Will Wiles - Die nachhaltige Pflege von Holzböden

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 1 Antwort in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Samia.

  • Kaufen* bei

    Amazon
    Bücher.de
    Buch24.de

    * Werbe/Affiliate-Links


    Erster Satz: „Viele haben Angst vorm Fliegen, was ich nie verstanden habe.“


    Inhalt
    Der Musiker Oskar fliegt in die USA, um die Scheidung mit seiner Frau zu regeln und bittet seinen in London lebenden Studienfreund während dieser Abwesenheit auf seine edle Designerwohnung, dabei ganz besonders den teuren Boden, und seine beiden Katzen aufzupassen. Leider ist dieser Freund das Gegenteil des abwesenden Ordnungsfanatikers und lässt trotz der zahlreich hinterlassenen Anweisungen und Vorschriften innerhalb kürzester Zeit Chaos und Unheil über die Wohnung, und nicht nur die Wohnung, hereinbrechen.


    Meine Meinung
    „Britischer Humor, sehr schräg und höchst originell“ hörte sich für mich vielversprechend an und ich erwartete eine Geschichte im Stil der Bücher von Tim Binding, mit denen ich mich schon sehr amüsiert hatte und die ich immer wieder gerne weiterempfehle. Leider kommt diese Geschichte hier nicht an „Cliffhanger“ und Co. heran, auch wenn dies vom Thema her sicher hätte erreicht werden können, aber dafür fehlte der Handlung nach meinem Empfinden insgesamt etwas der Biss und es plätscherte durch viele Umgebungsbeschreibungen, etwas eintönige Selbstreflektionen und immer wiederkehrende Rückblicke auf die Studienzeit viel zu lange vor sich hin. Auch wenn die Rückblicke das Verhältnis der beiden Männer zueinander erklären sollten, hätte ich das nicht gebraucht. Lieber hätte ich über ein paar mehr abwechslungsreiche Erlebnisse vor Ort gelesen. Erst im letzten Drittel kam nach meinem Empfinden etwas Fahrt auf und die Geschichte begann, Spaß zu machen und auch der Schluss hat mich dann noch etwas überraschen können.


    Gestört haben mich gleich zu Beginn die anscheinend immer noch nötigen Anspielungen auf die Nazivergehen im Krieg, denn irgendwann will man das einfach nicht mehr lesen und einem Putzmittel den Namen Pogrom zu geben, finde ich nicht lustig. Glücklicherweise hatte der Autor das Thema am Beginn der Geschichte dann wenigstens abgehakt, ich befürchtete schon, es zieht sich durch das ganze Buch. Geschmacklos fand ich auch die abfälligen Beschreibungen über das Aussehen der Bewohner des Ortes. Es handelt sich im Roman um eine wohl osteuropäische Stadt (vielleicht in Rumänien oder Tschechien, der Autor benennt das Land nicht) und sich über das Aussehen der dort lebenden ärmlichen und abgehärmten Frauen in Kittelschürzen lustig zu machen, traf auch nicht meinen Humor. Insgesamt war mir also der Protagonist, der auf die Wohnung aufpassen sollte, nicht sehr sympathisch. Verstärkt wurde meine Abneigung noch durch seine ständige Betrunkenheit. Hier hat der Autor für meinen Geschmack auch zu lange an diesem Thema festgehalten, denn irgendwann macht es auch keinen Spaß mehr, von sich übergebenden, benebelten und nach Schweiß stinkenden Menschen zu lesen.


    Ein Highlight waren die Katzen, denn deren Verhalten hat der Autor lustig beschrieben und über die Szenen mit ihnen konnte ich richtig grinsen. Auf Katzenliebhaber wie mich, nimmt aber der Autor leider später dann keine Rücksicht, also hier schon mal eine Vorwarnung.... Richtig skurril und voll von bösem Humor waren neben den vergeblichen Versuchen, den ruinierten Boden zu reinigen, dann für mich eigentlich nur die Szenen mit der Putzfrau, denn die gibt dem Typen richtig Kontra. Hier habe ich öfter mal auflachen müssen, besonders, als es im letzten Drittel zwischen den beiden zum Höhepunkt kommt. Da wurde es dann für mich endlich richtig „schön“ böse und schräg und es machte Spaß, die irrsinnigen Versuche, die Situation in den Griff zu bekommen, zu verfolgen. Und mit ein paar Tagen Abstand, sind doch ein paar absurde Kleinigkeiten bei mir im Kopf hängengeblieben, über die ich im Nachhinein noch schmunzeln kann. Insgesamt habe ich aber mehr erwartet.



    2ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

  • Lakonisch - perfektes Zusammenspiel von Ordnung und Chaos


    <Das ist außergewöhnlich im wahrsten Sinne des Wortes: außerhalb des Gewöhnlichem>, so lautet ein Satz auf der ersten Seite dieses Buches.
    Ein Satz der schon hier die Eigenarten und die wahrhaft existente Persönlichkeit des Buches widerspiegelt. Als begeisterte Leserin und langjährige Buchrezensentin sind mir schon viele Autoren begegnet, die mit einem lakonisch anmutenden und dennoch eleganten Stil versucht haben, die Protagonisten ihrer Geschichte zum Leben zu erwecken und die Leser zu fesseln. Viele von Ihnen haben es nicht geschafft, sei es daran gelegen, dass der Schreibstil mit den vorübergehenden Seiten abstumpfte oder die Liebe des Autors in sein eigenes Buch spürbar fehlte.
    Hier ergibt sich die Frage, welche Voraussetzungen ein Autor mit sich bringen muss, um eine Geschichte samt Lebendigkeit und Einprägsamkeit in die Realität zu transferieren.
    Die am einfachsten wirkende Möglichkeit, dies aus meiner Sicht zu erläutern, ist es, das mit diesem Buch und Will Wiles zu versuchen.


    Es handelt sich um das erste Buch des in London lebenden Journalisten. Es wird nicht das letzte Buch sein, denn aus jeder Seite des Buches spricht die Leidenschaft für die Protagonisten.
    Wir lernen Oskar kennen, ein penibler und sehr eigenwilliger Mensch. Er ist still und bedacht, stets dem Perfektionismus nahe und dennoch im sozialen Leben erschreckend konträr auftretend. Durch seine offensive Ehrlichkeit, sein einfach erscheinendes Wesen, immer sagend was er denkt, wirkt er in der Grundstruktur seiner Selbst äußerst komplex und dennoch liebenswert hilflos. Er liebt seine Wohnung, verehrt seinen teuren, natürlich behandelten Holzboden und lebt seinen künstlerischen Drang in seinem Beruf als begabter Musiker aus.
    Alleine die Erschaffung dieses Charakters, mit allen seinen Eigenarten und Makeln, bedarf des gewissen Gespürs für literarischen Ausdruck, den ich in der heutigen Bücherlandschaft oftmals vermisse. Oskar ist keinesfalls einfach und seine Persönlichkeitszüge schreien nach Missachtung und einer Standpauke – mein Boden – ruf mich an wenn etwas passiert – informiere mich – passe auf – und dennoch eine solch liebenswert gestaltete Person, das man sie als unvoreingenommener Leser einfach nur lieben muss.


    So viel zum beispielhaften Auszug der Erstellung eines der Charaktere in diesem Buch. Dies kann an dieser Stelle durchaus genügen, denn eine weitere Kunst, die dieser Autor definitiv besitzt, ist es, jedem seiner Charaktere die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken. Nur so kann ein Roman plastisch wirken, kann sich in der Vorstellung des Lesers ausbreiten und Form annehmen. Als Psychologin weiß ich nur zu gut, welch einen komplexen Eindruck ein Mensch hinterlassen kann, der mit einem selbst nur ein Wort gewechselt hat, oder bei dem es lediglich zu einer Beobachtung am Tresen kam. Hierbei kommt es auf realistische Gestaltung an, auf Arbeit mit Gedanken und Rückgriffe auf die Vergangenheit. Und genau darauf scheint das Buch zu basieren. Die Figuren leben, sind als lebendige Wesen im Geiste des Autor entstanden und konnten durch einen raffiniert – frechen, aber dennoch äußerst authentischen literarischen Stil, weitervermittelt werden.


    So wie sich die Protagonisten entwickeln, entwickelt sich auch diese Geschichte.
    Alle Stränge fließen zusammen. Die Persönlichkeiten der Darsteller verflechten sich in den Geschehnissen dieses Buches. Was war zuerst vorhanden? Die grobe Struktur der Geschichte? Einzelne Vorstellungen der handelnden Personen? Nicht zu beurteilen. Dieses Buch ist ein kleiner, stetig wachsender und sich verzweigender Fluss.
    Nun mögen Sie sich die Frage nach dem eigentlichen Inhalt des Buches stellen. Vermutlich auch zurecht. Doch wenn die Fähigkeiten des Autors in solch grandioser Weise umgesetzt werden können, die Figuren lebendig und spritzig vor einem stehen, man den kecken Gesichtsausdruck der Personen vor einem sieht...ist die Geschichte in der sie sich bewegen zwar nicht irrelevant, aber dennoch zu einem Großteil hinten an stehend.


    Diese Buch dreht sich um Missgeschicke, kleine und große Fehler eines Charakters, der in die geordnete Welt des beschriebenen Oskars einfach nicht reinpassen mag. Und doch muss es so sein, die natürliche Anziehung von Menschen, die sich in ihren Eigenschaften ergänzen. Die voraussehbaren Probleme, die sich doch mit Humor und Freundschaft zu einem Band vereinigen, das stärker ist, als es in Worte zu fassen möglich ist.


    Sind Sie ein Freund humorvoller Geschichten, wie sie das Leben schreibt?
    Haben Sie genug von Romanen, die förmlich nach Massenproduktion riechen?
    Sind Sie in der Wahl Ihrer Bücher auf der Suche nach Buchperlen, die Ansichten verändern können?


    Lesen Sie dieses Buch – Sie werden wissen was ich meine.


    5ratten

    Ich bin, was du träumst.<br />Ich wache immer über dich.<br />Ich bin, was deine Hand lenkt.<br />(gez. Seele)