Umberto Eco - Der Friedhof in Prag

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 37 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von tina.

  • Tja... ich stecke im Moment auch bzw. passt meine Stimmung im Moment einfach nicht zu dem Buch, so wie es jetzt nach den ersten paar Kapiteln auf mich wirkt. Dafür bin ich im Moment ein bisschen zu wenig sinister/verschwörungstheoretisch drauf, aber hab auch irgendwie zu wenig innere Ruhe um mich auf Ecos obligatorische Geschichtsexkurse (daraus bestehen ja ähm.. 70% seiner Bücher) einzulassen, wodurch ich in dieser Woche eine richtige Eco-Leseflaute hatte und hoffnungslos im Rückstand bin. :redface:


    Ich würde ja sagen, dass ich aufhole, aber das wirft jetzt ein bisschen meine Zeitplanung durcheinander, weil jetzt im Jänner noch Uni-Prüfungen kommen usw. Also mal sehen, die Eco-Leserunde liegt derzeit für mich leider auf Eis, ich hoffe ihr seid nicht böse... :sauer: Vielleicht packt mich noch in nächster Zeit die Lesewut und ich schaffs aufzuholen, aber im Moment schaut es eher schlecht aus. *seufz*

    ... this is nat language at any sinse of the world.<br />:lesen: Gustave Flaubert: Madame Bovary&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; :buecherstapel: [url=https://literaturschock.de/literaturforum/forum/index.php?thread/16631

  • Ich habe jetzt 17. Kapitel beendet auf Seite 305.


    Ich muss mich wirklich immer wieder durchringen, das Buch in die Hand zu nehmen und weiterzulesen, aber wenn ich dann wieder am lesen bin, fällt es mir schwer es aus der Hand zu legen. Es ist ein absoluter Zwiespalt der Gefühle. Einerseits bin ich so abgestoßen von dem Protagonisten, dass ich ihn am liebsten weit von mir hätte und somit auch das Buch, aber dann wiederum muss ich mir eingestehen, dass dieser Protagonist niemals auch nur ansatzweise sympathisch sein dürfte, denn er symbolisiert ein verabscheuenswürdiges, rassistisches Element. Solche gab es schon immer und es wird sie leider auch immer in den verschiedenen Gesellschaften unserer heutigen Zeit geben.
    Ebenso zeigt Eco hier sehr deutlich, dass Propaganda zu ganz großen Teilen immer aus Fälschungen und Lügen bestehen, die dreist der Öffentlichkeit präsentiert werden und auf die sich die Dummen stürzen.
    Ich merke nur, dass ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen muss, dass Simonini nicht die Meinung Ecos widerspiegelt, sondern im Gegenteil, genau die, welche der Autor selbst abgrundtief verachtet. Wenn man sich dies alles in diesem Kontext sieht, so ist das Buch wirklich fesselnd und genau aus diesem Grund werde ich es auch zu Ende lesen, aber ist nun mal keine einfach Kost und es ist bestimmt nicht verkehrt, wenn man noch eine etwas heitere Prallellektüre zur Hand hat.


    Viele Grüße Tina

  • Hallo Ihr Lieben,


    lasst euch nur Zeit. Dieses Buch kann man gar nicht in Hektik lesen, dafür enthält es eine viel zu große Fülle an Informationen! Also schreibt einfach, wenn ihr so weit seid! :winken: Und ich kann auch verstehen, wenn man das Buch erstmal gar nicht mehr lesen möchte! :rollen: :zwinker: ABER, ich kann sagen, dass ich mittlerweile so weit bin, wo mich die Geschichte doch gepackt hat und neugierig macht und ich doch weiterlesen möchte!



    Ich muss mich wirklich immer wieder durchringen, das Buch in die Hand zu nehmen und weiterzulesen, aber wenn ich dann wieder am lesen bin, fällt es mir schwer es aus der Hand zu legen. Es ist ein absoluter Zwiespalt der Gefühle. Einerseits bin ich so abgestoßen von dem Protagonisten, dass ich ihn am liebsten weit von mir hätte und somit auch das Buch, aber dann wiederum muss ich mir eingestehen, dass dieser Protagonist niemals auch nur ansatzweise sympathisch sein dürfte, denn er symbolisiert ein verabscheuenswürdiges, rassistisches Element. Solche gab es schon immer und es wird sie leider auch immer in den verschiedenen Gesellschaften unserer heutigen Zeit geben.


