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Leserunde mit Tobias O. Meißner ab 06.09.2019: Evil Miss Universe [Gesellschaftskritische Romantic Comedy]
Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 23 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Skyline.

  • Hier könnt ihr über Seite 259 bis 330 schreiben.
    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Abschnittseinteilung nicht vorgesehen.

    LG, Dani


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  • Der dritte Abschnitt lies mich sprachlos zurück.
    Einiges hat sich nun aufgeklärt und ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll.


    Zu Beginn des Abschnitts wird Laurels stummes Leiden zu Wut.
    In einem Brief an Kurt Cobain macht Laurel ihm Vorwürfe, was er seiner Tochter mit seinem Selbstmord angetan hat.
    Auch wenn wir nicht sicher wissen, ob May sich umgebracht hat, so hat Laurel im letzten Jahr zwei wichtige Menschen verloren. May und auch ihre Mutter.
    Denn von ihrer Mutter ist sie zum einen räumlich getrennt, zum anderen entfernen sich die beiden auch immer mehr von einander. Als sie Kurt Cobain anschreit, glaube ich, dass dies eigentlich May oder sogar ihrer Mutter gegolten hat. Nach dem Telefonat mit ihrer Mutter, meinte Laurel zu ihrem Vater, dass sie ihre Mutter hasst. Ich denke, dass ist nur aus der Wut und der Verletztheit raus.


    Das Hannah sich blaue Blutergüsse auf die Wangen malt finde ich ziemlich verrückt. Laurel schreibt: "[...]manchmal wünschen wir uns einfach, man könnte uns deutlicher ansehen, wie sehr wir leiden und welchen Schmerz wir in uns verstecken." (S.265) Ich vermute das beschreibt ziemlich genau wie Hannah sich fühlt und begründet die Blutergüsse.


    Die Geschichte mit dem Top war natürlich mega peinlich. Laurel tat mir richtig leid. Sie hat sich so über das Top gefreut, wollte endlich mal sie selbst sein, indem sie etwas raus sucht das ihr gefällt.
    Und dann kommt die Lehrerin im selben Top.


    Kurz drauf kommt es zu einem Gespräch mit Sky. Er sagt ihr, dass sie ihn genau so verletzt hat wie ihr und gibt zu, dass seine neue Freundin (ich vergesse immer ihren Namen...) mehr oder weniger eine Ablenkung ist. Außerdem erfahren wir mehr über die Beziehung zwischen May und Sky. Ich bin erleichtert, dass er nur für sie geschwärmt hat. Das war das mindeste das ich erwartet habe. Immerhin hatte er nichts mit ihr. Ich denke das wäre für Laurel wirklich schlimm gewesen.


    Der Satz, den sie plötzlich im Kopf hatte ("Wenn du dich wehrst, tut es nur noch mehr weh") läutet einen völlig neuen Handlungsstrang ein.
    Natürlich denkt man bei diesem Satz sofort an sexuellen Missbrauch. Im ersten Moment dachte ich nur "Oh, bitte nicht." Zum einen wollte ich natürlich nicht, dass Laurel so etwas schlimmes passiert ist. Zum anderen hatte ich aber ein wenig die Befürchtung, das Ava Dellaria nun den Colleen Hoover Weg einschlägt und noch ein paar dramatische Szenen einbringen muss und die ganze Geschichte, die mir doch so gut gefällt, am Ende völlig übertrieben wirkt. Bisher finde ich die Geschichte aber nach wie vor authentisch.


    Dieser Billy, der eigentlich auf Laurel hätte aufpassen sollen, hat sie mehrfach im Auto missbraucht.
    In der Nacht, als May starb war sie wohl völlig durch den Wind und meinte zu Laurel, dass sie immer auf sich aufpassen soll. Was May wohl passiert ist? Ganz normaler Liebeskummer oder steckte doch mehr dahinter? Laurel erzählte May daraufhin die Sache mit Billy. Wenige Sekunden später starb sie. Ob sie gesprungen oder gefallen ist, werden wir wohl nie erfahren. Meine Gedanken dazu kann ich momentan noch nicht in Worte fassen.

  • Tante May bekommt Besuch von dem Jesus-Mann und Laurel erkennt recht schnell, was da schief läuft. Mit solchen Beispielen vor Augen muss der Gedanke, erwachsen zu werden, ziemlich abschreckend sein. Der Vater hat resigniert, die Mutter ist davongelaufen und die Tante wartet und wartet auf einen Typen wie den Jesus-Mann. Als Jugendlicher hat man Illusionen vom Erwachsenwerden, hat Pläne und Träume. Aber mit solchen Beispielen vor Augen muss man einfach Angst kriegen.


    Allmählich beginnt Laurel, sich selbst als Individuum zu sehen. Ich glaube, das beginnt, als sie sich beim Zähne putzen im Spiegel betrachtet (S. 293). Sie sucht in ihrem Gesicht nach Spuren von May, kann aber nichts entdecken. Sie muss erkennen, dass sie eine eigene Identität hat und sich so akzeptieren. Sie kann sich nicht länger hinter May verstecken, die sich auch nur nach außen so gegeben hat, wie man es von ihr erwartete: strahlend, schön und intelligent. Mit ihren Besäufnissen hat sie das Gegenteil gemacht, aber auch das war nicht, was sie wollte. Sie strebte ein Mittelding an, das sich erst noch herausbilden musste. Und irgendwo unterwegs blieb sie dabei auf der Strecke.


    Die Beziehung zwischen Hannah und Natalie fliegt schließlich auf, und schuld daran ist ausgerechnet Laurel. Noch dümmer hätte es gar nicht laufen können. Jetzt beginnt der Spießrutenlauf. Ich bin gespannt, welche Auswirkungen das auf die Freundschaft der drei Mädchen hat.



