Horrorszenario: Leseblockade!

Bitte achtet auf euch und eure Lieben! Bleibt gesund!

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Es gibt 1.746 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von KillerKiwi.

  • Ja, ich hoffe es sehr. Ich kann inzwischen nicht mal mehr einschlafen ohne Hintergrundgeräusche. Meistens (naja, eigentlich jeden Abend und die Nacht durch) läuft da dann Netflix ganz leise, damit ich eher da zuhöre als meinen eigenen Gedanken.

    "Vor ein paar Jahren hätte ich Ihnen geantwortet: Wir sind nicht die Weimarer Republik. Aber wenn ich mir die Entwicklungen in der letzten Zeit so ansehe, dann muss ich antworten: Ja, ich mache mir ernsthaft Sorgen um unsere Demokratie." (Ein Experte für Rechtsextremismus wird in der Dokumentation "Rechts. Deutsch. Radikal")

  • Ja, ich hoffe es sehr. Ich kann inzwischen nicht mal mehr einschlafen ohne Hintergrundgeräusche. Meistens (naja, eigentlich jeden Abend und die Nacht durch) läuft da dann Netflix ganz leise, damit ich eher da zuhöre als meinen eigenen Gedanken.

    Das kenne ich, damit das ewige Gedankenkarussell im Kopf aufhört und man sich auf das Geräusch im TV konzentriert. Den Tip hat mir damals meine Psychologin gegeben. Allerdings habe ich solche Schlafstörungen bekommen, dass es ohne Pille nicht mehr geht. Ich nehme, von der Psychiaterin verschrieben, Quetiapin. Pass bitte b auf dich auf, nicht das es sich manifestiert. Vielleicht solltest du dir ein wenig Hilfe wegen der Trauer holen. Ich habe mir leider viel zu spät Hilfe geholt.

    Ich drücke dich mal ganz fest aus der Ferne<3

    &quot; Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben , über die Sterne&quot;<br />- Thomas Carlyle

  • Suse

    Oh das klingt aber nicht so toll, dass das immer noch so ist. Ich würd mir auch überlegen, ob Du da eventuell irgendwie Hilfe von außen bekommen kannst. Das geht ja schon länger so und solche Schlafstörungen sind ja auch echt nicht zu unterschätzen für die Gesundheit. Ich kann verstehen, das die Trauer einfach nicht so recht weniger wird, aber es ist auch ok, sich da Hilfe zu holen. Es geht ja nicht darum, das deine Liebsten dann vergessen sind, aber es erleichtert Dir sicher den Umgang mit den Verlusten und auch dem Stress der letzten Zeit. Pass auf Dich auf und alles Liebe! <3<3

  • Danke ihr Lieben, es klingt dramatischer als es ist. Ich hatte schon immer einen kurzen Schlaf. Mein Rhythmus hat sich durch das Home Office auch stark verschoben. Nun stehe ich nicht mehr um 5 Uhr auf wie früher, sondern um 7 Uhr. Deshalb schlafe ich auch später. Und wenn Stephan oder Nils hier bei mir schlafen, geht es auch problemlos. Medikamente brauche ich zum schlafen auch noch nicht. Hab auf Twitter gelesen, dass einige Hintergrundgeräusche zum Einschlafen brauchen. Ich fühle mich auch ausgeruht. Nur traurig und das auch, weil mir das Lesen fehlt. Früher bin ich mit Buch auf der Nase eingeschlafen.

    "Vor ein paar Jahren hätte ich Ihnen geantwortet: Wir sind nicht die Weimarer Republik. Aber wenn ich mir die Entwicklungen in der letzten Zeit so ansehe, dann muss ich antworten: Ja, ich mache mir ernsthaft Sorgen um unsere Demokratie." (Ein Experte für Rechtsextremismus wird in der Dokumentation "Rechts. Deutsch. Radikal")

  • Rauschen in bestimmten Frequenzen wird sogar als Therapie bei Schlafstörungen eingesetzt ;)

    (Nutzen auch viele Eltern bei ihren Babys, dafür gibt es eigene Apps.)


    Was die Trauer angeht - und das ist ganz allgemein gesprochen und bezieht sich nicht auf individuelle Situationen! - habe ich ja ehrlich gesagt den Eindruck, dass uns als Gesellschaft die Trauer so unangenehm und bedrohlich erscheint, dass wir ihr eher mehr Raum und Zeit einräumen sollten als weniger. Es ist eben schon völlig normal, wenn ein Mensch auch ein Jahr oder zwei Jahre nach einem Verlust, nach Trennungen oder anderen Schicksalschlägen immer noch belastet ist.

    Ich will nichts verharmlosen und jede*r sollte sich völlig scham- und barrierefrei da Hilfe holen können, wo sie gebraucht wird, egal ob Störung oder nicht, aber es ist auch nicht alles pathologisch, was von der Norm abweicht oder schlichtweg ungewöhnlich ist.

