Jacqueline Koyanagi - Ascension

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 4 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Wendy.

  • Guten Morgen,


    Im Sinne der guten Vorsätze stecke ich schon mitten in meinem zweiten Monatsbuch. Ich habe zwar gute Meinungen darüber gehört, bin aber doch etwas überrascht, wie flüssig sich dieses Debüt liest.


    Kaufen* bei

    Amazon
    Bücher.de
    Buch24.de

    * Werbe/Affiliate-Links


    Inhalt:
    Alana Quick ist die beste Schiffsmechanikerin in Heliodor City. Aber Raumschiffe zu reparieren reicht meist nicht um die Rechnungen zu bezahlen. Als die verzweifelte Crew eines Cargoschiffs neben ihrer Werkstatt landet und nach Alanas spiritueller Schwester Nova fragt, versteckt sich Alana als blinder Passagier auf dem Schiff. Vielleicht heuert die Crew sie ja wegen ihres Mutes und ihrer Fähigkeiten für einen langfristigen Job.
    Aber die Tangled Axon ist weit mehr als ein gewöhnliches Raumschiff. Der Mechaniker denkt, er sei ein Wolf. Die Pilotin flackert zwischen Existenz und Verschwinden hin und her. Der Kapitän scheint nur blonde Wallemähne, Stiefel und ein großes Ega zu sein... doch Alana kann ihre Augen nicht von ihr lassen. Aber es ist keine Zeit für Romanzen. Nova schwebt in Gefahr und jemand würde alles dafür tun - sogar Planeten zerstören - um sie in seine Hände zu bekommen.


    Erste Eindrücke:
    Ich habe dieses Buch für den SLW gewählt, weil es sich mit kranken Menschen beschäftigt. Alana leidet an Mel's disease, einer Krankheit, die ihre Muskeln beeinflusst und große Schmerzen bereitet. Ohne ihre Pillen hat sie ihre Hände nicht unter Kontrolle, zittert unaufhörlich, und durchlebt so nebenbei unerträgliche Schmerzen. Als "sky surgeon" ist sie darauf angewiesen, dass Schiffe bei ihr landen und repariert werden müssen. Ihr Einkommen ist also alles andere als sicher und ihr Leben hängt davon ab, dass sie sich die nächste Packung Tabletten leisten kann.
    In den reicheren Gegenden des Universums gibt es eine Heilung für ihre Krankheit. Dass der Preis dafür weit über Alanas Möglichkeiten liegt, erklärt sich von selbst...


    Jacqueline Koyanagi schreibt spannend und flüssig, schafft es aber gleichzeitig, das erdrückende Gewicht einer Krankheit zu beschreiben ohne dass der Roman deprimierend wird. Alana lässt sich nicht unterkriegen, sondern spart ihr Geld für eine Heilung. Bis dahin beißt sie die Zähne zusammen und nimmt nur die aller nötigsten Tabletten um ihrer Arbeit nachgehen zu können. Doch die Krankheit ist allgegenwärtig. Jeder, der jemanden mit chronischer Krankheit kennt (oder selbst unter einer solchen leidet), weiß wie schnell so etwas das ganze Leben in Anspruch nehmen kann. Koyanagis Buch ist klar auch ein Kommentar zu Krankenversicherungssystem in den USA. Dass man lebens- und lebensqualitäterhaltende Pillen nicht bekommt, weil sie ein ganzes Monatseinkommen kosten, ist für mich unvorstellbar.
    Wenn man aber nicht nur für ein Dach über dem Kopf und Essen auf dem Tisch arbeiten muss, sondern wenn jeder Cent für Schmerztabletten gespart werden muss, sieht das Leben anders aus.


    Alana bleibt trotz alledem positiv und lebensbejahend. Die Idee, sich auf dem Schiff Tangled Axon zu verstecken, war nicht schlau, doch sie hat Glück und wird nicht gleich ins schwarze All geworfen. Einige Crewmember habe ich schon kennen gelernt und es reicht zu sagen, dass sie wirklich seltsam sind. Ein bellender Mann, eine Pilotin, deren Körperteile sich immer wieder mal in Luft auflösen...
    Nebenbei gefällt mir auch, dass unter den Protagonisten drei dunkelhäutige Menschen und mindestens drei lesbische Charaktere zu finden sind. Das wird bisher wenig kommentiert, es ist halt einfach so. In dieser Version der Zukunft scheint damit auch niemand ein Problem zu haben. Sehr erfrischend. :zwinker:


    Ich bin gespannt wie es weitergeht, denn nun kommt der zusätzliche Konflikt zwischen Alana und ihrer Schwester Nova ins Spiel. Warum die zwei sich nicht verstehen, weiß ich noch nicht, aber die Spannung zwischen ihnen ist spürbar. Kurz gesagt: Schon nach wenigen Kapiteln gibt es jede Menge zu entdecken und ich habe 100 Fragen. Ein guter Anfang für ein Buch oder?

    Jahresziel: 2/52<br />SLW 2018: 1/10<br />Mein Blog

  • Ich mach's mir mal hier gemütlich, Deine erste Beschreibung klingt gut. Du füllst meine Wunschliste momentan ordentlich auf, liebe Wendy.


    Ich gebe zu, dass ich kurzzeitig an Firefly denken musste, aber beim Weiterlesen verflüchtigte sich der Eindruck wieder. ;)


    Schöne Grüße
    Breña

    &quot;Natürlich kann man sein ohne zu lesen, ohne Bücher, aber ich nicht, ich nicht.&quot;&nbsp; J. L. Borges

  • Oh ja, es hat durchaus eine Art Firefly-Flair. :breitgrins:


    Vielleicht bin ich deshalb so begeistert. Was allerdings gesagt werden muss, ist dass es bisher genau einen einzigen männlichen Charakter gibt. Alle anderen sind Frauen. Auch mal erfrischend. Ich weiß nicht, ob die Autorin damit ein Statement abgeben wollte, aber ich ertappe mich doch immer wieder bei Vorurteilen. Das Wort Pilot sagt ja an sich nichts über das Geschlecht der Person aus (zumindest nicht auf englisch). Ich stelle mir trotzdem oft einen Mann in dieser Rolle vor. Dasselbe gilt für Kapitän.
    Schön, wenn ich beim Lesen eine auf den Deckel bekomme. :zwinker:


    Und Wunschlisten-Füllen ist mein zweitliebstes Hobby. :teufel:

    Jahresziel: 2/52<br />SLW 2018: 1/10<br />Mein Blog

  • Ich bin jetzt beim letzten Viertel angelangt und immer noch begeistert.


    Die Handlung ist nicht gerade herausragend oder sonderlich originell. Die Crew der Tangled Axon inklusive Alana und Schwester Nova, ist auf der Flucht vor der Polizei und dabei trifft die lustige Bande auf allerlei Abenteuer und brenzliger Situationen. Spannend ist es allemal und ich bin sicher, die Autorin hält zumindest eine Überraschung für mich bereit.


    Aber trotz Fluchtszenen und gerade-noch-Entkommen lebt das Buch weiterhin von seinen Charakteren. Alana verliebt sich immer mehr in Tev, die blonde Kapitänin (gibt's das Wort in der weiblichen Form überhaupt?) des Schiffs, wir lernen mehr über Nova und warum sie so überheblich wirkt. Ovie, der Wolf/Mann, wächst mir trotz mangelnden Dialogen immer mehr ans Herz und ich bekomme das Gefühl, dass Alana in eine Familie hineinwächst.


    Ganz toll finde ich auch, dass sie eine Art Affäre mit dem Raumschiff hat. Sie "fühlt" wenn das Schiff Schmerzen hat und sehnt sich danach, es zu reparieren. Die Beschreibungen von Alanas Gefühlen gegenüber dem Schiff erinnern mich sehr an Robin Hobbs Zauberschiffe - wobei man sagen muss, dass diese Schiffe tatsächlich lebendig waren, im Gegenteil zur Tangled Axon.
    Alanas Krankheit ist weiterhin allgegenwärtig. Aber auch Tev hat eine Behinderung, wenn man das so nennen will. Sie hat in einem Unfall ihr Bein verloren und stattdessen ein künstliches Bein. Es behindert sie im täglichen Leben überhaupt nicht, aber sie erzählt sehr schön, wie es sich anfühlt, wenn Leute starren und zu feige sind, einfach zu fragen, was passiert ist.


    Das Universum, in dem die Geschichte spielt, wird in diesem Roman nicht allzu genau erkundet, aber die kleinen Wissenshappen, die mir zugeworfen werden, lassen darauf schließen, dass die Autorin weit mehr weiß als sie uns zeigt. Spannend ist vor allem "the rift", ein Riss im Universum, durch den die Anderen kamen, die ihre fortgeschrittene Technologie und Medizin nun unter den Menschen verkaufen. Nova geht förmlich über vor Hass für diese Art von Medizin, während Alana all ihre Hoffnung darauf setzt, dass ihr diese Anderen helfen und ihre Krankheit heilen können.
    Dass damit etwas nicht ganz stimmt, ist mir klar, aber ich freue mich schon sehr auf die Auflösung dieses Rätsels.


    Und eines ist auch klar: Wenn es weitere Romane in der Serie geben wird (der Untertitel "A Tangled Axon Novel" lässt darauf hoffen), dann werde ich diese mit Sicherheit lesen.

    Jahresziel: 2/52<br />SLW 2018: 1/10<br />Mein Blog

  • Hallöchen,


    Nach zwei erstaunlich harten Arbeitstagen konnte ich auch endlich mein tolles Buch zu Ende lesen. Koyanagi hat mich am Ende zwar etwas hängen lassen, insgesamt bin ich aber trotzdem froh, die Autorin entdeckt zu haben.


    Meine Meinung:
    Alana Quick repariert Raumschiffe, war selbst aber noch nie in einem unterwegs. Sie und ihre Tante halten sich mit Reparaturarbeiten gerade so über Wasser, nicht weil sie die Miete nicht bezahlen können, sondern weil sie beide eine genetisch vererbte Krankheit haben, die sie zwingt, täglich Pillen zu schlucken. Ohne ihre Medikamente würden Alanas Muskeln zuerst zucken, sie könnte ihre Bewegungen nicht mehr kontrollieren, und schlussendlich würde ihr Körper gänzlich aufgeben und sie würde totalgelähmt sterben. Dass die einzige Heilung der Krankheit unglaublich teuer ist, macht Alanas Leben nicht leichter.
    Als aber das Schiff Tangled Axon auftaucht und die Crew nach ihrer Schwester Nova fragt, sieht sie ihre Chance und versteckt sich im Lagerraum, in der Hoffnung auf ein neues Leben und darauf ihre entfremdete Schwester zu beschützen.


    Ascension ist kein Buch, das man wegen der Handlung liest. Spannende Szenen gibt es zwar, aber das Herzstück des Romans sind eindeutig die Charaktere. Science Fiction (und Literatur allgemein) hat einen gewissen Mangel an Charakteren, die nicht weiß, heterosexuell und gesund sind. Jacqueline Koyanagi hat mit der Crew ihres fiktiven Raumschiffes jenen Gruppen eine Stimme verliehen, die nicht dem Standard entsprechen. Alana selbst - das sieht man auch auf dem Cover - ist dunkelhäutig und trägt Dreadlocks, ein Zeichen ihres Berufes. Sie ist lesbisch und sie leidet an einer chronischen Krankheit. Marre, die Pilotin des Schiffs, "verliert" Teile ihres Körpers. Sie lösen sich einfach in Luft auf und, wenn alles gut geht, tauchen wieder auf. Doch auch ihre Krankheit beeinflusst welche Art Mensch sie ist. Tev Helix, die Kapitänin, hat ein künstliches Bein. Ovie, der Mechaniker, denkt er sei ein Wolf... Die gesamte Besatzung wirkt, vielleicht gerade dadurch, realistisch und glaubwürdig.


    Für mich war es ein Vergnügen, diese Leute kennen zu lernen, zu erfahren, wie sie zueinander stehen und vor allem wie sie sich entwickeln. Alanas Schwester Nova ging mir zu Beginn nur auf die Nerven, ist dann aber einer meiner Lieblingscharaktere geworden. Umso mehr hat es mich geärgert, wie schnell und unbefriedigend ihr Handlungsstrang beendet wurde.
    Schon auf dem Rückentext erfährt man, dass es sich hierbei auch um eine Romanze handelt. An und für sich ist damit Alanas Liebe zu Tev gemeint, mir gefiel aber ihre Beziehung zum Schiff viel besser. Dass Alana aus Leidenschaft Mechanikerin ist, merkt man dabei sofort. Sie spürt das Summen der Geräte, sie liebt jedes Kabel, jede Metallplatte. In diesen Szenen zeigt sich die Autorin auch von ihrer besten Seite und beschreibt Alanas Gefühle fast schon poetisch.


    Die Liebesgeschichte ging mir ein bisschen auf die Nerven, vor allem weil Tev - nachdem sie Alana geküsst hat - ihr gewisse Dinge vorenthält, die Alana helfen würden, sich besser zu fühlen und Tev besser zu verstehen. Warum sie ihr die Wahrheit nicht sagt, ist mir dabei völlig unklar und wird auch nie angesprochen. :rollen: Weil ich die Charaktere insgesamt so mochte, war das aber nicht so schlimm.
    Viel mehr geärgert hat mich das Ende allgemein. Es ging alles viel zu schnell. Zu Beginn wird die Crew der Tangled Axon beschuldigt etwas getan zu haben, was sie nicht getan haben. Sie sind also die meiste Zeit auf der Flucht und versuchen, ihre Unschuld zu beweisen und eine Heilung für Marre (und Alana) zu finden.
    Am Ende überschlagen sich dann plötzlich die Ereignisse. Da kommen Dinge ans Tageslicht, die irgendwie viel dramatischer sein sollten als sie dargestellt werden, Tev spuckt endlich alles aus, was sie Alana so lange verheimlicht hat und die Probleme der Crew werden mehr oder weniger gelöst. Es ist kein katastrophales Ende, aber mir war vor allem der romantische Aspekt zu kitschig - dabei hatte alles so gut angefangen.


    Da ich aber ein Charakter-Leser bin und mich die Crew der Tangled Axon voll überzeugt hat, werde ich sicher noch weitere Bände lesen, sollte es welche geben. Immerhin gibt es nicht viele fiktive Raumschiffe, die sich wie zu Hause anfühlen. Serenity wird wohl immer mein Liebilng bleiben, aber die Tangled Axon habe ich auch ins Herz geschlossen.


    4ratten

    Jahresziel: 2/52<br />SLW 2018: 1/10<br />Mein Blog