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Leserunde mit Tobias O. Meißner ab 06.09.2019: Evil Miss Universe [Gesellschaftskritische Romantic Comedy]
Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 46 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Verena-Julia.

  • Ich finde, dass gerade solche Schilderungen das Buch sehr authentisch wirken lassen, denn genauso ist es doch heute auch, oder? Aber auch früher wurde Alkohol konsumiert und das auch nicht zu knapp. Was mein Vater immer so über seine Jugend erzählt (er wird 60), da bekomme selbst ich große Augen


    Authentisch sind die Schilderungen auf jeden Fall. Ich denke, man kann es wirklich nicht von der Zeit abhängig machen und sagen, dass früher nicht so viel getrunken wurde. Wenn ich mir die Geschichten meines Vaters (52 Jahre) anhöre, wird mich auch ganz schlecht :zwinker: Ich denke es hat viel mehr mit dem Ort, dem eigenen Charakter und den Freunden zu tun, ob man trinkt oder nicht. Ich zum Beispiel hatte mit 15 Jahren viel zu große Angst mich zu blamieren, da ich meine Grenzen ja noch nicht kannte und hab den Alkohol dann lieber stehen lassen ;)


    Ich fand die damals total genial, aber als ich auf Nirvana gekommen bin, da war Kurt Cobain schon längst tot. Der Kerl hat mich fasziniert.


    Ich war ebenfalls ein großer Nirvana und Kurt Cobain Fan. mein Zimmer hing voll mit Postern und die Musik höre ich auch heute noch ganz gerne ;)

  • Puuh, das Buch zieht einen stellenweise stimmungsmässig schon etwas runter. Am meisten war ich jetzt ehrlich gesagt bisher emotional berührt, als sie an River Phoenix geschrieben hat. Da ich mich noch genau daran erinnern kann, wie meine Schwester und ich morgens erfahren haben, daß er ums Leben gekommen ist. Den Film "Stand by me" mag ich sehr gerne und sehe ihn auch meist jetzt mit eine Spur melancholischer, weil die Rolle (zumindest bilde ich mich das ein) so gut zu River Phoenix gepasst hat. Dieser Brief hat mich deswegen einfach irgendwie sehr berührt und traurig gemacht.
    Insgesamt finde ich die Idee des Buches in Briefform zu schreiben. Interessant, bisher wusste ich auch bis auf eine Person mit allen etwas anzufangen. Irgendwie sind es fast nur tragische Gestalten an die sie ihre Briefe schreibt.
    Ein wenig seltsam finde ich i.ü. das Verhalten der Lehrerin, daß sie so darauf drängt, daß Laurel diesen Brief schreibt und es dann aber auch wieder so schleifen lässt.
    So genau weiß ich noch nicht, wie ich das Buch aber insgesamt finden soll. Es ist zum Teil ein "normaler" Teenieroman und auf der anderen Seite auch wieder eher tragisch und depremierend.
    Schade für Laurel finde ich, daß sie sich scheinbar nicht aus dem Schatten ihrer Schwester lösen kann und das die Familie dadurch so zu Bruch gegangen ist. Denn so wie es scheint, waren sie eigentlich ein netter Haufen. Aber leider ist es ja häufig so, daß ein Tod und so wie es aussieht scheint es auch noch ein recht plötzlicher gewesen zu sein, eine Familie entfremden oder einander näher bringen kann.
    Natürlich frage ich mich jetzt die ganze Zeit, was mit May passiert ist. Zu Anfang hatte ich auf Selbstmord getippt. Aber jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher. Da May scheinbar sehr lebensbejahend war.


  • Laurel finde ich interessant, auch wenn sie für ihr Alter sehr kindlich wirkt. Trotzdem mag ich sie bisher ganz gerne.
    Die Trauer um ihre Schwester May wird in dem Buch sehr gut dargestellt. Schon jetzt hat mich diese Trauer an verschiedenen Stellen sehr berührt.
    Wie May gestorben ist, weiß ich bisher noch nicht. Lediglich auf S. 12 befand sich der Hinweis, dass Blumen an einer Eisenbahnbrücke nieder gelegt wurden, was erste Vermutungen über den Unfall aufkommen lässt. Einen solchen Tod eines geliebten Menschen wünsche ich niemanden. Schon allein die Vorstellung...schrecklich.


