Chaim Potok - The chosen (Die Erwählten)

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Es gibt 4 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kirsten.

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    Inhalt
    Ruben und Danny könnten nicht unterschiedlicher sein. Beide sind praktizierende Juden, aber während Rubens Vater seinen Sohn sehr liberal erzieht wächst Danny unter strengen Regeln auf. Er ist der Sohn eines chassidischen Rabbiners und soll der Nachfolger seines Vaters werden. Obwohl die beiden Jungen dicht beieinander wohnen scheinen sie Welten zu trennen und sie haben sich noch nie gesehen. Bei einem Baseballspiel treffen sie im wahrsten Sinn des Wortes aufeinander. Ein von Danny geworfener Ball trifft Ruben so unglücklich ins Auge, dass er ins Krankenhaus muss. Danny besucht Ruben, der von diesem Besuch nicht begeistert ist. Doch nach einem Gespräch mit seinem Vater beschließt er, Danny noch eine zweite Chance zu geben. Die beiden Jungen werden Freunde, bis die politische Situation ihre Freundschaft auf eine harte Probe stellt.


    Meine Meinung
    Vor seinem Unfall beim Baseball war Ruben ein ganz normaler Junge. Der drohende Verlust seines Auges verändert alles. Schon im Krankenhaus kann man die Veränderung erkennen. Er beginnt, sich mehr für seine Mitpatienten zu interessieren und benimmt sich sehr fürsorglich ihnen gegenüber. Auch als er entlassen wird beschäftigen der Boxer Joe und der blinde Junge Billy noch seine Gedanken. Dann dagegen habe ich Anfangs mit Vorsicht betrachtet. Er wirkte auf mich irgendwie gefährlich. Da war zum einen der bewusste Wurf auf Rubens Auge. Außerdem war sein Handeln und Verhalten so unterschiedlich davon, was er sagte dass ich mir nicht sicher war, ob er nicht eine tickende Zeitbombe war, die irgendwann explodieren musste.


    Im Verlauf der Geschichte wurde mir klar, dass Dannys Verhalten von dem ungeheuren Druck kam, unter den ihn sein Vater setzte. Danny war sehr begabt und so machte es ihm nichts au, dass ihn sein Vater zu einem riesigen Pensum beim Studium des Talmud zwang. Aber auch die Tatsache, dass er seinen weiteren Weg nicht wählen konnte sondern der Nachfolger seines Vaters werden sollte machte ihm zu schaffen. Dazu kam noch, dass sein Vater ausser beim Studium des Talmud nie ein Wort an ihn richtete. Rubens Vater war vollkommen anders. Er war liebevoll, nicht nur zu seinem eigenen Sohn sondern auch zu Danny. Als Ruben das erste Mal zu Danny nach Hause kam war er über er Kälte, die dort herrschte entsetzt.


    Im Verlauf der Geschichte verändern sich die Jungen. Sie beenden die Schule und gehen gemeinsam aufs College. Danny studiert Psychologie. Er hat alles von Freud gelesen und will zumindest teilweise in seine Fußstapfen treten. Aber das Studium, das so verschieden von dem ist was er gelesen hat bringt ihn dazu, noch mehr an seiner Bestimmung zu zweifeln. Dann hört man in den USA das erste Mal von den Konzentrationslagern und auch die Väter der Jungen beginnen, ihre Ansichten zu ändern. Die Ereignisse in Palästina treiben einen Keil zwischen die Familien.


    Ich fand es interessant, Ruben und Danny beim Erwachsenwerden zu beobachten. Die beiden haben sich im Lauf der Geschichte weit von dem weg bewegt, was sie am Anfang waren. Die Situation zwischen Danny und seinem Vater fand ich traurig. Die beiden haben sich geliebt waren aber unfähig, ihre Gefühle offen zu zeigen. Danny musste viel vor seinem Vater verheimlichen, obwohl der vieles schon wusste. Die Erklärung des Vaters für sein Verhalten fand ich dürftig.


    The Chosen ist ein wunderbares Buch für das man sich auf jeden Fall Zeit nehmen sollte.
    5ratten


    Liebe Grüße
    Kirsten

    Man muss mutig sein, damit du die Angst überwindest, das Unmögliche möglich zu machen.

  • Chaim Potok – Die Erwählten


    Original: The chosen (Englisch/USA, 1966)


    ZUM INHALT:


    New York/Brooklyn: in den 40iger Jahren die größte jüdische Stadt der Welt. Und mitten in diesem Universum leben Juden verschiedenster Schulen und Ausrichtungen neben- oder gar gegeneinander. Durch ein Baseballspiel, in dem sie auf verschiedenen Seiten fast feindlich gegenüberstehen, lernen sich die Fünfzehnjährigen Danny Saunders, Sohn eines charismatischen, chassidischen Rabbis und Zaddiks (http://de.wikipedia.org/wiki/Zaddik ) und der Ich-Erzähler Reuven Malter aus assimiliertem, intellektuellen, zionistischen Milieu kennen. Wir folgen der Geburt, dem Werdegang und den Anfechtungen einer seltsamen Freundschaft. Und gleichzeitig ist es auch die Geschichte von unterschiedlichen Vater-Sohn-Beziehungen und den geschichtlichen, kulturellen, religiösen Prägungen, die unsere Entscheidungen mitbestimmen.


    Danny ist höchst begabt und, entgegen den übertragenen Beschränkungen seiner Kultur, höchst neugierig, wissensbegierig. Und von daher: einsam. Er kann nicht mit seinem Vater kommunizieren: die Gespräche beschränken sich auf die intellektuellen talmudischen Auseinandersetzungen.
    Reuvens Vater kennt diesen Jungen zufällig, und wird bei einer Gelegenheit die Freundschaft seines Sohnes Reuven mit Danny begünstigen: als ob er Gegengewicht sein könnte.


