Pamela Druckerman - Warum französische Kinder keine Nervensägen sind

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Es gibt 30 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Leen.

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    Zitat

    Erziehen statt Verziehen.



    Warum werfen französische Kinder im Restaurant nicht mit Essen, sagen immer höflich Bonjour und lassen ihre Mütter in Ruhe telefonieren? Und warum schlafen französische Babys schon mit zwei oder drei Monaten durch? Als Pamela Druckerman der Liebe wegen nach Paris zieht und bald darauf ein Kind bekommt, entdeckt sie schnell, dass französische Eltern offensichtlich einiges anders machen - und zwar besser. In diesem unterhaltsamen Erfahrungsbericht lüftet sie die Geheimnisse der Erziehung à la française.



    Mir wurde das Buch wärmstens empfohlen, als ich am Anfang meiner Schwangerschaft stand und bin ehrlich gesagt froh, dass ich jetzt die Zeit nutzen kann und es lese bevor unsere Kleine auf die Welt kommt, denn das, was ich bisher gelesen habe klingt in vielen Punkten einleuchtend und verständlich. Ob es sich wirklich alles so umsetzen lässt und vor allem, was mein französischer Mann dazu sagt, werde ich in den nächsten Tagen und Monaten dann wohl sehen, aber vieles deckt sich tatsächlich mit meinen eigenen Beobachtungen, nicht nur in Frankreich sondern auch hier in Deutschland, selbst in der eigenen Familie.


    Bisher wurde besprochen:


    "Seine Nacht machen" - Durchschlafen: Es ist tatsächlich so, dass französische Kinder oft schon mit wenigen Monaten durchschlafen, wo ich jetzt schon Panik habe vor durchwachten Nächten. (Was auch ein wenig daher kommt, dass die Kleine dann aktiv im Bauch ist, wenn ich versuche Ruhe zu bekommen, sprich schlafe und mich damit jetzt schon wachhält)
    Die Franzosen haben da ein ganz einfaches Prinzip: Warten und Beobachten! Nur weil das Kind nachts anfängt zu weinen, heißt das nicht, dass es etwas braucht. Wenn es länger oder dringender weint, dann kann man immer noch hingehen und es hochnehmen und schauen, was das Problem sein könnte. (Das ist wie mit dem erschrockenem Gesicht, wenn das Kind hinfällt, solange man locker bleibt wird das Kind auch nicht weinen, nur wenn es sich wirklich weh getan hat dabei)


    "Feste Esszeiten": Ab einem gewissem Alter wird dem Kind beigebracht sich zu gedulden, das fängt bei den Franzosen mit dem Essen an. Nachts wird gar nicht gefüttert (in Frankreich heißt das auch nicht füttern sondern essen), ansonsten morgens, mittags, abends und am Nachmittag ähnlich wie unsere Kaffeezeit. Zwischendurch gibt es auch nichts zu essen, also auch keine Süßigkeiten oder Knabberzeug, gar nicht erst beibringen, dann verlangen die Kinder es auch nicht.
    Was mich auch sehr fasziniert: Klar, Kinder bestehen beim Einkaufen darauf, etwas Süßes mitzunehmen (oder etwas anderes, was man als Erwachsener am liebsten verbieten möchte), aber sie gedulden sich bis zur Kaffeezeit, um etwas davon zu essen, es muss nicht sofort sein.


    "Warte" bzw. "Sei brav" - Quengeleien: Auch hier spielt Geduld wieder eine große Rolle, wenn man gerade etwas macht (kochen, mit jemandem reden, telefonieren), nicht auf Quengeleien reagieren und seine Tätigkeit unterbrechen, sondern dem Kind sagen, dass es warten muss, zur Not auch erklären warum. Dafür muss man dann aber dem Kind die selbe Aufmerksamkeit schenken.



    Soooo und nun les ich mal weiter :breitgrins:


    Achja, was ich an dem Buch eigentlich gut finde: Die Autorin vergleicht immer wieder die ihr angetragenen Methoden mit dem, was sie mit ihrer Tochter gemacht hat und das ziemlich kritisch. Sie gibt von Anfang an ehrlich zu, dass sie ihr erstes Kind definitiv verzogen hat, zeigt aber auch, dass sie es mit den Methoden dann doch noch geschafft hat, wenigstens auf ein Maß zu kommen, was sie nicht völlig fertig gemacht hat und vor allem abhängig von den Launen ihrer Tochter.

    Bücherwurm - naher Verwandter der Lindwürmer<br /><br />Wenn es sein muss, trete ich auch Zwerge! - Hildegunst von Mythenmetz<br /><br />:buecherstapel:

    Einmal editiert, zuletzt von Leen ()


  • "Seine Nacht machen" - Durchschlafen: Es ist tatsächlich so, dass französische Kinder oft schon mit wenigen Monaten durchschlafen, wo ich jetzt schon Panik habe vor durchwachten Nächten. (Was auch ein wenig daher kommt, dass die Kleine dann aktiv im Bauch ist, wenn ich versuche Ruhe zu bekommen, sprich schlafe und mich damit jetzt schon wachhält)
    Die Franzosen haben da ein ganz einfaches Prinzip: Warten und Beobachten! Nur weil das Kind nachts anfängt zu weinen, heißt das nicht, dass es etwas braucht. Wenn es länger oder dringender weint, dann kann man immer noch hingehen und es hochnehmen und schauen, was das Problem sein könnte. (Das ist wie mit dem erschrockenem Gesicht, wenn das Kind hinfällt, solange man locker bleibt wird das Kind auch nicht weinen, nur wenn es sich wirklich weh getan hat dabei)


    Das finde ich - als Nichtmama - furchtbar herzlos und kalt. Ich erinnere mich, schon mehrmals gelesen zu haben, dass Babys nicht aus Jux und Dollerei schreien, sondern wegen ihrer Verlassensängste. Das ist doch teilweise pure Verzweiflung - und daran soll sich ein Kind gewöhnen müssen, nur damit Mami und Papi durchschlafen können? Verstehe ich das richtig? :sauer:

  • Ich glaube, es kommt immer darauf an WIE das Kind schreit. Ich renne auch nicht gleich bei jedem "quieks" oder "bäh" an's Bett. Klar, anfangs ist es wahrscheinlich schwierig abzuschätzen. Die ersten 3 Monate bin ich immer gegangen, danach habe ich meine Zeiten gestreckt. Sprich nicht sofort hin, sondern kurz gewartet.


