Katrin Askan - Aus dem Schneider

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 2 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kiba.

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    Der erste Satz:
    "In dreieinhalb Stunden werde ich gehen."


    Zum Buch:
    Im Oktober 1986 ist die 20-jährige Judith bereit, aus der DDR in den Westen zu fliehen. Alles ist vorbereitet, in dreieinhalb Stunden wird sie ihr Großeltern- und Elternhaus verlassen.
    Sie nutzt die ihr verbleibende Zeit, um Erinnerungen Revue passieren zu lassen.


    Die Autorin stellt das Haus in Ostberlin als Dreh- und Angelpunkt in den Mittelpunkt ihrer Familiengeschichte. Judith erzählt ihr Leben rückwärts, vom Abend der geplanten Republikflucht an bis in ihre Kindheit. Der zweite, vorwärtsgerichtete Erzählstrang beginnt 1936 mit dem Bau des Hauses durch den Opa und mit der Geburt von Judiths Vater Arnold. Diese beiden Stränge wechseln sich ab, bis sie sich schließlich miteinander verflechten.


    Die ungewöhnliche Erzählweise macht dieses absolut lesenswerte Buch noch interessanter, als es sowieso schon ist. Es enthält 50 Jahre deutsche Geschichte, ohne überladen zu sein. Und obendrein ist es auch noch flüssig und stilsicher geschrieben.


    Zitat

    Der Krieg ist aus.
    Sie [size=7pt](die Oma)[/size] richtet sich provisorisch ein. Vom einstigen Hausstand ist kaum etwas übrig, mit den Söhnen gräbt sie in den Trümmern von Stadtvierteln, in denen sie niemand kennt, nach Geschirr, Möbeln und Wäsche.


    Zitat

    Die Dosen und Schatullen auf dem Schminktisch sind noch so angeordnet, wie sie von ihr vor zwölf Jahren zurückgelassen wurden. Auf dem schweren Flakon aus geschliffenem Glas steckt ein umhäkelter Gummiball. Wenn ich ihn früher zusammendrückte, verströmte er einen Hauch von Mutter. Inzwischen ist das Parfum längst verflogen.


    Zitat

    Noch Monate später schwärmte sie [size=7pt](die Schwester)[/size] von den Geschäften in Budapest, in denen jeder einkaufen könne, der wolle. Hermann Hesse, Stephan Zweig und Joseph Roth habe es dort gegeben. Kafka und die Bachmann, Celan. Sogar die Bücher von Christa Wolf standen da rum, sagte Ruth.


    Fazit:
    Dieser Roman stand viel zu lange ungelesen im Regal.


    4ratten


    LG
    Mone

    Lach, wenn´s zum Weinen nicht reicht.<br /><br />:lesen:

  • Danke für die Rezi! Das wäre auch was für den "Made in Germany"-Strang...


    LG
    hilde

    Ich bin ein trockener Workaholic. (Vince Ebert)

  • Katrin Askan


    Aus dem Schneider



    Ostberlin 1986. Judith ist entschlossen, die Flucht in den Westen zu riskieren. In 3 Stunden wird sie aufbrechen. Vorher geht sie noch einmal durch das Haus und nimmt von ihm Abschied – da es ja leider nicht möglich ist, sich von Personen zu verabschieden, die ihr am Herzen liegen.


    Judith blickt zurück auf ihre Kindheit und Jugend in der DDR. Im Wechsel hierzu wird die Geschichte von Judiths Großeltern und Eltern erzählt, beginnend kurz vor dem zweiten Weltkrieg.
    So entsteht ein interessanter Einblick in das Leben im Osten Deutschlands und später hinter der Mauer über eine Spanne von etwa 50 Jahren. Besonders interessant fand ich die Bedingungen, unter denen Judith aufwuchs, umso mehr, weil Judith nur unwesentlich älter ist als ich und ich somit unwillkürlich Vergeiche angestellt habe.


    Es wird in sehr nüchternem Ton ein wirklich beklemmendes Bild geschildert.


    Lesenswert!


    4ratten

    Wahnsinn ist bei niederer Lautstärke weniger störend.

    Dieter Nuhr