04 - Léon und Louise - Seiten 244 bis Ende / Kapitel 16 bis Ende

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Es gibt 13 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von dubh.

  • Hier könnt Ihr die Kapitel ab 16 bis zum Ende diskutieren.

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    Einmal editiert, zuletzt von Aldawen ()

  • Fast hatte ich befürchtet, daß es auf ein solches Ende hinauslaufen würde. Du liebe Güte, was mache ich denn jetzt bloß mit ganzen Zuckerguß? Da fehlte ja nur noch die traditionelle Märchenendformel übers glückliche Leben bis ans Ende ihrer Tage. Allein schon die Hinführung auf die Situation mit Yvonnes Verzicht auf Szenen und Eifersüchteleien hat mich irritiert. Ja klar, das ist sehr praktisch für Léon, so hat er immer noch seine Frau zu Hause, die sich um die damit zusammenhängenden Belange kümmert und außerhalb davon hat er Louise „für die schönen Seiten“. Und beide Frauen sind damit glücklich und zufrieden? :vogelzeigen: Auf so eine bescheuerte Idee kann auch nur ein Mann kommen. Sorry, aber da Capus jetzt echt daneben gelangt.


    Davon abgesehen wiederholte sich hier auch so einiges aus dem vorigen Abschnitt: Der Druck auf Léon durch SS-Mann Knochen und seine kleinen Widerstandsakte, Louises Briefbericht. Alles sehr nett, und Léons Geldverteilaktion aus den Kaffeegeschäften auch sehr ehrenhaft und – wie sich dann herausstellt – ganz zufälligerweise auch sehr praktisch, weil ebenso zufälligerweise genau der Clochard, dem er mit Geld ausgeholfen hatte, auch noch in (so schien es jedenfalls) nicht ganz unwichtiger Position bei der FFL gelandet ist, Léon seine Güte natürlich vergelten will und darüber alles andere quasi stehen und liegen läßt. :boahnee: Das war mir ja alles wirklich und wahrhaftig zu viel des Guten. Ich fühlte mich ständig an alte Poesiealbumszeiten erinnert und einen der dort am häufigsten niedergemalten Sprüche: Edel sei der Mensch, hilfreich und gut! Wenn jemals jemand den alten Geheimrat wörtlich genommen hat, dann wohl Léon.


    An sich hatte ich mich wirklich sehr auf diesen Roman gefreut, ich glaube auch ohne weiteres, daß man daran Freude haben kann, wenn man „Wohlfühlliteratur“ sucht, als solches hat er sicher sein Publikum und auch seine Berechtigung. Aber mir war das – ich weiß, ich wiederhole mich – zu idyllisch und die Personen zu wenig kantig. Es muß ja nicht immer Gefängnisliteratur mit Folterszenen sein, aber irgendetwas, an das sich nicht nur die Figuren, sondern auch ich als Leser reiben kann, das hätte es für mich schon gebraucht.

  • Ich habe mich wirklich wohlgefühlt beim Lesen dieses Buches ;)


    Der letzte Abschnitt war zwar wirklich von einigen Wiederholungen geprägt, aber es hat mir trotzdem gut gefallen.


    Den Bogen zum Prolog und der Beerdigung habe ich allerdings nicht ganz mitbekommen. Wenn er sich nach Yvonnes Tod mit Louise auf in ein neues Leben macht, wieso wird er dann von seinen Kindern am Ende beerdigt und warum taucht Louise da so dramatisch auf?
    Wenn er seine letzten Jahre offen mit ihr zusammen verbracht hat, wieso ist sie dann für die Kinder immer noch so eine Enthüllung? Haben die sie denn in den vergangenen Jahren nie mit ihrem Vater gesehen?