    Es gibt sicher kein Patentrezept und es ist bestimmt auch vom Kind abhängig. Die Zeit vergeht sowieso so schnell (im Nachhinein gesehen), da sind die "paar" schlaflosen Nächte zu verkraften :smile:

    Pessimisten stehen im Regen, Optimisten duschen unter den Wolken.


  • Ich glaube, es kommt immer darauf an WIE das Kind schreit. Ich renne auch nicht gleich bei jedem "quieks" oder "bäh" an's Bett. Klar, anfangs ist es wahrscheinlich schwierig abzuschätzen. Die ersten 3 Monate bin ich immer gegangen, danach habe ich meine Zeiten gestreckt. Sprich nicht sofort hin, sondern kurz gewartet.


    Ja, das ist klar. Ich bezog mich jetzt auch nur auf das Schreien in der Nacht. Ein bisschen vor sich hinjammern oder so - dass man da erst mal abwartet ist auch für mich klar. Aber was schreibe ich denn. Ich habe doch gar keine Kinder und null Ahnung :redface:

  • Ja, das ist klar. Ich bezog mich jetzt auch nur auf das Schreien in der Nacht. Ein bisschen vor sich hinjammern oder so - dass man da erst mal abwartet ist auch für mich klar. Aber was schreibe ich denn. Ich habe doch gar keine Kinder und null Ahnung :redface:


    Quatsch, auch ohne Kinder darf man seine Meinung sagen.

    Pessimisten stehen im Regen, Optimisten duschen unter den Wolken.

  • Es ist tatsächlich so, wie Zara sagt. Es geht hierbei nicht darum das Kind schreien zu lassen sondern kurz zu warten um rauszufinden, ob das Kind nur kurz jammert weil es wach geworden ist oder wirklich weint, weil z.B. die Windel voll ist und der Po nass und kalt. Wenn man wirklich bei jedem Hicks zum Kind rennt und es hochnimmt weckt man es auf, denn das Hicks kann auch im Schlaf oder Halbschlaf geschehen und wenn das Kind wach ist, dann wird es erst recht unruhig. Ich meine, man selber wird doch auch grantig, wenn man aus dem Schlaf gerissen wird, sei es vom Wecker oder weil jemand an der Tür klingelt oder die Nachbarn plötzlich laut die Musik aufdrehen.


    Es geht hierbei wirklich nur um das kurze Warten und dem Kind die Gelegenheit zu geben, einfach weiter zu schlafen, statt aufgeweckt zu werden.


    Das mit dem Schreienlassen wird in Frankreich übrigens auch praktiziert, aber erst wenn das Kind min. 6 Monate alt ist und nicht durchschläft und ja, das finde ich auch nicht in Ordnung. Aber tatsächlich belegen Studien, dass ci. 90% der französischen Kinder mit 6 Monaten schon durchschlafen.

    Bücherwurm - naher Verwandter der Lindwürmer<br /><br />Wenn es sein muss, trete ich auch Zwerge! - Hildegunst von Mythenmetz<br /><br />:buecherstapel:

  • Sorry, aber als Mutter bekomme ich echt den Grant wenn ich das lese :grmpf:



    "Seine Nacht machen" - Durchschlafen: Es ist tatsächlich so, dass französische Kinder oft schon mit wenigen Monaten durchschlafen, wo ich jetzt schon Panik habe vor durchwachten Nächten. (Was auch ein wenig daher kommt, dass die Kleine dann aktiv im Bauch ist, wenn ich versuche Ruhe zu bekommen, sprich schlafe und mich damit jetzt schon wachhält)


    Meiner Ansicht nach schlafen sie nicht durch, weil sie ganz brav sind, sondern weil sie einfach resigniert haben. Die Kinder haben begriffen dass es nichts nutzt wenn sie schreien, da die Mama eh nicht kommt. Das ist meiner Ansicht nach so was von falsch.




    Die Franzosen haben da ein ganz einfaches Prinzip: Warten und Beobachten! Nur weil das Kind nachts anfängt zu weinen, heißt das nicht, dass es etwas braucht. Wenn es länger oder dringender weint, dann kann man immer noch hingehen und es hochnehmen und schauen, was das Problem sein könnte. (Das ist wie mit dem erschrockenem Gesicht, wenn das Kind hinfällt, solange man locker bleibt wird das Kind auch nicht weinen, nur wenn es sich wirklich weh getan hat dabei)


    Ein Kind schreit in der Nacht nicht weil ihm fad ist, sondern weil es was hat. Es muss nicht immer Hunger oder die Windel sein, es kann auch sein, dass es einen Albtraum hatte.
    Es stimmt schon, dass man nicht bei jedem Quietscher dass das Kind macht gleich hinstürmen muss, vor allem kriegt man mit der Zeit eh raus ob es sich nur gerade umdreht und deshalb kurz aufgewacht ist, aber je länger man ein Kind schreien lässt, desto wacher wird es. Logische Konsequenz: Es schläft nicht gleich weiter.
    Wenn mein Sohn in der Nacht schreit, hat er meist Hunger. Also stehe ich sofort auf, mache ihm sein Flascherl, er trinkt und wenn er fertig ist, dreht er sich auf die Seite und schläft weiter. Ich habe ihn einmal länger schreien lassen. Abgesehen davon, dass er dann nicht gleich getrunken hat, weil er Angst hatte dass ich gar nicht komme, hat es auch nach dem Flascherl noch über eine halbe Stunde gedauert bis er wieder eingeschlafen ist. Dazu musste ich ihn aber herumtragen. Mache ich sonst nie in der Nacht.




