Thomas Hardy - Tess

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 54 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Doris.

  • Hallo Ihr Lieben,:winken:


    also es ist die erste Leserunde die ich eröffne und ich hoffe ich mache es richtig. ab heute möchte eine kleine aber feine Leserunde mit Tess von Thomas Hardy beginnen. Wenn manche nicht mehr daran gedacht haben, daß Harry Potter gleichzeitig beginnt, macht nichts. Ich freue mich über jeden. der auch später noch mit einsteigen möchte. Wir haben ja keinen Zeitdruck :zwinker:


    Inhalt:


    Die blutjunge Tess Durbeyfield stammt aus einfachsten Verhältnissen. Ihr Stammbaum aber reicht weit zurück:
    Die mächtige Familie d'Urbevilles kam einst mit Wilhelm dem Eroberer nach England. Mit der Entdeckung dieser Ahnenreihe nimmt für die junge Frau ein unerbittliches Schicksal seinen Lauf. DiesesSchicksal trägt zunächst das Gesicht ihrers angeblichen "Cousins" und skrupellosen Verführer's Alec d'Urberville. Es trägt auch das Gesicht des Mannes, den sie liebt: Angel Clare, selbst keineswegs unschuldig, kann ihr, der "gefallenen Frau", nicht jenseits von Konventionen vergeben, was sie selbst ihm vergeben hat. Von ihrem Geliebten verlassen und von ihrem Verführer verhöhnt nimmt Tess blutige Rache.


    Mit seinem 1891 erschienen Werk, das die hohlen Konventionen der viktorianischen Gesellschaft als grausam und todbringend entlarvt, schockierte Hardy viele seiner Zeitgenossen. Heute gilt es als bedeutender Frauenroman der Weltliteratur.


    [Blockierte Grafik: http://images-eu.amazon.com/images/P/3423130237.03.LZZZZZZZ.jpg]


    Gemeinsam werden lesen:


    Wendy
    Doris
    Aeria
    Saltanah
    und Tina
    und alle die sich's vielleicht noch überlegen :smile:
    :sonne:

  • Ich habe das Mittagsschläfchen meiner Tochter genutzt, um mit "Tess" zu beginnen und muss meinen ersten Eindruck gleich loswerden.


    Meine Ausgabe (Reclam) beginnt mit mehreren Vorwörtern - die ich erst einmal übersprungen habe - und endet auch mit einem sehr langen Nachwort. Außerdem ist es mit einer Landkarte bestückt, in der die verschiedenen Orte verzeichnet sind, die im Roman vorkommen. Das erste Mal habe ich Tess vor etwa 20 Jahren gelesen, sodass der Roman für mich fast wieder unbekannt ist. Bisher bin ich bis zum IV. Kapitel vorgestoßen und fühle mich sehr wohl in dieser pittoresken Sprache, in der das Buch geschrieben ist. Alleine das ist schon ein Grund, solche Klassiker zu lesen.


    Passiert ist bisher noch nicht viel; Tess und ihre Familie sowie Angel sind schon auf den Plan getreten und man bekommt einen ersten Eindruck über das Leben, das die Famile führt. Was mich ein bisschen stört, ist, dass ich für Tess vor meinem geistigen Auge immer das Gesicht von Nastassia Kinski habe. Ich hoffe, dass ihr Äußeres noch näher beschrieben wird, damit sie für mich sozusagen eine eigenständige Person wird.


    Ich freue mich schon auf heute Abend, wenn ich in Ruhe weiterlesen kann.