    BEMERKUNGEN:


    Wie stellt es dieser Autor an, dass uns eigentlich wildfremde Themen plötzlich hoch interessant und ansprechend werden? Das fängt mit ausführlichen Beschreibungen eines Baseballspiels an und geht mit rabbinischen Streitgesprächen über den Talmud weiter. Nur so mit den Ohren können wir schlackern, wie hier eine Kultur dargestellt wird.


    Nun mögen einige sagen, dass all dies dann ja ein „jüdischer“ Roman sei. Das ist so exakt: keine Passage steht nicht in Zusammenhang mit dem Judentum. Dennoch wird dem aufmerksamen Leser gerade hinter den auch für uns alle interessanten historischen Einblicken und Kämpfen in dieser anderen Kultur mehr und mehr bewusst werden, wie viele spezifische Fragen hier allgemeine Gültigkeit besitzen und auch uns, in unseren Fragen und Eingebundenheiten ansprechen können. Neben spezifischen, auch intellektuellen Betrachtungen geht es vor allem um Fragen der Freundschaft, der Loyalität, ja der Liebe.


    Eng verflochten ist die „persönliche“ Geschichte der beiden Heranwachsenden mit der Zeitgeschichte: Die ersten Szenen spielen in Erwartung der Landung der Alliierten in der Normandie. Wir sind mit ihnen entsetzt bei den Befreiungen der KZ und der Entdeckung des Ausmaßes der Zerstörung des europäischen Judentums. Vielleicht verstehen wir mit ihnen und ihren Vätern besser jenen Schmerz? Und den Auftrag, den dann viele Juden, gerade auch in Amerika, verspürten, um eine neue Heimstatt zu schaffen (Zionismus)? (Das Wort „absurd“ kommt in diesem und auch in den persönlichen Konflikten, öfter vor.)
    Der Autor, selber Rabbiner und Verfasser verschiedener historischer Arbeiten, gibt uns so ganz nebenbei faszinierende Zusammenfassungen der europäisch-jüdischen und amerikanisch-jüdischen Geistes- und Kulturgeschichte und der verschiedenen religiösen Strömungen und Spiritualitäten.


    Ich bin sehr beeindruckt von diesem Werk und Autor, der mir in einer sehr ansprechenden und intensiven Geschichte von Heranwachsenden vieles sehr klar darstellen konnte.


    Die englische Fassung, die ich las, ist sprachlich gut zugänglich. Manch typische jüdische Terminologie wird sicherlich auch im Deutschen anzutreffen sein?!


    Ein echtes Highlight! Klare: 5ratten


    Es gibt eine Fortsetzung des Romans auf Englisch: “The promise”.


    ZUM AUTOR:


    Herman Harold Potok, besser bekannt als Chaim Potok (* 17. Februar 1929 in New York City; † 23. Juli 2002 in Merion, Pennsylvania), war ein amerikanisch-jüdischer Schriftsteller und Rabbiner.


    Chaim Potok wurde in der Bronx geboren. Seine Eltern waren Immigranten aus Polen. Traditionsgemäß gaben seine Eltern ihm einen hebräischen Namen. „Chaim“ ist das hebräische Wort für „Leben“. Er begann mit 16 Jahren zu schreiben. 1950 beendete Potok sein Studium in Englischer Literatur mit Auszeichnung. Auch ein Studium Hebräischer Literatur schloss er erfolgreich ab. Außerdem wurde er vom Jewish Theological Seminary of America zum Rabbiner ordiniert.
    Potok trat in die amerikanische Armee ein und verbrachte von 1955 bis 1957 mehr als ein Jahr als Militärrabbiner im Koreakrieg. 1958 heiratete er Adena Sara Mosevitzsky: sie hatten drei Kinder miteinander. 1965 erhielt er einen Doktorgrad von der University of Pennsylvania.
    (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Chaim_Potok und, noch ausführlicher, auf Englisch: http://en.wikipedia.org/wiki/Chaim_Potok )


    Broschiert: 282 Seiten
    Verlag: Rotbuch (1996)
    ISBN-10: 9783880224858
    ISBN-13: 978-3880224858

    Gruß, tom leo<br /><br />Lese gerade: <br />Léonid Andreïev - Le gouffre<br />Franz Kafka - Brief an den Vater<br />Ludmila Ulitzkaja - Sonjetschka

  • Hallo!


    Freut mich, dass Dir das Buch genauso wie mir gefallen hat :winken:


    Manch typische jüdische Terminologie wird sicherlich auch im Deutschen anzutreffen sein?!


    Diese Frage kann ich Dir leider nicht beantworten, ich habe auch die englische Fassung gelesen.


    Liebe Grüße
    Kirsten

    Man muss mutig sein, damit du die Angst überwindest, das Unmögliche möglich zu machen.

  • Ich habe fast die Hälfte des Buches gelesen und es gefällt mir sehr gut. Ich mag die Art von Potok zu schreiben. Er bindet in seine Erzählung oft viele Sinneseindrücke ein, so dass ich das Gefühl habe selbst inmitten der Geschichte zu stehen.
    Ich finde dass dieses Buch eine ganz besondere Atmosphäre vermittelt und sie erinnert mich ein wenig an "A tree grows in Brooklyn"

  • Ich habe zwar auch beide Bücher gelesen, aber The Chosen ist schon so lange her dass ich mich nur nochdaran erinnern kann, wie gut es mir gefallen hat.

    Man muss mutig sein, damit du die Angst überwindest, das Unmögliche möglich zu machen.