Robin Sloan - Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 33 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Firiath.

  • Clay Jannon steht vermutlich stellvertretend für eine Branche, die ebenso erfolgreich wie erfolglos sein kann: die Werbebranche. Als er nach einem spontanen Aufstieg seinen Job verliert, findet er sich spontan in einer kleinen, anfangs nur sehr verschroben wirkenden Buchhandlung in San Francisco wieder - die von Mr Penumbra. Obwohl er keinerlei Vorbildung oder Erfahrung besitzt erhält er den Job und übernimmt die Nachtschicht - eine von mehreren Seltsamkeiten, die typisch für den Laden sind. Denn der Laden ist nicht nur rund um die Uhr geöffnet, nein, die wenigen Kunden, die überhaupt erscheinen, kaufen nichts, sondern leihen sich die Bücher bloß aus. Anfangs kraxelt Clay auf der Suche nach den gewünschten Werken nur auf Leitern die über drei Stockwerke gehenden Regale hoch und runter, doch als er endlich einen Blick in einige Bücher wirft, stellt er fest, dass sie keine zusammenhängenden Texte enthalten, sondern stattdessen Buchstabenkollonnen, die keinerlei Sinn ergeben. Und so kommt Clay gemeinsam mit seiner Freundin Kat und seinem besten Kumpel Neel langsam hinter die mysteriösen Geheimnisse des Ladens: Mr Penumbra und sein Zirkel jagen einem uralten Geheimnis nach…


    Puh, mit diesem Buch habe ich mich wirklich ein bisschen schwer getan - und noch schwerer mit der Rezension. Das Problem beginnt im Grunde mit dem Cover und dem, was es gemeinsam mit dem Klappentext verspricht. Ich habe ein Buch für Buchliebhaber erwartet, in dem es um die Faszination das Lesens und Bücherfreunde geht, ein Roman mit Leidenschaft und geheimnisvoller Spannung gleichermaßen. Doch zuerst wurde ich von Google überrascht! Natürlich gehört die Hauptfigur Clay einer Generation (und vor allem einem Berufsstand) an, bei der das Internet, Social Media, Suchmaschinen & Co. nicht mehr wegzudenken sind, aber die Google-Hörigkeit des Protagonisten ging mir dann doch ein wenig auf die Nerven. Hat Robin Sloan einen Werbevertrag mit Google unterzeichnet und sich darin verpflichtet, dieses globale Unternehmen möglichst oft zu erwähnen und dabei im hellsten Licht erscheinen zu lassen? Na, dann Chapeau, es ist geglückt! Auch wenn ich nicht von mir behaupten kann, dass ich diese Suchmaschine nicht beinahe täglich mindestens einmal bemühe: so hörig bin ich dann noch nicht, dass ich wirklich glaube, dass Google das perfekte Unternehmen und ein absolut wünschenswerter Arbeitgeber ist! Und so verliert sich leider über die vielen Seiten der Charme des Buches, der Humor des Autors und die mysteriöse Atmosphäre der Geschichte und weicht einem stetig wachsenden Genervtsein über den Wettkampf zwischen alter, papierner, wissenhungriger Welt und neuer, digitalisierter und von Google mit Wissen gefüllter Welt… Eigentlich ein interessanter Wettstreit, doch die scheinbar moderne Überzeugung des Autoren, die aus jeder Zeile trieft, gewuchtet das Ganze leider zu stark. Aber auch die Figuren haben mich nicht restlos überzeugt: sie waren mir schon fast zu überzeichnet, denn sie wurden als absolut IT-hörige Nerds dargestellt - Nerds, die es sicherlich zuhauf gibt, aber für mich waren sie eben zu simpel auf ein Klischee "gestrickt" - natürlich vor allem, um einen möglichst krassen Gegensatz zu Mr Penumbra und seinen Kollegen zu bilden.
    Tja, was bleibt zu sagen? Letzten Endes war ich froh, als ich das Buch zuklappen konnte und ehrlich gesagt war ich so enttäuscht wie schon lange nicht mehr von einer Lektüre: ich bin unter ganz anderen Voraussetzungen an das Buch gegangen und musste feststellen, dass die grundsätzlich großartige Idee und der Witz des Autors wirklich den Computern und ein Stück weit auch der immer farbloseren Umsetzung als Ganzes zum Opfer fielen. Schade, wirklich schade.