    Ich könnte mir vorstellen, daß dieses kindliche auch daher kommt, daß sie recht behütet und beschützt bisher gelebt hat und jetzt einfach in ihrer ganzen (vor allem emotionalen) Entwicklung durch den Tod ihrer Schwester gestoppt worden ist.



    Sky, den Laurel ja so toll findet, mag ich momentan nicht besonders. Im Buch wird er als waaaaaaahnsinnig cool und unnahbar dargestellt. Ich hoffe daran ändert sich noch was.
    Was die "Freundschaft" zu Natalie und Hannah angeht bin ich momentan noch etwas zwiegespalten. Ich habe das Gefühl Laurel versucht zu sehr dazu zu gehören und verstellt sich, damit die beiden sie mögen. Allerdings ist dies ja auch erst der Anfang einer Freundschaft.


    Mir ist Sky gerade als Figur noch ziemlich egal. Da er zumindest für mich gerade noch so nichtssagend und blaß dargestellt worden ist. Irgendwie hat er bisher so keinen wirklichen Charakter oder Äußeres.



    Als Laurel von ihrem ersten Tag in der Schule zu erzählen beginnt, hatte ich ein Déjà-vu. Man sollte nicht meinen, dass die Kleidung, die man am ersten Tag in der neuen Klasse trägt, so wichtig ist, aber ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen - es ist tatsächlich so. Mir ging es so, als ich zum Beginn der 10. Klasse die Schule wechseln musste und vorher auch überlegte, was ich anziehen soll. An der ersten Reaktion meiner neuen MitschülerInnen merkte ich, dass es das falsche war. Das Fatale daran ist, dass man das nicht mehr ändern kann. Der erste Eindruck ist nun mal der erste Eindruck. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen und alles nochmal mit anderen Klamotten wiederholen.


    Aber ist das nicht immer so, daß man sich an seinen ersten Tagen (wo auch immer sie stattfinden) unglaublich viele Gedanken macht. Einfach, weil leider immer der erste Eindruck sehr viel ausmachen kann.



    Immerhin hat Laurel keine Schwierigkeiten in der Klasse. Dass sie so alleine ist, liegt sicher vor allem an ihrer Zurückgezogenheit. Immerhin bekommt sie Kontakt zu Natalie und Hanna, und im Gegensatz zu dir, coco, habe ich nicht das Gefühl, sie würde sich verstellen. Es dauert eben noch, bis die Mauern um sich herum etwas abträgt und anderen erlaubt, in ihren innersten Bereich einzutreten. Manche Leute haben keine Hemmungen, nach Ereignissen zu fragen, die jemanden sehr traurig gemacht haben. Dann ist es einfacher, sie nicht zu nahe an sich heran zu lassen, um solchen Fragen aus dem Weg zu gehen.


    Ich kann es auch verstehen, daß sie so zurückhalten ist. Denn sie betohnt doch mehrfach, daß sie nicht bemitleidet werden will und gerade hier in die Schule geht, weil sie hofft, daß niemand weiß das May ihre Schwester ist. Wahrscheinlich will sie erst einmal sicher gehen, daß es wirklich so ist. Außerdem wer weiß weswegen ihre Schwester gestorben ist, vielleicht liegt darin auch eine Erklärung.



    Laurel ist es sehr wichtig, dass alle sie mögen. In dem Abschnitt, in dem sie Tristan und Kristen kennenlernt, geht ihr nichts anderes durch den Kopf.
    Ich denke mit 14 / 15 Jahren ist das normal. Man hat sich selbst noch nicht so ganz gefunden und identifiziert sich am meisten über seine Freunde und die Menschen, die einen mögen. In Laurels Fall, die ja selbst schreibt, dass sie nicht weiß wer sie ist, ist dieser Wunsch also gleich mehrfach verständlich.


    Für mich scheint es so, als wenn sie es auch nicht gewöhnt ist einfach nur Lauren zu sein. Bisher war sie einfach immer nur Mays Schwester.



    Gegen Ende des ersten Abschnittes schreibt Laurel immer wieder, dass sie Schuld an dem Tod von Amy ist.
    Wie furchtbar, dass sie in dem jungen Alter schon so eine Belastung mit sich rum trägt. Es wundert mich, dass sie scheinbar zu keiner Psychologin geht.
    Die Mutter ist weit weg, der Vater verkraftet den schweren Verlust selbst nicht, die Tante erbittet Gott um das Seelenheil eines Teenagers der auf tragische Weise ums Leben gekommen ist. Und Laurel...macht die Dinge mit sich selbst aus. Das geht doch nicht!


    Die Frage ist, ob sie wirklich Schuld hat, oder ob sie nur glaubt daran Schuld zu haben. Und so wie es aussieht, nimmt niemand in ihrem Umfeld war, wie schlecht es ihr wirklich geht. Die Mutter ist quasi geflohen und der Vater so wie es aussieht hat sich auch sehr verändert. Ich denke sie hat auch niemanden erkenne lassen, wie schlecht es ihr geht.



    May und Laurel scheinen ein sehr enges Verhältnis gehabt zu haben. Kurz vor May's Tod hat Laurel mehr mit ihr als mit ihrer damals besten Freundin Janey unternommen. Die Szene, wie Laurel Janey nach sechs Monaten Funkstille wieder trifft fand ich sehr traurig, aber ebenso verständlich. Laurel versucht einen Schlussstrich zu ziehen, will nicht ständig an den Tod ihrer Schwester denken und da ihr keiner hilft es zu verarbeiten, muss sie den Tod ihrer Schwester so gut es geht verdrängen.


    Vielleicht ist es aber auch die Angst sich mit der Sache beschäftigen zu müssen. Oder sie will einfach nicht mehr an glückliche Zeiten erinnert werden, die sie vielleicht irgendwie mit May verbindet.



    Mir gefällt das Buch inzwischen sehr gut. Ich muss jetzt noch etwas anderes parallel lesen, sonst bin ich zu schnell mit den Love Letters durch :smile:.


    Das geht mir genauso, daß Buch liest sich sehr schnell weg. Wie gut, daß mein Buch erst am Montag angekommen ist.



    Was mir in letzter Zeit in mehreren Jugendbüchern aufgefallen ist, wieviel die trinken :entsetzt: Mal ein Bier oder auch ein Cocktail, von mir aus, aber eine Flasche Jim Beam? Und dann noch klauen... ich weiß nicht, ob ihre neuen Freundinnen wirklich der richtige Umgang sind, auch wenn ich sie eigentlich beide sympathisch finde!


    Naja, wenn man sich mal so im Karneval umschaut, oder in der NOA von diversen Kliniken, dann wird einem schon klar, daß das leider mittlerweile die Realität ist. Was ich persönlich ganz schrecklich finde.



    Ich habe mich übrigens gefragt, ob ihre Lehrerin das ganz bewusst gemacht hat, ihnen diese Aufgabe mit den Briefen zu stellen, weil sie Laurel irgendwie helfen wollte, den Tod ihrer Schwester May zu verarbeiten.
    Andererseits kann sich die Lehrerin doch denken, dass sie darin solch persönliche Dinge geschrieben hat, dass sie das nicht mehr abgeben will, wenn andere es lesen! :rollen:


    Ich habe mit dem Gedanken auch gespielt. Aber es wäre schon etwas seltsam, oder? Aber wer weiß?




    Zum Glück hat sie dann doch bald Kontakt gefunden – auch wenn Natalie und Hannah aber auch Kristen und Tristan schon echt schräge Vögel sind, aber irgendwie tun sie Laurel mit ihrer überdrehten Art gut und nehmen sie einfach so, wie sie ist.


    Wie findet Ihr die Beiden eigentlich?



    Ich frage mich die ganze Zeit, warum Laurels Wohnsituation so komisch ist? Die bräuchte doch einen festen Bezugspunkt und der wäre ja wohl so, dass sie nur an einem Ort lebt und nicht mal bei ihrem Vater und mal bei ihrer Tante. Das finde ich total schlimm für sie. Und dass die Mutter einfach vor der Situation flieht und ihre Tochter so im Stich lässt, das geht in meinen Augen gar nicht.


    Wahrscheinlich ist ihren Eltern überhaupt nicht bewust, daß diese Wohnsituation so seltsam ist. So wie es scheint, sind mit sich oder der Trauer beschäftigt.

  • Heute nacht bin ich ziemlich weit gekommen, der erste Abschnitt fast fertig:
    Es ist ja so, wenn man nachts liest, wird alles still, die Welt ist aus und wenn es das richtige Buch ist, kann es einem sehr gefangen nehmen und wer einen ähnlichen Verlust wie Laurel hat, den betäubt es sicherlich. Für mich ist es nicht wirklich die Auswahl ihrer Briefpartner, aber Laurel geht so naiv und zart mit ihrer Korrespondenz um, das ihre Geschichte mitreisst und fortspült. Die Briefe als Stilmittel zu wählen ist genial.
    Der gewaltsame Tod eines geliebten Menschen ist etwas total Surreales, das durchlebt Laurel immer noch, es ist Zeit für sie, wieder am Leben teilzunehmen, neu anzufangen. Mays Kleiderschrank hilft ihr dabei, sie hat ihre Schwester bewundert und versucht sie in sich selbst zu finden.
    Ein neues Selbstwertgefühl bringt auch neue Freunde, gut, das sie den Schulbezirk gewechselt hat.


  • Als Laurel von ihrem ersten Tag in der Schule zu erzählen beginnt, hatte ich ein Déjà-vu. Man sollte nicht meinen, dass die Kleidung, die man am ersten Tag in der neuen Klasse trägt, so wichtig ist, aber ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen - es ist tatsächlich so. Mir ging es so, als ich zum Beginn der 10. Klasse die Schule wechseln musste und vorher auch überlegte, was ich anziehen soll. An der ersten Reaktion meiner neuen MitschülerInnen merkte ich, dass es das falsche war. Das Fatale daran ist, dass man das nicht mehr ändern kann. Der erste Eindruck ist nun mal der erste Eindruck. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen und alles nochmal mit anderen Klamotten wiederholen.


    Ob am ersten Schultag an einer neuen Schule, am ersten Arbeitstag oder bei einem Bewerbungsgespräch - das was man an hat, kann einen wirklich definieren ("Kleider machen Leute" tritt in unserer Gesellschaft wirklich zu). Wobei das vermutlich auch unserem heutigen Denken in Schubladen verschuldet ist und ich denke auch, dass es nicht überall so extrem ist, dass man sich nur vom ersten Eindruck bestimmen lässt (auch wenn manche das bestimmt so halten, was ich einfach nicht richtig finde. So oberflächlich sollte man ja eigentlich nicht sein). Aber ich hab mich bei dieser Szene auch an meine Schulzeit erinnert, da wurde teilweise sogar darüber hergezogen, was man an hatte und hinter dem eigenen Rücken getuschelt (aber so, dass man es natürlich mitbekommt und verletzt wird). Traurig eigentlich, dass sowas passiert



    Immerhin hat Laurel keine Schwierigkeiten in der Klasse. Dass sie so alleine ist, liegt sicher vor allem an ihrer Zurückgezogenheit. Immerhin bekommt sie Kontakt zu Natalie und Hanna, und im Gegensatz zu dir, coco, habe ich nicht das Gefühl, sie würde sich verstellen. Es dauert eben noch, bis die Mauern um sich herum etwas abträgt und anderen erlaubt, in ihren innersten Bereich einzutreten. Manche Leute haben keine Hemmungen, nach Ereignissen zu fragen, die jemanden sehr traurig gemacht haben. Dann ist es einfacher, sie nicht zu nahe an sich heran zu lassen, um solchen Fragen aus dem Weg zu gehen.


    Ich stimme dir da zu. Ich fand nämlich auch, dass Laurel recht authentisch gewirkt hat. Nicht jeder ist offen, extrovertiert und lässt gleich alle in sich hineinblicken. Ich bin auch nicht so und konnte mich deswegen gut mit Laurel identifizieren. Wenn man neu irgendwo ist und noch keinen kennt, dann ist man (vielleicht auch je nachdem was man so für Erfahrungen mit anderen Menschen gemacht hat) vorsichtig und öffnet sich nicht sofort, weil man Angst hat verletzt oder ausgenutzt zu werden.


    Ich muss ja sagen, dass ich viele Personen, an die Laurel schreibt, nicht kenne/kannte. Ich hätte sie googlen müssen (teilweise hab ichs gemacht, teilweise war ich zu faul :breitgrins:). Z.B. war mir River Phoenix unbekannt und Elizabeth Bishop kenne ich auch nicht. Da habe ich teilweise schon an mir und meinem Verstand gezweifelt. Schön fand ich es aber, dass Laurel begründet, warum sie die jeweilige tote Person ausgewählt hat. So konnte ich als Leser ihr Handeln gut nachvollziehen.


    Allerdings habe ich noch keinen geliebten Menschen verloren (ganz anders als Laurel). Deswegen ist es für mich ein wenig schwer, ihre Lethargie und Trauer komplett nachzuempfinden. Ich kann ja verstehen, dass sie zu Beginn des Verlustes trauert und sich zurückzieht, aber irgendwann sollte sie doch auch aus ihrer Starre erwachen.. Sie selber kann nicht ihr Leben an sich vorbeziehen lassen (auch wenn sie es vielleicht gerne würde). Andererseits ist es ja z.B. bei Tieren oft so, dass diese (wenn sie jemanden verlieren) auch sehr lange trauern oder gar nicht über den Verlust hinwegkommen..und bei uns Menschen ist das ja in extremen Fällen nicht viel anders.


    Ich rätsele ja, was mit May passiert ist. Die Blumen an der Eisenbahnbrücke lassen ja mehrere Vermutungen zu. Von einem Unfall bis hin zu einem eventuellen Selbstmord...Ich bin schon neugierig, was es letztendlich sein wird.


  • Laurels Schwester May ist also durch einen Unfall gestorben und ich habe so ein wenig die Befürchtung, dass sie damit irgendwas zu tun hat oder sich vielleicht die Schuld daran gibt. Hier bin ich wirklich gespannt, was wir dazu erfahren werden.


    Ach, stand da, das es ein Unfall war? :entsetzt: Ich glaube, ich habe schlampig gelesen und muss nochmal nachschauen! Ich hatte nur die Erwähnung der Eisenbahnbrücke in Erinnerung und gar nicht, den Grund, was genau da passiert ist/was es war.



    Ich frage mich die ganze Zeit, warum Laurels Wohnsituation so komisch ist? Die bräuchte doch einen festen Bezugspunkt und der wäre ja wohl so, dass sie nur an einem Ort lebt und nicht mal bei ihrem Vater und mal bei ihrer Tante. Das finde ich total schlimm für sie. Und dass die Mutter einfach vor der Situation flieht und ihre Tochter so im Stich lässt, das geht in meinen Augen gar nicht.


    Naja, solche Mütter gibt es leider. Ich meine, ich kann die Mutter schon irgendwie verstehen, sie hat ja ein Kind verloren...aber sie hat ja dennoch noch ein zweites, um das sie sich auch kümmern müsste. Aber die Trauer verschluckt sie einfach so, dass sie vielleicht nicht nachdenkt/nachgedacht hat.
    Zur Wohnsituation: das hab ich mir damit erklärt, dass es vielleicht daran liegt, dass ihr Vater und die Tante arbeiten müssen und damit sie nicht alleine ist (wenn sie beispielsweise nur beim Vater wohnen würde und dieser arbeiten ist), wechselt sie den Wohnort..Ideal ist das natürlich keineswegs, da hast du recht. Ein wenig mehr Konstanz und etwas, das ihr Halt gibt, wäre sinniger für ihre Entwicklung.


  • Natürlich frage ich mich jetzt die ganze Zeit, was mit May passiert ist. Zu Anfang hatte ich auf Selbstmord getippt. Aber jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher. Da May scheinbar sehr lebensbejahend war.