    Dieser Billy, der eigentlich auf Laurel hätte aufpassen sollen, hat sie mehrfach im Auto missbraucht.


    Ich kapiere nicht, warum Laurel sich darauf eingelassen hat. Beim ersten Mal hat er sie überrumpelt, aber dann hätte sie sich doch weigern können, bei ihm einzusteigen. Irgendwo muss man eine Grenze ziehen, was man für jemand anders tut, und bei Laurel war die Grenze schon überschritten.




    In der Nacht, als May starb war sie wohl völlig durch den Wind und meinte zu Laurel, dass sie immer auf sich aufpassen soll. Was May wohl passiert ist? Ganz normaler Liebeskummer oder steckte doch mehr dahinter? Laurel erzählte May daraufhin die Sache mit Billy. Wenige Sekunden später starb sie. Ob sie gesprungen oder gefallen ist, werden wir wohl nie erfahren. Meine Gedanken dazu kann ich momentan noch nicht in Worte fassen.


    Das zu lesen war heftig, aber ich glaube, ich kann mich nicht annähernd in Laurels Situation hineinfühlen. Ganz verstanden habe ich noch nicht, ob May nun bewusst gesprungen oder versehentlich gefallen ist. Möglich ist beides.

  • In Richtung Missbrauch hatte ich schon mal leise gedacht. Aber ich bin dennoch entsetzt, was hier jetzt so alles rauskommt. Sorry, aber wie konnte May ihre kleine Schwester bei so einem fremden Typen lassen? Da hat sie doch wohl beiden Augen zugemacht und ich nehme ihr nicht ab, dass sie da niemals einen Verdacht hatte, dass Billy eben nicht ganz harmlos mit einem Kind (mit 13 ist Laurel für mich noch ein Kind) in Disney Filme geht!


    Warum nimmt sie sie überhaupt mit ins "Kino", wenn sie sich doch eigentlich nur mit Paul treffen will? Beim ersten Mal hat sie noch ein Alibi gebraucht, aber danach wohl nicht mehr.


    Ich habe immer befürchtet, dass auf das, was zwischen Paul und May abläuft, nicht gut gewesen ist. Aber das macht es für mich noch schwerer begreiflich, warum sie Laurel da mit reinzieht.


    Sky und Laurel reden immerhin wieder miteiander. Ich denke, da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Er kommt immer noch, wenn sie ihn braucht. Sie erzählt ihm von dem Abend, an dem May gestorben ist und ist ganz erstaunt, dass dann nichts Schlimmes passiert. Warum auch? Sie hat doch nichts falsch gemacht. Sie hätte nur früher jemandem davon erzählen sollen, hätte nicht mehr mitgehen dürfen oder zumindest nein sagen, wenn May sie mit Billy alleingelassen hat. Aber sie hat dennoch keine Schuld daran, was passiert ist!


    Die Mutter finde ich immer noch ganz schlimm. Gut, dass Laurel ihr immer wieder klarmacht, dass ihr Weglaufen sicher nicht die beste Lösung war!
    Auch, wie sie wütend auf Kurt Cobain wird, finde ich gut! Selbstmord ist keine Lösung! Ich habe nie darüber nachgedacht, da ich mich auch nie mit seinem Abschiefsbrief beschäftigt habe, aber ich sehe es wie Laurel, mir tut die Tochter leid, die diesen Brief aufgebürdet bekommen hat!

    LG, Dani


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  • Da ich gestern Abend Part 3 und 4 mehr oder weniger in einem Rutsch gelesen habe und heute früh nur noch die letzten Seiten von Part 4 lesen musste, kann ich hier direkt weiter kommentieren.


    Oh wow was hier rausgekommen ist, das hat mich echt entsetzt. :entsetzt:


    Ok mit 13 ist man faktisch noch ein Kind, aber ist man da nicht schon so weit, dass man nicht mit Menschen mitgeht oder bei denen bleibt, die einem nicht gut tun? Ich bin hier ehrlich gesagt überfragt, da ich von meinen Eltern immer eingebläut bekommen habe mich nie in solche Situationen zu begeben.


    Sehr schön hat mir gefallen, dass ich mit meiner Vermutung recht hatte, dass Sky seine neue Freundin nur eine Art Ablenkung ist. Ich hoffe so sehr, dass die beiden vielleicht doch wieder zu einander finden, das wäre wirklich schön. Aber da er immer kommt, wenn sie ihn braucht, hat er wohl doch noch Gefühle für sie.


    Ansonsten bin ich ehrlich gesagt froh, dass May und er nie ein Paar gewesen sind, sondern er nur für sie geschwärmt hat. Alles andere hätte ich auch als ein wenig komisch empfunden. Irgendwie musste ich mir dabei vorstellen wie es wäre, wenn ich jemanden gehabt hätte, den meine ältere Schwester vorher als Freund gehabt hätte und das geht wirklich gar nicht, da unsere Geschmäcker doch arg verschieden sind und selbst wenn sie es nicht wären, würde ich das irgendwie abstoßend finden.


    Hier spürt man immer mehr den Schmerz, der durch die Abwesenheit der Mutter ausgelöst wird. Das hatte ich bisher noch gar nicht so gesehen, aber Laurel muss sich durch alles allein durchbeißen und die Anwesenheit der Mutter könnte ihr sicher so einiges erleichtern, aber die will ja einfach nicht. :grmpf:

    &WCF_AMPERSAND"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende&WCF_AMPERSAND" (H.M. Enzensberger)


  • Das Hannah sich blaue Blutergüsse auf die Wangen malt finde ich ziemlich verrückt.


    Das fand ich ehrlich gesagt bescheuert. :rollen:



    Die Geschichte mit dem Top war natürlich mega peinlich. Laurel tat mir richtig leid. Sie hat sich so über das Top gefreut, wollte endlich mal sie selbst sein, indem sie etwas raus sucht das ihr gefällt. Und dann kommt die Lehrerin im selben Top.


