08 - Kapitel 18 - Ende (S.445 - Ende)

Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 32 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Rosenprinzessin.

  • Hier könnt ihr über Seite 445 bis zum Ende schreiben


    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbegrenzung nicht vorgesehen.

    &WCF_AMPERSAND"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönheit zu erkennen, wird nie alt werden.&WCF_AMPERSAND" (Franz Kafka)

  • Der Show-Down lässt noch etwas auf sich warten, erst erfährt man noch etwas über die Zeit nach Coras Tod und wie es dazu kam, dass die beiden Verliebten London verlassen.


    Die beiden Briefe, die Ethel in Coras Namen für Hawley und Louise Smythson geschrieben hatte, waren für jemanden, der Cora kannte, sicher nicht überzeugend, aber Ethel dachte wahrscheinlich, dass sie so alle Probleme aus der Welt schaffen kann.
    Insgesamt ist es ja so, dass sie die treibende Kraft ist. Sie zieht bei Hawley ein (obwohl sie weiß dass im Keller Coras Leichenteile liegen :entsetzt:), sie spricht mit Inspector Dew, sie bringt Hawley dazu, den plötzlichen Tod seiner Frau bekanntzugeben und sie ist die, die entscheidet, dass nach Kanada ausgewandert wird als der Vermieter sie rauswirft und damit ihr dunkles Geheimnis aufzufliegen droht.
    Ehrlich gesagt ist mit Ethel in diesem Kapitel sehr unsympathisch geworden. Sie mag Hawley schon lieben, aber sie ist schon sehr eiskalt und nutzt es auch wieder aus, dass Hawley so ein nachgiebiger und gutmütiger Mann ist.


    Im letzten Kapitel nun treffen Dew und Dr. Crippen aufeinander, erst kommt es aber zur Aussprache zwischen Hawley und Ethel und tatsächlich ist es so, dass Hawley von Anfang an wusste, dass Ethel seine Frau getötet hat! Er spricht nun davon, dass er dadurch auch einen Teil der Schuld trägt und hier muss ich ihm zustimmen, denn letztendlich war er froh, dass Ethel im die "Aufgabe" abgenommen hat, die er in seiner Schwäche nicht auszuführen gewagt hat.
    Das Ende ist dann relativ unspektakulär; Hawley nimmt alle Schuld auf sich und wird gehängt, Ethel wird freigesprochen und wandert alleine nach Amerika aus. Ein kleines bisschen war ich enttäuscht dass die Festnahme und das Verfahren so glatt liefen und auch, dass Ethel so davonkommt, auf der anderen Seite passte es zu Crippen, dass er seine Geliebte schützt und den Mord einfach gesteht. Er hat ja mehrmals geäußert, dass er froh ist, dass alles vorbei ist.


    Ich glaube Ethel und Hawley hätten sowieso nicht glücklich werden können mit dieser Schuld die sie auf sich geladen haben und den Lügen, mit denen ihre Liebe zustande gekommen ist. Früher oder später wäre das ihrer Beziehung sicher zum Verhängnis geworden.


    Mein Fazit: Das Buch hat mir viele vergnügliche und spannende Lesestunden bereitet, gerade weil es sich nicht nur auf den Fall Dr. Crippen beschränkt, sondern auch die Geschichten von Nebenfiguren wie Matha Hayes, Mrs. Drake oder Bill Carter erzählt.


    A propos Martha Hayes, was sagt ihr dazu, dass sie bei Matthieu eine Anstellung bekommt? Ob sich da mehr daraus entwickelt? Hm, das bleibt wohl unserer Fantasie überlassen :zwinker:

    :lesen: Anthony Powell - The Kindly Ones <br /><br />Mein SUB<br />Meine [URL=https://literaturschock.de/literaturforum/forum/index.php?thread/32348.msg763362.html#msg763362]Listen

  • Schockierend fand ich vor allem, dass Ethel sich am Ende denkt, die ganze Sache mit Crippen wäre ja eventuell sowieso nur etwas Flüchtiges gewesen, eine Romanze. Aber immerhin hat sie für ihn einen Menschen getötet. Sie ist wirklich eine eiskalte Frau. :entsetzt:
    Dass Hawley die Schuld auf sich nimmt, war aber klar. Er scheint nun zuletzt doch jemanden geliebt zu haben, nur dass er wieder einmal der Dumme ist, der ausgenutzt wurde, weil er nicht "nein" sagen kann.



    A propos Martha Hayes, was sagt ihr dazu, dass sie bei Matthieu eine Anstellung bekommt? Ob sich da mehr daraus entwickelt? Hm, das bleibt wohl unserer Fantasie überlassen :zwinker:


    Das finde ich super! Schade, dass wir nicht mehr darüber erfahren, aber ich kann mir gut vorstellen, dass die beiden zusammen passen würden. Die beiden scheinen ja auch auf einer Wellenlänge zu sein. :smile:


  • Schockierend fand ich vor allem, dass Ethel sich am Ende denkt, die ganze Sache mit Crippen wäre ja eventuell sowieso nur etwas Flüchtiges gewesen, eine Romanze.


    Das habe ich aber nicht so verstanden. Oder habe ich etwas überlesen? Aber ich gebe euch recht, wenn ihr sagt, dass Ethel eiskalt ist und im letzten Abschnitt auch sehr unsympathisch wurde. Dazu passt es auch, dass sie Crippen die Schuld auf sich nehmen lässt, so dass sie dann doch ein neues Leben in Amerika beginnen kann. Offenbar scheint ihre Liebe zu Hawley aber doch etwas besonderes gewesen zu sein, warum hätte sie sich sonst mit seinem Foto in den Händen begraben lassen?


    Nach all dem, was geschehen ist, hätte ich Crippen einen Neuanfang in Amerika fast gegönnt. Natürlich macht er sich zum Mittäter, wenn er den Mord nicht verhindert oder die Täterin schützt. Aber in seiner Situation kann man das ja auch nachvollziehen. Mir lief es jedenfalls trotzdem kalt den Rücken herunter, als wir eine Erklärung dafür bekamen, warum er kalt war, als Ethel nach der Tat zu ihm ins Bett zurückkehrt.


    Dass man fast bis zum Schluss nicht weiß, wer der Täter war, fand ich unglaublich spannend. Und dann hat es Boyne genial geschafft, Crippen weder als gänzlich schuldig noch als unschuldig darzustellen. Die Geschichte dieses Romans ist die am genialsten konstruierte Geschichte seit langem für mich!


    LG
    Claudi

  • Verbessert mich, wenn ich etwas falsch interpretiere, aber auf Seite 518 steht:


    "Vielleicht, dachte sie, war es einfach nur eine Obsession gewesen, eine Romanze, die sie genossen und von der sie sich hatte davontragen lassen. Und wenn sie solche Gefühle für Hawley Crippen gehabt hatte, dann musste das doch auch mit einem anderen gehen?"

  • Ein wenig geschockt haben mich diese Aussagen auch. Andererseits hat sie vielleicht eher versucht, sich das einzureden, als dass sie es wirklich geglaubt hat ...


    Es war mir fast klar, dass Crippen am Ende für seine Ethel in den Knast wandern und hingerichtet werden wird. Ich glaube tatsächlich, dass er nicht damit hätte leben können, dass Ethel quasi seinetwegen stirbt, denn hätten sich die beiden nicht verliebt, hätte sie ja nie den Mord an Cora begangen (die er schon lange nicht mehr ertragen konnte).


    Das Buch ist echt klasse konstruiert, Boyne hat mich exzellent in die Irre geführt, obwohl ich ja bei der zerhackten Leiche kurz stutzig geworden war - aber dann deutete alles wieder so glaubwürdig auf Hawley als Täter hin, dass ich ziemlich von der Rolle war, als es doch Ethel getan hat!


    Was ich auch toll dargestellt fand, war die Sensationsgier der anderen Passagiere und auch der Presse - wie enttäuscht die waren, als Dew darauf bestand, Crippen auf See festzunehmen!


    Was aus Martha und Matthieu geworden ist, hätte mich auch sehr interessiert. Ob sich aus Marthas Anstellung noch mehr entwickelt hat? Oder vielleicht hat sie ja mit einem netten Kanadier ihr Glück gefunden. Gönnen würde ich's ihr.


    Und über Billy Carter würde ich glatt noch mal ein komplettes Buch lesen wollen. Den fand ich sowas von sympathisch (und am Ende musste sogar der grummelige Käpt'n seine Meinung revidieren, wofür er bei mir dann doch noch mal ordentlich Pluspunkte gesammelt hat). Süß fand ich, dass Billy bei der Geburt seines Kindes dabei war, auch wenn ihn anno 1910 alle deswegen für gestört hielten :herz: Ich habe mich sehr für ihn gefreut, dass er doch noch rechtzeitig nach Hause kam, ich hatte nämlich wirklich Bedenken, ihm könne etwas zustoßen.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Wow, ich bin ganz begeistert von dem Buch! Mich hat diese Wendungen zum Ende des Buches hin wirklich überrascht. Ich konnte mir bis zum vorletzten Kapitel gar nicht vorstellen, dass Ethel den Mord begangen hat. John Boyne hat mich lange im Dunkeln tappen lassen :zwinker:


    Es hat mich erstaunt, dass Crippen das alles gewusst hat und sich nichts anmerken ließ. Mich wundert es auch, dass er die ganze Schuld auf sich genommen hat. Denn im ganzen Buch wird er als eher gefühllos dargestellt und daher fällt es mir schwer, dass er Ethel gegenüber so starke Gefühle entwickeln konnte, dass er sogar sein Leben für sie opfert.



    Was aus Martha und Matthieu geworden ist, hätte mich auch sehr interessiert. Ob sich aus Marthas Anstellung noch mehr entwickelt hat? Oder vielleicht hat sie ja mit einem netten Kanadier ihr Glück gefunden. Gönnen würde ich's ihr.


    Das würde mich auch sehr interessieren. Die beiden waren meine liebsten Nebendarsteller!



    Was ich auch toll dargestellt fand, war die Sensationsgier der anderen Passagiere und auch der Presse - wie enttäuscht die waren, als Dew darauf bestand, Crippen auf See festzunehmen!


    Das fand ich auch :daumen: Aber die Sensationsgier der Menschen wird wohl zu allen Zeiten so stark ausgeprägt gewesen sein. Besonders wenn man bedenkt, dass die Menschen viele Tage auf dem Schiff waren und nichts weiter zu tun hatten als sich mit dem Fall zu beschäftigen. Wahrscheinlich haben sie sich gegenseitig hochgeschaukelt.



    Dass man fast bis zum Schluss nicht weiß, wer der Täter war, fand ich unglaublich spannend. Und dann hat es Boyne genial geschafft, Crippen weder als gänzlich schuldig noch als unschuldig darzustellen. Die Geschichte dieses Romans ist die am genialsten konstruierte Geschichte seit langem für mich!


    Das kann ich so unterschreiben :zwinker:

    Wer Bücher kauft, kauft Wertpapiere! - Erich Kästner<br /><br />SLW 2016 9/30

  • Was für ein tolles Buch – es hat mich bis zum Ende in Atem gehalten, obwohl ich ja den Ausgang des Falls kannte! :klatschen:


    Boyne hat diese Geschichte wirklich bis zum Ende stimmig ausgearbeitet und mit den vielen überraschenden Wendungen fesseln können! Auch die vielen Nebenfiguren hat er hervorragend ausgearbeitet.
    Nun war ich fast schon überzeugt davon, dass Crippen nichts von Ethels Tat wusste und dann stellt sich heraus, dass er ihr sogar fast bis in die Wohnung gefolgt war und genau wusste, was geschehen war! Ja sogar den Inhalt der Hutschachte kannte!!!
    Einfach unglaublich!
    Etwas sehr verräterisch fand ich natürlich schon die Formulierungen in den Briefen, die Crippen so herausgehoben haben.
    Ethel hätte sich spätestens beim Abschiedsbrief denken können, dass der clevere Crippen die Schrift erkennt. :zwinker:
    Die ganze Zeit über hat er für sie perfekt den Ahnungslosen gespielt und hatte immer darauf gewartet, dass sie ihm endlich die Wahrheit sagt –sich ihm anvertraut!
    Mir war klar, dass er sich für seine geliebte Ethel opfern würde, schließlich hatte sie ja die Tat für ihn begangen!
    Sein Opfer ist insofern konsequent.
    Auch frage ich mich, ob sie in Canada wirklich glücklich miteinander geworden wären???


