04 - Seite 259 bis 330

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 23 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Skyline.

  • Zitat von coco90

    Anscheinend war das Verhältnis der beiden vor den Kinoabenden nicht mehr ganz so eng wie in der Kindheit und Laurel hat sich nach May gesehnt.


    Einerseits das, andererseits war es für May natürlich einfacher, zu behaupten, sie nähme Laurel mit ins Kino. Hätte sie gesagt, sie ginge mit Freunden, hätte vielleicht doch mal einer der Eltern genauer nachgefragt.


    Zitat von Christine

    Mir geht es da genauso wie Dir. Warum schweigen Kinder, wenn sie sexuell Missbraucht werden? Denn Laurel ist dabei ja kein Einzelfall.


    Ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen, aber ich kann mir vorstellen, dass viel mehr Kinder schweigen als darüber reden. Das kann viele Gründe haben - Scham, Angst, niemand, dem sie sich anvertrauen wollen/können. Vielleicht können es manche Opfer auch in dem Moment gar nicht als das einordnen, was es ist, und glauben, es sei normal. Wer weiß, was im Kopf eines Kindes da vorgeht.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Wie hier schon viele geschrieben haben, bin auch ich geschockt von diesem Abschnitt. Obwohl der sexuelle Missbrauch angedeutet wurde, war ich doch überrascht davon. Vor allem auch, dass es regelmässig statt fand. Dass Laurel allerdings nie etwas gesagt hat, fand ich etwas komisch. Sie hätte doch ihrer Schwester schon früher einmal etwas sagen können, oder nicht?


    Je länger das Buch dauert, desto unsympatischer wird mir May. Am Anfang hab ich sie auch noch eher wie eine Fee gesehen, die geschaut hat, dass die Eltern nicht streiten, die geschaut hat, dass es Laurel gut geht und die stets bei Problemen da gewesen ist. Doch nun muss ich leider feststellen, dass May wohl alles andere als eine Fee war. Sie trinkt, schläft mir jedem X-beliebigen Mann und raucht. Natürlich ist das das Leben eines normalen Teenagers heutzutage. Allerdings hatte ich mir May am Anfang des Buches einfach anders vorgestellt und muss nun erkennen, dass sie gar nicht anders ist. Dies hat mich wohl etwas überrascht und enttäuscht.


    Sehr schön finde ich, dass Sky noch immer auf Laurel aufpasst und für sie da ist. Obwohl sie sich getrennt haben und er eine neue Freundin hat, schaut er immer wieder, dass Laurel nichts passiert. Daher ist es auch nicht überraschend, dass Laurel (nach den Briefen an die Promis) zuerst mit Sky über den Abend von Mays Tot spricht. Ich finde auch, dass er in dieser Situation sehr gut reagiert hat und sie getröstet hat. Dies war sicher nicht einfach für ihn, hier die richtigen Worte zu finden.


    Ich bin noch immer sehr begeistert vom Buch. Die Autorin hat ein sehr schönes Buch verfasst und es macht sehr viel Spass (beziehungsweise es berührt den Leser) das Buch zu lesen.


  • Warum nimmt sie sie überhaupt mit ins "Kino", wenn sie sich doch eigentlich nur mit Paul treffen will? Beim ersten Mal hat sie noch ein Alibi gebraucht, aber danach wohl nicht mehr.


    Ich habe immer befürchtet, dass auf das, was zwischen Paul und May abläuft, nicht gut gewesen ist. Aber das macht es für mich noch schwerer begreiflich, warum sie Laurel da mit reinzieht.


    Das habe ich mich auch gefragt. Aber vielleicht nimmt sie Laurel mit, weil sie das Gefühl hat, Laurel geniesst diese "Kino"-Abende. Ich denke nämlich nicht, dass May wirklich wusste oder auch nur erahnte, was Billy mit Laurel wirklich macht. Sie mag erahnt haben, dass sie niicht immer ins Kino gingen, aber dass er sie Missbraucht, hat sie sicher weder gewusst noch erahnt.

  • Ich bin auch eine Nuss! :redface: Ich hab hier noch gar nichts gepostet, dabei war ich mir so sicher, dass ich es schon getan hab! Das hol ich schnell nach.


    Ich fand bei Laurels Brief an Kurt Cobain, dass dort deutlich wurde, dass sie ihre Wut rauslässt und ich denke auch, dass Kurt symbolisch für ihre Mutter stand. Er hat seine Tochter alleingelassen, indem er Selbstmord beging und Laurels Mutter hat sie alleingelassen, indem sie sie verließ und wegging.



    Das Hannah sich blaue Blutergüsse auf die Wangen malt finde ich ziemlich verrückt. Laurel schreibt: "[...]manchmal wünschen wir uns einfach, man könnte uns deutlicher ansehen, wie sehr wir leiden und welchen Schmerz wir in uns verstecken." (S.265) Ich vermute das beschreibt ziemlich genau wie Hannah sich fühlt und begründet die Blutergüsse.


    Das Zitat das du da anführst, als ich an der Stelle war beim Lesen, musste ich richtig schlucken, weil ich finde, dass irgendwie so viel Wahrheit dahinter steht. Oftmals leidet man doch so stark innerlich und zeigt es nach außen hin aber nicht, dass man eigentlich schon gar nicht mehr weiß wohin mit seinem Leid. Man wünscht sich Hilfe und dass jemand sieht wie sehr man leidet und einschreitet, aber es passiert nichts, weil niemand in andere Menschen hineinsehen kann und wenn man sein Leid äußerlich macht, also sehbar, ist das wie ein stummer Hilfeschrei, ein "Wink mit dem Zaunpfahl".


    Wie wir schon vermutet hatten war Skys Freundin nur Ablenkung für ihn, da hatten wir den richtigen Riecher! ;D Aber dass Sky nur für May geschwärmt hat und sonst nichts mit ihr hatte, das hat mich überrascht. Ich hätte diesem Buch zugetraut, dass es da gleich das nächste dicke Ding, den nächsten traurigen Seitenschlag für Laurel raushaut, aber dann war es ja doch ganz glimpflich, weil es nur eine Schwärmerei war. Da war meine Schwarzmalerei und meine negativen Erwartungen wohl unbegründet :) Zum Glück für Laurel! Wer weiß, wie viel man ihr noch hätte zumuten können?



    Der Satz, den sie plötzlich im Kopf hatte ("Wenn du dich wehrst, tut es nur noch mehr weh") läutet einen völlig neuen Handlungsstrang ein.
    Natürlich denkt man bei diesem Satz sofort an sexuellen Missbrauch. Im ersten Moment dachte ich nur "Oh, bitte nicht."


    Fandest du? Ich hab gar nicht sofort an sexuellen Missbrauch gedacht. Ich hatte vielmehr auch solche Szenen im Kopf, die mehr auf psychischer Ebene stattfinden (wenn man beleidigt, gehänselt, gemobbt, mit Worten fertig gemacht wird etc. dann tut es ja auch noch mehr weh, wenn man sich wehrt, weil alles nur noch verstrickter und schlimmer werden kann).