Kritik an Amazon (Arbeitsbedingungen, Problematik Buchhandel etc.)

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Es gibt 393 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von faxefaxe.

  • Für alle, die gerade mit einem Kindle unterm Weihnachtsbaum liebäugeln: Wenn nicht schon grundsätzliche Erwägungen gegen proprietäre Formate davon abhalten, dann vielleicht diese Art, mit Mitarbeitern umzugehen: Klick!

    Einmal editiert, zuletzt von Saltanah ()


  • Für alle, die gerade mit einem Kindle unterm Weihnachtsbaum liebäugeln: Wenn nicht schon grundsätzliche Erwägungen gegen proprietäre Formate davon abhalten, dann vielleicht diese Art, mit Mitarbeitern umzugehen: Klick!


    Das Thema ist ein eigener Thread wert. Man kann sich nicht als kundenfreundlichstes Unternehmen der Welt positionieren und dann die Mitarbeiter so veralbern. Kann man da überhaupt noch bestellen?


    Gruß, Thomas


  • Das Thema ist ein eigener Thread wert. Man kann sich nicht als kundenfreundlichstes Unternehmen der Welt positionieren und dann die Mitarbeiter so veralbern. Kann man da überhaupt noch bestellen?


    Passt doch gut zu den Arbeitsbedingungen bei Hermes, über den die Bestellung dann eventuell geliefert wird:


    Nein, das müssen sie wohl nicht. Es gab halt in Sachen Hermes einen sehr aufschlussreichen Fernsehbericht über die Ausbeutung der Fahrer. Der Fahrer bekommt 70 Cent für ein zugestelltes Paket. Brutto. Seine Kosten wie Sprit muss er selber tragen. Da wundert es nicht, dass er es möglichst schnell über den "Zaun" werfen will.


    Ich sehe inzwischen ein, dass diese "Geiz ist geil"-Mentalität zu massiven Verwerfungen führt.


    Hier noch der Link zur Reportage: http://mediathek.daserste.de/s…s-prinzip-ein-milliardaer

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • Das Thema ist ein eigener Thread wert. Man kann sich nicht als kundenfreundlichstes Unternehmen der Welt positionieren und dann die Mitarbeiter so veralbern. Kann man da überhaupt noch bestellen?


    Gruß, Thomas


    Dass sie ihre Mitarbeiter schlecht behandeln, ist eigentlich seit Jahren bekannt. Wie viele andere Dinge, in denen Amazon ein Verhalten zeigt, das reichlich daneben ist. Aber solange es so schön bequem für den Kunden ist, wird er weiter dort kaufen und dieses Wissen mit schlechtem Gewissen irgendwo ganz hinten in seinem Bewusstsein vergraben.
    Ich bestelle auch noch ab und an etwas, vielleicht 2-3 Mal im Jahr. Aber soweit es geht, versuche ich das Unternehmen mittlerweile zu meiden.


  • Dass sie ihre Mitarbeiter schlecht behandeln, ist eigentlich seit Jahren bekannt. Wie viele andere Dinge, in denen Amazon ein Verhalten zeigt, das reichlich daneben ist.


    Wo finde ich Presseberichte über die schlechte Behandlung von Mitarbeitern? Welche anderen Dinge sind das? Ich bin immer dafür, Missstände konkret zu benennen, sonst wird unterschwellig ein negatives Image erzeugt.


    Gruß, Thomas

  • Wo finde ich Presseberichte über die schlechte Behandlung von Mitarbeitern? Welche anderen Dinge sind das? Ich bin immer dafür, Missstände konkret zu benennen, sonst wird unterschwellig ein negatives Image erzeugt.


    Gruß, Thomas


    Ich versuche das mal auszubuddeln. Ich hatte vor einigen Jahren für ein Referat über Amazon recherchiert und war damals schon auf entsprechende Berichte gestoßen. Einige der anderen Dinge dürften im Amazon-Gemotze-Thread noch verlinkt sein. Und an die Sache mit Diogenes vor einigen Jahren erinnert man sich ja auch noch.


    Wendy: Ich dürfe hier nicht anfangen mit dem Finger zu zeigen, weil ich selbst ja auch noch ab und an da bestelle.
    Aber ich finde schon, dass man als Kunde auch eine gewisse Verantwortung hat, die man nicht komplett wegwischen sollte, denn der Kunde ist der, der letztlich den meisten Druck ausüben kann, indem er so ein Verhalten abstraft. Als Mitarbeiter in einem Unternehmen bist du diesem mehr oder weniger ausgeliefert, da kannst du nur kündigen oder es eben aushalten. Und kündigen können sich viele nicht leisten.


  • Einige der anderen Dinge dürften im Amazon-Gemotze-Thread noch verlinkt sein. Und an die Sache mit Diogenes vor einigen Jahren erinnert man sich ja auch noch.


    Ja, der Diogenes-Fall war sicher keine Ruhmestat.


    Aber sonst? Im Amazon-Gemotze-Thread habe ich nach Überfliegen vor allem Probleme gefunden, die außerhalb der Verantwortung von Amazon liegen. Es gibt keinen Grund sich über 1-Cent-Angebote im Marketplace aufzuregen. Genausowenig kann Amazon etwas dafür, wenn der Verlag Veröffentlichungstermine nicht einhält. Und das die Software nicht perfekt ist, nun ja, man kann ja bei anderen Online-Händlern einkaufen. Offenbar ist Amazon aber doch die interessanteste Seite von allen Online-Händlern. Das muss Gründe haben.


    Gruß, Thomas

    Einmal editiert, zuletzt von Klassikfreund ()

  • Nein, mir geht es nicht um Serviceleistungen, die wären mir egal. Und als Kunde war ich ja auch immer zufrieden. Es sind andere Dinge, die mich stören.


    Hier ist ein Bericht von 2006 auf SPON zu Arbeitsbedingungen: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,420030,00.html
    Und wenn man entsprechend goggelt, geistern diese und andere Vorwürfe seit Jahren durchs Netz.


    Es gab Dinge wie die NPD-Kooperation, an die viele sich noch erinnern können oder den als #Amazonfail bekannten Vorfall von 2009 (http://netzpolitik.org/2009/amazonfail/), den ich auf jeden Fall irgendwo hier im Forum angesprochen hatte und für den man sich bis heute nicht entschuldigt hat.


    Und Diogenes ist nur der einzige Verlag, der sich nicht unter Druck hat setzen lassen. Die anderen beugen sich eben den Rabattforderungen von Amazon, weil es ohne nicht geht.

  • Danke für die Details. Wäre schön, wenn ein Moderator diese Amazon-Postings abtrennen könnte. Das Thema kommt irgendwann wieder, dann findet man es wieder nicht.


    Gruß, Thomas

    Einmal editiert, zuletzt von Klassikfreund ()

  • Schaut Euch doch mal Call-Center etc. an. Die sind auch nicht besser. Amazon ist doch nur so in der Presse, weil es der größte Online-Handel ist.


    Was die Meckerei wegen befristeten Verträgen angeht, da ist nicht das Unternehmen schuld, sondern der Gesetzgeber, weil er nichts dagegen tut. Dabei will er doch die Arbeitslosenzahlen senken.


    Über Lidl hat auch jeder gemotzt als raus kam, dass die Mitarbeiter heimlich gefilmt werden. Und? Es geht trotzdem noch jeder dort einkaufen, genau wie bei Amazon.


    Ich seh auch nicht ein, wieso ich dort nicht mehr bestellen sollte. Das Preis-Leistungsverhältnis ist gut und wenn keiner mehr dort bestellen würde, würden die Mitarbeiter erst Recht auf der Straße sitzen.