    "Feste Esszeiten": Ab einem gewissem Alter wird dem Kind beigebracht sich zu gedulden, das fängt bei den Franzosen mit dem Essen an. Nachts wird gar nicht gefüttert (in Frankreich heißt das auch nicht füttern sondern essen), ansonsten morgens, mittags, abends und am Nachmittag ähnlich wie unsere Kaffeezeit.


    Na viel Spaß dabei. Entweder haben die Franzosen wirklich so tolle Kinder, die das schnell kapieren, oder sie haben eine Menge Ohropax. Feste Essenszeiten wären bei meinem Sohn noch undenkbar. Kann ich mir frühestens ab einem Jahr vorstellen, wenn überhaupt.




    "Warte" bzw. "Sei brav" - Quengeleien: Auch hier spielt Geduld wieder eine große Rolle, wenn man gerade etwas macht (kochen, mit jemandem reden, telefonieren), nicht auf Quengeleien reagieren und seine Tätigkeit unterbrechen, sondern dem Kind sagen, dass es warten muss, zur Not auch erklären warum. Dafür muss man dann aber dem Kind die selbe Aufmerksamkeit schenken.


    Das ist das erste vernüftige was ich hier lese. Funktioniert aber auch erst wenn das Kind schon älter ist. Einem vier Monate alten Kind kann man mit Vernunft kommen bis man schwarz wird.


    Es sollte eh jeder so machen wie er will. Aber man sollte eines bedenken: Jedes Kind ist anders und keiner kann/sollte ein Kind nach einem Ratgeber nach erziehen. Ich hatte einmal so einen Ratgeber in der Hand: "Jedes Kind kann schlafen lernen". Da steht zum Beispiel drin, dass man das Kind ein paar Minuten schreien lassen sollte bis man reingeht. Es kurz beruhigt und dann wieder rausgeht. Dann steht man als Mutter quasi wieder mit der Stoppuhr draussen und wartet wieder eine gewisse Zeit ab.
    Für das Kind müssen die paar Minuten der reinste Horror sein. Es weiß ja nicht dass die Mama vor der Tür steht und wartet. Es hat Angst! Große Angst dass keiner mehr kommt, Angst davor verlassen zu werden, Angst nichts zum essen zu bekommen. Meiner Ansicht nach ist das herzlos. Ich als Mutter bringe es nicht zustande mein Kind so schreien zu lassen.




    Die Zeit vergeht sowieso so schnell (im Nachhinein gesehen), da sind die "paar" schlaflosen Nächte zu verkraften :smile:


    Ich seh das genauso. Ich habe seit sieben Monaten keine Nacht durchgeschlafen. Dann legt man sich halt tagsüber hin wenn das Kind auch schläft. Dabei gab es sogar Nächte in denen mein Kleiner durchgeschlafen hat, aber ich bin trotzdem wach geworden und war sogar mehrmals nachschauen ob es ihm eh gut geht, weil er sich nicht meldet. :breitgrins:




    Wenn man wirklich bei jedem Hicks zum Kind rennt und es hochnimmt weckt man es auf, denn das Hicks kann auch im Schlaf oder Halbschlaf geschehen und wenn das Kind wach ist, dann wird es erst recht unruhig.


    Hochnehmen sollte man das Kind sowieso nicht gleich, sondern erst wenn man es stillt, sonst weckt man es ja wieder auf.



    Das mit dem Schreienlassen wird in Frankreich übrigens auch praktiziert, aber erst wenn das Kind min. 6 Monate alt ist und nicht durchschläft und ja, das finde ich auch nicht in Ordnung. Aber tatsächlich belegen Studien, dass ci. 90% der französischen Kinder mit 6 Monaten schon durchschlafen.


    Ja, weil sie resigniert haben. :rollen:


    Wie gesagt jeder soll sein Kind so erziehen wie er es für richtig hält. Ich lasse mir auch nicht dreinreden und will auch niemanden dreinreden. Aber wenn ich solche Sachen lesen wie in dem Ratgeber da, könnte ich auszucken als Mutter.
    Allein der Titel macht mich wütend. Kinder als Nervensägen zu bezeichnen ist ja echt das Allerletzte.


    Katrin

  • Ah ja, so ähnlich habe ich mir das Buch nach dem Titel auch vorgestellt. Auch mir geht es ein wenig gegen den Strich, wenn Kinder als Störfaktoren gesehen werden, die gefälligst zu funktionieren haben und die Eltern womöglich nur aus bösem Willen ärgern... :rollen:


    Es fällt auf, daß das Durchschlafen und Alleinschlafen offenbar gleich Thema Nr. 1 ist. Habe ich auch erwartet. Dieses Thema hat die Brisanz, die man ihm zumißt. Man kann auch akzeptieren, daß es bis zum Alter von 4 Jahren normal ist, daß Kinder nicht durchschlafen und sich danach einrichten.


    Das finde ich - als Nichtmama - furchtbar herzlos und kalt. Ich erinnere mich, schon mehrmals gelesen zu haben, dass Babys nicht aus Jux und Dollerei schreien, sondern wegen ihrer Verlassensängste. Das ist doch teilweise pure Verzweiflung - und daran soll sich ein Kind gewöhnen müssen, nur damit Mami und Papi durchschlafen können? Verstehe ich das richtig? :sauer:


    Da kann ich nimue - und auch Jaqui - nur zustimmen. Nachts oder auch sonst schreiende Babys tun dies, weil sie etwas brauchen. Und solange Babys keine Objektpermanenz ausgebildet haben, können sie sowieso nicht begreifen, daß die Bezugspersonen nur im Nebenzimmer sind.
    Jahrhunderttausendelang schlief die Menschheit in Gruppen, in Höhlen, Babys dicht bei ihren Müttern. Wenn ein Steinzeitsäugling nachts aufwachte und sich allein fand, war Schreien überlebensnotwendig, um auf sich aufmerksam zu machen. Klar kann man ihnen das abtrainieren, und einige Babys verkraften das wohl auch besser als andere. Aber ob das gut ist?
    Ich habe eine Tochter, die als Baby viel Körperkontakt brauchte, diesen auch bekommen hat und es hat sich ausgezahlt: sie ist jetzt eine ausgeglichene Jugendliche, hat Selbstvertrauen und Mitgefühl für andere, und im Gegensatz zu mir keine nächtlichen Verlassenheitsängste. Sie schlief übrigens mit 4 Jahren ganz von selbst alleine durch. Während ich bei den Familien mit den schlaftrainierten Kindern später von so manchen Problemen gehört habe.
    [size=6pt](Übrigens, ich schlafe auch nicht immer durch. Brauche ich nun ein Schlaftraining? :breitgrins:)[/size]



    Aber tatsächlich belegen Studien, dass ci. 90% der französischen Kinder mit 6 Monaten schon durchschlafen.


    Wie gesichert ist das? Oder wurden die Eltern nur befragt? Wenn es gesellschaftlich erwartet wird, geben viele Eltern einfach nicht zu, daß ihr Kind nicht durchschläft. Das ist sehr bequem und erspart so manche Diskussion. :zwinker:
    Außerdem schlafen Kinder phasenweise durch und dann auch mal wieder nicht.



    "Feste Esszeiten": Ab einem gewissem Alter wird dem Kind beigebracht sich zu gedulden, das fängt bei den Franzosen mit dem Essen an. Nachts wird gar nicht gefüttert (in Frankreich heißt das auch nicht füttern sondern essen), ansonsten morgens, mittags, abends und am Nachmittag ähnlich wie unsere Kaffeezeit. Zwischendurch gibt es auch nichts zu essen, also auch keine Süßigkeiten oder Knabberzeug, gar nicht erst beibringen, dann verlangen die Kinder es auch nicht.
    Was mich auch sehr fasziniert: Klar, Kinder bestehen beim Einkaufen darauf, etwas Süßes mitzunehmen (oder etwas anderes, was man als Erwachsener am liebsten verbieten möchte), aber sie gedulden sich bis zur Kaffeezeit, um etwas davon zu essen, es muss nicht sofort sein.


    Finde ich jetzt nicht direkt faszinierend oder außergewöhnlich, denn genauso halten wir es auch. Jedenfalls "Ab einem gewissen Alter": Macht das Buch dazu eine Aussage? Bis zwei Jahre ist Stillen nach Bedarf niemals falsch, und in der Babyzeit ist nächtliches Stillen wichtig für die Gehirnentwicklung.



    "Warte" bzw. "Sei brav" - Quengeleien: Auch hier spielt Geduld wieder eine große Rolle, wenn man gerade etwas macht (kochen, mit jemandem reden, telefonieren), nicht auf Quengeleien reagieren und seine Tätigkeit unterbrechen, sondern dem Kind sagen, dass es warten muss, zur Not auch erklären warum. Dafür muss man dann aber dem Kind die selbe Aufmerksamkeit schenken.


    Das ist endlich mal richtig, aber eben auch altersabhängig. Übrigens lernt ein Kind, das grundsätzlich ernst genommen wird und genug Aufmerksamkeit erhält, dieses Warten ganz von selbst und quengelt in der Regel gar nicht erst. Und erklären sollte man nicht nur zur Not, sondern prinzipiell, wenn Zeit dafür ist.


    Ich frage mich gerade, ob das Buch Ratgeber sein oder einfach nur unterhalten will.

    Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (R. Luxemburg)

    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.

  • Ich möchte auf etwas hinweisen und werde dazu kurz verallgemeinern (vorab eine Entschuldigung an die Franzosen, die ihre Kinder anständig behandeln).


    Franzosen erziehen ihre Kinder nicht, sie dressieren sie. Da werden die Bedürfnisse der Erwachsenen in den Vordergrund gestellt und nach denen der Kinder wird nicht mal gefragt, was besonders in den ersten Lebensjahren fatale Auswirkungen haben kann. Es ist das falsche Konzept, ein gut erzogenes Kind (kein dressiertes!) bekommt man über Liebe, Geduld und Konsequenz. In der Reihenfolge.


    Übrigens sind 85 Prozent aller Franzosen der Meinung, dass Ohrfeigen ein probates Erziehungsmittel sind und entsprechend werden sie auch angewendet. (Im Land von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ist es nicht verboten, Kinder zu schlagen. Im Rest des zivilisierten Europa schon.) Von denen würde ich mir keine Tipps zur Erziehung eines Kindes geben lassen.


    Hier noch ein kurzer, lesenswerter Erfahrungsbericht einer Schweizer Mutter, die die französische "Erziehung" im Urlaub beobachtete.


    Zum nächtlichen Schreienlassen wurde von nimue, Jaqui und kaluma schon alles gesagt. Aber etwas möchte ich an dieser Stelle zum Thema Essen noch loswerden:
    Kinder unter 6 Monaten nachts nicht zu füttern ist Folter. Es gibt kein anderes Wort dafür. Babys können frühestens nach einem halben Jahr ohne Nahrung auskommen und durchschlafen - wobei "durchschlafen" 6 bis 7 Stunden Schlaf am Stück bedeutet und nicht 8 bis 12!


    Bessere Bücher zum Thema Baby und Kleinkind sind zB Babyjahre von Remo Largo oder auch Kinder verstehen von Herbert Renz-Polster. Dort gibts zwar keine Erziehungstipps (was sowieso schwachsinnig ist, da jedes Kind anders funktioniert), aber es wird einem erklärt, wieso Babys und Kleinkinder sind, wie sie sind und was man daran ändern kann (und wie) und was nicht.


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    :winken:


    Alfa Romea

    Wer anderen folgt, wird nie zuerst ankommen.

  • Das mit dem "dressieren" wollte ich auch gerade schreiben. Kinder müssen toben, schreien, sich ausprobieren und nicht in der Ecke still sitzen. Und wer nicht dazu bereit ist sich selbst zurück zu stellen sollte keine Kinder bekommen. Sorry, das klingt hart, ich weiß, aber es ist meine Meinung.


    Das Problem bei solchen Büchern ist doch, dass sich die Eltern (meist die Mütter), die das lesen verrückt machen. Man stellt sich doch dann immer die Frage: Warum "funktioniert" mein Kind nicht so? Ganz einfach: Weil Kinder keine Maschinen sind, die auf Knopfdruck funktionieren müssen.


    Und man glaubt gar nicht was man alles schaffen kann. Ich hatte auch immer Angst dass ich das mit dem Aufstehen in der Nacht nicht schaffe, weil ich so ein Morgenmuffel und Langschläfer bin. Und dass ich dann wie ein lebender Zombie durch den Tag gehe. Letztens traf ich eine Freundin, die meinte zu mir, dass ich aussehe wie das blühende Leben. Da bin ich in der Nacht zweimal aufgewesen und ab 6 Uhr war Tagwache bei meinem Sohn angesagt. Kinder geben einem so viel zurück wenn man nur will und sie lässt. Jedes Lachen von ihnen ist wie eine Verjüngungskur :breitgrins:


    Ich habe noch von einem Buch gehört, dass mir von vielen empfohlen wurde: "Ohje, ich wachse". Ich selbst habe nur einen schnellen Blick mal reingemacht, aber da wird auch erklärt was Kinder im ersten Lebensjahr durchmachen. Es wird erklärt was der Grund sein kann warum ein Kind gerade schreit: Zähne, Essen, Schlafen. Alles ist neu und ungewohnt. Ich muss mir das mal näher ansehen.


    Dennoch bin ich gespannt was Leen uns noch alles erzählt über das Buch. Offenbar sollte man genau das Gegenteil von dem machen was in dem Buch steht.


    Katrin


    @Alfa: der Bericht ist klasse :winken:

  • Um ehrlich zu sein sitz ich schon den ganzen Morgen hier und weiß nicht ob und was ich schreiben soll. Zuerst einmal ich finde nicht alles, was angesprochen oder erklärt wird richtig und das kommt nicht nur durch meine eigenen Beobachtungen in Frankreich, sondern auch von meinen Gefühlen, die ich Kindern allgemein gegenüber habe. Trotzdem fühl ich mich hier irgendwie in eine Verteidigungshaltung geschoben die ich nicht möchte und leiden kann: Bin ich denn (jetzt schon) eine "schlechte" Mutter, nur weil ich das ein oder andere überlege in meine Mutterschaft mitzunehmen auch wenn sie nicht den Vorstellungen anderer Mütter entspricht?


    Ich meine, ich habe am Anfang geschrieben, dass sich einiges mit den Ratschlägen meiner Schwester deckt, welche 3fache Mutter ist und als Tagesmutter arbeitet und ich diese Ratschläge schon seit Jahren als gut empfinde und versuchen möchte sie anzuwenden.


    Zum Buch selber: Es wird nicht alles hochgelobt, was die Franzosen machen! Z.B. ist das Stillen in Frankreich verpönt, Ärzte empfehlen einen Psychologen wenn Mutter nach einem halben Jahr immer noch stillt und ja, das ist furchtbar. Aber ich weiß auch aus Erfahrung und neueren Berichten, dass da zum Glück ein Wandel in Frankreich vor sich geht und Frauen nicht mehr als krank betrachtet werden, wenn sie länger stillen wollen, aber es wird auch immer noch nicht unterstützt wie es bei uns der Fall ist.
    Oder auch, dass Männern geraten wird, nicht bei der Geburt dabei zu sein, weil sonst das Symbol der Frau als sexuelle Figur flöten geht. (Derselbe Grund, warum Männer beim Stillen nicht dabei sein sollen)



    Als Ratgeber würde ich das Buch aber auch nicht betrachten wollen, es ist eher ein Beobachtungsbericht. Letztendlich kann jede Mutter selbst entscheiden, wie sie Ratschläge oder Berichte in die eigene Erziehung einfließen lässt.

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  • Hm. Ich habe zwar auch keine Kinder, aber seit nun fünf Wochen ein ganz süßes Patentöchterlein, weswegen ich mich natürlich momentan auch gerne mit solchen Themen beschäftige.
    Insgesamt muss ich sagen, dass einige dieser französischen Erziehungstips sicher durchaus Hand und Fuß haben, aber doch sicher erst ab einem gewissen Alter. Für Babys scheinen mir die wenig geeignet.


    Kein Baby fängt aus Berechnung oder Langeweile an nachts zu schreien. Meine Patentochter schreit definitiv stets aus drei Gründen: Hunger, volle Windeln und Koliken. Mit den ersten beiden Dingen kann man gut leben und zwischendurch war sie sogar schon brav bei einem 3-4 Stunden-Rhytmus in der Nacht. Bei den Koliken tut mir alleine das Zuschauen schon weh, wenn sie sich da vor Schmerzen windet. Wie soll die Kleine ihren Schmerz denn auch anders ausdrücken als mit Schreien? Natürlich belastet das ganz schön. Mir persönlich haben schon zwei Nächte Beistehen gereicht, aber das ist ja kein Grund dem Kind nicht alles an Trost zu geben, was man geben kann.
    Bei Kleinkindern ist das vielleicht schon etwas anderes. Da scheint mir die Methode des erstmals Beobachtens schon recht sinnvoll. Erst mal schauen, ob die Sache ernst ist, also lieber mal eine Minute abwarten bevor man hinstürzt.


    Ich weiß aber auch nicht, wie ihr das alle so handhabt. Bei einem Baby hat man ja im Allgemeinen ein Beistellbettchen und so bekommt man natürlich sofort jedes Hicksen mit. Aber ab einem bestimmten Alter wird das Kind aber doch seine Nächte im Kinderzimmer verbringen und ein Babyfon wird man ab einem bestimmten Alter auch nicht mehr verwenden (wenn man überhaupt eines hat). Bis man da dann erst mal selber aufwacht, wenn das Kind schreit, dann wird es wohl schon etwas ernsteres sein und man sollte wohl Nachsehen gehen.


    Und dass man Nachts nicht füttern soll ist für ein kleines Baby in meinen Augen natürlich ausgemachter Quatsch. Aber ab einem gewissen Alter halte ich feste Essenszeiten bei denen man sich gemeinsam mit der Familie an den Tisch setzt für absolut richtig. Natürlich sollte man auch bei Naschereien nicht immer völlig streng sein, aber die allgemeine Regel, dass zwischendurch nicht genascht werden soll, finde ich durchaus sinnvoll. Süßigkeiten sollten etwas besonderes sein und nicht fest zum täglichen Speiseplan gehören.


    Aber letztlich ist sowieso jedes Kind anders, denke ich. Meine Eltern stöhnen heute noch eben weil ich als Neugeborenes immer durchgeschlafen habe. Da ich aber ein Frühchen war mussten sie einen strengen Stillplan einhalten um mich aufzupäppeln. Und ich wollte doch nur schlafen! :breitgrins: (Ist heute übrigens immer noch so! :zwinker:)


    Ich denke man kann noch so viele Ratgeben lesen oder so viele Ratschläge von anderen Müttern hören, aber beim eigenen Kind läuft dann alles ganz anders.
    Das heißt aber nicht, dass man diese Ratgeber nicht lesen sollte oder sich die Ratschläge nicht anhören sollte. Jeder soll da ganz individuell entscheiden, was er mitnehmen möchte und was das Richtige fürs eigene Kind ist.
    Ich finde es jedenfalls gut, wenn man sich gerade in der Schwangerschaft breit informiert. Und das ist ja nicht so schwierig, denn nahezu jedes Buch empfiehlt etwas anderes. So ist man von Anfang an vielleicht mental besser auf gewisse Situationen eingestellt und ist sensibilisiert besonders auf die Reaktionen des Kindes zu achten. Allerdings wird in vielen Ratgebern sicher oft Unsinn verzapft, weswegen man unbedingt gleich mehrere lesen sollte, damit man einen guten Überblick bekommt.


    So muss ich bei meiner besten Freundin noch kräftig Überzeugungsarbeit machen. Leider hat sie ein einem dieser Ratgeber gelesen, dass Kinder, denen Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen werden in der Schule später Schwierigkeiten haben, weil das Lesen bei ihnen dann eine Art "Schlafreflex" ausgelöst wird. Argh! Meine Patentochter kann doch nicht ohne Gute-Nacht-Geschichten aufwachsen! Da sie im Moment ja kaum etwas anderes macht als schlafen wird ihr zur zeit gar nicht vorgelesen. Wie seht ihr das? Argumente?
    Und wie halten das die Franzosen? Steht dazu etwas im Buch?


  • So muss ich bei meiner besten Freundin noch kräftig Überzeugungsarbeit machen. Leider hat sie ein einem dieser Ratgeber gelesen, dass Kinder, denen Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen werden in der Schule später Schwierigkeiten haben, weil das Lesen bei ihnen dann eine Art "Schlafreflex" ausgelöst wird. Argh! Meine Patentochter kann doch nicht ohne Gute-Nacht-Geschichten aufwachsen! Da sie im Moment ja kaum etwas anderes macht als schlafen wird ihr zur zeit gar nicht vorgelesen. Wie seht ihr das? Argumente?
    Und wie halten das die Franzosen? Steht dazu etwas im Buch?


    Keine Gute-Nacht-Geschichten? Ohje, nee das muss sein, es muss ja noch nicht mal vorgelesen werden, ich denke fast jeder kann ein oder zwei Märchen auswendig oder selber was kleines erfinden.
    Tatsächlich steht dazu auch was im Buch, aber nicht in diesem Zusammenhang. Es geht eher darum, dass ab einer bestimmten Uhrzeit (in Frankreich liegt die bei 21 Uhr) die Elternzeit anfängt. Sprich, Zu-Bett-geh-Rituale sind wichtig, dazu gehört gemeinsames Lesen, Singen, Erzählen usw.

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  • Ja, so habe ich das auch immer gesehen. Gerade die Bettgeh-Rituale sind doch ganz wichtig. Nicht, dass es die bei ihr dann nicht auch geben wird, aber eben ohne Geschichten. Hmpf! Was doch sehr schade ist, oder?
    Vielleicht haben die anderen Mütter noch ein paar Argumente für das Vorlesen Abends?
    Ich persönlich glaube ja nicht an diese angebliche Studie. Habt Ihr schon mal davon gehört, dass das Vorlesen von Bettgeschichten einen schlechten Einfluss auf die Schulleistung hat?
    Kinder lieben ja die Wiederholung und die immer gleichen vorgelesen Gute-Nacht-Geschichten haben in meinen Augen eine schön beruhigende Wirkung. Neue Geschichten könnten aber vielleicht eher aufregen. Das wäre aber auch der einzige Grund, warum man keine neue Geschichte abends vorlesen sollte.


    21:00 Uhr?!
    Hätte ich das als Kind gewusst! Das wäre ein super Argument gewesen "Aber bei den Franzosen müssen die Kinder erst um neun ins Bett..." Bis ich diese Zeit durchgeboxt hatte! Meine Eltern hatten da wesentlich rigerosere Schlafenszeitvorstellungen. :breitgrins:
    (Und das Fiese war, das mein kleiner Bruder immer zur selben Zeit ins Bett durfte, obwohl er viel jünger war! Ich kämpfe und er profitiert!
    Allerdings gebe ich aus heutiger Sicht zu, dass alles andere bei einem gemeinsamen Kinderzimmer auch schwierig gewesen wäre...)


  • Um ehrlich zu sein sitz ich schon den ganzen Morgen hier und weiß nicht ob und was ich schreiben soll. Zuerst einmal ich finde nicht alles, was angesprochen oder erklärt wird richtig und das kommt nicht nur durch meine eigenen Beobachtungen in Frankreich, sondern auch von meinen Gefühlen, die ich Kindern allgemein gegenüber habe. Trotzdem fühl ich mich hier irgendwie in eine Verteidigungshaltung geschoben die ich nicht möchte und leiden kann: Bin ich denn (jetzt schon) eine "schlechte" Mutter, nur weil ich das ein oder andere überlege in meine Mutterschaft mitzunehmen auch wenn sie nicht den Vorstellungen anderer Mütter entspricht?


    Nein, um Himmelswillen, du bist keine schlechte Mutter und mußt dich auch nicht verteidigen, nur weil du gerade dieses Buch liest. Ich habe schon vermutet, daß unser geballtes Kontra so bei dir ankommen wird und das tut mir leid - das ist es, was mir generell an den Diskussionen über diese Themen rund um Kinder und Erziehung mißfällt: daß allzuschnell Fronten aufgebaut werden, die nicht sein müßten.
    Du wirst, wie jede andere Mutter auch, ganz schnell ein Gespür dafür entwickeln, was dein Kind braucht und was nicht und welche Ratschläge brauchbar sind.
    Ich will auch keinem meine Meinung aufdrücken, nur sind mir diese Themen einfach zu wichtig, um dazu zu schweigen. Im Interesse der Kinder. Ich treffe nun schon seit über 14 Jahren immer wieder auf dieselben merkwürdigen Ansichten zum Schlafen, Stillen usw. Ich dachte eigentlich, da hätte sich inzwischen was geändert, aber das geht wohl nur sehr allmählich.

    Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (R. Luxemburg)

    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.


  • Leider hat sie ein einem dieser Ratgeber gelesen, dass Kinder, denen Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen werden in der Schule später Schwierigkeiten haben, weil das Lesen bei ihnen dann eine Art "Schlafreflex" ausgelöst wird.


    :ohnmacht:
    Also DAS höre ich zum ersten Mal... wer kommt denn auf sowas? Seit Generationen werden Kindern abends Geschichten erzählt. Und vorgelesen wird ja nicht nur abends, sondern auch sonst am Tag manchmal, hoffentlich.
    Also ich halte das für ausgemachten Unsinn, kann es aus meiner langjährigen Vorleseerfahrung nicht bestätigen (ich lese ja auch anderen Kindern vor) und beobachte speziell bei meiner eigenen Tochter im Gegenteil einen langfristig positiven Effekt des Vorlesens und Selberlesens auf die schulischen Leistungen, Konzentrationsfähigkeit, Wortschatz, Ausdruck usw. Sie ist die Beste in Deutsch und ein anerkanntes Schreibtalent. Und soweit ich weiß, noch nie im Unterricht eingeschlafen.

    Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (R. Luxemburg)

    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.

    Einmal editiert, zuletzt von kaluma ()


  • dass Kinder, denen Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen werden in der Schule später Schwierigkeiten haben, weil das Lesen bei ihnen dann eine Art "Schlafreflex" ausgelöst wird.


    totlach Ach, DESHALB war ich in der Schule immer so müde! Mein Papa ist Schuld!!! Hat ersich doch erdreistet, mir jeden Abend eine Geschichte vorzulesen. :grmpf:

    Wir sind irre, also lesen wir!


  • Trotzdem fühl ich mich hier irgendwie in eine Verteidigungshaltung geschoben die ich nicht möchte und leiden kann: Bin ich denn (jetzt schon) eine "schlechte" Mutter, nur weil ich das ein oder andere überlege in meine Mutterschaft mitzunehmen auch wenn sie nicht den Vorstellungen anderer Mütter entspricht?


    Sorry, Leen, das war keinesfalls unsere Absicht. Du sollst dich ja erkundigen, aber so einiges was in dem Buch geschrieben steht finde ich einfach vollkommen falsch.


    Jeder soll sein Kind so erziehen wie er will und wie er es für richtig hält. :winken: Lass dir nicht dreinreden. Man muss als Mutter erst drauf kommen was bei seinem Kind das richtige ist.
    Ich habe auch immer gesagt: Wenn der Kleine da ist, dann mache ich dieses so und jenes so :breitgrins: Jaja, vorstellen kann man sich ja eine Menge. Vieles kommt dann eh anders als in der Theorie.



    Z.B. ist das Stillen in Frankreich verpönt, Ärzte empfehlen einen Psychologen wenn Mutter nach einem halben Jahr immer noch stillt und ja, das ist furchtbar.


    Das finde ich echt hart, aber auch hier sollte es jeder so handhaben wie er will.
    In Österreich gehen viele Spitäler den komplett gegenteiligen Weg. Hier haben zahlreiche Spitäler ein Flascherl- und teilweise sogar ein Schnullerverbot eingeführt. Was zur Folge hat, dass viele Kinder tagelang schreien weil die Milch eben noch nicht richtig eingeschossen ist und sie Hunger haben.
    Eine Freundin von mir, deren Tochter ein paar Monate älter ist als mein Kleiner, war schon am Verzweifeln weil das Kind vier Tage lang geschrieen hat. Sie hat die Hebammen dort schon fast angefleht ihr endlich ein Flascherl zu geben sie hält es nicht mehr aus ihr Kind so zu sehen. Aber sie haben sich geweigert, das Kind muss lernen zu trinken und basta.
    Ich hätte ja das Spital verlassen, aber meine Freundin hat sich das nicht getraut. Als sie entlassen wurde hat das Kind 13 Prozent seines Geburtsgewichts verloren. Mir sagten sie dass es ab 10 Prozent kritisch wird. Sie hat dann getrunken, weil die Milch am fünften Tag wirklich eingschossen ist, aber noch heute, fast ein Jahr später, spürt sie die Auswirkungen.