    Ich hatte manchmal den Eindruck, dass May vielleicht gar nicht ihr wahres Ich gezeigt hat. Sie wirkte vielleicht nur auf alle so lebensbejahend und positiv, aber wer weiß schon, wie genau es in ihr drin aussah? Manchen Menschen fällt es ja sehr leicht zu verstecken, wie sie sich innerlich fühlen. Dann erscheinen sie z.B. völlig ruhig, obwohl sie total aufgeregt sind, fröhlich, obwohl sie innerlich zerbrechen und und und. Vielleicht hat May also nur für alle "Theater gespielt" und sich verstellt, sodass sie als lebensbejahend erscheint, obwohl sie es nicht war. Irgendwann war der Druck dann zu groß, sodass sie aufgegeben hat.

  • Ich hatte einen ähnlichen Eindruck, May ist nicht umsonst so locker und cool gewesen, sie hat sich nachts rausgeschlichen und nachts ist es bekannterweise am aufregendsten seine "erwachsene" Jugendseite zu entdecken, zu entwickeln..sie wird das richtig schön ausgekostet haben, was ja nicht heisst, das sie eine schlechte Schwester war, auch die Eltern scheinen sie verklärt zu sehen.

  • Ich habe mich übrigens gefragt, ob ihre Lehrerin das ganz bewusst gemacht hat, ihnen diese Aufgabe mit den Briefen zu stellen, weil sie Laurel irgendwie helfen wollte, den Tod ihrer Schwester May zu verarbeiten.
    Andererseits kann sich die Lehrerin doch denken, dass sie darin solch persönliche Dinge geschrieben hat, dass sie das nicht mehr abgeben will, wenn andere es lesen!


    Ich hatte nicht den Eindruck, das die Lehrerin einen persönlichen Brief verlangt hat, eher etwas allgemein-persönliches, etwas, was sie auch lesen darf, bei Laurel haben dadurch die Gedanken Flügel bekommen und es wirkt auf mich, wie Trauerverarbeitung. Ich, an Laurels Stelle hätte die Lehrerin gebeten, ihr eine andere Aufgabe zu stellen, sie hätte sicher Verständnis.
    Die Aufgabe war ja für die "normalen" Schüler gedacht, für jemand, der "frohen Mutes" drauf los schreiben kann..das Laurel damit Probleme haben könnte, hat sie sicher nicht bedacht.

  • Ich bin jetzt auch endlich dabei :schwitz: Erst mal mein Senf aus dem Gedächtnis, vielleicht ergänze ich heute abend noch was, wenn ich das Buch wieder bei der Hand habe.


    Der Einstieg hat mir sehr gut gefallen mit der Aufgabe, einen Brief an eine verstorbene berühmte Person zu schreiben. Dadurch, dass Laurel den Lieblingssänger ihrer toten Schwester wählt, sind wir auch schon gleich mittendrin in ihrem Leben und ihrer schwierigen Situation. Dass sie nach Mays Tod auf eine Schule gehen wollte, wo niemand sie kennt und über ihren Verlust Bescheid weiß, konnte ich sehr gut nachvollziehen. Ich bin ähnlich gestrickt und hätte gerade als Teenager genauso gehandelt.


    Als sie erste zaghaften Kontakte zu ihren Mitarbeitern knüpft, habe ich mich für sie gefreut, weil sie mir so einsam erschienen ist, aber ich weiß nicht so richtig, was ich von den beiden Mädchen halte. Vor allem Hannah lässt bei mir irgendwie die Alarmglocken läuten, und im weiteren Verlauf hat sich dieser Eindruck bestärkt. Nicht dass sie Laurel auf die schiefe Bahn führt ... auch ihre Spielerei mit den Jungs gefällt mir nicht.


    Mir tat es sehr leid, zu lesen, dass der Zusammenhalt in Laurels Familie nach Mays Tod vollends auseinandergebrochen ist :traurig: Ich frage mich, ob Laurel keine Freunde hatte, die sie hätten auffangen können? Vielleicht erfahren wir das ja noch.


    Ein klein bisschen verloren bin ich, was die zeitliche Einordnung angeht. River Phoenix, Nirvana, Jeanslatzhosen - das klingt eher nach 1992 als nach 2015 in meinen Ohren, aber dagegen sprechen die Handys ...


