Andreas Brandhorst - Seelenfänger

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 6 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Rosenprinzessin.

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    Andreas Brandhorst - Seelenfänger


    Inhalt:
    Zacharias Calm ist ein Traveller, d.h. er kann in das Bewußtsein von anderen Personen, die schwer krank oder traumatisiert sind, reisen. Als Kollegen von ihm von ihren Reisen nicht mehr zurückkommen und ins Koma fallen, sollen sich Zacharias und seine Therapeutin Florence in die mentalen Welten der Opfer aufmachen, um herauszufinden, wer dahintersteckt.


    Meine Meinung:
    Dieses Buch ist mein erstes Buch von Andreas Brandhorst und wird sicherlich nicht das letzte bleiben, auch wenn ich bei der Lektüre öfters Gefahr lief, mir die Hirnwindungen zu verknoten. "Seelenfänger" nimmt den Leser auf eine Reise in die mentalen Welten anderer Menschen, in der man sich früher oder später verlieren kann. Irgendwann verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Traum und es ist schließlich nicht mehr klar, ob die von uns empfundene Realität tatsächlich so real ist. Wie definiert sich Realität für den Einzelnen? Ist ein Traum für denjenigen, der in einem Traum lebt, nicht ebenso real, wie für uns die Welt, in der wir leben?


    Aber das Buch regt nicht nur zum Nachdenken an, es ist auch ungemein spannend, daß es einem sehr schwer fällt, daß Buch auf die Seite zu legen. Aber man sollte sorgfältig lesen, da das Buch nur so vor Ideen und Eindrücken strotzt, um den Überblick über (vermeintliche) Realitäten, Träume, Virtuelle Realitäten sowie ihren natürlichen und künstlichen Intelligenzen und deren Wechselbeziehungen untereinander nicht zu verlieren. Von den Plänen in den Plänen und den Fallen in den Fallen ganz zu schweigen.


    Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet und ihre Absichten nicht unbedingt auf Anhieb ersichtlich. Ich habe mich ertappt, daß ich nach drei Viertel der Lektüre kaum jemanden noch recht über den Weg getraut habe.


    4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

    Liebe Grüße

    Karin

  • Was ist Realität? Existiert überhaupt die "EINE REALITÄT" oder leben wir alle in einer von uns geschaffenen Traumwelt?


    Der an ALS erkrankte Zacharias hat eine besondere Gabe. Er kann in das Bewußtsein von anderen Menschen reisen, diesen traumatische Erinnerungen nehmen und ihnen damit ein besseres Leben ermöglichen! Die Möglichkeiten die diese Fähigkeiten bieten sind unendlich...
    Doch Zacharias ist nicht der einzige der diese Fähigkeit hat, Menschen mit diesem Talent nennt man Traveller und einige von seinen Kollegen sind von einer Reise in ein Bewußtsein nicht zurück gekehrt. Zacharias macht sich zusammen mit seiner Therapeutin Florence auf den Weg um herauszufinden wohin diese verschwunden sind.


    Andreas Brandhorst hat mich in eine völlig neue Welt entführt die fantastischer nicht sein könnte. Immer wieder habe ich mir selbst die Frage gestellt was ist nun die reale Welt und wo beginnt die Traumwelt. Gibt es überhaupt die Möglichkeit es zu erkennen? Und wenn ich es könnte für welche würde ich mich entscheiden?
    Andreas Brandhorst lässt Grenzen verschwimmen und nimmt psychologische Aspekte mit in seinen Roman auf. Selbst nach dem lesen der Geschichte hat mich das Thema nicht los gelassen und manches betrachte ich jetzt auch aus einer anderen Sichtweise.


    Die Charaktere sind sehr vielschichtig und glaubhaft dargestellt. Ich konnte die innere Zerrissenheit von Zacharias gut nachvollziehen und auch Florence ist mir sehr ans Herz gewachsen.
    Das die Personen nicht einfach in einem Schwarzweiß Muster dargestellt worden sind gab es auch nicht wirklich einen Bösewicht, denn alles ist eine Sache der Wahrnehmung!
    Auch KI und MI kommen in diesen Roman vor und selbst ich (mit wenig SF Erfahrung) bin mit diesen gut zurecht gekommen.


    Der Autor besitzt ein großes Talent mein Kopfkino auf Höchstouren laufen zu lassen, die Beschreibungen der verschiedenen Schauplätze, Szenen und Gerüche haben mich problemlos in diese Welt gleiten lassen.


    Seelenfänger ist mein erstes Buch von Andreas Brandhorst und ich kann mit Gewissheit sagen das es nicht mein letztes sein wird.

