Arno Geiger - Der alte König in seinem Exil

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Es gibt 9 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Valentine.

  • [size=13pt]Arno Geiger – Der alte König in seinem Exil[/size]

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    OA: 2011
    194 Seiten
    ISBN: 978-3446236349


    Inhalt
    Arno Geiger beschreibt die Veränderungen, welche in seinem an Alzheimer erkrankten Vater und ihm vorgehen, seit diese Krankheit begann.


    Eigene Meinung
    Diese autobiographische Beschreibung der Demenzerkrankung von Arno Geigers Vater, ist ausgesprochen bewegend.
    Ich habe niemals eine bessere, empathischere und, so widersprüchlich das auch klingen mag, liebevollere Schilderung dieser Erkrankung gelesen und wer könnte dies auch besser, als ein Mensch der persönlich betroffen ist. Interessant ist, dass Arno Geiger diese Erkrankung eben nicht als Krankheit beschreibt, sondern eher als Veränderung. Eine Veränderung, welche elementare der Bereiche des Kranken, wie auch die seiner Angehörigen beschreiben. Arno Geiger gelang es auf eine herzerwärmende Art, sich in die geistige Welt seines Vaters zu begeben und auf dieser Ebene mit ihm zu kommunizieren. Dabei wird dieses Buch aber nicht zum Sachbuch; vielmehr wird hier von der Liebe zwischen Vater und Sohn geschrieben, welche von nun an, auf einer anderen Ebene, erneut lernen miteinander umzugehen.


    5ratten


    Tina

  • Würde die Thematik dieses Buches nicht so ernst sein, ich würde es als richtiges "Wohlfühlbuch" bezeichnen. Ich habe das Buch von der ersten bis zur letzten Zeile genossen! Mit viel sprachlichem Geschick setzt sich Arno Geiger mit der Erkrankung seines Vaters auseinander und kommt dabei mit sich selber ins Reine. Es lässt sich erahnen, wie wichtig dieses Buch für Arno Geiger selber ist, und wie persönlich!
    Wer sich eine Abhandlung über die Krankheit Demenz erwartet, wird enttäuscht werden, im Buch findet man keine medizinischen Fakten. Vielmehr ist es eine Bestandsaufnahme einer Familie, die gelernt hat, sich mit der Krankheit zu arrangieren und das Beste daraus zu machen und dem Vater v.a. allem Würde und Respekt zukommen zu lassen und ihn so zu nehmen, wie es die Krankheit eben zulässt. Manch tagisch-komischhe Situation entsteht dabei!


    Hier wird auf 189 Seiten mehr transportiert, als andere Schriftsteller auf 1000 Seiten nicht schaffen! Ein absolutes Muss für Geiger-Fans, eine Empfehlung für alle, die gerne schmale Bücher mit viel Inhalt mögen!


    von mir gibts ganz überzeugte 5ratten

    :blume:&nbsp; Herzliche Grüße!&nbsp; :blume: <br />creative


  • Ich habe niemals eine bessere, empathischere und, so widersprüchlich das auch klingen mag, liebevollere Schilderung dieser Erkrankung gelesen und wer könnte dies auch besser, als ein Mensch der persönlich betroffen ist. Interessant ist, dass Arno Geiger diese Erkrankung eben nicht als Krankheit beschreibt, sondern eher als Veränderung.


    Das habe ich schon öfters in den vielen positiven Rezensionen zu diesem Buch gelesen und, ehrlich gesagt, ist es genau das, was mich abschreckt, das Buch zu lesen. Mein Vater ist letztes Jahr nach langem Alzheimer-Leiden gestorben und diesem langsamen Verfall, der typisch ist für Alzheimer, auch nur eine einzige positive Seite abgewinnen zu können, ist imho reine Augenwischerei.


    Die Leute, die dieses Buch nicht gut finden, werden bei amazon leider heftigst angegangen, aber diese Rezension drückt genau meine Vorbehalte aus:


    >>>Das Buch ist eine geschönte Darstellung der Wirklichkeit und lässt einem fast glauben, dass diese schwere Krankheit ja nur halb so tragisch ist und jeder damit zurecht kommen kann. Die Phasen der Demenz, in denen der Betroffene zwischen seiner und unserer Realität noch hin- und herpendelt und verzweifelt seine schwindenden kognitiven Fähigkeiten zu behalten versucht, ist in dem Buch von Arno Geiger vollkommen ausgeblendet.<<<
    Weiterlesen: Klick!

  • Man muss natürlich schon betonen, dass Arno Geiger hier keine Abhandlung über Alzheimer schreibt, auch keine Anleitung für den Umgang mit der Krankheit. Es geht hier um etwas ganz anderes, v.a. aber um eine Vater-Sohn-Beziehung die nicht immer harmonisch war, um Gedanken, die sich ein "großer Sohn" über seine Eltern macht, über Verständnis, übers Älterwerden, uvm. Für mich hat dieses Buch eine unfassbare Würde.


    Ich möchte Dir empfehlen, Anja, Dir selber eine Meinung zu bilden! Das Buch ist sehr schmal und sicher keine vergeudete Lesezeit; außerdem würde mich wirklich die Meinung einer "Betroffenen" sehr interessieren!

    :blume:&nbsp; Herzliche Grüße!&nbsp; :blume: <br />creative

  • Ich habe das Buch gelesen, weil mein Opa leider auch betroffen ist und ich einfach so viel wie möglich über die Krankheit erfahren möchte. Damit ich so gut wie möglich damit umgehen kann um ihm wenn es irgendwie möglich ist helfen zu können. Mein Opa ist Gott sei Dank noch nicht so schlimm betroffen wie der Vater von Arno, aber manche Sachen kenne ich trotzdem von ihm.


