Thomas Hardy - Herzen im Aufruhr/Im Dunkeln (Jude the Obscure)

Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 52 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von tina.

  • Einmal im Jahr muss Thomas Hardy einfach sein :smile:. Deshalb:


    [size=11pt]Thomas Hardy - Herzen im Aufruhr[/size]


    auch veröffentlicht unter dem Titel "Im Dunkeln"


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    Einen Sturm der Entrüstung löste dieser Roman 1895 aus: Thomas Hardy zeichne ein schamlos pornographisches Bild der modernen Frauen und verletze geheiligte Institutionen. Die Lebensgeschichte von Jude Fawley ist die Geschichte eines ländlich-proletarischen Autodidakten, der sich über Klassenschranken und viktorianische Prüderie hinwegsetzen will.


    Start ist der 1. Dezember 2013.


    Teilnehmer:
    Valentine
    tina
    Doris
    Kurzentschlossene MitleserInnen sind gerne gesehen!


    Viel Spaß und angeregte Diskussionen!


    Liebe Grüße
    Doris

    Einmal editiert, zuletzt von Valentine ()

  • Hallo, ihr Lieben,


    ich habe erst heute mit dem Buch angefangen, aber noch nichts verpasst, wie ich sehe. Weit bin ich noch nicht gekommen.


    In meiner Ausgabe

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    ist ein Vorwort enthalten und auch ein Nachwort. Letzteres folgt allerdings gleich auf das Vorwort, also noch vor dem Beginn der Geschichte. Sehr ungewöhnlich. Gibt es das in euren Ausgaben auch? In welcher Sprache lest ihr eigentlich?


    In Kap. 1 und 2 des ersten Teiles lernen wir Juda als Elfjährigen kennen. Er ist sehr hilfsbereit und lässt auch Tiere in den Genuss seiner Nächstenliebe kommen, was ihn aber seinen Job kostet. Seine Tante, bei der er lebt, ist nicht sehr begeistert davon. Juda hat gerade beschlossen, dem Dorflehrer in die nächste größere Ortschaft zu folgen. Ich folge den beiden morgen wieder.

  • Ich habe auch erst gestern anfangen können, mich hatte der Advent voll im Griff, so dass ich am Wochenende viel weniger zum Lesen kam, als ich eigentlich vorhatte.


    Ich lese auf englisch (die Penguin-Ausgabe).


    Bei mir gibt es vor dem eigentlichen Text nur ein kurzes Vorwort. Interessant, das mit dem Nachwort bei Dir.


    Bislang bin ich nur bis zur Hälfte des 2. Kapitels gekommen, aber mir gefallen schon wieder die ruhig fließende Beschreibungen Hardys mit entzückenden Details wie dem überflüssigen Klavier des Lehrers.


    Jude hat mir leid getan, als seine Tante mit ihren Freundinnen über seine Familie geklatscht hat. Es klang, als sei er bei ihr nicht besonders willkommen. Dabei scheint er ein liebes, nachdenkliches Kind zu sein, das Freude an Büchern und am Lernen hat. Ich habe ihn förmlich vor mir gesehen, als er am Brunnen Wasser geholt hat. Hoffentlich lässt ihn seine Tante nicht allzu schwer schuften!


    Was die Tante wohl gemeint hat, als sie sagte, es sei besser, wenn in ihrer Familie nicht mehr geheiratet würde?

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

    Einmal editiert, zuletzt von Valentine ()

  • Da ich mich hoffnungslos mit meinen Leserunden verspekuliert habe, werde ich hier nur langsam lesen und schreiben können. :rollen: Ich hatte meine Projekte schon mal besser im Griff, aber es lauern noch auf meinem Tisch die Buddenbrooks, und Elizabeth George.


