Virginia Woolf - Mrs. Dalloway

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 57 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Jaqui.

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    Das Buch lag zusammen mit Michael Cunninghams "Die Stunden" jetzt schon ziemlich lange unberührt auf meinem Bücherstapel. Aber nachdem ich vor 2 Wochen den Film zu "Die Stunden" (Filmtitel: The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit) gesehen habe, konnte ich gar nicht schnell genug anfangen, es zu lesen. Und gestern wurde ich fertig... :zwinker:



    Mrs. Dalloway von Virginia Woolf


    Inhalt (Klappentext):
    An einem Junitag des Jahres 1923 bereitet Clarissa Dalloway, eine der glänzendsten Londoner Gastgeberinnen, eine große Abendgesellschaft vor. Während sie alle konventionellen Erwartungen erfüllt, stellen sich bei ihr Erinnerungen und Assoziationen ein, die ihr nach und nach bewußt machen, wie sehr ihre äußere Existenz sich von ihrer inneren unterscheidet.



    Über die Autorin:
    Virginia Woolf (1882-1941) war, zusammen mit ihrer Schwester Vanessa, Mittelpunkt der "Bloomsbury Group", des Künstler- und Literatenzirkels, der sich um 1905 in London zusammenfand. Ihr erster Roman, Die Fahrt hinaus, erschien 1915. Neben den Romanen umfaßt ihr Gesamtwerk Erzählungen, Tagebücher, Briefe und eine Vielzahl von Essays. Virginia Woolf gilt als die bedeutendste englische Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts. Die Werke von Virginia Woolf erscheinen seit 1989 im S.Fischer Verlag in neuen Übersetzungen, herausgegeben und annotiert von Klaus Reichert, und in der Umschlaggestaltung von Sarah Schumann.


    Über Virginia Woolf gibt es noch erheblich mehr zu erfahren. Wer Interesse hat, sollte vielleicht mal das hier klicken.


    Meine Meinung:
    Am Anfang habe ich mich wirklich sehr schwer getan, es hat bestimmt 1/3 des Buches benötigt, bis ich mich überhaupt in die Geschichte reinversetzen konnte. Und auch nach jeder noch so kurzen Lesepause hat es ein paar Zeilen gedauert bis ich wieder folgen konnte. Für mich hat es sich dennoch gelohnt, dranzubleiben.


    Virginia Woolf verstand es, Geschichten und Gedanken miteinander zu verknüpfen und den Leser von einer Seele zur nächsten zu führen, ohne das es sprunghaft wirkt. Man erfährt von jedem sowohl, wie er für die Außenwelt wirkt, als auch, was er in seinem Inneren wirklich ist. Das Buch hat keinen Spannungsbogen im eigentlichen Sinne, alles läuft auf die Abendgesellschaft hinaus. Aber es gibt sehr intime Einblicke in die Geschichte der Menschen. Was bewegt sie? Wie möchten sie leben? Welche Fehler haben sie in ihrem Leben gemacht und wie haben diese ihr Leben beeinflusst?


    Auch wenn dieses Buch bereits 1925 erschienen ist, es weist immernoch Paralelen zu unserer heutigen Zeit auf. Fast alle haben wir schon einmal etwas getan, nur weil unser Umfeld es von uns erwartet hat. Aber letztendlich sind es doch wir, die mit den Folgen leben müssen. Und wie macht man dann weiter? Lernt man daraus und verfolgt seine eigentlichen Ziele? Oder bewegt man sich weiter innerhalb der vermeintlichen Grenzen, die die Gesellschaft uns aufzwängt? Mrs. Dalloway zeigt sehr ehrlich und genau, wo genau das uns hinführen kann.


    Dieses Buch werde ich sicherlich noch ein paarmal lesen, bis ich es auch nur ansatzweise richtig verstehen werde. Aber trotzdem hat es mich schon nach dem ersten Mal bewegt und mich nachdenken lassen. Und das ist es, was ich mir von einem Buch erhoffe.