  • Ausnahmsweise werde ich bei diesem Buch einmal auf die Wiedergabe des Inhalts verzichten, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich den Inhalt wirklich richtig wiedergeben könnte. Das Buch hat mich sehr verwirrt. Es geht hauptsächlich wohl darum, dass zwei Menschen – Zacharias und Florence – in das Bewusstsein bzw. die Seele anderer Menschen reisen. Dabei tun sich immer neue Welten auf, und ich habe irgendwann den Überblick verloren. Was ist Wirklichkeit, was ist Traum?
    Für mich war die spannendste Szene die, in der Florence in der Festung ist und von menschenfressenden Käfern bedroht wird. Gleichzeitig war das auch die Szene, die ich mir am besten vorstellen konnte. Ansonsten hat meine Verwirrtheit mich während der Lektüre kaum verlassen…
    Mit diesem Buch wollte ich einmal versuchen, ein anderes Genre zu lesen. Dieses ist Neuland für mich, und ich war sehr gespannt darauf! Aber nun weiß ich, dass ich erst mal bei meinen üblichen Genres bleiben werde.
    „Der Seelenfänger“ ist mit Sicherheit ein gutes Buch; der Schreibstil ist sehr gut. Rein inhaltlich konnte es mich einfach nicht überzeugen, was aber daran liegt, dass dieses Genre mir wohl doch nicht liegt.

    Lesen aus Leidenschaft

  • Sehr anspruchsvolles und fesselndes Kopfkino. Nichts für müde Lesestunden nebenher...


    Zacharias ist einer der ganz wenigen, die als Traveller arbeiten können. Das heißt, er kann unter Zuhilfenahme des Medikaments Tetranol in das Bewusstsein anderer Menschen eindringen, um ihnen bei traumatischen Erkrankungen zu helfen. Während er selbst an der Krankheit ALS erkrankt ist und somit an seinen Rollstuhl gefesselt und sich nur computerunterstützt über seine Pupillen mitteilen kann, ermöglicht ihm dieser Job innerhalb der Gedankenwelt anderer Menschen körperlich unversehrt durch geistige Welten zu reisen. Stets begleitet von seiner Therapeutin, der sympathischen Florence, versucht er so, den von Traumata gematerten Menschen innerhalb des Philanthropischen Instituts, bei der Gesundung zu helfen. Als einige seiner Kollegen Schwierigkeiten bei ihren Reisen in die Bewussteinswelten von Patienten haben und sogar „verschwunden“ bleiben, fühlen sich die beiden zum konkreten Handeln gezwungen.


    Ein Mystik-Thriller á la Andreas Brandhorst. Fesselnd und auf eine positive Weise skurril, vor einer atemberaubend fantastischen Kulisse aus Welten und Bewusstseinsebenen, die wieder einmal meisterhaft beschrieben wurden. Wie ein Sog zog es mich hinein in die spannenden Szenarien, die Fragen aufwarfen und Antworten suchten. So viele, dass ich zeitweise meinte, die Orientierung zu verlieren. Doch auch wenn ich nicht immer wusste, wohin mich diese Geschichte letztendlich führen würde, warf sie doch viele ungemein interessante Fragen auf. Wie definiert man die Realität? Was macht die Lebenswahrheit aus? Ist unsere Welt tatsächlich die eine Einzige? Welche Wahl würde ich für mit treffen? Gibt es überhaupt eine Wahl? … Die dramatischen Handlungen gemischt mit der Philosophie über das Sein, gaben mir stets neue Herausforderungen auf. Träume in Träumen, Pläne in Plänen und Fallen in Fallen, taumelte ich gemeinsam mit den äußerst charakteristisch gezeichneten Figuren durch die verschiedensten Welten und erlebte fast hautnah ihre eigene Verwirrung mit. Auch wenn ich hier in der Verschachtelung der Zusammenhänge nun doch etwas an meine ganz persönlichen Grenzen gestoßen bin, kann ich dieses Buch dennoch weiterempfehlen. Ein Roman, welcher einen sicher auch ein paar Tage danach immer noch nicht ganz loslässt.


    Da es nicht mein Genre ist, bin ich sicher nicht als Maßstab geeignet.
    Ich stieß hier und da vielleicht ein wenig an meine geistigen Grenzen, was der Lektüre als Spannungsliteratur und Denkanstoßgeber aber sicher keinen Abbruch tat.


