Aidan Chambers - Tanz auf meinem Grab

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Es gibt 13 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von HoldenCaulfield.

  • Weil mir der Roman durch einen anderen Thread wieder einfiel und er mich beim ersten Lesen (so mit 13 oder 14 Jahren) total gut gefallen hat und ich ihn bestimmt schon 3 oder gar viermal gelesen habe, stelle ich hier "Tanz auf meinem Grab" von Aidan Chambers vor. Das war mit einer meinre ersten Romane dich mehr als einmal gelesen habe. (Neben dem Fänger im Roggen natürlich *g*) Er war lange einer meiner Lieblingsbücher, wie ich ihn jetzt bewerten würde wird sich demnächst zeigen denn ich habe vorhin spontan ein Reread geplant und werde das wohl diesen Monat in Angriff nehmen (kann aber auch Dezember werden je nach dem).


    Wie ich gerade sehe ist der Roman mal wieder neu aufgelegt worden und damit in einer äh.. seltsamen Orangenen Ausgabe wieder erhältlich :breitgrins: Als Klassiker der Coming Out Romane bei gaybooks bezeichnet :)


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    Titel: Tanz auf meinem Grab
    Autor: Aidan Chambers


    Inhalt:
    Hal ist fasziniert vom etwas älteren schon 18 järigen Barry, der das Leben in vollen Zügen zu genießen scheint. Alles ist für ihn ein aufregendes Spiel. Wenn nicht jeden Tag etwas interessantes passiert beginnt sich Barry schnell zu langweilen. Doch Hal und Barry verbindet bald mehr als nur eine Freundschaft und Hal kann sich ein Leben ohne Barry bald nicht mehr vorstellen, doch nach einem heftigen Streit hat er keine Möglichkeit mehr sich mit Barry auszusöhnen, denn dieser ist mit seinem Motorrad tödlich verunglückt. Hals Leben bricht aus den Fugen. Einzig der Pakt den die beiden geschlossen haben hilft Hal ein Stückweit damit klar zu kommen. Er tanzt auf Barrys Grab...


    Was bei amazon eher als Freundschaft beschrieben wird ist in Wirklichkeit eine Liebesgeschichte. Es geht um die Frage der erwachenden Sexualität und dem Umgang damit. Aber auch um die Frage wie man nun damit umgeht das ausgerechnet die erste Liebe stirbt. Von daher würde ich es als Jugendbuch einordnen (in der Bibliothek hab ich es damals auch in dieser Abteilung gefunden) Ob es dabei bleibt werde ich bei meinem Reread natürlich auch anführen. 7
    Übrigens wurde ich durch diesen Roman auch auf Kurt Vonnegut aufmerksam dessen Werk dort immer mal wieder erwähnt wird.


    Der Roman selbst kam 1982 heraus, ich denke schon das man ihm das anmerkt da er in einer Zeit spielt die noch ganz anders mit der Frage der Homosexualität umgeht als das ein Roman wohl tut der heute entstanden ist. Ich habe in den 90er Jahren gelesen und hatte damals den Eindruck das er bestimte Fragen die eher allgemein sind (eben nach der Frage der ersten Großen Liebe und dem Umgang mit dem Tod) trotzdem noch beantworten kann. Auch hier kann ich aus der Erinnerung heraus nicht mehr viel sagen. Aber ich werde mal darauf achten^^

  • Ja... also gestern überkam mich dann doch noch das Lesen :breitgrins: und ich bin nun auch schon fast fertig. Man merkt schon das es sich eher an Jugendliche richtet. Es ist gut zu lesen ohne dabei Niveaulos zu sein. Ich habe den Eindruck das Chambers seinen jugendlichen Leser ernst nimmt und ihn weder über noch unterfordert. Das gefällt mir. Zu dem weckt er so ganz nebenbei eventuell auch die Neugier an dem ein oder andren Autor den er im Roman erwähnt. Vor allem Kurt Vonngegut spielt für Hal eine wichtige Rolle. Aber es werden auch T.C. Boyle und Auden erwähnt. Für mich war das wie erwähnt ein Grund mir Vonnegut genauer an zu schauen. Das Gedicht von Auden hab ich mir damals rausgeschrieben und begründete meine persönliche Sammlung meiner Lieblingsgedichte die ich alle feinsäuberlich abschrieb.


