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Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 32 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Skyline.


  • Sehr fies von Sky finde ich allerdings, dass er sich mit einer Neuen über die Trennung hinwegtrösten will und Laurel damit nur noch mehr verletzt, indem er ihr zeigt, wie wenig sie ihm bedeutet hat.


    Das ist alles nur Berechnung. Er will Laurel zeigen, dass er sie nicht braucht, weil er sofort eine andere Freundin bekommten kann. Ich denke nicht, dass er für diese Wie-hieß-sie-noch wirklich etwas empfindet.

  • Natalies Weihnachtsgeschenk für Hannah fand ich toll. Was gibt es Persönlicheres, als etwas Kreatives zu erschaffen (vorausgesetzt, man kann's, natürlich). So langsam werden mir die beiden Mädchen sympathischer. Vielleicht ist Hannah wirklich so, wie sie ist, weil sie sich nie bedingungslos geliebt und angenommen gefühlt hat? Der Satz "...als würde sie versuchen zu begreifen, wie es sein kann, dass sie von jemandem so geliebt wird" hat mir zu denken gegeben.


    Mir gefällt gut, wie die Autorin mit den Erwartungen des Lesers spielt und Klischees gerade eben nicht bedient bzw. ihre Figuren sich anders verhalten lässt, als man gedacht hätte. Janey zum Beispiel hatte ich auf der Party bei der Beschreibung ihres perfekten Outfits für eine oberflächliche Tussi gehalten, doch dann beweist sie so viel Einfühlungsvermögen, was Hannah und Natalie angeht.


    Laurel selbst lebt in einem riesigen Gefühlschaos und kann ihre eigenen Empfindungen kaum einordnen, das zeigt sich in ihrem Gespräch mit Tristan. Im Teenageralter ist sowieso alles schon so schwierig, und wenn man wie sie Schuldgefühle empfindet, muss das noch viel schlimmer sein. Auch die Frage an Sky "Bin ich zu kaputt für dich?" deutet in diese Richtung.


    Das erste Weihnachtsfest ohne May und die Mutter muss hart sein, aber ich finde es schön, dass Laurel und ihr Vater es sich doch noch ein klein bisschen weihnachtlich gemacht haben, und dass gerade zu diesem Anlass bei Laurel ein Knoten platzt und sie zumindest bei Sky weinen kann, wenn sie es schon nicht fertigbringt, ihm alles zu erzählen. Ich wüsste wirklich zu gerne, in welchem Verhältnis Sky zu May stand, auch aufgrund seiner Bemerkungen am Silvesterabend.


    Die Erinnerung an die Episode mit den Flügeln war wunderschön und traurig zugleich. Ich mag den Stil von Ava Dellaira, weil er poetisch ist, aber nicht krampfig und gekünstelt.


    Sky zieht sich einfach aus der Nummer raus, na toll! Entweder hängt das mit seinem irgendwie gearteten Verhältnis zu May vor deren Tod zusammen, und er tischt Laurel deshalb so einen Quark auf, oder aber er ist einfach feige. Ich hoffe für ihn, dass er nicht heimlich schon was mit dieser blöden Francesca hatte. Das ist ja eine doofe Kuh.


    Gut, dass Laurel ihre Freundinnen hat, die sie wenigstens ein bisschen auffangen und auch ziemlich souverän mit dem Thema May umgehen.


    Und nun haben wir auch endlich erfahren, wie es zu Mays Tod gekommen ist, wenn auch noch offen ist, was Laurel zu ihr gesagt hat. Die Arme - eine unbedachte Äußerung, und dann passiert sowas.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Zitat von coco90

    "Ich glaube, es gibt viele Menschen, die gern etwas Besonderes machen würden, aber solche Angst haben, den Erwartungen der anderen nicht genügen zu können, dass sie es lieber gar nicht erst probieren." (...) Spätestens im Teenie-Alter verwirft man diese Wünsche oder würde sie zumindest niemals laut aussprechen.


    Oft werden einem solche Träume ja auch schon als Kind ausgeredet, weil sie unrealistisch seien oder man das eh nie schaffen könne ... aber die Angst, sich zu blamieren, spielt natürlich gerade als Teenager eine große Rolle.


    Zitat

    Bei der Szene, in der Laurels Vater eine Plastikspinne in der Krispie-Packung versteckt hat, hab ich fast geweint. Er versucht zumindest Laurel glücklich zu machen.


    Das hat mich auch sehr berührt. Erst hat Laurel ihm die Scherzartikel geschenkt, um ihm eine Freude zu machen, und als er dann aus sich herausgeht und die Spinne einsetzt, ist sie wieder in einem tiefen Tal und kann nicht wirklich darüber lachen :traurig:


    Zitat von Doris

    Für meine Begriffe macht er zu schnell Schluss mit Laurel. Gerade wenn ich jemanden mag, versuche ich doch zu helfen, auch wenn es kompliziert erscheint und auch wenn ich eigene Probleme habe. Man kann sich ja gegenseitig stützen. Ein bisschen mehr Engagement hätte ich schon erwartet.


    Da sieht man deutlich, dass auch Sky noch sehr jung ist. Ich glaube, er ist überfordert mit der ganzen Situation. Ein reiferer Mensch hätte es vielleicht geschafft, mehr auf Laurel einzugehen oder ihr einfach etwas Zeit einzuräumen, sich zu öffnen. Trotzdem finde ich es schade, weil er Laurel so viel bedeutet hat.



    Das ist alles nur Berechnung. Er will Laurel zeigen, dass er sie nicht braucht, weil er sofort eine andere Freundin bekommten kann. Ich denke nicht, dass er für diese Wie-hieß-sie-noch wirklich etwas empfindet.


    Das kann gut sein.


    Sehr gut beobachtet fand ich auch die Szene, in der Laurel mit ihren Freundinnen spricht und sinngemäß denkt, dass ehrlich empfundenes Mitgefühl manchmal fast das Schlimmste ist, wenn man etwas Trauriges erzählt. Das geht mir genauso. Wenn es mir bescheiden geht oder etwas passiert ist, mag ich es niemandem erzählen, weil ich dann das Mitleid kaum ertragen kann.


    Das Todesspiel ist wirklich ziemlich krass! Mir kam es dabei erneut so vor, als habe Laurel in den Augen der Welt immer die zweite Geige hinter ihrer hübschen, witzigen, fröhlichen Schwester gespielt. Sie war ja unglaublich stolz darauf, als sie länger liegengeblieben ist als May.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)


  • Mir gefällt gut, wie die Autorin mit den Erwartungen des Lesers spielt und Klischees gerade eben nicht bedient bzw. ihre Figuren sich anders verhalten lässt, als man gedacht hätte. Janey zum Beispiel hatte ich auf der Party bei der Beschreibung ihres perfekten Outfits für eine oberflächliche Tussi gehalten, doch dann beweist sie so viel Einfühlungsvermögen, was Hannah und Natalie angeht.


    Das hat mir auch total gut gefallen!
    Janeys Verhalten auf der Party hat mich sehr überrascht - schade eigentlich, dass Laurel und sie wohl irgendwie trotzdem nicht mehr zusammenkommen werden.

  • Auch ich bin von dem Buch begeistert. Jeder Brief, jedes Kapitel, fesselt mich mehr ans Buch unnd berührt mich auch richtig.


    In diesem Abschnitt gab es für mich eine Sache, die mich extrem geschockt hat, das Todesspiel. Wie kommen Kinder nur auf solche Ideen? Und warum finden das die Eltern nie heraus? Das Laurel, May und die Jungs dieses Spiel ständig gespielt haben, war für mich ziemlich schockierend. Immerhin gäbe es auch andere Möglichkeiten, einen Adrenalinkick zu bekommen.


    Das Laurel noch immer sehr versucht wie May zu sein, finde ich beängstigend. Ich denke, Laurel bräuchte unbedingt jemanden zum Reden. Daher fand ich es schön, dass sie den ersten Schritt gemacht hat und den Mädchen erzählt hat, dass ihre Schwester tot ist. Dass diese es bereits gewusst haben, war für mich irgendwie nicht mehr so überraschend. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass es ihnen jemand gesagt hatte. Dachte dabei allerdings mehr an Sky.
    Ich hoffe nun für Laurel, dass sie noch mehr darüber sprechen wird und dass die Mädchen ihr auch zuhören werden und sie versuchen zu trösten soweit als möglich. Denn Laurel hat ja sonst niemanden. Der Vater kämpft mit sich selber, die Tante ist nicht gerade die liebste Ansprechpartnerin und die Mutter ist weit weg in Kalifornien. Daher braucht Laurel nun ihre Freunde zum Reden.


    An den Briefen gefällt mir auch, dass man immer noch spannende Hintergrundinformationen zu den Persönlichkeiten bekommt. Ich persönlich kenne nämlicch nur wenige der Personen (mit "kennen" meine ich richtig kennen, also mehr zu wissen als nur ihren Beruf). Ich kenne zwar fast alle vom Namen her, habe mich aber nie gross mit ihnen beschäftigt, da ich kein Fan war. Dieses Buch hat dies teilweise geändert. Ich höre nun auch ab und zu mal ein Lied dieser Sänger. Vor allem, die Lieder, welche im Buch beschrieben werden, höre ich mir jeweils an. Finde, das bringt eine zusätzliche Stimmung und eine zusätzliche Verbindung zum Buch.


    Ich freue (und fürchte mich zugleich) mich schon sehr auf die nächsten Seiten. Bin gespannt, wie es nun weiter geht.


  • Und? Was hat Google gesagt? Das würde mich auch brennend interessieren! :breitgrins:


    Schliesse mich auch an - würde mich auch interessieren. Weil ich gebe dir, Coco_90, absolut Recht. Entweder ist Ava Dellaira eine extrem gute Schriftstellerin, welche solche Gefühle lebensecht beschreiben kann, auch ohne sie erlebt zu haben, oder Ava Dellaira ist eine sehr gute Schriftstellerin, welche mit ihrem Buch versucht, ihre eigenen Gefühle wiederzugeben und zu verarbeiten.