    Daher bekommt es auch


    5ratten

    [size=9pt][font=Verdana][color=teal]&quot;Jedes einzelne Buch hat eine Seele. <br />Die Seele dessen, der es geschrieben hat, und die Seele derer,<br />die es gelesen und erlebt und von ihm geträumt haben.&quot;[/

    Einmal editiert, zuletzt von fairy ()

  • HoldenCaulfield
    Ja, finde ich auch. Trotz Ihrer Krankheit hat sie es geschafft, solche Bücher zu schreiben (vielleicht war es aber auch grade wegen der Krankheit).


    Vitamin
    Wenn ich grade am Anfang des Buches immer wieder aufgerappelt hätte, doch noch ein oder zwei Seiten zu lesen, wäre es mir sicher auch so gegangen. Das Buch ist nicht ganz einfach. Aber wenn man erst einmal in den Erzählstil reingefunden hat ist es wirklich gut!

    [size=9pt][font=Verdana][color=teal]&quot;Jedes einzelne Buch hat eine Seele. <br />Die Seele dessen, der es geschrieben hat, und die Seele derer,<br />die es gelesen und erlebt und von ihm geträumt haben.&quot;[/

  • Mrs. Dalloway ist wirklich ein tolles Buch im Vergleich mit anderen Autoren. Allerdings fand ich es eher entäuschend im Vergleich zu Virginia Woolfes anderen Büchern, da ich zuvor "Die Wellen" und "Orlando" gelesen habe, die mich noch wesentlich mehr gefangengenommen haben.


    Was mich an ihr so fasziniert, ist die Fähigkeit einen so richtig in der Schönheit der sprache schwelgen zu lassen. Man badet regelrecht in diesem wundervollen Sprachfluß. :smile:

  • Hallo Zusammen,


    Na dann bin ich ja mal gespannt.
    In einem anderen Bücherforum machen wir dazu eine Leserunde ab dem 15. Und ich hab das Buch hier auf englisch liegen und will versuchen damit mitzumachen. :zwinker:

    liebe Grüsse melanie

  • Als Literatur-Laie und einfach nur jemand, der gerne schöne Bücher liest kann ich nur sagen, dass ich noch nie etwas gelesen habe, das an Vollkommenheit, Durchdachtheit und Ästhetik an dieses Buch heran kommt.


    Ich kann die Bandweite der Themen und Gedanken gar nicht erfassen, die in diesem Buch vermittelt werden. Jeder Satz verbirgt Unmengen an Stoff und Ansätzen zu allen möglichen Themen. Ich konnte sehr gut die Kritik an der "oberen" Gesellschaft herauslesen, der Wohlstand, der zu Bequemlichkeit, Oberflächlichkeit und Selbtzufriedenheit führt, wo die Organisation von "Abendgesellschaften" zum Lebensinhalt wird und in Wirklichkeit es kaum in einer Schicht mehr einsame Menschen gibt.


    Demgegenüber Septimus, einer ganz anderen Schicht angehörig und dennoch wesensverwandt mit Clarissa Dalloway, der seine Kriegserlebnisse nicht verabeiten kann und letztendlich daran zerbricht. Beider Leben werden parallel erzählt, sie treffen einander nie und doch kreuzen sich ihre Schicksale.


    Dem Buch unterliegt ein ganz seltsamer Pathos und vor allem die ständig wechselnde Perspektive (oft mitten in einem Satz) geben dem Buch etwas ganz Besonderes. Es ist sehr anstrengend zu lesen, man muss sich die Sätze "auf der Zunge zergehen lassen" um ihre ganze Tragweite zu erfassen, aber es lohnt sich allemal!


    5ratten

    :blume:&nbsp; Herzliche Grüße!&nbsp; :blume: <br />creative

  • Virginia Woolf ist ja ohnehin meine Lieblingsschriftstellerin und ich kann mich wieder nur Craetive anschliessen, die (der? :redface: ) mit ihrer Darstellung voll ins Schwarze getroffen hat.


    Und natürlich vergebe ich hier:


    5ratten + :marypipeshalbeprivatmaus: = perfekt in Anspruch, Sprache und Unterhaltungswert

    Viele Grüsse,

    Weratundrina

  • Zitat von "Weratundrina"

    Virginia Woolf ist ja ohnehin meine Lieblingsschriftstellerin und ich kann mich wieder nur Craetive anschliessen, die (der? :redface: ) mit ihrer Darstellung voll ins Schwarze getroffen hat.


    die ist ok, Weratundrina!


    Was kannst du von V.Woolf noch empfehlen, was ist für den LIteraturlaien noch gut lesbar?

    :blume:&nbsp; Herzliche Grüße!&nbsp; :blume: <br />creative

  • creative : Eine wirklich schöne Rezi. Ich würde dir "Orlando" empfehlen.


    Aber ganz abgesehen davon gefällt mir auch die Rezi von B-Hörnchen sehr gut.


    Die anderen Bücher die ihr bis jetzt empfohlen habt, kenne ich leider (noch) nicht. Die werden aber auf meine Liste kommen.


    Ich habe, zumindest glaube ich das, noch "Die Fahrt zum Leuchtturm" zu Hause. Kennt das jemand?

  • @wolves: "Die Fahrt zum Leuchtturm" habe ich auf meinem SUB :bang:
    @all: Danke für eure Tipps, ich werde sicherlich bald mehr von V.Woolf lesen!

    :blume:&nbsp; Herzliche Grüße!&nbsp; :blume: <br />creative

  • Wie gesagt - ich finde ALLE gut. Schade, dass es immer noch (oder nicht mehr?) keine schöne HC-Werkausgabe gibt. Ich hab nur die total zerlesenen FischerTB. :sauer:

    Viele Grüsse,

    Weratundrina

  • @ B-Hörnchen und creative
    Danke für eure schönen Rezensionen! Sie haben dazu beigetragen, dass ich mir das Buch heute endlich gekauft habe. :) Habe die ersten Seiten mal angelesen und musste schon feststellen, dass es sich nicht ganz so leicht liest. Wobei das kein Nachteil sein muss, denn der Anfang hat mir bereits recht gut gefallen.
    Muss aber erst noch meine aktuelle Lektüre beenden, bevor ich richtig anfange. Wobei ich ja auch noch meine SUB-Wettbewerb-Bücher lesen möchte. Und zig andere... :breitgrins: Werde Mrs Dalloway allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit vorziehen. ;)

  • Wie schön! Hier tut sich ja noch richtig was! :smile:


    @Sternenstauner
    Ich hab ja auch erstmal eine Weile gebraucht, um Zugang zu diesem Buch zu finden. Aber es lohnt sich so! Ich hab zwar in den letzten Monaten wieder viele -zum Teil ganz tolle- Bücher gelesen, aber nicht eines davon ist mir so sehr im Blut geblieben. Wenn mein SUB nicht schon aus allen Nähten platzen würde wären weitere Bücher von ihr sicher ganz oben auf meinem Wunschzettel.



    @all
    Hat jemand von euch eigentlich den Film "The Hours" gesehen (oder natürlich das Buch gelesen)? Ich fand den Film "ganz großes Kino" :zwinker: und das Buch subt schon eine Weile bei mir rum.

    [size=9pt][font=Verdana][color=teal]&quot;Jedes einzelne Buch hat eine Seele. <br />Die Seele dessen, der es geschrieben hat, und die Seele derer,<br />die es gelesen und erlebt und von ihm geträumt haben.&quot;[/

  • @ B-Hörnchen
    Ehrlich gesagt bin ich durch den Film - den ich damals im Kino gesehen hatte und der mir sehr gut gefallen hat - darauf gekommen, das Buch zu lesen. Aber irgendwie habe ich es dann zwischenzeitlich immer wieder vergessen.
    Die Stunden hatte ich auch in der Hand, als ich mir Mrs Dalloway gekauft habe. Aber ich konnte ja nicht gleich alles auf einmal mitnehmen. ;)