Ann Leckie - Ancillary Justice / Die Maschinen

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Es gibt 17 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Ingroscha.

  • Hallo allerseits!


    Es kommt nur selten vor, aber hier habe ich schon wieder ein Buch, das unbedingt schon vor dem zu Ende Lesen einen Thread braucht.


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    Erschienen: 1. Oktober 2013 (vorerst nur auf englisch)
    Seiten: 416
    Verlag: Orbit


    Inhalt:
    Auf einem einsamen Eisplaneten kommt die Soldatin Breq ihrem Ziel zum Greifen nahe.
    Breq ist zugleich mehr als sie scheint und weniger als sie einst war. Vor vielen Jahren war sie Justice of Toren, ein kolossales Raumschiff und eine künstliche Intelligenz, die Tausende von Körpern kontrollieren konnte. Sie diente treu den Radch, dem Imperium, das die Galaxis erobert hat.


    Ein schrecklicher Verrat entreißt ihr jedoch alles auf einen Schlag und lässt sie mit nur einem fragilen Menschenkörper zurück. Und mit nur einem Ziel: Rache an Anaander Mianaai, dem fast-unsterblichen, viele Körper umfassenden Herrscher der Radch.


    Erste Eindrücke:
    Ich könnte hier beginnen die Handlung wiederzugeben, aber auch wenn es eine Handlung gibt, ist es nicht sie, die das Buch schon nach einigen Kapiteln so spannend macht. Ann Leckie ist eine Debütautorin und traut sich gleich in interessante Gebiete. So stelle ich mir Science Fiction vor! Aber ich beginne besser mal von vorne (auch wenn meine Gedanken nur wild "Juhuu" und "wie toll" durcheinander rufen :elch:).


    Breq, die Protagonistin und Ich-Erzählerin, wird im Klappentext als eine "sie" bezeichnet (und der Einfachheit halber, werde ich es hier auch so belassen). Aber bei einer künstlichen Intelligenz mit vielen, vielen Menschenkörpern, ist es natürlich lächerlich, dem Ich dieser Intelligenz ein Geschlecht zuordnen zu wollen. Somit bleibt Breq, oder Justice of Toren, oder One Esk, geschlechterlos.
    Das ist der erste hochinteressante Punkt. Gerade wegen dieser Ambivalenz verwendet diese Erzählerin auch prinzipiell weibliche Pronomen. Selbst wenn eindeutig von männlichen Charakteren die Rede ist, spricht Breq immer von "ihr". Das war anfangs sehr verwirrend. Es wird beispielsweise der Körperbau eines Priesters beschrieben, breite Schultern, nackte Brust, etc. und ein Nebencharakter identifiziert diesen Priester irgendwann als Mann. Breq spricht aber weiterhin davon, was "sie" (der Priester") sagt, wie "ihr" (dem Priester) etwas gefällt und so weiter. Ihr seht, man muss sich ganz schön konzentrieren, wenn man nach einigen Kapiteln noch wissen will, wer nun Männlein und wer Weiblein ist.


    Und genau das fasziniert mich so. Ann Leckie trickst mich nun schon zum wiederholten Male aus. Ein weiterer Charakter (namenlos, damit ich euch nicht den Spaß verderbe), war für mich beispielsweise klar weiblich, stellt sich dann aber als Mann heraus. Bei einigen weiteren bin ich mir bis jetzt nicht sicher. Zwei Exemplare halte ich für einmal Mann und einmal Frau - ich könnte aber nicht sagen, wer von den beiden nun welche/r ist. Selbst wenn die Handlung totlangweilig wäre, hätte ich alleine damit so viel Spaß, dass mir das Buch gefallen würde.


    Leckie hat mir viele Dinge über mich selbst klargemacht. Erstens war ich überrascht, wie sehr ich wissen will, welches Geschlecht jemand hat. Man denkt von sich selbst ja gerne, man stehe über solchen Dingen und behandle alle gleich (jaja :rollen:), aber alleine die Tatsache, dass ich in den ersten Kapiteln fast schon verzweifelt nach Hinweisen gesucht habe, die mir übermitteln ob ich es mit Männern oder Frauen zu tun habe, hat mich erstaunt.
    Ich habe mich dann relativ schnell daran gewöhnt und genieße das Experiment jetzt umso mehr. Ich bin sozusagen meine eigene Labor-Leseratte. :breitgrins: Es sind Kleinigkeiten, bei denen ich mich ertappe. Wo ich etwa eine Freundschaft zwischen Frauen erwartet hatte, könnte sich eventuell eine Liebesgeschichte entwickeln (ob immer noch unter Frauen oder mit Mann und Frau weiß ich selbst noch nicht). Es ist alles so wunderbar offen und unbelastet von Klischees.


    Ach ja, und ganz nebenbei sind Handlung und Sprache auch fantastisch. :zwinker: Die Autorin lässt uns zwar oft im Dunkeln, übermittelt informationen über die Welt und Politik aber geschickt durch ihre Charaktere, ohne lange Expositionen oder Info-Dumps. Kurz: Ich bin bisher begeistert und freue mich schon auf die kommenden zwei Drittel des Romans.


    Hat sonst noch jemand dieses Buch entdeckt oder Lobeshymnen darüber im Internet gelesen?


    Liebe Grüße,
    Wendy


    P.S.: Das Buch ist für mich ein Anwärter auf den Hugo Award 2014.


    EDIT: Habe den deutschen Titel im Betreff ergänzt. LG, Ingroscha.

    Jahresziel: 2/52<br />SLW 2018: 1/10<br />Mein Blog

    Einmal editiert, zuletzt von Ingroscha ()

  • Wie macht die Autorin das dann mit den Pronomina? Oder sind das alles "it"s?

    The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.

    E. L. Doctorow





  • Nein, es sind alle "she". :zwinker:


    Weil die Protagonistin oft auch nicht erkennen kann, wer männlich und wer weiblich ist, muss sie raten und vertut sich öfter ganz arg. In ihrer Muttersprache braucht man keine unterschiedlichen Pronomina. In der Kultur auf dem Eisplaneten sprechen die Menschen aber wie wir, also ganz klar in männlich und weiblich getrennt.


    Es kommen dann so seltsame Sätze heraus wie (Beispiel von mir erfunden) "Sie war ein junger Mann, ihre Schultern waren breit. Sie trug eine kurze Hose um ihre Hüften und ihre Haare fielen ihr über die Stirn." Also selbst bei Männern wird "she" verwendet. :spinnen: Ich sag ja, zuerst ist es verwirrend, aber irgendwann wird es einfach spannend und es scheint gar nicht mehr so wichtig, welches Geschlecht die Charaktere haben.

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  • Das klingt ja hochinteressant! Ich werde gleich mal gucken, ob die SF-Buchhandlung das Buch auf Lager hat.


    EDIT: Sie hat. :klatschen:

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • Saltanah, ich glaube, das Buch wird dir gefallen. Ich bin jetzt bei der Hälfte und finde mich in seiner seltsamen Welt auch schon besser zurecht. Noch dazu wurde es jetzt wirklich spannend. Wo bisher eher politische Spannungen zu erkennen waren, geht es inzwischen um Leben und Tod.


    Alleine das "Ich" der Protagonistin regt zum Nachdenken an.
    An und für sich war sie die künstliche Intelligenz eines Raumschiffes. Aber sie kommandierte auch die Truppen, die "in ihr" lebten. Davon gibt es wiederum eine Truppe - One Esk - die eine bestimmte Eigenheit hat, nämlich dass sie singt. Zuerst fühlte ich mich an Anne McCaffreys "The Ship Who Sang" erinnert, aber Justice of Torens Idee, mit 20 Menschenkörpern zu singen, ist gut nachvollziehbar. Was würde ich machen, wenn ich 20 Körper hätte? Abgesehen von jeder Menge dummen Einfällen ist ein Chor mit einem übergeordneten Bewusstsein sehr naheliegend, finde ich.


    Ich bin gespannt wie es weitergeht und will wirklich nie wieder hören, dass "Frauen keine (gute) Science Fiction schreiben" :karate:

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  • Guten Morgen, ihr Lieben!


    Wie schon im ersten Post erwartet, ist dieses Buch eine volle Empfehlung geworden.


    Breq verfolgt den einzigen Plan, der ihr geblieben ist, und findet auf einem Eisplanet den halb-toten Körper von Seivarden. Aus ihr selbst unerfindlichen Gründen rettet sie Seivarden vor dem Erfrieren. Die Handlung wechselt kapitelweise zwischen diesem Jetzt und der Vergangenheit, den Geschehnissen von vor etwa 20 Jahren. Hier erfahren wir, warum Breq ist, wer sie ist, und welche Mission sie sich auferlegt hat.


    Die Gründe, warum ich so begeistert war, haben sich während der Lektüre verändert.
    Zuerst war es "nur" das Spiel der Autorin mit Pronomina. In Breqs Sprache - die Sprache des Radch Imperium, das die Galaxie erobert hat - gibt es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern. So macht Breq oft Fehler in anderen Sprachen, weil sie nie gelernt hat, auf äußerliche Merkmale zu achten, die verraten ob jemand männlich oder weiblich ist. Um das ganze noch verwirrender zu machen, nennt sie auch als männlich identifizierte Charaktere weiterhin "sie".
    Mir hat das Gefallen, weil es nicht nur ein Gimmick ist, sondern wirklich zum Denken anregt. Ist es denn wichtig, ob hier nun ein Mann und eine Frau oder zwei Frauen oder zwei Männer befreundet sind? Ob sie sich verlieben? Ob der Bösewicht ein Er oder eine Sie ist? Nicht wirklich. Aber alleine der Denkanstoß war die Lektüre wert.


    Nachdem ich mich an die exklusiv "weiblichen" Charaktere gewöhnt habe und zumindest von einem sicher das Geschlecht wusste, wurde es wesentlich interessanter zu grübeln, wer oder was Breq denn eigentlich ist. Sie war ein Raumschiff bzw. seine künstliche Intelligenz und sie hatte Ancillaries, also Truppen, deren Körper ihr gehörten wie uns unser rechter Arm gehört oder der linke große Zeh. Sie ist es gewöhnt, durch viele Augen gleichzeitig zu sehen, mehrere Konversationen auf einmal zu führen. Jedoch nur eine dieser Truppen hat das merkwürdige Hobby - One Esk singt.
    Im Erzählstrang in der Jetzt-Zeit, wo sie sich Breq nennt, ist sie nur noch ein einziger Körper. One Esk 19. Aber ist die "gesamte" künstliche Intelligenz in diesem Körper gefangen? Oder nur ein Teil? Kann sich eine Intelligenz in zwei oder mehr teilen? Das Buch beantwortet nicht unbedint alle diese Fragen, aber auch hier galt für mich wieder: darüber nachzudenken hat mir Spaß und Spannung bereitet. Was will ich denn mehr...


    Wie wäre es, würden die meisten sagen, mit einer Handlung? Ab der Hälfte hat die Vergangenheit aufgeholt und die Handlung geht nur noch im Jetzt weiter. Und hier wird es dann auch plot-technisch spannender. Ann Leckie gibt gegen Ende hin noch ordentlich Gas und liefert Szenen, die aus einem Actionfilm stammen könnten. Nur dass ihre Konsequenzen weit schwerwiegender sind als in dem, was uns Hollywood vorsetzt. Sicher, der Höhepunkt des Buches mag das Aufeinandertreffen von Breq und dem Lord der Radch sein, aber für mich gab es noch weitere Momente, die mich wie ein kleines Kind quietschen ließen. Seivardens Charakterentwicklung ist einfach unglaublich. Zudem muss ich sagen, dass es mir Seivarden ohnehin angetan hat. :redface:
    Breq liest sie halb-tot im Schnee auf und rettet ihr - warum auch immer - das Leben. Seitdem trottet Seivarden murmelnd und schlecht gelaunt hinter Breq her. Sie teilt Nahrung und ein Dach über dem Kopf mit ihr, will sie aber eigentlich loswerden. Und Seivarden ist ein dickköpfiger Idiot! Aber ein Idiot, der einem unglaublich ans Herz wächst.


    Das einzig Negative, was mir aufgefallen wäre, sind zwei Kleinigkeiten. Einerseits kommt in einem Kapitel sicher fünf mal vor, dass Breq "die Augenbraue hebt" - so oft, dass es auffällig ist. Aber das ist lächerlich, verglichen mit all den Dingen, die das Buch gut macht. Das zweite ist, dass - obwohl wir viel über die Kultur der Radch erfahren - immer noch viele Fragen offen sind und ich mir mehr Informationen über die Welt gewünscht hätte. Aber da dies Band 1 einer losen Trilogie ist und ich alles wusste, was ich wissen musste, um die Handlung zu verstehen, finde ich auch das nicht schlimm.


    Insgesamt eine absolute Empfehlung für alle, die nicht nur nach einem spannenden Plot suchen, sondern sich auch gerne selbst beim Lesen etwas herausfordern.


    5ratten


    Liebe Grüße,
    Wendy

    Jahresziel: 2/52<br />SLW 2018: 1/10<br />Mein Blog

  • Ich habe gerade ziemlich Mühe mit diesem Buch... Habe etwa 40% gelesen und ich finde das Gesamtkonzept bisher sehr cool und interessant und die anfängliche Verwirrung wegen den wenigen Infos, die man über die Welt und die Figuren bekommt, hat sich mittlerweile gelegt. Aber es zieht sich so...
    Die Idee mit der Sprache ist faszinierend, das hat sich für mich aber schnell abgenutzt und es nervt mich langsam, wenn sie dauernd erwähnt, dass sie sich nicht sicher ist, ob jemand Männlein oder Weiblein ist und welche Pronomen sie verwenden muss usw. Ich finde das zwar aus linguistischer und feministischer Sicht in der Theorie interessant, aber wie gesagt, langsam hat sich das für mich etwas "abgenutzt" und ich muss das nicht jedesmal nochmal hören, wenn sie mit jemandem in einer anderen Sprache spricht. :zwinker: Die Figuren lassen mich auch kalt und es ist mir so wurscht wie es mit der Handlung weitergeht, dass ich mich immer überwinden muss, weiter zu lesen.


    Ich möchte das Buch mögen, weil die Grundidee wirklich toll ist, aber ich tue mich echt schwer damit... :sauer:


    Wendy
    Funktioniert das Buch auch als abgeschlossenes einzelnes Buch oder ist das Ende so offen, dass man weiterlesen "muss"? Wenn das Buch halbwegs in sich abgeschlossen ist lese ich es nämlich zu Ende, ansonsten überlege ich mir, ob ich es ev. abbreche...

  • Nö, das Buch kann man schon auch alleine lesen. Es lässt sich halt viel Spielraum für den nächsten Band offen, aber an und für sich gibt es ein actionreiches Ende, das mich als Leser zufrieden gestellt hat.


    In ein paar Tagen kommt endlich Ancillary Sword und ich habe gehört, es soll genauso gut sein.


    Dass die Sprache irgendwann wie ein Gimmick wirkt, kann ich mir gut vorstellen. Bei mir es halt so, dass genau zu dem Zeitpunkt wo es anfging mich zu nerven die Handlung plötzlich spannend wurde. Ab da waren die Pronomen nebensächlich und es ging mehr um die Charaktere. Ich bin ja ein riesiger Seivarden-Fan geworden, was ich zu Beginn des Buches auch nie gedacht hätte.

    Jahresziel: 2/52<br />SLW 2018: 1/10<br />Mein Blog

  • Wendy
    Dann lese ich auf jeden Fall mal weiter, vielleicht packt es mich ja doch noch. :smile:

  • Puh, den deutschen Titel finde ich nicht besonders prickelnd. :breitgrins: Andererseits wüsste ich auch nicht wie man ihn besser übersetzen sollte. Ich wusste ja nicht mal, was "ancillary" bedeutet bevor ich das Buch gekauft habe. Und selbst jetzt könnte ich es nur umständlich erklären.
    Das Cover finde ich aber nicht so schlecht. Immerhin passt es zu Breq, auch wenn sie kein Roboter ist, sondern eine künstliche Intelligenz in einem menschlichen Körper.
    Ich bin gespannt, ob das Buch auch im deutschsprachigen Raum so einschlägt. Es hat ja wirklich alle Preise abgeräumt, die es gibt.