    2ratten

    Liebe Grüße

    Tabea

  • Der Inhalt wurde hier ja schon ausreichend beschrieben.
    Ob der Verlag keinen Fehler begangen hat als er das Buch damit bewirbt dass es "eine Liebeserklärung für jeden Buchliebhaber" ist, weiß ich nicht. Das weckte zumindest bei mir falsche Erwartungen. Das Buch ist eher das Gegenteil: Eine Liebeserklärung an das Internet, der digitalen Welt und vor allem Google.
    Trotzdem hat mir das Buch ganz gut gefallen. Der Autor hat einen lockeren Schreibstil, beschreibt mit viel trockenem Humor und schafft es einen hohen Spannungsbogen aufzubauen.
    Leider blieben manche Figuren etwas blass. Während ich Clay, die Hauptfigur, sehr mochte und seine Beweggründe immer nachvollziehen konnte, war zum Beispiel Kate dagegen zu oberflächlich beschrieben. Als Leser hatte ich zuwenig mit Kate zu tun um sie immer verstehen zu können. Das passierte mir auch mit anderen Figuren aus dem Roman.
    Die Geschichte rund um den Geheimbund fand ich klasse. Allerdings wurden nicht alle Punkte ausreichend bedacht womit es manchmal unlogisch wurde. Ich würde ja einige Beispiele aufführen, müsste dann aber zuviel von der Geschichte verraten.
    Auch das Google eine ziemlich große Rolle einnimmt störte mich nicht. Im Gegenteil: Ich fand es sehr spannend zu lesen wie Kate und ihre Freunde versuchen mit Google das Geheimnis zu lösen.
    Mit Sicherheit würde ich wieder ein Buch von diesem Autor lesen denn seinen Schreibstil mochte ich wirklich sehr.
    Punkteabzug gibt es für die unlogischen Punkte und die manchmal etwas dürftige Charakterbeschreibung.


    4ratten

    Lesen ist die schönste Brücke zu meinen Wunschträumen.

  • Hallo Ihr Lieben,


    nach unserer gemeinsamen Leserunde hier möchte ich nun auch noch meine Meinung schreiben.


    Der arbeitslose Webdesigner Clay Jannon landet bei der Arbeitssuche in der Buchhandlung von Mr. Penumbra. Dieser stellt ihn ohne große Nachfrage ein und bittet ihn nur darum akribisch besondere Besucher, die sich besondere Bücher nur ausleihen, aufzuschreiben. Dabei nicht nur mit Namen, sondern auch Besonderheiten, wie Klamotten, Gemütszustand oder Ähnliches festzuhalten. Clay nimmt den Job dankbar an und hält sich auch an die Regeln, bis eines Tages seine Neugierde doch zu groß wird und er schließlich hinter das Geheimnis von Mr. Penumbra und seiner sonderbaren Buchhandlung kommt.


    Das Buch ist aus der Ich-Perspektive von Clay Jannon geschrieben und hat für mich sehr vielversprechend begonnen. Clay kann teilweise herrlich selbst-ironisch und humorvoll sein und die ersten Seiten genoss ich seinen lockeren Tonfall und seine Art sich und die Welt nicht ganz zu ernst zu nehmen. Auch die Sonderheiten von Mr. Penumbra und von Clay's Mitbewohnern waren sehr amüsant und haben mich oft zum Grinsen gebracht.


