Was haltet Ihr von Selbsthilfebüchern?

Bitte achtet auf euch und eure Lieben! Bleibt gesund!

Zum Thema COVID19 darf ab sofort ausschließlich in diesem Thread geschrieben werden!

Es gibt 14 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Mrs Brandon.

  • Vor einigen Jahren hatte ich eine Phase, in der ich mir sehr viele Selbsthilfebücher angeschafft habe (Simplify, Zeitmanagement, etc., die üblichen Verdächtigen halt).


    Bei meiner letzten Ausmistaktion habe ich die meisten ungelesen weggegeben. Mittlerweile habe ich nämlich so meine Zweifel an den meisten Selbsthilfebüchern: die Grundprobleme mögen bei vielen Menschen ähnlich sein, allerdings spielt doch auch das Individuelle eine große Rolle. Ganz abgesehen von den Fragen, die man vielleicht zu gewissen Aspekten hat, die (fast) nur einen selbst betreffen und auf die so ein Buch dann natürlich keine Antwort liefern kann.


    Ich habe nur noch wenige Selbsthilfebücher, und die auch nur zu gesundheitlichen Problemen und mit großem medizinischen Praxisteil. Wie haltet Ihr´s mit Selbsthilfebüchern?


    Neugierige Grüße! :zwinker:

    Einmal editiert, zuletzt von Anja ()

  • Ich studiere Psychologie und stehe sehr vielen sogenannten Selbsthilfebüchern sehr skeptisch gegenüber. Viele dieser Bücher sind sehr populärwissenschaftlich, im negativen Sinne, da sie suggerieren jeder Mensch würde nach den gleichen Prinzipien ticken und es wäre sehr einfach, sein Leben wunderbar problemfrei zu machen (natürlich nur mit diesem einem Buch :rollen: ). Erkenntnisse aus psychologischer Forschung werden dann oftmals viel zu vereinfacht dargestellt, manchmal auch einfach falsch, und meistens als handle es sich um Naturgesetze.
    Einige dieser Selbsthilfebücher rutschen auch sehr ins Esoterische ab, was ich aus persönlichen Gründen ganz einfach nicht mag.


    Ich finde auch, dass solche Bücher dann gefährlich werden können, wenn sie einem Menschen mit ernsten Problemen suggerieren, er könne nur mithilfe eines Buches, das sicherlich nicht nur aus reiner Nächstenliebe geschrieben worden ist, ohne professionelle Hilfe wieder gesund werden. Wenn ich eine Lungenentzündung habe, kaufe ich mir ja auch kein Buch und lass den Arzt ausfallen. Mit Depressionen, schweren Ängsten oder anderen psychischen Problemen sollte das nicht anders sein, denn es sind ernstzunehmende Erkrankungen.


    Das heißt aber nicht, dass alle dieser Bücher gleichermaßen schlecht sind, ich habe selbst gerade einen Ratgeber zum Thema autogenes Training gelesen und es gibt Bücher, die nicht nur für Laien einen sehr guten Einstieg in ein Thema schaffen und zum Teil auch von namhaften Forschern verfasst wurden. Ein guter Ratgeber sollte den Leser aber immer darüber informieren, wozu dessen Lektüre gedacht ist und wo sicherlich die Grenzen eines jeden dieser Bücher liegen.

    “Grown-ups don't look like grown-ups on the inside either. Outside, they're big and thoughtless and they always know what they're doing. Inside, they look just like they always have. Like they did when they were your age. Truth is, there aren't any grown-ups. Not one, in the whole wide world.” N.G.

  • Ich bin keine Spezialistin, aber mir hat ein Psychologe mal gesagt, dass viele dieser Bücher aus Amerika kommen. Wir Deutsche sind aber keine Amerikaner, von daher wird hier ein ganz falsches Bild beschrieben und diese Bücher werden unserer Mentalität in keinster Weise gerecht.
    Meine Meinung: Weg mit den Dingern. Hier würde ich sogar zur blauen Tonne raten.


  • Ein guter Ratgeber sollte den Leser aber immer darüber informieren, wozu dessen Lektüre gedacht ist und wo sicherlich die Grenzen eines jeden dieser Bücher liegen.


    Das ist ein ganz wichtiger Punkt - an dem kann man sicher ein Stück weit die Ernsthaftigkeit ableiten.


    Ich lese recht selten Selbsthilfebücher - meistens kaufe ich sie ungeplant, wenn mich ein Titel zu einem Thema, mit dem ich mich gerade auseinandersetze, im Buchladen anspringt. Als "Augenöffner" finde ich (seriöse) Selbsthilfebücher ganz sinnvoll.
    Ob man aber nach der Lektüre den A... hoch kriegt, um die Erkenntnisse umzusetzen, liegt dann wieder ganz allein beim Leser - und daran scheitert es meistens. Selbsthilfebücher lesen ist halt doch einfacher, als aktiv etwas an der eigenen Situation zu ändern. :zwinker:


    "Simplify" hilft mir heute noch sehr, wenn ich unnützes Zeugs oder dutzendweise Bücher kaufen will, bloß weil sie gerade billig oder sogar umsonst sind.


    Grüße von Annabas :winken:

  • Ich besitze kein einziges Selbsthilfebuch und habe nicht vor, das zu ändern. Küchentischpsychologie bekomme ich in jeder Mittagspause in der Kantine gratis von allen Seiten aufgetischt, da mögen sich die Autoren solcher Werke anders helfen, zu Geld zu kommen. Meins bekommen sie nicht.

  • Ich muss gestehen, dass ich Selbsthilfebücher ab und an ganz gerne lese, sofern sie nicht zu esoterisch daherkommen. Bei meiner Onleihe gibt es da eine relativ große Auswahl, auch in Hörbuchform, was ich gerne nutze. Nützlich finde ich diese Bücher vor allem als Impulsgeber und es interessiert mich, die Ansichten und Herangehensweisen anderer Menschen zu einem bestimmten Thema oder Lebensbereich kennenzulernen. Was ich davon gebrauchen kann, übernehme ich für mich selbst bzw. probiere es aus, alles andere vergesse ich dann wieder.
    Ideal ist es, wenn diese Bücher dann noch unterhaltsam geschrieben sind, dann hat das Lesen/Hören auch noch einen gewissen Spaßfaktor. :smile:

    :lesen: Joe Navarro - Menschen lesen

  • Generell bin ich nicht da gegen. Ich weis auch gar nicht ob ich eins besitze. Fakt ist man will damit viel Geld machen und das machen Sie auch, aber ob so was wirklich hilft ? Meine Schwester hat ein Buch ich glaub darin geht es wie man jeden Tag glücklich sein kann oder so was ähnliches... ich habe paar Seiten gelesen und festgestellt dass ich danach eher depressive war :smile:
    Bei ernsten Sachen finde ich es wichtiger dass man ein Psychologen aussucht statt sich Selbsthilfebücher zu kaufen,aber wenn jemand gerade eine Phase durchmacht und sich durch solche Bücher besser fühlt dann warum nicht.

  • Ich bin auch nicht generell dagegen.


    Simplify war für mich ein wirklich sehr hilfreiches Buch, weil ich tatsächlich nicht wusste, wie man aufräumt und jedes Mal wieder überfordert davor stand.
    Nach den amazon-Rezis zu urteilen, ging das nicht nur mir so.
    (Andere Aspekte, die das Buch ansprach, habe ich großzügig ignoriert, weil die teils sehr esoterisch angegangen wurden (Geld, Beziehung).


    Ich meine, es gibt gute und schlechte Selbsthilfebücher.
    Was für den einen gut ist, kann natürlich für den anderen schlecht sein, aber allg. schlecht finde ich Null-acht-Fuffzehn-Bücher ("Sind Sie traurig, treffen Sie fröhliche Menschen!" Ach nee!), Bücher, die einem einreden, dass man ein großes Problem hat und Bücher, die sehr in die esoterische Schiene gehen.