    Zumindest die ersten beiden Kapitel habe ich heute in meiner Pause gelesen und ich kann mich eigentlich nur Valentine anschließen. Auch mir schoss das Bild von dem Ziehbrunnen durch den Kopf und hat sich wie ein Gemälde dort festgesetzt, aber genau das ist es ja, was uns beide so an diesem Autor fasziniert und suchtgefährdend ist. Gell? :breitgrins:
    Eigentlich habe ich die ganzen beiden Kapitel wie einen Film erlebt. Thomas Hardy wird auch dieses Mal wieder mit mir eine Zeitreise machen und ich freue mich schon sehr darauf.


    Ich lese übrigens ebenfalls die Penguin-Ausgabe. Allerdings nicht die Schwarze.
    Ich werde morgen weiterlesen, denn jetzt muss ich mich erst noch einmal ein Stündchen dem Herrn J.S: Bach widmen, sonst wird's peinlich für mich.


  • Da ich mich hoffnungslos mit meinen Leserunden verspekuliert habe, werde ich hier nur langsam lesen und schreiben können. :rollen: Ich hatte meine Projekte schon mal besser im Griff, aber es lauern noch auf meinem Tisch die Buddenbrooks, und Elizabeth George.


    Momentan geht's wieder bei mir, aber ich habe mich mit meinen letzten Leserunden ziemlich verwurschtelt und weiß, was Du meinst.


    Zitat

    Zumindest die ersten beiden Kapitel habe ich heute in meiner Pause gelesen und ich kann mich eigentlich nur Valentine anschließen. Auch mir schoss das Bild von dem Ziehbrunnen durch den Kopf und hat sich wie ein Gemälde dort festgesetzt, aber genau das ist es ja, was uns beide so an diesem Autor fasziniert und suchtgefährdend ist. Gell? :breitgrins:


    Definitiv! Jude hat mir so leid getan, als er mit den Vögeln geredet und festgestellt hat, dass er im Haus seiner Tante genauso unerwünscht ist wie die Vögel auf dem Feld :traurig:


    Zitat

    Ich werde morgen weiterlesen, denn jetzt muss ich mich erst noch einmal ein Stündchen dem Herrn J.S: Bach widmen, sonst wird's peinlich für mich.


    Was spielt Ihr denn gerade?

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Juda hat gerade beschlossen, dem Dorflehrer in die nächste größere Ortschaft zu folgen.


    Das war nur ein kurzer Ausflug, denn Jude ist doch bei seiner Tante geblieben. Er hat beschlossen, sich selbst Latein und Griechisch beizubringen, um gerüstet zu sein, wenn er einst doch nach Christminster reist. Damit dürfte er eine Ausnahmeerscheinung der damaligen Zeit gewesen sein. Die wenigsten Kinder hatte überhaupt eine adäquate Schulbildung, weil sie schon bald arbeiten mussten. Außerdem lernt Jude bei einem Steinmetz das Handwerk. Inzwischen ist er 20 Jahre.


    Ich mache ein bisschen langsamer, damit ich nicht die Hälfte wieder vergessen habe, bis ich mit euch darüber diskutiere.

  • Ich habe nach dem 6. Kapitel auch erst mal ein kurzes Päuschen eingelegt, weil ich erst heute abend wieder zum detaillierteren Kommentieren komme.


    Erst mal nur so viel: es gefällt mir außerordentlich gut, und ich mag Jude, auch wenn er so anders ist als die anderen.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)


  • ... ich mag Jude, auch wenn er so anders ist als die anderen.


    Ich mag ihn auch, aber er bleibt ein bisschen zu farblos. Nichts gegen ruhige Zeitgenossen, aber ihm fehlt das gewisse Etwas. Es kann auch daran liegen, dass ich mittlerweile weitergelesen habe und nicht ganz verstehe, warum er nicht mal ein bisschen konkreter wird mit seiner Arabella. Er lässt sich viel zu sehr gängeln. Ich habe bis einschließlich 9. Kapitel gelesen und schon mehrfach den Kopf über ihn geschüttelt.


    Zunächst lässt sich Jude so umgarnen, dass ihm der Verstand in Richtung Hose rutscht. Arabella ist auf gut Deutsch ein Miststück. Sie sucht dringend einen Ehemann, aber warum, ist mir noch nicht klar. Zuerst dachte ich, dass sie schwanger ist und Jude das Kind unterschieben will, aber dieser Verdacht bestätigte sich nicht. Mit einem Trick bekommt sie Jude dazu, dass er sie heiratet, aber als er das endlich merkt, ist es schon zu spät. Traurig ist, dass viele im Dorf dumme Kommentare dazu abgeben, aber niemand Jude wenigstens einen Hinweis gegeben hat, worauf er sich einlässt. In seiner Verliebtheit lässt er alle früheren Pläne sausen. All die Mühen, Träume und Hoffnungen umsonst.


    Über eine Passage habe ich mich heute geärgert. Die Beschreibung von Arabella im 6. Kapitel, als man sie kennen lernt, lautet: "Sie hatte einen runden, vorgewölbten Busen, volle Lippen und tadellose Zähne; blablabla. Es nervt mich immer, wenn das erste, was an einer Frau beschrieben wird, der Busen ist. Frau besteht doch nicht nur aus Busen? Ist das tatsächlich das Erste, auf das Männer achten? Hat Hardy das tatsächlich so geschrieben oder ist das nur in meiner deutschen Übersetzung der Fall?



    Edit:


    Was die Tante wohl gemeint hat, als sie sagte, es sei besser, wenn in ihrer Familie nicht mehr geheiratet würde?


    Später kommt auch noch ein Kommentar mit dem Tenor, es wäre besser gewesen, wenn Jude mit seinen Eltern gestorben wäre. Vielleicht macht die Tante einfach gewohnheitsmäßig völlig unüberlegt solche Bemerkungen.

    Einmal editiert, zuletzt von Doris ()

  • Ich habe blöderweise gestern vergessen, mit Buch in der Hand zu kommentieren, daher nur ein kurzer Einwurf - ich habe noch Kapitel 7 gelesen ... das mit Arabella kann doch eigentlich nicht funktionieren. Er ist so verknallt, dass er seine ganzen Ziele über Bord schmeißt. Das ist ja nicht unrealistisch, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die beiden überhaupt nicht zusammenpassen.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Ich habe es leider nur bis zum dritten Kapitel geschafft, denn dauernd kommt was dazwischen. :rollen:


    So, aber nun:


    Viel kann ich nicht sagen. Jude kann ich noch so gar nicht einschätzen, aber das kommt garantiert noch. Momentan ist er mir weder sympathisch noch unsympathisch. Ich fand es ja schon süß. dass er sich so naiv auf den Weg macht und dann wieder umkehrt.
    Nun frage ich mich, ob die Berichte der Männer ihn eher ermuntert oder abgeschreckt haben, sich ein Ziel zu stecken.
    Also werde ich nun weiterlesen um dies zu erfahren.


    Valentine : BWV 1067, 1068, das berühmt berüchtigte Air und dann noch "Bereite dich Zion". Es ist eine schöne Zusammenstellung und passt zur Weihnachtszeit.

  • Ich habe den ersten Teil fertig. (Achtung Spoiler)
    Es war keine große Überraschung, dass die Ehe der beiden schief geht. Überraschender fand ich vielmehr, dass es so schnell ging. Arabella ist ein Luder, aber das hatte sich ja schnell abgezeichnet. Ich verstehe nicht, wie sich Frauen unter dem Vorwand, schwanger zu sein, Männer angeln können, ohne darüber nachzudenken, dass sie deren ganzes Leben auf den Kopf stellen. Vorausgesetzt, die Männer sind naiv genug, das zu glauben. Manchmal ist ja tatsächlich ein Baby unterwegs, aber dann von einem anderen Mann, der sich schon wieder abgesetzt hat. Auf jeden Fall ist das Scheitern der Ehe rechtzeitig passiert, um Judes Pläne wieder aufzunehmen. Hoffentlich hat er aus dieser Sache gelernt.


    Ich werde übers Wochenende zwar lesen, aber wahrscheinlich nicht posten können. Spätestens Sonntag Abend bin ich wieder dabei.


