Teil 1: Tödliche Spiele

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 34 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Doris.

  • Ich hoffe, ich darf auch mal senfen, auch wenn ich die Tribute schon vor einer Weile gelesen habe und die LR hier nur "heimlich" mitverfolge :winken:



    Zweitens, und das finde ich wichtiger, ist das Thema meiner Ansicht nach zu unkritisch behandelt worden. Selbst für mich, als erwachsene und von vornherein an die Thematik kritisch herangehende Leserin, stand mehr die Action und Spannung beim Lesen im Vordergrund.


    Das finde ich gar nicht - es wird zwar nicht der sprichwörtliche Zeigefinger erhoben, aber die Geschichte selbst funktioniert doch schon als Kritik. Die Beklemmung, die beim Lesen entsteht, die Gefühle, die man dabei hat, all das erzeugt doch eine Atmosphäre, die man unmöglich als Zukunftsvision haben möchte. Das sehe ich durchaus als Kritik an.



    Übrigens habe ich erst jetzt gelesen, dass ca. 10 Jahre zuvor ein Japanischer Autor fast das selbe Thema bearbeitet hat, nur angeblich detaillierter mit "Battle Royale". Kennt das jemand? (Nein, ich Weichei werde es bestimmt nicht lesen. :zwinker:)


    Guckst du hier: https://literaturschock.de/lit….msg241485.html#msg241485

    Liebe Grüße,<br />Verena<br /><br />&WCF_AMPERSAND"Viele, die leben, verdienen den Tod. Und manche, die sterben, verdienen das Leben. Kannst du es ihnen geben?&WCF_AMPERSAND" Gandalf in &WCF_AMPERSAND"Die Gefährten&WCF_AMPERSAND", J.R.R. Tolkien

  • Ich habe gestern und heute bis auf die letzten 20 Seiten gelesen, weil ich einfach wissen musste, wie es ausgeht. Wegen des 2. Bandes weiß man ja, dass Katniss überlebt, aber wer bleibt sonst am Leben? Die Geschichte wäre zu einfach gestrickt, wenn da nicht noch jemand durchkommt. Hoffentlich wartet nicht noch eine unangenehme Überraschung.


    Bis zum Kapitel 21 hat sich bei Peeta und Katniss innerlich einiges getan. Ihre Skrupel, die anderen zu töten, sind fast völlig verschwunden, denn jetzt stehen Peetas Verletzungen im Mittelpunkt und die Gewissheit, dass immer weniger Kämpfer noch am Leben sind. Katniss hat große Angst, dass es Peeta genauso ergeht wie Rue und sie dann wieder ohne einen Menschen dasteht, der ihr Rückhalt gibt. Es ist schon ein großer Unterschied, ob man aus eigenem Antrieb auf sich selbst gestellt ist oder durch höhere Gewalt.


    Heftig fand ich die Grausamkeit der "Spiele", der Obrigkeit und auch der Zuschauer (zumindest die Kapitol-Zuschauer scheinen das tw. freiwillig und gerne anzusehen, oder habe ich das missverstanden?)


    Nein, hast du nicht. Der Hintergrund dieser Show erinnert mich sehr an das Dschungelcamp auf RTL, in dem ja auch einige Personen zusammen in ein Lager gepackt werden und zur Erbauung der Zuschauer ekelhafte "Mutproben" bestehen müssen. Der Unterschied ist, dass sie sich hier nicht umbringen. In Panem wird von den Gamemakern auch alles unternommen, dass die Spiele spannend bleiben, um die Zuschauer bei der Stange zu halten. Teilweise gefiel mir gar nicht, welche Lösungen sich Suzanne Collins dazu einfallen ließ. Vor allem in Kapitel 25, als die Entscheidung, dass beide Tributes eines Districts überleben dürfen, wieder aufgehoben wird, um dann gleich darauf noch einmal revidiert zu werden :confused:. Das sollte wohl auch Auswirkungen haben, die für die Zuschauer sehenswert sind. Für mich die schlechteste Stelle im Buch.