    Wenn man diese Bücher mit etwas gesunder Skepsis liest, kann man sich aus dem einen oder anderen schon etwas raus ziehen, ohne, dass man gleich sein Wertesystem oder seinen Glauben ändert.


    Einiges ist dann aber auch zu lustig.


    Meine Mutter hat mal "Praktische Intuition" von Laura Day geschenkt bekommen.
    Die Autorin wollte einem weis machen, dass sie in gewisser Weise hellsehen kann und das auch bis zu einem gewissen Grad dem Leser beibringen kann. :rollen:
    Dafür brauchte es dann sehr viele Anekdoten über ihre Gabe, und natürlich ihre halbe Lebensgeschichte.


    Bis zum Ratgeberteil bin ich nie gekommen.
    Der Sinn von eingepackten Geschenken besteht für mich in der Überraschung, nicht darin, dass ich nach Abtasten des Päckchens schon sehen kann,was drin ist. :zwinker:


    Ich weiß nicht, ob auch solche Bücher in diese Kategorie fallen, aber ich bin schon sehr interessiert an Büchern zum Thema "besser lernen, analytisch oder kreativer denken, sich besser etwas merken".


    Davon gibt es natürlich auch gute und schlechte, aber gerade als "Anfänger" kann man sich aus den meisten etwas raus ziehen.


    Ganz übel finde ich aber die Selbsthilfebücher, die einen Großteil der Seiten für die Selbstbeweihräucherung des Autors verwenden!


    Liebe Grüßen von
    Keshia

    Ich sammele Kochbücher, Foodfotos und Zitate.


    <3 Aktuelle Lieblingsbücher: "The good people" von Hannah Kent, "Plate to pixel" von Hélène Dujardin und "The elegance of the hedgehog" von Muriel Barbery.

  • Ich leihe mir mal ab und an Selbsthilfebücher bei der Onleihe und sehe diese eher als Impulsgeber. Ratgeber gibt es für viele Gebiete. Auch habe ich den ein oder anderen Erziehungsratgeber als Mutter schon gelesen. Ich habe aber auch kein Ernsthaftes Problem. Ich finde es niemanden geholfen der zB. an Depressionen leidet ein Buch zu lesen ala Weg mit der Depression. In einigen Büchern habe ich auch schon gelesen wozu das Buch geeignet ist und das darauf hingewiesen wo die Grenzen des Buches liegen...
    Viele der ausgeliehenen Bücher habe ich nur angelesen und dann weiter durch geblättert.
    Vieles ist zwar interessant, aber ganz ehrlich weiß man dies auch falls man mal Problem XY hat, und mal eine Freundin um Rat fragt. Einige Dinge kann man übernehmen.
    Gefährlich finde ich allerdings solche Bücher für Menschen die wirklich an Depressionen, Burnout, psychischen Problemen leiden die sich auf Grund eines Buches vielleicht dann doch nicht professionell behandeln lassen, solche Störungen bekommt man nicht mit Büchern weg.
    Ich habe auch einige homöopatische Bücher die ich gerne mal anwenden bei kleinen Blessuren und Erkältungen.
    Simplify habe ich auch und es hat mir schon einige gute Tipps geben können.

    ~Viele liebe Grüße Steffi~<br />Gelesen 2010 29 Bücher 11964 Seiten<br />SUB 130<br />2009 - 128 Bücher - 46245 Seiten

  • Ich stehe solchen Büchern gespalten gegenüber. Wenn es sich auf konkrete Dinge bezieht, wie z. B. seinen Alltag besser zu organisieren, ist das in Ordnung. Früher mal war "Jetzt helfe ich mir selbst - Golf II" ein willkommener Ratgeber, der mir tatsächlich weitergeholfen hat :breitgrins:.