    Schließlich versucht Clay jedoch das Geheimnis der Buchhandlung heraus zu finden und die Suche selber gestaltet sich auch noch höchst unterhaltsam. Da taucht ein seltsamer Buchclub auf und alles erscheint sehr mysteriös, jedoch ist die Auflösung am Ende dann für mich eher enttäuschend gewesen. Während der Suche nach dem Geheimnis bekommt Clay v. a. viel Unterstützung von seiner Freundin Kat, die ein richtiger Nerd ist und sich entsprechend gut mit Computer und allem drum herum auskennt. Das war zuerst auch noch ganz spannend, aber irgendwann fand ich die ganzen Fachausdrücke und Redewendungen nur noch anstrengend und konnte die Handlung gar nicht mehr richtig genießen. Ich arbeite selber in der IT und kann mit den Begriffen schon etwas anfangen, aber sie so zahlreich und unangebracht in einem Buch wiederzufinden, hat mir gar nicht zugesagt.


    Anstrengend fand ich dabei auch, dass Kat bei google arbeitet und für mich gefühlt richtige Schleichwerbung für diesen Konzern gemacht wurde. Die tolle Arbeitsatmosphäre, das tolle Essen usw. fand ich irgendwann sehr nervig und überhaupt gar nicht passend zur Geschichte.


    Nach dem die Suche nach dem Geheimnis für mich gefühlt irgendwann ins Absurde abdriftet, gibt es am Ende eine Auflösung, die mich wirklich enttäuscht zurück gelassen hat. Am Schlimmsten ist dann noch, was aus der ehemals gemütlichen Buchhandlung wird, wobei ich dann endgültig nur noch den Kopf schütteln konnte.


    Insgesamt für mich ein Buch, bei dem ich mich immer noch frage, welche Intension der Autor bei diesem Roman hatte und das mich nach einem gelungenen Auftakt leider sehr enttäuscht hat. Hätte ich es nicht in einer Leserunde gelesen, hätte ich es wohl abgebrochen.


    Alles in allem gibt es dafür noch knapp 2ratten


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

    &WCF_AMPERSAND"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönheit zu erkennen, wird nie alt werden.&WCF_AMPERSAND" (Franz Kafka)

  • Robin Sloan - Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra


    Ich gehöre auch zu den Lesern, die sich von dem Buch mehr versprochen haben !
    Als ich die Kurzbeschreibung las, hab ich mich auf das Buch gefreut und prinzipiell ist die Geschichte ja auch gut, aber ab dem Augenblick, wo Clay Kat kennen lernt geht alles rapide abwärts :sauer:


    Und dann Google hier, Kindle da etc. Der Autor hätte beim Thema Papierbücher bleiben sollen und nicht eine euphorische Lobeshymne über Computer, Technik und die Macht des Internet anstimmen sollen....
    Der Anfang war ja ganz vielversprechend, dann lernte Clay irgendwann die Google-Mitarbeiterin Kat kennen und dann begann die Geschichte so richtig an abzudriften - Themen technisch gesehen.
    Auch den Rätseln, bzw. der Auflösung konnte ich nicht so richtig folgen, bzw. sie nachvollziehen, es ging einfach alles per Knopfdruck zu einfach. Und ständig musste man sich fragen, wieso da nicht schon eher jemand drauf gekommen ist...


    Wiederum gefiel mir die Idee, der Büchersekte, die Idee dahinter und die "altmodische Art das Rätsel zu lösen, ganz gut. Wie ich die eigentliche Lösung des Ganzen finden soll, kann ich bis heute nicht in Worte fassen....


    Im Prinzip spricht ja nichts dagegen die Welt der Bücher und die der digitalen Medien zusammen zu bringen, nur dann hätte man den Klappentext anders verfassen sollen. So bekommt man nicht, was der Klappentext verspricht !!


    Ich gebe : 3ratten

    Mein Patronus ist eine Büchereule :leserin:

  • Dieses Buch hat mich sehr überrascht, weil auch ich etwas völlig anderes erwartet hatte.