    Liebe Grüße


    Doris

  • Auch meine englische Penguin Classic Ausgabe verfügt, wie es sich gehört, über eine Chronologie von Hardys Leben und Werk, Vorwort, "A History of the Text, ausführliche Fußnoten, eine Karte der Gegend, 5(!) Anhänge und ein Glossar. Das Vorwort wollte ich eigentlich zuerst lesen, aber zum Glück fängt es mit folgenden Worten an: New readers are advised that this Introduction makes the detail of the plot explicit. Eine Spoilerwarnung bei Penguin! So was war mir noch nie untergekommen.
    Also wird die Einleitung von mir hinterher gelesen, zum Leben und Werk habe ich mir nur die Geburts- und Todesdaten angeguckt (der Mensch ist ja uralt geworden!), und in die Textgeschichte habe ich nur reingelugt. Dabei ist mir allerdings schon klargeworden, dass es verschiedene Versionen des Textes gibt. Hardy hat das Buch (mehrfach?) überarbeitet. Meine Ausgabe entspricht der ersten Ausgabe in Buchform von 1891, einige Teile waren vorher schon in Zeitschriften erschienen.


    Hat die deutsche Übersetzung eigentlich auch den Untertitel A Pure Woman?
    Bisher habe ich nur die ersten beiden Kapitel gelesen. 2 wichtige Personen sind vorgestellt worden: Tess und ihr Vater, den der Pastor leider auf dumme Gedanken betreffs seiner Familienabstammung gebracht hat. Vermutlich ist das der Anfang vom Ende. Tess ist eine junge Frau (A Maiden laut Phasentitel), das Alter ist noch unbekannt, aber ich würde sie auf ca 16 schätzen, mit noch kindlichen Zügen.


    Stilistisch gefällt mir das Buch gut; ich mag dieses etwas altertümliche englisch, brauche aber für einige Ausdrücke (wie immer bei solchen Werken) mein Wörterbuch.


    Oh, einen Schock habe ich auch schon bekommen: einer der Brüder heißt CUTHBERT! (Stephen King lässt grüßen. Eine Verbindung zwischen Hardy und King hätte ich wirklich nicht erwartet.)


    Uns allen wünsche ich viel Spaß beim Lesen.

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • Zitat von "Saltanah"

    Hat die deutsche Übersetzung eigentlich auch den Untertitel A Pure Woman?


    Ja, der deutsche Untertitel lautet "Eine reine Frau".

  • Hallo,


    ich habe heute ebenfalls angefangen und bin bis Seite 45 gekommen, d.h. ich habe das 4. Kapitel beendet.
    Anfangs habe ich immer erst einmal etwas Anlaufschwierigkeiten mich in die Zeit eizufinden, zumal ich heute morgen Lycidas beendet habe und das ja nun was ganz anderes ist.
    Mir gefällt es immer zu sehen, wie Menschen in anderen Zeiten gelebt haben und ich denke es macht einen Unterschied ob der Autor von damals schreibt aber heute lebet, oder ob auch der Autor in dieser Zeit gelebt hat.
    So wie die Menschen damals gelebt haben, wie ihr Tagesablauf war und die Probleme des täglichen Lebens, das kann man sich heut egar nicht mehr vorstellen so zu leben. So wird es dan wohl auch Menschen in 2080 gehen, die dann sagen: "Also damals 2000, wie konnten die Menschen nur mit sowenig Komfort auskommen.?"
    Was ich nicht verstehe und das hat nichts mit dem Jahrhundert zu tun in dem die Geschichte spielt: Wenn es mir finanziell nicht gut geht, dann achte ich doch darauf, daß ich das was ich habe um meinen Lebensunterhalt zu verdienen, mir nicht kaputt mache oder gefährde. Da stellen sich mir die Nackenhaare hoch, zumal der Mann ja auch für eine nicht gerade kleine Familie die Verantwortung trägt. Tess scheint sehr nett zu sein und sehr ehrlich. Das gefällt mir.
    Zum Glück habe ich nicht den Film gesehen, den Nastasia Kinski kann ich nicht leiden. Also habe ich mit ihr keine Verbindung zu dem Buch, da beeinflußt mich zum Glück auch nicht das Titelbild.


    Hut ab Saltanah, daß Du dieses Buch auf Englisch ließt. Das habe ich mich nicht getraut. Da bräuchte ich sehrwahrscheinlich zwei Monate für und dann wüßte ich nicht mehr was am Anfang stand :breitgrins:


    Ich bin schon gespannt wie es weitergeht. Eins weiß ich sicher. Tauschen möchte ich nicht mit Tess.