    4ratten

    "Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

  • Hier ist auch noch meine Meinung zu dem Buch:


    Erster Satz: „Hier lag er und träumte davon zu denken.“


    Inhalt
    Zacharias leidet unter ALS, sitzt im Rollstuhl und kann sich nur noch über die Augen verständigen. Jedoch hat er eine besondere Fähigkeit, die ihn zu einem Traveller macht, sogar den Besten unter ihnen. Traveller sind besonders begabte Menschen, die unterstützt von einer Droge mit dem Bewusstsein seelisch kranker Patienten Kontakt aufnehmen können. Sie dringen in deren Geist ein und dort sind sie dann in der Lage, ein Trauma aufzuspüren, es zu zerstören und so das kranke Bewusstsein zu behandeln und zu heilen.


    Begleitet wird Zacharias bei dieser Aufgabe von der Therapeutin Florence, die durch eine Computerverbindung zum einen immer die Daten des Patienten im Auge hat und zum anderen dafür sorgt, dass Zacharias nicht zu übermütig wird und sich nicht in den Traumwelten des jeweiligen Patienten verliert. Denn nur dort fühlt sich Zacharias lebendig, kann er sich frei bewegen und sprechen und die Versuchung ist groß, zu lange dort zu verweilen.


    Als ein anderer Traveller nicht mehr aus dem Bewusstsein eines wichtigen Patienten zurückkehrt und in ein tiefes Koma fällt, machen sich Zacharias und Florence auf den Weg, um ihn zu finden und wieder zu befreien. Doch ihr Eintritt in die mentalen Welten des Patienten werden zu einer hochgefährlichen Mission, denn dort wartet schon ein Gegner auf sie, der nur auf sie gewartet hat und der ganz eigene Vorstellungen von der Realität hat: der Seelenfänger



    Meine Meinung
    Den für mich so faszinierend bildhaften Schreibstil des Autors kenne ich nun schon von seinen anderen Büchern und gleich am Anfang haben mich auch hier wieder die traumhaft unwirklich wirkenden Szenen und Beschreibungen, wie Zeitlupenaufnahmen, Splitter eines Kronleuchters, die im Raum stehenblieben u. ä. so gepackt, dass mein Kopfkino sofort wieder angesprungen ist und die Geschichte auf mich eine besonders intensive und surreale Atmosphäre ausstrahlte.


    Denn wir treten gleich am Anfang gemeinsam mit dem Traveller Zacharias in die Bewusstseinswelt eines Patienten ein, um dort herauszufinden, warum dieser einen Selbstmordversuch unternommen hatte. Diese Welt wirkt wie eine virtuelle Realität oder wie ein seltsam echter Traum mit Häusern, Straßen und Menschen, zwischen denen man herumläuft. Zach muss dort nun das richtige Haus, die richtige Tür finden, um das Problem des Patienten zu finden und handeln zu können. Doch dies ist nicht immer ungefährlich, denn der Patient wehrt sich gegen das Eindringen und so muss Zacharias sich auch gegen Angriffe wappnen, deren Verletzungen ihm tatsächliche Schmerzen bereiten. Dies wird gleich sehr spannend beschrieben und man bekommt eine Ahnung davon, dass die gedanklichen Bewusstseinsebenen vielleicht doch nicht so leicht zu kontrollieren sind und einige Gefahren bergen.


    Denn je weiter die Geschichte später voranschreitet, desto mehr verirrt man sich auch als Leser in den verschiedenen Realitäten. Auf der Suche nach dem verschollenen Kollegen geraten Zacharias und Florence in immer gefährlichere Welten und Bewusstseinsrealitäten. Sie treffen auf unterschiedliche Charaktere in phantastischer Umgebung und dringen immer tiefer dort ein, so dass sie und auch wir Leser irgendwann nicht mehr sicher sind, welche Realität, welche Wahrheit und welche Gedanken überhaupt die richtigen sind. Ständig verfolgt wird Zacharias dabei vom Seelenfänger, der ihm ein freies Leben in einer Realität verspricht, wie der Traveller sie sich immer erträumt hat, denn natürlich ist es für Zacharias eine große Versuchung, ein gesundes und bewegliches Leben zu führen, vor allem, wenn man keinen Unterschied zwischen den Realitäten verspürt. Doch welche Realität ist überhaupt die echte, wenn jeder Einzelne dies von seiner eigenen Welt glaubt? Gibt es überhaupt die EINE Realität oder gibt es ganz viele davon? Und wer ist der Seelenfänger, der Zacharias und viele andere Menschen bedroht und für seine Zwecke benutzen will? Oder will er sie vielleicht doch befreien?