    Man merkt auch das Chambers ein Gespür für Jugendliche hat. Obwohl der Roman solangsam alt ist (erschreckender Weise schon fast 30 Jahre) finde ich das er bestimmte Themen transportiert die nach wie vor ihre Gültigkeit haben. Vor allem eben die grunsätzlichen Fragen wie etwa gehe ich damit um das mein Freund stirbt oder wie gehe ich überhaupt damit um das ich verliebt bin. Dabei geht es vordergründig gar nicht unbedingt um die Frage der Homosexualität von Hal. Er findet zwar durch die Ereignisse zu sich selbst dabei steht aber alles im Zusammenhang und nicht nur seine Sexualität. Das so zu transportieren finde ich wenn ich das mit andren Romanen in diese Richtung vergleiche wirklich gelungen! Vor allem weil es eben auch nebenbei ohne moralisch zu werden erzählt das es nichts besonderes sein sollte das Hal sich in Barry verliebt. Hal hat erfrischender Weise keine klischee selbst vorwürfe und muss sich nicht so extrem mit einer Gesellschaft herumschlagen die ihn nicht akzeptiert. Mag sein das es eventuell nicht unbedingt realistisch ist das dies passiert, andererseits lockert es die Handlung dadurch auf und versetzt den Fokus der Handlung eben auf Hals Gefühle gegenüber dem Tod des Freundes und diese Reaktionen sind sehr gut nachvollziehbar. Und ich glaube es gibt einem viel mehr Selbstbewusstsein wenn man sich outen möchte, wenn man sieht das es eben nicht grundsätzlich zum Fiasko führt.


    Ja es geht um eine Selbstfindung, diese ist aber weitreichender und geht über Hals ganze Persönlichkeit die zwar auch seine Homosexualität mit einschließt aber eben diese nicht zum Ziel hat. Ich glaube da hat Chambers wirklich den Punkt getroffen. Wenn man mit sich selbst klar kommt kommt man auch mit der eventuellen Andersartigkeit klar egal in welcher Richtung.

  • Und jetzt noch ein wenig Gemecker:


    Meine Ausgabe nervt mich!!! Ich habe eine von 1998 (da merkt man das ich in dem Jahr Die Mitte der Welt gelesen habe und ganz wild war auf das Thema Homosexualität - daher hab ich mir alles geschnappt was in die Richtung ging^^ ) vom Ravensburger Verlag. Und ständig sind da Passagen hervorgehoben, ich weiß aber noch dass das in meiner Ausgabe die ich aus der Bibliothek hatte definitiv nicht so war (die war schon älter) Ich finde dadurch wird dem Leser das selbstständige Denken abgenommen und man wird zum Teil in eine bestimmte Richtung gelenkt. Das nervt mich extrem. Außerdem geht das meiner Meinung nach gegen die Intention des Autors seinen Leser zum Nachdenken an zu regen und nicht ihm schon im Vorfeld alle Antworten zu liefern.
    Inzwiscchen hat die Ausgabe aber immerhin ein schöneres Cover bekommen *gg* die Fotos im Roman nerven mich auch... sollte wohl hip und cool sein... keine Ahnung ich find das wie gesagt störend. Ich könnte mir momentan sogar vorstellen mir eine andre Ausgabe zu kaufen (evtl. die obig verlinkte).

  • Aidan Chambers war übrigens in den 90ern mit zwei seiner Bücher auch für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Diesen sehe ich zwar durchaus auch kritisch. Aber ich finde schon das er den Nerv von Jugendlichen treffen kann. Meinen hat er zumindest mit 14 genau getroffen. Ich finde nach wie vor das Hal eine Figur ist in die man sich als Teen sehr gut hineinversetzen kann - eben weil er auch wie ein Teenager handelt. Das ist nicht immer rational und logisch erklärbar.


    Die Frage nach der Liebe an sich, wen lieben wir? Das Abbild, die Vorstellung oder wirklich den Menschen dahinter. Auch diese Frage wird aufgegriffen und so langsam wird mir klar warum mir das im Philosophieuntericht vor ein paar Jahren so seltsam vertraut war, als genau dieser Aspekt zur Sprache kam. Ich finde das lässt einen schon sehr ins Grübeln kommen. Ein Aspekt der mir hier auch gefallen hat.


