Bastian Sick - Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod

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Es gibt 79 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kiba.

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    Die deutsche Sprache liegt uns offensichtlich fast allen am Herzen, wie man an der ebenso endlosen wie hitzigen Debatte über die Rechtschreibreform erkennen kann. Einerseits. Andererseits ist leider ein oft unbedachter und liebloser Umgang mit ihr zu beklagen. Die Sprache kann sich ja nicht wehren, nicht einmal gegen schlimmste Vergewaltigungen -- man denke nur an den brutalstmöglichen Sprachschrott unserer Politiker. So etwas wie eine Sprachpolizei bräuchte man, die freundlich aber bestimmt auf Vergehen hinweist und Bußgelder verhängt. Freundliche Hinweise bekommt man auch im Zwiebelfisch, der Sprachkolumne, die Bastian Sick seit über einem Jahr wöchentlich für Spiegel-Online schreibt. Kaum zu glauben, dass man über Phänomene wie Fugen-s, unregelmäßige Verben oder sich epidemisch ausbreitende Suffixe so unterhaltsame Texte schreiben kann. Bastian Sick ist Entertainer und Oberlehrer in einer Person, wobei er letzteren vor allem in tabellarischen Zusammenfassungen am Ende seiner Kolumnen auslebt. Dabei ist das doch wohl der Idealfall eines Sachbuchs: wo man lachen und schmunzeln und gleichzeitig jede Menge lernen kann. Zum Beispiel, wo das Eszett seinen Namen herhat und warum die Deutschen als einzige diesen wunderlichen Buchstaben benutzen. Oder wie man eingebürgerte Fremdwörter konjugiert -- warum es zwar „ich recycle“ heißt, aber nicht „du recyclest“. Und auf die verzwickte Frage, ob „gedownloadet“ oder „downgeloadet“ richtig ist -- wer hätte sich das noch nie überlegt --, weiß Sick die verblüffend einfache Antwort: „Weder noch, es heißt ‚heruntergeladen’“. Und wieso der Zwiebelfisch ausgerechnet Zwiebelfisch heißt, erfährt man naturgemäß auch. Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod bietet 47-mal charmante Aha- und Haha-Erlebnisse und ist jedem Sprach-User heißestens zu empfehlen.


    Meine Meinung:
    Eigentlich habe ich mir dieses Buch zu meinem persönlichen Vergnügen gewünscht und auch, um mal wieder so richtig Schadenfreude zu empfinden. Aber ach, ich bin ja auch schon lange in die Fänge von Werbung, Politik und Journalismus geraten. Sicher, über manche sprachlichen Irrungen konnte ich herzhaft lachen, aber bei anderen Fehlern dachte ich erst "Hm, das ist doch richtig!" Aber denkste oder auch Pustekuchen, alles falsch :entsetzt: Und es ist mir nichtmal aufgefallen, wie sehr meine eigene Sprachbildung nachgelassen hat. Die Spiegel-Kolumnen sind nicht nur witzig geschrieben, sie sind auch ausgesprochen lehrreich. :redface: Jedem, dem an unserer Sprache liegt, sei dieses Buch ans Herz gelegt. Wenigstens wird sich der Leser so bewußt, wie sehr sich die deutsche Sprache in den letzten Jahren verdenglicht und amerikanisiert hat, wie oft man selber nicht existierende Superlative benutzt oder sinnvolle Füll-"s" weggelassen hat.


    Also von mir gibt es für diese Lehrstunde
    5ratten

    Liebe Grüße<br />Galadriel<br /><br />Das Lächeln ist eine Kurve, die manches gerade biegt.

    Einmal editiert, zuletzt von Alfa_Romea ()

  • Danke für deine informative Rezension :-) Ich habe jetzt noch einmal gesucht und das Buch endlich in dem Regal hier rechts neben mir gefunden. Ich sollte es wirklich bald lesen, das Thema interessiert mich sehr.

  • Ich habe mich gerade mit meinem Sohn über die vielen "Vergewaltigungen" unserer Sprache unterhalten, die Bastian Sick in seinen Kolumnen anführt. Er findet das alles gar nicht so schlimm, sein Argument ist "Aber jeder weiß doch was gemeint ist". :hm:


    Wie denkt ihr darüber? Ich habe ehrlicherweise auch nicht darüber nachgedacht, bevor ich dieses Buch gelesen habe, aber jetzt stört es mich und ich will mich wieder bemühen die Worte richtig und sinnvoll zu benutzen. Oder sehe ich das zu eng? Ist es egal, ob man Dativ oder Genitiv benutzt, Hauptsache jeder weiß was gemeint ist? :schulterzuck:

    Liebe Grüße<br />Galadriel<br /><br />Das Lächeln ist eine Kurve, die manches gerade biegt.