    Liebe Grüße Tina :winken:

  • Ich befinde mich gerade mitten im Kapitel 12 "Kein Mädchen mehr", wo ich das Lesen abbrechen musste, da sich mein Nachwuchs meldete. Aber ich möchte wenigstens meine Eindrücke loswerden; außerdem haben sich für mich ein paar Unklarheiten aufgetan.
    .

    Zitat von "Spoiler bis Kapitel XIII"

    Tess hatte von Anfang an Vorbehalte gegenüber Alec - sogar ihre Mutter äußerte Zweifel, als Tess aber schon weg war - trotzdem scheint sie von den Erwachsenen in der Familie diejenige mit dem meisten Verantwortungsgefühl zu sein. Ihre Eltern kommen mir ziemlich einfältig und teilweise sogar berechnend vor. Ihr Vater sonnt sich geradezu in seinem neuen Image als verarmter Adeliger.


    In irgendeiner Rezension habe ich gelesen, dass Alec Tess Gewalt antut, was mir nicht so vorkam. Ich hatte eher den Eindruck, dass er sie eher überrumpelt hat, als sie schlafend im Wald lag. Seht ihr das auch so? Später bietet er ihr sogar die Ehe an (wenn ich das richtig interpretiere), also scheint zumindest von seiner Seite her ein bisschen Gefühl vorhanden zu sein. Bei der Fahrt in der Kutsche am Anfang des XII. Kapitels kam es mir vor, als wäre es zwischen den beiden öfter zu Intimitäten gekommen. Würde Tess sonst so ruhig neben ihm sitzen?


    Inzwischen ist Tess desillusioniert zu ihrer Familie zurückgekehrt, offenbart sich ihrer Mutter und erntet nur Unverständnis, weil sie sich diese Chance entgehen ließ. Von Mitgefühl keine Spur. Wenn ich überlege, dass das zu dieser Zeit wahrscheinlich die blanke Realität war, schaudert es mich nachträglich noch. :entsetzt:


    @ Tina
    Den Film mit Kinski habe ich auch nicht gesehen, allerdings war sie bei meinem ersten Lesen auf dem Buch abgebildet und ist mir so in Erinnerung geblieben.

    Einmal editiert, zuletzt von ()

  • Ich habe gerade die erste Phase beendet.
    Was die Einschätzung der Eltern angeht, stimme ich mit euch überein. Das sind Leute, die als Eltern leider ungeeignet sind, was Hardy auch recht deutlich ausspricht, wenn er im 3. Kapitel erst die insgesamt 7 Kinder vorstellt, dann sagt, dass die Kinderschar von der Urteilskraft der beiden Erwachsenen abhängig sind "in their pleasures, their necessities, their health, even their existence". Und das sagt er, während sich die Eltern gerade in der Kneipe befinden, um ihre neu entdeckte edle Herkunft zu feiern.


    Zitat von "Doris"

    In irgendeiner Rezension habe ich gelesen, dass Alec Tess Gewalt antut, was mir nicht so vorkam. Ich hatte eher den Eindruck, dass er sie eher überrumpelt hat, als sie schlafend im Wald lag. Seht ihr das auch so? Später bietet er ihr sogar die Ehe an (wenn ich das richtig interpretiere), also scheint zumindest von seiner Seite her ein bisschen Gefühl vorhanden zu sein. Bei der Fahrt in der Kutsche am Anfang des XII. Kapitels kam es mir vor, als wäre es zwischen den beiden öfter zu Intimitäten gekommen. Würde Tess sonst so ruhig neben ihm sitzen?



    P.S.: Mach bitte deinen Spoiler mit weiß unlesbar.

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • Sorry wegen dem Spoiler :redface:


    Zitat von "Spoiler bis Kapitel XII"

    Von Schlafmittel war keine Rede, Tess schlief einfach ein, als Alec den Weg suchte, da er sich tatsächlich nicht mehr richtig auskannte. Die Frage, wo Tess' Schutzengel steckt, taucht bei mir ebenfalls auf. Trotzdem war ich mir nicht ganz sicher, wie ich es verstehen sollte.