    Gestört hat mich auch die Capri-Sonne. In einem Buch, das in den USA spielt, will ich die eigentlich nicht haben (zumal später auch von Jell-O und nicht von Wackelpudding die Rede ist).

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Ich frage mich, was Sky in ihr sieht und ob er vielleicht May gekannt hat und mit ihr befreundet war, vielleicht sogar über ihren Tod etwas weiß,
    starrt er deswegen dauernd auf Laurel, weil er May in ihr sieht?
    Ihre neue Schule ist ja wirklich ein "Kuschel-Kino", jeden Blödsinn bringt man ihr dort bei..so labil, wie sie ist, macht sie bald alles mit.
    Eine "Highschool all inklusive".. :-/

  • Zitat von Doris

    Der erste Eindruck ist nun mal der erste Eindruck.


    Genau, es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Und Äußerlichkeiten sind bei Teenies halt nun mal (leider) sehr wichtig.


    Zitat von nicigirl85

    Ich frage mich die ganze Zeit, warum Laurels Wohnsituation so komisch ist? Die bräuchte doch einen festen Bezugspunkt und der wäre ja wohl so, dass sie nur an einem Ort lebt und nicht mal bei ihrem Vater und mal bei ihrer Tante. Das finde ich total schlimm für sie. Und dass die Mutter einfach vor der Situation flieht und ihre Tochter so im Stich lässt, das geht in meinen Augen gar nicht.


    Ist Laurel nicht vor Mays Tod schon zwischen Vater und Mutter hin- und hergependelt? Jetzt ist es halt Amy statt der Mutter, weil Laurel ja in Amys Bezirk zur Schule geht. Dass die Mutter sich komplett aus der Situation herauszieht, finde ich Laurel gegenüber auch ziemlich heftig.


    Was mir noch gerade eingefallen ist: die Szene, als die Lehrerin Laurel auf May anspricht und zu ihr sagt, ihre Schwester sei schon ein besonderes Mädchen gewesen. Irgendwie finde ich, dass das eine blöde Aussage ist, so, als sei Laurel selbst nichts Besonderes.


    Die Sauferei und auch das Kiffen ist mir ebenfalls ins Auge gestochen, aber ich glaube auch, dass junge Leute schon immer auf diese Weise Grenzen ausgetestet haben. Mein Stiefvater (inzwischen über 80) erzählt manchmal ganz schön schräge Dinge aus seiner Jugend!


    Sky wurde für mich erstmals richtig interessant, als die Clique nachts vor seinem Haus auftaucht und die Frau im Bademantel dort Blumen gießen sehen. Seine Mutter? Eine andere Verwandte? Aber sicher hat sie irgendein Problem, wenn sie mitten in der Nacht mit der Gießkanne rumläuft, und ist der Grund, warum Sky niemanden an sich ranlässt.

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    (Agnès Varda)

    Einmal editiert, zuletzt von Valentine ()



  • Ein klein bisschen verloren bin ich, was die zeitliche Einordnung angeht. River Phoenix, Nirvana, Jeanslatzhosen - das klingt eher nach 1992 als nach 2015 in meinen Ohren, aber dagegen sprechen die Handys ...


    Gestört hat mich auch die Capri-Sonne. In einem Buch, das in den USA spielt, will ich die eigentlich nicht haben (zumal später auch von Jell-O und nicht von Wackelpudding die Rede ist).


    Naja, der Tod ist zeitlos, gewundert habe ich mich über Judy Garland, Mr Ed und Amelia Earheart..aber SLASH von GN`R kennt sie nicht, das war für mich unglaubwürdig, besonders für die U.S.A..
    Ja, stimmt, "Capri Sun" gibt es dort auch, hätte man auch ohne Übersetzung kapiert..

  • Ich glaube, Judy Garland ist durch den "Wizard of Oz" ziemlich präsent in den USA, ebenso ist Mr. Ed eine bekannte TV-Figur und Amelia Earhart eine historische Kultfigur. Über Slash hab ich mich auch ein wenig gewundert, andererseits wüsste ich die Namen vieler Bandmitglieder auch nicht (ich kriege nicht mal die Stones aus dem Kopf zusammen).