    Allerdings bin ich nicht wirklich enttäuscht, denn ich habe mich wirklich amüsiert. Auch wenn die Auflösung des großen Rätsels irgendwie zu einfach klingt, fand ich die Idee dahinter und den weg dorthin nett. Ich habe mehr Tiefe der Geschichte erwartet, aber so wie sie ist finde ich sie ok und stimmig. Das Buch hat mich unterhalten und auch gefesselt, auch wenn ich viele der technischen Dinge nicht wirklich verstanden habe. Ich mochte die Figuren, den Erzählstil und wie gesagt die Geschichte in ihrer ganz eigenen Art. Kellertheater weil ich sowas noch nicht gelesen habe und es etwas völlig neues und frisches ist.
    Ja, ich kann sägendes Buch hat mir gefallen, es lässt mich mit einem Lächeln zurück, und ich weiß mindestens 2 Leute denen ich es empfehlen oder schenken werde, weil sie begeistert sein werden.

  • Ich geselle mich hier auch zu denjenigen, die sehr sparsam mit Ratten umgehen....


    It`s a very, very Nerd World


    oder ist es doch "a Mad World", wie sie einst Roland Orzabal von "Tears for Fears" besang? Ich würde mal sagen, dieses Buch beinhaltet auf jeden Fall beides!


    Ein wunderschönes Cover, das das Buch eines jeden Bibliophilen höher schlagen lässt, eine kleine, verwunschene Buchhandlung mit einem überaus verschrobenen Buchhändler - das schien überaus vielversprechend, ich konnte mich der Magie dieser Versprechungen nicht entziehen. Und fiel - sinnbildlich gesehen - so ziemlich auf die Nase. ich hätte nämlich dem ebenfalls auf dem Cover abgebildeten, sich im Bücherregal befindlichen Monitor mehr Bedeutung beimessen sollen - für meinen Geschmack sind in diesem Buch nämlich eindeutig zu viele Nerds unterwegs, die mit ihren Methoden dem alles überlagerndem Geheimnis auf den Grund zu rücken versuchen.


    Was passiert? Ein arbeitslos gewordener Nerd, nämlich Clay Jannon, findet einen neuen Job in einem Buchladen - und in was für einem! Mr. Penumbras Laden mitten in San Francisco ist ein Traum für Bibliophile mit besonderen, ungewöhnlichen Wünschen - wie ungewöhnlich die Wünsche wie auch die Bibliophilen sind, dies offenbart sich erst nach und nach. Und alles zielt auf ein uraltes Geheimnis, dem Penumbra mitsamt den ungewöhnlichen Kunden auf der Spur ist. Clay und seine Freunde - ja, auch ein Nerd hat welche und es gibt auch mal eine Nerd-Romanze zwischendurch - sind bald mittendrin auf einer Jagd durch die Staaten. Diese ist leider nicht verwegen, sondern ziemlich langweilig und fungiert zudem als Werbeträger für Firmen wie Google - die man fast schon als eine der relevantesten Player im ganzen Buch bezeichnen kann, aber auch Kindle und ipads werden erwähnt.


    Am Ende versammelt Clay alles seine Lieblingsmenschen in einem Raum und dies ist genauso pathetisch, wie es klingt. Sequenzen wie "Mats Vorhaben ist total größenwahnsinnig, zwanghaft und vermutlich unmöglich. Mit anderen Worten: genau das Richtige für diesen Laden." (S.264) ließen mich lange auf den besonderen Clou hoffen, der sich aber leider in Langatmigkeit und Langeweile verlor. Schade.


    2ratten

  • Eine "bezaubernde Liebeserklärung an die Welt der Bücher", wie die New York Times wirbt, habe ich nicht gefunden.


    Von mir nur 2ratten


    Da kann ich dir nur zustimmen. Ich hatte es zum Glück als ebook, ausgeliehen bei skoobe. Ich fand es zu Google lastig. Dabei hat mir die Grundidee ziemlich gut gefallen. Es war nicht schlecht aber auch nicht so gut wie erwartet.

  • Ich kann mich den vorwiegend negativen Kritiken hier nicht anschliessend. Sicher, Sloan ist kein Goethe und kein Roth, aber die Satire auf die Welt der Tekkies, die die Bay um San Francisco bevölkert, ist nicht übel. Ebenso die Satire auf die üblichen Fantasy-Romane. Ich werde, sobald ich Zeit habe, noch mehr zu diesem Buch sagen. Wird aber Juni werden. Mindestens.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Clay Jannon ist Web-Designer. Er hat sogar einen (kleinen) Preis für seine Arbeit gewonnen. Aber sein Arbeitgeber ging Pleite, jetzt ist er arbeitslos und stromert durch San Francisco. Da sieht er in einer Seitengasse an der Ladentür einer Buchhandlung den Zettel:


    AUSHILFE GESUCHT
    Spätschicht
    Spezielle Anforderungen
    Gute Zusatzleistungen


    Clay meldet sich und wird angenommen. Ab sofort arbeitet er nun in der Nachtschicht von Mr. Penumbras Buchhandlung. Schon bald merkt er, dass es sich um eine sehr spezielle Buchhandlung handeln muss. Selbst tagsüber kommen offenbar kaum Kunden vorbei; und die wenigen, die nachts auftauchen, kaufen nichts, sondern gehören offenbar einem etwas seltsamen Verein an. Sie weisen eine Mitgliedskarte vor, und Clay Jannon muss ihnen aus dem hinteren Raum der Buchhandlung, der fast endlos in die Höhe geht, alte Folianten anschleppen. Eine Sekte? Clay ist misstrauisch; aber er braucht den Job.


    Aus dieser Ausgangssituation entwickelt sich eine ziemlich aberwitzige Geschichte. Die vermeintliche Sekte entpuppt sich als eine Geheimgesellschaft auf der Suche nach dem Code, mit dem die Memoiren des Aldus Pius Manutius verschlüsselt worden sind. Nichts weniger als das Ende der bestehenden Welt soll eingeläutet werden, wenn der Code geknackt wurde. Bestseller à la Da Vinci-Code lassen grüssen. Jannon ist zwar nur ein mässig guter Programmierer, aber er hat Freunde. Sein bester Freund, schon aus College-Zeiten, leitet eine gut laufende Firma, die sich aufs Programmieren von weiblichen Brüsten für Action-Games spezialisiert hat. Eine andere Freundin und zeitweilige Geliebte arbeitet für Google.


    Doch selbst das Pooling aller Ressourcen von Google stellt sich als fruchtlos heraus. Der Code ist entweder nicht zu knacken oder inexistent. Dass es Jannon dann doch gelingt, ihn zu knacken, liegt daran, dass er als einziger zwischen den beiden Welten zu agieren versteht. Denn da ist die Welt der sog. ‚Digital Natives‘, die alles auf Bits und Bytes reduzieren zu können glaubt. Und da ist jene Geheimgesellschaft, vorwiegend aus älteren Herrschaften bestehend, die noch ganz klassisch in verborgenen Bibliotheken nach des Rätsels Lösung forscht. Mirabile dictu: Natürlich geht mit dem Knacken des Codes keine der beiden Welten (oder auch sonst eine Welt) unter. Nur das Umfeld um Clay Jannon wird etwas reorganisiert.