    Allein schon die Hinführung auf die Situation mit Yvonnes Verzicht auf Szenen und Eifersüchteleien hat mich irritiert. Ja klar, das ist sehr praktisch für Léon, so hat er immer noch seine Frau zu Hause, die sich um die damit zusammenhängenden Belange kümmert und außerhalb davon hat er Louise „für die schönen Seiten“. Und beide Frauen sind damit glücklich und zufrieden? :vogelzeigen: Auf so eine bescheuerte Idee kann auch nur ein Mann kommen. Sorry, aber da Capus jetzt echt daneben gelangt.


    Yvonne scheint ja nach dem Kriegsende noch einmal eine Verwandlung durchlebt zu haben, sie will nur noch essen und schlafen und sonst kümmert sie nichts mehr. Warum sollte sie dann ihren Mann noch von etwas abhalten?
    Nicht, dass ich so handeln würde, aber der Charakter Yvonne ist eben so, für mich ist das durchaus schlüssig.
    Als Louise würde ich mich nicht damit zufriedengeben, aber ihr ist eben klar, dass er seine Frau nicht "richtig" verlassen wird, solange diese lebt und nachdem sie nun schon so viele Jahre gewartet haben, kommt es ihnen darauf offensichtlich auch nicht mehr an.

    LG, Dani


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  • Den Bogen zum Prolog und der Beerdigung habe ich allerdings nicht ganz mitbekommen. Wenn er sich nach Yvonnes Tod mit Louise auf in ein neues Leben macht, wieso wird er dann von seinen Kindern am Ende beerdigt und warum taucht Louise da so dramatisch auf?
    Wenn er seine letzten Jahre offen mit ihr zusammen verbracht hat, wieso ist sie dann für die Kinder immer noch so eine Enthüllung? Haben die sie denn in den vergangenen Jahren nie mit ihrem Vater gesehen?


    Ich habe das nicht so verstanden, daß sie deshalb jetzt zusammenziehen und eine Friede-Freude-Eierkuchen-Beziehung beginnen. Vielmehr, das entspräche auch eher Louises Charakter und Léons Phlegma, werden sie ihr gemeinsames Leben wohl sehr genau von allem übrigen getrennt haben. Unter anderen Bedingungen würden sie vermutlich auch gar nicht miteinander zurechtkommen. Aber diese Überlegung macht das Ende für mich nicht besser, und es bleibt, da gebe ich Dir recht, im Hinblick auf den Prolog doch auch unbefriedigend.

  • Mir hat das Ende auch gar nicht gefallen. Es geht weiterhin alles so glatt wie bisher, Yvonne interessiert sich auf einmal nur noch fürs Essen und kaum noch für die Familie, weshalb es ihr auch egal ist, dass Léon wieder eine Beziehung mit Louise eingeht.
    Und noch immer kann ich diese großen Gefühle zwischen den beiden nirgends herauslesen. Es ist halt ganz praktisch so, Louise ist ungebunden, Léon hat dank der gleichgültigen Yvonne auch wieder mehr Freiheiten und so nimmt die Sache ihren Lauf. Dass dann auch noch ein Hausboot als Treffpunkt zur Verfügung steht, ist ja fast zu viel des Guten. :rollen:

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  • Ich bin noch nicht ganz durch. Aber loswerden will ich recht frisch den Eindruck zum Mokkageld. Mich verblüfft, wie wenig sich Yvonne für das Geld interessiert. Sie organisiert, mengt und macht ... und Geld - egal aus welcher Quelle - kann im Krieg doch sehr nützlich sein. Früher oder später läuft ja eh alles über den Schwarzmarkt. Ich weiß noch aus den Erzählungen unserer Familie - so mager sie waren - wie sehr da organisiert wurde.


    Léon will das Geld auch nicht. Nochmal Überraschung.
    Und hortet es in der Schublade. Saudoof.


    Eine freundliche Idee hat er ja, als er das Geld zu verteilen beginnt. Als Caron aufkreuzte, dachte ich kurzfristig an eine Falle. Im Haus scheint man insgesamt viel zu gut über Léons Geschäfte Bescheid zu wissen! Aber Caron benötigt wirklich Hilfe - zu diesem Wohlfühlroman (bei diesem Urteil bin ich auch angelangt) hätte eine Falle auch nicht so recht gepasst.


