Doris Lessing - Afrikanische Tragödie

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Es gibt 28 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von tina.

  • Ich bin soeben fertig geworden. :redface:
    Es ist interessant zu sehen, wie Mary sich in der Zeit verändert hat und sich immer weiter in sich selbst zurückzieht.


    [quote author=Jarilink=topic=32722.msg770337#msg770337 date=1390851499]
    Aber die Beschreibungen von Marys Zustand in Kapitel acht waren entsetzlich. Die arme Frau! Ich hielt es fast nicht aus, zu lesen, wie sie mehr und mehr kaputt geht :sauer: Aber jetzt, im neunten Kapitel, wird es wieder sehr spannend: Samson kommt in den Haushalt.
    [/quote]


    Du meinst Moses. :zwinker:
    Ich finde sein Verhalten seiner Chefin gegenüber mehr als vorbildlich, allerdings hatte ich immer im Hinterkopf, dass sie ihn geschlagen hatte.
    Allerdings habe ich schon darauf gewartet, dass er sich ihr gegenüber rächt. So etwas vergisst man nicht, da er zudem vor allen seinen Freunden/Stammesangehörigen und Freunden gedemütigt worden ist, war es sehr wahrscheinlich. Allerdings hätte ich nicht gedacht, dass er so viele Jahre im Haushalt der Turners arbeitet, bevor es so weit ist.


    Dass Tony all dies miterlebt hat: wie kaputt die Ehe zwischen Mary und Dick ist, wie kaputt die beiden letztendlich sind und wie das Verhalten Marys gegenüber Moses ist, fand ich schrecklich. Die beiden hätten sich allerdings auch nicht mehr verstellen können, dazu waren sie einfach nicht mehr fähig.
    Arme Mary, sie wurde letztendlich von ihrer Kindheit eingeholt, obwohl sie sie grausam fand. Armer Dick, er wollte unbedingt heiraten und seine Farm auf einen grünen Zweig bringen, woran er letzten Endes dann zerbrochen ist. Ich kann mir richtig vorstellen, wie traurig er war, alles aufzugeben, aber es muss auch eine Erleichterung gewesen sein.

  • Ups, ja ich meinte natürlich Moses. Irgendwie habe ich mit dem Namen ein Problem :err: :redface:


    Ich wollte heute eigentlich auch zu Ende lesen, aber mein Nacken kam mir dazwischen :sauer:

    //Grösser ist doof//

  • Ich habe ebenfalls das neunte Kapitel gelesen und ich kann nur noch bedingt Mitleid mit Mary empfinden. Natürlich ist sie das Kind ihrer Kultur, Erziehung und ihres Umfeldes, aber dennoch gibt es nicht die Absolution so menschenverachtend mit den Arbeitern auf der Farm umzugehen. Allerdings ist dies ein so großes und weitläufiges Thema, dass man damit Bücher füllen könnte und somit weiß ich gar nicht wo ich beginnen soll mit meinen Gedanken.


    Doris Lessing hat dieses Desaster wirklich sehr ausdrucksstark und in bewegende Worte gefasst. Die unterschwelligen Empfindungen, die Spannung, der Zorn, der Hass die unbändige permanente Wut. Sie haben jahrelange Wurzeln, würden besser genährt als die Früchte auf dem Feld und man erwartet zu jeder Zeit eine Eskalation.
    Natürlich wird diese fürchterliche Situation in diesem Fall lediglich am Beispiel einer einzigen Person dargestellt, aber mit Sicherheit gibt es sehr reale Personen, die man jederzeit in diese Geschichte einsetzen könnte.


    Ist es wirklich vorrangig Abneigung, gegen schwarze Menschen, ist es lediglich der "normale" Umgang der kolonialen Bevölkerung oder ist es vor allem Furcht, die aus Unsicherheit resultiert. Niemals haben sich Kolonialmächte die Mühe gemacht, die Einwohner der besetzten und okkupierten Länder zu verstehen und ihre Kultur kennenzulernen, aber das wollte man auch nicht. Verständnis und ein besseres Kennen bringt unweigerlich Skrupel und moralische Bedenken mit sich und die sind völlig unrentabel, wenn es um Macht und Besitz geht.


    Genau mit dieser Situation wird nun Mary konfrontiert. Sie ist gezwungen mit Moses umzugehen und hat ihre klaren Vorstellungen davon. Allerdings kommt hier erschwerend eine bestehende Schuld hinzu oder ist es lediglich Angst vor Rache?
    Obwohl Moses niemals Grund für diese Angst gibt, ist sie da.
    Er ist anders als andere. Er beherrscht die englische Sprache, kann sich somit sehr deutlich verständlich machen und zwingt Mary damit sich noch mehr mit ihm auseinander zu setzten. Ausserdem verwirrt sie seine anscheinend völlig fehlende Wut auf sie. Ich denke, gerade mit seiner gezeigten Fürsorge und seiner ruhigen Art, macht er ihr Angst, weil sie dieses Verhalten überhaupt nicht verstehen und einschätzen kann.



    Das denke ich überhaupt nicht und da bin ich mir fast 100% sicher. Das wäre unter Moses Würde und die hat er definitiv. Er beschämt sie, mit seiner Art und genau das macht sie so wütend, dass sie ihn hasst.


    Ich bin wirklich gespannt, wie es jetzt weitergehen wird. Das letzte Kapitel wird wohl sehr heftig werden.

  • Ich habe das Buch beendet und ich bin immer noch tief bewegt von dieser Geschichte. Sie gehört zu denen, die ich nicht vergessen werde.
    Ausserdem muss ich noch einmal erwähnen, dass mir Doris Lessings Beschreibungen der afrikanischen Landschaft unglaublich gut gefallen. Auch wenn ich Simbabwe nicht kennen würde, so könnte ich mir auf Grund ihrer Beschreibungen genau vorstellen, wie sich ein Morgen im Veld anfühlt, wie er langsam beginnt, wie sich die Farben ändern, die Geräusche und die Atmosphäre. Ich dachte beim Lesen immer wieder: "Ja, genau so ist es."
    Simbabwe ist ein wunderschönes Land, welches sehr durch die Menschen gelitten hat. Erst durch den Raubbau, der Kolonialherren, nun durch die Misswirtschaft von Mugabe. Es ist wirklich eine Schande, dieses Land so verfallen zu lassen, denn es bietet alles was man braucht. Gutes Klima, fruchtbaren Boden und ausreichend Regen. :sauer:

  • Ich bin auch seit ein paar Tagen fertig, bin aber aus privaten Gründen nicht zum Posten gekommen. Jedenfalls ist das Buch etwas besonderes und Lessings Schreibstil ist wunderbar!

    //Grösser ist doof//

  • Ich bin sehr froh, dass es eine Leserunde dazu gab. Wer weiß, wann ich es ansonsten gelesen hätte bzw. ob ich es jemals gelesen hätte. :smile:

  • Ich weiss es: Ohne die LR hätte ich das Buch nie gelesen. Deshalb liebe ich diese Leserunden ja so :breitgrins:

    //Grösser ist doof//