  • also ich hab das buch auch. habs gelesen und mir gedacht .. hm ok
    also en buch muss man daraus jetzt wirklich nicht machen wenn die zwiebelfisch geschichten auch im internet stehn. deswegen hab ich mich (innerlich auskapitalistischem protest ^^) geweigert das 2. buch auch noch zu kaufen.


    byebye cappu

    aktuelle schullektüre: <br />Effi Briest (deutsch)<br />My Beautiful Laundrette (englisch)<br />Volevo i pantaloni (italienisch)<br /><br />private lektüre: Sex and the city

  • Ich habe das Buch so dermaßen oft gesehen, konnte mir aber irgendwie nichts darunter vorstellen. Danke für deine Rezension, ich denke mal, dass könnte demnächst dann doch in meinem Buchregal stehen. :breitgrins:

  • Falls ihr es noch nicht wußtet: Bastian Sick ist "Der Zwiebelfisch" und seine [url=http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,332092,00.html]Kolumnen[/url] sind einfach genial - Teil 2 seines Buchs soll auch bald erscheinen.

  • Hallo ihr alle,
    Ich finde die Zwiebelfisch-Kolumne ebenfalls interessant und unterhaltsam aber vor allen Dingen auch sehr lehrreich. Und wo wir gerade dabei sind möchte ich hierauf noch einmal Bezug nehmen:


    Zitat von "Galadriel43"

    Wie denkt ihr darüber? Ich habe ehrlicherweise auch nicht darüber nachgedacht, bevor ich dieses Buch gelesen habe, aber jetzt stört es mich und ich will mich wieder bemühen die Worte richtig und sinnvoll zu benutzen. Oder sehe ich das zu eng?


    Ich denke es ist enorm wichtig, gerade am eigenen Gebrauch der Sprache zu arbeiten. Es hilft zum einen bei Schriftstücken jeglicher Art die Rechtschreibung einzuhalten ohne großartig den Duden oder eine Grammatik zur Hilfe nehmen zu müssen. Andererseits erlaubt es eine höhere Flexibilität im Ausdruck.
    Ich finde es nicht verkehrt, im Gegenteil...
    Liebe Grüße
    Die Lu

  • @ Kringel


    Teil 2 gibt es doch schon seit August :winken: (siehe unten)


    Die Kolumnen hab ich mir schon vor Erscheinen des ersten Buches regelmäßig im Internet angeschaut und auf dem PC gespeichert.
    Deshalb kauf ich mir keins der Bücher.


    Manchmal bringt er schon krasse Beispiele, bei denen es mich schüttelt.
    Andererseits prangert er auch Fehler an, die sich eigentlich schon seit langem in unserer Sprache "eingebürgert" haben, wie zB "wegen dir" ---> richtig: "deinetwegen".


    Aber im Gesamten sind es witzige und gleichzeitig lehrreiche Geschichten.



    EDIT:
    Zu Galadriels Frage: "Wie denkt ihr darüber...":


    Im geschäftlichen Bereich finde ich es wichtig, dass Korrespondenzen nach "Dudendeutsch" geschrieben werden.
    Im privaten Bereich sehe ich das etwas lockerer, solange es sich nicht um heftige Schnitzer handelt. Hier im Forum zB sehe ich schon über kleinere Fehler weg. Aufgefallen und vergessen; jeder verknotet sich mal die Finger an der Tatstatur. Wenn ich in einem Beitrag aber über eine Anhäufung von Rechtschreib- oder/und Grammatikfehlern stolpere, halte ich den Beitrag nicht für wert, zu Ende gelesen zu werden. Da geht mir ehrlichgesagt der Hut hoch!
    Ausnahme: ausländische User, deren Muttersprache nicht Deutsch ist.
    Deutsch zu lernen ist echt heftig :breitgrins:

  • Hi!


    Ich habe Teil 1 mit grossem Genuss gelesen und gehe seither (noch) sorgfältiger mit der Sprache um und versuche, mir keine Fehler anzugewöhnen. Einen kleinen Erfolg kann ich schon feiern: Ich habe mir die Wendung "es macht keinen Sinn" inzwischen vollständig abgewöhnt :zwinker:


    Teil 2 werde ich sicher auch kaufen und lesen, da die Kolumnen sehr unterhaltsam geschrieben sind und man viel lernt und auch behält.


    Gruss


    Alfa Romea

    Wer anderen folgt, wird nie zuerst ankommen.

  • Hallo zusammen!


    Zitat von "Galadriel43"

    So etwas wie eine Sprachpolizei bräuchte man, die freundlich aber bestimmt auf Vergehen hinweist und Bußgelder verhängt.


    Die würde dann als erstes Deinen Pass sehen wollen. Falls Du Österreicherin bist, hast Du Glück gehabt, ansonsten müsstest Du wohl den Gebrauch eines umgangssprachlichen Konjunktivs rechtfertigen. :breitgrins: *)


    Was ich besonders traurig finde, und mir immer mehr aufstösst, ist die Tatsache, dass immer weniger Leute orthographisch den Unterschied machen können zwischen "das" und "dass". (Und das war schon so, als man in deutschen Landen noch "dass" mit sz schrieb!)


    Grüsse


    Sandhofer


    *) Will sagen: Wir verstossen alle mehr oder weniger grundlegend gegen grammatische Regeln ...

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Zitat von "sandhofer"

    Was ich besonders traurig finde, und mir immer mehr aufstösst, ist die Tatsache, dass immer weniger Leute orthographisch den Unterschied machen können zwischen "das" und "dass". (Und das war schon so, als man in deutschen Landen noch "dass" mit sz schrieb!)


    Ohweh... das fand ich in der Schule schon so erschreckend! Ich selbst hatte da noch nie Schwierigkeiten mit der Unterscheidung - aber meine MitschülerInnen verzweifelten regelmäßig an dem Problem.

  • ohja... das buch habe ich auch mit freuden und schlackernden ohren gelesen. was auch alles deutsch genannt wird. :entsetzt: aber manchmal zweifelte ich echt an mir selber, ob ich manches richtig sage, nutze... ;)

  • Zitat von "nimue"

    Ohweh... das fand ich in der Schule schon so erschreckend! Ich selbst hatte da noch nie Schwierigkeiten mit der Unterscheidung - aber meine MitschülerInnen verzweifelten regelmäßig an dem Problem.


    Da hat mir meine Deutschlehrerin mal nen Trick verraten. Immer dann, wenn man das bayerische "des" einsetzen kann, schreibt man es mit "s"


    Nützt dir aber wahrscheinlich nur was, wenn du in Bayern wohnst :breitgrins:

    :lesen: Die Blutlinie - Cody McFadyen

  • Hallo ihr Lieben,


    ich selber habe das Buch nur angelesen (da ich damals kein Geld dafür hatte, musste ich es dann ablegen, als es jemand im Laden kaufen wollte *schnüff*) und musste bei vielen Dingen doch schmunzeln aber auch nicken. Es hatte sogar gleich bei uns im Laden zu einer Diskussion geführt, die Sache mit dem Apostroph. Meine Chefin ist ja um einiges älter als ich und machte es falsch, meinereiner, der sonst Probleme mit der deutschen Sprache hatte machte es richtig.
    Nunja, das mit den Problemen bei mir liegt daran, dass ich 1998/99 für ein Jahr in Amerika war und dort zur Highschool ging. Bevor ich hingeflogen bin war ich sehr gut in der deutschen Sprache, grammatisch als auch sprachlich. Aber bereits nach 2 Wochen hatte ich Probleme, mich auf deutsch zu unterhalten, geschweige denn zu schreiben. Und als das Jahr um war musste ich tatsächlich die deutsche Sprache neu lernen, seither habe ich sehr große Schwierigkeiten mit der Grammatik (beim Reden). Beim Schreiben jedoch nur gering, da ich vieles immer noch nach Gefühl mache und meine Zeit in der Grundschule doch sehr gedrillt war.
    Aber ich sehe das Problem der deutschen Sprache jeden Tag bei meinem Verlobten, er ist Franzose und studiert in Berlin Englisch und Französisch für Lehramt. Er kommt mir oft mit Genitiv und Dativ und den anderen Fällen, wo ich nur die Augen verdrehen kann, da ich das nicht mehr benennen kann, es ist einfach angelernt und ich verwende es ohne darüber nachdenken zu müssen, ob das nun der Genitiv ist den ich nutze oder der Akkusativ. Aber er kann nicht anders, da er ja noch immer deutsch lernt, und in seinem Kopf spielt sich das immer noch so ab, dass er, bevor er spricht, erstmal überlegt, welcher Fall sein muss. (zuviele Kommas in dem Satz??)
    Die Sache mit dem Eszett und den Kommas wurde mir in der Grundschule auch eingetrichtert und ich verstehe nicht, wo da für Deutsche das Problem ist. Eszett immer nach einem Komma, außer das Das bezieht sich auf ein Substantiv zuvor. Mit den Kommas hatte ich noch nie Probleme, in der Schule musste ich meine Nachbarin im Diktat immer treten wenn ein Komma kam *lach*, daher weiss ich, dass es mri sehr leicht viel aber anderen nicht.