  • Ich habe es leider nur bis zum dritten Kapitel geschafft, denn dauernd kommt was dazwischen. :rollen:


    Geht mir ähnlich!


    Doris, Du hast recht, so richtig scharfe Konturen hat Jude für mich bislang auch noch nicht bekommen. Mal sehen, was da noch kommt - Gabriel Oak in "Far from the Madding Crowd", Tess oder auch Giles Winterbourne in "Woodlanders" waren irgendwie klarer umrissen.


    Irgendwie scheint Christminster für ihn ja quasi das gelobte Land zu sein, und ich fürchte, dass er sich davon zuviel verspricht und enttäuscht sein wird, wenn er es dorthin schafft. Seine autodidaktischen Bemühungen finde ich beeindruckend, aber ob das die Gelehrten dort genauso sehen werden? Die werden bestimmt doch erst mal nur die Nase rümpfen, wenn dieser naive Knabe vom Land vor ihnen steht.


    Der arme Junge tat mir in Kapitel 4 echt leid, wie er auf die hohlen Versprechungen dieses Quacksalbers hereingefallen ist :traurig: Für ihn war es die Chance seines Lebens und für den seltsamen Doktor nur so dahingequasselt. Auch wenn er immerhin am Ende doch noch Wort gehalten und Jude die Bücher geschickt hat.


    Kapitel 5 und 6


    Arabella ist für mich ein ziemlich durchschnittliches, eher ein bisschen vulgäres Bauernmädel. Keine Ahnung, was Jude in ihr sieht, ehrlich gesagt. Wahrscheinlich ist es einfach der Rausch der ersten Verliebtheit seines Lebens ...


    Zitat

    Valentine : BWV 1067, 1068, das berühmt berüchtigte Air und dann noch "Bereite dich Zion". Es ist eine schöne Zusammenstellung und passt zur Weihnachtszeit.


    Schön!

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Der arme Junge tat mir in Kapitel 4 echt leid, wie er auf die hohlen Versprechungen dieses Quacksalbers hereingefallen ist :traurig: Für ihn war es die Chance seines Lebens und für den seltsamen Doktor nur so dahingequasselt. Auch wenn er immerhin am Ende doch noch Wort gehalten und Jude die Bücher geschickt hat.


    Das fand ich auch schlimm, aber solche Betrüger gab es wohl schon immer. Ich muss gerade feststellen, dass ich hier anscheinend etwas völlig missverstanden habe, denn ich dachte, dass die Bücher von seinem ehemaligen Lehrer waren, nachdem er den Brief im Klavier versteckt hatte.
    Wenn er es wirklich schafft sich ganz alleine Latein und Griechisch beizubringen, dann ziehe ich meinen Hut vor ihm. Ich kann mich noch lebhaft an meine eigenen Lateinstunden erinnern und alleine, wäre mir das mit Sicherheit nicht gelungen.

  • Ich bin mittlerweile im 7. Kapitel angelangt und ich fand es einfach nur schön beschrieben, wie Jude auf einmal gewahr wird, dass das andere Geschlecht doch so seine Reize hat und mehr mit dem Leben zu tun hat, als seine griechischen und lateinischen Bücher.
    Ich habe fast die Vermutung, dass Arabella in irgendeiner Art und Weise versucht Jude übers Ohr zu hauen. Zumindest klang das Gespräch mit ihrer Freundin so. Mich verwunderte allerdings ein wenig, dass zur damaligen Zeit ein Vater seine Tochter einfach so mit einem jungen Mann, den er noch nicht einmal kennt spazieren gehen lässt. Ich dachte immer, dass man im 18. Jahrhundert diesbezüglich doch eher zurückhaltend war. Beim ersten Spaziergang sich zu küssen, mein lieber Scholli. :breitgrins:

  • Mich verwunderte allerdings ein wenig, dass zur damaligen Zeit ein Vater seine Tochter einfach so mit einem jungen Mann, den er noch nicht einmal kennt spazieren gehen lässt. Ich dachte immer, dass man im 18ten Jahrhundert diesbezüglich doch eher zurückhaltend war. Beim ersten Spaziergang sich zu küssen, mein lieber Scholli. :breitgrins:


