Siegfried Lenz - Landesbühne

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 4 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Hafermilch.

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    Siegfried Lenz[br]Landesbühne[br]Erstveröffentlichung: 2009[br]Verlag: Hoffmann und Campe[br]Gebunden[br]128 Seiten


    Inhalt (Verlagsangabe):


    Rätselhafte Dinge geschehen im Gefängnis Isenbüttel. Während einer Theateraufführung verlassen Häftlinge ungehindert das Gelände. Und kurz darauf feiert ein idyllisches Städtchen talentierte Schauspieler - die gar keine sind. Mit dem Hereinbrechen der Kunst und angetrieben von Gefühl, Leidenschaft und Phantasie entdeckt ein ganzes Gemeinwesen seine Möglichkeiten zu Größerem.


    Und niemand scheint Verdacht zu schöpfen. Oder sind alle - der Intendant der Landesbühne, der Gefängnisdirektor, der Bürgermeister und die Bürger von Grünau - Teil einer grandiosen Inszenierung? Die Ausreißer selbst scheinen keine Ahnung zu haben. Werden Sie zurückkehren in ihre Zellen?



    Meine Meinung:


    Viel mehr als in der obigen Inhaltsangabe des Verlags passiert in dem schmalen Bändchen gar nicht. Bei einer Aufführung des örtlichen Lokaltheaters (der „Landesbühne“) im Gefängnis Isenbüttel nutzen einige der Insassen die Gelegenheit, um in der Pause den Bus des Ensembles zu kapern und auszubüxen. Doch statt nach Dänemark zu flüchten – so der ursprüngliche Plan –, kommen sie nicht weit und stranden im nächstbesten Dorf, wo sie für die Schauspieler der Landesbühne gehalten werden. Begeistert von derart hohem Besuch, laden die Dorfbewohner die vermeintlichen Schauspieler zu ihrem Dorffest ein, das dort gerade stattfindet. Die Geflohenen, halb gebauchpinselt, halb überrumpelt, lassen sich überreden und nehmen am Fest teil, freunden sich sogar mit den Bewohnern an. Nur schauspielern, wie es von ihnen gewünscht wird, das wollen sie nicht so recht, aber gemeinsames Singen tut’s ja auch.


    Und wenn man schon so herzlich empfangen und bewirtet wird, denken sich die Geflohenen, dann kann man die gewährte Gastfreundschaft auch ruhig ein paar Tage länger in Anspruch nehmen. So werden sie nach und nach in die Dorfgemeinschaft eingegliedert und bringen das kulturelle Leben der Bewohner gehörig in Schwung, sie halten Vorträge, organisieren Fußballspiele und bauen sogar ein Heimatmuseum auf.


    Ich will hier nicht zu viel vorwegnehmen, aber natürlich bleibt das Ganze nicht auf Dauer unentdeckt, und natürlich fliegen unsere Helden irgendwann auf, und das Ende ist absehbar, ja es wird sogar ein wenig traurig und rührselig am Schluss.


    In seinem knappen, lakonischen Stil, den ich auch schon aus der „Schweigeminute“ kenne, schildert Lenz diese im Grunde aberwitzige und völlig unrealistische Geschichte um eine Handvoll Gefängnisausbrecher und ihre, nun ja, unterbrochene Flucht. Es ist eine Geschichte über eine kleine heile Welt innerhalb der Grenzen des Dorfes, in der unsere Helden endlich ernstgenommen werden, eine Aufgabe haben und sogar so etwas wie Verantwortung wahrnehmen, was sie so aus ihrem Gefängnisalltag möglicherweise nicht kennen. Und es ist letztlich ein Buch darüber, dass auch Menschen unterschiedlicher Herkunft und Bildung, die ungewollt und nur zufällig aufeinandertreffen, so etwas wie Freundschaft und Verbundenheit entwickeln können, ob nun innerhalb oder außerhalb von Gefängnismauern.


    Das Ganze ist ein großer sentimentaler Quatsch, aber schöner sentimentaler Quatsch. :smile:


    Von mir gibt’s 4ratten.

    Andere Orte im Internet erkundet und für uninteressant befunden.

    Einmal editiert, zuletzt von MacOss ()

  • Ich verspüre zwar jetzt kein großes Bedürfnis, das Buch zu lesen, weil Lenz mich schon mit seiner "Deutschstunde" nicht gerade sprachlich überzeugt hat, aber Dein Fazit gefällt mir:



    Das Ganze ist ein großer sentimentaler Quatsch, aber schöner sentimentaler Quatsch. :smile:


    :daumen:

    The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.

    E. L. Doctorow





  • In der Kritik ist das Buch ja nicht sonderlich gut weggekommen (ohne dass ich das nun Jahre später nochmal überprüfe). Aber solch ein Werk muss man dann zusammen mit allen anderen Romanen und Essays lesen, dann passt auch so ein Quatsch hinein.


    Gruß, Thomas

  • "Quatsch" hört sich vielleicht etwas despektierlich an, aber ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass Lenz hier eine Geschichte abgeliefert hat, die sich nicht unbedingt mit dem Attribut "realitätsnah" schmücken könnte. :zwinker: Und auch wenn sie nicht zu seinen besten zählen mag, fand ich sie recht unterhaltsam und kurzweilig. Ist ja auch nicht besonders umfangreich.

    Andere Orte im Internet erkundet und für uninteressant befunden.

  • Nach dem wunderbaren Buch "Fundbüro" und nach "Schweigeminute", das mich nicht überzeugen konnte, folgte nun "Landesbühne". Auch dieses Buch konnte mich auf weiten Strecken nicht so recht überzeugen. Die Flucht und auch der "Gefängnisurlaub" erscheinen mir recht unglaubwürdig und weit hergeholt, wenn es auch nett zu lesen ist. Allerdings nimmt die Geschichte auf den letzten Seiten eine Wendung, die mich dann doch sehr versöhnt und die mich sehr berührt hat.


    Wie McOss treffend geschrieben hat, es ist großer sentimentaler Quatsch, aber schöner sentimentaler Quatsch. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen ;-)


    3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

    Liebe Grüße

    Hafermilch


    Mein SUB

    Einmal editiert, zuletzt von Hafermilch ()