    Gerade erst ist bei meiner Lektüre der Krieg aus. Da stecke ich gerade. Und ich muss auch sagen, dass Léon ohne Zufälle und Glück nicht so gut davongekommen wäre. Knochen ist ein vergleichsweise "netter" Deutscher, der persönliche Clochard rettet Léon vor der Wut gegen vermeintliche "Collaborateure" (während des Krieges war die Situation als Beamter noch recht komfortabel, was sich gegen Kriegsende umkehrt). Ich bin mir nicht sicher, wieviel der Clochard weiß, aber er kennt das Geldversteck, die Summe, weiß wohl auch ungefähr, was Léon mit dem Geld gemacht hat.


    Irgendwo fiel der Begriff "Autismus des Vaters" und das beschreibt recht gut, wie Léon vor sich hin lebt. Er und Yvonne sind genau die Gegenpole dafür, wie man mit der Besatzung umgehen kann: Léon erträgt und duldet phlegmatisch vor sich hin, Yvonne lebt in permanenter, zermürbender Alarmbereitschaft. Mir scheint die Version von Yvonne die realistischere zu sein (es gibt da einige Details, die ich auch von zu Hause kenne). Léon ergibt sich einfach seinem Schicksal und hat Schwein dabei.

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  • Hallo Ihr Lieben,


    ja, alles in allem war das hier ein eindeutiges Wohlfühlbuch! :breitgrins: Ich habe es sehr genossen, hatte aber ehrlich gesagt auch gar keine Erwartungen an das Buch, da ich vorher noch nie einen Roman von Alex Capus gelesen habe.


    Ob die Darstellungen und ganzen vielen Zufälle mit denen Léon durch's Leben stolpert realistisch sind, wage ich auch zu bezweifeln, andererseits ist es wirklich so, dass Menschen, die eher naiv wirken und immer nur an das Gute glauben und danach handeln, oft auch wirklich dann ganz viel Glück haben und man der Meinung sein kann, ihnen fällt alles in den Schoß. So ganz ist es dann ja doch immer nicht! :zwinker:


    Léon wagt auch weiterhin seine Boykott-Versuche, wird aber wieder erwischt. Was ich dabei erschreckend fand, dass er anscheinend überhaupt der Einzige ist, der das versucht!!! :entsetzt: Oder stellen die anderen sich geschickter an? Aber wie will man das geschickt machen? Klar, nur bei einer gewissen Anzahl an Karteikarten einen Fehler einbauen, aber wie entscheidet man, wen man damit rettet und wen nicht???


    Die Verwandlung von Yvonne zu Ende des Krieges fand ich sehr erschreckend. Für mich ergibt sie sich in ihr Schicksal: Sie hat ihre Familie beschützt und zusammengehalten, jetzt fällt alle Spannung von ihr und sie will sich überhaupt gar nicht mehr für irgendetwas engagieren. Auch nicht für die Treue ihres Mannes! Traurig, aber irgendwie fand ich es gut und nachvollziehbar dargestellt.


    Mich freut der "Zuckerguss" :breitgrins: und dass Léon und Louise dann doch anscheinend einige Jahre zusammen verbringen. Etwas irritiert war ich auch wegen dem Prolog, aber die Erklärung, dass sie sich weiterhin nur fernab von der Familie gemeinsam getroffen haben, macht ein bisschen Sinn. Obwohl ich mir fast nicht vorstellen kann, dass das wirklich möglich ist: Ich halte eine Beziehung über 20 Jahre vor meinen Kindern geheim? :gruebel: Gut, die engste Beziehung hatte Léon ja irgendwie eh nicht zu seinen Kindern, aber das finde ich schon hart. Obwohl ich gerade so überlege und so eine Aktion meinem Vater sogar auch zutrauen würde... :rollen:



    Léon will das Geld auch nicht. Nochmal Überraschung.
    Und hortet es in der Schublade. Saudoof.