  • Ich bin inzwischen bei Kapitel XVI angelangt. Habe allerdings erst gestern abend mit dem Lesen angefangen :redface: (der Zauberbengel kam mir dazwischen).


    Zitat von "Spoiler"

    >>In irgendeiner Rezension habe ich gelesen, dass Alec Tess Gewalt antut, was mir nicht so vorkam. Ich hatte eher den Eindruck, dass er sie eher überrumpelt hat, als sie schlafend im Wald lag.<<


    Diesen Eindruck hatte ich auch.


    Die Eltern von Tess kommen mir ziemlich unterbelichtet vor. Ich meine, da schicken sie ihre älteste Tochter zu einem Wildfremden und erwarten eine baldige Hochzeit. Ich habe über so viel Naivität ständig nur den Kopf geschüttelt... Tess wird ja förmlich in ihr Unglück hineingedrängt:


    *** Kapitel VII:
    "Ich soll ja doch arbeiten!" erwiderte Tess
    "Nun ja" sagte Mrs. Durbeyfield; und fügte vertraulich hinzu: "Zu Anfang kann man ja ein bißchen so tun. Aber ich glaube, 's wird klüger sein, wenn du dich gleich von deiner besten Seite zeigst."
    ***


    ***
    Aeria

  • Hallo,


    ich bin jetzt bei Kapitel 20 angelangt und kann erst heute schreiben, da ich gestern den ganzen Tag im Rheingau unterwegs war.


    Kapitel 11



    Kapitel 15


    Zitat

    Was mich ja immer wieder erschreckt, ist die Tatsache wie doch teilweise für meine Empfindungen, emotionslos mit dem Tod eines Kindes oder Babys umgegangen wird. Natürlich starben damals mehr Kinder auf Grund der mangelnden medizinischen Kenntnisse, aber wenn ich denke wie verzweifelt ich war, als meine Tochter (nur ein paar Tage alt) auf die Intensivstation kam (wobei ich auch noch von Fach bin), kann ich es schon gar nicht nachempfinden. Mir kam es nicht so vor, als hätte Tess sehr getrauert um den Tod des Kindes. Sie hat sogar, als es im Sterben lag, noch geschlafen

  • Es würde mich interessieren, auf welchen Ausgaben eure Bücher beruhen. Hardy hat den Roman ja mehrfach überarbeitet. Als erstes ist er abschnittweise in einer Zeitschrift erschienen, dann kam nach einer sehr starken Überarbeitung die erste Buchausgabe 1991, die ich lese, dann weitere Überarbeitungen 1992 und 1995, und ich glaube eine letzte 1912. Meinen ausführlichen Anmerkungen zufolge sind zwar meist nur Kleinigkeiten geändert worden (andere Wortwahl, auch mal einen Satz gestrichen oder hinzugefügt), die aber von Bedeutung für die Interpretation sein können. Wenn wir Szenen unterschiedlich auffassen, kann das durchaus an der jeweiligen Ausgabe liegen.


    Phase 2:

    Zitat von "Doris"

    Später bietet er ihr sogar die Ehe an (wenn ich das richtig interpretiere),


    Meinst du damit folgende Szene (Kap 12)?

    Zitat

    "I am ready to pay to the uttermost farthing. You know you need not work in the fields or the dairies again. You know you may clothe yourself with the best (...)"
    Die verstehe ich eher so, dass er ihr anbietet, sie "auszuhalten", ihr eine Wohnung und Geld zur Verfügung zu stellen, wenn sie bereit ist, seine Mätresse zu werden. Natürlich könnte man es so interpretieren, dass er sie heiraten will, aber Tess fasst es jedenfalls nicht so auf. Gegen Ende des Kapitels denkt sie: "On matrimony he had never once said a word."