    Du bereust nie die Dinge, die Du getan hast. Nur die, die Du nicht getan hast !  :gruebel:

  • Amazon war auch bei verdi zuletzt ein Thema.


    Ich war mir sicher, auch irgendwo (auf Papier) gelesen zu haben, das einzelne Arbeitsämter bei der "Praktikum zur Weihnachtszeit"-Masche nicht mitmachen und sich weigern im November und Dezember Praktika bei Amazon zu genehmigen, finde aber im Web gerade nichts dazu. Letztendlich bezahlt durch solche Praktika der deutsche Staat und damit wir alle, dass Amazon billig verkaufen und liefern kann.


  • Letztendlich bezahlt durch solche Praktika der deutsche Staat und damit wir alle, dass Amazon billig verkaufen und liefern kann.


    Man kann es auch noch drastischer formulieren: Durch die Externalisierung der Lohnkosten an die Bundesanstalt für Arbeit stammt ein Teil des Unternehmensgewinns aus Steuergeldern statt aus wirtschaftlicher Tätigkeit, ist also eine verdeckte Subvention. Und das finde ich definitiv nicht in Ordnung.

  • Das ist aber generell so - und jetzt nicht unbedingt speziell auf Amazon zugeschnitten.


    Ich lege jedem wärmstens das Buch Die Billig-Lüge von Franz Kotteder ans Herz.

    "Sorry, ich sags wie es ist. wer cdu wählt, handelt gesellschaftlich verantwortungslos. cdu-wähler*innen stehen für mich auf einer stufe mit masken- und impfverweigerern. und nein: unwissenheit lass ich nicht gelten. sich zu informieren gehört zur gesellschaftlichen verantwortung. Michael Seemann

  • Hallo,


    also ich muss jetzt mal für Amazon sprechen. Ich habe den genannten Link mal überflogen und muss sagen, dass ich aus persönlicher Erfahrung sagen kann, dass gewisse Tatsachen gegeben sind, aber die Schlüsse daraus einfach negative "Propaganda" sind. Ja, Amazon stellt jedes Jahr zum Weihnachtsgeschäft viele Leute befristet ein und nutzt dabei alle vom Staat gegeben Möglichkeiten aus. "Praktikum ohne Lohn" heißt nur, dass die Arge diese Zeit bezahlt - befristete Arbeitsverträge werden AG-freundlich genutzt, so wie es der gesetzliche Rahmen ermöglicht. Ein Freund von mir hat das "Durchgehalten" und sich sehr über den unbefristeten nach 2 Jahren gefreut, nach 3 Jahren Arbeitslosigkeit davor und er ist auch nach insgesamt 4 Jahren sehr zufrieden (im unteren Lohnsegment).
    Von fehlenden Spinten hat er nie gesprochen und dass man bei einem Händler, der alle möglichen Produkte am Lager hat, keine persönlichen Gegenstände mit an den Arbeitsplatz nehmen darf, empfinde ich als normal - anders war es bei meiner Studentenaushilfstätigkeit an der Kasse auch nicht. Klar, hier müssen viele Personen für die "kriminellen Energien" weniger "leiden", aber so ist das nun mal im Leben.


    Mal ganz drastisch, wenn ich die mir bekannten Arbeitsbedingungen von Amazon mit meinen eigenen Vergleiche, weiß ich wo ich lieber arbeiten würde... :zwinker:


    Viele Grüße
    schokotimmi

    Weltreise: 43/223 - 19,3%

  • Jedes meiner Praktika war ohne Bezahlung, im Krankenhaus, im Frauenhaus, und in Wohn- und Arbeitseinrichtungen für behinderte Menschen. Und das sind nicht nur Sozialeinrichtungen, die kein Geld haben, das sind sehr wohl auch sehr gut wirtschaftende, große Einrichtungen.
    Sobald sich jemand von uns Psychologiestudenten für ein Praktikum bewirbt, heißt das für beide Seiten, dass es nicht entlohnt wird. Eine Freundin von mir hat ein halbes Jahr bei einer Firma für Webdesign für gratis gearbeitet, weil ihr Studium ein Pflichtpraktikum vorsieht und vielen anderen Studenten geht es genauso.
    Das soll diese Masche nicht gutheißen, aber es ist bei Weitem nicht nur Amazon, die das so handhaben! Und zumindest in Österreich weiß ich, dass das Gesetz auch nicht unbedingt dazu beiträgt, dass dies geändert wird.