    Ich kann das sehr gut nachvollziehen, da es mir genauso geht. Ich finde Simonini total abstoßend und möchte gar nicht mehr über ihn lesen. Einerseits. Andererseits muss ich dann doch weiterlesen, sobald ich das Buch in der Hand habe.


    Ich habe jetzt bis einschließlich Kapitel 13 gelesen und bin entsetzt, wie sich Simonini in seine frei erfundene Geschichte über das geheime Treffen der Juden auf dem Friedhof in Prag hinein steigert und am Ende davon überzeugt ist, dass dieses Treffen wirklich stattgefunden hat! :entsetzt:


    Je weiter das Buch fortschreitet, desto klarer wird, dass Simonini nicht ganz bei Trost ist und für mich jetzt dann doch schön langsam die Kontrolle darüber verliert zu unterscheiden, was Realität und was nur sein eigener irrer Rassenhass ist! :entsetzt:



    Ebenso zeigt Eco hier sehr deutlich, dass Propaganda zu ganz großen Teilen immer aus Fälschungen und Lügen bestehen, die dreist der Öffentlichkeit präsentiert werden und auf die sich die Dummen stürzen.


    Ja, wie du treffend schon erwähnt hast: Zu Zeiten des 3. Reiches wurde das bis zur Perfektion betrieben und auch heute muss man sich davor in acht nehmen einfach nur danach zu urteilen, was man über die Medien erfährt.



    Ich merke nur, dass ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen muss, dass Simonini nicht die Meinung Ecos widerspiegelt, sondern im Gegenteil, genau die, welche der Autor selbst abgrundtief verachtet. Wenn man sich dies alles in diesem Kontext sieht, so ist das Buch wirklich fesselnd und genau aus diesem Grund werde ich es auch zu Ende lesen, aber ist nun mal keine einfach Kost und es ist bestimmt nicht verkehrt, wenn man noch eine etwas heitere Prallellektüre zur Hand hat.


    So geht es mir auch. Mir ist auch klar, dass Eco genau das beschreibt, was er selber verabscheut und es deswegen beschreibt, damit man sich als Leser Gedanken darüber macht. Daher lese ich auch weiter, da ich mittlerweile auch sehr neugierig darauf bin, wo das alles hinführt. Aber parallel dazu habe ich auch schon einige andere Bücher hier, weil ich nur dieses Buch alleine nicht packe!


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

    &WCF_AMPERSAND"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönheit zu erkennen, wird nie alt werden.&WCF_AMPERSAND" (Franz Kafka)

  • Ich habe gerade das 19.Kapitel Osman-Bey beendet,


    und bin völlig sprachlos, dass hier anscheinend schon von einer "Endlösung", welche die Vernichtung aller Juden beinhaltet, gesprochen wird.
    Man kann aber auch in jedem Gespräch dieser Antisemiten ganz klar erkennen, was die eigentlichen Bewegründe für ihren Judenhass sind, sowie sie es ebenso ein Jahrhundert später waren: Neid. Neid auf erfolgreiche Geschäftsleute, die dann auch zu einem gewissen Einfluss gelangten. Warum? Weil sie schlau waren und ihren Verstand einsetzten und die dummen, ignoranten Bürger, waren voller Eifersucht und Hass auf diese Menschen, weil sie ihnen vor Augen hielten, was man mit Verstand erreichen konnte. Niemals aber kamen diese Antisemiten auf den Trichter, dass ihr Mangel an Macht nicht schuld der Juden ist, sondern in direktem Zusammenhang mit ihrem eigenen Mangel an Intelligenz, also brauchte man einen Sündenbock und Voilá, die gesamte Dummheit schoss sich darauf ein. Zum Kotzen. Wenn ich so was lese, dann kocht in mir die Wut, zumal dies ja keine erfundenen Geschichte ist, sondern leider wirklich so war.

  • Ich habe das 8. Kapitel beendet. Ich denke, jetzt hat das Buch mich gepackt.


