Bettina Belitz - Verboten tapfer (Luzie & Leander 6)

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 3 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von nimue.

  • Bettina Belitz: Verboten tapfer (Luzie & Leander, 6)


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    Inhalt (Klappentext):


    Leanders Traum ist wahr geworden: Endlich hat er einen menschlichen Körper! Doch genau das ist plötzlich richtig gefährlich, denn Leander wird schwer krank. Und wen soll Luzie um Hilfe bitten, wenn Leander für andere nicht sichtbar ist? Noch dazu erkennt Luzie sich selbst nicht wieder: Als erklärter Modemuffel verspürt sie neuerdings den unwiderstehlichen Drang, Klamotten zu designen, und soll auch noch bei einer Modenschau mitmachen! Als es Leander immer schlechter geht, muss Luzie sich entscheiden: Darf sie jemandem von all den rätselhaften Veränderungen in ihrem Leben erzählen?


    Meine Meinung:


    Nachem ich von den Bänden 4 und 5 etwas enttäuscht war, gefiel mir dieser wieder besser. Irgendwie habe ich doch das Bedürfnis, weiterzulesen, wie es den beiden ergeht, und sei es noch so chaotisch.


    Diesmal ging es wieder ein wenig geordneter zu. Leander hat den Dreisprung vollzogen. Mir ist freilich nicht ganz klargeworden, was genau nun das Neue an Leanders Körper ist, denn nach wie vor ist er für alle Menschen außer Luzie unsichtbar und spüren konnten sie ihn ja auch früher schon... :gruebel:


    Luzie hat jedenfalls alle Mühe damit, Leander zu pflegen, als dieser krank wird, denn wer einen menschlichen Körper hat, kann auch krank werden, aber welcher Arzt bitte soll einen Unsichtbaren untersuchen, der zudem vermutlich keiner Krankenkasse angehört?


    Wie Luzie dieses Problem meistert, fand ich zwar stellenweise wieder etwas übermäßig spontan, aber im Großen und Ganzen glaubwürdig beschrieben, und liest sich sehr amüsant. Diese Problematik macht den Großteil des Buches aus. Daneben gibt es noch eine weitere ernste Komponente:

    , und wiedermal eine Projektwoche in der Schule. (Ich weiß nicht auf Anhieb, wie lange Band 5 her ist, aber da war doch auch schon ein Projekt im Gange? Hat Luzie in dieser Schule auch mal ganz normalen Unterricht?) Insgesamt kommt die Schule mir nicht ganz realistisch vor, mit den vielen Projekten, der Art, wie die Lehrer beschrieben werden, dem Nichtahnden von Schuleschwänzen, und so unverständlichen Kleinigkeiten wie, daß in Luzies Klasse zwar Jungs und Mädchen getrennten Sportunterricht haben, aber dennoch die Mädchen von einem Mann unterrichtet werden - von meiner Tochter und auch aus meiner Schulzeit früher kenne ich es so, daß Mädchen ab dem Zeitpunkt des getrennten Sportunterrichtes ausschließlich Frauen als Sportlehrer haben (und die Jungen dementsprechend Männer). Aber sei es drum. Auf jeden Fall ist Luzies Sportlehrer eine echte Bereicherung fürs Geschehen :breitgrins: :breitgrins:, ebenso wie Luzies neuer Hang zum Nähen und zum Modedesign. Und Luzies Mutter hat mir hier endlich mal richtig gut gefallen.


    Abgesehen davon und abgesehen von ein paar kleineren sprachlichen Ausrutschern war das Buch eine amüsante, rasante und humorvolle Lektüre. Man könnte höchstens noch bekritteln, daß man zuwenig von Leander hat, weil der fast die ganze Zeit krank darniederliegt. Aber dafür wird man durch das Ende entschädigt, bei dem endlich mal nichts schiefging, und Parkour wieder mal zu seinem Recht kam. Und ich denke mal, es wird noch weitere Bände geben. Ob Leander vielleicht letztendlich wirklich zum Menschen wird?


    Ich schwanke zwischen dreieienhalb und vier Leseratten.


    3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus: bis 4ratten

    Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (R. Luxemburg)

    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.

  • Mich konnte das Buch nicht überzeugen. Leider.


    Meine Meinung:


    Leander hat es geschafft: Der legendäre Dreisprung ist ihm geglückt und er hat endlich den langersehnten menschlichen Körper. Problem: Noch immer kann ihn nur Luzie sehen. Allerdings wird er immer mehr von anderen wahrgenommen, gefühlt, gehört. Wenn auch nur manchmal. Auch Luzie hat sich verändert und eine neue Leidenschaft entdeckt. Obwohl sie mit Mode bisher rein gar nichts am Hut hatte, schnappt sie sich nun Stoffreste und Nähmaschine und tobt sich daran aus, indem sie Klamotten für Leander, Seppo, Serdan, Billy und sich selbst designet. Als Leander plötzlich schwer krank wird, steht Luzie vor einem fast unlösbaren Problem: Wie kann man einen unsichtbaren Patienten untersuchen und ärztlich behandeln lassen, bevor er an einer Lungenentzündung stirbt?