    Besonders hat mir gefallen wie sich die Beziehung von Vater und Sohn verändert hat. Mein Opa hat 6 Kinder und jedes geht anders mit der Krankheit um. Deswegen fand ich es sehr interessant wie Arno damit umgeht, dass er für seinen Vater plötzlich so viel Liebe aufbringen konnte, um ihm beizustehen. Denn ihre Beziehung war ja früher nicht so intensiv.


    Man muss auch dazu sagen, dass diese Krankheit ja bei jedem anders verläuft. Daher würde ich dieses Buch nicht wirklich empfehlen wenn man noch keine eigenen Erfahrungen mit der Krankheit gemacht hat. Sonst passiert es glaub ich leicht zu glauben, dass es immer so abläuft, doch es gibt sehr viele Formen.


    Ich vergebe:


    4ratten

    Nigends findest du Frieden als in dir selbst.


  • Man muss auch dazu sagen, dass diese Krankheit ja bei jedem anders verläuft. Daher würde ich dieses Buch nicht wirklich empfehlen wenn man noch keine eigenen Erfahrungen mit der Krankheit gemacht hat. Sonst passiert es glaub ich leicht zu glauben, dass es immer so abläuft, doch es gibt sehr viele Formen.


    Das ist ein wichtiger Punkt für Außenstehende wie mich, danke.
    Und allen, die einem Betroffenen nahestehen, wünsche ich alles Gute!

    [color=darkblue]&quot;Date a girl who reads. Date a girl who spends her money on books instead of clothes. She has problems with closet space because she has too many books. Date a girl who has a list of b

  • Dies ist der einzige "Roman" (?) von Arno Geiger, den ich gelesen habe. Mir hat sehr gut gefallen, wie der Autor über die Aufrechterhaltung der Kommunikation im Angesicht der Krankheit schreibt, viele Aussprüche des Vaters sind beinahe komisch und teilweise verblüffend. Es handelt sich dabei freilich um eine einseitige Geschichte, die Perspektive des Kranken bleibt uns verschlossen, was man Geiger natürlich nicht vorwerfen kann. Trotzdem scheint mir die neue Ebene des Gesprächs, die der Sohn sucht und findet, vor allem dessen Bedürfnis nach Kommunikation bzw. seiner Furcht vor ihrem endgültigen Abreissen und nicht zuletzt auch der Literatur zu dienen (eine gewisse Stilisierung ist deutlich spürbar) - es bleibt zweifelhaft, wie viel davon beim Vater überhaupt "ankommt". Die Erklärungsversuche für manche Äusserungen und Gewohnheiten des Kranken aus dessen früherem Leben wirken vielleicht zu gesucht, mit ihnen tut Geiger jedoch das, was zum Erzählen ebenso wie zum Bewältigen von Erfahrung notwendig ist: er entwirft ein Narrativ, das das Vorgefallene begreiflich macht, überschaubar, damit auch erzählbar.
    4ratten

    Tell all of my friends, I don&#039;t have too many: just some rain-coated lovers&#039; puny brothers. Dallow, Spicer, Pinkie, Cubitt - rush to danger, wind up nowhere.<br />Patric Doonan - raised to wait. I&#039;m tired again, I&#039;ve tried again...<br />and now my heart is full. Now my heart is full and I just can&#039;t explain, so I won&#039;t even try to.<br />(Morrissey)

  • Das Buch hatte ich auch vor einiger Zeit gelesen und fand es sehr berührend. Ich kann mich jetzt nicht mehr im Detail erinnern, weiß aber noch, dass ich kurz zuvor das Buch von Tilman Jens über seinen dementen Vater Walter Jens gelesen hatte und gerade im Vergleich kam Arno Geigers Geschichte für mich so viel warmherziger rüber.


    Ich persönlich habe zum Glück (noch) keine näheren Erfahrungen mit Alzheimer gemacht und kann daher nicht beurteilen, ob Arno Geiger hier die Tatsachen schönredet.
    Aber dennoch hat mir seine Art, damit umzugehen (wenn es denn so gewesen ist, wie im Buch beschrieben) sehr gefallen.

    LG, Dani


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  • Meine Meinung

    Arno Geiger erzählt von der Alzheimer-Erkrankung seines Vaters und wie der damit umgeht. Anfangs versucht er, die Krankheit zu verheimlichen. Später akzeptiert er sie nicht nur, sondern nimmt sie als Teil seines Lebens an. Seinen Kindern fängt es anfangs schwer, aber das liegt hauptsächlich daran, dass der Vater die Krankheit verheimlicht. Als das Wort "Alzheimer" erst gefallen ist, wird die Situation in der Familie wieder entspannter.


    Trotzdem kann es nicht so leicht sein, wie das Buch trotz allem manchmal wirkt. Von wechselnden Pfelgern ist die Rede und davon dass der Vater jeden Tag ein kleines bisschen mehr vergisst und seinen Betreuern immer wieder mehr abverlangt. Trotzdem schreibt Arno Geiger nichts davon. Er klingt nicht verbittert oder gestresst, sondern nur liebevoll.

    5ratten


    Übrigens würde ich das Buch nicht bei der Unterhaltungsliteratur, sondern eher bei den Biografien einordnen.

    Man muss mutig sein, damit du die Angst überwindest, das Unmögliche möglich zu machen.

  • Da hast Du natürlich völlig recht mit der Einordnung, ich schiebe es gleich rüber.

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)