    “Grown-ups don't look like grown-ups on the inside either. Outside, they're big and thoughtless and they always know what they're doing. Inside, they look just like they always have. Like they did when they were your age. Truth is, there aren't any grown-ups. Not one, in the whole wide world.” N.G.

  • Es ist heut zu Tage sogar eher außergewöhnlich wenn ein Praktikum bezahlt wird.


    Was amazon angeht bin ich da schon zwiespältig eingestellt. Die Frage ist natürlich schon auch wie der Bericht über die Arbeitsbedienungen zu Stande kam.

  • Ich versuche auch darauf zu achten was hinter den Unternehmen steckt, bei denen ich viel kaufe. Aber je mehr man sich damit beschäftigt, desto deutlicher wird einem, dass alle Dreck am Stecken haben. Es sind eben kapitalistische Unternehmen, denen es in erster Linie ums Geld verdienen geht. Und Amazon ist für mich da sogar noch einer der Händler, wo ich persönlich eigentlich immer ein eher gutes Gefühl hatte. Alleine schon durch den Kundenservice - um den bieten zu können, müssen sie auch dementsprechend Personal einstellen. Und da sie immer noch mehr Logistikzentren bauen und damit Arbeitsplätze schaffen, ist das ja erst einmal positiv.


    Diese schlechten Bedingungen für die Mitarbeiter und die Praktikanten-Geschichten gibt es einfach überall und ist ein generelles Problem heutzutage.

    ~ The world is quiet here ~


  • Was die Meckerei wegen befristeten Verträgen angeht, da ist nicht das Unternehmen schuld, sondern der Gesetzgeber, weil er nichts dagegen tut. Dabei will er doch die Arbeitslosenzahlen senken.


    Sehe ich auch so. In Österreich zumindest will das AMS (Arbeitsmarktservice) durch diese "Maßnahmen" die Zahlen verschönern. Denn wenn die Leute in Schulungen und Praktika sind kommen sie in der Statistik nicht mehr vor.


    Ich kaufe auch viel bei amazon und werde das auch weiterhin tun. Solange andere Buchhandlungen über eine Woche brauchen um ein Buch zu liefern ist amazon weiterhin mein Favorit.


    Katrin

  • Sehe ich auch so. In Österreich zumindest will das AMS (Arbeitsmarktservice) durch diese "Maßnahmen" die Zahlen verschönern. Denn wenn die Leute in Schulungen und Praktika sind kommen sie in der Statistik nicht mehr vor.


    Ich kaufe auch viel bei amazon und werde das auch weiterhin tun. Solange andere Buchhandlungen über eine Woche brauchen um ein Buch zu liefern ist amazon weiterhin mein Favorit.


    Katrin


    Ganz meine Meinung :winken:

    Du bereust nie die Dinge, die Du getan hast. Nur die, die Du nicht getan hast !  :gruebel:

  • Das ist ja heftig, ich dachte ich arbeite schon unter unwürdigen Bedingungen, weil die AWO eine Service GmbH eröffnet hat um Kohle zu sparen.
    Aber das ist ja der Hammer, hätt ich nicht gedacht und hatte ich bis jetzt auch noch nichts von gehört.

    Wenn du mich nochmal dutzt, hau ich dir 'ne Delle in die Gewürzgurke!  :)   (Carlo Pedersoli)