China Miéville - Die Stadt & die Stadt/The City & the City

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Es gibt 7 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Valentine.

  • Hallo allerseits,
    ich mache hier schon mal einen neuen thread für dieses Buch auf, auch wenn ich noch nicht fertig bin, und auch wenn ich noch nicht ganz sicher bin, ob es überhaupt in die Abteilung Phantastik gehört. Aber da Miéville sonst am ehesten hier einsortiert wird, mag das vielleicht erstmal so stehen bleiben.


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    Zum Buch
    Eine fiktive Stadt - Beszel - irgendwo im Osten Europas, eine düstere, post-sowjetische Atmospäre. Inspektor Borlú ermittelt in einem Mordfall an einer jungen Frau, die niemand zu kennen und niemand zu vermissen scheint. Während er auf der Suche nach Spuren und Hinweisen in der Stadt unterwegs ist mehren sich die Hinweise, dass es neben/hinter/unter Beszel noch eine weitere Stadt gibt, Menschen, die er eigentlich nicht sehen sollte, Gebäude, die eigentlich nicht da sind, Überschneidungen.


    Wohin dies alles noch führt, weiß ich noch nicht, aber es fängt auf jeden Fall atmospärisch sehr dicht an.


    Morwen

    "What we remember is all the home we need."

    Roberet Holdstock, Avilion


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  • Ich habe das Buch schon vor längerer Zeit gelesen und es damals in einem anderen Forum so kommentiert:


    Das Kunststück,

    eine so surreale, verwirrende, Welt zu schaffen, ist Miéville wirklich gelungen, und diese unwirkliche Atmosphäre ist es auch, die die Faszination dieses Buches ausmacht und es nicht langweilig werden lässt. Das die Charaktere dabei nicht gar so detailliert ausgearbeitet sind, stört mich in diesem Fall gar nicht so sehr, denn so wichtig mir diese normalerweise auch sind, Miéville lese ich nicht der Charaktere wegen.


    Wie ich das abschließend beurteile ist mir immer noch nicht wirklich klar; ich denke was Miéville hier in Sachen in Sachen Welten-Konstruktion geschaffen hat, ist es wert gelesen zu werden, sofern man zugunsten einer faszinierenden Alternativ-Welt ein paar andere Schwächen verschmerzen kann und Miéville-Fans werden wohl eh zugreifen, aber ich würde davon abraten, es als erstes Buch des Autors zu lesen.

  • Hallo Liafu,
    es ist mein erstes Buch von Miéville und vielleicht ist es tatsächlich nicht der beste Einstieg in diesen Autor. Anfangs dachte ich noch kurz darüber nach, das Buch abzubrechen, aber ich bin etwa 1/3 durch und so langsam gewinnt die Story an Fahrt. Die Konstruktion ist jetzt schon so ungewöhnlich und faszinierend, dass ich auf jeden Fall dran bleiben werde.
    Werde weiter berichten.


    Morwen

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  • Wow - dieses Buch muß man wohl als ambitioniert bezeichnen - im guten wie im weniger guten Sinne.


    Die zugrundeliegende Idee ist einfach brilliant: eine geteilte Stadt mit unterschiedlichen politischen Systemen, die aber nicht durch eine Mauer getrennt werden, sondern sich den gleichen physischen Raum teilen. Trotzdem leben die beiden Städte vollkommen unabhängig und verfeindet nebeneinander.


    Ambitioniert ist das Buch auch, weil es eine solche Vielzahl an (literarischen) Bezügen enthält: Kafka, Calvinos Unsichtbare Städte, Borges etc etc., dazu die noir Krimis als Genre. Miéville hat hier mit unglaublicher Liebe zum Detail eine düstere Vision der Welt als Stadt geschaffen.


    Die Schattenseite dieser Ambition ist, dass die Story anfangs nicht richtig in die Gänge kommt und auch die Figuren etwas schemenhaft bleiben. Insgesamt hat das aber der Faszination nicht geschadet, so dass ich dem Buch trotzdem
    4ratten
    verleihe.


    PS: ich habe das Buch auf Englisch gelesen, und muß zugeben, dass es eines der schwierigsten der letzten Zeit war. Der Autor verwendet viel slang, ob realen oder extra für die jeweiligen Städte konstruierten, und da muß man sich erstmal reinlesen. Hat aber trotzdem, oder gerade deswegen, Spaß gemacht.