    Übrigens habe ich erst jetzt gelesen, dass ca. 10 Jahre zuvor ein Japanischer Autor fast das selbe Thema bearbeitet hat, nur angeblich detaillierter mit "Battle Royale". Kennt das jemand? (Nein, ich Weichei werde es bestimmt nicht lesen. :zwinker:)


    Ich habe es mir gerade auf Amazon angesehen. Das sind fünf Bände mit jeweils über 600 Seiten! Empfohlene Altersgrenze ab 18 Jahren. Das sagt mir schon alles: Nichts für mich.


  • Das finde ich gar nicht - es wird zwar nicht der sprichwörtliche Zeigefinger erhoben, aber die Geschichte selbst funktioniert doch schon als Kritik. Die Beklemmung, die beim Lesen entsteht, die Gefühle, die man dabei hat, all das erzeugt doch eine Atmosphäre, die man unmöglich als Zukunftsvision haben möchte. Das sehe ich durchaus als Kritik an.


    Ja, genau das geht mir auch durch den Kopf. Aber funktioniert das auch bei (den Durchschnitts-)14jährigen? Vielleicht wenn sie das Buch diskutieren mit den Eltern, oder in der Schule... :confused:



    Teilweise gefiel mir gar nicht, welche Lösungen sich Suzanne Collins dazu einfallen ließ. Vor allem in Kapitel 25, als die Entscheidung, dass beide Tributes eines Districts überleben dürfen, wieder aufgehoben wird, um dann gleich darauf noch einmal revidiert zu werden :confused:. Das sollte wohl auch Auswirkungen haben, die für die Zuschauer sehenswert sind. Für mich die schlechteste Stelle im Buch.


    Da gebe ich dir recht. Dicht gefolgt von der Stelle davor mit den Mutanten. Die fand ich auch unnötig. Aber das ist, wenn man das Ganze betrachtet, eine Kleinigkeit, die unter "Geschmackssache" fällt...

    Ich bezeige, nach Hertzens-Aufrichtigkeit, dass ich mich glücklich schätze, mich mit Verehrung nennen zu dürfen und ersterbe,<br />Roulade<br /><br />[url=http://www.literaturschock.de/autoren/interviews/119-intervie


  • Da gebe ich dir recht. Dicht gefolgt von der Stelle davor mit den Mutanten. Die fand ich auch unnötig. Aber das ist, wenn man das Ganze betrachtet, eine Kleinigkeit, die unter "Geschmackssache" fällt...


    Die waren für meine Begriffe auch fragwürdig, aber für ein SF-Buch sind sie wohl gar nicht so außergewöhnlich. Von daher konnte ich das noch eher akzeptieren. Der zweimal revidierte Beschluss war, selbst wenn die Spielleiter damit Spannung aufbauen wollten, einfach billig.

  • Ich habe das Buch heute fertig gelesen und bekam meine Erwartungen erfüllt. Vielleicht bildet ja die Liebesgeschichte, die sich nur einseitig entwickelt, gleich die Grundlage für den nächsten Band.


    Im letzten Kapitel wird nochmals die Abhängigkeit der Bevölkerung vom Capitol behandelt. Katniss möchte sich gegen die Obrigkeit auflehnen, was sie ja mit bereits mit der liebevollen Bestattung von Rue angedeutet hat, doch ihr ist auch klar, dass der Schritt, das Capitol vor den Augen aller in Frage zu stellen, schwerwiegende Folgen für sie, ihre Familie und letztlich auch den gesamten 12. Distrikt haben könnte. So endet alles mehr oder weniger offen. Die unmittelbare Gefahr ist beseitigt, aber das eigentliche Problem, nämlich die Abhängigkeit aller Distrikte vom Capitol, besteht nach wie vor. Es wäre auch ein bisschen hoch gegriffen, wenn eine Sechzehnjährige nach so vielen Jahren ein ganzes Regime zum Umdenken brächte. So endet alles vorübergehend positiv, aber mit einem faden Beigeschmack.


  • Es wäre auch ein bisschen hoch gegriffen, wenn eine Sechzehnjährige nach so vielen Jahren ein ganzes Regime zum Umdenken brächte.


    Ich schlage dir vor die anderen Bände zu lesen ;)
    Dann wird auch erst die ganze Tragweite der Spiele erkennbar.
    Denn bis jetzt hast du nur die Sicht aus der Arena gelesen. Du weißt ja noch nicht was die Menschen vor den Bildschirmen denken. ;)

    Wenn du mich nochmal dutzt, hau ich dir &#39;ne Delle in die Gewürzgurke!&nbsp; :)&nbsp;&nbsp; (Carlo Pedersoli)

  • Jetzt machst du mich aber ziemlich neugierig, Hubsy!


    Ich will noch etwas loswerden, das mir dauernd durch den Kopf geht. Katniss denkt sehr häufig darüber nach, wie ihre Handlungen und Reaktionen auf das Publikum wirken und erscheint dadurch des öfteren ein bisschen zu abgeklärt für ein Mädchen in ihrer Lage. Auf diese Weise manipuliert sie die Zuschauer und vor allem das Capitol. Je länger die Kämpfe dauern, desto berechnender wird sie. In dieser Hinsicht steht sie den Schöpfern dieser Spiele in nichts nach. Selbst in Sitationen, wo Blut fließt, der Hunger im Bauch bohrt und überall Feinde lauern, agiert sie rational und klappt erst zusammen, wenn sie in Sicherheit ist. Aus jetziger Sicht schwer zu glauben, aber ich denke, der 12. District ist eine harte Schule. Der Gedanke, wozu Menschen fähig sind, wenn es ums Überleben geht, ist erschreckend, nicht nur in Panem.

  • So, ich wollte mich ja auch noch etwas ausführlicher äußern. Allgemein fand ich das Buch schon sehr spannend und mitreißend, deshalb habe ich es ja auch innerhalb kürzester Zeit gelesen. Aber mich haben dann doch ein paar Dinge gestört.



    Zweitens, und das finde ich wichtiger, ist das Thema meiner Ansicht nach zu unkritisch behandelt worden. Selbst für mich, als erwachsene und von vornherein an die Thematik kritisch herangehende Leserin, stand mehr die Action und Spannung beim Lesen im Vordergrund. Mir ist allerdings durchaus bewusst, dass ich mit einer Erwartungshaltung diesbezüglich an das Buch herangegangen bin, die eben nicht nach meinem Geschmack erfüllt wurde.


    Da muss ich roulade vollkommen zustimmen. Mir ist das auch alles zu unkritisch behandelt worden. Wie ich schon sagte lässt die Perspektive ja kaum Kritik am System oder den Spielen zu, weil Katniss sich darum in ihrer Situation keine Gedanken machen kann, ich hatte bei dem Buch allerdings etwas anderes erwartet.



    "Heftig" war auch meine Reaktion heute, als ich die Kapitel 17 und 18 las. Zwar darf es bei mir auch mal zur Sache gehen, solange das Blut nicht in Strömen fließt oder Verletzungen in allen Einzelheiten beschrieben werden. Als heftig empfand ich diesen Verlust und den Schmerz, den Katniss fühlte, fast so als wäre es mir selbst passiert. Es wurde zwar brutal, blieb aber trotz allem noch halbwegs sachlich, wenn man das so sagen kann. Der innere Schmerz hat mich jedoch total erschüttert, das ist mir in dem Ausmaß schon länger nicht mehr passiert. Vielleicht, weil es so überraschend passierte, gerade als ich dachte, die Episode sei nochmal gut ausgegangen.


    Ich bin ja eigentlich auch sehr empfindlich, vor allem wenn das Blut fließt und Grausamkeiten detailliert beschrieben werden. Das Buch hat mich in dieser Hinsicht komischerweise aber gar nicht berührt, entweder ich habe die Situation gar nicht so sehr an mich rangelassen oder das Buch ist schon auf Hinblick der jugendlichen Leser eher "vorsichtig" geschrieben. Ich kann zwar eure Reaktion schon verstehen, "heftig" finde ich die Situation, die Spiele und das Drumherum auch, belastet oder berührt hat mich das beim Lesen eher nicht.
    Die Szene mit Rue ist mir schon nahe gegangen (ich weiß nicht mehr genau, ob es das war, was in Kapitel 17/18 passiert und ich habe das Buch nur als E-Book, da blättert sich schlecht zurück) und auch das Ende irgendwie, aber die Spiele an sich habe ich als wenig schlimm empfunden.