    Auch im sechsten Teil um Luzi und Leander befindet sich der Leser auf einer kleinen Achterbahnfahrt. Leander ist krank und ungewohnt still. Luzie ist eben Luzie. Die quirlige Göre, die eigentlich eher als Junge hätte geboren werden sollen. Doch immer mehr bemerkt sie, wie sehr sie in Leander verliebt ist. Insgesamt ist "Verboten tapfer" aber bisher wohl der Teil der Reihe, der mich am wenigsten begeistern konnte. Alles kratzt doch sehr an der Oberfläche. Luzie entscheidet sich plötzlich aus heiterem Himmel, dass sie kein Fleisch mehr essen mag, weil sie nicht will, dass ein Tier für sie stirbt. Dieses meiner Meinung nach sehr wichtige Thema wird aber nur ganz kurz berührt und die Erklärung erscheint mir in sich überhaupt nicht schlüssig.


    Dann der legendäre Dreisprung. Eigentlich ist alles noch genauso wie vorher: Leander ist unsichtbar. War er vor dem Dreisprung ebenfalls. Und das bisschen Husten, das Luzies Mutter hören kann? Auch hier: Mager ausgearbeitet. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass Bettina Belitz so langsam der Stoff für neue Bände ausgeht und sie deshalb entsprechend loses Füllmaterial verarbeiten muss.


    Als sehr störend empfand ich immer wieder teilweise homophobe Kommentare Luzies. So bezeichnet sie ihren homosexuellen Sportlehrer als "Schwuchtel" und "stockschwul" - Ausdrücke, die mir auch in der Splitterherz-Trilogie der Autorin unangenehm aufgefallen sind. Ich bin der Meinung, dass solche Aussagen nichts in einem Jugendbuch so völlig unreflektiert zu suchen haben. Immerhin nimmt Luzie als Hauptcharakter auch eine gewisse "Vorbildfunktion" ein und gerade dann sollte eine Protagonistin auch etwas kritischer auftreten oder ihr auch mal ein bisschen Gegenwind entgegenwehen. Das ist hier leider überhaupt nicht der Fall. Die genannten Ausdrücke sind völlig normal, was für mich wirklich erschreckend ist.


    Ich freue mich weiterhin auf die folgenden Bücher - zwei Bände sollen noch folgen, denn die Reihe ist auf insgesamt acht Stück ausgelegt. Es ist fraglich, ob Bettina Belitz noch genügend Material zur Hand hat und ich hoffe, dass die nächsten wieder ein bisschen besser werden.


    2ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

    "Vor ein paar Jahren hätte ich Ihnen geantwortet: Wir sind nicht die Weimarer Republik. Aber wenn ich mir die Entwicklungen in der letzten Zeit so ansehe, dann muss ich antworten: Ja, ich mache mir ernsthaft Sorgen um unsere Demokratie." (Ein Experte für Rechtsextremismus wird in der Dokumentation "Rechts. Deutsch. Radikal")

  • Hallo nimue,


    interessant, daß dir dieser Band nun weniger gefiel... Ich habe das "Tief" ja schon bei den beiden vorigen Bänden durchlaufen und fand diesen im Vergleich dazu wieder ein wenig besser. Insgesamt aber habe auch ich den Eindruck, daß Ideen und Logik/Plausibilität, vergleichen mit den ersten Bänden, sehr nachlassen.
    Am besten waren noch die ersten beiden Bände.



    Als sehr störend empfand ich immer wieder teilweise homophobe Kommentare Luzies. So bezeichnet sie ihren homosexuellen Sportlehrer als "Schwuchtel" und "stockschwul" -


    Ja, das ist mir auch negativ aufgefallen. Das war es, was ich mit "sprachlichen Ausrutschern" meinte. Der Grat ist schmal zwischen flapsiger Jugendsprache und Diffamierungen, ich nehme an es sollte jugendgemäß klingen, finde aber auch, daß Bettina Belitz hier ziemlich danebengreift...

    Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (R. Luxemburg)

    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.

  • Ja, die ersten beiden Bände waren wirklich die besten. Momentan bringt kein Buch was neues. Ich werde die Reihe aber sicher zu Ende lesen, weil ich schon sehr neugierig bin, wie das mit Leander weiter geht.



    Ja, das ist mir auch negativ aufgefallen. Das war es, was ich mit "sprachlichen Ausrutschern" meinte. Der Grat ist schmal zwischen flapsiger Jugendsprache und Diffamierungen, ich nehme an es sollte jugendgemäß klingen, finde aber auch, daß Bettina Belitz hier ziemlich danebengreift...


    Ich empfinde es nochmal als unangenehmer, weil die Autorin ja bereits in der Splitterherz-Trilogie ihrer Protagonistin immer wieder das Wort "Schwulette" in den Mund gelegt hat.

    "Vor ein paar Jahren hätte ich Ihnen geantwortet: Wir sind nicht die Weimarer Republik. Aber wenn ich mir die Entwicklungen in der letzten Zeit so ansehe, dann muss ich antworten: Ja, ich mache mir ernsthaft Sorgen um unsere Demokratie." (Ein Experte für Rechtsextremismus wird in der Dokumentation "Rechts. Deutsch. Radikal")