    Zitat von "Tina zu Kap. 15"

    Was mich ja immer wieder erschreckt, ist die Tatsache wie doch teilweise für meine Empfindungen, emotionslos mit dem Tod eines Kindes oder Babys umgegangen wird. Natürlich starben damals mehr Kinder auf Grund der mangelnden medizinischen Kenntnisse, aber wenn ich denke wie verzweifelt ich war, als meine Tochter (nur ein paar Tage alt) auf die Intensivstation kam (wobei ich auch noch von Fach bin), kann ich es schon gar nicht nachempfinden. Mir kam es nicht so vor, als hätte Tess sehr getrauert um den Tod des Kindes. Sie hat sogar, als es im Sterben lag, noch geschlafen

    Ich finde, da gibt es einige weitere Erklärungen:

    Zitat

    Vor allem muss man bedenken, dass ihr Sohn kein Wunschkind war - um es mal gelinde auszudrücken. Das Ergebnis einer Vergewaltigung, die ihr 16-jähriges Leben doch ziemlich beeinflusst hat. Da kann ich sehr gut nachvollziehen, wenn sie ihm erst mal distanziert gegenübersteht.
    Dass sie schläft ist auch verständlich. Sie hat immerhin den ganzen Tag körperlich schwer gearbeitet, (nachdem sie monatelang hauptsächlich im Haus verbracht hat, und daher "außer Übung" ist kommt erschwerend hinzu), und ist total erschöpft. Sie ist vielleicht nicht die "perfekte Mutter" aber ihr Sohn ist auch nicht das "perfekte Kind". Da ist von vorneherin einiges schiefgelaufen. Dass ihr dennoch etwas an ihrem Kind liegt, zeigt sich mMn an ihrer Verzweiflung darüber, es könne - da ungetauft - in der Hölle landen und ihrer verzweifelten Anstrengung, das zu verhindern.


    Eine religiöse Frage:
    So weit ich weiß, dürfen alle getauften Christen sogenannte Nottaufen vornehmen, nicht nur Pfarrer/Priester. Kennt ihr euch da genauer aus? Leider gibt es bei den 60 Seiten Anmerkungen in meinem Buch nichts zu der Meinung der Church of England zur damaligen Zeit.

    Zitat von "Kap. 15"

    Gibt es bei euch eine Fußnote, die angibt, ob der Pfarrer richtig oder falsch handelt, als er Tess' Kind ein christliches Begräbnis verwehrt?


    Und eine letzte Frage:
    Wie heißt die 3. Phase auf deutsch? (The Rally)

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • Hallo,


    die dritte Phase heißt: "Die Genesung", die vierte :"Die Folge"


    Ich habe jetzt die dritte Phase beendet und beginne mit Kapital 25.
    Ich muß sagen, mir gefällt das Buch immer besser. Gerade die letzten Kapitel, welche ich gelesen habe, berühren mich sehr.
    Ich schreibe das jetzt 'mal ohne Spoiler, denn es sind sehr allgemeine Dinge. Es gibt mit Sicherheit sehr viele Menschen, welche die Kapitel 19 und folgende absolut langweilig empfinden, denn es wird sehr viel von der Landschaft und der Stimmung beschrieben, aber da merkt man wirklich wer ein guter Autor ist. Ich bin leidenschaftliche Fotografin und fotografieren bedeutet übersetzt: "Mit Licht zeichnen". Hardy ist jemand der mit Worten zeichnet. Diese Kapitel könnt ich mir immer und immer wieder durch lesen. Ich bin nunmal auch ein absoluter Natur- und England-Narr. Ich sehe die Landschaft so wie er sie beschreibt direkt vor mir und würde am liebsten mit meiner Kamera in das BIld hineinlaufen. Er beschreibt nicht nur wie es aussieht. Man hat förmlich das Gefühl, man kann die Umgebung hören und riechen. Oh je, ihr haltet mich jetzt bestimmt für völlig überdreht und durchgeknallt, aber ich finde es einfach wunderschön, wenn jemand so mit Worten zeichnen kann. Ich muß allerdings auch sagen, daß meine Ausgabe eine sehr neue ist und ich habe keine Ahnung wieviel davon noch "echter" Thomas Hardy ist. (dtv, Neuübersetzung 2002). Leider traue ich mich nicht ihn in englisch zu lesen.
    Ich habe das Hörbuch von "The return of the nature" auf englisch und es ist ebenso wunderschön, aber es werden viele alte Begriffe verwandt, von denen mir sehr viele leider nicht geläufig sind.