    Denn: Die Kleine wacht seit der Geburt jede Nacht fast stündlich auf und schreit! Sie hat dann keinen Hunger, sondern sie will nur angelegt werden, saugt dann zwei oder dreimal und dann schläft sie weiter. Sie hat durch dieses extreme Hungergefühl in den ersten paar Tagen anscheinend einen vollen Schock und in der Nacht Angstzustände dass sie nichts mehr bekommt. Meine Freundin ist, wie man sich vorstellen kann, mittlerweile am Ende.
    Daher bin ich weder dafür dass man die Mütter dazu zwingt zu stillen, noch dass man sie dazu zwingt abzustillen. Denn das abstillen sollte das Kind entscheiden, finde ich. Aber auch das muss jeder selbst entscheiden. Zwei Freundinnen von mir haben bis zum zweiten Lebensjahr gestillt. Ich habe wegen Milchmangel nach drei Monaten aufgehört.




    Oder auch, dass Männern geraten wird, nicht bei der Geburt dabei zu sein, weil sonst das Symbol der Frau als sexuelle Figur flöten geht. (Derselbe Grund, warum Männer beim Stillen nicht dabei sein sollen)


    Das ist ein Thema wo sich schon jeher die Geister scheiden.
    Meinen Mann hätte nichts davon abgehalten bei der Geburt dabei zu sein. Es war dann nach zwölf Stunden Wehen erst ein Kaiserschnitt, aber das konnte man vorher nicht wissen.
    Fakt ist, dass es anscheinend wirklich viele Männer gibt, die das psychisch nicht aushalten und die dann einen Schock fürs Leben haben. Daher finde ich es falsch einen Mann dazu zu zwingen dabei zu sein wenn er nicht will. Denn man darf eines nicht vergessen: für den Mann ist das auch eine Belastung, sicher nicht so eine wie für die Frau, das ist schon klar.


    Mein Mann und ich hatten im Geburtsvorbereitungskurs zum Beispiel eine Hebamme, die mir mit manchen Ansichten echt auf die Nerven ging. So war sie ja ganz nett, aber ich habe es einmal gewagt zu sagen, dass der Mann zwischendurch ja auch mal eine Pause braucht und vielleicht was essen gehen sollte. Er muss sich ja kein Vier-Gänge-Menü gönnen, aber ein paar Semmeln bei einer langen Geburt werden ja wohl in der Kantine drin sein. Da ist sie mich voll angegangen dass ich mich im Kreissaal lieber um mich kümmern soll und nicht um meinen Mann!
    Aber für die Frau vergeht die Zeit bei den Wehen komplett anders als für den Mann. Ich kann mich an vieles einfach nicht mehr genau erinnern oder wann genau was passiert ist. Mein Mann war in den zwölf Stunden aber nicht in einer kompletten Ausnahmesituation. Ich hatte in der ganzen Zeit nie Hunger, ein wenig Durst vielleicht, aber das wars auch schon.




    Keine Gute-Nacht-Geschichten? Ohje, nee das muss sein, es muss ja noch nicht mal vorgelesen werden, ich denke fast jeder kann ein oder zwei Märchen auswendig oder selber was kleines erfinden.
    Tatsächlich steht dazu auch was im Buch, aber nicht in diesem Zusammenhang. Es geht eher darum, dass ab einer bestimmten Uhrzeit (in Frankreich liegt die bei 21 Uhr) die Elternzeit anfängt. Sprich, Zu-Bett-geh-Rituale sind wichtig, dazu gehört gemeinsames Lesen, Singen, Erzählen usw.


    Ich finde diese Rituale auch wichtig. Wenn mein Sohn alt genug ist werde ich ihm sicher vorlesen und Geschichten erzählen. Das gehört einfach dazu.
    Das mit der Elternzeit ist auch ganz wichtig. Viele Eltern vergessen nämlich oft dass sie nach wie vor Mann und Frau sind und nicht nur Eltern eines süßen Kindes.


    Katrin

  • Das Argument gegen die Gute-Nacht-Geschichte halte ich für ausgemachten Blödsinn, nein, für mit das Dämlichste, was ich je gehört habe :vogelzeigen: Meine Erfahrungen decken sich eher mit kalumas - mir wurde ganz früh ganz viel vorgelesen, und ich war immer gut in Deutsch, hatte viel Phantasie, hab gelesen und gelesen und gelesen ... und dass ich in der Schule müde war, lag daran, dass ich meist zu spät ins Bett gegangen bin :grmpf:


    Ansonsten glaube ich, dass in der Kindererziehung wie in vielen anderen Dingen die "Wahrheit" irgendwo zwischen den Extremen liegt (die französische Aussage zum "Langzeit"stillen - wobei ich das noch nicht bei 6 Monaten verorten würde - hat mich genauso geschockt wie diese seltsamen Stillen-um-jeden-Preis-Praktiken, die Jaqui beschrieben hat) ... und eh alles von Kind zu Kind verschieden sein kann. Ich habe z.B. schon von Kindern gehört, die relativ früh viel besser schliefen, wenn sie alleine in ihrem Zimmer waren, während andere sich noch lange in der Nähe der Eltern wohler fühlten und da besser eingepennt sind.


    Generell finde ich aber die kulturellen Unterschiede in der Kindererziehung interessant, egal was man nun für richtig oder falsch hält, und bin gespannt, was Leen noch zu berichten hat.

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)