    Eine freundliche Idee hat er ja, als er das Geld zu verteilen beginnt. Als Caron aufkreuzte, dachte ich kurzfristig an eine Falle. Im Haus scheint man insgesamt viel zu gut über Léons Geschäfte Bescheid zu wissen! Aber Caron benötigt wirklich Hilfe - zu diesem Wohlfühlroman (bei diesem Urteil bin ich auch angelangt) hätte eine Falle auch nicht so recht gepasst.


    Mh, das hat mich auch etwas irritiert, aber ich denke da spielt ganz viel mit, dass das Geld von dem Kaffee kommt, den ihm der Deutsche ja quasi als Erpressung gibt. Wenn er den Kaffee trinkt oder auch das Geld davon ausgibt, gilt er als Verräter und was viel wichtiger für Léon ist: Er fühlt sich auch als Verräter! Und Menschen können wirklich einen unglaublichen Stursinn entwickeln, wenn sie sich im Recht fühlen und ich denke bei Yvonne und Léon ist genau das der Fall!


    Alles in allem ein tolles Wohlfühlbuch zum Träumen. :breitgrins:


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

    &WCF_AMPERSAND"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönheit zu erkennen, wird nie alt werden.&WCF_AMPERSAND" (Franz Kafka)

  • Ich habe das nicht so verstanden, daß sie deshalb jetzt zusammenziehen und eine Friede-Freude-Eierkuchen-Beziehung beginnen. Vielmehr, das entspräche auch eher Louises Charakter und Léons Phlegma, werden sie ihr gemeinsames Leben wohl sehr genau von allem übrigen getrennt haben. Unter anderen Bedingungen würden sie vermutlich auch gar nicht miteinander zurechtkommen. Aber diese Überlegung macht das Ende für mich nicht besser, und es bleibt, da gebe ich Dir recht, im Hinblick auf den Prolog doch auch unbefriedigend.


    Das hat mich auch gestört und mir das Ende ein bisschen verdorben. Das Ende wirkt so, als ob die beiden endlich gemeinsam abhauen und ihr gemeinsames Leben führen - das passt aber nicht zu dem "Familienpatriarchen"-Eindruck, den ich aus dem Prolog hatte.


    Am Ende des Krieges ist Friede, Freude, Eierkuchen (ja sogar Nahrungsnöte kenne sie wohl nicht wirklich) und alle haben sich lieb bzw. miteinander arrangiert. Das Buch ist insgesamt nicht schlecht, aber mir fehlt die Dramatik oder beeindruckende Figuren und von Capus hatte ich mir einfach mehr versprochen als eine angenehme warme Decke. :rollen:

    Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen. (Friedrich Nietzsche)


  • Du liebe Güte, was mache ich denn jetzt bloß mit ganzen Zuckerguß? Da fehlte ja nur noch die traditionelle Märchenendformel übers glückliche Leben bis ans Ende ihrer Tage.


    :breitgrins: Schön auf den Punkt gebracht.


    Ich fand das Ende tatsächlich so nichtssagend, dass ich fest überzeugt war, meinen Senf dazu schon vor Tagen abgegeben zu haben. Pustekuchen. Und in der Zwischenzeit hatte ich genug um die Ohren, um das Buch in himmelblauer Gleichgültigkeit verschwinden zu lassen. :zwinker: Was auch immer Gutmensch Léon getrieben hat - bitte sehr, soll er machen. Yvonnes Verhalten hat mir noch nicht mal mehr ein Kopfschütteln entlockt. Und Louise war längst nicht mehr die Dame aus dem ersten Kapitel, die muss unterwegs verloren gegangen sein. Überhaupt, was hatte diese Anfangsszene mit dem Ende zu tun? Da fehlt mir die innere Verbindung.



