David Almond - Mina

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 6 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kirsten.

  • Mein zweites Monatsrundenbuch zum Thema Vögel ist dieses:


    David Almond: Mina


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    Mina ist ein besonderes Mädchen. Sie ist anders als andere Kinder. Sie lebt mit ihrer Mutter allein in einem Haus, ihr Vater ist gestorben. Am liebsten sitzt sie auf dem Baum vor ihrem Haus, macht sich Gedanken über die Welt und schreibt diese in ihr Tagebuch: das Buch, das wir vor uns haben.


    Mina liebt die Nacht, sie liebt Vögel, und sie macht sich über alles und jedes im Leben ihre eigenen, unkonventionellen Gedanken. Damit eckt sie an, vor allem in der Schule, sowohl bei ihren Mitschülern (die meisten können sie nicht verstehen), als auch bei den Lehrern. Ihre Lehrerin ist zum Beispiel nicht gerade erbaut, als Mina, statt eine Aufgabe über Vergangenheits-, Gegenwarts- und Zukunftsform von Verben zu lösen, die Themen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft lieber philosophisch betrachtet, und zwar mit für ein Kind in ihrem Alter (sie ist schätzungsweise zwischen 10 und 12 Jahren alt) sehr reifen Gedankenansätzen.


    Ein eigenwilliges, phantasievolles Mädchen, das sich nicht unterordnen kann, trifft hier auf Pädagogen ohne Verständnis für Individualität und Kreativität. Als die Situation eskaliert, nimmt ihre Mutter sie von der Schule und unterrichtet sie fortan zuhause, wo sie frei ihren Neigungen nachgehen kann und trotzdem viel über die Welt lernt. Ich finde es gut, daß das Thema Homeschooling hier mal in einem Buch aufgegriffen wird. Für besondere Kinder wie Mina halte ich das durchaus für eine zeitweilige Alternative, die in Deutschland so leider nicht realisierbar wäre. (Als Mutter einer Tochter, die musiziert, schreibt und malt weiß ich selber auch ganz gut, wie behindernd Schule manchmal für die Kreativität sein kann.)


    Zurück zu Mina und ihrem Baum. Ich finde das Buchcover ausgesprochen schön gestaltet! :herz: Unten sieht man die Katze Wisper, die mit Mina befreundet ist, und oben auf dem Baum ein Amselnest mit drei Eiern. Im Lauf der Zeit beobachtet Mina, wie die Amseln ihr Nest bauen, Eier legen, brüten usw. Naturkunde live sozusagen. Überhaupt geht es im Buch viel um Vögel, was zum derzeitigen Monatsrundenthema sehr gut paßt. Neben Mina (die für ihre Klassenkameraden so etwas wie ein schräger Vogel ist) und den Amseln spielen Eulen eine größere Rolle, sie leben im verlassenen Haus von Minas Großvater. Mina und ihre Mutter sinnieren über die Vorstellungen mancher Religionen, daß in Vögeln die Seelen Verstorbener weiterleben. Jetzt gerade bin ich an einer Stelle, an der Distelfinken erwähnt werden, von denen ich noch nie gehört hatte. Wikipedia belehrt mich, daß es sich dabei um Stieglitze handelt, die mir sehr gut bekannt sind (die gibt es hier auch).


    Das Thema Vögel durchzieht das ganze Buch, und da ich Vögel liebe, gefällt mir das.


    Außerdem beobachtet Mina von ihrem Baum aus ein benachbartes Haus, dessen alter Besitzer verstorben ist. Eine Familie schickt sich an, hier einzuziehen. Wer Zeit des Mondes gelesen hat, weiß auch schon, wessen Familie das ist und daß Mina sich mit dem Sohn Michael anfreunden wird.

    Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (R. Luxemburg)

    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.

  • Ein Stieglitz ist ein Distelfink? Wieder was gelernt ...


    Das Buch hört sich übrigens sehr schön an.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • David Almond - Mina

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    (Die gebundene Ausgabe ist leider vergriffen, aber das Buch ist als Taschenbuch noch lieferbar.)


    Inhalt:


    Mina findet, es gibt tausend schöne Dinge auf der Welt: das Vogelnest in ihrem Lieblingsbaum zum Beispiel. Oder köstliche Schokokekse. Von Schulen jedoch sollte man sich unbedingt fernhalten, da ist sich Mina sicher. Darum ist sie auch ganz und gar nicht unglücklich, als sie von ihrer Schule fiegt. Nun hat sie viel Zeit: zum Tagebuchschreiben, zum Träumen und für jede Menge Nonsens...


    "Ich wollte unbedingt das sein, was man gemeinhin als braves Mädchen bezeichnet. Ich habe es wirklich versucht."


    Mondschein, Wunder, Fliegen und Nonsens, Rosenkohl, Sarkasmus und das Geheimnis der Zeit, erstaunliche Tatsachen und absolut nichts - das alles ist Minas Tagebuch. Das ist Mina.


    ______________


    Meine Meinung:


    Minas Vater ist gestorben, sie lebt mit ihrer Mutter allein ein einem Haus mit Garten und hat große Freiheiten. Wie alt sie ist, wird nicht gesagt, schätzungsweise um 10-12 Jahre.


    Am liebsten sitzt sie in einem Baum vor ihrem Haus, beobachtet die Welt rings um sich herum, denkt über alles nach und schreibt ihre Beobachtungen, Gedanken und Gefühle auf.


    In Gemeinschaften kommt Mina nicht zurecht. In der Schule eckt sie bei Lehrern und Mitschülern an. Schließlich wird sie von ihrer Mutter zuhause unterrichtet, nachdem sie sich auch an einer Schule für "besondere Kinder" nicht einfügen kann. Ich finde es gut und beachtenswert, daß Hausunterricht hier unaufdringlich als eine Variante zur bestmöglichen Entfaltung von besonders unangepaßten, kreativen Kindern geschildert wird. Denn warum soll die Gesellschaft auf die Potentiale solcher Kinder verzichten und sie unterdrücken? Die Vor- und Nachteile von Hausunterricht werden hier deutlich. Was mir allerdings nicht gefiel, ist der Eindruck, den ich diesbezüglich von Mina hatte: es scheint, als gäbe sie sich überhaupt keine Mühe, sich auf andere Kinder einzulassen und wenigstens zu versuchen, sich in eine Gruppe einzufügen. In diesem Punkt ist sie störrisch wie ein Esel und hat sehr wenig Empathie für andere Kinder.


    Aber in anderer Hinsicht ist sie ein kluges, aufmerksames, nachdenkliches und phantasiereiches Mädchen, die manchmal Phantasie und Realität vermischt, aber auch sehr philosophische Gedanken hat. Bemerkenswert ist die Gestaltung des Buches. Abgesehen vom wunderschönen Cover paßt sich die Innengestaltung nämlich an den Text an. Wichtige Worte und Sätze (wie z.B. "Kinder müssen manchmal in Ruhe gelassen werden") erscheinen sehr groß und fett gedruckt. Auf mancher Seite steht nur ein Wort, auf einer anderen gar nichts. Ein Text über Eier ist in Eiform gesetzt. Texte über die Nacht oder schwarze Tiere erscheinen in weißer Schrift auf schwarzem Grund. Zwischendurch gibt es Berichte von Mina in anderer Schriftart, einen Nonsenstext, zwei Seiten mit Wörtern z.B. über Freude und immer wieder sogenannte "Außergewöhnliche Aktivitäten", mit denen Mina sich eine Aufgabe stellt, zum Beispiel (sinngemäß): "Schreibe ein Gedicht...", "Schreibe eine leere Seite" oder "Beobachte den Staub im Sonnenlicht". Eine große Rolle im Buch spielen Vögel wie z.B. Amseln, Lerchen, Eulen, die Beobachtung von Vögeln und Gedanken über sie.


    Obwohl das Buch keine eigentliche Handlung hat, erfahren wir viel aus Minas Leben und Gedankenwelt. Am Ende freundet sie sich mit dem Nachbarjungen Michael an, und was danach geschieht, kann man in Zeit des Mondes nachlesen.


    Fazit: Ein außergewöhnliches, wunderschön poetisches Buch für Kinder von 10-13 Jahren, das auch von Erwachsenen mit Gewinn gelesen werden kann, aber vermutlich nichts für Actionliebhaber ist.

    Bewertung:

    5ratten

    Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (R. Luxemburg)

    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.


  • Ein Stieglitz ist ein Distelfink? Wieder was gelernt ...


    Ja, ich auch. Und per Zufall gibt es im Thread weiter unten zum Buch "Der Distelfink" ein Gemälde von ebenjenem, auf dem man sehr deutlich sieht, daß er ein Stieglitz ist. :breitgrins:



    Inzwischen bin ich mit dem Buch fertig und meine abschließende Meinung findet ihr hier.


    Es war für mich interessant zu lesen, wie Mina die Familie beobachtet, die im Nachbarhaus einzieht. Michaels Familie mit der zu früh geborenen, kranken kleinen Schwester. In Zeit des Mondes liest man das alles ja aus Michaels Sicht, und mit diesem Wissen erklären sich einige Wortfetzen, die Mina mit anhört, viel besser.


    "Mina" ist wirklich ein schönes Buch.

    Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (R. Luxemburg)

    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.

  • Eine schöne Rezi. Wie gut dass das Buch schon auf meiner Leseliste steht, sonst hätte ich es mir direkt notieren müssen :zwinker:

    Being alone isn't something to endure - it's something to relish.

  • Meine Meinung

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    Mina ist ein besonderes Mädchen. Sie treibt ihre Lehrer zum Wahnsinn mit ihren Fragen und ihrer Fantasie die verhindert, dass sie die Aufgaben so erledigt wie sie es tun sollte. Sich so mit ihr zu beschäftigen wie sie es verdient hätte, ist offensichtlich zu viel verlangt und deshalb rät man der Mutter, das "Problem" mit Medikamenten zu beheben.


    Zum Glück ist die Mutter eine starke Frau, die hinter ihrer Tochter steht. sie unterrichtet sie Zuhause und ermöglicht ihr so, sich frei entfalten zu können. Und wer weiß- vielleicht braucht Mina nur eine Auszeit vom Schulalltag und kann bald wieder an die Schule zurückkehren? Mir hat gut gefallen, dass Minas Schulkameraden sie als völlig normal angesehen haben, auch wenn sie selbst glaubte dass die Kindersie auch für anders (im negativen Sinn) halten würden.


    Die Geschichte hat mich von Anfang an fasziniert, auch wenn ich nicht zur Zielgruppe gehöre. Kalumas Meinung schließe ich mich an:


    Fazit: Ein außergewöhnliches, wunderschön poetisches Buch für Kinder von 10-13 Jahren, das auch von Erwachsenen mit Gewinn gelesen werden kann...


    5ratten

    Being alone isn't something to endure - it's something to relish.