  • Das Laurels Mutter so egoistisch ist und einfach abgehauen ist, kann ich immer noch nicht wirklich verstehen. Und sogar auf die Frage von Laurel warum sie gegangen ist gibt sie zu, dass sie nur an sich gedacht hat.


    Ich muss ehrlicherweise sagen, dass ich die Mutter verstehen kann. Sie verliert ihre Tochter und weiss bis heute nicht genau, was passiert ist. So etwas nagt besonders an den Eltern. Dass die Mutter einmal Abstand von allem braucht, kann ich sehr gut verstehen. Ich hoffe aber auch, dass die Mutter wieder zurück kommen wird eines tages.


  • Ich muss ehrlicherweise sagen, dass ich die Mutter verstehen kann. Sie verliert ihre Tochter und weiss bis heute nicht genau, was passiert ist. So etwas nagt besonders an den Eltern. Dass die Mutter einmal Abstand von allem braucht, kann ich sehr gut verstehen. Ich hoffe aber auch, dass die Mutter wieder zurück kommen wird eines tages.


    Oh, Verständnis habe ich für die Mutter auch, zumindest was ihre Empfindungen nach dem Tod ihrer Tochter anbelangt. Klar, dass manche da Abstand brauchen. Die Frage ist nur, ob sie sich das leisten kann, denn auf diese Weise läuft sie Gefahr, ihre andere Tochter auch zu verlieren, sprich: die Bindung zur überlebenden Tochter. Das sollte ihr klar sein. Anstatt so weit wegzuziehen, hätte sie sich auch in der Nähe etwas mieten können und dann vor allem ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen sollen. Es gibt Menschen, die einem bei der Trauerbewältigung helfen. Als Mutter hat man Verantwortung, egal unter welchen Umständen.

  • Sehe ich genauso wie Doris. Die räumliche Trennung vom Ex war ja sowieso schon gegeben, und sicher hätten sich auch in der Nähe Möglichkeiten finden lassen, Abstand zu gewinnen und mit professioneller Hilfe das Trauma zu verarbeiten. Ich finde es einfach unüberlegt Laurel gegenüber.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Da gebe ich euch bedingt Recht. Denn es gibt auch Leute, die ihre Zeit brauchen und die mit niemandem darüber reden wollen, bez. können. Laurels Mom scheint einfach Abstand von der ganzen Tragödie zu brauchen. Würde sie in der Nähe etwas mieten, würde sie dennoch ständig ihre Freunde sehen oder die Mitschüler von May. Dies würde sie wohl immer wieder an Mays Tot erinnern.
    Mit dem Wegzug aus der Stadt und aus dem Staat, kann sie komplett abschalten und die Trauerbewältigung beginnen - alleine und für sich.


    Dass sie dadurch Gefahr läuft, auch Laurel zu verlieren, ist sicher so. Auf der anderen Seite, versucht sie so oft wie möglich, mit Laurel zu telefonieren. Natürlich ist dies kein Ersatz für eine Umarmung oder einen tröstenden Kuss auf die Stirn, aber es zeigt immerhin, dass Laurel ihr noch wichtig ist und dass sie den Kontakt halten möchte.


  • Skyline
    Vielleicht liegt ein Hang zur Depression in der Familie, sodass es sie alle mit voller Wucht erwischt hat, ich hab mich auch gewundert, das der Vater eine Trauer-Auszeit genommen hat, normalerweise finden doch Männer ihre Ablenkung in der Arbeit, reden wollen sie nicht, die Frauen wollen meist darüber reden, doch die Männer wissen meist mit ihren Verlust überhaupt nicht umzugehen, meist geht die Beziehung in die Brüche.. Ich bin schon mal Zeuge von so etwas geworden, es ging nicht gut aus..Der Partner ist in dieser Hinsicht der Einzige, der den gleichen Verlust hat, wenn der sich ausschweigt..
    Sorry, das Buch hat manchmal eine große "persönliche" Wirkung..scheinbar kann ein jeder Laurels Dilemma nachfühlen..


    Das ist aber recht klischeehaftes Denken :breitgrins: Die Männer, die ich so kenne, reden meist mehr als die Frauen :D Aber ich fand dass gerade Laurels Vater hier vernünftig reagiert hat und war auch gar nicht verwundert oder überrascht, so wie du. Aber das liegt sicher daran, dass du andere Erfahrungen gemacht hast als ich. Wobei ich ja eh denke, dass jeder anders mit Trauer umgeht, allerdings ist der Verlust eines Kindes ja etwas sehr dramatisches, was auch viele Beziehungen in die Brüche gehen lässt

  • Ich würde das auch nicht auf ein Männer/Frauen-Ding reduzieren wollen. Eher ist es ein unterschiedliche-Charaktere-Ding.

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    (Agnès Varda)