    Zacharias weiß bald nicht mehr, wem er trauen kann, denn auch Maschinenintelligenzen beanspruchen die Realität für sich und mischen sich ins Geschehen ein, ebenso die Organisation, für die Zacharias arbeitet. Und so strudelt man als Leser ständig hin und her und das Gehirn verknotet sich immer mehr bei der Frage nach der echten und wahren Realität. Ich wusste irgendwann nicht mehr, woran ich glauben sollte, denn wie man es auch drehte und wendete, es könnte alles möglich sein, je nachdem wer einem seine persönliche Wahrheit erzählte.


    Obwohl die Geschichte sehr verwirrend war, konnte ich mich sehr gut auf sie einlassen und mich durch die Realitäten treiben lassen. Dafür sorgten der bild- und gedankenreiche Schreibstil, die spannenden Szenen und interessanten Charaktere und vor allem auch die spannenden Fragen nach der subjektiven Wahrnehmung von Realität und der möglichen Fähigkeit, mit seinen Träumen und Gedanken ganze Welten zu bauen und nach eigenen Wünschen zu gestalten.


    Das Buch ist sehr spannend und fesselnd erzählt und bietet dabei viel zum Nachdenken und Spekulieren und gibt am Ende großen Spielraum für eigene Interpretationen und Vorstellungen, die sich sogar, je länger ich mich damit beschäftigt habe, im Nachhinein auch immer wieder änderten und ergänzten. Für mich ist es wieder einmal ein Buch, mit dem ich mich gedanklich noch eine ganze Weile beschäftigen kann und das deshalb noch lange hängenbleiben wird. Man sollte sich bei dieser Geschichte aber nicht vor offenen Fragen fürchten, sondern Spaß daran haben, sich in unwirkliche und vielleicht auch mal unerklärliche Welten zu begeben und seiner Fantasie freien Lauf zu lassen.


    5ratten

  • Uff. Dieses Mal war es keine leichte Kost. Es fing alles so schön logisch und nachvollziehbar an, aber von Seite zu Seite bzw. Kapitel zu Kapitel wurde es immer verworrener. Wäre dies ein Film gewesen, hätte ich ständig die Pausetaste gedrückt und gefragt "Hä? Erklärt mir das mal bitte jemand?"


    Ich finde es schwierig, eine verständliche Rezension bzw. Meinung über das Buch zu schreiben, weil ich selbst im Endeffekt nicht den 100%igen Zugang zu dem Plot gefunden habe, doch auf jeden Fall sind die Charaktere toll gezeichnet. In die Personen und deren Denkweise konnte ich mich gut einfinden und vieles sofort nachvollziehen.
    Die Handlung ist sehr spannend! Sämtliche Szenarien sind auch hier wieder sehr gut dargestellt und derart gut beschrieben, dass ein detaillierter Film im Kopf abläuft und das Abtauchen in die fremden Welten leicht gelingt.
    Die philosophische Komponente kommt auch hier nicht zu kurz; wie in allen bisherigen Romanen, die ich von A. B. gelesen habe, regt die Geschichte ständig zum Nachdenken und Austauschen an.


    Lesegenuss an und für sich: :bang:
    Es ist halt ein Brandhorst, da bereue ich nicht eine Seite, auch, wenn ich dieses Mal nicht alles verstanden habe.


    @ Rosenprinzessin: Wie bereits im Leserunden-Forum geschrieben, hast Du hier auch einen echt harten Brocken erwischt. Das Genre ist an und für sich nicht schwierig zu verstehen, das Buch allerdings war der Hammer für sämtliche Synapsen.
    Versuch es einmal mit "Die Stadt" von Brandhorst. Es ist zwar auch teilweise abstrakt, aber bei weitem viel, viel besser zu verstehen und nachvollziehbarer als "Seelenfänger".

    "Verzicht bedeutet für Frauen die kurze Pause zwischen zwei Wünschen."

    ~ Mario Adorf

  • @ Rosenprinzessin: Wie bereits im Leserunden-Forum geschrieben, hast Du hier auch einen echt harten Brocken erwischt. Das Genre ist an und für sich nicht schwierig zu verstehen, das Buch allerdings war der Hammer für sämtliche Synapsen.
    Versuch es einmal mit "Die Stadt" von Brandhorst. Es ist zwar auch teilweise abstrakt, aber bei weitem viel, viel besser zu verstehen und nachvollziehbarer als "Seelenfänger".


    Vielleicht war das wirklich das falsche "Einsteigerbuch" für mich.
    Da hier so viele aber begeistert sind von Andreas´ Büchern, bin ich durchaus geneigt, noch einen Versuch zu wagen! :zwinker: "Die Stadt" werde ich mir mal vormerken; danke für den Tipp!

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