Julie Klassen -The Girl in the Gatehouse/Das Mädchen im Torhaus

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 7 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Valentine.

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    Inhalt
    Mariah Aubrey wird von ihrer Familie verstoßen. Eine Tante bietet ihr an in dem Torhaus ihres Anwesens zu wohnen bis sich die Wogen geglättet haben. Ein Skandal ist dem Streit mit dem Vater voraus gegangen. Nicht nur ihre schriftstellerischen Ambitionen haben sie ins gesellschaftliche aus gestoßen, auch ein junger Mann trägt Schuld an ihrem Schicksal. Doch auf dem Anwesen lernt sie den jungen Marineoffizier Matthew kennen und es kommt wie es kommen muss, zarte Bande bahnen sich an.


    Meine Meinung
    Die Autorin Julie Klassen war mir bis zu „Das Mädchen im Torhaus“ unbekannt, doch schnell war ich gefangen von ihrer Art zu erzählen. Sie hat es geschafft das Leben und die Art zu denken aus dem 19 Jahrhundert mir näher zu bringen. Ihr Erzählstil lässt sich flüssig lesen und es viel mir sehr leicht mit Mariah zu leben. Ihren Alltag zu erleben und gemeinsam mit ihr neue Menschen kennen zu lernen.


    Besonders gut gefallen hat mir, ihre Art die Doppelmoral dieser Epoche dazustellen. Ein Mann konnte im Wesentlichen machen was er wollte. Bei einer Frau sah das ganz anders aus. Einmal auch nur mit einem Mann allein in einem Raum ein paar Minuten oder gar Stunden verbracht schon galt man als Frau mit fragwürdigem Ruf. Mariah Aubrey hat nicht nur das getan außerdem schreibt sie noch Romane für Frauen, auch dies war eine Tat die eine Frau mit Anstand nicht im 19 Jahrhundert tun durfte, dem entsprechen Probleme hat Mariah dann auch gehabt. Aber nicht nur die Probleme von Frauen spricht Fr. Klassen hier an auch die Not der Armen Menschen ist Thema ihrer Geschichte. So erlebt der Leser mit, wie die Menschen im Armenhaus untergebracht waren und dort leben mussten.


    Im Vordergrund der Geschichte steht aber die Liebesgeschichte zwischen Mariah und Matthew. Mir hat gut gefallen wie sie sich vorsichtig einander annähern und die Gefühle für einander sich erst langsam an die Oberfläche kämpfen und alte Wunden schließen. Es hat Spaß gemacht Mariah und ihre Freundin Dixon dabei zu beobachten und ihr Leben eine zeitlang zu teilen. Ich fand die einzelnen Charaktere wunderbar beschrieben und gestaltet. Voller Leben und irgendwie zum greifen nah. Gerade die vielen Randfiguren und einzelnen Geschichten des Alttages machen diese Geschichte lebendig und damit auch glaubwürdig.


    Das Cover gefällt mir hier auch ausgesprochen gut. Es ist ein Torhaus abgebildet wie es in dieser Zeit wohl so einige gab. Außerdem ist eine junge Frau zu sehen die hervorragend in die Geschichte zu passen scheint.


    Mein Fazit: „Das Mädchen im Torhaus“ ist ein wunderbarer historischer Liebesroman, der die Leser ins Jahr 1813 entführt. Er unterhält und ist etwas fürs Herz. Der Leser erfährt so ganz nebenbei dann auch noch einiges aus dem Leben dieser Epoche, aus der Art zu leben und der Moral der Zeit. Mir hat es gut gefallen und ich kann „Das Mädchen im Torhaus“ nur jedem empfehlen der solche ruhigen Bücher mag.


    4ratten :marypipeshalbeprivatmaus:


    Titel angepasst Lg Holden

  • Da bin ich ja mal gespannt, ich habe den Roman vor ein paar Wochen in englisch auf meinen Kobo geladen. Vom Inhalt her hat er mich ja sehr angesprochen. Ich berichte dann. :winken:

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    Titel: Das Mädchen im Torhaus / The Girl in the Gatehouse (schön das hier der Originaltitel übersetzt wurde)
    Autor: Julie Klassen


    Inhalt:
    England im Jahr 1813:
    Mariah Aubrey muss sich ein neues Leben aufbauen. Von ihrem Vater verstoßen versucht sie im Torhaus ihrer Tante wieder glücklich zu werden. Trost findet sie im Schreiben von Romanen, die sie sogar unter Pseudonym veröffentlichen kann. Doch dann wird das Anwesen von einem Käufer übernommen und Mariah muss sich ihrer Vergangenheit stellen um wieder offen für neue Gefühle zu sein...