    Das hängt auch von der Gesellschaftsschicht ab, der die Verliebten angehören. Wenn ich da an Bücher von Dickens denke, in denen er beschreibt, wie Kinder schon mit 10, 11 Jahren zu Dieben ausgebildet werden, ist eigentlich klar, dass die Menschen auch in anderer Hinsicht frühreif waren. Und das gibt es nicht nur in London, sondern auch in der Provinz. Arabella müsste zu der Zeit auch schon mindestens 17 oder 18 Jahre alt sein (außer ich habe etwas überlesen), da ist sie gar nicht mehr so jung für Liebesgeschichten. Solche Tätigkeiten wie Därme auswaschen deutet an, dass sie nicht gerade einer privilegierten Gesellschaftsschicht angehört.


  • Solche Tätigkeiten wie Därme auswaschen deutet an, dass sie nicht gerade einer privilegierten Gesellschaftsschicht angehört.


    Naja, es sei denn sie macht es heute, dann nennt man das Chirurgin. :breitgrins:


  • Naja, es sei denn sie macht es heute, dann nennt man das Chirurgin. :breitgrins:


    :lachen:


    DAS wäre damals aber total undenkbar gewesen :breitgrins:


    Ich bin mittlerweile schon mit dem 2. Teil durch, aber am Wochenende kam ich leider nicht wie geplant an den Rechner. Heute abend bin ich auch noch auf Weihnachtsfeier, deshalb müssen detailliertere Kommentare wohl bis morgen warten.


    Nur so viel: Arabella ist echt ein durchtriebenes Luder :grmpf: Wie sie Jude in die Falle lockt, hat mich ganz schön mit den Ohren schlackern lassen! Ich fand es schon schlimm genug, als ich noch dachte, sie sei halt "versehentlich" schwanger geworden - aber bewusst eine Schwangerschaft vorzutäuschen, ist echt richtig mies.


    Sehr schön fand ich die Beschreibungen von Christminster, die altehrwürdigen Gemäuer, die Kirchen, das Glockengeläute und den Hauch von Gelehrtheit, der durch die Straßen weht.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Laut dem Nachwort meines Buches ist Christminster der fiktive Name für Oxford.


    Ich bin auch schon im 3. Teil. Wenn ich zu langsam lese, verliere ich den Draht zu der Geschichte, daher lefe ich nun etwas zu und hoffe, noch genügend Details im Kopf behalten zu haben, um über die früheren Ereignisse zu schreiben.


    Zum 2. Teil


    Mit ihrem Wunsch, Jude solle sich von seiner noch unbekannten Cousine Sue fernhalten, erreicht die Tante nur das Gegenteil. Jude wird neugierig, außerdem ist sie seine einzige Verwandte dort, deshalb macht er sich auf die Suche nach ihr. Als er sie endlich findet, beginnt er, für sie zu schwärmen, wird sogar zum Stalker und beobachtet sie, bis er gewisse Gewohnheiten ausmachen kann. Sue fällt aus dem Rahmen der üblichen jungen Frauen. In dieser prüden Zeit und Umgebung kauft sie zwei sehr freizügige Figuren und stellt sie in ihrem Zimmer auf. Sehr ungewöhnlich, aber mir gefällt das. Als Sue bei Judes früherem Lehrer zu arbeiten beginnt, dauert es natürlich nicht lange, und beide Männer sind insgeheim in sie verliebt. Das wird sicherlich noch Probleme bereiten.


    Jude hat sich unterdessen bei einigen Universitäten beworben und bis auf eine Absage keine Reaktion erhalten. Was für eine Ironie! Da ist jemand, der begierig ist zu lernen und wegen seiner Abstammung keine Chance bekommt, während den reichen Söhnen der Studienplatz in den Schoß fällt und wahrscheinlich in manchen Fällen gar nicht erwünscht ist. Man stelle sich das in der heutigen Zeit vor. Welches Potenzial da früher verloren ging!