    Schön finde ich beim Lesen das in mir definitiv die gleichen Gedankenbilder im Kopf auftauchten. Auch wenn ich heute älter bin und manches aus einer ganz anderen Perspektive betrachte hat mir das Buch nach wie vor gut gefallen. Hi und da merkt man ihm die 80er Jahre dann schon an. Es gibt ein paar Sachen die vielleicht heute anders passieren würden, aber im Großen und Ganzen verstehe ich schon warum der Roman heute noch gelesen wird. Ich verstehe ihn nicht nur als Coming Out Roman was er zum Teil durchaus ist, sondern vor allem als Selbstfindungsroman, etwas was jeder irgendwann mal durchmacht. Vielleicht nicht mit ganz so drastischen Erlebnissen (was ja auch schlimm wäre) wie Hal sie machen muss, aber ich finde durch Barrys Tod wird irgendwie deutlicher wie einen der Verlust umhauen kann. Der erste Liebeskummer ist ja meist auch deshalb so schmerzhaft weil es der erste ist und man das Gefühl noch gar nicht kennt. Irgendwie wird das durch Barrys Tod symbolisiert (finde ich).


    Absolut empfehlenswert!


    5ratten

  • Ich habe Chambers' Bücher leider erst als Erwachsene Anfang der 90er entdeckt, dann aber gleich alle gelesen, die in der Bücherei vorhanden waren (auf Englisch oder Schwedisch). Chambers schreibt meiner Meinung nach hervorragende Kinder- bzw. Jugendbücher. Er nimmt seine jungen Leser ernst, hält sie nicht für dumm, sondern fordert sie. Er schreibt anspruchsvoll, sowohl stilistisch als auch vom Aufbau her, erzählt (meist?) nicht geradlinig, sondern nähert sich seinem Thema auf unterschiedlichen Wegen.
    In diesem Buch setzt der Erzähler - wenn ich mich nach so vielen Jahren recht erinnere - mehrfach an, bis er endlich im Zentrum seiner Geschichte anlangt, sich ihm stellen kann. Mich hat das Buch damals schwer begeistert, eindeutig


    5ratten

    Wir sind irre, also lesen wir!

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    Hal ist 16 und wurde verhaftet, weil er auf dem Grab von Barry gewütet hat. Er wurde auf frischer Tat ertappt, will aber nicht sagen, was und warum er auf dem Grab gemacht hat.


    Hal erzählt, was vorher geschehen ist, wie er Barry kennengelernt hat und wie sie sich anfreundeten. Zwischendurch erzählt der Sozialarbeiter, wie er versucht Hal zum Reden zu bekommen.


    Was ist nur passiert? Warum ist Barry tot?


    Ich bin ci. halb durch, ich habe die Ausgabe, wo Texte hervorgehoben sind, aber das stört mich gerade wenig. Ich mag die Sprache, sie ist nicht so gezwungen jugendlich, eher ruhig und normal, das ist sehr angenehm.

    Bücherwurm - naher Verwandter der Lindwürmer<br /><br />Wenn es sein muss, trete ich auch Zwerge! - Hildegunst von Mythenmetz<br /><br />:buecherstapel:

  • So langsam nähere ich mich dem Ende des Buches.


    Ich hatte irgendwo gelesen, dass in dem Buch die Beziehung zwischen Hal und Berry gar nicht rüberkommt. Dem muss ich widersprechen. Gut, ich wusste erst auch nicht, ob die Liebesgrüße aus Southend wirklich das bedeutete, was ich vermutete, aber zum Ende hin spricht Hal rigoros aus, dass Berry und er eine Beziehung hatten, die über bloße Freundschaft hinaus geht und auch dass sie eben sexuell tätig waren. Selbst jemand, der unwissend das Buch liest müsste spätestens jetzt wissen, dass es hier um die Liebe zwischen zwei junge Männer geht.


    Ansonsten hat mich Berrys Tod gar nicht ergriffen, wie es sonst tut, ich hab irgendwie beim Lesen zu ihm keinen Zugang bekommen, dagegen fühle ich sehr stark mit Hal.

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  • Ich denke diese Distanz entsteht vor allem auch daher das Hal alles aus seiner Sicht erzählt und man eigentlich Berrys wirkliche Gedanken gar nicht kennelernt. Vor allem seine Gefühlswelt bleibt ja sehr undurchsichtig. Eigentlich kann man vieles nur erahnen weil er nun tot ist.

  • Nach einer unfreiwilligen Pause bin ich heute dann doch fertig geworden.


    Im Verlauf des Buches wird einem ja klar, wieso das Buch aus Hals' Sicht ist, bzw. warum sich das manchmal ändert, aber auch, warum es leicht distanziert wirkt und manche Passagen wiederholt werden. Es war jetzt nicht so, dass es störte, im Gegenteil, es war sehr faszinierend und es gab einen ungewöhnlichen Einblick in Hal.