    Bisher:
    Ich habe diesen Roman glaube ich vor allem deshalb gekauft weil ich das Gefühl hatte er könnte so ein bissl in Richtung eines Jane Austen Romans gehen. Und tatsächlich von der Atmosphäre her ist er schon sehr ähnlich. Zwar definitiv von der Thematik her moderner immerhin wird schon sehr direkt angesprochen weshalb Mariah ihr altes Zu hause verlassen musste wurde. Aber insgesamt fühle ich mich schon sehr in diese ganze Zeit versetzt und das gefällt mir gut. Wobei Mariah durchaus Anwandlungen einer modernen Frau hat, aber insgesamt hält sich das in Grenzen. Bisher hatte ich nicht das Gefühl das sie nicht in ihre Zeit gepasst hätte. Mal sehen wie sie sich noch entwickelt.
    Ansonsten wird man gleich auf den ersten Seiten mitten in die Handlung geworfen und ist fast von Beginn an in Mariah neuem zu Hause. Hi und da hätte ich mir ein wenig mehr Ruhe gewünscht. Aber gut, ansonsten habe ich bisher nichts zu meckern. Ich bin gespannt in welche Richtung die Handlung sich noch entwickeln wird, auch wenn ich ahne das es eine romantische Entwicklung geben wird.

  • Ich gebe zu das ich schon meine Bedenken hatte ob Mariah nicht zu modern gestaltet wäre. Aber ich habe mich zum Glück getäuscht. Im Gegenteil, ich kann sie mir sehr gut in ihrer Zeit vorstellen und finde das sie genau die richtige Mischung ist aus Freigeist und braver jungen Dame ist, um glaubhaft zu bleiben.
    Mir gefällt der Roman immer besser, die Atmosphäre passt einfach. Die enge des Torhauses spiegeld Mariahs Situation sehr gut wieder. Diese bewegt sich fast ausschließlich in den Räumen des Torhauses und im umliegenden Gelände. Viel Geld hat sie ja nicht zur Verfügung. Ihre Hoffnung ist nun das sie bald ihren Roman verkaufen kann damit sie die Miete bezahlen kann, denn der Stiefsohn ihrer Tante ist ihr alles andere als gewogen.
    Es zeichnet sich aber ab das sie wohl ein Geheimnis zu lüften hat. Denn auf dem Dach des nahgelegenen Armenhauses wurde nun schon zweimal ein Mann gesichtet, der dort balanciert, doch die Bewohner des Hauses die sie kennen lernt, tun so als ob nichts wäre deuten aber an dass, sie alles andere als gut behandelt werden. Und das man bloß keine Fragen stellen solle...


    Jedem Kapitel sind übrigens literarische Zitate vorangestellt die dann auch lose etwas mit dem Inhalt zu tun haben.
    Bisher also für mich ein wirklicher Glücksgriff. Und das wo der Inhalt doch ein wenig kitschig auf mich wirkte. Aber irgendwie gefiel mir der Titel so gut. :breitgrins:

  • Das riecht schon wieder verdächtig nach Buchtip ...

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Valentine
    :breitgrins:


    Mir gefällt auch die Erzählweise sehr gut. So unaufgeregt und vor allem nicht reißerisch kommt die Handlung daher. Gut, das sich wohl etwas zwischen Mariah und Mathew entwickeln wird kann man schon erahnen. Aber gerade wie sie beide mit einander umgehen, da merkt man das sie gar nicht merken wie sich ihre Gefühle aufeinander zu bewegen.
    Zugleih bekommt man auch Einblicke in die gesellschaftlichen Strukturen. Vor allem Mariah ist davon betroffen. Ihr Verwandter macht zwar nur Andeutungen (was genau sie eigentlich getan hat wird bisher auch nur angedeutet - auf jeden Fall hat ihr jemand das Herz gebrochen) aber hieraus kann man entnehmen das sie als Frau schon sehr geächtet ist und das er vor allem ganz genau weiß weshalb sie von ihren Eltern weg geschickt wurde. Dementsprechend von oben herab behandelt er sie auch. Wobei ich vermute das auch seine besondere Abneigung gegen die Stiefmutter dabei eine Rolle spielt.
    Bisher gelingt es der Autorin wirklich gut einerseits ein klein wenig auf Jane Austens Spuren (das blitzt nur hi und da mal ein klein wenig durch) zu wandeln aber der Handlung eben trotzdem ihre eigene Note zu geben. Das ist aber auch Mariahs Situation geschuldet, die andere Sorgen hat als sich einen Ehemann zu angeln.
    Spannend bleibt auch die Frage was sich wohl in dem Kästchen verbirgt das Mariahs Tante ihr kurz vor ihrem Tod anvertraut hat. Sie hat darauf bestanden das Mariah es unter keinen Umständen ihrem Stiefsohn geben soll. Er darf am besten nicht einmal etwas von seiner Existenz wissen.
    Hach :flirt: ich hoffe auf einige schöne Intrigen seinerseits und auf einige Verwicklungen bis zum Happy End :breitgrins:


    Ich finde bloß das die Aufmachung des Romans irgendwie einen falschen Eindruck vom Inhalt vermittelt.