    Gewisser Weise haben wir eine Version der Querelle des ancien et des modernes vor uns. Der Schlüssel zum Code ist nicht im Text zu finden, sondern in den Typen, den Lettern, die Aldus Manutius seinerzeit gegossen hat. So erweist sich eine Reise nach New York, in die Zentrale der Geheimgesellschaft, als ebenso sinnlos, wie der Versuch der Google-Mitarbeiter, den Code durch Pooling von Abertausenden Computern zu knacken. Dass es Clay gelingt, die Typen zu finden, verdankt er aber einerseits der modernen Informatik, in Form der Vernetzung der amerikanischen Museen, andererseits seiner Liebe zu Fantasy-Schinken, war doch der mittlerweile verstorbene Autor seiner Lieblings-Reihe ebenfalls einer von denen auf der Suche nach dem Schlüssel zum Code. Der Tote hat den Schlüssel zwar gefunden, die Hinweise darauf aber ein weiteres Mal verschlüsselt weitergegeben – in seiner eigenen Fantasy-Reihe, und selbst da nicht in der gedruckten Version, sondern nur in der Hörbuch-Ausgabe. Die hat der Autor nämlich selber besprochen, und Clay Jannon, der sie endlich gefunden hat, hört sie nun zum ersten Mal – auf altmodischen Kassetten!


    Zentral fürs Verständnis dieses Romans ist wohl die Figur des Aldus Pius Manutius. Manutio ist real; er lebte von 1449 bis 1515 in Venedig. Er war ein äusserst innovativer Buchdrucker: Er gestaltete eigene Typen und ‚erfand‘ ein eigenes Format, die sog. Aldinen. Die entsprachen in etwa dem Oktav-Format, waren also kleiner und handlicher als die bisherigen Folio. Manutio druckte damit v.a. alte griechische Manuskripte, aber auch Texte von Pietro Bembo oder Petrarca. Im Grunde genommen wurden Humanismus und Renaissance erst durch Buchdrucker wie ihn ermöglicht.


    Wenn Robin Sloan durch den Mund seines Ich-Erzählers Clay Jannon den Betrieb im alten Venedig Manutios mit dem des heutigen San Francisco vergleicht, so sehen wir, worauf er hinaus will. Zwar macht er sich über die Leute bei Google ziemlich lustig: pseudo-alternativ, dabei aber so karrieregeil wie irgendeiner. Schleichwerbung, die man ihm vorgeworfen hat, sieht anders aus. Zwar wird Penumbras Buchhandlung zum Schluss demontiert und durch eine Kletterhalle ersetzt. Dennoch ist dieses Buch ein kleines Plädoyer dafür, ob dem Alten das Neue nicht zu vernachlässigen, ob dem Neuen das Alte nicht zu verachten – so, wie es eben auch der technisch innovative Manutio gehalten hat, der die modernste Technik seiner Zeit zur Erhaltung des Alten eingesetzt hat.


    Vielleicht muss man die Nerds, die IT-Branche, etwas kennen, und es hilft sicher auch, wenn man den ganz eigenen Menschenschlag, der die Bay Area rund um San Francisco bevölkert, etwas kennt. Sloan schreibt eine Satire, die sich über IT-Nerds ebenso lustig macht, wie über jene, die Bücher nur ganz altmodisch auf Papier verkaufen oder lesen wollen. (Penumbra wehrt sich zuerst gegen das e-book, läuft dann aber in New York plötzlich mit vier verschiedenen Readern herum – von jeder Marke einen…) Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra ist vielleicht nicht ganz grosse Literatur, aber für einen Platz in meiner Bibliothek reicht es allemal.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Klapptext
    Als Clay Jannon seinen Job als Webdesigner verliert, meldet er sich auf eine Stellenanzeige hin bei Mr. Penumbra, der in San Francisco eine alte, verstaubte Buchhandlung betreibt, die rund um die Uhr geöffnet ist. Clay übernimmt die Nachtschicht, und bald ist ihm klar, dass hier irgendetwas nicht stimmt: Die Kunden kaufen nichts, sondern leihen die Bücher nur aus, drei Stockwerke hohe Regale beherbergen riesige Folianten, die keine Texte beinhalten, sondern nur ellenlange Reihen aus Buchstaben. Nach und nach findet Clay heraus, dass Mr. Penumbra und seine Kunden einem uralten Geheimnis auf der Spur sind. Mit der Unterstützung seiner Freundin Kat und seines ältesten Kumpels Neel, sowie der Weisheit von Mr. Penumbra, macht sich Clay daran, dieses Geheimnis zu lüften. Ein Geheimnis, das bis in die Anfangszeiten des Buchdrucks zurückreicht.