    Das ist mir auch mal passiert mit einer Bluse, die dann meine Kunstlehrerin auch hatte. Da war ich in der 12. Klasse und habe die Bluse dann erst getragen als ich aus der Schule raus war, denn das war mir dann irgendwie doch zu blöd. Trotzdem war die Bluse lange Zeit mein Lieblingsteil.



    Dieser Billy, der eigentlich auf Laurel hätte aufpassen sollen, hat sie mehrfach im Auto missbraucht.


    Ich habe geheult als ich diese Szene gelesen habe. :heul: Einfach entsetzlich.

    &WCF_AMPERSAND"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende&WCF_AMPERSAND" (H.M. Enzensberger)


  • Zu Beginn des Abschnitts wird Laurels stummes Leiden zu Wut.
    In einem Brief an Kurt Cobain macht Laurel ihm Vorwürfe, was er seiner Tochter mit seinem Selbstmord angetan hat.
    Auch wenn wir nicht sicher wissen, ob May sich umgebracht hat, so hat Laurel im letzten Jahr zwei wichtige Menschen verloren. May und auch ihre Mutter.
    Denn von ihrer Mutter ist sie zum einen räumlich getrennt, zum anderen entfernen sich die beiden auch immer mehr von einander. Als sie Kurt Cobain anschreit, glaube ich, dass dies eigentlich May oder sogar ihrer Mutter gegolten hat. Nach dem Telefonat mit ihrer Mutter, meinte Laurel zu ihrem Vater, dass sie ihre Mutter hasst. Ich denke, dass ist nur aus der Wut und der Verletztheit raus.


    Das wirkt fast, als wenn sie nun alle typischen Trauerphasen durchlebt. Ich denke jeder Mensch ist auch wütend auf einen Verstorbenen. Egal wie er ums Leben gekommen ist, einfach weil er den der zurückbleibt. Alleine lässt.
    Das sie ihre Mutter hasst, denke ich auch nicht. Ich glaube es ist Verzweiflung was dort auch zum Teil aus ihr spricht. Denn sie fühlt sich alleingelassen mit Allem was so auf sie einstürzt und ihren Vater will sie damit nicht weiter belasten.



    Das Hannah sich blaue Blutergüsse auf die Wangen malt finde ich ziemlich verrückt. Laurel schreibt: "[...]manchmal wünschen wir uns einfach, man könnte uns deutlicher ansehen, wie sehr wir leiden und welchen Schmerz wir in uns verstecken." (S.265) Ich vermute das beschreibt ziemlich genau wie Hannah sich fühlt und begründet die Blutergüsse.


    Spontan würde ich sagen, sie überdeckt damit irgendwas, oder?. Warum malt jemand sich sonst so auffälige Sachen auf die Wange. Doch eigentlich nur, um etwas zu verstecken.



    Die Geschichte mit dem Top war natürlich mega peinlich. Laurel tat mir richtig leid. Sie hat sich so über das Top gefreut, wollte endlich mal sie selbst sein, indem sie etwas raus sucht das ihr gefällt.
    Und dann kommt die Lehrerin im selben Top.


    Soll ich ehrlich sein, für mich passt diese Geschichte in die Geschichte überhaupt nicht hinein. Ich finde sie unwichtig. Denn welche Konsequenz hat sie für die Handlung und die weitere Entwicklung von Laurel.



    Kurz drauf kommt es zu einem Gespräch mit Sky. Er sagt ihr, dass sie ihn genau so verletzt hat wie ihr und gibt zu, dass seine neue Freundin (ich vergesse immer ihren Namen...) mehr oder weniger eine Ablenkung ist. Außerdem erfahren wir mehr über die Beziehung zwischen May und Sky. Ich bin erleichtert, dass er nur für sie geschwärmt hat. Das war das mindeste das ich erwartet habe. Immerhin hatte er nichts mit ihr. Ich denke das wäre für Laurel wirklich schlimm gewesen.


    Das Sky, May wirklich liebt war mir recht klar und das er sich selbst versucht hat zu schützen, indem er sie verlässt irgendwie auch. Ich denke ein Mensch kann nur eine gewisse Menge an Schmerz ertragen, bevor er nicht mehr kann und Sky war so klug (auch wenn es für ihn bestimmt schwer war) sich selbst zu schützen. Diese Form von Egoismus finde ich mehr als gesund.



    Der Satz, den sie plötzlich im Kopf hatte ("Wenn du dich wehrst, tut es nur noch mehr weh") läutet einen völlig neuen Handlungsstrang ein.
    Natürlich denkt man bei diesem Satz sofort an sexuellen Missbrauch. Im ersten Moment dachte ich nur "Oh, bitte nicht." Zum einen wollte ich natürlich nicht, dass Laurel so etwas schlimmes passiert ist. Zum anderen hatte ich aber ein wenig die Befürchtung, das Ava Dellaria nun den Colleen Hoover Weg einschlägt und noch ein paar dramatische Szenen einbringen muss und die ganze Geschichte, die mir doch so gut gefällt, am Ende völlig übertrieben wirkt. Bisher finde ich die Geschichte aber nach wie vor authentisch.


    Ich finde es schade, daß dies nun auch noch in die Geschichte eingebaut worden ist. Denn ich denke auch so hat Laurel schon genug gelitten um so zu sein, wie sie jetzt ist.
    Außerdem gab es für diese Wendung keine wirklichen Auffälligkeiten, oder? Den das Abschweifen der Gedanken während sie mit Sky zusammen war, hatte doch immer andere Gründe. Auch wundert es mich, daß sie ihrer Schwester gegenüber keine Form von Wut gezeigt hat. Denn schließlich war sie es, die sie dieser Situation ausgeliefert hat.