  • Nun ja die richtige Intrige blieb dann leider aus und einiges in der Handlung war dann etwas voraussehbar. Andererseits hat mir der Roman trotzdem gefallen - was für die schöne Erzählweise der Autorin spricht die bei mir dafür sorgt das ich über ein paar Schwächen hinwegsehen kann - und da bin ich durchaus auch mal pingelig ;)


    Das lag vor allem daran das es eben diese Anspielungen auf Autoren wie Jane Austen gibt - aber auch auf andere weibliche Autorinnen wie etwa Elisabeth Glaskell. Außerdem ist die Handlung in gewisser Weise durchaus eine Hommage, erinnert sie doch in ihren Figurenkonstellationen an Jane Austen Romane - um dann damit zu brechen und moderner zu erzählen. Vor allem näher an der gesellschaftlichen Struktur der Zeit. Aber auch offener und mit weniger Anspielungen. Ich hatte ja schon erwähnt das der Autorin hier der Spagat gelingt einerseits Hommage zu sein aber trotzdem einen Roman für unsere Zeit zu Schreiben. Vielleicht hat er mir eben darum alles allem so gut gefallen.


    Vor allem die Doppelmoral und der Umgang damit spielt eine Zentrale Rolle. Mariahs Verfehlung wird damit bestraft das sie von ihrer Familie verstoßen wird um ihre Schwester nicht "an zu stecken". Während der involvierte Mann weiterhin als geachtet gilt. Hier gab es meiner Meinung nah dann leider Entwicklungen die nicht der Zeit entsprachen und für meinen Geschmack zu gefällig waren. Ich hätte mir gewünscht das die Autorin ein klein wenig mutiger gewesen wäre. Aber es scheint wohl als ob sie erwartet das ihre Leserinnen ein Happy End in vollem Umfang wollen. Vermutlich ist dieser Schluss auch ein klein wenig der Hommage an Jane Austens Romane geschuldet ... aber nun ja ich bin da etwas zwie gespalten. Einerseits hab ich mich gefreut andererseits hätte h mir eben etwas mehr Sperrigkeit in einigen Punkten gewünscht. Aber so richtig meckern kann ich trotzdem nicht weil ich mich beim Lesen eben so wohl gefühlt habe. Ein paar schöne Geheimnisse und eine Liebesgeschichte die sich Entwickeln darf. Das mochte ich daran dann schon. Außerdem gefiel es mir dass das Leben sehr auf das Torhaus und die umliegende Nachbarschaft verteilt war. Der Fokus lag sehr auf den Figuren und vor allem Mariah Sicht der Ereignisse.


    Daher gebe ich aus dem Bauch heraus
    4ratten wo ich eventuell bei einem anderen Roman eine halbe Ratte mehr abgezogen hätte ;)

  • Gemeinsam mit ihrer Gesellschafterin zieht Mariah in das alte Torhaus auf dem großen Anwesen einer entfernten Verwandten. Ihr Vater hat sie wegen ihrer Verwicklung in einen Skandal aus dem Haus gewiesen, er sieht die Ehre der Familie beschmutzt und seine Tochter soll ihm nicht mehr unter die Augen kommen.


    Ganz auf sich gestellt, muss Mariah sehen, wie sie zurechtkommt, auch finanzielle Unterstützung kann sie von ihrem Vater nicht erwarten, ebensowenig von ihrer Tante, der das Haus gehört und schon gar nicht von deren Hallodri von Stiefsohn. Doch sie hat noch einen Trumpf im Ärmel, den sie nun versuchsweise ausspielt - ihre heimliche Leidenschaft für die Schriftstellerei könnte zum Rettungsanker werden, wenn sie es schafft, einen ihrer Romane verlegen zu lassen.


    Das Buch hat mich angenehm an Bücher erinnert, wie ich sie als Teenager gerne gelesen habe, Philippa Carr oder Madeleine Brent, nur mit weniger Schaueranteil. Aus heutiger Sicht fällt zwar schon auf, dass einiges recht vorhersehbar ist oder sich ein bisschen zu gut ineinanderfügt, um wahr zu sein, aber ein Großteil der Figuren (bis auf die einfach nur bösen Bösen, versteht sich) kommt angenehm nuanciert daher und die Handlung kann durchaus immer wieder überraschen, sowohl Mariahs eigene Geschichte als auch die eng damit verwobenen Geschehnisse im benachbarten Armenhaus, unter dessen Bewohnern Mariah mit der Zeit einige Freundschaften schließt.


    Eine kräftige Prise Jane-Austen-Feeling ist natürlich auch dabei, und, was mich besonders angesprochen hat, ist Mariahs Selbstironie als Erzählerin und ihre oft staubtrockenen Kommentare.


    Eigentlich schade, dass es doch einige sehr zufällige Zufälle gibt, die in der Häufung ein bisschen unglaubwürdig wirken, denn ansonsten ist "The Girl in the Gatehouse" ein richtig schöner, unterhaltsamer Schmöker mit dezenter und nicht allzu kitschiger Romantik, Humor und interessantem Personal.


    3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)