José Saramago - Die Reise des Elefanten

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 15 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von SunshineSunny.

  • Kaufen* bei

    Amazon
    Bücher.de
    Buch24.de

    * Werbe/Affiliate-Links


    Inhalt
    Johann III. von Portugal will seinem Vetter, dem Großherzog von Wien, ein besonderes Geschenk machen. Da er sowieso noch einen indischen Elefanten übrig hat, wird kurzerhand dieser als passendes Präsent auserkoren. Zusammen mit seinem Mahut Subhro begibt sich der Elefant Salomon auf seine lange Reise nach Wien.


    Meine Meinung
    Saramagos Schreibstil muss man mögen. Ich mag ihn, deswegen habe ich auch ohne groß zu überlegen zu diesem Buch gegriffen. Gefunden habe ich ein gutes Buch, dass mich aber trotzdem nicht vollkommen für sich einnehmen konnte.


    Zunächst zum Schreibstil. Als schöne lektüre nebenher ist das Buch nicht geeignet, das habe ich aber auch nicht erwartet. Ellenlange Sätze, kaum Satzzeichen und das Vermischen von wörtlicher Rede und erzählenden Text verlangen eine gewisse Konzentration. Aber man wird für diese Konzentration belohnt, mit teilweise versteckten Pointen oder fiesen, kleinen Bemerkungen. Interessant ist auch, dass der Erzähler den Leser direkt anspricht, immer wieder kommentiert oder historische Gegebenheiten erklärt.


    Die Handlung war das, was mich eher gestört hat. Manchmal schleppte sie sich träge dahin, wie Salomon auf seinem Marsch über die Alpen. Klar, es gibt immer wieder überraschende, ironische oder kritische Momente, aber manchmal habe ich mich trotzdem etwas gelangweilt. Verwirrend fand ich außerdem die ganzen Beziehungen zwischen den verschiedenen Königshäusern, da wird schon einiges an Wissen vorausgesetzt (Wikipedia sei Dank lassen sich solche Probleme mittlerweile ja schnell lösen).


    Andererseits gab es einige Stellen, an denen ich mich köstlich amüsiert habe. Die entsetzliche Trauer Königin Katharinas über den Verlust des indischen Elefanten, den sie jahrelang nicht einmal angeschaut hat. Die Umbenennung des Elefanten und des Mahuts in Soliman und Fritz. Das (zugegeben selbstgemachte) Wunder des Kniefalls des Elefanten vor einer Kirche. Ja, Saramago bringt so einiges auf den Punkt, ohne je seine Absichten klar auszusprechen.


    Insgesamt ein gutes Buch, das bestimmt seine Liebhaber findet, welches mich aber nicht immer erreichen konnte.
    3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

    "Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne." (Jean Paul)

  • Das Buch subt bei mir schon länger. Schade, dass es dir nicht so zugesagt hat. Nun bin ich jedoch gespannt, wie es mir gefallen wird :winken:

    //Grösser ist doof//


  • Das Buch subt bei mir schon länger. Schade, dass es dir nicht so zugesagt hat. Nun bin ich jedoch gespannt, wie es mir gefallen wird :winken:


    Naja, richtig schlecht wars ja nicht. Ich würde mich auf jeden Fall über eine zweite Meinung freuen, ich denke, das Buch ist auch gut zum Diskutieren geeignet. Also wenn dus mal liest, bin ich gespannt auf deine Meinung. :winken:

    "Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne." (Jean Paul)

  • Dass Saramago sich zum Diskutieren eignet, überrascht mich nicht. Sobald ich es dann (irgendwann einmal :zwinker: ) gelesen habe, werde ich die Rezi posten :smile:

    //Grösser ist doof//

  • Hin und wieder lese ich Saramago sehr gern, ich muss aber in der richtigen Stimmung sein, um seinen Gedanken mit Vergnügen folgen zu können und seinen Stil zu genießen. Wenn ich an seinen Schreibstil denke, fällt mir immer der Begriff „mäandern“ ein, denn so wie ein Fluss sich durch eine Ebene schlängelt, so schlängelt sich Saramago durch seine Geschichte. Er folgt dabei nicht konsequent der eigentlichen Handlung, sondern verzettelt sich in den Gedanken der Handelnden und eigenen Beobachtungen.


    Auf Die Reise des Elefanten habe ich mich sehr gefreut, ich war also in der richtigen Saramago-Stimmung, allerdings habe ich mich in den ersten Kapiteln eher durch’s Buch geschleppt. Den sonstigen Witz und die Wortgewalt des Autors habe ich vergeblich gesucht, stattdessen musste ich mit einer schleppenden Handlung Vorlieb nehmen. Es muss ja wahrlich nicht viel passieren, damit ein Roman spannend ist, und das Tempo eines Dickhäuters ist ja grundsätzlich eher behäbig, aber leider bot mir Saramago diesmal keinen Ausgleich. Auch der Kunstgriff, sich als offenbar moderner Autor immer wieder in die historische Handlung einzumischen und diese zu kommentieren, hat das Ruder nicht herumreißen können.


    Erst die zweite Hälfte, die ich in einem Rutsch gelesen habe, hat mich wieder versöhnt, und ich kann noch nicht einmal sagen, wodurch. Vielleicht war ich anfangs doch nicht in Saramago-Stimmung?


    3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:


    Viele Grüße
    Breña

    "Natürlich kann man sein ohne zu lesen, ohne Bücher, aber ich nicht, ich nicht."  J. L. Borges


  • Erst die zweite Hälfte, die ich in einem Rutsch gelesen habe, hat mich wieder versöhnt, und ich kann noch nicht einmal sagen, wodurch. Vielleicht war ich anfangs doch nicht in Saramago-Stimmung?


    Mir hat auch die zweite Hälfte besser gefallen. Ich dachte, es liegt daran, dass ich mich erst in den Stil einlesen musste, aber vielleicht war der zweite Teil einfach spannender? Ich wüsste jetzt aber auch nicht zu sagen, warum.

    "Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne." (Jean Paul)

  • Erstaunlich, dass auch Dir die zweite Hälfte besser gefiel. Ich habe schon ausgiebig gegrübelt, ob es an den geschilderten Ereignissen liegt oder daran, dass ich diesen Teil in einem gelesen habe und somit "drin" war - oder ob der Roman tatsächlich 100 Seiten Anlauf benötigt.


    Ich bin gespannt auf weitere Eindrücke!

    "Natürlich kann man sein ohne zu lesen, ohne Bücher, aber ich nicht, ich nicht."  J. L. Borges

  • Gut, nun weiss ich, dass ich die erste Hälfte überstehen muss! :karate:

    //Grösser ist doof//

  • Diese übereinstimmende Einschätzung finde ich faszinierend und ich würde mich ja gerne als weitere Testkandidatin zur Verfügung stellen, aber ich sehe auf absehbare Zeit keine wirkliche Lücke für einen Saramago ...

  • Du weißt, wo Du ein Exemplar des Buches findest, sobald Du Lust und Zeit für den Selbstversuch hast. ;)

    "Natürlich kann man sein ohne zu lesen, ohne Bücher, aber ich nicht, ich nicht."  J. L. Borges

  • Ja, ich komme bei Gelegenheit darauf zurück, damit auch mal wieder ein Buch in die andere Richtung wandert :zwinker:

  • Inhalt:


    Was soll man als König von Portugal dem Grossherzog aus Wien bloss schenken? Es muss schon etwas Grosses sein, etwas, das Macht und Reichtum demonstriert. Da bestinnt sich die Königin von Portugal des Elefanten, der seit zwei Jahren ein trostloses Dasein in Portugal führt. Das perfekte Geschenk ist gefunden!


    So macht sich Salomon, so der Name des Elefanten auf, zusammen mit seinem Mahut Subhro auf eine Reise von Portugal nach Wien. Eine Reise, die im 16. Jahrhundert einiges beschwerlicher war als heutzutage.


    Meine Meinung:


    Wieso nur lag "Die Reise des Elefanten" von José Saramago so lange auf meinem SUB? Dieses Buch hat sich bereits nach den ersten Seiten zu einem meiner Lieblingsbücher des Autoren gemausert. Denn es ist einfach ein grandioses Werk!


    In manchen Büchern mag Saramagos Sprachstil anstrengend und mühsam wirken, doch die Geschichte des Elefanten Salomon erzählt der Autor so gekonnt, dass das Buch einfach so flutscht. Und das, ohne dass Saramago seinem speziellen Stil untreu wird. Es ist definitiv ein Saramago und definitiv einer der besten!


    Saramago erzählt uns die Geschichte, als würde er selber im Trupp um Salomon mitreisen, es sei er direkt dabei und dabei trotzdem im 21. Jahrhundert. Oft stellt er Vergleiche an, greift voraus (zum Beispiel bei den Verwandtschaftsgrad des Königs) oder aber er gibt zu, manche Dinge auch nicht zu wissen. Aber wer weiss schon, was ein Elefant denkt?


    Dabei erzählt der Autor die Geschichte mit so viel Liebe und Detailverliebheit, dass man meint, selbst im schweren Schneesturm zu stecken und selbst versucht, die Eisschicht von der Haut des Elefanten abzukratzen. Die Figuren sind alle stimmig, vor allem Subhro sticht heraus. Er ist ein sehr intelligenter und weiser Mann, versteckt das aber hinter seiner Bescheidenheit. Es sind vor allem Subhros Kommentare, die das Buch zu einem klugen und tiefsinnigen Werk werden lassen.


    Auch lernt man das Europa des 16. Jahrhunderts kennen. Man erfährt von den Kreuzzügen, von den Königshäusern, von den Gepflogenheiten damals. Man hört von Wundern, ist bei manchen selbst dabei, man hört von Abschieden und muss selbst einige Tränen zurückhalten, weil es einfach so berührend ist. Gleichzeitig finde ich, ist es einer der humoristischeren Bücher Saramagos. Der Autor schlägt oft einen leicht sarkastischen, aber niemals verletzenden Tonfall an und hat mich damit oft zum Lachen gebracht. Saramagos scharfen Augen entgeht einfach nichts!


    Saramago, Sie haben mich ein weiteres Mal begeistert!


    Schade nur, dass in diesem Buch keine Karte eingezeichnet ist. Denn dieses Road-Movie mit Elefant schreit doch förmlich danach, mit einer Karte ausgestattet zu werden. Ich jedenfalls hätte gerne Salomons Weg mitverfolgt. Da ist dem Verlag etwas entgangen!


    Fazit:


    Ein wunderbares Buch, ergreifend, bewegend und vor allem: mit Elefant!


    "Die Reise des Elefanten" kann man gut als Einsteiger lesen, wenn man sich mit Saramagos Schreibstil vertraut machen möchte. Hier kann man den Autoren gut kennen lernen und sehen, ob einem diese Art zu schreiben liegt.



    Kaufen* bei

    Amazon
    Bücher.de
    Buch24.de

    * Werbe/Affiliate-Links


    5ratten

    //Grösser ist doof//

  • José Saramago


    Die Reise des Elefanten


    A viagem do elefante



    König Johann von Portugal schenkt Erzherzog Maximilian von Österreich einen Elefanten. Das 240 Seiten dicke Buch packt diese historisch belegte Begebenheit in eine humorvolle Erzählung. Eine wahre Karawane zieht mit dem Elefanten von Lissabon nach Wien und hat dabei verschiedene Schwierigkeiten zu bewältigen.



    Der Humor wirkte leider teilweise etwas bemüht, aber es waren durchaus auch gelungene Schmunzelmomente dabei. Saramango wendet ein paar Erzähltricks an, deren Namen ich nicht mal kenne und macht sich auch beim Erzählen über sich selbst ein bisschen lustig.


    Ein wenig außerhalb meines sonstigen Beuteschemas, aber durchaus ok.


    Knappe 3ratten


    ----------------------------------------------


    (Ich würde das Buch in den Bereich "Historisches" einsortieren.)

    Bücher sind Magie zum Mitnehmen.

  • Wir haben Saramago damals bewusst nicht bei "Historische Romane" einsortiert, weil er zu den wichtigen Stimmen der "höheren" Gegenwartsliteratur zählt.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Aha. Vielleicht passen andere Bücher von ihm ja zur Gegenwartsliteratur. Aber dieses hier handelt im 16. Jahrhundert und hat ein tatsächliches Ereignis zur Grundlage.

    Bücher sind Magie zum Mitnehmen.

  • Ich habe "Die Reise des Elefanten" jetzt auch gelesen und mich hat es leider etwas enttäuscht. Weil ich Elefanten sehr gern habe, hätte ich mir von dem Buch erwartet, mehr über Elefanten im Allgemeinen zu erfahren, leider war das hier nicht der Fall. Der Anfang hat mich eher an ein Märchen erinnert, ein Elefant wird verschenkt und muss eine lange Reise mit seinem Führer antreten. Viele Menschen haben früher nicht einmal gewusst, was ein Elefant ist oder wie er aussieht, darum war mir das Interesse der Bürger auf der Reise auch viel zu wenig.


    Der Schreibstil ist echt sehr speziell und mir ging es eher so um so länger ich das Buch gelesen habe, um sehr mehr Probleme hatte ich damit. Mir kam dann dieses wirklich kurze Buch extrem lang vor und ich musste mich motivieren, es nicht einfach abzubrechen.


    Ich glaube man hätte mehr aus dieser Geschichte (die sich ja angeblich wirklich ereignet hat) machen können, wenn man den Elefanten in den Fokus gestellt hätte. Da war dieser Ochsenkarren fast präsenter und hat sich mehr in mein Gedächtnis gesetzt.


    Ich vergebe:


    3ratten

    Nigends findest du Frieden als in dir selbst.