    Klar, Simonini ist keine angenehme Person. Aber inzwischen habe ich dazu eine gewisse Distanz aufgebaut und fand seine Vorbereitung des Anschlags auf das Schiff Ercole recht spannend. Und dann hat er´s wieder mal falsch gemacht... :breitgrins:
    Wikipedia belehrt mich, daß dieses Schiff tatsächlich gesunken ist und Nievo dabei ums Leben kam. Ich habe ja wenig Ahnung von italienischer Geschichte. Für mich wird in diesen Kapiteln rund um Garibaldis Aktionen eines ganz deutlich: Geschichte ist nicht das, was wirklich passiert, sondern das, was daraus gemacht wird. Anders gesagt: wir wissen oftmals nicht, ob wir die Wahrheit über die Ereignisse wissen, oder ob wir nur das zu erfahren bekommen, was bestimmte (mächtige) Leute der Allgemeinheit über die historischen Ereignisse mitteilen/suggerieren, in welchem Licht sie die Ereignisse erscheinen lassen. Das arbeitet Eco meiner Meinung nach hier die ganze Zeit mit Hilfe seiner fiktiven Figur Simonini heraus und eigentlich ist das ja auch aus der deutschen Geschichte hinlänglich bekannt.


    Merkwürdig und witzig finde ich, daß immer wieder Kochrezepte vorkommen. Da wird Krieg geführt, intrigiert, konspiriert und spioniert, und nebenbei tauschen die Herrschaften Kochrezepte aus. :breitgrins:

    Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (R. Luxemburg)

    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.

  • Hallo Ihr Lieben,


    ich habe jetzt bis einschließlich Kapitel 16 gelesen.


    Das ist ja mal spannend, dass Simonini den Dalla Piccola umgebracht hat! :entsetzt: Gruselig! Bekommt er dann etwa einige Jahre später noch ein schlechtes Gewissen und spaltet sich deswegen als eine Persönlichkeit in diesen Abbé? :entsetzt:


    Den Briefwechsel zwischen Simonini und Dalla Piccola finde ich ja sehr lustig.


    Sehr entsetzt war ich darüber zu lesen, wie Luther über die Juden gedacht hat und dass auf Seite 259 doch wirklich der Satz steht: "Arbeit macht frei!" Kommt der Satz tatsächlich von Luther? Ich muss mich jetzt dann doch mal recherchieren gehen! Das war mir alles so noch nicht bekannt und zeigt viele Dinge ja in einem ganz anderen Licht.


    Ja, schön langsam hat das Buch mich doch auch in seinen Bann gezogen!



    Merkwürdig und witzig finde ich, daß immer wieder Kochrezepte vorkommen. Da wird Krieg geführt, intrigiert, konspiriert und spioniert, und nebenbei tauschen die Herrschaften Kochrezepte aus. :breitgrins:


    Das mit den Kochrezepten finde ich auch immer etwas komisch. Da bringt er jemanden um und unterhält sich im nächsten darüber, wie man was am Besten zubereitet. Außerdem ist es schon fast komisch, dass er Leuten alleine deswegen Sympathie entgegenbringt, weil sie auch gerne essen! :rollen: :breitgrins:



    Wikipedia belehrt mich, daß dieses Schiff tatsächlich gesunken ist und Nievo dabei ums Leben kam. Ich habe ja wenig Ahnung von italienischer Geschichte. Für mich wird in diesen Kapiteln rund um Garibaldis Aktionen eines ganz deutlich: Geschichte ist nicht das, was wirklich passiert, sondern das, was daraus gemacht wird. Anders gesagt: wir wissen oftmals nicht, ob wir die Wahrheit über die Ereignisse wissen, oder ob wir nur das zu erfahren bekommen, was bestimmte (mächtige) Leute der Allgemeinheit über die historischen Ereignisse mitteilen/suggerieren, in welchem Licht sie die Ereignisse erscheinen lassen. Das arbeitet Eco meiner Meinung nach hier die ganze Zeit mit Hilfe seiner fiktiven Figur Simonini heraus und eigentlich ist das ja auch aus der deutschen Geschichte hinlänglich bekannt.


    Da hast du allerdings Recht. Eco macht das ziemlich geschickt, dass er tatsächliche historische Begebenheiten nimmt und sie nur gerade so weit umdichtet, dass es aber genauso auch hätte sein können. Es stimmt, dass wir nur das präsentiert bekommen, was gewisse Mächte denken, das präsentiert werden sollte! Eigentlich erschreckend, wenn man länger darüber nachdenkt...


