Thomas Hardy - Herzen in Aufruhr (Jude the Obscure)

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Es gibt 9 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Valentine.

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    Inhalt
    Juda Fawley ist Waise und lebt bei seiner Tante, die eine Bäckerei besitzt. Schon von frühester Jugend interessiert er sich für Bücher und verehrt seinen Lehrer, Mr. Philloston. Dieser verlässt das kleine Dorf um in Christminster zu studieren. Dieses Ereignis gibt Judas Leben eine neue Perspektive, denn bis dahin war ihm nicht klar was man alles mit Wissen erreichen kann. Sein Ziel ist gesteckt: auch er will in Christminster studieren. Mühsam bringt er sich selbst Griechisch und Latein bei. Doch für ein Studium braucht man Geld und so macht er eine Lehre als Steinmetz. In dieser Zeit trifft er auf Arabella und verliebt sich in sie. Die beiden heiraten und sein Traum scheint in weite Ferne zu rücken. Nach nur kurzer Ehe verlässt Arabella Juda, der nach Christminster zieht, als Steinmetz arbeitet und seine Studien wieder aufnimmt.


    In dieser Zeit trifft er auf seine Cousine Sue Bridehead. Die beiden verlieben sich ineinander, können sich ihre Gefühle aber nicht eingestehen. Als Juda Sue seinem alten Lehrer Philloston vorstellt verliebt dieser sich in das Mädchen und die beiden heiraten kurze Zeit später. Doch Sue ist nicht glücklich, denn ihre Liebe zu Juda ist so stark wie zuvor. Sie bittet Philloston, sie frei zu geben und er willigt nach einigem Zögern ein. Eigentlich sollten Juda und Sue jetzt glücklich sein, aber das ist nicht so einfach.


    Meine Meinung
    Herzen in Aufruhr erzählt die Geschichte von zwei Menschen, die alles richtig machen wollen und daran scheitern. Ihr Leben wird von Zufällen bestimmt, die immer zum Schlechteren führen.Juda hat sein Ziel klar vor Augen, aber er macht sich viel zu viele Gedanken darüber und erreicht es so nie. Als er Sue kennenlernt ist diese lebhaft und unbekümmert, aber in ihrer Ehe mit Philloston wird sie immer unsicherer und trauriger. Auch als sie und Juda frei füreinander sind ändert sich das nicht. Zu viel denkt sie darüber nach, wen sie mit ihren Entscheidungen verletzt hat. Für eine kurze Zeit leben die beiden ein scheinbar normales Leben, aber die Vergangenheit holt sie bald ein. Eigentlich weiß man schon von Anfang an, dass diese Geschichte nicht gut ausgehen kann. Trotzdem macht die Art und Weise, wie alles in die Brüche geht traurig.
    4ratten


    Liebe Grüße
    Kirsten

    Man muss mutig sein, damit du die Angst überwindest, das Unmögliche möglich zu machen.

  • Oh, wieder so eine Liebe, die von Anfang an unter keinem guten Stern steht *seufz*


    Schöne Rezi, Buch ist schon vorgemerkt.

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)




  • Auf meiner Wunschliste ist das Buch auch gelandet! "The Return Of The Native" von ihm hat mir nämlich auch schon so gut gefallen. Die deutsche Übersetzung hört sich allerdings scheußlich an, wie die auf so was immer kommen!

    "If one cannot enjoy reading a book over and over again, there is no use in reading it at all." - Oscar Wilde - :lesewetter:

  • Hallo!


    Der deutsche Titel passt zwar, aber er ist wirklich scheußlich :rollen: Außerdem wurde aus Jude Juda, da mußte ich immer an Judas denken...


    Liebe Grüße
    Kirsten

    Man muss mutig sein, damit du die Angst überwindest, das Unmögliche möglich zu machen.

  • Ja nach deiner Inhaltsbeschreibung zu urteilen, passt der Titel schon. Er dürfte allerdings Leser abschrecken, die den Autor nicht kennen. Hört sich nämlich eher nach einem Kitschroman, den man am Bahnhof kaufen kann, an. :zwinker:

    "If one cannot enjoy reading a book over and over again, there is no use in reading it at all." - Oscar Wilde - :lesewetter:

  • Huhu, ihr Lieben!