    Vor allem in Kapitel 25, als die Entscheidung, dass beide Tributes eines Districts überleben dürfen, wieder aufgehoben wird, um dann gleich darauf noch einmal revidiert zu werden :confused:. Das sollte wohl auch Auswirkungen haben, die für die Zuschauer sehenswert sind. Für mich die schlechteste Stelle im Buch.


    Das fand ich auch eher schwach, ich habe die ganze Zeit fast damit gerechnet, dass diese Änderung wieder revidiert wird und Katniss dann noch Peeta umbringt, bzw. er sich für sie opfert. Und dann kam es doch anders, das war in dem Moment etwas zu viel hin und her. Die von roulade noch erwähnten Mutanten fand ich auch blöd. Die hätten da wirklich nicht auftauchen müssen. Allerdings waren sie wohl notwendig dafür, dass Katniss und Peeta nicht selbst Cato umbringen müssen.


    Allgemein haben Katniss und Peeta ja eigentlich kaum jemanden selbst umgebracht. Katniss hat nur den einen Jungen erschossen und einige andere indirekt wegen dieser mutierten Wespen (?) auf dem Gewissen und Peeta steht ähnlich unschuldig da. Das passt zwar für ein Jugendbuch ganz gut, denn wie könnte man sich noch mit "Helden" identifizieren, die wild alles niedermetzeln, was ihnen in die Quere kommt, allerdings macht es für mich das Ganze etwas unglaubwürdig.



    So endet alles mehr oder weniger offen. Die unmittelbare Gefahr ist beseitigt, aber das eigentliche Problem, nämlich die Abhängigkeit aller Distrikte vom Capitol, besteht nach wie vor. Es wäre auch ein bisschen hoch gegriffen, wenn eine Sechzehnjährige nach so vielen Jahren ein ganzes Regime zum Umdenken brächte. So endet alles vorübergehend positiv, aber mit einem faden Beigeschmack.


    Dass das Buch irgendwie offen enden muss, war ja eigentlich klar. Und es war auch klar, dass Katniss nicht ganz Panem umkrempeln kann, nur weil sie die Spiele gewonnen hat. Ich bin wirklich gespannt, was da in den folgenden beiden Bänden noch alles passiert, denn bis hierher ist alles doch recht unbefriedigend für mich.


    Zu Katniss und ihre sehr rationale Handlungsweise: Das hat mich auch das ganze Buch über etwas gewundert. Einerseits hat sie sicher in District 12 eine ganz andere Kindheit hinter sich, als die Tribute aus den anderen Districts. Und natürlich sind Menschen zu Unglaublichem fähig, wenn es ums Überleben geht, aber wieso sie so berechnend sein kann, erklärt das eigentlich nicht. Sie hätte ja theoretisch auch überleben können, wenn sie sich nicht so viele Gedanken über die Reaktionen der Zuschauer gemacht hätte.


    Allgemein würde ich das Buch eher durchschnittlich bewerten und bin gespannt auf die weiteren Bände, da ich mir jetzt, auch nach den Kommentaren derjenigen, die die komplette Trilogie schon gelesen haben, doch recht viel davon erhoffe.

    ~~better to be hated for who you are, than loved for who you&WCF_AMPERSAND're not~~<br /><br />www.literaturschaf.de

  • Hallo Doris,



    Katniss denkt sehr häufig darüber nach, wie ihre Handlungen und Reaktionen auf das Publikum wirken und erscheint dadurch des öfteren ein bisschen zu abgeklärt für ein Mädchen in ihrer Lage. Auf diese Weise manipuliert sie die Zuschauer und vor allem das Capitol.


