Maria Braig - Nennen wir sie Eugenie

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 3 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kritty.

  • Da ich mich bei der Einordnung des Buches ein bisschen schwer tue, stelle ich meine Bewertung hier ein. Sollte das jemand anders sehen, darf der Thread aber auch gerne verschoben werden :zwinker:



    Maria Braig - Nennen wir sie Eugenie


    Verlag: Verlag 3.0
    Erstausgabe (D): 2014
    Seiten: 133
    Ausgabe: Taschenbuch


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    Klappentext:


    Dieser Roman beruht auf einer wahren Geschichte: Eine junge Frau aus dem Senegal flieht aus ihrer Heimat, weil ihre Liebe zu einer anderen Frau nicht geduldet wird und sie mit einem Mann zwangsverheiratet werden soll. Sie flieht nach Deutschland, wo sie Schutz und Hilfe erhofft und um Asyl bittet. Sie gerät in die Mühlen des Asylverfahrens: Anhörung, Unterbringung in einer heruntergekommenen Sammelunterkunft, Residenzpflicht, schlechte Lebensbedingungen aufgrund des Asylbewerberleistungsgesetzes. Sie lernt andere Flüchtlingsschicksale kennen und durchlebt alle Facetten menschlicher Gefühle in einer Welt, die ihr zugleich Freiheit verspricht und Ausgrenzung vorlebt. Als sie schließlich abgeschoben werden soll, muss sie eine ganz eigene Entscheidung treffen.


    [hr]


    Meine Meinung:


    Der Roman basiert lose auf einer wahren Geschichte, schon im Vorwort macht die Autorin jedoch deutlich, dass Fakten übertragen und vermischt wurden. Das relativ schlicht gehaltene Cover täuscht vielleicht ein wenig eine Biografie vor, um die es sich jedoch nicht handelt.


    In einem gut lesbaren Schreibstil (der ab und zu ein paar Absätze mehr vertragen könnte) schildert die Autorin die Geschichte einer jungen Frau namens Eugenie aus dem Senegal, die aufgrund ihrer Liebe zu einer anderen Frau aus ihrem Land fliehen muss und in Deutschland Asyl beantragt.


    Knapp die Hälfte des Buches beschäftigt sich mit dem „Vorher“, also der Zeit, bevor Eugenie nach Deutschland kommt. Ihre Beziehung zu ihrer Freundin, die drohende Verheiratung durch ihre Familie, der Hass der ihr auf einmal entgegenschlägt – bis hin zur Flucht aus dem Senegal.
    Das hat mir sehr gut gefallen, da ich diesen Teil genauso interessant finde wie das „Danach“ und da man so die Hauptfigur mit ihren Gefühlen und Hoffnungen kennenlernen konnte.
    Ich war schockiert, wie schnell sich auf einmal alle Freunde, Verwandte und Bekannte von Eugenie abgewandt haben, nachdem ihre Homosexualität bekannt wurde. So etwas wünscht man wirklich niemandem und dennoch passiert es immer wieder – und das nicht nur im Senegal.


    Auf das „Danach“ war ich sehr gespannt, da ich mich bisher kaum näher mit der Situation von Asylbewerbern in Deutschland beschäftigt hatte. Deshalb hätte ich mir gewünscht, dass der Anfang im Aufnahmelager etwas genauer geschildert worden wäre (Zitat S. 57: „aber der Nebel blieb über dieser Zeitspanne hängen.“).
    Der Alltag und die schlechten Lebensbedingungen in der Flüchtlingsunterkunft, einer alten Kaserne, werden sehr anschaulich dargestellt. Obwohl man oft denkt, „besonders willkommen schien sie den Deutschen nicht zu sein“ (S. 63), gibt es dennoch auch sympathische deutsche Helfer. Die Kritik in dem Buch richtet sich eher gegen die Asylpolitik insgesamt, die zur Verfügung gestellten Unterkünfte, die Einschränkungen mit denen die Flüchtlinge leben müssen etc. und lässt mich als Leser mit einer Mischung aus Verständnis für die deutschen Behörden (wohin mit den ganzen Asylbewerbern?) und Scham (wieso lassen wir Menschen in solchen Zuständen leben?) zurück.


    Man lernt außerdem eine handvoll anderer Flüchtlinge und deren Schicksale kurz kennen.


    Unterbrochen wird die Handlung ab und zu durch informative Hinweiskästchen mit Fakten zum Thema.


    Das Buch könnte auch als Schullektüre gut geeignet sein und ist aufgrund seiner aktuellen Thematik empfehlenswert für alle, die sich für Menschenrechte und Asylbewerber interessieren.


    Alles in allem gut zu lesen, mit einem kleinen Abzug, da das Buch aufgrund seiner Länge von nur 133 Seiten nicht sehr in die Tiefe geht:
    4ratten

  • Ich schreibe dann mal meine dazu.


    Nennen wir sie Eugenie


    Ein schmales Bändchen ist dieses Buch, mit dem Gesicht einer jungen sehr traurigen Frau. In der oberen Hälfte. Das Cover ist in den Erdfarben gehalten und wirkt so sehr ruhig. In der unteren Hälfte ist kaum erkennbar, wie mit Sand geschrieben zu lesen „ASYL FLUCHT“ und das Zeichen für eine lesbische Beziehung. Hier sieht der Leser also sofort, worum es in diesem Buch geht.
    Ich hoffe, dass gerade deshalb viele zu diesem Buch greifen. Für uns ist vieles nicht nachvollziehbar. Sin den letzten Jahren hat sich die Stellung homosexueller in der Gesellschaft schon ziemlich normalisiert. Natürlich gibt es noch Stimmen, die meinen, Homosexualität sei eine Krankheit, aber die dürften ziemlich isoliert sein. Es ist eine Sache zu wissen, dass dies in anderen Ländern noch nicht so ist, aber es nachzuvollziehen fällt schwer. Oft denken wir auch nicht daran, besonders nicht, wenn wir eben nicht wirklich mit den Problemen dieser Menschengruppe zu tun haben und sie vielleicht nur im Freundeskreis kennenlernen, oder ganz abstrakt nur bei Diskussionen um die Möglichkeit der Eheschließung mal mit der Nase auf die Probleme gestoßen werden.
    Maria Braig hat ein Schicksal herausgesucht und es ist packend geschrieben. „Nennen wir sie Eugenie", weist schon daraufhin, dass dieses Schicksal stellvertretend für viele steht. Der Leser lernt die junge Senegalesin kennen, die ein schönes und behütetes Leben führt, solange sie es geheim halten kann, dass sie eine Frau liebt. Aber im Senegal sind die Sitten noch anders, eine Frau ist dort bei aller Liebe auch eine Ware. Sie gut zu verheiraten ein wichtiges Mittel, die Familie zu versorgen. Und dann geschieht das, was wir und wohl nicht vorstellen können. Das ganze Leben wird auf den Kopf gestellt. Plötzlich ist sie nicht mehr die Tochter, Schwester, die nette Verkäuferin – plötzlich ist sie eine Verbrecherin und das für alle, für Eltern, Brüder und Nachbarn. Sie muss fliehen und kommt nach Deutschland und man möchte als Leser aufatmen. In Sicherheit! Aber ist sie das? Hier begann für mich das Fremdschämen. Wie kann man so mit Menschen umgehen? Wieso gibt es kein Verständnis für diese Frau? Eugenie ist klug und sie ist bereit, auf Menschen zuzugehen, aber gehen die auch auf sie zu? Und da erkennen wir die Grenzen unserer auch so menschlichen Demokratie und auch die Grenzen unserer Toleranz, geschweige denn Verständnisses.
    Ein berührendes und ehrliches Buch und ein Muss für alle, die verstehen wollen. Schön, wenn es auch dazu führt zu helfen.
    5ratten


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    thalia

    Einmal editiert, zuletzt von Rhea ()

  • "Nennen wir sie Eugenie" von Maria Braig


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    °Hörbuchversion gelesen von Birgit Arnold°



    Über das Buch

    Das Buch ist 135 Seiten lang und wurde 2014 herausgegeben. Die Hörbuchversion wird von Birgit Arnold gelesen und zählt etwas weniger als vier Stunden.

    Inhalt gemäß Autorinnen-Homepage (Ausschnitt):

    "Die junge Eugenie, die kurz vor Beginn ihres Studiums steht, muss den Senegal verlassen, weil ihre Liebe zu einer anderen Frau entdeckt wird. Eugenie flieht nach Deutschland, wo sie Schutz und Hilfe erhofft und um Asyl bittet. Das übliche Asylverfahren beginnt und sie muss alles über sich ergehen lassen, ohne wirklich zu verstehen, was die Behörden in diesem ihr so fremden Land mit ihr vorhaben."


    Stil und meine Meinung

    Der Schreibstil ist klar und bleibt dabei gefühlvoll, ergänzt durch informative sachliche Abschnitte zu allgemeinen Hintergründen was Asylverfahren und Flucht betrifft. Man bleibt dabei zumeist bei der Perspektive von Eugenie und bekommt das, was sie erlebt, direkt mit. Besonders gefallen hat mir hierbei die Beschreibung des "Nebels" der sich zuweilen über sie legt, offensichtlich eine Folge der Dinge, die sie lebt und die sie überfordern, in eine hilflose / depressive / eingeengte Stimmung bzw Position bringen.

    Homosexualität und Flucht in ein anderes Land sind gleichermaßen Themen, und der Umgang mit beidem hat mich berührt und zwischenzeitlich auch frustriert, wütend gemacht. Ich habe und hatte mit Geflüchteten zu tun und auch wenn ich niemanden persönlich kenne, der Eugenies Schicksal teilt, so kenne ich einige ähnliche und musste oft an diese denken. Insbesondere die Erwähnung der nächtlichen Abschiebungsaktionen hat mich Pause machen lassen, da so etwas wirklich schlimm ist. Die Sorge, Angst, Rastlosigkeit und gleichzeitig ermüdende Ohnmacht (+ das daraus oft resultierende Nichts-tun) wurden gut dargestellt.


    Ein bisschen abrupt kam für mich das Ende. Man kann es sich so erklären, dass das nun mal leider so ist - das könnte man aus dieser Geschichte mitnehmen: leider endet für viele so die Flucht. Aber dennoch ging es mir gegen Ende zu schnell und ich hätte entweder gerne mehr erfahren oder mir ein Hinauszögern der Geschichte gewünscht.


    Dennoch hatte ich "Freude" an dem Buch.


    Meine Meinung zur Hörbuchversion: Ich habe das Hörbuch gehört und wollte aber dennoch nicht im Hörbuch-Bereich meine Rezi abgeben da ich an erster Stelle das Buch an sich kommentieren wollte. Die Sprecherin ist nicht schlecht, war zu Beginn jedoch gewöhnungsbedürftig. Sie spricht überdeutlich und betont auf mir seltsam erscheinende Weise. Vielleicht liegt ihr Rollen-Sprechen besser als das Erzähl-Lesen? Keine Ahnung. Jedenfalls hat mir das anfangs etwas Schwierigkeiten bereitet, aber im Verlauf des Buches ging es dann besser.



    4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:


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