    Dieser Billy, der eigentlich auf Laurel hätte aufpassen sollen, hat sie mehrfach im Auto missbraucht.
    In der Nacht, als May starb war sie wohl völlig durch den Wind und meinte zu Laurel, dass sie immer auf sich aufpassen soll. Was May wohl passiert ist? Ganz normaler Liebeskummer oder steckte doch mehr dahinter? Laurel erzählte May daraufhin die Sache mit Billy. Wenige Sekunden später starb sie. Ob sie gesprungen oder gefallen ist, werden wir wohl nie erfahren. Meine Gedanken dazu kann ich momentan noch nicht in Worte fassen.


    Erfahren war wirklich passiert ist, werden wir wahrscheinlich tatsächlich nicht.



    Tante May bekommt Besuch von dem Jesus-Mann und Laurel erkennt recht schnell, was da schief läuft. Mit solchen Beispielen vor Augen muss der Gedanke, erwachsen zu werden, ziemlich abschreckend sein. Der Vater hat resigniert, die Mutter ist davongelaufen und die Tante wartet und wartet auf einen Typen wie den Jesus-Mann. Als Jugendlicher hat man Illusionen vom Erwachsenwerden, hat Pläne und Träume. Aber mit solchen Beispielen vor Augen muss man einfach Angst kriegen.


    Ob dieser Jesus-Mann überhaupt an der Kirche interessiert war, oder ob es ihm nur darum ging Laurels Tante auszunutzen und ihr Geld abzuknöpfen. Für mich ist er einfach ein Scharlatan.



    Allmählich beginnt Laurel, sich selbst als Individuum zu sehen. Ich glaube, das beginnt, als sie sich beim Zähne putzen im Spiegel betrachtet (S. 293). Sie sucht in ihrem Gesicht nach Spuren von May, kann aber nichts entdecken. Sie muss erkennen, dass sie eine eigene Identität hat und sich so akzeptieren. Sie kann sich nicht länger hinter May verstecken, die sich auch nur nach außen so gegeben hat, wie man es von ihr erwartete: strahlend, schön und intelligent. Mit ihren Besäufnissen hat sie das Gegenteil gemacht, aber auch das war nicht, was sie wollte. Sie strebte ein Mittelding an, das sich erst noch herausbilden musste. Und irgendwo unterwegs blieb sie dabei auf der Strecke.


    Ich glaube mit ihren Sauftouren, wollte May einfach alle Gedanken abtöten. Wirklich glücklich erscheint sie mir nur in wenigen Augenblicken in diesem Buch. Sie scheint es geliebt zu haben, von ihrer Schwester geliebt und verehrt zu werden. Aber selbst das schien nach einer Weile für sie bedeutungslos zu sein. Für mich wirkt es so, als wenn May sich verloren hätte.



    Die Beziehung zwischen Hannah und Natalie fliegt schließlich auf, und schuld daran ist ausgerechnet Laurel. Noch dümmer hätte es gar nicht laufen können. Jetzt beginnt der Spießrutenlauf. Ich bin gespannt, welche Auswirkungen das auf die Freundschaft der drei Mädchen hat.


    Vielleicht ist es aber auch ganz gut, daß es endlich einmal aufgeflogen ist. Denn so müssen die Beiden sich endlich über ihre Gefühle klar werden und sehen ob sie zueinander stehen können.



    Ich kapiere nicht, warum Laurel sich darauf eingelassen hat. Beim ersten Mal hat er sie überrumpelt, aber dann hätte sie sich doch weigern können, bei ihm einzusteigen. Irgendwo muss man eine Grenze ziehen, was man für jemand anders tut, und bei Laurel war die Grenze schon überschritten.


    Aus meiner erwachsenen Sicht, verstehe ich das auch nicht. Aber man muss bedenken wie alt Laurel zu dem Zeitpunkt war und wie sehr sie mit ihrer Schwester zusammen sein wollte und ihr wahrscheinlich auch gefallen wollte.



    In Richtung Missbrauch hatte ich schon mal leise gedacht. Aber ich bin dennoch entsetzt, was hier jetzt so alles rauskommt. Sorry, aber wie konnte May ihre kleine Schwester bei so einem fremden Typen lassen? Da hat sie doch wohl beiden Augen zugemacht und ich nehme ihr nicht ab, dass sie da niemals einen Verdacht hatte, dass Billy eben nicht ganz harmlos mit einem Kind (mit 13 ist Laurel für mich noch ein Kind) in Disney Filme geht!


    Für mich war May mehr als depressiv und ich denke wenn Du so weit unten bist, dann schaust Du nicht nach links und rechts und da bemerkst Du es auch nicht, wenn es Deiner kleinen Schwester nicht gut geht. Vor allem, wenn Du dazu noch Alkohol trinkst.


  • Soll ich ehrlich sein, für mich passt diese Geschichte in die Geschichte überhaupt nicht hinein. Ich finde sie unwichtig. Denn welche Konsequenz hat sie für die Handlung und die weitere Entwicklung von Laurel.


    Da stimme ich dir zu.



    Ich finde es schade, daß dies nun auch noch in die Geschichte eingebaut worden ist. Denn ich denke auch so hat Laurel schon genug gelitten um so zu sein, wie sie jetzt ist.
    Außerdem gab es für diese Wendung keine wirklichen Auffälligkeiten, oder? Den das Abschweifen der Gedanken während sie mit Sky zusammen war, hatte doch immer andere Gründe. Auch wundert es mich, daß sie ihrer Schwester gegenüber keine Form von Wut gezeigt hat. Denn schließlich war sie es, die sie dieser Situation ausgeliefert hat.


    Für mich ist das ein wichtiger Punkt. Es war ein traumatisches Erlebnis und der Grund, weshalb sie sich regelrecht wegbeamt, als sie mit Sky zusammen ist. Dass sie in diesem Moment nicht unbefangen sein kann, hat großen Einfluss auf die ohnehin fragile Beziehung zu ihm. Die beiden haben auch so schon genug Probleme.




    Vielleicht ist es aber auch ganz gut, daß es endlich einmal aufgeflogen ist. Denn so müssen die Beiden sich endlich über ihre Gefühle klar werden und sehen ob sie zueinander stehen können.


    Aber doch nicht unter den Augen und dem Spott der gesamten Schule! Das sollten sie besser unter sich ausmachen und vor allem zu einem Zeitpunkt, den sie selbst gewählt haben.

  • Ich kapiere nicht, warum Laurel sich darauf eingelassen hat. Beim ersten Mal hat er sie überrumpelt, aber dann hätte sie sich doch weigern können, bei ihm einzusteigen. Irgendwo muss man eine Grenze ziehen, was man für jemand anders tut, und bei Laurel war die Grenze schon überschritten.


    Ich finde das schwer das zu beurteilen. Klar, hätte sie sich wehren können. Aber wohin hätte sie gehen sollen? Sie stand ja allein und verlassen vor dem Kino und May war weg. Natürlich hätte sie einfach nicht mehr mit May mitkommen können. Anscheinend war das Verhältnis der beiden vor den Kinoabenden nicht mehr ganz so eng wie in der Kindheit und Laurel hat sich nach May gesehnt. Und sie hat sich eingeredet, dass die Dinge, die Billy mit ihr anstellt, normal seien.



    Ok mit 13 ist man faktisch noch ein Kind, aber ist man da nicht schon so weit, dass man nicht mit Menschen mitgeht oder bei denen bleibt, die einem nicht gut tun? Ich bin hier ehrlich gesagt überfragt, da ich von meinen Eltern immer eingebläut bekommen habe mich nie in solche Situationen zu begeben.


    Das habe ich beim Lesen auch gedacht. Man ist mit 13 auch nicht mehr so klein, dass man noch nie von sexuellem Missbrauch gehört hat. Auch ich habe mit 13 Jahren (bzw. schon viel früher) eingebläut bekommen nicht mit Fremden mit zu gehen und mich nicht in solche Situationen zu begeben.




    Warum nimmt sie sie überhaupt mit ins "Kino", wenn sie sich doch eigentlich nur mit Paul treffen will? Beim ersten Mal hat sie noch ein Alibi gebraucht, aber danach wohl nicht mehr.


    Das habe ich mich auch schon gefragt. Vielleicht dachte sie sich, dass Laurel Spaß hat?
    Ich glaube viel eher sie hat gar nichts gedacht. Sie wollte ihren Spaß und hat ihre Schwester im ersten Moment einfach benutzt.


    Das ist mir auch mal passiert mit einer Bluse, die dann meine Kunstlehrerin auch hatte. Da war ich in der 12. Klasse und habe die Bluse dann erst getragen als ich aus der Schule raus war, denn das war mir dann irgendwie doch zu blöd. Trotzdem war die Bluse lange Zeit mein Lieblingsteil.


    Oh je, wie doof. Aber cool, dass du die Bluse trotzdem weiter getragen hast. Warum eigentlich auch nicht?



    Da stimme ich dir zu.


    Stimmt, notwendig war die Szene nicht. Aber gestört hat sie, finde ich, auch nicht.


    Für mich ist das ein wichtiger Punkt. Es war ein traumatisches Erlebnis und der Grund, weshalb sie sich regelrecht wegbeamt, als sie mit Sky zusammen ist. Dass sie in diesem Moment nicht unbefangen sein kann, hat großen Einfluss auf die ohnehin fragile Beziehung zu ihm. Die beiden haben auch so schon genug Probleme.


    Schwierig. Also mir hätte es nach wie vor besser gefallen, wenn die Geschichte mit Billy nicht passiert wäre. Und wenn doch, dann wenigstens nicht das Ereignis mit Evan. Wenn man sexuell missbraucht wurde, schluckt man auf einer Party doch nicht irgendeine Pille und glaubt, dass es Koffeintabletten sind. Außerdem glaube ich, dass sexueller Missbrauch weit größere Schäden anrichtet, als es hier bei Laurel der Fall ist. Das Trauma, dass sie hat, kann man auch auf den Tod ihrer Schwester beziehen, den sie auch noch mit angesehen hat. Und darauf, dass sie von ihrer Familie in der Verarbeitung auch nicht unterstützt wird. Mein Problem mit dem Thema "sexueller Missbrauch" in Büchern ist einfach folgendes:
    Man liest immer mehr darüber. Und wenn eine Geschichte noch nicht tragisch genug ist, wird das Thema eingebaut. Sozusagen als Garant für Trauer, Wut, etc. die beim Leser hervorgerufen werden. Ich finde, dass damit teilweise (!!!) zu leichtfertig umgegangen wird. Es ist ein ernstes Thema und Jugendbücher werden nunmal hauptsächlich von Jugendlichen gelesen. Wenn man dieses Thema einbaut, sollte es auch angemessen behandelt werden. Eigentlich wollte ich dazu gar nichts schreiben, aber das ist etwas, dass mich in letzter Zeit an so manchen Jugendbüchern stört, wobei es sich hier noch in Grenzen hält.

  • Ich habe den Abschnitt jetzt auch durch... Da ich noch unterwegs bin schreibe ich heute abend erst etwas ausführlicher meine Eindrücke auf.
    Der sexuelle Mißbrauch durch diesen Billy fand ich ganz schrecklich. Ich hatte sehr oft ein sehr beklemmendes Gefühl beim Lesen. Das Buch berührt mich emotional durchaus sehr. Laurel tut mir unglaublich Leid, ich denke, sie muss dringend mit einem Therapeuten reden und sich wirklich jemandem öffnen!

    "Erst die Möglichkeit einen Traum zu verwirklichen, macht unser Leben lebenswert." Paulo Coelho


  • Aber doch nicht unter den Augen und dem Spott der gesamten Schule! Das sollten sie besser unter sich ausmachen und vor allem zu einem Zeitpunkt, den sie selbst gewählt haben.


    Gut, es hätte bestimmt eine "nettere" Situation gegeben. Auf der anderen Seite hätten die Beiden aber sonst vielleicht nie den Mut dazu gefunden zueinander zu stehen.



    Ich finde das schwer das zu beurteilen. Klar, hätte sie sich wehren können. Aber wohin hätte sie gehen sollen? Sie stand ja allein und verlassen vor dem Kino und May war weg. Natürlich hätte sie einfach nicht mehr mit May mitkommen können. Anscheinend war das Verhältnis der beiden vor den Kinoabenden nicht mehr ganz so eng wie in der Kindheit und Laurel hat sich nach May gesehnt. Und sie hat sich eingeredet, dass die Dinge, die Billy mit ihr anstellt, normal seien.


    Mir geht es da genauso wie Dir. Warum schweigen Kinder, wenn sie sexuell Missbraucht werden? Denn Laurel ist dabei ja kein Einzelfall.



    Das habe ich mich auch schon gefragt. Vielleicht dachte sie sich, dass Laurel Spaß hat?
    Ich glaube viel eher sie hat gar nichts gedacht. Sie wollte ihren Spaß und hat ihre Schwester im ersten Moment einfach benutzt.


    Das glaube ich auch. Ich habe vielmehr das Gefühl, daß May jetzt an einer Stelle ihres Lebens angekommen war, in der sie nichts mehr um sich herum wahr genommen hat. So wie es scheint, war sie eher verzweifelt und ich denke sie war mehr mit sich als mit anderem beschäftigt.




    Schwierig. Also mir hätte es nach wie vor besser gefallen, wenn die Geschichte mit Billy nicht passiert wäre. Und wenn doch, dann wenigstens nicht das Ereignis mit Evan. Wenn man sexuell missbraucht wurde, schluckt man auf einer Party doch nicht irgendeine Pille und glaubt, dass es Koffeintabletten sind. Außerdem glaube ich, dass sexueller Missbrauch weit größere Schäden anrichtet, als es hier bei Laurel der Fall ist. Das Trauma, dass sie hat, kann man auch auf den Tod ihrer Schwester beziehen, den sie auch noch mit angesehen hat. Und darauf, dass sie von ihrer Familie in der Verarbeitung auch nicht unterstützt wird. Mein Problem mit dem Thema "sexueller Missbrauch" in Büchern ist einfach folgendes:
    Man liest immer mehr darüber. Und wenn eine Geschichte noch nicht tragisch genug ist, wird das Thema eingebaut. Sozusagen als Garant für Trauer, Wut, etc. die beim Leser hervorgerufen werden. Ich finde, dass damit teilweise (!!!) zu leichtfertig umgegangen wird. Es ist ein ernstes Thema und Jugendbücher werden nunmal hauptsächlich von Jugendlichen gelesen. Wenn man dieses Thema einbaut, sollte es auch angemessen behandelt werden. Eigentlich wollte ich dazu gar nichts schreiben, aber das ist etwas, dass mich in letzter Zeit an so manchen Jugendbüchern stört, wobei es sich hier noch in Grenzen hält.


    Exakt das meinte ich!

    Einmal editiert, zuletzt von Christine ()

  • Ich finde das schwer das zu beurteilen. Klar, hätte sie sich wehren können. Aber wohin hätte sie gehen sollen? Sie stand ja allein und verlassen vor dem Kino und May war weg. Natürlich hätte sie einfach nicht mehr mit May mitkommen können. Anscheinend war das Verhältnis der beiden vor den Kinoabenden nicht mehr ganz so eng wie in der Kindheit und Laurel hat sich nach May gesehnt. Und sie hat sich eingeredet, dass die Dinge, die Billy mit ihr anstellt, normal seien.


    Wohin hätte sie gehen sollen? Nirgends; sie hätte sich von vornherein weigern sollen, überhaupt mit ins Kino zu fahren. Dann wäre das gar nicht passiert. Und wenn May sie unbedingt weiter als Alibi gebraucht hätte, hätte sie dafür sorgen müssen, dass sich jemand anders sich um ihre Schwester kümmert, während sie mit ihrem Freund weg ist. Ich finde, dass May ein bisschen zu sehr verherrlicht wird. Wenn es ihr in den Kram passte, konnte sie ganz schön egoistisch sein. Sie hat ihre Eltern belogen und die Schwester ausgenutzt, das darf man bei aller geschwisterlicher Liebe nicht vergessen.