    Nun ist es bei mir ja schon etwas her mit der Lektüre, aber ich erinnere mich so daran, dass es zunächst nicht so war und Haymitch relativ verzweifelt versucht hat, ihr genau dieses Prinzip nahe zu bringen. War sie zunächst etwas kopflos, wurde sie mit den nach und nach eher zufällig kommenden Erfolgen des "Zuschauer-Manipulierens" immer berechnender. Vielleicht verkläre ich es ja in der Erinnerung, aber so habe ich es noch im Kopf. :breitgrins:



    Die von roulade noch erwähnten Mutanten fand ich auch blöd. Die hätten da wirklich nicht auftauchen müssen. Allerdings waren sie wohl notwendig dafür, dass Katniss und Peeta nicht selbst Cato umbringen müssen.


    Die Mutanten waren so ziemlich das Einzige, was ich in dem Buch überflüssig fand. Aber ich habe es mir auch so erklärt, dass sie als "Aufräumer" herhalten mussten. :winken:

    Liebe Grüße,<br />Verena<br /><br />&WCF_AMPERSAND"Viele, die leben, verdienen den Tod. Und manche, die sterben, verdienen das Leben. Kannst du es ihnen geben?&WCF_AMPERSAND" Gandalf in &WCF_AMPERSAND"Die Gefährten&WCF_AMPERSAND", J.R.R. Tolkien


  • Hallo Doris,



    Nun ist es bei mir ja schon etwas her mit der Lektüre, aber ich erinnere mich so daran, dass es zunächst nicht so war und Haymitch relativ verzweifelt versucht hat, ihr genau dieses Prinzip nahe zu bringen. War sie zunächst etwas kopflos, wurde sie mit den nach und nach eher zufällig kommenden Erfolgen des "Zuschauer-Manipulierens" immer berechnender. Vielleicht verkläre ich es ja in der Erinnerung, aber so habe ich es noch im Kopf. :breitgrins:


    Ich erkläre mir das auch dadurch, dass sie von kleinauf die Spiele selbst als Zuschauerin mitverfolgen musste...

    Ich bezeige, nach Hertzens-Aufrichtigkeit, dass ich mich glücklich schätze, mich mit Verehrung nennen zu dürfen und ersterbe,<br />Roulade<br /><br />[url=http://www.literaturschock.de/autoren/interviews/119-intervie


  • Die Szene mit Rue ist mir schon nahe gegangen (ich weiß nicht mehr genau, ob es das war, was in Kapitel 17/18 passiert und ich habe das Buch nur als E-Book, da blättert sich schlecht zurück) und auch das Ende irgendwie, aber die Spiele an sich habe ich als wenig schlimm empfunden.


    Ja, das war die Szene mit Rue. Ich empfand es so schlimm, weil es so aussah, als sei die aktuelle Gefahr gerade überstanden, und im nächsten Moment erwischte es Rue. Das war so unvermittelt, dass es mich richtig umgehauen hat. Ich konnte Katniss' Schmerz in einem Ausmaß nachempfinden, wie es mir selten bei Büchern passiert. Für mich war das die schlimmste Stelle im Buch.



    Allgemein haben Katniss und Peeta ja eigentlich kaum jemanden selbst umgebracht. Katniss hat nur den einen Jungen erschossen und einige andere indirekt wegen dieser mutierten Wespen (?) auf dem Gewissen und Peeta steht ähnlich unschuldig da. Das passt zwar für ein Jugendbuch ganz gut, denn wie könnte man sich noch mit "Helden" identifizieren, die wild alles niedermetzeln, was ihnen in die Quere kommt, allerdings macht es für mich das Ganze etwas unglaubwürdig.


    Zugeständnisse? Nicht, dass das Buch verteufelt wird wie so manches Videospiel, das für anfällige Charaktere zum Vorbild wird.



    Zu Katniss und ihre sehr rationale Handlungsweise: Das hat mich auch das ganze Buch über etwas gewundert. Einerseits hat sie sicher in District 12 eine ganz andere Kindheit hinter sich, als die Tribute aus den anderen Districts. Und natürlich sind Menschen zu Unglaublichem fähig, wenn es ums Überleben geht, [...]