    Bis heute eines der deprimirendsten Bücher, die ich je gelesen habe. Liest man "Jude the Obscure" und ein, zwei Kafkas hinten nach, kann ich mir durchaus vorstellen, eine auf Anna Karenina zu machen. :breitgrins: (soll heißen, alles sehr düster und deprimirend).


    Dass der Name Jude im Deutschen in Juda geändert wurde, erstaunt mich zwar nicht (Jude ist ja auf deutsch eher die Bezeichnung der Religionszugehörigkeit), gefällt mir aber auch nicht besonders. Muße, dieses Buch zu lesen hatte ich überhaupt erst, als ich ein Interview mit Jude Law gesehen habe, der erzählt, dass seine Eltern ihm den Namen Jude aufgrund dieses Romans gegeben haben. Sein Kommentar zu dem Buch stimmt mit unserer gesammelten Meinung überein -- "very depressing". :breitgrins:


    Gelohnt hat es sich trotzdem. Einerseits sieht man hier, in welche Richtung einen (oder seine Kinder) der Wahnsinn und die Armut treiben kann, andererseits gibt es Hoffnung, dass man seine Träume nicht aufgeben soll, egal was passiert. Ich mag Thomas Hardy jedenfalls, auch wenn ich es bis heute nur durch die halbe "Tess" geschafft habe. :redface:


    Liebe Grüße,
    Wendy

    Jahresziel: 2/52<br />SLW 2018: 1/10<br />Mein Blog

  • Hallo!


    Muße, dieses Buch zu lesen hatte ich überhaupt erst, als ich ein Interview mit Jude Law gesehen habe, der erzählt, dass seine Eltern ihm den Namen Jude aufgrund dieses Romans gegeben haben.


    Das ist mal ein interessanter Zusammenhang :zwinker:


    Liebe Grüße
    Kirsten

    Man muss mutig sein, damit du die Angst überwindest, das Unmögliche möglich zu machen.

  • Thomas Hardy - Jude the Obscure

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    OA: 1895
    528 Seiten
    ISBN: 978-0140435382


    Inhalt:
    Jude Fawley's hopes of an education at Christminster university are dashed when he is trapped into marrying the wild, earthy Arabella, who later abandons him. Moving to Christminster to work as a stonemason, Jude meets and falls in love with his cousin Sue Bridehead, a sensitive, freethinking 'New Woman'.


    Der Kampf zwischen Fleisch und Geist kann tödlich enden", sagt der englische Dichter Thomas Hardy, und kaum ein anderer Roman führt das so schonungslos vor Augen wie "Herzen im Aufruhr": Er erzählt von der innigen Begegnung zweier junger Menschen, ihrer kompromisslosen Liebe zueinander und der zerstörerischen Macht eines grausamen Schicksals.


    Eigene Meinung:
    Ich habe schon einige Bücher dieses Autors gelesen, welcher einer meiner Lieblingsauthoren ist, aber dieses hier unterscheidet sich doch sehr von den anderen.
    Es ist, wie auch schon im Titel angedeutet, eher düster und dunkel.
    Die Geschichte um die Liebe zwischen Jude und Sue ist tragisch und voller unvorhersehbarer und erschreckender Ereignisse. Sie handelt von Liebe, Ehe und Moral und war für damalige Zeiten hochbrisant, was aber bewirkt, dass dieser Roman auch heute noch in seinem Inhalt sehr aktuell ist. Letztendlich bewirkte die Veröffentlichung dieses Buches ein solches Debakel, dass mit diesem Werk, die schriftstellerische Laufbahn von Hardy dein jähes Ende nahm. Für uns heute und ganz besonders für mich, unfassbar und traurig.
    Die Charaktere blieben mir eher fremd und somit konnte ich auch nicht wirklich Sympathien entwickeln, was aber der Qualität des Romanes keinen Abbruch tat, denn trotzdem waren und sind die Protagonisten in ihrem Verhalten und ihrer Art sehr authentisch. Hardy hält sich hier sehr zurück, wenn es um die Gedanken und Gefühle von Jude und Sue geht und wird eher zum distanzierten Berichterstatter. Dem Leser selbst bleibt es überlassen sich seine Meinung über sie zu bilden, was er auch recht schnell tut.
    Auch seine mir so vertraute Art zu schreiben, hat Hardy hier nicht beibehalten. Seine, für mich so bewegenden Beschreibungen von Landschaften, Situationen und Atmosphären, gerät hier in den Hintergrund.
    Dieses Buch enthält vor allem Handlungen und Dialoge und schon kurz nach der Einführung der Protagonisten, nimmt dieser Roman rasant an Fahrt auf, so dass er regelrecht zu einem Pageturner wird.
    Auch wenn dieses letzte Werk dieses begnadeten Schriftstellers so ganz aus dem gewohnten Schema fällt, so hat er dennoch wieder einmal bewiesen, dass er sein Handwerk versteht, den Leser in seinen Bann zieht - über Jahrhunderte hinweg - und dass man ihn einfach nicht in eine Schublade stecken kann.
    Leider war die Zeit wohl nicht reif, für diesen faszinierenden Autor und es schmerzt mich, dass auf Grund von Ignoranz und bigotten Moralvorstellungen ein Schriftsteller dieses Formates das Handtuch werfen musste.


