Ruth Berger - Die Druckerin

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  • Ruth Berger – Die Druckerin


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    Inhaltsangabe:


    Blume Liebes, die Witwe eines Druckers, möchte wieder heiraten, denn mit ihren knapp über dreißig Jahren fühlt sie sich zu jung, um für den Rest ihres Lebens auf die Liebe zwischen Mann und Frau zu verzichten. Zwar entstammt sie aus einer angesehenen Rabbinerfamilie, aber sie weiß, dass sie für viele heiratswillige Männer nicht gerade die erste Wahl darstellt: Auf der einen Seite ist sie eben keine unerfahrene, sanftmütige Jungfrau mehr, und auf der anderen Seite gilt ihr behinderter Sohn Eisik für manche gläubige Juden als unrein, man will ihn nicht sehen oder gar im Hause haben. Doch die eingeschaltete Heiratsvermittlerin Süßel weiß, dass Blume als Besitzerin einer gut gehenden Druckerei kein hoffnungsloser Fall ist. Schnell hat sie mehrere Interessenten gefunden, und zu Blumes Freude ist auch der Strumpfwirker Nate Deutsch darunter – der Mann, bei dem sie auf dem Markt ihre Strümpfe einkauft und der ihr seit einiger Zeit nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Schnell wird man sich einig und zu spät erfährt Blume, warum so viele Leute über die Verbindung den Kopf schütteln: Nate Deutsch ist ein Ausgestoßener und soll vor Jahren den Sohn eines berühmten Gelehrten erschlagen haben. Blume kann das nicht glauben und beginnt, in der Vergangenheit zu bohren, um die Wahrheit ans Licht zu bringen ...


    Die Geschichte spielt im 18. Jahrhundert im Königreich Polen.


    Der erste Satz:


    „Es ist Jahrmarkt in Kamenka und die Stadt quillt über vor Menschen.“


    Meine Meinung zum Buch:


    Ich hatte vor diesem Buch noch nie einen historischen Roman gelesen, der ausschließlich in jüdischen Gemeinden spielt. Dies machte das Buch für mich interessant und da die Autorin promovierte Judaistin ist, dachte ich mir, dass ich hier ein gut recherchiertes Bild der damaligen Gesellschaft bekommen würde. Diese Erwartung hat sich auch voll und ganz erfüllt.


    Die Schilderung des jüdischen Lebens im 18. Jahrhundert im Königreich Polen hat mich fast mehr als jeder Science-Fiction-Roman in eine andere Welt entführt. Ich fand keine (jedenfalls für mich deutlich erkennbaren) Anhaltspunkte, um die Geschichte von der Zeit her präzise einzuordnen, denn für die jüdischen Bewohner der kleinen Stadt schien es kein „draußen“ zu geben. Könige und Fürsten spielten keine nennenswerte Rolle (außer man sollte mal wieder vertrieben werden), man blieb lieber unter sich. Die Geschichte spielt damit in ihrer ganz eigenen Welt.


    Etwas irritiert hat mich am Anfang, dass die ganze Geschichte im Präsens erzählt wird. Aber als ich mich daran gewöhnt hatte, war ich durch die Gegenwartsform viel näher an der Geschichte, insofern sehe ich das nicht als Kritikpunkt, eher vielleicht als Einstiegshürde.


    Fast jede der handelnden Personen war für mich sehr interessant und insbesondere hat mich das jüdische Frauenbild der damaligen Zeit überrascht. (Ich gehe davon aus, dass es der Wahrheit nahekommt, denn wie schon erwähnt ist die Autorin Judaistin.) Auf der einen Seite werden die Töchter ohne Mitspracherecht und in sehr jungen Jahren verheiratet – was sie aber völlig normal finden und worüber sich niemand aufregt. Auf der anderen Seite ist Blume als wohlhabende Witwe sehr eigenständig – sie kann die Geschäfte ihres Mannes alleine und in gänzlich eigener Regie weiterführen. Wie selbstbewusst Blume ist, wurde an einer Stelle im Buch besonders deutlich: Unter den Heiratsinteressenten befand sich auch ein noch recht junger Student, den Blume durchaus in ihre Überlegungen einbezogen hatte, denn als gut situierte Frau hätte sie ihm seine Studien und sein gelehrtes Leben finanzieren können, wenn er im Gegenzug dafür ihr Bett gewärmt hätte. :zwinker:


    Nur die Geschichte selbst hat mir Schwierigkeiten gemacht. Blumes Nachforschungen gestalten sich etwas zu ausführlich und auch die Zeugenberichte, die sie teilweise in Briefform erhält und die genauso abgedruckt sind, erscheinen manchmal uferlos und ich habe mich beim Lesen oft gefragt, wann denn der Schreiber nun endlich mal zum Punkt kommt. Vielleicht war ich vom Klappentext auch etwas irregeführt, denn danach schien der „Kriminalfall“ weit stärker im Mittelpunkt zu stehen, als er es letztendlich war. Man braucht für dieses Buch – so interessant es ist – einen langen Atem.


    Auch erschien mir der Stil manchmal etwas holperig.


    Meine Bewertung: trotzdem gute 3ratten


    Viele Grüße von Annabas :winken: