Hape Kerkeling - Der Junge muss an die frische Luft

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 5 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Valentine.

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    Autor: Hape Kerkeling


    Titel: Der Junge muss an die frische Luft


    Informationen: Hardcover Ausgabe, 311 Seiten, Piper Verlag 2014


    Klappentext:
    Mit „Ich bin dann mal weg“ hat der Millionen Leser inspiriert, persönliche Grenzen zu überschreiten. Jetzt spricht Hape Kerkeling über seine Kindheit: entwaffnend ehrlich, mit großem Humor und Ernsthaftigkeit. Über die frühen Jahre im Ruhrgebiet, Bonanza-Spiele, Gurkenschnittchen und den ersten Farbfernseher; das Auf und Ab einer dreißigjährigen, turbulenten Karriere – und darüber, warum es manchmal ein Glück ist, sich hinter Schnauzbart und Herrenhandtasche verstecken zu können. Über berührende Begegnungen und Verluste, Lebensmut und die Energie, immer wieder aufzustehen.


    Informationen über den Autoren:
    Hape Kerkeling – eigentlich Hans-Peter Kerkeling wurde am 09.12.1964 in Recklinghausen geboren. Er ist Komiker, Moderator, Schauspieler, Sänger und Synchronsprecher. Bekannt wurde er mit seiner Verkleidung als Königin Beatrix und seiner Parodie „Hurz“. Sein Film „Kein Pardon“ erreicht unter Fans Kultstatus. Im Jahr 2006 erschien sein Buch „Ich bin dann mal weg“ über seine Zeit als Pilger auf dem Jakobsweg.


    Inhalt und eigene Meinung:
    Als langjähriger Hape Fan und Kind des Ruhrgebietes war dieses Buch ein MUSS für mich – ein Buch, das meine Erwartungen weit übertroffen hat. Erwartete ich doch ein nettes, unterhaltsames, aber doch etwas oberflächliches Buch eines Komikers über seine Kindheit im Ruhrgebiet– bekam ich statt dessen ein Buch über einen Menschen, der mich tief beeindruckt. Aufgewachsen mit einem kriegstraumatisiertem Vater, der kaum zu Hause war und einer schwer depressiven Mutter, die sich in seinem achten Lebensjahr suizidiert - schafft Hape Kerkeling es vom Klischee des Komiker-geworden-um-seine-depressive-Mutter-zu-erheitern abzurücken und seine Kindheit und Jugend in einen größeren, familiären Rahmen zu stellen. Seine Verbundenheit mit seinen Großeltern und seiner Lieblingstante sind dabei genau so wichtige Bestandteile, wie die Trauer um seine Mutter.
    Entgegen der Ankündigung auf dem Klappentext, dass das „Auf und Ab einer dreißigjährigen, turbulenten Karriere“ beschrieben wird, wird diese nur am Rande erwähnt – der eigentliche Fokus bleibt auf den Schilderungen seiner Kindheit und Jugend. Und natürlich geht es nicht nur traurig und nachdenklich zu, sondern Hape Kerkelings Humor und seine spezielle Art der Situationskomik blitzt immer wieder hervor, ohne Aufdringlich zu wirken – literarisch ist dies bestimmt kein Meisterwerk, aber Spaß macht es bestimmt.
    Ein Muss für alle Hape Kerkeling Fans und bestimmt sehr interessant für alle, die sich mal mit ihm auseinander setzen wollen. 5ratten

  • Ich habe zwar erst 1/4 des Buchs gelesen. Bisher kann ich sagen, dass es sich sehr flüßig lesen lässt. Hape Kerkeling hat mich bisher mehr als einmal zum Schmunzeln gebracht. Ich wäre zu gern im Laden seiner Großmutter dabei gewesen, nur um zu schauen, wie klein Hape die Kundschaft unterhält. Schon früh wurde ihm das Talent, andere unterhalten zu können, in die Wiege gelegt. Berührend fand ich aber auch das Kapitell, in der Hape in die Rolle des Horst Schlemmer schlüpft, um ein schwerkrankes Mädchen glücklich zu machen. Es ist ein sehr bewegendes Buch, das immer mit einem Augenzwinkern erzählt wird.

  • Die mediale Person Hape Kerkeling (und auch die meisten seiner Kunstfiguren) mag ich sehr gerne und die Privatperson hinter all dem Rummel hat mich ... spätestens seit "Ich bin dann mal weg" irgendwie fasziniert. Ohne dass ich genau sagen könnte, warum eigentlich.


    Bei "Der Junge muss an die frische Luft" habe ich mich für die Hörbuchversion entschieden und diesen Entschluss absolut nicht bereut! Es war so was von herrlich seiner Stimme zu lauschen. Nicht nur dann, wenn zum Beispiel Horst Schlämmer zu Wort kam :zwinker:


    Nein, seine ganz besondere Art des Vorlesens hat mich wirklich glauben lassen, dass er nur und ausschließlich zu mir persönlich spricht. Tolles Futter fürs Kopfkino also.


    Er gewährt dem Hörer / Leser wirklich einen sehr tiefen und persönlichen Einblick in seine Kindheit und Jugend. Was ich sehr mutig finde, gerade was das öffentliche Thematisieren der Depressionen und des Freitods seiner Mutter anbelangt.


    Mich hat seine Geschichte sehr bewegt und berührt. Mehrmals musste ich beim Hören ... mit Knopf im Ohr, für mein Umfeld völlig unvorbereitet also ... lauthals loslachen, aber mindestens ebenso oft sind mir auch die Tränen gekommen.


    Man kann sehr deutlich spüren, dass er mit dem Schreiben des Buches auch ein Stück weit seine dramatischen und ihn prägenden Erlebnisse verarbeitet hat. Ganz am Ende erwähnt er dies ja auch. Und ich bin fast geneigt zu sagen: Vielen Dank fürs teilhaben lassen an diesem (fast schon) Seelenstriptease!


    5ratten

    Liebe Grüße, <br />Maria

    Einmal editiert, zuletzt von Finchen ()

  • Hans-Peter Kerkeling wächst in den 60er Jahren recht behütet im Ruhrpott auf, seine frühe Kindheit ist durch die erweiterte Familie geprägt, vor allem die resolute Großmutter mütterlicherseits, die sich von niemand etwas vorschreiben lässt und nicht nur den Wunsch des Jungen, zu Karneval als Prinzessin verkleidet zu gehen, zum Entsetzen anderer Familienmitglieder als ganz selbstverständlich hinnimmt, sondern ihm ein stilvolles Kostüm zaubert. Generell glänzt der Kleine schon früh durch treffenden Witz und komisches Talent und fühlt sich geborgen zwischen der Schlager trällernden Mutter, dem kleinen Lebensmittelladen der Oma und den Spielkameraden aus der Nachbarschaft.


    Doch seine Kindheit findet ein jähes Ende, als er zuerst die geliebte Oma an eine Krebserkrankung verliert und dann seine Mutter nach einer misslungenen Operation depressiv wird und sich schließlich das Leben nimmt. Mit dem traumatisierten Kind wissen nur sehr wenige Menschen angemessen umzugehen. Umso beeindruckender, dass er schon als junger Mann mit viel Humor und Herz zum TV-Star wird.


    Hape Kerkeling erzählt seine teils urkomische, teils aber auch höchst traurige und tragische Kindheitsgeschichte in einem freimütigen Plauderton, der die Seiten nur so dahinfliegen lässt. Er rührt an Erinnerungen, über die er lange Jahre mit niemandem gesprochen hat, und scheint sich einiges von der Seele zu schreiben - nicht nur, was die Geschehnisse an sich angeht, sondern auch einiges an Wut und Enttäuschung in Bezug auf sein damaliges Umfeld und die gesellschaftlichen und religiösen Zwänge, die damals herrschten.


    Dieser Blick hinter die Maske des Mannes, den man hauptsächlich in schrägen Verkleidungen kennt, hat mich sehr berührt und auch beeindruckt.


    4ratten

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Das Buch habe ich zwar nicht gelesen, dafür war ich vor etwa zwei Wochen in der Verfilmung, die gerade im Kino läuft. Eine absolute Empfehlung, es waren viele witzige, aber auch ergreifende Szenen dabei. Der Darsteller von Hape, Julius Weckauf, ist absolut genial!

  • Den Film würde ich auch gerne noch sehen. Ich habe neulich mal ein sehr sympathisches Interview mit Julius gelesen, in dem er erzählt hat, dass er sich von seiner Gage ein Gewächshaus gekauft hat und jetzt erfolgreich Gemüse anbaut. Cooles Kind.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)