    Drei Mal noch schlafen, dann geht's endlich weiter. :jakka:

    Jahresziel: 2/52<br />SLW 2018: 1/10<br />Mein Blog

  • Mittlerweile habe ich das Buch zu Ende gelesen und muss sagen, dass mir die zweite Hälfte viel besser gefallen hat als die erste. :smile: Es wurde im zweiten Teil viel spannender, ausserdem ist mir Seivarden mit der Zeit doch noch ans Herz gewachsen (und Breq auch ein bisschen :zwinker:).



    Leckie hat mir viele Dinge über mich selbst klargemacht. Erstens war ich überrascht, wie sehr ich wissen will, welches Geschlecht jemand hat. Man denkt von sich selbst ja gerne, man stehe über solchen Dingen und behandle alle gleich (jaja :rollen:), aber alleine die Tatsache, dass ich in den ersten Kapiteln fast schon verzweifelt nach Hinweisen gesucht habe, die mir übermitteln ob ich es mit Männern oder Frauen zu tun habe, hat mich erstaunt.
    Ich habe mich dann relativ schnell daran gewöhnt und genieße das Experiment jetzt umso mehr. Ich bin sozusagen meine eigene Labor-Leseratte. :breitgrins: Es sind Kleinigkeiten, bei denen ich mich ertappe. Wo ich etwa eine Freundschaft zwischen Frauen erwartet hatte, könnte sich eventuell eine Liebesgeschichte entwickeln (ob immer noch unter Frauen oder mit Mann und Frau weiß ich selbst noch nicht). Es ist alles so wunderbar offen und unbelastet von Klischees.


    Mich hat es gegen Ende auch immer weniger gekümmert, was die Figuren für ein Geschlecht haben, das war ungemein befreiend. :zwinker: Da merkt man erst, für wie wichtig man Geschlecht hält, um eine Person "einordnen" zu können. Interessanterweise sind bei den Raadchai (schreibt man das so? :gruebel:) dafür andere Merkmale sehr wichtig, zum Beispiel familiäre Herkunft und Status.


    Ich bin sehr versucht, den zweiten Teil auch noch zu lesen, aber ich warte jetzt erst mal deine (Wendys) Rezension dazu ab. :zwinker:

  • Mir ist das Buch heute in der Buchhandlung aufgefallen und ich habe die ersten zwei Seiten der deutschen Ausgabe "Die Maschinen" gelesen. Ich war fest entschlossen, dieses Buch haben zu wollen und habe dann gerade mal auf Amazon geschaut. Siehe da - die Bewertungen (1 x 1 und 1 x 2 Sterne) sind niederschmetternd. Da ich aber ja weiß, dass dies nicht unbedingt eine große Aussagekraft hat, habe ich auf litschock gesucht ... und siehe da ... meine liebe "sister in literature"-Wendy :knuddel: mochte das Buch! Das heißt für mich, ich kann mich ranwagen und bin wieder genau so heiß drauf, wie vorhin in der Buchhandlung.


    Danke, lit-schock-Forum!
    Danke, Suse!
    Danke, Wendy!


    Ach - es ist toll hier :breitgrins:


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  • ich schieb mal meine Rezension zu dem Buch hier mit rein:

    ---


    Jegliches Konzept von Perspektive und Geschlecht, das wir kennen, wird arg auf die Probe gestellt. Breq heißt eigentlich Justice of Toren One Esk. Breq ist Radch, eine Spezies, die die Zivilisation im Weltall verbreiten will und dabei Planeten und deren Völker annektiert. Radch haben kein Zweigeschlechtliches Konzept. Von allen Figuren wird in der weiblichen Person Singular erzählt. Wenn Breq in anderen Sprachen konversiert, wird deutlich, welche Herausforderung es für Breq ist, die korrekte Form zu verwenden ohne das Gegenüber vor den Kopf zu stoßen. Ergo merkt man als Leser sehr schnell, wie man automatisch davon ausgeht, dass alle Figuren weiblich sind und ist überrascht, wenn dritte das eigentliche Geschlecht der Figuren kurz erwähnen. Meines Erachtens gelingt es Leckie hier ganz stark zu zeigen, welchen Einfluss die Sprache auf die eigene Wahrnehmung hat, ganz besonders im Hinblick auf das Geschlecht. Es ist wirklich ein beeindruckendes Experiment. Viele Rezensenten bemängeln, dass das Buch langatmig sei aber ich denke, das ist der Hauptfigur geschuldet, die immerhin eine AI ist und sehr emotionslos erzählt. Da Justice of Toren ein Raumschiff ist, das durch sogenannte Ancillaries (Menschen, die mit der KI ‚programmiert‘ wurden und somit von ihr gesteuert werden) an mehreren Orten gleichzeitig ist, wechselt die Erzählperspektive schnell und viel. Das hat einige Seiten gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Allerdings macht es das ganze gleichzeitig anstrengend und aufregend zugleich. Justice of Toren One Esk ist ein solcher Ancillary. Sofern ich es nicht überlesen habe, wird das Geschlecht von One Esk (Breq) nie erwähnt. Aber es spielt auch ehrlich keine Rolle.