    Meinung
    Von diesem Buch habe ich mehr erwartet, als es mir gebietet hat. Es konnte mich nicht zufrieden stellen und hat mich mit offenen Fragen zurückgelassen. Manches habe ich in Frage gestellt, weil es unrealistisch war oder ich es mir nicht gut vorstellen konnte.
    Die Charaktere sind einzigartig und sehr individuell gewählt. Es war nicht öde und langweilig, sie kennen zu lernen, weil alle unterschiedlich sind.
    Aber immer wieder 'Google' zu lesen, hat mich die Nerven gekostet. Das war mir zu viel. Ob jetzt die Bücher bzw. die Buchhandlung im Mittelpunkt stand oder Google, ist unklar.
    Das Ende ist mir zu utopisch und übertrieben und somit unrealistisch. Hier hat der Autor ins Extreme gegriffen.
    Fazit
    Ein enttäuschendes Buch. Technik wird zu viel thematisiert als Bücher.


    2 stars

  • Manuu  
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    LG, Dani


    **kein Forums-Support per PN - bei Fragen/Problemen bitte im Hilfebereich melden**

  • Meine Meinung: Zu erst muss ich gestehen, dass ich das Buch wegen des Covers und des Titels auswählte. Ein Buch über Bücher bzw. Buchhandlung hört sich für meine Ohren erst einmal sehr gut an. Die Geschichte an sich ist auch interessiert, ein wenig mysteriös. Man fragt sich was wohl hinter dem Codex versteckt und, obwohl ich von Anfang an nicht an das ewige Leben glaubte wollte ich doch heraus finden was hinter all dem steckt.


    Die Beschreibung über Mr. Penumbras Buchhandlung konnte ich mir bildlich sehr gut vorstellen und wenn es so ein Laden hier tatsächlich in meinem Umgebung geben würde, wäre ich jeden Tag dort, das ist schon mal sicher. Wenn man auch nicht unbedingt ein Bezug zu den Charakteren hat, fand ich sie alle gut beschrieben und sie passten alle zum Format. Was mich aber sehr störte war vor allem Google! Technologie gehört heute zu Tage dazu keine Frage, aber es wurde zu sehr darauf fokussiert und das störte mein Vorstellung von Büchern und alles was dazu gehört.


    Die Lösung zum Schluss fand ich simple aber passend. Dagegen gefiel mir der Epilog zum Schluss gar nicht.


    3ratten

  • Kurzbeschreibung:

    Als Clay Jannon seinen Job als Webdesigner verliert, meldet er sich auf eine Stellenanzeige hin bei Mr. Penumbra, der in San Fransico eine alte, verstaubte Buchhandlung betreibt, die rund um die Uhr geöffnet ist. Clay übernimmt die Nachtschicht und bald ist ihm klar, dass dies keine gewöhnliche Buchhandlung ist und hier irgendetwas nicht stimmt. Zusammen mit seinen Freunden macht er sich daran, das Geheimnis um Mr. Penumbra und seine Bücher zu lüften.


