Helene Henke - Menschenfischer

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Klappentext:
    Zoe Lenz ist Deutschlands jüngste Bestatterin. Die 20-Jährige versteht es meisterhaft, Verstorbene für das Begräbnis herzurichten. Auch in der kunstvollen Herstellung von Totenmasken hat sie sich inzwischen einen Namen gemacht. Die Leichen zweier Kinder, die in einem unzugänglichen Waldgebiet im Hunsrück gefunden wurden, beschäftigen Zoe. Die Kinder sind gebrandmarkt und unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Dann verschwinden die Leichen plötzlich spurlos aus Zoes Kühlhaus, und Zoe wird erneut in einen Fall ungeahnten Ausmaßes verwickelt.



    Zu diesem Buch gibt es ab dem 30.01. eine autorenbegleitete Leserunde. Es sind noch Freiexemplare zu vergeben, Anmeldeschluss dafür ist der 16.01. Mitleser sind noch herzlich willkommen. :winken:

  • Die Wertung kommt übrigens im Vergleich zu "Totenmaske" dem ersten Fall mit Zoe und Leon zu Stande. :) Diesen sollte man meiner Meinung nach unbedingt vorher gelesen haben, da die Bezüge dazu sehr stark sind. Außerdem lohnt sich Totenmaske auch einfach *g*


    Meine Meinung:
    Zoe war mir schon durch den ersten Band "Totenmaske" sympathisch geworden und daher wollte ich natürlich auch wissen, wie es mit ihr weiter gehen würde. "Menschenfischer" hat mich an manchen Stellen dann aber nicht ganz so überzeugt, wie sein Vorgänger. Das lag vor allem an bestimmten Wendungen der Handlung und auch an bestimmten Figurenkonstellationen, die ich persönlich so nicht nachvollziehen konnte.
    Die Idee hinter dem Roman und auch die Verknüpfung mit dem Vorgänger, fand ich dagegen gelungen. Vor allem auch wie die Aspekte von Zoes Arbeit als Bestatterin sich ganz natürlich in die eigentliche Handlung gefügt haben. Das konnte mich überzeugen und ich habe gerade Zoes Arbeit sehr gerne verfolgt. Außerdem merkt man das die Autorin sich mit der Thematik von "Menschenfischer" eingehend auseinander gesetzt hat. Gerade hier gibt es einige Szenen die sehr heftig sind, aber gerade darüber erst die Tragweite sichtbar wird. Für mich persönlich war vor allem die Figur der Alina interessant und vielschichtig aufgebaut. Außerdem wurden bestimmte Aspekte die Zoes Mutter betreffen sehr gekonnt integriert, wodurch man nicht das Gefühl eines Bruches mit der Handlung des Vorgängers hatte.


    Im Grunde ging es meiner Meinung nach auch weniger um die Lösung des Falles, sondern eher darum, die Menschen die mit dem Fall zu tun haben und ihre Geschichte näher zu beleuchten. Denn erst durch die Verknüpfungen, die daraus entstehen konnte sich das Ganze so und nicht anders entwickeln. Dabei kommen zum Teil sehr tragische Dinge ans Licht und beim Lesen musste ich manchmal kurz schlucken. Auch deshalb weil klar ist, das die beschriebenen schrecklichen Taten auch in der Wirklichkeit passieren. Mit diesem Wissen im Hintergrund, lesen sich einige Stellen ganz anders.
    Zudem macht auch Zoe eine Entwicklung durch, die zum Teil an den Fall geknüpft ist. Leon bleibt irgendwie eher blass und ich kann mich auch an die Szenen mit ihm etwas weniger gut erinnern.
    Wer ständige atemlose Spannung erwartet, ist meiner Meinung nach eventuell auch nicht immer zufrieden. Ich finde aber das sich die Dynamik der Geschichte an ganz anderen Punkten auftut und man so trotzdem wissen möchte was passiert ist. Ich finde es ist eher eine subtile Spannung, die auch dadurch entsteht, das immer wieder interessante Informationen dazu kommen und man überlegt welche Wendung noch möglich wäre. Dabei steht eher die Suche im Vordergrund, aber auch eventuelle andere Opfer und nicht so sehr der Täter. Auch wenn er natürlich trotzdem eine Rolle spielt.


    Für mich ist "Menschenfischer" an bestimmten Punkten abgeschlossen, vor allem was den eigentlichen Fall betrifft. An anderen Stellen wurden aber neue Fragen aufgeworfen und trotz meiner Kritik, möchte ich gerne erfahren wie die Autorin diese Lösen wird. Ich würde also freuen, noch mehr über Zoe lesen zu können. Trotz mancher Dinge die mich nicht überzeugen konnten, ist sie persönlich mir als Figur ans Herz gewachsen. Außerdem freue ich auch über jeden Krimi der sich mit Bestattern beschäftigt, denn das ist einfach ein Lieblingsthema von mir.


    3ratten

  • Zwei Mädchenleichen und ein düsteres Geheimnis


    Zoe Lenz ist die jüngste Bestatterin Deutschlands und hat sich nebenbei mit der Herstellung von Totenmasken einen Namen gemacht. Eines Tages tauchen zwei halb verweste Mädchenleichen im Wald um Birkheim auf, die Spuren deuten auf eine abscheuliche Gewalttat. Dann verschwindet Zoes Praktikantin Alina plötzlich spurlos und Zoe beginnt auf eine Faust zu recherchieren. Was sie dabei herausfindet, erschüttert Zoe bis ins Mark.


    „Menschenfischer“ ist bereits das zweite Buch um die Bestatterin Zoe Lenz; ich denke, man muß den ersten Band nicht gelesen haben, um sich in diesen Buch zurecht zu finden, da viele Rückblicke eingebaut wurden. Da es allerdings zwischen beiden Büchern eine Verbindung gibt, würde ich empfehlen, „Totenmaske“ zum besseren Gesamtverständnis zuvor zu lesen.


    Die Autorin greift in diesem Buch ein Thema auf, das immer abscheulicher wird, je mehr man in die Tiefe vordringt. Dabei ist der Leser den Ermittlern meist einen Schritt voraus und auch wenn ich ein paar Ahnungen hatte, die sich schlußendlich bewahrheitet haben, hat Helene Henke dieses Thema wieder sehr spannend umgesetzt. Die Verbindung zum ersten Buch wirkte überhaupt nicht konstruiert, sondern passte wunderbar. Lediglich am Ende des Buches war für meinen Geschmack etwas zu viel Dramatik im Spiel.


    Ich habe mich sehr auf das Wiedersehen mit Zoe Lenz gefreut, die mir mit ihren Ecken und Kanten schon im ersten Band sehr gut gefallen hat. Auch diesmal war ich wieder begeistert, mit welchem Respekt sie den Toten begegnet, deren letzte Ruhe sie vorbereitet. Sie sieht in den Menschen gerne nur das Gute, was ihr ab und an zum Verhängnis wird, wenn es um die Lebenden geht.


    Der zweite Charakter, bei dem ich mich auf ein Wiedersehen gefreut habe, war natürlich Leon Strater, Mainzer Kriminalkommissar und Freund von Zoe. Die Beziehung zwischen den Beiden ist nicht immer ganz einfach. Was ich allerdings nicht so ganz verstehe, warum sie sich so selten sehen, wenn sie gerade mal 70 Kilometer auseinander wohnen, das ist ja heutzutage keine Strecke mehr.


    Mir hat das erste Buch schon sehr gefallen, aber der zweite Band hat mir sogar noch ein Ticken besser gefallen – und ich hoffe sehr, daß es weitere Bücher mit den sympathischen Protagonisten geben wird.


    4ratten

    Liebe Grüße

    Karin

  • Im verschlafenen Birkheim kehrt keine Ruhe ein. Kaum hat sich die Aufregung rund um den Mordfall an Boris und seinen Freunden wieder gelegt, werden im Wald zwei bereits verwesende Mädchenleichen gefunden. Sie landen am Tisch von Deutschlands jüngster Bestatterin Zoe Lenz, welche ihre gesamte Kunstfertigkeit aufwendet, um die beiden hübsch für ihr Begräbnis herzurichten. Zoe hat Mitleid mit ihnen, denn niemand hat sie vermisst und daher weiß auch niemand, wer sie sind. Schnell stellt sich heraus, dass die beiden ermordet wurden. Die Polizei scheint ebenfalls kein richtiges Interesse an der Lösung des Falles aufzubringen. Als die Leichen aus Zoes Institut gestohlen werden und auch ihre Assistent Alina spurlos verschwindet, beginnt Zoe selbst zu ermitteln.