    Ich hätte auf alle Fälle nicht gedacht, daß mich das Buch so sehr berührt. :redface: Oh wei, ich wiederhole mich, kann mich 'mal jemand bremsen!


    Wie geht es Euch, nerven Euch die Beschreibungen der Landschaft?


    Liebe Grüße von Tina


    endlichwiedernachenglandwillundzwarsofort!!!!! :grmpf:


    :winken:

  • Tina
    Ich freue mich, in Dir eine Seelenverwandte zu finden :winken: ! Mir gefiel besonders Kap. 20, in dem er die Landschaft so eingehend beschreibt, dass ich mich richtig hineinversetzen kann, auch wenn ich noch nie in England war.


    @ Saltanah
    Wie schon geschrieben gibt es bei mir mehrere Vorworte, das letzte von 1912, daher ist mein Buch sicher aus diesem Jahr.


    Zitat von "Saltanah"

    Phase 2:


    Meinst du damit folgende Szene (Kap 12)?


    Zitat von "Spoiler"

    Das ("I am ready...") habe ich kurz nach meinem Posting auch gelesen. Anschließend las ich nochmals die bewussten Zeilen und stellte fest, dass man es auch anders interpretieren kann. Bei meiner Variante war wohl der Wunsch Vater des Gedanken.


    Eine religiöse Frage:
    So weit ich weiß, dürfen alle getauften Christen sogenannte Nottaufen vornehmen, nicht nur Pfarrer/Priester. Kennt ihr euch da genauer aus? Leider gibt es bei den 60 Seiten Anmerkungen in meinem Buch nichts zu der Meinung der Church of England zur damaligen Zeit. Gibt es bei Euch...

    Zitat von "Kap. 15"

    Eine Fußnote zum Begräbnis gibt es in meiner Ausgabe nicht.


    Zitat von "Spoiler Kap. 26"

    Ich finde es erstaunlich, dass Angel mit immerhin 26(?) Jahren bei seinen Eltern mehr oder weniger um den Segen für seine Ehe mit Tess bittet, noch dazu als jüngster Sohn, der weder Besitz noch einen Titel erbt.



    Puh, das ist ganz schön umständlich, auf Eure Fragen zu antworten und alles als Spoiler und in Weiß zu kennzeichnen. Geht Euch das auch so oder fehlt mir nur die Übung? Für heute erstmal Gute Nacht!

  • Bis Kapitel 20 bin ich heute vorgedrungen.


    Die dritte Phase hat bisher eine ungeheuer beruhigende, idyllische Ausstrahlung, ganz im Kontrast zu den vorherigen dramatischen Ereignissen. Der erste Blick hinunter aufs Tal in Kap. 16 zeigt Tess nahezu das Paradies, und auch in den weiteren Kapitel bleibt diese Atmosphäre erhalten. Viel besser kann ein Leben nicht werden, so erscheint mir die Beschreibung. Die MelkerInnen befinden sich auf der perhaps happiest of all positions of the social scale, being above the line at which neediness ends, and below the line at which the convenances begin to cramp natural feeling.
    Ich möchte allerdings nicht mit Tess tauschen; ein Wecker der um 3 Uhr morgens :entsetzt: klingelt, ist ein Alptraum für mich, die diese Nachtzeit eher als ideale Ins-Bett-geh-Zeit auffasst.


    Auch Angel ist wieder aufgetaucht. Auffallend ist der ungewöhnliche, aber sicher nicht zufällige Name. Mal schauen, ob sein Verhalten auch engelsgleich sein wird. Übrigens frage ich mich, ob der Kommentar Where was her guardian angel? (Wo war ihr Schutzengel?) zu den Ereignissen der gewissen Nacht nicht zugleich eine Anspielung auf Angel war. Wäre es Tess besser entgangen, wenn er und nicht Alec anwesend gewesen wäre?


    Doris :
    Umständlich wird das Zitieren und Spoilern wohl immer bleiben, vor allem in Kombination und bei Zitieren aus verschiedenen Beiträgen. Ich habe schon einige Male geflucht, wenn das nicht so wurde wie ich es wollte, weil ich z. B. ein [/quote] vergessen hatte. Aber mit der Zeit wird es doch einfacher und geht schneller. Einfach dranbleiben! :bang:

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • Saltanah
    Über den Namen Angel habe ich mir auch schon meine Gedanken gemacht, aber eher, weil er mir für England bzw. für einen Mann ungewöhnlich vorkommt.


    Ich bin inzwischen bis zum Anfang des XXXI. Kapitels vorgedrungen und muss mich bremsen, das Buch nicht allzu schnell zu lesen. Im Gegensatz zu manch anderen Klassikern liest es sich sehr flüssig, schön und unkompliziert. Manchmal möchte ich gar nicht mehr aufhören und bin froh, dass mich entweder meine Kleine abhält oder der Gedanke daran, dass ich lieber auf dem gleichen Stand mit Euch diskutieren will.


    Zitat von "Spoiler bis Kap. XXXI"

    Ich verstehe nicht ganz, warum Tess Angel nach seinem Heiratsantrag mit Ausflüchten hinhält. Als sie sich ihm schließlich offenbart, nennt sie als Grund seine Abneigung gegen alte adelige Familien. Wenn sie schon meint, sie könne ihn nicht heiraten, kann sie ihm doch genauso gut den Grund sofort sagen, dann weiß er wenigstens, woran er ist und erkennt möglicherweise, was ihm wichtiger ist: Seine Liebe zu Tess oder alte sinnlose Abneigungen. Was sie schweigen lässt, ist wahrscheinlich der Wunsch, die von ihr erwartete Enttäuschung weiter hinauszuzögern.
    Mit dem Antwortbrief ihrer Mutter am Anfang des 31. Kapitels erkennt man schließlich, was die eigentliche, tiefere Befürchtung ist, nämlich dass Angel sie zurückstößt, weil sie bereits ein uneheliches Kind hatte. Der Vorschlag der Mutter, dieses Ereignis totzuschweigen, wird von ihr erleichtert aufgegriffen: "So ermutigt durch einen Befehl der einzigen Person auf der Welt, die irgendeinen Schatten von Recht besaß, ihre Handlungen zu kontrollieren, wurde Tess ruhiger."


    Ich habe direkt nach diesen Sätzen aufgehört zu lesen und bin nun gespannt, wie es weitergeht.

  • Ich bin bei Kapitel XXXV angelangt.


    Zitat von "*Spoiler bis Kapitel XXXV*"


    Tess und Angel haben geheiratet. Die Geheimnisse sind raus und Angel kann mit der "gefallenen Frau" nicht umgehen. Eine tolle Liebe ist das... Männer!
    Die ganze Zeit muß ich denken "Was für ein Arschloch!" Er selber gesteht ihr seine Verfehlung, kann ihr die ihre aber nicht vergeben. Klar, es ist ja auch etwas anderes, wenn es der Frau passiert! :grmpf:


    Ich verstehe schon, dass Tess es nicht über sich gebracht hat, es ihm vor der Hochzeit zu gestehen; ihre Zerrissenheit hat Hardy gut beschrieben.
    Aber es fällt mir sehr schwer, Angels jetziges Benehmen zu tolerieren. Mag es in der damaligen Zeit auch richtig gewesen sein, ich empfinde es als sehr befremdlich.


    ***
    Aeria

    Einmal editiert, zuletzt von ()

  • So, jetzt kann ich mich auch endlich melden!


    Tut mir Leid, dass ich so still war, aber im Studentenheim geht das Internet noch nicht :grmpf: drum bin ich derzeit auf die Wochenenden zuhause angewiesen. Aber gelesen hab ich natürlich schon!