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

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  • Hallo,


    ich habe heute das Buch beendet und ich muss erst noch etwas Zeit verstreichen lassen um mir ein wirklich abschließendes Urteil zu bilden.
    Auch der Rest des Buches war sehr interessant, vor allem die Dreyfus-Affäre. Besonders fürchterlich, da es keine Fiktion ist, sondern wahre Begebenheiten, ebenso wie antisemitischen Tendenzen und die damit verbundenen Pamphlete, welche überall und in aller Öffentlichkeit auftauchten. Wie abartig. Besonders gefiel mir, dass Zola, Proust, Monet und viele andere sich so sehr für Dreyfus einsetzten.
    Simonini hat nun wirklich den Friedhof in Prag bis zum letzten ausgeschlachtet und ebenso bis zum letzten nichts geändert an seinem Charakter als skrupelloses Arschloch.


    Die Worte Arbeit macht frei haben mich auch geschockt, denn die habe ich bisher nur mit Auschwitz in Verbindung gebracht. Dass Luther ein Antisemit war, das wusste ich jedoch schon, aber niemals habe ich seine Worte dies bezüglich in dieser Deutlichkeit gehört, ebenso wie von Wagner. Einfach widerlich diese beiden und das sind leider einige von vielen. Viel zu vielen.
    Nun hat sich letztendlich doch bestätigt, dass Simonini und Dalla Piccola ein und dieselbe Person sind. Allerding glaube ich nicht, dass diese Bewusstseinsspaltung etwas mit Reue oder gar Scham zu tun, denn nach wie vor ist Simonini ja stolz darauf, das „Werk“ seines Großvaters zu einem Ende zu bringen.
    In Anbetracht des Klappentextes fand ich es übrigens sehr merkwürdig, dass dieser geplante Anschlag auf die Pariser Metro erst im letzten Kapitel zur Sprache kommt. DA kommt mir wiederum der Verdacht, dass man versucht hat mit einem reisenden Plot mehr Leser zu ködern, denn ich habe mir unter dem Klappentext definitiv ein völlig anderes Buch vorgestellt. Nichts desto trotz war es ein sehr interessantes Buch. Ich muss allerdings gestehen, dass ich auch ein wenig erleichtert bin, dass dieses Buch nun beendet ist, denn ich war an der Grenze, was die Ertragbarkeit des Protagonisten angeht.
    Ich bin sehr gespannt, wie Eure weiteren Gedanken zu diesem Buch sind.


    Viele Grüße Tina


  • ich habe jetzt bis einschließlich Kapitel 16 gelesen.


    Soweit bin ich jetzt auch - ich bin dir langsam, aber sicher auf den Fersen! :breitgrins:


    Nun geht es ja langsam etwas voran im Buch und Eco kommt seinem Thema (zu erklären, wie es zu der Legende von der "jüdischen Weltverschwörung" kam) ein Stück näher. (Ich möchte aber gerne noch näher dran!)
    Schon kurios, daß Leute sich da etwas ausdenken oder irgendwo aus einem Roman abschreiben und später selber dran glauben daß das wahr ist. :rollen: :breitgrins: Aber dieses Verhalten findet man ja auch heute noch.


    Ich muß allerdings zugeben, daß ich das Buch ziemlich zäh zu lesen finde. Es wiederholt sich mehrmals das Schema: Simonini bekommt einen Auftrag, trifft sich mit jemandem, hört sich dessen krude Ansichten an und äußert selbst ein paar Gedanken. Dann bekommt er den nächsten Auftrag, trifft sich mit dem nächsten, hört dessen krude Ansichten usw. usf.
    Das und der Aufzählungscharakter, den das Erzählte immer wieder annimmt, machen es mir wirklich schwer, das Beschriebene auch aufzunehmen und zu behalten. Mir fehlt da eindeutig etwas Struktur. Außerdem kann ich mir die Namen all dieser Leute kaum merken.



    Das ist ja mal spannend, dass Simonini den Dalla Piccola umgebracht hat! :entsetzt: Gruselig! Bekommt er dann etwa einige Jahre später noch ein schlechtes Gewissen und spaltet sich deswegen als eine Persönlichkeit in diesen Abbé? :entsetzt:


    Ja, das war mal eine Abwechslung, wie er den Della Piccola umgebracht und in die Kanalisation entsorgt hat. :zwinker: :breitgrins:
    Ich glaube auch, daß er den Abbé später sozusagen als zweite Persönlichkeit angenommen hat. Aber daß ein schlechtes Gewissen der Grund dafür ist, kann ich mir bei Simonini nicht vorstellen.



    Sehr entsetzt war ich darüber zu lesen, wie Luther über die Juden gedacht hat und dass auf Seite 259 doch wirklich der Satz steht: "Arbeit macht frei!" Kommt der Satz tatsächlich von Luther? Ich muss mich jetzt dann doch mal recherchieren gehen! Das war mir alles so noch nicht bekannt und zeigt viele Dinge ja in einem ganz anderen Licht.


    Ja, Luther hat in puncto Judenfeindlichkeit leider keine rühmliche Rolle gespielt.:sauer: Das war mir bekannt.
    Folgerichtig muß Eco ihn in diesem Buch deswegen auch erwähnen.
    Der Satz Arbeit macht frei ist jedoch nicht von Luther, soweit ich weiß. Der entstand erst später und ist an sich ja eigentlich harmlos, wenn ihn denn nicht die Nazis später mißbraucht hätten. Heute assoziiert man damit sofort die KZs.

    Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (R. Luxemburg)

    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.

  • Soweit bin ich jetzt auch - ich bin dir langsam, aber sicher auf den Fersen! :breitgrins:


    :five: Da ich im Moment kaum zum Weiterlesen komme, wirst du mich wohl bald überholen! :redface:



    Ich muß allerdings zugeben, daß ich das Buch ziemlich zäh zu lesen finde. Es wiederholt sich mehrmals das Schema: Simonini bekommt einen Auftrag, trifft sich mit jemandem, hört sich dessen krude Ansichten an und äußert selbst ein paar Gedanken. Dann bekommt er den nächsten Auftrag, trifft sich mit dem nächsten, hört dessen krude Ansichten usw. usf.
    Das und der Aufzählungscharakter, den das Erzählte immer wieder annimmt, machen es mir wirklich schwer, das Beschriebene auch aufzunehmen und zu behalten. Mir fehlt da eindeutig etwas Struktur. Außerdem kann ich mir die Namen all dieser Leute kaum merken.


    Da geht es mir genauso! Ich finde es auch total spannend, dass wir uns jetzt schön langsam der großen Verschwörung nähern, aber diese Aufzählung von Begebenheiten und oft einfach herunter schreiben von historischen Daten, machen mir das Lesen auch ganz schön schwer! Da kann ich mir oft die Geschichten von Simonini oder seine Ansichten besser merken, als die gesamten historischen Fakten!



    Schon kurios, daß Leute sich da etwas ausdenken oder irgendwo aus einem Roman abschreiben und später selber dran glauben daß das wahr ist. :rollen: :breitgrins: Aber dieses Verhalten findet man ja auch heute noch.


    Ja, wirklich wahr, aber heillos bekloppt ist das schon! Vor allem wie Simonini sich dann auch in seine Wut hinein steigert, weil er der festen Überzeugung ist, dass es den Friedhof wirklich gibt... :vogelzeigen:


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

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  • Ich habe bis Kapitel 22 weitergelesen und bin zunehmend gelangweilt. Das Buch ist ein einziges Aneinanderreihen von Fakten, Legenden, Anekdoten und ich sehe den Zusammenhang nicht. All diese Intrigen, Komplotte usw. kann ich kaum erfassen. Lese ich hier etwa schon den Buchflop des Jahres? :sauer:


    Die Pariser Kommune (Kap. 17) dient Simonini mal wieder nur dazu, sich als Verräter zu beweisen. Was anderes erwartet man schon gar nicht mehr von ihm.


    Im Kap. 18 taucht nun wieder dieser Bergamaschi auf und es stellt sich heraus, daß die Jesuiten besser als jeder Geheimdienst sind, denn Bergamaschi wußte alles über Simonini. :breitgrins: Ich frage mich nur, wie lange er in Simoninis Nähe wird überleben können? Die Protokolle, die Simonini hier anfertigt, sind offenbar die Grundlagen für die Protokolle der Weisen von Zion. Bestimmt darf das wieder niemand wissen und Bergamaschi weiß irgendwann zuviel.


    Kap. 19. Hier wird wieder mal eine neue Person eingeführt: Osman Bey, und ich weiß nicht was von ihm zu halten ist. Von Endlösung ist hier schon die Rede. Der Neid und Haß, der dem Leser hier entgegenschlägt, ist schon gewaltig. :entsetzt:


    Kap. 20 war etwas auflockernd, wenn auch mysteriös: wen hat der Abbé (bzw. Simonini in der Rolle des Abbé) da in dem Korridor zwischen den beiden Wohnungen erschossen, und warum war derjenige dann tot auf der Straße liegend abgebildet? Warum liegen auf einmal vier Leichen in der Kanalisation? Wer sind die beiden anderen? Ob es sich bei der Frau wohl um diese Diana handelt, die früher erwähnt wurde?


    Kap. 21 (Leo Taxil) war für mich die Grenze des Erträglichen. Um die Juden geht es nun gar nicht mehr, dafür um die Freimaurer, lauter zusammengewürfelte Fakten, und ich habe mehr als einmal den Faden verloren. Das Interessanteste daran waren die Rituale. Außerdem habe ich mich gefragt, ob es wirklich weibliche Freimaurerlogen gab/gibt? Habe ich noch nie gehört.
    Und auch diesen Taxil gab es wirklich, unglaublich was für Figuren in der Geschichte ihr Unwesen trieben.


    Im Kap. 22 erfahren wir nun mehr über Diana, aber ansonsten geht es gerade so wie bisher weiter.


    Ich bin ja gespannt, ob Eco auf den letzten reichlich hundert Seiten die Kurve noch kriegt. Ich bin fest entschlossen, diese letzten Seiten heute noch zu lesen. Ich will es hinter mich bringen. Das Buch hat mich schon zuviel meiner Lesezeit gekostet.

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  • Hallo Ihr Lieben,


    ich bin mittlerweile bis einschließlich Kapitel 21 gekommen - habe ich nicht gesagt, dass du mich noch überholen wirst, kaluma :zwinker: und kann diesem Kommentar nur zustimmen:



    Ich habe bis Kapitel 22 weitergelesen und bin zunehmend gelangweilt. Das Buch ist ein einziges Aneinanderreihen von Fakten, Legenden, Anekdoten und ich sehe den Zusammenhang nicht. All diese Intrigen, Komplotte usw. kann ich kaum erfassen. Lese ich hier etwa schon den Buchflop des Jahres? :sauer:


    Ich bin im Moment schon versucht nur noch quer zu lesen, da ich diese Aneinanderreihung von Fakten, Daten, irgendwelchen Kämpfen so langweilig finde, dass ich mich echt zwingen muss, das alles zu lesen! :rollen: :schnarch: Bin im Moment auch sehr enttäuscht von dem Buch!



    Die Pariser Kommune (Kap. 17) dient Simonini mal wieder nur dazu, sich als Verräter zu beweisen. Was anderes erwartet man schon gar nicht mehr von ihm.


    Das war echt klar, dass Simonini v. a. wieder daran interessiert ist, seine eigene Haut zu retten. Ganz ehrlich, weiß ich nicht, inwiefern dieses Kapitel die Geschichte weitergebracht hat, außer um wieder zu verdeutlichen was für ein unmöglicher Mensch Simonini ist.


    Als Pater Bergamaschi in Kapitel 18 auftaucht, habe ich mich schon auf den nächsten Mord vorbereitet, aber anscheinend arbeitet Simonini erstmal mit ihm zusammen. Aber ich vermute auch, dass der Pater die Zusammenarbeit langfristig nicht überleben wird...
    Das Schlimme ist, dass durch dieses Aneinanderreihen von Informationen ich mir gar nicht merken kann, welche Person wann in welchem Zusammenhang schon mal aufgetaucht ist. Auch bei dem Pater war ich zuerst total verwirrt und musste erst zurück blättern, um wieder halbwegs zu wissen, wer das nochmal war. Sehr anstrengend! :sauer:



    Kap. 19. Hier wird wieder mal eine neue Person eingeführt: Osman Bey, und ich weiß nicht was von ihm zu halten ist. Von Endlösung ist hier schon die Rede. Der Neid und Haß, der dem Leser hier entgegenschlägt, ist schon gewaltig. :entsetzt:


    Die Erwähnung der Endlösung hat mir auch erstmal die Haare zu Berge stehen lassen. Wie tina auch schon geschrieben hat, merkt man ganz deutlich den Neid und Hass, der hier schön genährt wird und nur eine Gruppe gesucht wird, der man die Schuld an allem Übel geben kann. Furchtbar! Das Schlimme ist wirklich, dass das ja alles wirklich so passiert ist, aber irgendwie mag ich es schon gar nicht mehr lesen!


    Ich spekuliere übrigens, dass der Abbe alias Simonini in Kapitel 20 Osman Bey erschießt. Die Beschreibung der Person passt irgendwie dazu, oder? :gruebel: Nur wer die anderen beiden Leichen sind, ist mir noch ein Rätsel, aber das wird sich wohl bis zum Ende noch aufklären!


    Nach Kapitel 21 musste ich jetzt erstmal eine Pause machen, weil mich das so verwirrt hat und ich irgendwann nur noch kopfschüttelnd weiter gelesen habe: Irre Rituale, die die Freimaurer angeblich durchführen sollen, irgendwie muss das Ganze noch mit den Juden verbunden werden und für mich hört sich das alles nur nach einer zu irren Fanasie an und ich verstehe nicht, wieso Leute das überhaupt ernst nehmen! :rollen:



    Ich bin ja gespannt, ob Eco auf den letzten reichlich hundert Seiten die Kurve noch kriegt. Ich bin fest entschlossen, diese letzten Seiten heute noch zu lesen. Ich will es hinter mich bringen. Das Buch hat mich schon zuviel meiner Lesezeit gekostet.


    Da kann ich richtig gut nachfühlen. Möchte das Buch auch endlich beenden, weiß nur nicht, ob ich das heute wirklich schaffe! Es ist einfach so zäh! :sauer:


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

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  • Ich habe das Buch am Sonntag noch zuendegelesen. Im Wesentlichen ergab sich nicht mehr viel Neues. Zwar erfährt der Leser nun endlich das, worauf er die ganze Zeit gewartet hat, nämlich wie die Protokolle der Weisen von Zion geschrieben und "an den Mann gebracht" werden. Verglichen mit der Länge des Buches wurde das allerdings unangemessen kurz und beiläufig abgehandelt.


    Genauso habe ich mich gewundert, daß die Dreyfus-Affäre viel zu kurz abgehandelt wurde, wenn man die Bedeutung bedenkt, die sie für Frankreich hatte und angesichts der Akribie, mit der Eco all die anderen politischen Gegebenheiten beschreibt und wie er z.B. die Kapitel über die Freimaurer mit Details vollgestopft hat... Als wäre Eco auf den letzten 50-100 Seiten die Luft ausgegangen.


    Für Simonini wird der Boden unter den Füßen nun zunehmend heiß und er bekommt (verdientermaßen) schließlich seine Strafe und sein passendes Ende.



    In Anbetracht des Klappentextes fand ich es übrigens sehr merkwürdig, dass dieser geplante Anschlag auf die Pariser Metro erst im letzten Kapitel zur Sprache kommt. DA kommt mir wiederum der Verdacht, dass man versucht hat mit einem reisenden Plot mehr Leser zu ködern, denn ich habe mir unter dem Klappentext definitiv ein völlig anderes Buch vorgestellt.


    Ich habe den Klappentext jetzt gerade erst gelesen. Er paßt definitiv nicht zu diesem Buch.


    Ich hatte mir von dem Buch auch etwas anderes erwartet. Mir war nicht ganz klar, daß es hier nur um die Vorgeschichte der Protokolle der Weisen von Zion geht und gar nicht mehr darum, wie sie sich verbreiten werden und trotz erwiesener Unechtheit nicht totzukriegen sind... was natürlich auch auf die vorangegangenen Publikationen zutrifft.


    Vielleicht könnte man dem Buch beim zweiten Lesen noch mehr entnehmen, und wenn man sich die Zeit nimmt, über alle realen Personen und Zusammenhänge mal ganz genau nachzulesen. Es steckt eine Menge Interessantes drin. Trotzdem werde ich es kein zweites Mal lesen und finde auch nicht, daß es ein gutes Buch ist. Es hat zu sehr den Charakter einer reinen Aufzählung von Fakten, Legenden, Verschwörungstheorien, ohne daß ein innerer Zusammenhang, ein roter Faden entsteht. Ich hoffe ich kann mich verständlich machen. Mein Kommentar im Buchthread folgt demnächst.

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  • Ich habe das Buch am Sonntag noch zuendegelesen.


    Respekt! :anbet: Ich hänge immer noch an dem Buch... Aber ich hoffe, ich schaffe es das Buch am Wochenende zu beenden! :ohnmacht:


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

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  • Hallo Ihr Lieben,


    man glaubt es nicht: ICH HABE ES GESCHAFFT! :ohnmacht:


    Ich tue mich wirklich schwer, hier meine abschließenden Worte zu verfassen und muss mir noch gut überlegen, wie meine Rezi aussehen wird. Interessant fand ich im Nachgang, dass mir klar geworden ist, dass das gesamte Buch die Entstehung der Protokolle von Zion behandelt. Irgendwie wäre dieser Punkt für mich auch besser gewesen, wenn der im Klappentext stehen würde.


    Nach Beendigung des Buches habe ich mich dann erstmal über die Protokolle und die Dreyfuss-Affäre informiert und bin zum einen überrascht, wie detailliert Eco die Informationen zusammengefahren hat, andererseits aber auch enttäuscht, dass er so viele Seiten dieses Buches mit irgendwelchen Schauermärchen über die Freimaurer gefüllt hat, anstatt gerade die Affäre um Dreyfuss interessanter auszubauen.


    Insgesamt bemängel ich auch, dass die Idee von Eco zwar gut ist, er sie aber sehr umständlich und anstrengend umgesetzt hat. Anstatt eine Aneinanderreihung von Fakten zu fabrizieren, hätte man den geschichtlichen Hintergrund doch interessanter und spannender gestalten können. Auch die Hauptfigur hat überhaupt gar nicht dazu beigetragen, dass mir das Buch besser gefallen hätte. Simonini bleibt bis zum Ende ein unaussprechliches A...loch und dass er am Ende wohl stirbt, hat mich persönlich nur erleichtert!


    Alles in allem interessanter Stoff, aber die Umsetzung ist einfach miserabel! Daher bin ich einfach nur froh, dass ich das Buch endlich beendet habe. :rollen:


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

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  • Hallo Ihr Lieben,


    man glaubt es nicht: ICH HABE ES GESCHAFFT! :ohnmacht:


    Glückwunsch Tammy! Schön daß du es auch noch beendet hast! :klatschen: :daumen:
    Manchmal muß man einfach dran bleiben, auch wenn es schwierig ist, und ein Buch zuende lesen (vor allem wenn man einen Kommentar dazu abgeben will. :zwinker: :breitgrins:)


    Ich habe meine abschließende Meinung inzwischen auch endlich mal formuliert und die fällt ähnlich wie deine aus, Tammy.

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  • Schön, dass ihr es auch beendet habt. Ich kann Eure Meinung schon verstehen, denn ich muss gestehen, auch wenn ich das Buch sehr gut fand, so war ich doch erleichtert, als ich es zu Ende gelesen hatte. Es ist schwer zu verstehen und noch schwerer zu erklären, aber es keine einfache Lektüre.


    Viele Grüße Tina


  • Manchmal muß man einfach dran bleiben, auch wenn es schwierig ist, und ein Buch zuende lesen (vor allem wenn man einen Kommentar dazu abgeben will. :zwinker: :breitgrins:)


    :breitgrins: Na, zum Glück hetzt uns Herr Eco nicht gleich einen Anwalt auf den Hals! :elch:



    Schön, dass ihr es auch beendet habt. Ich kann Eure Meinung schon verstehen, denn ich muss gestehen, auch wenn ich das Buch sehr gut fand, so war ich doch erleichtert, als ich es zu Ende gelesen hatte. Es ist schwer zu verstehen und noch schwerer zu erklären, aber es keine einfache Lektüre.


    Nein, einfache Lektüre auf keinen Fall und ich denke, dass dem schwierigen Thema eine andere Umsetzung - vielleicht mit einer positiveren Hauptperson, mit der man eher mitleidet, als man sie einfach nur unmöglich findet :rollen: - gut getan hätte. Aber das ist alles natürlich Geschmackssache!


    Bin auf jeden Fall sehr froh, dass wir das Buch gemeinsam in einer Leserunde gelesen haben! Alleine hätte ich es wohl eher nicht beendet! :bussi:


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

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  • Nein, einfache Lektüre auf keinen Fall und ich denke, dass dem schwierigen Thema eine andere Umsetzung - vielleicht mit einer positiveren Hauptperson, mit der man eher mitleidet, als man sie einfach nur unmöglich findet :rollen: - gut getan hätte. Aber das ist alles natürlich Geschmackssache!


    Ich weiß nicht. Ich habe das Gefühl, dass die Hauptperson genau so sein musste. Sie durfte keinerlei sympathische Eigenschaften haben, denn gerade durch Simonini und seine völlig emotionslose, egoistische Art, ist ansatzweise zu erklären, wie Rassisten geschaffen sind. Hätte er nur eine gute Eigenschaft, dann bekäme er Zweifel an seinem Handeln, aber Rassisten emfpinden kein Mitleid, sind egoistisch, engstirnig, arrogant und emotional unterentwickelt. Durch Simonini zeigt Ecco das Gesicht des Rassenhasses. So zumindest kam es mir vor.


    Viele Grüße Tina