    Im Großen und Ganzen hat das Buch mir gefallen.


    3ratten und :marypipeshalbeprivatmaus:

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  • Bei Überlegungen, welche Bücher ich dieses Jahr noch so Re-Readen könnte und der Diskussion über Call me by your name, fiel mir dieses Lieblingsbuch vor allem aus meiner Teenagerzeit wieder ein.
    Ich stelle fest, dieses Buch bekommt einfach nie ein schönes Cover... Frage mich, was das Problem ist, dem ganzen einen modernen Anstrich zu geben, ohne diesen zwanghaften Drang irgendwie den Inhalt wieder zu geben... das scheint bei diesem Roman echt so ein Ding zu sein.

    Das ist das momentan aktuelle Cover (naja auch schon wieder von 2011) für die deutsche Ausgabe und ich finde, es ist echt furchtbar. :Kreuz:

    Edit: Oh, diese orangene Ausgabe ist sogar oben verlinkt. Ich hatte nur die andre gesehen (die ich auch habe lol)


    Ich hab mal andere Ausgaben gegoogelt, aber ähm. Nope. Wird nicht besser.

  • Ich finde beide Cover ungefähr gleich scheußlich ... allerdings sieht das erste wenigstens nicht ganz so sehr nach 90er-Jugend-Problembuch aus :lachen:

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)




  • Es gibt diese Momente im Leben, an denen brauche ich ein ganz bestimmtes Buch um dieses warme Gefühl im Magen zu bekommen. Dieses Gefühl, das mir zeigt: Hier ist es, das richtig gute Buch, das Dir jedes Mal aufs Neue gefällt. Jedesmal vielleicht aus anderen Gründen, aber doch immer so, das klar ist, warum ein Buch ein Lieblingsbuch ist und es auch bleiben wird.

    Tanz auf meinem Grab, ein Roman den ich das erste Mal als Teenagerin gelesen habe und das ich mir so schnell es ging gekauft habe. Eine zeitlang war es nicht bestellbar, weshalb ich den Roman ständig aus der Bibliothek entliehen hatte :lachen:

    Aidan Chambers ist ein Autor, der auch zeigt, Jugendbücher müssen nicht eindimensional geschrieben sein, brauchen keine flache Story damit man sich mit der Hauptfigur identifizieren kann. Das es kein Coming-Out Thema braucht um trotzdem Homosexuelle Liebe zu thematisieren.


    Wenn man als Teenager verliebt ist, ist es schon oft sehr dramatisch, die große Liebe, die großen, Besitzergreifenden Emotionen. Chambers hat mich damals tief beeindruckt. Vielleicht auch wegen der Intensität der Gefühle zwischen Hal und Barry, aber auch weil Barry genau so eine Person ist, der man vielleicht lieber nicht zu nahe kommen sollte, weil sie einen früher oder später verletzen wird.


    Ich finde es spannend, das ich den Roman heute auch deshalb anders lesen kann, weil mir vieles, was der Autor beschreibt selbst im laufe der Jahre klar geworden ist. Nicht nur was Barries Persönlichkeit angeht, sondern auch was Hals Gefühlslage angeht. Ich kann ihn heute auch weiterhin verstehen, kann aber die Komplexität seiner Figur besser erfassen.

    Eigentlich ist "Tanz auf meinem Grab" ein Buch, das vielleicht traurig machen könnte. Gestern saß ich damit auf dem Friedhof (what a klischee^^) und musste schon schmunzeln. Der Tod ist ein zentrales Thema das Romans, nicht nur weil Barry stirbt. Sondern auch, weil Hal sich eigentlich die ganze Zeit damit beschäftigt.

    Ich saß also auf dem Friedhof und stellte fest, das ich Hal ziemlich ähnlich war in diesem Alter. Das war mir damals glaube ich, gar nicht so klar. Damals las ich einfach ein Buch, das ich nur deshalb ausgeliehen hatte, weil mich der Titel extrem in den Bann gezogen hatte und ich mich fragte, weshalb ein Buch so heißt.


    Für mich einer dieser Romane, die sehr gut gealtert sind, weil die Themen die er aufgreift, nach wie vor Relevanz haben und es im Grunde egal ist, zu welcher Zeit die Geschichte spielt. Vermutlich wird nur manchen auffallen, das keine Smartphones gibt :lachen: (Ich persönlich hatte sogar vergessen, dass es in England spielt).