    Das Buch ist insgesamt nicht schlecht, aber mir fehlt die Dramatik oder beeindruckende Figuren und von Capus hatte ich mir einfach mehr versprochen als eine angenehme warme Decke. :rollen:


    Auch das ist so treffend formuliert, dass ich mich einfach anschließe.


    Viele Grüße
    Breña

    &quot;Natürlich kann man sein ohne zu lesen, ohne Bücher, aber ich nicht, ich nicht.&quot;&nbsp; J. L. Borges

  • Das Ende kann ich mir nur so erklären, dass die beiden ihre Zeit miteinander verbringen, ohne dass genauer erklärt werden muss, wie die Zeit zwischen dieser Bootsfahrt und der Beerdigung genauer aussieht. Suggerieren soll sie wohl, dass die beiden alles hinter sich lassen können, die Zeit füreinander haben und sie sich nehmen und im Detail braucht es keiner wissen.


    Mir war es ingesamt zu wenig "Léon UND Louise". Eigentlich war es ein Roman über Léon, der eine gewisse Louise kennen lernt und sich an sie erinnert und sie irgendwann wieder trifft und danach wieder Stoff für seine Erinnerungen hat.



    Das Buch ist insgesamt nicht schlecht, aber mir fehlt die Dramatik oder beeindruckende Figuren und von Capus hatte ich mir einfach mehr versprochen als eine angenehme warme Decke. :rollen:


    Ja, ganz besonders die Figuren fehlten mir. Dramatik muss nicht in jedem Buch sein; dass Léons Familie zum Beispiel den Krieg recht schadlos überstanden hat, akzeptiere ich so, wie es ist.


    Kann es sein, dass Capus bei der Erzählung zu sehr seinen eigenen Opa im Auge hatte, behutsam mit ihm umgehen wollte und daher nichts bis nur wenig dramaturgisch an der Geschichte geschnipselt hat?

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  • Kann es sein, dass Capus bei der Erzählung zu sehr seinen eigenen Opa im Auge hatte, behutsam mit ihm umgehen wollte und daher nichts bis nur wenig dramaturgisch an der Geschichte geschnipselt hat?


    Das habe ich mich auch schon gefragt, ob Capus hier vielleicht auf eine wahre Geschichte aus seiner Familie abzielt. Leider findet sich dazu nichts im Nachwort oder so... Das würde dann vielleicht das eher unaufgeregte ganz gut erklären... :gruebel:


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

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  • In einem der verlinkten Videos im EInladungsposting zur Leserunde war die Rede davon: Hier. :winken:

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  • Hallo zusammen,


    puh, war ich enttäuscht über das Ende dieses Buches - darüber habe ich glatt vergessen, noch etwas zum letzten Abschnitt zu schreiben. Peinlicherweise fällt mir das erst jetzt auf, weil ich mich gerade an die Rezension machen wollte.