    Am meisten ärgert mich, dass diese aufgeblasene Louise auch noch so die Lorbeeren einheimst und der große Star zu sein scheint! :sauer:


    Jetzt werde ich aber noch ein bisschen zum echten Fall Crippen recherchieren.
    Ich bin gespannt, ob die Beweislage damals wirklich so eindeutig war oder ob es doch bestimmte Hinweise auf Ethels eventuelle Beteiligung gab? :zwinker:

    Einmal editiert, zuletzt von bookstars ()


  • Ein wenig geschockt haben mich diese Aussagen auch. Andererseits hat sie vielleicht eher versucht, sich das einzureden, als dass sie es wirklich geglaubt hat ...


    Im ersten Moment habe ich auch gestutzt als ich Ethels Gedanken zur Zukunft las.
    Aber ich glaube auch, dass sie versucht ihren Schmerz zu überspielen und sich da was einreden möchte, um die Kraft zu haben, alleine weiterzuleben!
    Sie hat ihre große Liebe nie vergessen, so deute ich mal das im Nachwort erwähnte Bild von Crippen, dass sie im Sarg bei sich haben wollte.


    Zitat

    Was ich auch toll dargestellt fand, war die Sensationsgier der anderen Passagiere und auch der Presse - wie enttäuscht die waren, als Dew darauf bestand, Crippen auf See festzunehmen!


    Das fand ich auch sehr gut getroffen - alle wollen sich im "Glanze" dieses abscheulichen Verbrechens sonnen.
    Toll, dass Dew dies vehement zu umgehen verstand, indem er die Verhaftung auf hoher See stattfinden ließ.


    Zitat

    Was aus Martha und Matthieu geworden ist, hätte mich auch sehr interessiert. Ob sich aus Marthas Anstellung noch mehr entwickelt hat? Oder vielleicht hat sie ja mit einem netten Kanadier ihr Glück gefunden. Gönnen würde ich's ihr.


    Oh ja - ich könnte mir auch vorstellen, dass sie ein Paar werden, da sie zum Schluss so oft zusammen waren und sich offensichtlich gut verstanden haben. :zwinker:


    Sehr witzig fand ich ja Victorias neu entfachtes Interesse an jungen Damen! :breitgrins:
    Das wird ihrer Mutter aber gar nicht behagen, wo sie sich doch eine gute Partie an Land ziehen soll.

  • Dass der Brief Hawley nicht überzeugt, konnte ich mir fast denken, zumal ja auch die Handschrift wahrscheinlich anders war, oder? Na ja, jedenfalls wusste Hawley doch Bescheid und ich denke mal, er war einfach nur erleichtert, dass er Cora nun endlich los ist.


    Ethel ist ja - wenn man das so sagen kann - doch ganz schön durchtrieben, wie sie alles so plant und in eine Richtung lenkt. Schließlich war sie ja letztendlich die treibende Kraft, dass sie nach Amerika auswandern. Aber ich muss ehrlich gestehen, dass ich es ihnen - trotz der schrecklichen Tat - doch ein bisschen gegönnt hätte, davon zu kommen und sich ein neues, schönes Leben aufzubauen. So merkwürdig Crippen auch sein mag, er hatte schon ein hartes und nicht gerade glückliches Leben.


    Mir war auch irgendwie klar, dass Hawley alle Schuld auf sich nehmen wird und Ethel beschützen will. Sie streitet ja auch schließlich alles ab. Ob sie sich vielleicht doch noch insgeheim abgesprochen haben? Oder ob Ethel letztlich doch einfach so egoistisch ist und versucht, ihren eigenen Hintern zu retten? Wenigstens beschuldigt sie Hawley nicht.


    Die Szene im Gefängnis fand ich schon rührend. Sie konnten sich wenigstens noch verabschieden. ich glaube schon, dass Ethel Hawley aufrichtig geliebt hat und sie sich an Bord - auf dem Weg in ein neues Leben - einfach ein bisschen schönreden will, dass sie sich noch einmal so verlieben kann.



    Ich glaube Ethel und Hawley hätten sowieso nicht glücklich werden können mit dieser Schuld die sie auf sich geladen haben und den Lügen, mit denen ihre Liebe zustande gekommen ist. Früher oder später wäre das ihrer Beziehung sicher zum Verhängnis geworden.


    Das kann ich mir auch vorstellen. So oder so, die Geschichte der beiden ist sehr tragisch.


    Victoria findet also die Schwester ihres Verehrers toll. So so. ;) Jetzt wissen wir auch, wieso sie den doch sehr zarten und weiblich wirkenden "Edmund" so anziehend fand. ;)


    Dass Martha bei Matthieu eine Anstellung findet, finde ich klasse. Vor allem, weil ich auch glaube, dass die Zwei wunderbar zusammenpassen würden. Ich könnte mir schon vorstellen, dass sich da letztendlich noch mehr entwickelt. Was wohl aus Tom wird? Ob er sich noch - trotz seiner bisher eher ruppigen Art - noch ein ordentliches Leben aufbauen kann?


    Toll fand ich übrigens die Anmerkung, dass sie Carter alle für verrückt hielten, weil er bei der Geburt dabei sein wollte. :breitgrins:
    Ich habe mich richtig für ihn gefreut, dass er noch rechtzeitig zur Geburt dabei sein konnte und er auch von Kendall doch die nötige Anerkennung erhalten hat.


    Das Nachwort war auch interessant so zu lesen. So wurden also Crippen als auch Ethel mit einem Bild des jeweils anderen begraben. Sie hat ihn also über all die Jahre nie vergessen können.


    Ich muss sagen, dass das mal wieder ein tolles Buch von Boyne war. Ich würde fast sogar schon behaupten, dass er wirklich zu einem meiner Lieblingsschriftsteller mutiert.
    Ich bin begeistert von dem Buch! :klatschen:

    Mögest du dir die Zeit nehmen, die stillen Wunder zu feiern, die in der lauten Welt keine Bewunderer haben. ~ Altirischer Segenswunsch


  • Verbessert mich, wenn ich etwas falsch interpretiere, aber auf Seite 518 steht:


    "Vielleicht, dachte sie, war es einfach nur eine Obsession gewesen, eine Romanze, die sie genossen und von der sie sich hatte davontragen lassen. Und wenn sie solche Gefühle für Hawley Crippen gehabt hatte, dann musste das doch auch mit einem anderen gehen?"


    Ich glaube, das war eher eine Ermutigung ihrer selbst, in die Zukunft zu sehen und den Kopf oben zu halten. Ich glaube schon, dass Ethel Hawley geliebt hat.
    Er opfert sich ja letztlich sogar für sie. Und wenn sie diese zweite Chance, die er ihr schenkt, nicht für einen Neuanfang nutzen würde, wäre sein Opfer eine reine Verschwendung gewesen.
    Insofern stimmt es natürlich: Sie ist auch ein bisschen gleichgültig und egoistisch. Dass sie aber ein zu Extremen neigender Charakter ist, hat sie ja schon durch den Mord bewiesen.


    Über Billy hätte ich auch noch gern mehr gelesen. Ich habe ebenfalls bemerkt, dass er "verrückt genug" war, bei der Geburt dabei sein zu wollen. Zum Glück hat aber auch der Kapitän bemerkt, dass er ein toller Kerl ist. Trotzdem: Der Kapitän steht am Ende der Geschichte in meinen Augen in einem besseren Licht als zu Beginn. Und da gönne ich es ihm, dass er seinen alten Freund wieder zur Seite bekommt.


    Viktoria interessiert sich für junge Damen... Das wäre ebenfalls spannend zu beobachten. Mrs Drake fällt bestimmt in Ohnmacht.

    Einmal editiert, zuletzt von Claudi ()


  • Über Billy hätte ich auch noch gern mehr gelesen. Ich habe ebenfalls bemerkt, dass er "verrückt genug" war, bei der Geburt dabei sein zu wollen. Zum Glück hat aber auch der Kapitän bemerkt, dass er ein toller Kerl ist. Trotzdem: Der Kapitän steht am Ende der Geschichte in meinen Augen in einem besseren Licht als zu Beginn. Und da gönne ich es ihm, dass er seinen alten Freund wieder zur Seite bekommt.


