisse Rolle spielt? Eigentlich ist das nicht so mein Ding, doch bisher bewegt es sich noch in einem Rahmen, der für mich ok ist.


    Liebe Grüße
    Aurian


  • Ist es in den anderen Büchern Murakamis auch so, dass die Erotik eine gewisse Rolle spielt? Eigentlich ist das nicht so mein Ding, doch bisher bewegt es sich noch in einem Rahmen, der für mich ok ist.


    Ich habe bis jetzt nur noch "Der Schafsmann" von Haruki Murakami gelesen und da gab es auch die entsprechenden Szenen, obwohl ich ja finde, das die meistens nicht viel Erotik in sich haben. Er bleibt aber auf dem Niveau und driftet nie wirklich ab. Ich finde die Szenen ja eher immer sehr nüchtern beschrieben.


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

    &WCF_AMPERSAND"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönheit zu erkennen, wird nie alt werden.&WCF_AMPERSAND" (Franz Kafka)

  • Bisher kamen in den meisten Büchern, die ich von Murakami gelesen habe, erotische Szenen drin vor. Aber ich fand sie immer passend und auch ansprechend geschrieben und nie gewollt. Mir gefällt Murakamis Umgang mit der Sexualität. Er nimmt sie als etwas Natürliches wahr und gibt sie auch so wieder.

    //Grösser ist doof//

  • Hallo ihr Lieben,


    danke für eure Antworten! Bisher empfinde ich es genau wie ihr. :smile:


    Inzwischen bin ich schon etwas weiter und obwohl nichts Spektakuläres passiert, hat mich die Handlung doch in ihren Bann gezogen. Manche Baschreibungen sind zwar etwas lang, dafür kann ich mich aber prima in die verschiedenen Gefühle und Atmosphären hineinversetzen.


    Liebe Grüße
    Aurian

  • Ach ja, typisch Murakami :breitgrins: Auch deswegen gehört er zu meinen Lieblingsautoren :herz:

    //Grösser ist doof//

  • Meine Meinung:
    Nach ständigem weglegen und wieder in die Hand nehmen hab ich nun auch diesen Murakami beendet und dieser Roman lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Wo ich mir an manchen Stellen die Beschreibungen niemals endend gewünscht habe, war ich an anderen Stellen sogar genervt von endlosen Details. Man muss wirklich aufpassen nichts preiszugeben, deswegen halte ich mich auch nicht langwierig mit inhaltlichen Lieblings- und nicht so Lieblingsstellen auf, wer ein paar phantastische Ideen in die Realität holen möchte sollte sich auf die kleine Reise begeben die das Buch zu bieten hat. Haruki Murakami hat die Realität mal wieder so weit wie möglich gedehnt und einen trotzdem andauernd erinnert, dass es tatsächlich eine Realität darstellt. Auf die eine oder andere Weise.


    Und trotz der kryptischen Rezension:
    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

  • Mit seinen eher surrealen Romanen hat mich Murakami bisher stets begeistert, 1Q84 fiel also von Beginn an in mein Beuteschema. Die Aufteilung auf 2 Bände missfiel mir allerdings und so hatte ich den ersten Teil (Buch 1&2) zwar schnell im Haus, dort wartete er aber ewig auf das Erscheinen der Fortsetzung und ist dabei irgendwie in Vergessenheit geraten.


    Leider begeistert es mich nicht so sehr, wie ich gute Murakamis in Erinnerung habe. Es sind zwar alle erforderlichen Zutaten vorhanden – der alleinstehende junge Mann, ein eher geheimnisvoller Auftrag, übersinnliche Elemente – aber das Buch ist einfach zu lang geraten. Murakami verliert sich gerne in Kleinigkeiten wie der Beschreibung der Kleidungsstücke einer Person oder eine detaillierte Auflistung von Essensvorbereitungen. Aufgrund der Häufigkeit, in der das auftrat, habe ich mich dann leider ab und zu dabei erwischt, wie ich schon mal einen Absatz nur noch überflogen habe, da er für mich inhaltlich reichlich irrelevant wirkte und auch nicht zum Stimmungsaufbau beitrug.