    Das Universum, das Leckie hier geschaffen hat, ist groß. Die Radch mit ihren Ancillaries erinnern etwas an die Borg. Die Gesellschaft etwas ans alte Rom, das als Imperium ja auch viele Fortschritte brachte aber sein eigenes System und Gesellschaft aufgezwungen hat. Trotzdem ist das Buch nicht einfach die Römer im Weltraum. Es ist soviel mehr und regt klar zum denken an. Auch das Konzept mit dem Umgang bestehender Religionen auf einem annektierten Planeten ist interessant.

    Mein Fazit:

    Obwohl der Einstieg etwas schwer fiel, hat mich das Buch überzeugt und ich habe schnell gemerkt, wieviel ich seitdem darüber nachdenke. Manche Rezensenten merkten an, dass ihnen die Figuren egal waren und sie keine richtige Beziehung zu ihnen aufbauen konnten. Dem kann ich so nicht zustimmen. Breq ist mir ans Herz gewachsen. Sehr sogar. Auch Sejvarden macht eine große Entwicklung durch, wenn auch schwer von Breq einzuschätzen. Es lohnt sich jedenfalls, dranzubleiben. Ich habe das englische Original gelesenund werde auch noch die deutsche Übersetzung bei Gelegenheit lesen um zu sehen wie mit den Geschlechterbezeichnungen umgegangen worden ist.


    Definitiv ein Buch, das im starken Kontrast zum Wohlfühlfaktor bei Becky Chambers‘ Buch steht, aber nicht weniger gut. Mir hats sehr gut gefallen. Die folgenden Bände der Reihe werde ich auch noch lesen.


    5ratten

    ~~ noli timere messorem ~~

  • Manche Rezensenten merkten an, dass ihnen die Figuren egal waren und sie keine richtige Beziehung zu ihnen aufbauen konnten

    Ich habe das Buch vor einiger Zeit entdeckt. Ich habe damals ganz explizit nach weiblichen SciFi-Autorinnen gesucht und mir hat sehr gefallen, dass Leckie hier offensiv mit unseren Geschlechterstereotypen spielt und genau das macht, was SciFi sein sollte (=Welten mit beinahe unbegrenzten Möglichkeiten kreieren, die eben kein 1:1 Abbild der unseren sind).


    Allerdings habe ich das Buch bisher noch nicht gelesen, weil ich aus irgendeinem Grund genau diese Befürchtung hatte, nachdem ich den Klappentext gelesen habe. Vielleicht weil die Protagonistin(?) eine künstliche Intelligenz ist.


    Aber es gibt ja ohnehin nur eine Lösung, um herauszufinden, ob sich diese Befürchtung bestätigt :D Es kann dauern, aber ich werde dann berichten.

    “Grown-ups don't look like grown-ups on the inside either. Outside, they're big and thoughtless and they always know what they're doing. Inside, they look just like they always have. Like they did when they were your age. Truth is, there aren't any grown-ups. Not one, in the whole wide world.” N.G.

  • Ach, hier fehlt ja noch meine Meinung zum Roman. Mir hat er nicht besonders gefallen. Ich muss die Rezi mal raussuchen und hier einfügen. Ehrlich gesagt, war ich ziemlich genervt von der Art des Erzählens ... daran erinnere ich mich noch.