Nele Neuhaus - Böser Wolf

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 6 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kirsten.

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    Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein stehen im sechsten Band der Taunus-Krimis vor vielen Rätseln. Ein junges Mädchen wird leblos im Main aufgefunden und kurze Zeit später geschehen weitere Verbrechen, die eigentlich in keinem Zusammenhang stehen. Und dann ist da auch noch die beliebte Fernsehmoderatorin, die anscheinend bei ihren Recherchen in ein Wespennest gestochen hat. Pia und Oliver wissen nicht wirklich weiter und als wäre es noch nicht schwer genug, zweifeln beide im Laufe der Ermittlungen das Vertrauen des anderen an.


    Böser Wolf beschäftigt sich mit dem schwierigen Thema Kindesmissbrauch und beleuchtet es von allen Seiten. Auch das Machtgefüge und das oft organisatorische Auftreten eines Kinderschänderrings wird sehr deutlich aufgezeigt. Ist der ehemalige Anwalt und verurteilte Kinderschänder Kilian Rotemund die Antwort auf all ihre Fragen oder hat doch eher die berüchtigte Rocker-Gruppe aus Frankfurt ihre Finger im Spiel? Pia, Oliver und ihre Kollegen ermitteln an vielen verschiedenen Punkten gleichzeitig und kommen doch nur schwer voran.


    ch habe bisher alle Bände der Taunus-Reihe gelesen und bin wirklich ein Fan von Nele Neuhaus. Mit diesem Buch hatte ich jedoch einige Probleme. Es ist keinesfalls schlecht geschrieben und es ist ein solider Krimi – das steht vollkommen außer Frage. Doch für mich war es zu vorhersehbar. Mit jedem Ermittlungsschritt wurde ich weiter in meinen Ahnungen bekräftigt und somit stellte sich für mich nicht wirklich eine Spannung ein, die mir bei einem Krimi aber natürlich wichtig ist.


    Trotzdem hab ich das Buch zügig gelesen und die Geschichte an sich gefiel mir. Das Thema Kindesmissbrauch ist nicht einfach anzufassen und Nele Neuhaus ist schonungslos und doch sensibel genug damit umgegangen. Immer wieder eingeschoben wurden auch die Gefühle der Opfer, was der Geschichte noch mehr Tiefe verliehen hat. Die vielen Handlungsstränge und Charaktere sorgten dabei dafür, dass keine Längen entstanden und man sich wirklich umfassend mit dem Thema auseinandersetzt.


    Auch Pias und Olivers Privatleben fließt wieder mit in die Geschichte hinein und diesmal ist Pia sogar selbst im Privaten von den Geschehnissen des Falls betroffen, was die Handlungsstränge noch weiter miteinander verschmelzen lässt. Alles in allem ist es also ein Buch, dass sich schnell und flüssig lesen lässt, das stilistisch und in der Handlung keine Fehler aufweist und eine wirklich gute Geschichte erzählt. Für einen Krimi ist es mir aber zu vorhersehbar und die Spannung fehlt eindeutig.


    3ratten

  • Nele Neuhaus – Böser Wolf


    Inhaltsangabe:


    Am Ufer des Mains wird ein 15-jähriges Mädchen tot aufgefunden. Die Obduktion ergibt, dass sie vor dem Tod grausam misshandelt worden war. Der Fund erinnert die Polizei an einen etliche Jahre zurück liegenden Fall, auch hier war ein Mädchen das Opfer. Hat der damalige Verdächtige, der (heute: ehemalige) Anwalt Kilian Rothemund, erneut zugeschlagen? Zunächst deuten viele Hinweise auf ihn, doch Pia Kirchhoff und ihr Chef Oliver von Bodenstein ermitteln auch in andere Richtungen: Ist die Skandal-Talkmasterin Hanna Herzmann vielleicht in die Sache verwickelt? Und was weiß deren Psychotherapeutin Leonie Verges darüber? Die beiden Polizisten graben tief und kommen einem Verbrecherring auf die Spur, dessen Einfluss ihnen sehr nahe kommt ...


    Es handelt sich bei diesem Buch um den sechsten Teil der Bodenstein-und-Kirchhoff-Reihe:
    (2006) Eine unbeliebte Frau
    (2007) Mordsfreunde
    (2009) Tiefe Wunden
    (2010) Schneewittchen muss sterben
    (2011) Wer Wind sät
    (2012) Böser Wolf


    Der erste Satz:


    „Er stellte die Einkaufstüte ab und verstaute seine Einkäufe in dem winzigen Kühlschrank.“


    Meine Meinung zum Buch:


    Die Autorin stellt hier einen sehr komplexen Fall dar, der sich mit einem sehr hässlichen Verbrechen beschäftigt: dem organisierten Kindesmissbrauch.