    Zitat von "Spoiler Kapitel XVI"

    Also, ob Tess nun vergewaltigt wurde oder nicht, darüber bin ich mir nicht sicher. Ein Schlafmittel gab's in meiner Ausgabe auch nicht, aber die Sache mit dem "guardian angel" hört sich schon sehr verdächtig an.
    War mir jetzt schon auffällt bei Thomas Hardy ist, dass die Kinder (die dann meistens sterben) total komische Namen haben. Ich meine, SORROW??? In Jude, the Obscure hieß eines der Kinder Little Father Time und wurde TIME gerufen. Erst fand ich es recht witzig, aber dass Hardy das in mehreren Büchern so macht... *grübel*


    Ich bin mir auch noch nicht sicher, ob Tess mir sympathisch ist, denn obwohl sie sicher nicht verdient hat, dass sich Alec (der mir total sympathisch ist :breitgrins: auf eine 21. Jahrundert Art und Weise) so an ihr vergeht und sie schwängert, mit dem Kind alleine lässt, etc. war Tess doch auch immer ziemlich naiv.


    Na gut, jetzt geht sie ja wieder weg von zuhause, wo jeder von ihrer schlimmen Situation weiß, und mal sehen, was da auf sie zukommt.


    Generell finde ich, dass das Buch sehr gut geschrieben ist, vor allem nicht so deprimierend wie "Jude, the Obscure". Und die Frau als Heldin ist auch sehr erfrischend. :smile:


    Liebe Grüße,
    Wendy

    Jahresziel: 2/52<br />SLW 2018: 1/10<br />Mein Blog

  • Hallo,


    ich konnte mich nicht bremsen und bin bei Kapitel 41 angelangt.
    Ich kann momentan nur noch den Kopf schütteln über diese unverschämte Doppelmoral. Da geht mir wirklich die Hutschnur hoch. Aber es hieß ja auch auf dem Klappentext, daß Thomas Hardy sich zu seiner Zeit mit diesem Buch sehr unbeliebt gemacht hat, denn anscheinend waren diese damals vorherschenden moralischen Einstellungen wohl absolut normal. Um so besser finde ich, daß sich ein Mann darüber empört und diese Scheinheiligkeit aufzeigt. Ich muß sagen, daß mir das diesen Autor sehr sympathisch macht.


    Kapitel 35


    Zitat

    Das hier mit zweierlei Maß gemessen wird nur auf Grund der Geschlechter regt mich wahnsinnig auf, zumal das ja keine erfunden Anschauungen sind, sondern es in dieser Zeit einfach so war. Was mich aber noch mehr aufregt. Angel hat aus freiem Willen ein Verhältniss mit einer Frau gehabt. Tess wurde vergewaltigt. Als ob sie nicht schon genug darunter gelitten hätte, wird Ihr dafür auch noch ein Vorwurf gemacht. Dieser Pissnelke von Angel würde ich gerne 'mal meine Meinung sagen.


    Kapitel 37


    Zitat

    Als Angel schlafwandelt begreift man, daß er Tess wirklich liebt, aber dann verstehe ich Ihn erst recht nicht. Er ist ja nun auch der Typ, der normalerweise nicht viel von Konventionen hält und sich lieber ein eigenes Bild von den Dingen macht, wie man ja auch in seiner Wahl seines Berufes sieht. Tess hätte von Anfang an Angel die Wahrheit sagen sollen, aber ich glaube daß hätte dann auch nichts an Ihrem Kummer geändert.


    Liebe Grüße Tina :winken:

  • Aeria
    Ich habe den Verdacht, dass Du Deinen Spoiler falsch betitelt hast. Du schreibst über Kapitel XXV,

    Zitat

    dass Tess und Angel geheiratet haben und Angel nicht mit der gefallenen Frau umgehen kann. Ich bin jetzt bei Kap. XXXIV, in dem zwar schon geheiratet wurde, aber noch alles Eitel Sonnenschein ist.

    Kannst Du das nochmal überprüfen, damit nicht noch andere dem Spoiler zum Opfer fallen? Wie es scheint, haben wir zwar alle verschiedene Ausgaben, aber die Kapitel dürften bei allen Büchern die gleiche Unterteilung haben.


    Liebe Grüße


    Doris