  • Ich kann auch nicht ganz nachvollziehen, warum Laurel immer wieder mit May mitgekommen ist und sich nicht ihr oder ihren Eltern anvertraut hat. Andererseits ist es wahrscheinlich generell nur sehr schwer nachvollziehbar, was in einer 13 Jährigen in so einer Situation vorgeht. Ich denke Laurel hat versucht es zu verdrängen und wollte so sehr wieder Teil von Mays Welt sein.
    Ich denke May hat sie als Alibi gebraucht, damit sie sich überhaupt mit ihrem Freund treffen konnte. Hätten die Eltern gewusst, dass sie sich mit ihm trifft und er um einiges älter ist als May hätten sie das sicherlich verboten. May hatte mit Sicherheit einige Probleme und war überhaupt nicht so, wie Laurel sie gesehen hat. Sie scheint ja auch keinen besonders guten Ruf mehr gehabt zu haben. Sowas war bestimmt auch für May schwer.
    Aber gerade mit diesem Hintergrund verstehe ich nicht, wieso Laurel auf der Party nicht vorsichtiger war und, obwohl sie geahnt haben muss, dass es sich nicht um eine Koffeintablette handelt, die Tablette trotzdem genommen hat. Das ergibt wenig Sinn. Mir scheint es aber so, dass sie durch die Situation mit Evan Friedman es endlich geschafft hat eine Art innere Blockade zu lösen. Auf der Party schafft sie es trotz Drogeneinfluss sich gegen ihn zu wehren. Vielleicht war das der Auslöser, dass sie auch den Missbrauch durch Billy anfangen kann zu verarbeiten.
    Dass sie auf der Party Hannah und Natalie outet ist natürlich nicht so gut. Das ist für beide mit Sicherheit eine sehr sehr schwierige Situation, sie werden sich blöde Sprüche oder vielleicht sogar Beleidigungen anhören müssen. Dass ausgerechnet Laurel diejenige war, die die Tür geöffnet hat ist besonders tragisch, da es Auswirkungen auf die Freundschaft der drei haben kann.

    "Erst die Möglichkeit einen Traum zu verwirklichen, macht unser Leben lebenswert." Paulo Coelho


  • Ich war damals auch sehr wütend auf Kurt und alle anderen auch, die ähnlich freizügig mit ihrem Leben umgegangen sind, manchmal ist das unbegreiflich..


    Die aufgemalten Blutergüsse sind wirklich Ausdruck höchster Verzweiflung, weil sie nicht aus sich heraus kann, sie will es bei sich auch selber sehen, wie kaputt sie das alles gemacht hat.


    Das war nicht nur peinlich, es muss auch sehr frustrierend gewesen sein.


  • Das Hannah sich blaue Blutergüsse auf die Wangen malt finde ich ziemlich verrückt. Laurel schreibt: "[...]manchmal wünschen wir uns einfach, man könnte uns deutlicher ansehen, wie sehr wir leiden und welchen Schmerz wir in uns verstecken." (S.265) Ich vermute das beschreibt ziemlich genau wie Hannah sich fühlt und begründet die Blutergüsse.


    Kurios vor allem, weil Menschen normalerweise versuchen würden, die blauen Flecken unter allen Umständen zu verstecken. Ich kenne persönlich niemanden, dem das passiert ist, aber man sieht ja oft genug im Fernsehen Menschen, die davon erzählen, wie sie solche Merkmale zu verstecken versuchten. Wenn Hannah sich die Flecken aufmalt, ist das vielleicht nicht direkt ein Schrei um Hilfe, aber sie möchte auf sich aufmerksam machen und hofft insgeheim, dass jemand intensiver nachfragt.

  • Ich denke sie versucht es sich dadurch vorzustellen, wie ein seelisches Leiden eigentlich aussehen müsste.. "was, wenn die Leute mich so sehen könnten" oder sie würde die Leute damit gerne provozieren..sie ist ein Teenager und hat eine Menge Kummer, der sich in Wut umwandelt..
    :sauer:

  • In diesem Abschnitt wird nun ihr sexuellen Missbrauch Gewissheit, der zuvor nur sehr nebulös angedeutet wurde.
    Und es wird immer klarer, was Laurel so sehr belastet und was die Ärmste all die Zeit alleine mit sich ausmachen musste, da sie mit niemandem darüber reden konnte. :sauer:
    Grauenvoll – als wenn sie mit Mays Tod, der zerrütteten Ehe der Eltern, ihrer Einsamkeit nicht schon genug zu verarbeiten hätte!


    Was hat sich May nur dabei gedacht, ihre kleine Schwester mit einem fremden erwachsenen Mann allein zu lassen, während sie sich mit diesem Paul vergnügt.
    Geschockt hat mich vor allem, dass sie alles ihrer großen Schwester zuliebe ertragen hat, um ihr wieder näher zu kommen.
    Doch Laurels Geständnis schockiert auch ihre Schwester in der Nacht ihres Todes – soweit hat sie nicht ansatzweise gedacht.


    Zum Glück können sich Sky und Laurel wieder offen und unbefangen begegnen und reden endlich mal miteinander.
    Welch eine Befreiung als Laurel endlich über diese unglückselige Nacht reden und mal alles raus lassen kann.
    Was hat sie nur erwartet, was passieren würde?
    Dass Sky vor lauter Ekel vor ihr wegläuft und ihr auch die Schuld am Tod der Schwester gibt? :zwinker:


    Toll wie einfühlsam und verständnisvoll er auf ihr Geständnis reagiert hat. Man spürt deutlich, dass er noch Gefühle für sie hat und aus reinem Selbstschutz die Trennung wollte.
    Und endlich erfahren wir auch, das er May zwar toll fand, aber sonst nicht mehr zwischen ihnen war.
    Er hat nur mitbekommen, wie sie immer mehr abgedriftet ist und das Leben ihr entglitten ist.
    Wieso nur hat sich sonst niemand Gedanken um sie gemacht?
    Die Trennung der Eltern muss sie völlig aus der Bahn geworfen haben … und für ihre kleine Schwester hat sie zu Hause immer noch ihre beschützende Rolle weiter gespielt, obwohl es in ihr ganz anders ausgesehen hat. Traurig!


    Laurels Verhältnis zu ihrer Mutter ist immer noch sehr schwierig und man spürt deutlich, wie sehr sie durch ihr Fortgehen verletzt ist.
    Natürlich hat auch die Mutter gute Gründe fürs Gehen gehabt, aber je länger sie wegbleibt, desto unmöglicher wird doch eine Annäherung … irgendwann wird Laurel sie dann auch nicht mehr brauchen!


