Mathias Malzieu - Die Mechanik des Herzens

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 31 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Jari.

  • Liebe Leute, ich habe einen Verriss geschrieben:


    Inhalt:


    Erstens: Rühr deine Zeiger nicht an!
    Zweitens: Zügle deinen Zorn!
    Drittens: Verschenke niemals dein Herz!


    Am kältesten Tag des Jahres 1874 wird Jack geboren. ABer sein Herz ist zu schwach, als dass es den kleinen Jungen am Leben hätte halten können. Da repariert die Hebamme Madelaine das Herzchen und setzt Jack eine Kuckucksuhr ein. Diese hält den Kleinen von nun an am Leben. Aber das Leben mit einer Kuckucksuhr ist nicht einfach, wie Jack bald einsehen muss.


    Doch dann trifft Jack auf Miss Acacia, die bezaubernde Tänzerin, und er bricht die dritte und wichtigste Regel Madelaines...


    Meine Meinung:


    Gleich vorne weg: Ich habe nichts gegen Liebesgeschichten. Ich liebe Sendkers "Das Herzenhören" oder "Wasser für die Elefanten" und finde auch an "klassischer" Frauenliteratur nichts auszusetzen. Jeder braucht das mal.


    Aber bei "Die Mechanik des Herzen" von Mathias Malzieu war mir alles zu viel und zuwider.


    Das Cover ist wunderschön gestaltet und auch der Rückentext liess mich neugierig werden. Ich freute mich wahnsinnig darauf, dieses Buch lesen zu können. Die positiven Rezensionen zum Buch machen mich nur noch aufgeregter.


    Jedoch lief das Ganze darauf hinaus, dass ich nach der Hälfte die Lust auf das Buch verlor, nach 140 Seiten daran dachte, abzubrechen, und mich dann doch noch durch die letzten 50 Seiten quälte.


    Verträumt und romantisch - ja, das ist das Buch durchwegs. So romantisch, dass ich davon Zahnschmerzen bekam. Aus "Die Mechanik des Herzens" wurde mir bei all dem Kitsch bald bloss noch "Die Mechanik des Schmerzens".


    Die Figuren sind derart platt, dass man denkt, ein Bulldozer wäre darüber gefahren. Beide sind sie pubertär und ich konnte ihre Handlungen an praktisch keiner Stelle nachvollziehen. So sagt Miss Acacia auf der einen Seite, dass sie Jack noch immer liebt, dann blättert man um und sie sagt "Du bist für mich gestorben". So viel zum Thema Launenhaftigkeit bei Frauen.


    Dabei hätte es im Buch tatsächlich Figuren gehabt, die Potential hätten. Aber die geraten bei Jacks komischen Beschreibungen seiner über alles geliebten Acacia in den Hintergrund und geraten leider bald in Vergessenheit. Dafür brilliert der Autor mit den komischsten und seltsamsten Metaphern bei der Beschreibung der kleinen Tänzerin. Regelmässig übertrifft er sich selbst und irgendwann war mir richtig übel von all den vogelähnlichen Körperteilen, die dieses Mädel aufweist. Unter anderem hat sie auch einen Vogelpopo... totlach


    Jugendlicher Leichtsinn wird in dieser Geschichte gross geschrieben und es wäre ja ganz lustig gewesen, Jack beim Duell mit seinem Rivalen in richtiger Western-Umgebung zu beobachten, wenn nicht alles so schmalzig und überdramatisiert gewesen wäre.


    Steampunkige Elemente trifft man übrigens auch nur ganz wenige. Eigentlich bloss die eingebaute Uhr. Vielleicht noch der Zirkus, in dem Jack arbeitet. Aber wenn man etwas mit einem Zirkus sucht, ist man mit dem "Nachtzirkus" wohl besser bedient.


    Ich habe wirklich nichts gegen Liebesgeschichten einzuwenden, aber bleibt mir bitte mit diesem Buch vom Leibe!