    Helene Henke legt mit Menschenfischer den zweiten Kriminalfall rund um die Bestatterin Zoe Lenz vor. Weniger beschaulich als der Vorgängerband, entführt sie den Leser in menschliche Abgründe, die sich in einer nur scheinbar heilen Welt auftun. Sie arbeitet dabei sehr geschickt mit der Vorstellungskraft - vieles wird nur angesprochen und nicht detailliert ausformuliert. Das ist auch gar nicht nötig, um ehrlich empfundenes Grauen und Abscheu über die unterschiedlichsten Perversionen zu empfinden. Das Wissen, das diese Dinge nicht nur erfunden sind, sondern leider überall auf dieser Welt immer wieder passieren, tut sein Übriges.


    Leider empfand ich die handelnden Personen teilweise etwas blass. Einzig Alina, Zoes geheimnisvolle Assistentin, war mit der nötigen Tiefe ausgearbeitet. Dagegen waren Zoes Verhalten und vor allem das ihres Lebensgefährten Leon Strater, ein Mainzer Kriminalbeamter, nicht immer nachvollziehbar. Helene Henke liefert durchaus Begründungen für die teilweisen irrationalen Handlungen, verständlicher werden diese aber trotzdem nicht.


    Die Anknüpfung zum ersten Band und die Weiterführung und Vertiefung einzelner Handlungsstränge aus demselben glückt wiederum hervorragend. Nicht alle Fragen werden am Ende des Falles beantwortet, sodass man sich mit einer ehrlichen Neugier auf weitere Abenteuer rund um die Bestatterin Zoe freut.


    Fazit: Etwas schwächer als sein Vorgänger, aber trotzdem ein zufriedenstellender Krimi.


    3ratten

  • Inhalt:
    Im beschaulichen Birkenheim werden die Leichen zweier Kinder gefunden. Die Bestatterin Zoe wird als Expertin für Gesichtsrekonstruktion zu dem Fall hinzugezogen und soll anschließend für eine schöne Bestattung der beiden Kindern sorgen, die keiner identifizieren kann. Doch dann werden die Leichen aus ihrem Kühlhaus gestohlen.
    Zum zweiten Mal erleben wir wie Zoe Lenz in einen Kriminalfall hineingezogen wird und dies gleich auf mehreren Ebenen. Nicht nur, dass die Kinderleichen fehlen, auch ihre neue Mitarbeiterin Alina ist verschwunden und Leon, mit dem sie weiterhin eine Beziehung unterhält, verhält sich ihr gegenüber zurückhaltend und distanziert. Hat sein eigener Fall etwas mit den gefundenen Leichen zu tun?


    Meine Meinung:
    Dies ist der zweite Band um die Zoe Lenz, jüngste Bestatterin Deutschlands. Den ersten Teil muss man nicht unbedingt kennen, um die Handlung nachvollziehen zu könne, allerdings wäre es ratsam, um kleine Nuancen gut erfassen zu können. Der Schreibstil und der Spannungsaufbau haben mich mal wieder sehr gepackt. Zoe ist eine besondere Persönlichkeit, die einen eigenen Umgang mit Menschen hat, die eine schwere Vergangenheit haben. Dies führt mitunter zu Handlungen, die vielleicht nicht jeder nachvollziehen kann und will, aber mir gefällt dieser Zoe-spezifische Charakterzug sehr. Ich finde es super, dass man einige Darsteller aus dem 1. Band wiedertrifft, aber auch neue kennen lernt von denen ich hoffe, dass sie in weiteren Bänden wieder auftauchen. Die Thematik ist nicht etwas für jeden und obwohl ich hin und wieder gerne mal Krimis und Thriller lese, waren einige Szenen / Informationen doch „zu viel“. Sehr gut gelingt die Anknüpfung an den ersten Band – wobei mir dieser hier noch besser gefallen hat.