    Es geht in diesem Buch gar nicht so sehr um das „Wer war’s?“, denn als Leser bekommt man genügend Hinweise, um zu ahnen, in welche Richtung die Sache geht. Es geht eher um das „Wann kommt die Polizei endlich den Tätern auf die Spur?“, und das kann ordentlich an den Nerven zerren. Ich hatte beim Lesen öfter mal das Gefühl, dass sich die Polizei ganz schön Zeit lässt, denn ab einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte überschlagen sich die Ereignisse – und von der Polizei ist gar nicht viel zu lesen.


    Das ist genau der Punkt, der mich etwas irritiert hat: eigentlich stehen Bodenstein und Kirchhoff in dieser Geschichte gar nicht mehr so im Mittelpunkt. Viel mehr geht es um Pias schwangere Schulfreundin Emma und deren Familie samt Schwiegereltern und diversen Schwagern und Schwägerinnen. Emmas Teil der Geschichte bringt sehr viele Hintergrundinformationen, das sind dann die Punkte, die den Leser im Wissen um die Verbrechen weiterbringen, aber nicht die Polizei. Ich finde, das ist geschickt gemacht, aber ich hätte doch gerne etwas mehr Polizeiarbeit gehabt, das lese ich nämlich immer am liebsten.


    Die Auswirkungen der Verbrechen sind nicht zimperlich dargestellt, ich musste beim Lesen manchmal schlucken und kann es nicht fassen, dass solche Dinge (wie im Nachwort von der Autorin bestätigt) tatsächlich jeden Tag vorkommen. Das ist kein leichter Stoff.


    Die Autorin spinnt viele Handlungsfäden, die lange Zeit zusammenhanglos parallel nebeneinander her laufen. Hier hätte ich mir gewünscht, dass ein paar Zusammenhänge etwas früher hergestellt werden, denn ich wurde ab und zu schon ungeduldig und habe mich dabei ertappt, dass ich einzelne Passagen überblättern wollte. Wie z. B. der Teil mit der Skandal-Talkmasterin Hanna Herzmann in den Fall einbezogen ist, wird erst relativ spät deutlich.


    Noch ein Punkt ganz am Schluss hat mich gestört:


    Insgesamt ist es ein schwächerer Band der Reihe, den ich aber immer noch gerne gelesen habe.


    Meine Bewertung: 3ratten:marypipeshalbeprivatmaus:


    Viele Grüße von Annabas :winken:

  • Inhalt:


    Ein Campingplatz am Rande der Gesellschaft, eine misshandelte Mädchenleiche wird ganz in der Nähe gefunden. Die Spuren führen in verschiedene Richtungen und das Ermittlerteam um Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff tappt lange im Dunkeln.


    Meine Meinung:


    Schon nach den ersten Seiten hätte ich am liebsten das Buch an einem Stück zu lesen. Nele Neuhaus schafft es immer wieder, mich von Anfang an zu fesseln. Sie verbindet Alltägliches mit Spannung, eine gute Mischung, die mich sofort gefangen nimmt.


    Nele Neuhaus hat ein dichtes Netz gewebt und darin die sehr komplexe Story eingebettet. Es gibt nicht nur ein Wiedersehen mit Pia, Oliver und ihrem Team, auf das ich mich schon gefreut habe. Es kommen so nach und nach immer neue und teilweise sehr interessante Charaktere dazu. Anfangs weiß ich gar nicht, wo das alles hinführen soll, ich bin einfach nur gespannt. Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen wird sehr anschaulich dargestellt. Ich werde auf falsche Fährten geführt, verirre mich in Sackgassen. Nele Neuhaus macht es mir nicht leicht, führt mich an der Nase herum und ich genieße es. Sie schafft es immer wieder, mich zu überraschen, nicht nur am Ende, nein auch mittendrin gibt es einige Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe.