    Fazit:


    Für Leser französischer Autoren und vielleicht von Twilight. Auch für Leute geeignet, die ansonsten nicht viel lesen, da das Buch mit grosser Schrift und kurzen Kapiteln aufwartet.


    Ich muss mir jetzt unbedingt die Zähne putzen...


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    Ich vergebe 1ratten & :marypipeshalbeprivatmaus: für ein hübsches Cover und eine gute Idee. Ansonsten aber :flop:

    //Grösser ist doof//

  • Im Ernst jetzt? Damit machst du mich jetzt richtig fertig.


    Nachdem ich es bei dir gesehen hatte, ist es sofort auf die Wunschliste gewandert. Dabei klingt es doch nach einem richtig schönen Märchen...
    Hm, vielleicht versuche ich trotzdem noch, allerdings wenn dann im Original.

    Even when reading is impossible, the presence of books acquired produces such an ecstasy that the buying of more books than one can read is nothing less than the soul reaching towards infinity... - We cherish books even if unread, their mere presence exudes comfort, their ready access reassurance.


  • Nachdem ich es bei dir gesehen hatte, ist es sofort auf die Wunschliste gewandert. Dabei klingt es doch nach einem richtig schönen Märchen...


    Ich bin auch ganz erschüttert. Ich wollte das Buch unbedingt, weil es doch soooo ein schönes Cover hat :redface:

    "Vor ein paar Jahren hätte ich Ihnen geantwortet: Wir sind nicht die Weimarer Republik. Aber wenn ich mir die Entwicklungen in der letzten Zeit so ansehe, dann muss ich antworten: Ja, ich mache mir ernsthaft Sorgen um unsere Demokratie." (Ein Experte für Rechtsextremismus wird in der Dokumentation "Rechts. Deutsch. Radikal")


    1. Weltweite Ernteausfälle bei 2°C.
    2. Kollaps der Zivilisation bei 4°C.
    3. Unbewohnbare Erde bei 6°C.
    4. Wir riskieren 2°C in 2035.
    5. Wir riskieren 4°C in 2065.
    6. Wir riskieren 6°C in 2095.

  • Vielleicht gefällt es euch ja besser als mir? Ich fand ja auch, dass es nach einem schönen Märchen klang, aber für mich hatte es sich rasch ausgeträumt :sauer:



    Hm, vielleicht versuche ich trotzdem noch, allerdings wenn dann im Original.


    Das wäre mal einen Versuch wert, oft geht in der Übersetzung ja einiges verloren.

    //Grösser ist doof//


  • Liebe Leute, ich habe einen Verriss geschrieben


    totlach
    Und was für einen!


    Zitat

    Für Leser französischer Autoren und vielleicht von Twilight. Auch für Leute geeignet, die ansonsten nicht viel lesen, da das Buch mit grosser Schrift und kurzen Kapiteln aufwartet.


    Ich muss mir jetzt unbedingt die Zähne putzen...


    Einfach nur herrlich zu lesen!


    Wobei es auch mich sehr überrascht, dass das Buch als ein solcher Flop daher kommt. Ich hatte es auch schon auf meine Wunschliste gepackt. Na, mal sehen, was die örtliche Bücherei hergibt.

    "Verzicht bedeutet für Frauen die kurze Pause zwischen zwei Wünschen."

    ~ Mario Adorf

  • totlach
    Und was für einen!


    Ich hoffe, ich bin niemandem zu nahe getreten. Ansonsten schreibe ich ja wirklich selten solche Verrisse... :redface: (hier konnte ich einfach nicht anders)
    Aber ich fürchte schon, dass ich die Einzige bin, die das Buch so fürchterlich findet. Aber um ehrlich zu sein, fand ich Twilight noch besser, das hatte nämlich sogar eine Handlung. Bei diesem Buch fehlte mir sowas...

    //Grösser ist doof//

  • Ich hoffe, ich bin niemandem zu nahe getreten.


    Ach was, wem denn? Das ist doch eine Meinung, in der keine persönlichen Beleidigungen auftauchen. Da habe ich schon aggressivere Verrisse gelesen, die höchst grenzwertig waren. Deinen Text hier finde ich absolut in Ordnung.

    "Verzicht bedeutet für Frauen die kurze Pause zwischen zwei Wünschen."

    ~ Mario Adorf

  • Danke für die Nachsicht :lachen: Nein, beleidigen möchte ich niemanden. Auch den Autoren nicht, obwohl ich ihn von nun an Schmalzieu nennen werde :zwinker: (es bot sich einfach grad so an)

    //Grösser ist doof//

  • Ich finde den Verriss auch herrlich :breitgrins: Es macht manchmal richtig Spaß, sich den Lesefrust von der Seele zu schreiben.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen






  • Ich finde den Verriss auch herrlich :breitgrins: Es macht manchmal richtig Spaß, sich den Lesefrust von der Seele zu schreiben.


    Das war der Grund, weshalb ich mich durch die letzten Seiten kämpfte. Da hat sich dann gleich noch mehr Frust angesammelt :breitgrins:

    //Grösser ist doof//

  • Also mir hat das Buch ganz gut gefallen ^^ man sollte hier nicht zu sehr auf kleine Fehler achten, und sich ein gutes Gesamtbild machen.


    Das Cover verzaubert, die Geschichte ist märchenhaft. Im Jahre 1874, in der kältesten Nacht des Jahres, wird der kleine Jack in einem Turm in Edinburgh geboren, sein Herz ist eingefroren. Um dem Jungen das Leben zu retten setzt die Hebamme und Bastlerin Dr. Madelaine Jack eine hölzerne Kuckucksuhr ein. Seine Mutter verlässt ihn und seine Lebensretterin kümmert sich um ihn und erklärt ihm, dass er sich niemals verlieben dürfe, doch dann sieht Jack mit 10 Jahren erstmals seine große Liebe, die Tänzerin Miss Acacia.


    Jack verliebt sich in das zierliche und vor allem tollpatschige Mädchen und überredet Dr. Madelaine die Schule zu besuchen, um seine große Liebe endlich wieder zu treffen – doch anstatt sie zu finden, wird er in der Schule gehänselt und schikaniert, und das ausgerechnet von Miss Acacias ehemaligen Liebhaber Joe. Nachdem Jack seinem Widersacher in der Schule ein Auge aussticht, muss er flüchten und begibt sich mit dem bekannten Filmemacher und Illusionisten Georges Méliès auf eine Reise nach Andalusien, um die Dame seines Kuckucksherzens wieder zu finden.


    Der Roman “Die Mechanik des Herzens” des französischen Autors und Musikers Mathias Malzieu begeistert nicht etwa durch seine Komplexität oder seinen nicht vorhandenen Authentizitätsanspruch, sondern durch kleine sprachliche und vor allem liebevoll gestaltete Details, die die Geschichte um Jack und Miss Acacia wie ein wahres Steampunk-Märchen wirken lässt. Dem Leser ist von Anfang an klar, dass eine Kuckucksuhr als Herzersatz vollkommen unmöglich ist, und auch die Warnung, dass Jack sich niemals verlieben dürfe macht eben nur auf den zweiten Blick Sinn – denn auf Glück und Hoffnung müssen eben manchmal auch Enttäuschungen folgen.
    Die Geschichte, die keineswegs als glückliche Liebesgeschichte gesehen werden kann, richtet sich vor allem an junge Erwachsene und liest sich wie eine Geisterbahnfahrt ins Verderben, auch wenn das Streben nach Liebe immer im Vordergrund steht. Neben Georges Méliès und seiner zukünftigen Frau Jeanne (zwei Personen, die einem vielleicht auch schon aus dem Buch/Film “Hugo Cabret” bekannt sein könnte) hat übrigens auch der gefürchtete Serienmörder Jack the Ripper einen Gastauftritt.


    Der Roman, der Ende des 19. Jahrhunderts spielt, fasziniert durch seine Einfachheit, seine Liebe zum Detail, den Problemen des Protagonisten seine Liebe für immer für sich zu behalten und der ewig währenden Frage wieso Dr. Madelaine ihm verboten hat sich zu verlieben. Man fühlt sich wie in die Welt eines Tim Burton hineinversetzt, eine Welt, in der das Fantastische mit dem Bedrohlichen einhergeht…der Autor nutzt seine erfindungsreiche Sprachgestaltung aus, um den Leser mit Neologismen und interessanten Metaphern zu begeistern.
    Im Herbst 2012 wird es außerdem eine Verfilmung des Regisseurs Luc Besson geben, auf welche ich mich nach diesem Buch besonders freue.


    4ratten gibt es von mir, mir fehlte die Differenzierung zwischen einem Jugendbuch und einem Buch für Erwachsene, außerdem störte mich teilweise die auktoriale-Ich-Perspektive.

  • Die Rezension gibt mir gerade ein wenig Hoffnung. Ich nehme das Buch nächste Woche mit in den Urlaub und von allen Büchern, die mich begleiten werden, habe ich mich besonders auf dieses gefreut. Es wäre so schade, wenn ich es jetzt nicht mag.

  • Vielen Dank, ich hoffe sehr, dass es mir mit dem Buch letztlich so gehen wird wie dir. Der Klappentext ist schon so wunderschön.

  • Auch wenn mir das Buch, wie man sieht, gar nicht gefallen hat, muss ich die bezüglich der



    erfindungsreiche Sprachgestaltung


    recht geben. Erfindungsreich ist er wirklich :breitgrins: Auch wenn mir der Vogelpopo immer noch hinterherspukt :zwinker:


    Eine Verfilmung von Tim Burton wäre jedoch interessant und würde ich mir ganz sicher anschauen.

    //Grösser ist doof//


  • die Tänzerin Miss Acacia.


    Jack verliebt sich in das zierliche und vor allem tollpatschige Mädchen


    :hm: Passt das wirklich zusammen? Tollpatschig und Tänzerin? Dann doch zumindest eine sehr schlechte Tänzerin, würde ich meinen.

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • :hm: Passt das wirklich zusammen? Tollpatschig und Tänzerin? Dann doch zumindest eine sehr schlechte Tänzerin, würde ich meinen.


    Eher wenn sie gerade nicht tanzt, weil sie sich weigert ihre Brille aufzusetzen und dann öfter mal wo gegen läuft.
    Aber jetzt wo du das sagst ist das doch ein wenig widersprüchlich.

  • Hm, nun gibt es hier also zwei ziemlich gegensätzliche Meinungen. Ich wollte mir das Buch wegen dem schönen Cover und dem (zumindest für mich)ansprechenden Klappentext kaufen, werde aber nun erstmal auf das Exemplar aus der Bibliothek zurückgreifen. Bin mal gespannt wozu ich tendieren werde...



    Eine Verfilmung von Tim Burton wäre jedoch interessant und würde ich mir ganz sicher anschauen.


    Ich mir auch, so wie alles von Tim Burton :zwinker:

    :lesen: Anthony Powell - The Kindly Ones <br /><br />Mein SUB<br />Meine [URL=https://literaturschock.de/literaturforum/forum/index.php?thread/32348.msg763362.html#msg763362]Listen


  • Ich mir auch, so wie alles von Tim Burton :zwinker:


    Ich mit meiner absolut schlechten Meinung zu diesem Buch sage, dass Burton die Geschichte bestimmt besser hinbekommt als der Autor selber. Aber ich denke, dass das Buch allen anderen ausser mir gefallen wird :zwinker:

    //Grösser ist doof//