    Aber wenn es um den Menschen geht, egal ob Gesundheit oder Psyche, halte ich nichts davon. Da gibt es so viel Mist, der manche Betroffene nur noch tiefer reinreitet. Ich kenne Leute, die über jedes Wehwehchen googlen und sich hinterher erst richtig krank fühlen. Es gab mal eine Zeit, als ich auch Ratgeber zu einem bestimmten Problem gelesen habe und hinterher nur insofern schlauer war, dass ich nicht die Einzige mit diesem Problem war. Sonst hat es mir nicht geholfen. Man sollte nicht davon ausgehen, dass eine pauschale Meinung auf jeden zutrifft. Vor allem ist es gut möglich, dass in zwei unterschiedlichen Büchern auch zwei unterschiedliche Meinungen vertreten werden.


    Für einen Impuls in guten Zeiten mögen die Bücher in Ordnung sein, wenn man denn seine Zeit dafür opfern möchte, aber in Härtefällen ist eine objektive Meinung für den individuellen Fall meiner Einschätzung nach besser.


  • Ich finde auch, dass solche Bücher dann gefährlich werden können, wenn sie einem Menschen mit ernsten Problemen suggerieren, er könne nur mithilfe eines Buches, das sicherlich nicht nur aus reiner Nächstenliebe geschrieben worden ist, ohne professionelle Hilfe wieder gesund werden. Wenn ich eine Lungenentzündung habe, kaufe ich mir ja auch kein Buch und lass den Arzt ausfallen. Mit Depressionen, schweren Ängsten oder anderen psychischen Problemen sollte das nicht anders sein, denn es sind ernstzunehmende Erkrankungen.


    Für mich versteht es sich von selbst, dass diese Bücher keine wirklichen Erkrankungen heilen sollen. Es muss aber auch nicht jeder gleich zu einem Psychologen (genauso wenig wie ich mit einer Erkältung zum Arzt muss), oftmals hilft ein Impuls für eine neue Richtungsgebung und eine Standortbestimmung, aus der man eine neue Richtung ansteuern kann. Ich selbst bin kein großer Leser dieser Bücher, habe wenn ich mich richtig erinnere nur "Männer sind vom Mars und Frauen von der Venus" gelesen und das war nicht gerade die große Offenbarung, schließe aber nicht aus, dass ich mich so einem Werk mal zuwende.

  • Ich denke, diejenigen, die diese Bücher eigentlich nicht bräuchten, können sie gut lesen. Denn dann sieht man die Tipps mit dem richtigen Abstand und nimmt alles auch nicht so ernst.
    Zumindest mir geht es so, ab und an lese ich sowas ganz gerne. Auch die amerikanischen Ratgeber, ich für mich kann entscheiden, was ich davon umsetzten kann. Manche Anregungen helfen mir, mich besser zu optimieren, andere tue ich als nicht praktikabel ab.


    Wenn aber jemand eh leicht labil ist und solche Ratgeber für 100% nimmt, und dann noch einen "schlechten" erwischt, dann ist es nicht das beste, was er tun konnte.

  • Moin, Moin!


    Das Dilemma dieser Bücher ist, daß, wenn man die Fähigkeit hätte, die in ihnen bereit gestellten Programme und Übungen konsequent durchzuführen, man sie nicht bräuchte.


  • Das Dilemma dieser Bücher ist, daß, wenn man die Fähigkeit hätte, die in ihnen bereit gestellten Programme und Übungen konsequent durchzuführen, man sie nicht bräuchte.


    Das sehe ich gänzlich anders. Eine solche Fähigkeit kann man erlernen und sich erarbeiten, wenn die Erkenntnis der Notwendigkeit kommt. Und genau diese Erkenntnis kann man (auch) durch solche Bücher erlangen.

  • Danke für Eure interessanten Antworten auf meine Frage!


    tári: denkst Du, man kann psychologische Sachverhalte überhaupt so transportieren, dass es auch Laien (wie ich) verstehen und die dafür notwendige Verkürzung den Sachverhalt nicht verfälscht?


    Das Esoterische z.B. in Simplify hat mich auch sehr gestört.


    Papyrus: an den Aspekt mit den Büchern aus Amerika habe ich noch gar nicht gedacht. Aber selbst bei Ratgeberbüchern, die von deutschen PsychologInnen geschrieben wurden, habe ich meine Bedenken (was das Individuelle solcher Probleme betrifft).