Dashiell Hammett - Der dünne Mann: Kapitel 13 bis 22

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 12 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Saltanah.

  • Hier könnt Ihr ohne Spoiler die Kapitel 13 bis 22 kommentieren.

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  • Ich habe heute früh die Menschenfresser-Geschichte in Kapitel 13 gelesen und frage mich jetzt, mit welchem Hintergedanken sie der Autor wohl eingebaut hat? :entsetzt:

    [color=darkblue]"Date a girl who reads. Date a girl who spends her money on books instead of clothes. She has problems with closet space because she has too many books. Date a girl who has a list of b

  • Das habe ich mich auch gefragt. So ausführlich...
    Vielleicht stellen wir am Ende fest, dass er uns damit an der Nase herumführen möchte, aber merkwürdig ist es.

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  • Also entweder kommt der Humor wirklich immer stärker zum Ausdruck, oder ich stelle mich jetzt besser auf das Buch ein! Jedenfalls bin ich inzwischen bei Kapitel 20 und musste nun schon sehr oft lachen. :clown:


    Die meisten Charaktere wirken auf irgendeine Art und Weise skurril - manche mehr, manche weniger, aber irgendeinen Knall hat fast jeder. Gilbert ist ja vielleicht ein Komiker! Allerdings ist er mittlerweile so präsent, dass ich nicht mehr glaube, dass er für den Mordfall nur eine Statistenrolle hat. Ich glaube, der wird noch eine gewichtigere Rolle spielen.


    Nora finde ich toll, so temperamentvoll und selbstsicher und auch ein bisschen verrückt - da braucht's wohl so einen gelassenen, ironischen Mann wie Nick. Die beiden geben ein super Gespann ab, mit so einem Paar befreundet zu sein bedeutet sicher viel Spaß!


    Was die Handlung betrifft, ergibt sich ja quasi alle paar Seiten eine unerwartete Wendung oder ein neuer Aspekt - und vielleicht bin ich zu naiv, aber mich überrascht es fast jedes Mal! Allerdings muss ich zugeben, dass ich mir mit dem Mittüfteln nicht allzu viel Mühe gebe, weil mir einfach zu oft neue Personen, Briefe etc. auftauchen und gleich wieder über den Haufen werfen, was ich mir gerade erst provisorisch überlegt habe. :rollen:


    Zwischenbilanz: teilweise finde ich mich schon ganz gut in den Rhythmus des Buches ein, aber so 100%ig komme ich noch nicht damit klar.

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  • Ja, diese Kannibalengeschichte ist ja schon sehr merkwürdig. Ich glaube sie soll nur veranschaulichen das dieser Gilbert auch einen an der Klatsche hat. Gilbert ist für mich auch keine Randfigur mehr, ich denke auch das er noch eine wichtige Rolle hat.



    PS: Ich habe meinen Mann gestern gefragt ob er je den Krimi "Der dünne Mann" gesehen hat, und seine erste spontane Antwort darauf war "Ja, die waren in dem Film ständig besoffen" :breitgrins:

    Lesen ist die schönste Brücke zu meinen Wunschträumen.


  • PS: Ich habe meinen Mann gestern gefragt ob er je den Krimi "Der dünne Mann" gesehen hat, und seine erste spontane Antwort darauf war "Ja, die waren in dem Film ständig besoffen" :breitgrins:


    :geil:


    Ich kann mir vorstellen, dass der Film mit den passenden Schauspielern und guter Regie noch mehr Spaß macht als das Buch. Müsste ich mir direkt mal ansehen!


    Ziemlich bemerkenswert fand ich den krassen Gegensatz zu Agatha Christie, die ich zwischendurch eingeschoben habe. Normalerweise lese ich nie zwei Bücher desselben Genres direkt hintereinander, geschweige denn parallel, aber hier hat es sich so ergeben. Ich war beim Lesen ganz baff darüber, dass die Mausefalle um fast 15 Jahre jünger ist als der dünne Mann! Die Mausefalle stammt aus 1948, der dünne Mann aus 1934. Der Unterschied zwischen Europa und Amerika muss früher wirklich riesig gewesen sein, wahrscheinlich hat sich das erst nach dem Krieg durchs Fernsehen etc. nach und nach angeglichen. Aufgebaut sind ja beide Krimis nach dem Whodunit-Prinzip, aber das Setting und die Figuren bei Agatha Christie wirken (wertfrei gesprochen!) so konservativ und altmodisch im Vergleich zu den spritzigen und modernen Charakteren bei Hammett ...

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  • Mit dem zweiten Teil bin ich mittlerweile fertig.
    Ständig muss ich über irgendwelche Sachen schmunzeln. Zum Beispiel fand ich die Party bei dem "Gnom" total witzig. Nick tuschelt die ganze Zeit wie ein ungezogener Schuljunge während des Klavierspiels, Frau Edges schscht ärgerlich dazwischen und Quinn ist sturzbetrunken (und DAS soll die bessere Gesellschaft sein?). Und dann immer die Kommentare von Nick und Nora, ich finde die zwei irgendwie klasse. Dann bekommt Nick Ärger von Quinns Ehefrau Alice, als ob der was wofür könnte. Der Arme.
    Es gibt einen zweiten Toten, einen neuen Brief, Herr Jorgensen führt ein Doppelleben und es passiert so viel neues das ich mich mittlerweile gar nicht mehr traue irgendwelche Verdächtigungen anzustellen.
    Gilbert nimmt auch immer mehr Raum in die Geschichte, aber ihn kann ich mir noch am wenigsten als Mörder vorstellen. Er scheint am wenigstens von was zu wissen aber er ist immer (oder sehr oft) da wenn es am spannendsten wird. Und er hat den Brief von Jorgensens erste Frau gefunden.
    Was mir an Nick auffiel: Jeder kommt zu ihm und erzählt ihm irgendwelche neuen Geheimnisse und das was Nick dann einfällt, er plaudert alles einfach aus. Der der als nächstes auf den Plan tritt bekommt gleich seine neuen Erkenntnisse aufgebrummt. Aber es führt meistens dazu, das er noch mehr herausfindet. Nick ist auf jeden Fall ein richtiges Plaudertäschchen, als Beichtvater würde er wohl keine gute Figur abgeben.

    Lesen ist die schönste Brücke zu meinen Wunschträumen.


  • Zum Beispiel fand ich die Party bei dem "Gnom" total witzig.


    Ja, eine fürchterliche Person! So jemand würde mich wohl auch in den Wahnsinn treiben! :lachen:



    Nick ist auf jeden Fall ein richtiges Plaudertäschchen, als Beichtvater würde er wohl keine gute Figur abgeben.


    Nick ist wirklich so ziemlich das Gegenteil vom gängigen Detektivklischee, zumindest was seine Arbeitsweise betrifft. Ein Detektiv, der eigentlich gar nicht ermitteln will, dem aber alle möglichen Leute irgendwas erzählen wollen, und der sein Herz auf der Zunge trägt ... nicht gerade typisch. :zwinker:

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  • PS: Ich habe meinen Mann gestern gefragt ob er je den Krimi "Der dünne Mann" gesehen hat, und seine erste spontane Antwort darauf war "Ja, die waren in dem Film ständig besoffen" :breitgrins:


    Ich auch: :geil:
    Ich will den Film auch unbedingt wieder sehen und an diesem Abend kriege ich die Fernbedienung.


    Gilbert ist ein ulkiger Typ. Eigentlich wäre er perfekt als Verdächtiger - jeder hält ihn "nur" für einen spinnerten jungen Mann mit kruden Ideen. Dabei könnte es gut sein, dass er sich soviel angelesen hat, dass er Mord als ganz passables Mittel zur Problemlösung halten könnte. Mir fehlt allerdings weit und breit ein Motiv.


    Mimi ist höchst interessant. Sie lügt so unfassbar viel! Als sie erfährt, dass ihr Mann vermutlich Wynants einstiger Gegner ist, zieht sie eine wunderbare Show ab. Vor dem Falschen ...


    Schlauer bin ich noch nicht. Ich finde es verwirrend, aber sehr spaßig, weil die Familie Wynant so verdreht ist und weil die Familie Charles so schön miteinander spöttelt. Nora ist klasse. Sicher eher ungewöhnlich, dass eine junge Frau ihren Mann damals verbal so in die Zange nehmen konnte, oder?


    P.S. Sehr interessant ist das Ende von Kapitel 22: Was wollte Sparrow am Tisch von Nick Charles? Ich finde es nämlich seltsam, dass Studsy und Morelli den Kerl einfach verdreschen, kaum, dass der einen Mucks gemacht hat. Prügel bezieht man in der Szene sicher schnell, aber so schnell nun auch wieder nicht (Schöner Cliffhanger, wenn man in der Leserunde nun den Wechsel zu den kommenden Kapiteln gelegt hat :breitgrins: )

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    Einmal editiert, zuletzt von Bettina ()


  • Gilbert ist ein ulkiger Typ. Eigentlich wäre er perfekt als Verdächtiger - jeder hält ihn "nur" für einen spinnerten jungen Mann mit kruden Ideen. Dabei könnte es gut sein, dass er sich soviel angelesen hat, dass er Mord als ganz passables Mittel zur Problemlösung halten könnte. Mir fehlt allerdings weit und breit ein Motiv.