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  • PS: ich habe das Buch auf Englisch gelesen, und muß zugeben, dass es eines der schwierigsten der letzten Zeit war.

    Ja, Miéville liest sich meist recht anspruchsvoll, an meinem ersten Miéville bin ich im ersten Anlauf deswegen auch gescheitert.

  • Meine Meinung

    China Miéville beschreibt in seinem Roman eine fantastische Welt, bei der man die fantastischen Elemente oft nur auf den zweiten Blick erkennt. Das war für mich gewöhnungsbedürftig, denn auf den ersten Blick war The City and the City für mich nicht mehr als ein gewöhnlicher Krimi mit einer Story, die mich an die Krimis aus den 40er und 50er Jahren erinnert hat. Ich fand den Krimiteil ein bisschen dünn und teilweise verworren. Deshalb bin ich nie wirklich in die Geschichte hinein gekommen und erst das Ende hat sie für mich runde gemacht. Mit ein bisschen Abstand zur Lektüre und ein bisschen Nachdenken darüber bin ich aber mittlerweile zu der Überzeugung gekommen, dass The City and the City eine zwar düstere, aber trotzdem interessante Kombination ist.

    4ratten

    Failure is success in progress. Either you win or you learn.

  • Oh, das klingt aber spannend. Ich habe von Miéville zwei Bücher gelesen und bin von seinen Ideen total fasziniert. Ich merke mir das Buch mal für die Wunschliste.


    Un Lon Dun war grandios!!!

  • Valentine

    Hat den Titel des Themas von „China Miéville - Die Stadt & die Stadt (The City & the City)“ zu „China Miéville - Die Stadt & die Stadt/The City & the City“ geändert.
  • Inspektor Tyador Borlú wird zu einem Leichenfund gerufen, eine unbekannte junge Frau wurde, halb unter Abfall versteckt, in einer Gasse gefunden, und alles deutet darauf hin, dass sie Opfer eines Verbrechens geworden ist und wahrscheinlich woanders getötet und dann am Fundort abgelegt wurde.


    Was mehr oder weniger nach Routine für einen Kriminalpolizisten klingt, wird erschwert durch die besonderen Umstände in Beszel, einer tristen Stadt am Rande Europas, die auf ungewöhnliche Weise mit der Nachbarstadt oder vielmehr Parallelstadt Ul Qoma verbunden ist - die beiden Städte existieren auf dem gleichen Areal, unterscheiden sich jedoch stark in Sprache, Kultur und Wirtschaft, und der Umgang untereinander ist strengstens reglementiert, unautorisierte Grenzübertritte werden als Verbrechen geahndet und man hat gelernt, sich im Alltag geflissentlich zu ignorieren.


    Borlú stößt bei seinen Ermittlungen dann auch immer wieder an Grenzen, rührt an unliebsame Themen und muss aufpassen, nicht selbst in die Bredouille zu geraten.


    Wenn sich das alles jetzt reichlich kompliziert anhört, trügt dieser Eindruck nicht. Man muss sich auf das Buch einlassen und am besten Zeit und Muße zum Dranbleiben haben, doch es lohnt sich. Miéville erschafft eine düstere Welt voller Fallstricke und undurchsichtiger Mächte, die den Menschen, die in ihr leben, manchmal genauso ein Rätsel ist wie der Leserschaft und trotz der phantastischen Elemente stark in das reale Europa eingebettet ist.


    Die beiden Städte, die untrennbar miteinander verflochten und sich doch so unähnlich und uneins sind, dass sich ihre Bewohner mit großem Misstrauen begegnen, lassen sich auch als Metapher für den oft schwierigen Umgang verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen in der realen Welt lesen, wenn man das denn möchte.


    Für mich war „The City & the City“ ein leicht verstörendes, komplexes, sehr faszinierendes und höchst originelles Buch, das etwas Eingewöhnung brauchte, mich dann aber sehr gefesselt hat, sowohl was den Krimianteil betrifft als auch durch das Porträt einer sehr speziellen Gesellschaft.


    4ratten

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen