Charlotte Lyne - Kinder des Meeres

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    Charlotte Lyne - Kinder des Meeres


    Klappentext:


    England 1509. Die Werftkinder Fenella, Anthony und Sylvester wachsen gemeinsam in Portsmouth auf. Jahre später wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt, als die Männer erkennen, dass sie beide Fenella innig lieben. Die Ereignisse spitzen sich zu, als die Franzosen den Hafen angreifen. Sowohl Anthony als auch Sylvester befinden sich an Bord der Mary Rose, des Lieblingsschiffes von Heinrich VIII. Es wird in dieser Schlacht untergehen, zusammen mit 700 Menschen – und Fenella kann nur einen retten: Anthony oder Sylvester …
    [hr]


    Am 21. November startet eine autorenbegleitete Leserunde zu diesem Buch - weitere Mitleser immer herzlich willkommen :winken:

    LG, Dani


    **kein Forums-Support per PN - bei Fragen/Problemen bitte im Hilfebereich melden**

  • Meine Meinung zum Buch:

    Titel: Eine Freundschaft, die alles aushält


    Ich habe von Charlotte Lyne (die auch unter anderem Pseudonym schreibt) bereits mehrere historische Romane gelesen und war daher besonders gespannt auf diesen neuen Roman, dessen Cover mich bereits verzaubert hat.


    Dieses Mal entführt uns die Autorin nach England um 1509. Hier lernen wir die Werftkinder Sylvester, Anthony und Fenella kennen. Beide Jungen verlieben sich in die hübsche Fenella, aber dennoch bleibt ihre Freundschaft bestehen. In den schwierigen Zeiten hat jeder sein Päckchen zu tragen, besonders Anthony, der immer wieder in Schwierigkeiten gerät. Werden seine Freunde ihm helfen können?


    "Kinder des Meeres" war für mich einfach ein zauberhaftes Buch, das mich in eine andere Welt und eine andere Zeit hat reisen lassen.


    Die Hauptcharaktere sind unheimlich gut gezeichnet. Selbst wenn man einen davon weniger mag, so kann man dessen Handeln dennoch nachvollziehen und sich in die Person hinein fühlen. Mein Lieblingscharakter war ganz klar Sylvester, der immer für die anderen da war und sich selbst stets zurück genommen hat. So etwas bewundere ich. Ansonsten wissen auch die zahlreichen Nebencharaktere zu überzeugen.


    Der Roman strotzt nur so vor Lügen und Intrigen, Machtränkel, Liebe und Herzschmerz, es ist einfach von allem etwas dabei.


    Mich hat der Roman jedenfalls immer wieder aufgewühlt, so dass ich auch das ein oder andere Tränchen verdrücken musste.


    Auch wenn das Buch sehr seitenstark ist, so kam doch nie Langeweile auf und ich war ungemein traurig, als es aus war und ich die lieb gewonnenen Protagonisten ziehen lassen musste.


    Fazit: Für mich ein Lesehighlight in diesem Jahr. Ungemein spannend, lehrreich und bewegend, weshalb ich nur meine absolute Leseempfehlung aussprechen kann.


    Bewertung: 5ratten und :tipp:

    &WCF_AMPERSAND"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende&WCF_AMPERSAND" (H.M. Enzensberger)

  • Anfang des 16. Jahrhunderts wachsen die Kinder Fenella, Anthony und Sylvester gemeinsam in Portsmouth auf. Ihre Geschichte beginnt mit dem Stapellauf der Mary Rose, ein Kriegsschiff, dass nach der Schwester König Henry VIII benannt ist. Die Kinder sind Freunde und als Werftkinder stehen sie zueinander. Sie halten zusammen egal, was geschieht. Denn ein schwerer Schicksalsschlag steht am Anfang dieser Geschichte. Auch die Liebe kann sie nicht trennen. Ihrer dreier Schicksal ist unwiderruflich miteinander verknüpft.


    Der Erzählstil von Charlotte Lyne ist bildhaft, facettenreich und dabei einfach nur schön zu lesen. Die Geschichte von Fenella und ihren Freunden ist nicht immer einfach oder unkompliziert, im Gegenteil, sie ist verzwickt und erzählt von Freundschaft, Liebe und Verrat. Aber genauso oft auch von Hoffnung und Zuversicht. Eingebettet ist das Leben dieser Drei in der Zeit des 16. Jahrhunderts. Henry der VIII regiert mit strenger Hand. So erfährt der Leser auch, wie dieser König lebte und regierte. Einen besonderen Platz in der Geschichte der Werftkinder Kinder hat dabei die Königin Anne Boleyn eingenommen. Mir haben diese Szenen besonders gut gefallen. Die Autorin schildert hier nicht nur das Leben der Menschen, sondern vor allem von der Freundschaft zueinander. Diese Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt, und immer wenn man denkt, jetzt versteht man das Handeln der einzelnen Personen, gibt es eine unvorhergesehene Wendung. Diese Wechsel sorgen dafür, dass die Geschichte spannend bleibt. Die einzelnen Handlungsstränge der Protagonisten sind aufgeteilt und Titel über dem jeweiligen Kapitel sorgen dafür, dass der Leser immer weiß, bei wem er gerade ist.


    Die Protagonisten zu beschreiben ist nicht ganz einfach. Die Autorin hat es wunderbar verstanden sie so zu zeichnen und sie wachsen zu lassen, dass das Bild erst nach dem Lesen der letzten Seite vollständig zu sein scheint. Hat man sich erst mal darauf eingelassen den Weg mit Fenella, Anthony und Sylvester gemeinsam zu gehen, gibt es kein zurück. Man ist automatisch immer bei ihnen, leidet mit ihnen und liebt auch mit ihnen.


    „Kinder des Meeres“ ist wieder ein wunderbarer, historischer Roman aus der Feder von Charlotte Lyne. Er ist nicht immer einfach zu lesen, dafür ist ihr Erzählstil einfach zu speziell, aber jede Seite ist ein Lesegenuss. Die gute Recherchearbeit ist in jedem Kapitel deutlich zu spüren und so gibt es nebenbei noch ein paar Einblicke in die Zeit von Henry VIII. Mir hat es wieder sehr gut gefallen, wie ich es auch nicht anders erwartet hatte.


    5ratten :tipp:

  • Portsmouth, 1509. Der Stapellauf der "Mary Rose" steht bevor, des neuen Schiffes von König Henry VIII. Drei Kinder fiebern auf diesen besonderen Tag hin. Schon von kleinauf sind Anthony, Sylvester und Fenella unzertrennlich. Anthony hat ein verkrüppeltes Bein und wird daher in der Stadt von vielen schief angesehen, werden doch Behinderungen damals eine Strafe Gottes gedeutet, auch seine eigenen Eltern bevorzugen seinen Bruder. Doch für seine Freunde hat dies keinen Einfluss auf ihre Beziehung. Und auch, als an diesem besonderen Tag etwas Schreckliches geschieht, stehen sie unverbrüchlich weiter zu ihrem Freund. Die drei Werftkinder wachsen heran und bleiben eng verbunden. Zwischen Anthony und Fenella entwickelt sich eine tiefe Liebe, die aber immer wieder auf eine harte Probe gestellt wird. Anthony ist kein einfacher Charakter und ihn zu lieben ist nicht immer leicht. Mehr als einmal hätte ich Fenella gut verstanden, wenn sie gesagt hätte, es reicht. Aber sie liebt ihren Anthony und er sie. Sylvester ist zwar ebenfalls in Fenella verliebt, aber niemals würde er seinem Freund die Frau ausspannen, er ist immer für die beiden da und so der ruhende Pol, der Ankerpunkt in dieser sonderbaren Dreiecksfreundschaft.


    Parallel zur Geschichte der drei Freunde erzählt die Autorin die bekannte Geschichte Henry VIII. Sein Leben und seine diversen Ehen wurden schon so oft beleuchtet und beschrieben, dennoch gelingt der Autorin ihre ganz eigene Sicht auf die Dinge. Insbesondere Anne Boleyn gibt sie in ihrem Buch eine besondere Rolle und verknüpft sie mit dem Schicksal der drei Freunde. Auch die Geschichte der "Mary Rose", dieses für die Engländer so besondere Schiff, zieht sich durch die Handlung und wir kommen immer wieder auf sie zurück.


    Es ist kein ganz einfacher Stoff, die Handlungen und Gefühle der Figuren sind stark und teilweise extrem, für mich nicht immer ganz nachvollziehbar, aber dennoch faszinierend. Immer wieder habe ich mich während der Lektüre gefragt, ob so eine Freundschaft ein Segen ist oder doch eher ein Fluch? Vielleicht ist es beides.


    In jedem Fall war die Lektüre unglaublich fesselnd und faszinierend. Ich habe einen neuen Blickwinkel auf König Henry eröffnet bekommen und durfte Zeugin einer ganz besonderen Freundschaft werfen.


    Wunderschön finde ich auch immer bei Charlotte Lyne die Darstellung der Nebenfiguren, von denen sich einige einfach klammheimlich ins Herz des Lesers schleichen und sich dort festsetzen.
    Natürlich gibt es auch Figuren, die man nicht mag, aber auch diese sind so interessant charakterisiert, dass man sie nicht einfach als die "Bösen" abtun kann.


    Der Schreibstil der Autorin begeistert mich immer wieder. Ich habe vor einigen Jahren "Glencoe" als erstes Buch von ihr gelesen und habe mich damals noch mit ihrem Stil schwergetan, aber inzwischen lese ich ihre Bücher unglaublich gerne und lasse mich einfach in ihre besondere Art, besondere Geschichten zu erzählen, hineinziehen und faszinieren.


    4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

    LG, Dani


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  • Es ist die Zeit Henry VIII. und es ist eine Zeit des Umbruchs. Henrys Regentschaft hat große Bedeutung für die englische Kirche.
    Genau in dieser Zeit leben die Werftkinder Sylvester, Fenella und Anthony in Portsmouth. Sie haben ein sehr enges Verhältnis. Wie Geschwister? Wie Freunde? Es ist viel mehr. Jeder von ihnen kann ohne die anderen nicht leben.
    Der Außenseiter Anthony hat ein verkrüppeltes Bein, daher wird er von den Bewohnern Portsmouth als Teufel angesehen. Aus ihm wird ein genialen Schiffsbauer. Fenella steht immer zu ihm, liebt ihn bedingungslos, muss aber auf vieles verzichten, denn das Schiff Mary Rose hat Anthonys ganze Aufmerksamkeit. Sylvester ist immer da, wenn Anthony und Fenella ihn brauchen. Er ist ein sehr liebenswerter Mensch und führt zusammen mit seinem Vater ein Haus, in dem viele Bedürftige ein zu Hause finden.
    Henry VIII. sehnt sich nach einem Thronfolger, aber er hat mit seinen Frauen kein Glück. Aus seiner Ehe mit Katharina überlebt nur ein Mädchen und auch Anne Boleyn kann ihm nur eine lebensfähige Tochter schenken. Doch er braucht einen Thronfolger und sein Zweifel warum das nicht glückt, machen ihn oft unberechenbar, wie auch die Werftkinder feststellen müssen.
    Die historischen Ereignisse sind gut recherchiert und man frischt sein Wissen nicht nur auf, sondern erfährt ganz nebenbei noch so viel Neues. Der Schreibstil ist einfach wundervoll – poetisch und fesselnd. Wenn Anthony und Fenella sich unterhalten, konnte man wegschmelzen. Aber auch Tantchen Micaela hat eine sehr bildhafte Ausdrucksweise, die einfach wunderschön ist.
    Das Buch über Freundschaft und grenzenlose Liebe ist dramatisch und spannend, romantisch und wundervoll. Ich fühlte mich förmlich in die Geschichte hineingezogen. Die Charaktere sind vielschichtig und authentisch beschrieben. Selbst für die Bösen entwickelt man mit der Zeit ein gewisses Mitgefühl und Verständnis, wenn auch die Sympathie natürlich in erster Linie den Werftkindern zufliegt. Auch Anne Boleyn zeigt sich als eine sympathische und mitfühlende Frau, mit der es das Schicksal aber nicht gut meint. Für Henry kann man ebenfalls Mitgefühl haben, obwohl er oft ungerecht war und manch einer aufgrund seiner Entscheidung zu Tode kam. Die Erwartungen an ihn waren so groß, dass e auch ihm nicht möglich war, alle zu erfüllen.
    Ich fand dieses Buch einfach wundervoll und kann es nur empfehlen!




    5ratten

  • Die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft


    Charlotte Lyne schreibt so einzigartig und speziell, dass ich schon nach wenigen Sätzen wusste, dass ich ein „Charlie-Buch“ lese. Ich durfte wieder viele schöne Sätze genießen und habe mich treiben lassen auf den Wogen dieser unnachahmlichen Sprache. Sie erzählt die Geschichte einer bedingungslosen Freundschaft zwischen drei Menschen, die verschiedener nicht sein könnten. Fenella, die „nur“ ein Mädchen und somit nichts wert ist, bekommt die Anerkennung, die sie braucht, von Anthony und Sylvester. Sylvester ist der „Gute“ in der Geschichte, der Strahlende, der so unendlich viel Liebe in sich trägt. Anthony ist der Exot mit autistischen Zügen.


    Ich begleite die drei Werftkinder, die zur Zeit von Henry VIII aufwachsen, insgesamt 33 Jahre, erlebe Höhen und Tiefen, Harmonie und Konflikte und sehr dramatische Szenen. Mein Lieblingskönig hat ein paar kurze „Auftritte“, die für mich kleine Highlights waren und auch Anne Boleyn, die Charlotte Lyne so beschreibt: „Sie war auf eine gewaltsame, nicht leicht erträgliche Art schön“ (S. 237), hat ihren Platz in der Geschichte. Die heimliche Hauptrolle spielt die Mary Rose.


    Das Buch besteht aus fünf Teilen. Die einzelnen Kapitel sind unterschiedlichen Personen gewidmet und werden jeweils aus deren Sicht erzählt. Das hat mir sehr gut gefallen. So konnte ich das Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.


    Charlotte Lyne mutet ihren drei Werftkindern einiges zu, sie lässt sie leiden und lieben. Manche Stellen waren so wunderschön beschrieben, dass ich beim Lesen inne halten musste, um sie zu genießen. Von manchen Szenen ging ein Zauber aus, der mich ganz andächtig gemacht hat.


    Leider macht die Geschichte im letzten Drittel eine Wendung, die mir persönlich nicht gefallen hat. Ich habe mich an der schönen Sprache weiterhin erfreut, mich aber auch über das Verhalten der Werftkinder mehr als gewundert. Da war zu viel Gefühlsduselei, die ich nicht so mag. Auch kam mir der historische Hintergrund ein wenig zu kurz. Im Vordergrund stehen die Probleme, die so eine innige Freundschaft zwischen drei Menschenkindern nun mal mit sich bringt.


    Und so habe ich das Buch mit etwas gemischten Gefühlen beendet. Ich liebe es für seine wunderschöne und intensive Sprache. Aber die Geschichte konnte mich leider nicht hundertprozentig überzeugen.


    4ratten

  • Sie hieß Mary Rose und war sein Schiff
    Er hielt ihr die Treue was keiner begriff
    Es gab so viele Schiffe so schön und groß
    Die Mary Rose aber ließ ihn nicht los


    Das ist jetzt zugegebenermaßen bei Freddy Quinn geklaut und auch noch ein wenig abgewandelt - aber es ist so passend! Auch wenn es (noch) nicht so scheint, zeigt Charlotte Lyne in diesem Renaissance-Roman ein großes Herz für Frauen- sie stehen zwar vordergründig in der zweiten Reihe, sind aber bei allem die treibende Kraft. Allen voran die stolze Mary Rose!


    Es geht nämlich um jahrzehntelange Freundschaften, um ebensolche Leidenschaften. Der, dem die treuesten Freundschaften und die feurigsten Leidenschaften gelten, das ist Anthony, ein dunkler, verkrüppelter, unwirscher Kerl, der nicht nur ein Päckchen zu tragen hat und wunderbar Schiffe bauen kann - da ist es kaum verwunderlich, dass seine große Leidenschaft von Kindesbeinen an der Mary Rose, dem riesigen Renaissance-Schiff des Tudor-Königs Henry 8. gilt. Er hat wegen ihr Schlimmstes durch- und überstanden, aber das tut seiner Leidenschaft keinen Abbruch - und alle anderen, die ihm und denen vor allem er etwas bedeutet, müssen sich danach richten. Das ist vor allem sein Fenchel, seine Liebste Fenella. Von Kind an sind sie füreinander bestimmt, bilden ein Dreigestirn zusammen mit dem schönen, immer freundlichen und liebenswerten Sylvester - auch er ein Mann voller Liebe und Leidenschaft. Doch im Vergleich zu Anthony - und damit auch im Vergleich zur Mary Rose - müssen sich alle hintan stellen, vor allem die so unterschiedlichen und kraftvollen Frauen, die diesen Roman bevölkern - und auf ihre Weise tragen, ohne sich jemals allzusehr in den Vordergrund zu rücken.


    Das alles eingebettet in die Zeit des großen Tudorkönigs Heinrich 8., dem eine durchaus tragende Rolle zukommt, auch seine sechs Frauen bleiben dem Leser nicht vorenthalten, wobei Anne Boleyn am meisten in die Handlung eingreift und diese entscheidend prägt.


    Wie immer hat die Autorin hervorragend recherchiert und sich der Zeit, über die sie schreibt, gefügt. Ein solches Gespür für Geschichte und den jeweiligen Geist der Zeit haben nicht viele Autoren. So erwartet den Leser ein opulenter, farbenstarker Renaissance-Roman - üppig in jeder Hinsicht, doch nie überladen. Auch wenn der Leser es manchmal gern anders hätte und vor allem den Sympathieträgern Fenella und Sylvester mehr Freude und Erfüllung im Leben wünschen würde, weil das aus seiner Sicht einfach gerechter wäre, passt hier jedes Wort! Ein wahrhaft saftiger Roman von Charlotte Lyne und das im besten Sinne des Wortes!


    5ratten

  • Mit „Kinder des Meeres“ hat Charlotte Lyne ein historisches Buch geschrieben, welches im 16. Jahrhundert spielt. Der rote Faden ist eigentlich ein Schiff – die Mary Rose – welche sich durch die Handlung hindurch zieht und diese nicht unwesentlich bestimmt.


    Inhaltsangabe (Quellenangabe: Klappentext):
    Von den Stürmen der See und den Stürmen des Lebens
    England 1509. Die Werftkinder Fenella, Anthony und Sylvester wachsen gemeinsam in Portsmouth auf. Es ist die Zeit der Regentschaft Henrys VIII, eine Zeit des Umbruches und der großen Hoffnungen. Während Sylvester in den Verheißungen der neuen Zeit aufblüht, gerät der hochbegabte Anthony immer wieder in Schwierigkeiten. Freunde bleiben sie dennoch – bis ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt wird, weil sie erkennen, dass sie beide Fenella innig lieben. Die Ereignisse spitzen sich zu, als die Franzosen den Hafen angreifen. Anthony und Sylvester befinden sich beide an Bord der Mary Rose, des Lieblingsschiffes des Königs. Es wird in dieser Schlacht untergehen, zusammen mit 700 Menschen…


    Zuerst möchte ich auf das Cover eingehen. Ich persönlich hätte dieses besser gefunden, wenn due abgebildete Frau weggelassen wurden wäre. Das Schiff auf der rauen See finde ich viel passender. Auch die inneren Klappenseiten des Buches passen sehr gut zum Inhalt des Buches – auch hier ist die stürmische See abgebildet.
    Ich finde auch, dass der Klappentext zu viel vom Inhalt verrät bzw. zu viel vorweg nimmt.
    Der Schreibstil von Charlotte Lyne hat einen gewissen melodiösen Klang. Er ist unverwechselbar und nach einer kleinen Eingewöhnungsphase habe ich diesen als sehr angenehm empfunden. Ich habe dabei jeden Satz genossen der Schreibstil hat eine ganz besondere eigene Melodie. Die Dialoge sind sehr ideenreich und ansprechend, sodass man diese gerne verfolgt. Besonders habe ich auch die Dialoge zwischen Sylvester und Anne Boleyn genossen.
    Wie bereits erwähnt, zieht sich das Schiff Mary Rose wie ein roter Faden durch das Buch. Es hat eine zentrale Bedeutung und ist oftmals mit einem schicksalshaften Ereignis für die drei Werftkinder Anthony, Sylvester und Fenella verbunden. In „Kinder des Meeres“ lernt man auch ein paar interessante Details über die Kunst des Schiffsbaus im 16. Jahrhundert.
    Der historische Roman berichtet aus dem Leben der fiktionalen Charaktere Anthony, Fenella und Sylvester. Schnell erkennt man, dass diese drei Personen eine ganz besondere enge Verbundenheit ausmacht. Sie durchstehen und bewältigen oftmals schwierige Zeiten und halten dabei zusammen. Sie stehen für den anderen ein. Besonders Anthony mit seiner Hochbegabung für den Schiffsbau ist ein komplizierter Charakter. Als Leser muss man ihn erst kennen lernen, um ihn besser verstehen zu können. Nicht selten habe ich mich gefragt, ob er eigentlich ahnt, was er mit seinem Handeln seinen Freunden Sylvester und Fenella alles zufügt – welche Lasten er den beiden aufbürdet. Sylvester ist der Optimist der drei Charaktere, er ist wie ein heller Schein am Firmament. Er ist wichtig für den Zusammenhalt dieser Freundschaft. Auch ist er ein Verfechter der damals aufblühenden Reformation. Ich fand den Vergleich dieser außergewöhnlichen Freundschaft mit der König-Artus- Legende sehr passend. Auch sind die Charaktere sehr realistisch gehalten. Sie haben ihre Ecken und Kanten. Nicht immer lassen sich ihre Beweggründe sofort nachvollziehen. Auch müssen sie für ihre Fehler gerade stehen und werden dafür nicht immer milde bestraft. Man leidet mit den Charakteren mit und bangt mit ihnen, ob sie die Blessuren ohne große Folgen überstehen werden.
    Charlotte Lyne lässt in „Kinder des Meeres“ auch einige historische Persönlichkeiten einfließen, die in der Geschichte der damaligen Zeit eine zentrale Rolle gespielt haben. Besonders interessant fand ich hierbei die Darstellung von Anne Boleyn. Sie wurde intelligent und herzensgut dargestellt. Ihre Dialoge mit anderen Persönlichkeiten fand ich immer sehr anregend. Auch Henry VIII ist gut dargestellt wurden. Man merkt, wie er Schiffe liebt – wie er die Flotte verstärkt und sich für den Schiffsbau interessiert. Auch ist seine Sehnsucht, einen männlichen Thronfolger zu zeugen, sehr gut spürbar. Auch die Folgen für das Volk sind greifbar. Charlotte Lyne schafft es in „Kinder des Meeres“ die Fakten gekonnt mit der Fiktion zu verweben, sodass eine spannende und interessante Geschichte entsteht, die neben Freundschaft und Liebe bzw. dessen Grenzen auch vom Schiffsbau handelt. Diese Geschichte wird mit realistischen und liebenswürdigen Charakteren gefüllt. Sodass dieser historische Roman aus der teils grauen Masse an historischen Büchern herausragt. Die Welt des Umdenkens ist sehr gut dargestellt wurden, man bekommt einen guten Einblick in die Anfänge der Reformation in England und in die Welt des Renaissance-Menschen.
    Für dieses außergewöhnliche Buch möchte ich 4,5 Sterne vergeben.