    Das einzige Motiv, das mir bei ihm im Moment einleuchten würde, wäre irgendein perverser Auswuchs seines Forscherdranges ... :schulterzuck:
    Aber vielleicht wissen wir auch noch nicht genug über ihn, um ihn besser einschätzen zu können. Kann ja sein, dass sich Hammett noch mit einer entscheidenden Information zurückhält.



    P.S. Sehr interessant ist das Ende von Kapitel 22: Was wollte Sparrow am Tisch von Nick Charles? Ich finde es nämlich seltsam, dass Studsy und Morelli den Kerl einfach verdreschen, kaum, dass der einen Mucks gemacht hat. Prügel bezieht man in der Szene sicher schnell, aber so schnell nun auch wieder nicht


    Wirklich eine sehr mysteriöse Szene, und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Nick die Erklärung von Studsy geschluckt hat.

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  • Ich habe den zweiten Part noch nicht ganz durch, muss hier aber unbedingt kundtun, dass ich mich verliebt habe. In Nick. Und in Nora. :breitgrins: Den Film zum Buch habe ich gerade bestellt.



    Gilbert ist ein ulkiger Typ. Eigentlich wäre er perfekt als Verdächtiger - jeder hält ihn "nur" für einen spinnerten jungen Mann mit kruden Ideen. Dabei könnte es gut sein, dass er sich soviel angelesen hat, dass er Mord als ganz passables Mittel zur Problemlösung halten könnte. Mir fehlt allerdings weit und breit ein Motiv.


    Mimi ist höchst interessant. Sie lügt so unfassbar viel! Als sie erfährt, dass ihr Mann vermutlich Wynants einstiger Gegner ist, zieht sie eine wunderbare Show ab. Vor dem Falschen ...


    Die Familie Wynant ist schon ein ganz besonderes Völkchen. Alle miteinander ziemlich neben der Kappe, verlogen und auch berechnend. Wahrscheinlich hatte schon Mimi eine fürchterliche Kindheit, das erklärt schließlich immer alles... :rollen::zwinker:



    Nora ist klasse. Sicher eher ungewöhnlich, dass eine junge Frau ihren Mann damals verbal so in die Zange nehmen konnte, oder?


    Ich glaube, dass das genauso möglich war wie heute. Vielleicht nicht so sehr in der Öffentlichkeit, aber im privaten Bereich ganz bestimmt.
    Kennt jemand einen lebenden Zeitzeugen? Der 1934 schon (fast) erwachsen war?

    Liebe Grüße

    SheRaven

  • Ich glaube, dass das genauso möglich war wie heute. Vielleicht nicht so sehr in der Öffentlichkeit, aber im privaten Bereich ganz bestimmt.
    Kennt jemand einen lebenden Zeitzeugen? Der 1934 schon (fast) erwachsen war?


    Jetzt nicht mehr, aber ich kannte noch drei meiner Uromas, alle Anfang des 20. Jahrhunderts geboren. Und zumindest bei zwei von denen bin ich mir mir tausendprozentig sicher, dass die ihre Männer verbal sehr gut "in die Zange nehmen" konnten! :breitgrins: Wahrscheinlich auch die dritte. Allerdings weiß ich nicht, wie groß der Altersunterschied zu ihren Männern war (die kannte ich nämlich nicht mehr) ...

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  • Ich weiß nicht, was ich zu euren Beiträgen noch hinzufügen könnte, außer meiner Begeisterung über die Ironie, die immer wieder auftaucht, Ausdruck zu verleihen. Eine Replik wie die von Morelli im 22. Kapitel, lässt mich trotz des Ernstes dahinter in hilfloses Kichern ausbrechen:

    Zitat

    They had me arresting some more arrest just for good measure before they turned me loose.


    Auch so kann man das Ausmaß polizeilicher Übergriffe deutlich machen.
    Überhaupt macht die Polizei ja einiges, was nicht ganz regelkonform ist. Zum Beispiel kümmert sie das Fehlen eines Durchsuchungebefehl im 8. Kapitel kein bisschen:

    Zitat

    "We'll frisk the joint."
    "Not without a warrant," I told him.
    "So you say. Come on, Andy." They began to search the place.

    Wir sind irre, also lesen wir!