    Eine Leseempfehlung für alle, die gerne Krimis und Thriller lesen und sich durch „harte Themen“ nicht abschrecken oder aus der Ruhe bringen lassen.


    4ratten

    Einmal editiert, zuletzt von Lärche ()

  • Die 20jährige Bestatterin Zoe Lenz übt ihren Beruf mit viel Hingabe aus. Sie hat sich auch einen Namen gemacht, weil sie eine der wenigen ist, die Totenmasken herstellt. In einem Waldgebiet im Hunsrück werden die Leichen zweier Mädchen gefunden. Bei der Obduktion entdeckt man unter der Haut Implantate. Ungewöhnlich ist auch, dass die Kinder an einem Herzinfarkt starben. Zoe soll für die Beerdigung sorgen, aber dann verschwinden die Leichen aus ihrem Kühlraum.
    Dieses Buch ist die Fortsetzung von "Totenmaske". Doch am Anfang des Buches werden alle wichtigen Informationen nochmals aufgegriffen.
    Es ist ein ungewöhnlicher Krimi, denn die Arbeit Zoes wird ausführlich dargestellt. Man lernt die Tätigkeit des Bestatters aus einem ganz anderen Blickwinkel kennen. Neben der Polizei, führt Zoe ebenfalls Ermittlungen durch, denn sie fühlt sich in den Fall involviert. Zoe hat mit ihrer Mutter bereits Erfahren mit religiösem Wahn gemacht und nun kommt eine Sekte ins Spiel.
    Zoe ist ein sympathische Person. Sie hat noch mit der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit zu tun, denn ihre Mutter wurde zu einem lebenslangen Aufenthalt in einer psychiatrischen Einrichtung verurteilt. Aber Zoe ist auch sehr mitfühlend und steht für andere, vor allem ihre Angestellten, ein. Mit ihrem Freund Leon Strater von der Kripo Mainz führt sie eine Fernbeziehung. Er mag es gar nicht, dass sie versucht, Ermittlungen anzustellen und überhört ihre Hinweise gerne mal. Als Zoe dann in Gefahr gerät, muss er sich dennoch ihren Hinweisen widmen. Auch die anderen Figuren sind glaubhaft geschildert.
    Die Story ist flüssig und gut zu lesen und das beschauliche Leben im Hunsrück gut dargestellt. Das Wirken der Sekten wird drastisch geschildert, so dass man beim Lesen ziemlich schockiert ist.
    Obwohl das Buch von Anfang an interessant ist und einen gefangen nimmt, wird es doch erst in der zweiten Hälfte richtig spannend. Am Ende sind noch einige Fragen offen. Vielleicht werden diese dann in einer Fortsetzung geklärt.
    Ein interessanter und ungewöhnlicher Krimi.


    5ratten

  • Zoe Lenz, Deutschlands jüngste Bestatterin, hat die dramatischen Ereignisse aus "Totenmaske" recht gut überstanden. Beruflich ist sie mit ihren kunstvoll angefertigten Masken von den Gesichtern Verstorbener inzwischen recht erfolgreich und sie liebt ihren Beruf. Gemeinsam mit ihrer neuen Praktikantin Alina soll sie einen alten Mann für die Bestattung vorbereiten, als Alina plötzlich ganz unerwartet ausrastet. Zoe wundert sich, aber sie lässt der jungen Frau auch relativ viel Freiraum, fühlt sie doch gewisse Ähnlichkeiten zwischen ihnen beiden.


    Als in der Nähe im Wald zwei Kinderleichen gefunden werden, darf Zoe auf Betreiben ihres Freundes Leon Strater an der Obduktion teilnehmen. Was die Rechtsmedizinerin herausfindet, ist erschütternd. Zoe entwickelt eine Theorie, was den Mädchen zugestoßen sein könnte, doch Leon will nichts davon hören. Also macht sich Zoe allein daran, weiter nachzuforschen.