    ***


    Obwohl das Buch schon vor ein paar Jährchen veröffentlicht wurde, hab ich es völlig frei von „Vorwissen“ gelesen. Gekauft hab ich es vor längerer Zeit, weil mich ganz klassisch der Titel, Cover und Klappentext angesprochen haben. (Nebenbei, das Cover mit dem kleinen Mac zwischen den Büchern, passt sehr gut) . Von Anfang an hat mir der lakonisch leichte, aber von genauer Beobachtungsgabe und Blick für Details und Widersprüche geprägte Ton des fiktiven Erzählers Clay gut gefallen. Der Erzählstil ist anschaulich und leicht zugänglich, die Buchhandlung, spätere Schauplätze und viele der handelnden Personen hatte ich detailliert gezeichnet im Kopf. Und ganz klar, so eine Buchhandlung zu entdecken ist der Traum eines jeden Buchliebhabers. Die Story um die mysteriösen Bände in Mr. Penumbras Regalwänden ist spannend, der Auflösung gleicht einer Art Schnitzeljagd und führt Clay an überraschende Orte.


    Vieles wird in dem Buch parodiert: die "Alles ist möglich"-Mentalität im IT-Business, die Rollenspielwelt, der Fantasy-Buchmarkt, moderne Kunst und Marketingstrategien, verbissene Technologiegegner - und befürworter, verschiedenste Trends und Zeitgeist der letzten ca 30, 40 Jahre. Man überlegt ständig was die Vorbilder für diese oder jene Idee gewesen sein könnte.

    Für mich ist aber bei all dem bunten Durcheinander eine der Grundaussage des Buches: Jeder lebt in seiner Wirklichkeit, in seiner Realitätsblase, so seltsam oder schräg sie für einen anderen erscheinen mag, es hat schon seine Daseinsberechtigung, aber es ist kein Schaden über die eigene kleine Wirklichkeit hinaus auch mal in die des anderen zu schaun, könnte ja was durchaus Interessantes dabei sein.


    Ich hab mich amüsiert über die vielen direkten und indirekten Anspielungen auf Filme, Spiele, Firmen, Trends und Bücher. Es ist schon eine wilde Mischung die Robin Sloan einem da auftischt, aber bei mir hat sie funktioniert, die Grundstimmung des Buches ist fröhlich und lebensbejahend, ohne dabei unkritisch zu sein.


    Vielleicht geht Clay die eigentliche Rätsellösung doch etwas sehr leicht von der Hand, der praktischen Zufälle sind es womöglich auch zuviele und ich fragte mich doch mehr als einmal, was genau er an sich hat, das jeder in seinem Umfeld offensichtlich auf Zuruf beinahe alles tut, worum er bittet. Es ist vielleicht auch nicht ganz glaubwürdig das auf des Rätsels nicht ganz so spektakuläre Lösung, wirklich niemand in 500 Jahren gekommen sein soll (immerhin hat ein Jahrhunderte alter Geheimbund danach gesucht) , aber sei's drum, ich mochte die Geschichte.


    Bei aller Skurilität schimmert zwischen den Zeilen immer die Liebe zu Büchern und ein großenteils interessierter, oft auch liebevoller Blick auf die Verschiedenheit der Menschen und ihre Kreativität durch; jeder soll doch bitte einfach nach seiner Facon selig werden, die einen mit gedruckten Büchern, die anderen mit ebooks, wieder andere mit Computerspielen, Installationskunst oder der Eröffung eines Strickmuseums, dem Betreiben einer Ziegenfarm, andere gehen lieber klettern, spazieren oder surfen, im Meer oder im Internet, so what und vor allem muß das eine das andere nicht ausschließen oder ersetzen.


    Wirklich wichtig sind auch in dieser Geschichte letztlich zutiefst menschliche, universelle Eigenschaften wie Freundschaft, Toleranz und Vertrauen, fernab von jedem Zeitgeist oder Hype.


    Ich hatte zwar ab und zu beim Lesen das Gefühl den roten Faden verloren zu haben und dass der Autor nun aber wirklich übertrieben hat, aber ich glaube letzters war durchaus der Gedanke dahinter und den roten Faden hab ich dann jeweils auch wieder gefunden.



    4ratten

    “There is a crack in everything, that’s how the light gets in.” (Leonard Cohen)