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    (Agnès Varda)


  • Ist Laurel nicht vor Mays Tod schon zwischen Vater und Mutter hin- und hergependelt? Jetzt ist es halt Amy statt der Mutter, weil Laurel ja in Amys Bezirk zur Schule geht. Dass die Mutter sich komplett aus der Situation herauszieht, finde ich Laurel gegenüber auch ziemlich heftig.


    Ja das schon, aber es ist für mich ein Unterschied, ob ich zwischen Vater und Mutter pendele oder zwischen Vater und Tante. Wenn sich die Mutter aus der Sache raushält, dann ist ja wohl erstmal der Vater dran, denn die Tante sollte damit doch eigentlich weniger zu tun haben, oder?

    &WCF_AMPERSAND"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende&WCF_AMPERSAND" (H.M. Enzensberger)


  • Zur Wohnsituation: das hab ich mir damit erklärt, dass es vielleicht daran liegt, dass ihr Vater und die Tante arbeiten müssen und damit sie nicht alleine ist (wenn sie beispielsweise nur beim Vater wohnen würde und dieser arbeiten ist), wechselt sie den Wohnort..Ideal ist das natürlich keineswegs, da hast du recht. Ein wenig mehr Konstanz und etwas, das ihr Halt gibt, wäre sinniger für ihre Entwicklung.


    Dein Gedanke ist durchaus interessant, danke Skyline.


    Für mich trotzdem nur schwer nachvollziehbar, da ich seit meinem 7. Lebensjahr (sprich ab Einschulung) Schlüsselkind war, d.h. wenn ich von der Schule heim kam, dann war bis abends auch kein Elternteil da und da meine Schwester 6 Jahre älter ist als ich, kam die meist auch erst gegen 16 Uhr heim. Für mich war das normal und hat mich nicht gestört. Nun ja und so jung ist Laurel ja nun nicht... :rollen:

    &WCF_AMPERSAND"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende&WCF_AMPERSAND" (H.M. Enzensberger)


  • Ein klein bisschen verloren bin ich, was die zeitliche Einordnung angeht. River Phoenix, Nirvana, Jeanslatzhosen - das klingt eher nach 1992 als nach 2015 in meinen Ohren, aber dagegen sprechen die Handys ...


    Laurel schreibt an Amy Winehouse, die 2011 starb. Also muss die Handlung danach angesiedelt sein.

  • Das ist ein unschlagbares Argument :breitgrins: Ich bin momentan echt ein bisschen neben der Spur :rollen:

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)


  • Ich bin momentan echt ein bisschen neben der Spur :rollen:


    Macht nichts, sofern es sich auf das Buch bezieht. Ansonsten hoffe ich, dass nichts Schlimmeres dahinter steckt :knuddel:.


    Ohne die Briefe an Amy Winehouse hätte ich die Handlung sogar noch vor 1992 eingeordnet. Seit Grease muss ich aufpassen, dass ich solche Highschool-Geschichten nicht automatisch mit Petticoat und Haartolle in Verbindung bringe :breitgrins:.


  • Macht nichts, sofern es sich auf das Buch bezieht. Ansonsten hoffe ich, dass nichts Schlimmeres dahinter steckt :knuddel:.


    Nichts Schlimmeres als Highlife auf der Arbeit. Aber ein Ende ist in Sicht - noch eine Dienstreise von Samstag bis Mittwoch, dann dürfte wieder etwas mehr Ruhe einkehren. Danke der Nachfrage :bussi:


    Zitat

    Ohne die Briefe an Amy Winehouse hätte ich die Handlung sogar noch vor 1992 eingeordnet. Seit Grease muss ich aufpassen, dass ich solche Highschool-Geschichten nicht automatisch mit Petticoat und Haartolle in Verbindung bringe :breitgrins:.


    :lachen:


    Ich habe in Latzjeans und Nirvana-Buttons meine eigene Schulzeit wiedererkannt, die sich in den 90ern abspielte.

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    (Agnès Varda)