    Also das Ende ist mir zu einfach gestrickt. Abgesehen von der Szene, in der sich Yvonne und Louise tatsächlich das erste Mal gegenpber sitzen, und der überraschenden Begegnung Léons mit 'seinem' ehemaligen Obdachlosen fand ich den Schluß zu fade.
    Auch der letzte Brief von Louise konnte mich nicht mehr überzeugen, ich fand ihn beinahe langweilig oder zumindest irgendwie belanglos. Auch Yvonnes plötzliche Kehrtwende ist mir rätselhaft - sie wirkt wie eine Art Matrjoschka, die zu jedem Anlass einen anderen Charakter entpuppt. Einerseits kann ich zwar glauben, dass im Urlaub in Südfrankreich - nach der Nachricht der Befreiung - alles von ihr abfällt und sie sich erst einmal ganz ihren eigenen Bedürfnissen hingibt... Dass sie aber so teilnahmslos bleibt und von der kämpfenden Löwenmutter zur immer futternden, herumsitzenden Frau wird, finde ich zu einfach. Ich hatte beinahe den Eindruck, dass so Platz für ein Ende mit Louise und Léon geschaffen werden soll.
    Außerdem bekomme ich den Bogen zwischen Beginn und Ende des Romans nicht so richtig hin. Okay, es mag nicht zu Léon und Louise passen, dass sie gemeinsam leben und glücklich bis an ihr Ende zusammen sind. Aber die Tatsache, dass die Familie bei der Beerdigung Léons rätselraten, erscheint mir auch wenig glaubhaft. Sicher, die beiden werden ihre Liebe im Stillen ausleben, so wie sie es all die Jahrezehnte gemacht haben, aber dass sie sie verheimlichen kann ich nach der Ehrlichkeit Léons gegenüber seiner Frau und dem Auftauchen Louises bei Yvonne nicht so recht glauben.
    Bei der Lektüre dieses Buches habe ich nicht nur einmal gedacht, wie vorteilhaft autorenbegleitete Leserunden sein können! Zu gerne hätte ich in diesem Fall nämlich gewusst, wieviel der Handlung der Realität entspricht. Denn wenn man zum Beispiel bei Wikipedia nachschaut, findet man ja doch einen ziemlich deutlichen Hinweis:
    Capus wurde in der Normandie als Sohn eines Franzosen und einer Schweizerin geboren. In Paris verbrachte er die ersten fünf Lebensjahre in der Wohnung seines Grossvaters, der Polizeichemiker am Quai des Orfèvres war.
    Was also hat Capus 'bloß' erzählt und was der Handlung zuliebe fabuliert?


    Mir gefällt das Buch über weite Strecken - weil es leicht und luftig erzählt ist und weil es von Menschen handelt, die mir absolut realistisch erscheinen. Auch muss es nicht für alles immer eine Erklärung oder Auflösung geben, auch wenn ich es mir meistens wünsche. Zum Beispiel muss ich nicht zwingend erfahren, was den SS-Mann Knochen dazu bewegt hat, Léon - trotz des Verrats in seinen Augen - zu schonen und stattdessen mit so einem wertvollen Gut wie Kaffee und einer Siemens-Tischlampe zu versorgen und stets an sich zu erinnern? Und ich freue mich auch immer wieder über einzelne eingestreute Szenen, die im Prinzip für die Geschichte einerlei sind, aber diese trotzdem so dicht am Leben erscheinen lassen und einen nachdenklich stimmen... Die Szene in der Bahn mit dem Werhmachtssoldaten und dem einsteigenden Juden oder aber die Szene mit dem zurückgekehrten Obdachlosen, der inzischen bei der FFL war und ist - die sind sicherlich aus dem Fundus eines Zeitzeugen, wenn nicht sogar aus dem Erlebten des Opas von Capus. Oder was denkt Ihr?


    Hm, alles in allem ein Buch das mich ziemlich gespalten zurücklässt.


    Liebe Grüße
    dubh

    Liebe Grüße

    Tabea


  • Mir war es ingesamt zu wenig "Léon UND Louise".


    Das trifft es im Grunde ziemlich gut, finde ich. Beide Figuren - Léon und Louise - sind für mich nach wie vor interessant genug um mehr über sie zu erfahren. Aber eben über die beiden gemeinsam! Vor allen Dingen Louises Seite war letzten Endes ziemlich dünn - die langen Briefe mal rausgerechnet...


    Zitat

    Kann es sein, dass Capus bei der Erzählung zu sehr seinen eigenen Opa im Auge hatte, behutsam mit ihm umgehen wollte und daher nichts bis nur wenig dramaturgisch an der Geschichte geschnipselt hat?


    Auch das kann ich mir sehr gut vorstellen! Es könnte zudem eine Begründung sein, warum Louise relativ wenig Platz bekommt - vielleicht weiß Capus zu wenig über sie?


    Liebe Grüße
    dubh

    Liebe Grüße

    Tabea