Emma Donoghue - Landing

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Es gibt 7 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Doris.

  • Emma Donoghue - Landing


    Sile, Stewardess aus Dublin, und Jude, die in einem Museum in einem kleinen kanadischen Ort arbeitet, treffen sich auf einem Flug. Nachdem sieauf dem Flughafen noch zusammen Kaffee trinken, trennen sich ihre Wege wieder. Aber sie halten Kontakt, per Brief, später auch per Telefon, und sie verlieben sich ineinander. Treffen sind aufgrund der großen Entfernung natürlich schwierig, die gemeinsame Zeit daher sehr knapp.
    Es muss also eine Entscheidung her: Ist diese Liebe für beide Frauen groß genug, dass eine von iihnen bereit ist, ihr Leben aufzugeben und Freunde / Familie zu verlassen, um zu ihrer Freundin zu ziehen? Und wenn ja, wer von beiden sollte diesen Schritt wagen?


    In "Landing" begleiten wir die beiden Frauen in ihrer Beziehung, vom Kennenlernen bis zum Eingeständnis, dass es mehr als nur Sympathie und Freundschaft ist, bei den folgenden Briefen, Telefonaten, dann auch Mails, bis zum ersten Treffen, dem folgenden Warten auf das nächste Treffen, der Ungewissheit, ob und wann es dazu kommt und am Ende natürlich der großen Frage, wie viel die Beziehung wert ist, ob es sich lohnt, dafür weit weg zu ziehen oder ob eine Trennung die bessere Lösung wäre.


    Sile und Jude führen natürlich eine extreme Fernbeziehung, sie warten nicht auf das nächste Wochenende, zwischen ihren Treffen liegen schon mal Monate. Außerdem hat Jude keinen Computer und zunächst auch keine Möglichkeit, Sile zu mailen, und Telefonate sind teuer. So sind die Zeiträume zwischen den Telefonaten oder Besuchen vor allem von der Frage geprägt, was die andere gerade tut, wo und mit wem sie zusammen ist.
    Neben der Entfernung haben die beiden allerdings noch andere Probleme zu überwinden, sie haben einen Altersunterschied von ~15 Jahren und führen recht unterschiedliche Leben.
    Dies alles, die Höhen und Tiefen dieser Beziehung, beschreibt Emma Donoghue sehr anschaulich, unterhaltsam, man wünscht den Frauen ihr Happy End.
    Das Ende hat mich übrigens ein wenig überrascht, ich hätte tatsächlich mit einer anderen "Entscheidung" gerechnet.


    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:


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  • Hallo Enid,
    danke für die Rezi. :winken:


    Wie sieht es denn mit der Sprache aus?
    Die hat mich in "Room" von E. Donoghue sehr genervt. Ist "Landing" angenehmer zu lesen?
    Sind da große Logiklöcher drin - Dinge passieren unnachvollziehbar schnell etc.?
    Der Zeitraffereffekt hatte mich in "Room" ebenfalls genervt - erst hatte man das große Problem und dann wurde es im Handumdrehen eher unrealistisch gelöst.


    LG von
    Keshia

    Ich sammele Kochbücher, Foodfotos und Zitate.


    <3 Aktuelle Lieblingsbücher: "The good people" von Hannah Kent, "Plate to pixel" von Hélène Dujardin und "The elegance of the hedgehog" von Muriel Barbery.

  • Ich fand die Sprache nicht störend, das war schon gut und angenehm zu lesen.
    Auch kam die Lösung nicht plötzlich aus dem Nichts, das große Problem wurde immer wieder angesprochen, diskutiert, die verschiedenen Möglichkeiten besprochen.
    Aber ich denke auch, dass das, was dich bei "Room" (das ich nicht gelesen habe) gestört hat, vielleicht bei "Landing" nicht so sehr ins Gewicht fällt, da man bei einer Liebesgeschichte vielleicht doch andere Erwartungen hat. Ich zumindest störe mich nicht bei jedem Genre an denselben Dingen - ich hoffe, du verstehst, was ich sagen will... :redface:

  • Inhalt
    Während eines Transatlantikfluges stirbt der Passagier im Sitz neben Jude. Die zuständige Flugbegleiterin Síle lädt Jude danach auf einen Kaffee ein, wobei sich die Frauen gleich sympathisch sind und anschließend ihr Mailadressen austauschen. Es entsteht ein reger Kontakt quer über den Atlantik, denn Jude lebt in der Provinz Ontario in Kanada und Síle in Irland. Bald entdecken sie, dass die Sympathie über das normale Maß weit hinausgeht. Es entwickelt sich eine intensive Beziehung, die allerdings von langen Trennungszeiten getrübt wird, denn die beiden leben ihr Leben in den jeweiligen Heimatländern weiter. Natürlich kommt der Wunsch auf, zusammen zu leben, aber keine kann sich vorstellen, ihr Zuhause, den Job und den Freundeskreis aufzugeben und zur Partnerin umzusiedeln. Hat diese Beziehung eine Zukunft?


    Der Altersunterschied von 15 Jahren spielt eigentlich nur eine untergeordnete Rolle, jedenfalls für Jude und Síle. Viel mehr Bedeutung nehmen die Lebensumstände ein. Eine Fernbeziehung auf längere Dauer ist nicht nur finanziell eine Belastung. Die meiste Zeit sind sie alleine, können Freude oder Kummer nicht teilen und müssen mit allem allein fertig werden, wobei das größte Problem die Sehnsucht nach der Partnerin ist. Früher oder später kommen ernsthafte Überlegungen auf, sich zusammenzutun. Doch bei der Überlegung, ihr gewohntes Leben zu ändern, fangen sie an, es zu schätzen. Familie, Job oder Freunde, die man seit vielen Jahren kennt, gibt man nicht einfach so auf. Die Unterschiede zwischen einer modernen Großstadt und einem bodenständigen 600-Seelen-Ort sind gravierend. Sollen sie das aufs Spiel setzen für eine Beziehung, bei der sie keine Garantie haben, dass sie über die Jahre Bestand hat, besonders weil sie vorher höchstens zwei Wochen am Stück miteinander verbracht haben? Der Alltag sieht immer anders aus als sorglose, gemeinsam verbrachte Urlaubstage. Aber wenn sie zuammen leben wollen, muss eine von ihnen auswandern.


    Emma Donoghue schildert eine Fernbeziehung, die im modernen Kommunikationszeitalter trotz der großen Entfernung funktioniert, auch wenn zwischendurch einmal ein Moment der inneren Zerrissenheit eintritt und Angst dominiert. Wirkliche große Probleme sind nicht zu bewältigen, deshalb plätschert die Erzählung mitunter fast etwas lustlos dahin. Dafür kommt die Atmosphäre an den verschiedenen Örtlichkeiten wie z. B. den Dubliner Kneipen schön zur Geltung. Auch die Stimmungen des Paares sind gut spürbar. Die hin und wieder eingestreuten E-Mails sorgen für Abwechslung und Authentizität. Erst als allmählich deutlich wird, dass es über diese weite Distanz auf Dauer nicht weitergehen kann, wird es abwechslungsreicher.


    Unterm Strich eine Geschichte ohne spektakuläre Spannungsmomente, die sich lange nicht von anderen Liebesgeschichten abhebt. Erst als die unterschwellige Angst um eine gemeinsame Zukunft mehr in den Vordergrund tritt, nimmt die Sache Fahrt auf.


    3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

  • Auch wenn du nicht 100%ig überzeugt warst und das Genre nicht meins ist, hat mich deine Rezi neugierig gemacht. Ich kenne bis jetzt nur Roomvon der Autorin, das mir sehr gut gefallen hat. Deshalb gebe ich Landingauch eine Chance,

    Es kommt darauf an, wie du dein Leben mit Leben füllst.

  • Ich bin auch kein ausgesprochener Freund von modernen Lovestorys. "Landing" ist auch nur bei mir gelandet :smile:, weil mich "Room" beeindruckt hat. Also gleiche Voraussetzungen wie bei dir. Für zwischendurch ist es eine ganz nette Lektüre.

  • Manchmal muss es auch nicht mehr sein :zwinker:

    Es kommt darauf an, wie du dein Leben mit Leben füllst.

  • Genau. Allerdings bin ich kein Maßstab für solche Geschichten. Jemand anders hat wahrscheinlich mehr Spaß an der Story, aber ich erwarte mir etwas mehr als nur Dahingeplätscher und ein kleines Highlight zum Schluss. Ich habe auch keine Fernbeziehung. Auf Amazon waren die Leserinnen überwiegend begeistert.