    Erst so nach und nach wird mir bewusst, um was es wirklich geht. Der Spannungsbogen ist konstant hoch, der Schreibstil gewohnt flüssig und sehr gut lesbar. Die dialektgefärbten Dialoge und Alltagssituationen machen die Geschichte sehr authentisch. Das liebe ich an Regionalkrimis, es könnte alles direkt nebenan passieren. Sie greift in diesem Buch ein sehr brisantes Thema auf ohne es abgedroschen klingen zu lassen. Und es benötigt keine blutigen oder ekligen Szenen, um mir Schauer über den Rücken zu jagen. Dazu reichen die Ungeheuerlichkeiten, die mich noch Tage später beschäftigen. Nele Neuhaus hat mich nicht nur sehr spannend unterhalten, sondern mich auch sehr zum nachdenken angeregt.


    Ich habe auch die Vorgängerbücher alle gelesen und ich kann der Werbung nur zustimmen, dieses hier ist ihr bestes Buch!


    Deshalb: 5ratten :tipp:

  • Ich habe das Buch in wenigen Tagen verschlungen und fand es sehr spannend! Wieder einmal sehr komplex und vielschichtig angelegt wie man es von Nele Neuhaus gewohnt ist. Ich hatte zwar auch recht früh so Ideen wie alles zusammenhängen könnte, fand es aber für die Spannung überhaupt nicht hinderlich. Und viele Verwicklungen blieben mir bis zur Auflösung auch verborgen.


    Das Thema der organisierten Kinderpornografie sowie des Kindesmissbrauchs wurde meines Erachtens sehr gut bearbeitet und stellt die Dimensionen dieser Ringe und Mafia ganz ehrlich und klar dar. Das fand ich sehr gut und wichtig, da das Thema doch immer tabuisiert wird oder auf so ein paar Pädophile reduziert wird. Dass damit ein Heidengeld verdient wird und Kinder wie Waren benutzt werden, wird selten so beschrieben. Ein wenig fehlte mir noch, dass beschrieben wurde, dass die multiplen Persönlichkeiten bewusst durch die Drahtzieher "gemacht" werden, um die Kinder im Griff zu behalten: Stichwort Mind control. Dann wären auch so einige Verhaltensweisen der erwachsenen Betroffenen besser verständlich geworden.


    Schön war natürlich auch, Pia Kirchhoff und Oliver Bodenstein wieder zu erleben und zu lesen wie es bei den beiden weitergeht.


    Von mir dafür
    5ratten

    Gruß suray

  • Meine Meinung:
    Ich muss ehrlich sagen das Frau Neuhaus stetig nachlässt... schon Wer Wind sät konnte mich nicht überzeugen, auch Böser Wolf hat meiner Meinung nach ein paar Schwächen, über die ich nicht hinweg sehen kann.


    Einerseits finde ich es wichtig das die in Roman verarbeiteten Themen angesprochen werden, Kindesmissbrauch und die Art und Weise wie das geschieht, das darf nicht einfach ausgeblendet werden. Mein Problem ist eher die Umsetzung und die Verwicklungen die sich dahinter auftun. Das war mir zu viel. Zu viele Ideen die aufeinander prallen und das Ganze dadurch künstlich aufblähen. So kam es mir jedenfalls Stellenweise vor. Statt sich auf Wesentliches zu konzentrieren, wird einfach an zu vielen Handlungsschauplätzen herumgewerkelt. Daher kam die Handlung schleppend voran und ich habe mich genervt gefragt, was das nu wieder soll. Vor allem Pia Kirchoffs Privatleben fand ich hier überflüssig. Oliver Bodenstein hätte genauso gut im Urlaub bleiben können, so selten wie man etwas von ihm gelesen hat...
    Was mir gefallen hat war das Ende, weil mir eine bestimmte Figur eh ein Dorn im Auge war ;) aber auch weil die Autorin durch ihr Epilog gezeigt hat das nur scheinbar alles wieder gut ist...
    Fazit: Kein wirklich schlechter Krimi aber im Vergleich zu "Tiefe Wunden" meinem Neuhausliebling, Meilenweit entfernt von richtig richtig gut.


    3ratten

  • Meine Meinung

    Die Autorin erzählt in Böser Wolf viel. Es geht um Kindesmissbrauch aus der Vergangenheit und der Gegenwart, um ein riesiges Netzwerk und den rüden Umgang mit allen, die ihm auf die Spur kommen. Alles ist ein bisschen unübersichtlich, aber trotzdem ist es auch vorhersehbar. Das ist eine Mischung, die mir nur bedingt gefallen hat.

    3ratten

    I'm young enough to still see the passionate girl that I sued to be. But I'm old enough to say I got a good look at the other side.

  • Valentine

    Hat den Titel des Themas von „Nele Neuhaus, Böser Wolf“ zu „Nele Neuhaus - Böser Wolf“ geändert.