    4ratten

  • Jude Fawley hatte es von Anfang an nicht leicht in seinem Leben. Nach dem Tod der Eltern ist er bei seiner Großtante aufgewachsen, die ihn nicht unbedingt mit Liebe überschüttet hat, und sein Traum, in Christminster, der berühmten Universitätsstadt, zu studieren, stößt in seinem dörflichen Umfeld auf wenig Gegenliebe. Im Selbststudium versucht er sich Fremdsprachen, Philosophie und ein bisschen Theologie anzueignen, während er zunächst Gelegenheitsarbeiten verrichtet und später eine Ausbildung zum Steinmetz macht.


    Mit seiner ersten Liebe hat er auch keinen Glücksgriff getan. Das Bauernmädchen Arabella entpuppt sich schnell als verschlagenes Geschöpf, das ihn trickreich zu steuern weiß, und die überstürzt geschlossene Ehe hat nicht lange Bestand.


    Als er seine Cousine Sue zum ersten Mal sieht, verliebt er sich rasch in die belesene, unabhängige junge Frau, ein ungewöhnliches Geschöpf, das seiner Zeit um einiges voraus zu sein scheint, doch es ist nicht klar, ob sie seine Gefühle erwidert.


    Thomas Hardy zeigt uns hier das Porträt eines jungen Mannes, der große Träume hat und eigentlich auch die Fähigkeiten besäße, sie in die Tat umzusetzen, wenn ihn nicht rigide Standesschranken und ein leerer Geldbeutel daran hindern würden. Auch in der Liebe ist Jude wenig Glück beschieden, er muss an allen Fronten kämpfen und schaut am Ende doch viel zu oft in die Röhre.


    Es ist ein düsteres, zorniges, trauriges Buch, in dem man relativ wenig der schönen, ausschweifenden Schilderungen des ländlichen Lebens findet, auf die Hardy sich so gut versteht, und auch wenig von seinem Humor zu merken ist. Er prangert Standesdünkel und Bigotterie an und warnt eindringlich vor der Institution Ehe, die hier oft als üble Falle dargestellt wird, aus der man nur ausbrechen kann, wenn man gesellschaftliche Ächtung nicht fürchtet. Mich wundert nicht, dass Hardy nach Veröffentlichung des Buches extrem angefeindet wurde - Ende des 19. Jahrhunderts kamen die Botschaften dieses Romans schon einer Revolution gleich!


    Jude war mir zwar als Protagonist durchaus sympathisch, hat mein Herz aber nicht so erobern können wie viele von Hardys anderen Hauptfiguren. Irgendwie blieb er mir immer ein wenig fern. Auch mit Sue hatte ich so meine Probleme, sie wirkte oft übermäßig wankelmütig und launisch, fast ein wenig überzeichnet.


    Trotz dieser kleinen Kritikpunkte konnte ich das Buch am Ende kaum noch aus der Hand legen. Mein Lieblings-Hardy ist es allerdings nicht geworden.


    4ratten

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)