    Meiner Meinung nach sollte man den ersten Teil "Totenmaske" unbedingt vor "Menschenfischer" lesen. Zwar ist es sicher auch möglich, den zweiten Band ohne Vorkenntnisse zu verstehen, doch begreift man Zoes Verhalten sicher besser, wenn man ihre Vorgeschichte kennt. Auch wird hier recht früh verraten, was im ersten Teil passiert ist, so dass man diesen Teil dann wohl nicht mehr mit allzu viel Spannung lesen könnte.


    Mir hat das Wiedersehen mit Zoe und Leon sehr gefallen, ich fand das Buch sogar noch ein bisschen besser als den ersten Teil. Manche Dinge werde ich in Kriminalromanen nie nachvollziehen können, warum zum Beispiel die Protagonisten so oft offenen Auges mitten in eine gefährliche Situation hineinrennen, noch dazu ohne jemandem Bescheid zu geben. Das hat mich auch hier wieder einmal gestört.


    Leon hatte diesmal eine weniger tragende Rolle, was ich ein bisschen schade fand, denn ich mochte ihn schon im ersten Band sehr und hätte mir hier auch gewünscht, dass er einen größeren Auftritt bekommt. Aber vielleicht ja beim nächsten Mal wieder!


    Die Autorin hat sich in diesem Buch ein ziemlich scheußliches Thema ausgesucht und zartbesaitete Leser werden sicher das eine oder andere Mal heftig schlucken müssen. Auch ich als relativ hartgesottene Krimileserin habe mir manches lieber nicht zu genau vorgestellt! Glücklicherweise belässt es die Autorin meist bei Andeutungen, was bei dieser Thematik schon schlimm genug ist.


    Der Showdown ist ziemlich dramatisch, da hätte es für mich auch etwas weniger sein dürfen. Dafür gibt es aber dann noch einen recht versöhnlichen Ausklang, der mir gut gefallen hat und den ich als gelungenen Schlusspunkt für diese Geschichte empfunden habe.
    Ich hoffe, es gibt noch viele weitere Fälle mit und um Zoe Lenz!


    4ratten

    LG, Dani


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  • Zoe Lenz und das große Ganze


    Mögen Sie schräge Krimis à la Sara Gran mit der eigenwilligen, ja einzigartigen Detektivin Claire de Witt oder Heinrich Steinfest mit dem einarmigen Markus Cheng? Auf ihre ganz eigene, ganz besonders tiefgründige Art hat die Autorin Helene Henke mit Zoe Lenz, der jüngsten Bestatterin von Deutschland, ansässig in einem kleinen Kaff im Hunsrück, ein ebenbürtiges Pendant geschaffen. Im nunmehr zweiten Teil geht es um zwei tote Mädchen, die in einem nahen Waldstück aufgefunden werden und deren mögliche Verbindungen um sektenähnliche Strukturen.


    Doch eigentlich geht es hier um viel, viel mehr, nämlich um ein mehrteiliges, umfassendes und vielschichtiges Gesamtwerk. In Helene Henkes Zoe-Lenz-Reihe scheint jede kleinste Entwicklung, jede neu auftauchende Figur und sei sie noch so nebensächlich, in einem kausalen Zusammenhang zum großen Ganzen zu stehen: der Leser sollte gut aufpassen und aufmerksam abspeichern, hier bekommt alles nochmal eine Bedeutung, ist unerlässlich für die weitere Entwicklung von Zoes Geschichte - um die geht es hier nämlich übergeordnet, nicht nur um die einzelnen Fälle.


    Bis zu einem gewissen Punkt ein durchaus spannendes Konzept, das aber den Leser geradezu verpflichtet, keinen Band auszulassen bzw. auf weitere Bände - "Menschenfischer" ist gerade mal der zweite und beinahe jede Figur, auf jeden Fall aber jede Entwicklung aus Band 1 hatte hier eine Bedeutung bzw. stand im Zusammenhang zu aktuellen Ereignissen.


    Auch wenn ich den ungewöhnlichen und ausgesprochen anspruchsvollen Stil von Helene Henke sehr gern mag und Zoe fest in mein Herz geschlossen habe: Ich bleibe ungern mit einer derart unfertigen Geschichte zurück und fühle ich mich, obwohl mir das Buch wirklich gut gefallen hat, ein kleines bisschen betrogen, auch wenn es natürlich das gute Recht einer Autorin ist, es genau so und nicht anders zu machen. Aber ich habe es gern etwas "aufgelöster", wenn Sie verstehen, was ich meine: ganz klar mein Problem. Da es aber so gut geschrieben ist und Zoe mir so am Herzen liegt, bleibe ich natürlich weiterhin am Ball - immer vorausgesetzt, es gibt einen weiteren Band.


    4ratten

  • "Menschenfischer" ist der zweite Kriminalroman um die jüngste Bestatterin Deutschlands Zoe Lenz Birkheim im Hunsrück. Da mir das erste Buch sehr gut gefallen hat, war dieses jetzt ein Muss. Und ich bin von dem neuen Fall nicht enttäuscht worden.


    Nachdem Zoes Mutter Isobel nach den Vorkommnissen im ersten Band in einer psychiatrischen Klinik in Simmern untergebracht wurde, hat sie nun eine neue Praktikantin, die ihr bei der täglichen Arbeit mit den Toten hilft: Alina Berger, eine manchmal etwas unberechenbare, unkonventionelle und manchmal unzuverlässige junge Frau, die auf Zoes Grundstück in einem Wohnwagen lebt.


    Im Hunsrücker Wald werden zwei stark verweste Kinderleichen gefunden, zu denen Zoes Freund Leon Strater von der Kripo in Mainz die Ermittlungen leitet. Dann verschwindet Alina zusammen mit ihrem Wohnwagen spurlos. Nachdem Zoe bei einer Frau aus dem Ort ein Foto mit kleinen Mädchen gesehen hat, die den beiden Kinderleichen, die zwischenzeitlich durch eine Gesichtsweichteilrekonstruktion ihr Aussehen wieder bekommen haben, sehr ähnlich sehen und die Frau ihr von einer Sekte erzählt, die vor vielen Jahren im Wald ein Ferienlager hatten, macht sie sich selbst auf die Suche. Und gerät dabei selbst in größte Gefahr...


    Da der erste Fall aber auch in diesem Buch sehr viel Raum einnimmt, nicht nur anregend das Buch lesen zu wollen, sondern sehr ausführlich, nimmt es für mich, die ich das Buch schon kenne, im ersten Viertel des neuen Falles sehr die Spannung.


    Dann jedoch passieren so viele verschiedenen Kleinigkeiten, dass ich aufpassen muss, nichts zu überlesen. Denn alles zusammen fügt sich schlussendlich zu einem sehr komplexen Fall zusammen. Zoes Sturheit und Verbissenheit sind mir hier allerdings manchmal etwas zu viel, wirken auf mich etwas unrealistisch, obwohl es der Spannung sehr gut tut.


    Der leichte, flüssige, aber immer wieder aufwühlende Schreibstil hält mich beim Lesen gefangen. Die Autorin schafft es, die Spannung anzuheizen und der Geschichte eine totale Lebendigkeit zu geben. Das hektische Treiben bei der Kripo in Mainz z.B. ist für mich fast greifbar. Ich bin immer mittendrin und erfahre durch die, wie ich finde, sehr gute Recherchearbeit vieles, was mir sonst verborgen geblieben wäre. Auch das die Hintergründe der beschriebenen Sekte direkt mit Zoe zutun haben, ist, nachdem ich den ersten Band kenne, nachvollziehbar und verständlich rüber gebracht.


    Nach der Frage: Sollte man den ersten Ban zuerst gelesen haben, würde ich sagen: JA. Obwohl es sich bei "Menschenfischer" um einen eigenen Fall handelt, trägt das Wissen aus dem ersten Buch viel zum Verständnis bei.


    Alles in allem habe ich ein Buch gelesen, dass mich nachdenklich und teils aufgewühlt zurück lasst. Da mir aber am Anfang die Spannung gefehlt hat und mir manches etwas unrealistisch rüber gekommen ist, ziehe ich hier einen Stern ab. Trotzdem gibt es von mit eine Leseempfehlung für diesen sehr interessanten Fall.
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