    Ja, das ging mir genauso. Billy hätte wahrscheinlich jetzt erst mal eh keine große Lust auf Atlantiküberquerungen gehabt, nehme ich an. Der wird sich erst mal so viel wie möglich seinem Kind gewidmet und vielleicht auf einer Kanalfähre oder sowas angeheuert haben ;)

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    (Agnès Varda)


  • Das würde mich auch sehr interessieren. Die beiden waren meine liebsten Nebendarsteller!


    Gehört gar nicht mehr zur Geschichte, muss ich aber gleich loswerden: Ich habe die englische Ausgabe gelesen und habe beim Ausblick auf die weiteren Romane von Boyne gleich aufgehorcht. Es geht in "The thief of time" um: Matthieu Zela
    Kann ja eigentlich nur "unser" Matthieu" sein :klatschen: Ich kann mir zumindest nicht vorstellen, dass Boyne denselben Namen für verschiedene Charaktere benutzt.


    Leider bisher nicht ins Deutsche übersetzt. Schade.

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    Pessimisten stehen im Regen, Optimisten duschen unter den Wolken.

  • Ich war total überrascht, dass Hawley von Anfang an über alles Bescheid wusste. Das hätte ich nicht vermutet. Klar, die Sache mit dem Brief hätte mir auch schon vorher einleuchten können... Ich habe an die Schrift überhaupt keinen Gedanken verschwendet (als Ermittler würde ich wohl kläglich scheitern :zwinker: )


    Inspector Dew hat mir als Ermittler richtig gut gefallen. Auch die Szene als er Crippen festnahm... Ich habe die ganze Zeit mitgefiebert. Kendall fand ich auch irgendwie süß, wie er da mit stolzgeschwellter Brust steht, als er hört, er würde bestimmt zum Helden erklärt werden :breitgrins:


    Die Gerichtsverhandlung fand ich klasse. Ich habe diesen Abschnitt zweimal lesen müssen, weil ich zuerst überhaupt nicht begriffen habe, über wen dort verhandelt wird. Ich las nur "not guilty" und dachte erst nur: "Hä?" . Super gemacht!



    Ehrlich gesagt ist mit Ethel in diesem Kapitel sehr unsympathisch geworden.


    Ich konnte sie immer verstehen und auch ihr Handeln nachvollziehen.



    Im ersten Moment habe ich auch gestutzt als ich Ethels Gedanken zur Zukunft las.
    Aber ich glaube auch, dass sie versucht ihren Schmerz zu überspielen und sich da was einreden möchte, um die Kraft zu haben, alleine weiterzuleben!
    Sie hat ihre große Liebe nie vergessen, so deute ich mal das im Nachwort erwähnte Bild von Crippen, dass sie im Sarg bei sich haben wollte.


    So habe ich das auch verstanden. Eine Liebe bis in den Tod.


    Seltsamerweise bin ich mit Billie gar nicht so warm geworden. Ich fand es zwar schön, dass er es noch zur Geburt geschafft hat, aber ... ich fand andere viel interessanter :breitgrins: Über Victoria musste ich erstmal Lachen: Da hat sie wohl eine ganz neue Seite an sich entdeckt - dank "Edmund".


    Wow, das Buch ist genial und der Fall Crippen wirklich interessant und noch ein paar Recherchen wert. Schön blöd, dass ich das Buch ein Jahr lang auf dem SuB hatte... andererseits war es durch die Leserunde noch viel unterhaltsamer.

    Pessimisten stehen im Regen, Optimisten duschen unter den Wolken.

  • Zara, an Handschrift habe ich auch überhaupt nicht gedacht. Wahrscheinlich ist es einfach zu naheliegend. Boyne ist wirklich meisterhaft darin, seine Leser auf die falsche Spur zu locken aber Andeutung und Merkwürdigkeiten so zu streuen, dass man sich immer wieder fragt und gleichzeitig denkt: "Kann doch nicht sein."