  • Jude hat sich unterdessen bei einigen Universitäten beworben und bis auf eine Absage keine Reaktion erhalten. Was für eine Ironie! Da ist jemand, der begierig ist zu lernen und wegen seiner Abstammung keine Chance bekommt, während den reichen Söhnen der Studienplatz in den Schoß fällt und wahrscheinlich in manchen Fällen gar nicht erwünscht ist. Man stelle sich das in der heutigen Zeit vor. Welches Potenzial da früher verloren ging!


    Das finde ich auch unglaublich schade! Es ist ja heute noch oft genug so, dass weniger privilegierte Familien ihren Kindern nicht so einfach ein Studium ermöglichen können oder wollen, aber damals war ein Ausbruch aus den eigenen Standesgrenzen ja praktisch nicht möglich, weil nicht gewollt.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • So, endlich komme ich dazu, noch etwas detaillierter auf die letzten gelesenen Kapitel einzugehen. Es ist wie verhext mit der abendlichen Onlinezeit!



    Ich habe den ersten Teil fertig. (Achtung Spoiler)
    Es war keine große Überraschung, dass die Ehe der beiden schief geht. Überraschender fand ich vielmehr, dass es so schnell ging. Arabella ist ein Luder, aber das hatte sich ja schnell abgezeichnet. Ich verstehe nicht, wie sich Frauen unter dem Vorwand, schwanger zu sein, Männer angeln können, ohne darüber nachzudenken, dass sie deren ganzes Leben auf den Kopf stellen. Vorausgesetzt, die Männer sind naiv genug, das zu glauben.


    Tja, gute Frage ...wobei es mich bei Jude nicht gewundert hat, dass er keine großen Fragen gestellt hat. Er ist ja ziemlich unbedarft, was solche Dinge angeht, und hat mir gerade deshalb so leid getan, dermaßen von dieser blöden Kuh (sorry) vorgeführt zu werden.


    Zweiter Teil


    Bei der wunderschönen Schilderung von Judes ersten Streifzügen durch Oxford ist mir dieses Zitat besonders aufgefallen (als Jude neuere Gebäude betrachtet und mit den älteren vergleicht):


    Zitat

    These were the ideas in modern prose which the lichened colleges presented in old poetry. Even some of those antiques might have been called prose when they were new. They had done nothing but wait, and had become poetical. How easy to the smallest building; how impossible to most men.


    Dass er sich irgendwann nach seiner Cousine Sue umsehen wird, war ja schon in dem Moment klar, als seine Tante es ihm verbietne wollte. (Ich bin mal gespannt, was genau da in der Familie vorgefallen ist!) Sue erscheint mir recht sympathisch; ich fand es auch interessant, dass der Laden, in dem sie arbeitet, offenbar rein von Frauen geführt wird. Die Geschichte mit den "unanständigen" Figuren hat mir übrigens auch gut gefallen.


    Zu hören, dass Richard Phillotson es nicht bis zum Pfarrer gebracht hat, muss für Jude eine ziemliche Enttäuschung gewesen sein und vielleicht der erste Kratzer auf dem idealisierten Bild, das er sich im Kopf von Christminster gemacht hat. Dass sein früherer Lehrer ihn nicht wiedererkennt, hat ihn sicher zusätzlich geschmerzt. Und dann verliebt sich Sue auch noch augenscheinlich in den Schulmeister, der ihr geholfen hat, eine Stelle zu finden ... aber ich bin mir nicht sicher, ob sie seine Gefühle tatsächlich so stark erwidert.


    Das Schreiben, mit dem Judes so lang gehegten Wunschträume zerstört wurden, tat mir in der Seele weh. Nicht einmal die Chance zu einem Vorstellungsgespräch oder Test zu bekommen, nachdem er jahre- bzw. jahrzehntelang darauf hingearbeitet hat, ist verdammt bitter. Ich bin gespannt, was jetzt aus seinen neuen Plänen wird.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)