    Trotzdem hat mich die Geschichte in gewisser Weise in ihren Bann gezogen, Buch 3 habe ich mir dann auch endlich gekauft, um ohne große Verzögerung weiterlesen zu können. Aber selbst mit perfektem Ende wird es vermutlich nicht zu einer Bestnote reichen.


    4ratten

    Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen. (Friedrich Nietzsche)

  • Der dritte Teil wirkt nicht ganz so sehr in die Länge gezogen. Zu den beiden erzählenden Protagonisten Tengo und Aomame hat sich ein Dritter gesellt, Herr Ushikawa. Dieser tauchte bisher nur kurz auf, nimmt aber hier eine größere Rolle ein. Im Auftrag der Vorreiter ist er auf der Suche nach Aomame und findet tatsächlich die Verbindung zwischen ihr und Tengo – und so landet auch er in der Welt der zwei Monde.


    Welchen Sinn die Puppe aus Luft, die Little People und all das haben, bleibt offen und das Ende erschien mir dann schon etwas zu banal, die Lösung stand Aomame doch eigentlich die ganze Zeit zur Verfügung.


    Tatsächlich nicht unbedingt ein Murakami, den ich noch einmal lesen möchte – obwohl man dabei vermutlich unglaublich viel entdecken könnte, alleine die Stadt der Katzen ist eine Doktorarbeit wert – und auch nicht unbedingt als Einstieg in seine Welt empfehlen würde. Trotzallem hat mich auch dieser Roman Murakamis mal wieder fasziniert.


    4ratten

    Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen. (Friedrich Nietzsche)

  • 1Q84



    Buch 1 und 2
    1024 Seiten



    1984
    Die 30jährige Aomame lebt in Tokio. Sie ist Fitnesstrainerin und

    . Sie lebt allein, diszipliniert, ungebunden und ohne Freunde. Sie ist kalt, einsam.


    Tengo, ebenfalls um die 30, ist Mathematiklehrer und versucht seit Jahren, Schriftsteller zu werden. Bisher wurde aber nichts von ihm gedruckt, obwohl man ihm Mut macht und sein Talent bestätigt. Von einem Bekannten aus der Verlagsbranche wird er überredet, als Ghostwriter für eine 17jährige Debütautorin zu fungieren. Dabei handelt es sich um eine Betrügerei, die geheim bleiben muss.


    Das Buch fängt stark an. Die Charaktere sind interessant, die sich entwickelnde Geschichte fesselnd. Aber je weiter sie fortschreitet und je „übernatürlicher“ sie wird, desto weniger mochte ich sie. Später waren die Handlungsweisen nicht mehr richtig nachvollziehbar.


    Obwohl zum Ende des zweiten Buches viele Fragen offen bleiben, werde ich das dritte Buch vermutlich nicht kaufen. Ich befürchte, die Tendenz ins Merkwürdige könnte sich noch mehr verstärken. Ich merke gerade, dass ich gar nicht richtig in Worte fassen kann, was mich an der Geschichte ein wenig abstößt. Wohl vor allem diese Betrachtungen Tengos vermutlich, wo er beispielsweise feststellt, dass Erikos rosige Ohren wie frischgemacht aussehen und ihre Vagina mit dem glattrasierten Schambereich aussieht wie die rosigen Ohren…


    3ratten

    Wahnsinn ist bei niederer Lautstärke weniger störend.

    Dieter Nuhr

  • Meine Meinung zu Buch 1 und 2

    1Q84 hat viele gute Zutaten: interessante Protagonisten, hinter denen mehr steckt als man zuerst annimmt, eine interessante Story und immer wieder Hinweise, wie die Geschichte weitergehen könnte oder was in der Vergangenheit passiert ist.


    Trotzdem reicht es nicht zur vollen Punktzahl, denn 1Q84 hat auch zu viele Kleinigkeiten, über die zu viele Worte gemacht wurden und die die Handlung deshalb in die Länge gezogen haben. So erinnert mich das Buch an ein Gericht mit vielen leckeren Zutaten, das leider völlig falsch gewürzt wurde. Irgendwie lecker, aber man hätte es noch besser machen können.

    4ratten

    I'm young enough to still see the passionate girl that I sued to be. But I'm old enough to say I got a good look at the other side.