    Schade dass der Romam um Mathieu Zela noch nicht auf Deutsch erschienen ist. Das werde ich aber im Auge behalten.


    LG
    Claudi


  • Gehört gar nicht mehr zur Geschichte, muss ich aber gleich loswerden: Ich habe die englische Ausgabe gelesen und habe beim Ausblick auf die weiteren Romane von Boyne gleich aufgehorcht. Es geht in "The thief of time" um: Matthieu Zela
    Kann ja eigentlich nur "unser" Matthieu" sein :klatschen: Ich kann mir zumindest nicht vorstellen, dass Boyne denselben Namen für verschiedene Charaktere benutzt.


    Oh, das klingt ja spannend (und würde ein paar der Fragen beantworten, die ich mir beim Lesen über Matthieu gestellt habe).

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    (Agnès Varda)

  • Dieser Kritikpunkt bleibt auch auf meiner Liste bestehen. Mir ist bis zum Schluss nicht klar geworden, warum Ethel sich unbedingt als Mann verkleiden muss. Es wäre viel einfacher gewesen, sie hätte sich als Mann und Frau, oder als Vater und Tochter ausgegeben. Einen falschen Namen anzugeben ist offensichtlich kein Problem, also brauchen sie wohl auch keine Papiere. Ein Ehepaar ist doch auch viel unverdächtiger als ein Vater mit seinem Sohn, ohne Mutter.


    LG
    Claudi


    Ich schreibe meine Antwort jetzt bewusst im letzten Abschnitt, um vorher nicht zu spoilern. Also im Nachhinein verstehe ich, warum sie als Vater-Sohn-Gespann gereist sind. Sie wurden ja als Paar gesucht und Ethel war durch ihre Narbe natürlich sehr auffällig. (Scheinbar konnte man so etwas damals noch nicht wegschminken?). Da war es natürlich am Einfachsten Ethel's Geschlecht zu ändern, um unauffälliger zu sein. Die Narbe bleibt zwar, aber nach einem jungen Burschen wurde ja nicht gefahndet.

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  • Ich habe das Buch auch beendet und bin wirklich begeistert! Ich hatte mich ja während der Lektüre dann auch mit dem wahren Fall auseinandergesetzt, weil mich das einfach interessiert hat, und daher war ich der Meinung, mich könne nichts mehr überraschen. :redface:
    Das Ende hier hat mich dann aber doch überrascht! Für mich ist es ein gelungenes Ende und auch durchaus passend, aber Dr. Crippen tut mir hier wirklich leid. Und Ethel ist mir unsympathischer geworden.
    Ihre Gedanken, als Crippen ihr auf dem Schiff sagt, dass er von ihrem Mord weiß, kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Ich glaube, ich an ihrer Stelle wäre eher erleichtert gewesen, dass er mich für diese Tat (immerhin ein ziemlich kaltblütiger Mord!) nicht verabscheut. Natürlich kann Crippen froh sein, dass er Cora los ist, aber Mord bleibt eben Mord.


    Im Nachwort wird erwähnt, dass Crippen sich mit einem Bild von Ethel begraben hat lassen. Und Ethel hat in ihrem Testament darum gebeten, mit einem Bild von Crippen begraben zu werden. Sie ist 84 Jahre geworden, hatte einen Ehemann und Kinder. Trotzdem hat sie wohl ihr ganzes Leben lang immer wieder an Crippen gedacht, oder? Sonst hätte sie sich nach so langer Zeit doch nicht mit einem Bild von ihm begraben lassen!? Ich nehme mal an, dass das auch auf Tatsachen beruht. Das finde ich irgendwie bewegend, muss ich gestehen.

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  • Süß fand ich, dass Billy bei der Geburt seines Kindes dabei war, auch wenn ihn anno 1910 alle deswegen für gestört hielten :herz: Ich habe mich sehr für ihn gefreut, dass er doch noch rechtzeitig nach Hause kam, ich hatte nämlich wirklich Bedenken, ihm könne etwas zustoßen.


    Oh ja, das hat mich auch total gefreut für ihn! Billy gehört zu meinen Lieblingsfiguren hier im Buch!

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