    mfg Leen (man verzeihe mir, dass ich in anderen Posts gerne die Groß- und Kleinschreibung (besonders die Großschreibung) außer Acht lasse!!) :schmetterling:

    Bücherwurm - naher Verwandter der Lindwürmer<br /><br />Wenn es sein muss, trete ich auch Zwerge! - Hildegunst von Mythenmetz<br /><br />:buecherstapel:

  • Zitat von "Leen"


    Eszett immer nach einem Komma, außer das Das bezieht sich auf ein Substantiv zuvor.


    Leen, hier die einfachere Regel:


    Lässt sich "das" durch "dieses" "jenes" oder "welches" ersetzen, schreibt man es mit einfachem "s". :belehr:

    Liebe Grüße<br />Galadriel<br /><br />Das Lächeln ist eine Kurve, die manches gerade biegt.

  • Bastian ist übrigens gerade, bzw. schon eine ganze Weile, auf Lesetour.
    Am 20.11. ist er in Karlsruhe bei der Bücherschau, was ich selbstverständlich nicht verpassen werde...


    Grüße,


    Marypipe


    PS: Schaut doch mal, wann er in Eurer Nähe ist, der Besuch soll sich sehr lohnen! :zwinker:

    Life is either a daring adventure or nothing
    ~ Helen Keller, 1940

  • Das Buch subt noch bei mir, aber ich kenne einige der Zwiebelfische, die ich immer wieder sehr, sehr interessant und lehrreich finde.


    Vom "Deppenleerzeichen" und der Apostrophitis bekomme ich Ausschlag. Ich finde, das hat sich in den letzten Jahren ganz extrem verbreitet.


    Bei einigen Fehlern, die Sick anprangert, habe ich mich auch schon ertappt :redface:, anderes nervt mich selbst schon seit langer Zeit.


    Und zu Galadriels Frage: ich betrachte es schon als wichtig, auf seine Sprache zu achten. Natürlich wissen die meisten auch, was gemeint ist, wenn man falsch formuliert, aber man sollte Sprach-Unsitten nicht durch allgemeine Akzeptanz stillschweigend einreißen lassen :grmpf: Bloß weil es jeder so macht, ist es noch lange nicht richtig.

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)




  • Zitat von "Galadriel43"

    Leen, hier die einfachere Regel:


    Lässt sich "das" durch "dieses" "jenes" oder "welches" ersetzen, schreibt man es mit einfachem "s". :belehr:


    ja oder so ^^ .. genau das fiel mir vorhin nicht ein .. so mach ich das eigendlich auch .. also wo ist da das Problem?? :confused:

    Bücherwurm - naher Verwandter der Lindwürmer<br /><br />Wenn es sein muss, trete ich auch Zwerge! - Hildegunst von Mythenmetz<br /><br />:buecherstapel:

  • Zitat von "Leen"

    ja oder so ^^ .. genau das fiel mir vorhin nicht ein .. so mach ich das eigendlich auch .. also wo ist da das Problem?? :confused:


    Keine Ahnung, aber es gibt unglaublich viele Menschen, die das nicht können :schulterzuck:


    Übrigens muss ich gestehen, auch so ein Genitivtöter zu sein - das kommt aber von unserem verflixten Dialekt. Allerdings habe ich noch nie jemand tatsächlich fragen hören "Wessen Kuli ist das", sondern nur "Wem gehört der Kuli" (bzw. hierzulande "Wem sein Kulli issen des?" :redface: )

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)




  • Es ist schon interessant, was man in seiner Muttersprache alles falsch macht / machen kann.
    Trotzdem ist es erstaunlich welche Redewendungen sich "gramatikalisch richtig" anhören und doch falsch sind.


    Da frage ich mich allerdings warum uns eine doch recht eigenartige Rechtschreibreform per Gesetz vorgesetzt wurde. :confused:


    In den Büchern und Kolumnen von Bastian Sick erkennt man doch mehr als deutlich dass die Sprache in ihrer (Weiter-) Entwicklung sehr lebendig ist.