    Schade eigentlich, dass die so christlich eingestellte Tante sich derart passiv und wenig einfühlsam verhält.
    Von ihr hätte ich viel mehr Empathie und echte Hilfe erhofft, stattdessen engt sie Laurel mit ihren Verboten ja auch nur ein.
    Sie meint es ja sicher gut, aber ihr fehlt ja völlig der Zugang zu dem jungen Mädchen.


    Aber immerhin hat Laurel ihre Freunde, denen sie sich immer mehr öffnet und die sie so nehmen wie sie ist. :smile:
    Und dazu scheint auch Sky zu gehören ...


  • Das Hannah sich blaue Blutergüsse auf die Wangen malt finde ich ziemlich verrückt. Laurel schreibt: "[...]manchmal wünschen wir uns einfach, man könnte uns deutlicher ansehen, wie sehr wir leiden und welchen Schmerz wir in uns verstecken." (S.265) Ich vermute das beschreibt ziemlich genau wie Hannah sich fühlt und begründet die Blutergüsse.


    Hannahs Hilfeschrei hat mich einerseits amüsiert und andererseits auch sehr entsetzt, denn so abwegig ist es ja nicht, dass ihr gewaltbereiter Bruder in seinem Zorn auch schon mal richtig zugeschlagen hat.


    Zitat

    In der Nacht, als May starb war sie wohl völlig durch den Wind und meinte zu Laurel, dass sie immer auf sich aufpassen soll. Was May wohl passiert ist? Ganz normaler Liebeskummer oder steckte doch mehr dahinter? Laurel erzählte May daraufhin die Sache mit Billy. Wenige Sekunden später starb sie. Ob sie gesprungen oder gefallen ist, werden wir wohl nie erfahren.


    Ich habe mich auch gefragt, was da zuvor mit Paul vorgefallen sein könnte, was May so aufgewühlt hatte.
    Ich denke auch, dass es bis zum Ende offen bleiben wird, was der Grund für Mays Absturz war.

  • Schade eigentlich, dass die so christlich eingestellte Tante sich derart passiv und wenig einfühlsam verhält.
    Von ihr hätte ich viel mehr Empathie und echte Hilfe erhofft, stattdessen engt sie Laurel mit ihren Verboten ja auch nur ein.
    Sie meint es ja sicher gut, aber ihr fehlt ja völlig der Zugang zu dem jungen Mädchen.


    Das fand ich auch sehr schade.
    Auch für eine Tante ist es natürlich schlimm, wenn die Nichte stirbt. Allerdings hatte sie vielleicht das bisschen Abstand, dass den Eltern gefehlt hat um Laurel zu helfen. Das sie es gut meint, bezweifel ich nicht. Aber irgendjemand hätte Laurel doch direkt nach May`s Tod helfen müssen?

  • In ihrem Brief an Kurt Cobain über seinen Abschiedsbrief bricht ihre ganze Wut aus Laurel heraus. "Ich weiß nicht, wie ich ihr verzeihen soll, weil ich gar nicht das Recht habe, wütend auf sie zu sein" - das bringt ihre Gefühle gut auf den Punkt. Es ist nur zu verständlich, dass sie wütend ist auf ihre Schwester und ihren Tod, der alles so verändert hat, aber natürlich ist das eine Art von Wut, für die man sich im nächsten Atemzug schon wieder schämt.


    Diesen komischen Typen in der Hütte fand ich ja mega eklig :kotz: Und bei ihrer Vorgeschichte, die wir noch in diesem Abschnitt erfahren, ist auch klar, wieso sich Laurel gleich doppelt unwohl neben ihm fühlt. Ich wollte ihr zurufen, einfach abzuhauen, aber dann hat sie sich ja selber ausgeknockt ...


    Laurels Unterhaltungen mit Tristan mag ich immer gerne. Ich finde ihn erstaunlich tiefsinnig unter der coolen Oberfläche. Sein Vergleich mit dem Wolf, der in jedem Menschen steckt, hat mich an das Lied "The Beast in Me" von Johnny Cash erinnert, das geht in dieselbe Richtung.


    Die Zufallsbegegnung mit Sky führt immerhin dazu, dass die beiden wieder miteinander reden, und er hat sich tatsächlich nur mit Francesca zusammengetan, weil er irgendjemanden brauchte und offenbar keine so engen Freunde hat wie Laurel. Und jetzt wissen wir auch endlich, was mit ihm und May war. Strenggenommen gar nichts, er hat "nur" für sie geschwärmt, aber er wusste wohl auch, dass May zwar hübsch und witzig, aber auch nicht vollkommen war.


    Dieser Evan war von Anfang an schon ein Kotzbrocken, aber dass er Laurel auf der Party Drogen gibt und sie dann befummelt, hat ihn endgültig ins Aus befördert. Ekliger Typ. Und was für ein blöder, blöder Zufall, dass ausgerechnet Laurel die Toilettentür aufreißt, hinter der Hannah und Natalie sich küssen, und sie somit vor der halben Schule bloßstellt :entsetzt:


    Entsetzt war ich von der Billy-Geschichte. May macht es sich einfach, indem sie ihre kleine Schwester Pauls Kumpel aufs Auge drückt, und der hat nichts Besseres zu tun, als sich an einer Dreizehnjährigen zu vergreifen. Widerlich. Und die arme Kleine frisst alles in sich hinein und glaubt noch, selbst daran schuld zu sein :traurig: Kein Wunder, dass Laurel verkorkst ist und nun doppelt traumatisiert, weil May abgestürzt ist, nachdem sie ihr von Billy erzählt hat.


    Sky tritt immer wieder in Erscheinung, erst als Retter in der Not auf der Party, dann fängt er Laurel auf, als sie den Schultag kaum ertragen kann, weil Hannah und Natalie böse auf sie sind. Fast wünsche ich mir, dass die beiden wieder zusammenkommen.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)