    In gewisser Weise gibt es das auch bei den Kindersoldaten, die z. B. in afrikanischen Kriegen eingesetzt werden. Nicht alle davon sind zwangsrekrutiert, darunter sind auch Kinder, die sich freiwillig melden, weil sie einfach keine andere Perspektive mehr haben. Sie werden zwar in erster Linie an die Nahrung und relative Sicherheit denken, die ihnen dadurch geboten wird, aber dafür müssen sie töten. Ich bin mir bloß nicht sicher, ob ihnen das vorher auch wirklich bewusst ist.
    Die Jugendlichen in den Panem-Spielen wurden in kürzester Zeit zu Killermaschinen gemacht und einige von ihnen hatten sozusagen schon die Veranlagung zu Profis in dieser "Disziplin" und konnten es auch umsetzen. Eigentlich blieb Katniss gar nichts anderes übrig, als rational zu denken, sonst hätte sie womöglich nicht lange überlegt. Aber es fällt wirklich schwer, im Wohnzimmersessel sitzend nachzuvollziehen, wie man in solcher Umgebung noch rational handeln kann.



    War übrigens eine tolle Leserunde mit euch! :knuddel:

  • HALLO,


    wollte nur Bescheid geben das ich heute mit dem Buch fertig geworden bin, morgen lese ich mir dann erst einmal all eure letzten Beiträge durch und schreib natürlich noch was dazu.
    Bin schon so gespannt wie es weiter geht!


    LG Nad

  • Hallo,


    so jetzt will ich auch mal mein Senf dazu geben.


    Insgesamt fand ich das Buch spannend geschrieben, mit etwas Romantik. Zu der Handlung selbst bzw. zu den Spielen, ja die sind brutal und grausam und für mich auch nicht so Vorstellbar, weswegen ich das auch nicht so an mich ran gelassen habe und diese Geschichte, die auch eine ist, so zu nehmen. Aber kann natürlich die verstehen, die anders darüber denken.


    Als Katniss sich mit Rue verbunden hat dachte ich mir schon das dies kein gutes Ende nehmen wird. Toll fand ich auch das Katniss aus Rue´s Distrikt das Brot bekommen hat.


    Die Liebesgeschichte zwischen Peeta und Katniss mochte ich sehr, besonders weil man Peeta richtig angemerkt hat das es wahr ist. Nur komisch das Katniss das nicht bemerkt, ich glaube ja auch das im tiefsten inneren Katniss Gefühle für Peeta hat, aber sie denkt viel zu viel darüber nach wie welche Reaktion wo ankommt.


    Die Mutanten haben mir auch gar nicht gefallen!


    Das Peeta und Katniss nur aus versehen bzw. aus Notwehr und letzter Gnade getötet haben lässt sie am Ende der Spiele wirklich was besser da stehen, und für uns als Leser die Sympathie weiter bestehen.


    Ansonsten bin ich schon gespannt wie es weiter geht, ob dieses Spiel noch Folgen haben wird, ob Katniss was verändern kann. Was aus der Liebesgeschichte wird, und ob wir noch mal Spiele gezeigt bekommen in denen sie Mentoren sind...


    LG Nad

    Einmal editiert, zuletzt von Nad ()


  • Zu der Handlung selbst bzw. zu den Spielen, ja die sind brutal und grausam und für mich auch nicht so Vorstellbar, weswegen ich das auch nicht so an mich ran gelassen habe und diese Geschichte, die auch eine ist, so zu nehmen. Aber kann natürlich die verstehen, die anders darüber denken.


    Ich habe festgestellt, dass es für mich bei diesen Endzeitgeschichten besser ist zu wissen, was auf mich zukommt, weil ich mich dann auf das Buch einlassen kann. Bei SF fällt mir das normalerweise schwer, weil ich diese unbelegbaren Schwarzmalereien nicht glauben mag. Bei Panem hatte ich das Gefühl, ganz nah am Geschehen dran zu sein. Es hatte sich ein Draht zu den Protagonisten aufgebaut und war auf gewisse Weise sehr "persönlich". Dennoch war es leichter, die Geschichte an mich heranzulassen, weil ich schon in etwa wusste, was passiert. Es ist eben auch immer eine Frage, wie sehr man sich darauf einlassen möchte.