    Mir ging es selbst so, dass meine Trauer irgendwann im Freundeskreis nicht mehr wirklich Platz hatte. Das hatte ja auch gute Seiten, weil ich sie ja eh nicht überall mitnehmen wollte, aber weg war sie halt auch nicht. Ich habe übrigens auch zehn Jahre später nochmal ganz aktiv Trauerarbeit betrieben und auch wenn mich der Schmerz nicht mehr so überrollt hat, war er immer noch sehr intensiv da. Inzwischen sind es 13 Jahre, der Schmerz besucht mich immer noch, ich weiß jetzt einfach nur besser, wann ich ihn erwarten kann und was mir dann gut tut. Dass er aber kommt, habe ich akzeptiert und das ist eben auch ein Teil von mir, der bleiben wird.


    Zurück zum Thema Lesen: mir geht es auch schon länger so, dass ich zwar Hörbücher sehr gut hören kann, aber Bücher lesen wird immer weniger. Inzwischen vergehen oft auch schon mal 14 Tage, wo ich meinen Kindle nicht mal starte und wenn ich es mir dann vornehme, mache ich schnell wieder schlapp.

    Das geht mir in den letzten Monaten auch sehr ab, dieses Versinken in einem Buch. Gründe dafür gibt es genug, keiner ist wirklich bedrohlich, aber etwas traurig macht es mich trotzdem.


    Von daher wünsche ich mir und allen, die sich angesprochen fühlen, irgendwann wieder einmal dieses gute Gefühl, gerade einfach in einem Buch versunken zu sein und die Welt da draußen und in uns drinnen geht mal kurz auf Pause ;)

    “Grown-ups don't look like grown-ups on the inside either. Outside, they're big and thoughtless and they always know what they're doing. Inside, they look just like they always have. Like they did when they were your age. Truth is, there aren't any grown-ups. Not one, in the whole wide world.” N.G.

  • Suse: das klingt belastend :( Ich wünsche Dir auch, dass es Dir irgendwann mal wieder gelingt, so richtig abzutauchen.

    Was die Trauer angeht - und das ist ganz allgemein gesprochen und bezieht sich nicht auf individuelle Situationen! - habe ich ja ehrlich gesagt den Eindruck, dass uns als Gesellschaft die Trauer so unangenehm und bedrohlich erscheint, dass wir ihr eher mehr Raum und Zeit einräumen sollten als weniger.

    Ebenfalls allgemein gesprochen: ich sehe das genauso. Trauer ist nichts, wofür es einen festen Zeitplan gibt und was man dann bitteschön nach x Wochen ad acta legen kann. Das ist so individuell, und es dauert eben, so lange es dauert.

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)




  • Suse: das klingt belastend :( Ich wünsche Dir auch, dass es Dir irgendwann mal wieder gelingt, so richtig abzutauchen.

    Was die Trauer angeht - und das ist ganz allgemein gesprochen und bezieht sich nicht auf individuelle Situationen! - habe ich ja ehrlich gesagt den Eindruck, dass uns als Gesellschaft die Trauer so unangenehm und bedrohlich erscheint, dass wir ihr eher mehr Raum und Zeit einräumen sollten als weniger.

    Ebenfalls allgemein gesprochen: ich sehe das genauso. Trauer ist nichts, wofür es einen festen Zeitplan gibt und was man dann bitteschön nach x Wochen ad acta legen kann. Das ist so individuell, und es dauert eben, so lange es dauert.

    Das finde ich auch, allerdings wird meiner Erfahrung nach Trauernden oft wenig Zeit dafür von "Außen" eingeräumt. Als damals meine Mutter starb, erwartete mein Arbeitgeber nach drei Tagen, dass ich wieder zur Arbeit komme. Ich war dann zwei Wochen krankgeschrieben und das empfand er als viel zu lange... Aber noch heute, also knapp 3,5 Jahre danach, hab ich noch sehr damit zu kämpfen. Aber das Verständnis gerade z.B. vom Arbeitgeber war nicht da. Aber das ist ja auch bei jedem Arbeitgeber anders. Aber ja, ich muss sagen, ich habe mehr als einmal den Spruch gehört "Jetzt muss auch mal gut sein" oder "Jetzt reicht es auch mal mit der Trauer".


    Aber zurück zum Thema: Leseblockaden, gerade wenn man STress hat und trauert, das geht mir leider auch oft so. Man schweift immer wieder ab. Ich hoffe sehr, dass du irgendwann wieder zu den Büchern zurückfindest, Suse.

    Mögest du dir die Zeit nehmen, die stillen Wunder zu feiern, die in der lauten Welt keine Bewunderer haben. ~ Altirischer Segenswunsch